Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / K-Pop / BTS / Foolish

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Foolish

von Atelier
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Jimin V
15.11.2020
24.08.2021
11
51.548
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22.02.2021 5.512
 
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Niemand würde mit nur 21 Jahren erwarten, dass man lediglich zwei Monate oder weniger noch zu leben hatte.


Zwei Monate bedeuteten, dass er die meisten Geburtstage seiner Freunde verpassen würde, den Beginn des neuen Schuljahrs, seinen Geburtstag, Weihnachten. Taehyungs Geburtstag, flüsterte eine kleine Stimme in seinem Kopf und er schob diesen Gedanken ganz weit weg. Etwas schwerfällig zog er seine Kleidung wieder an, seine Gliedmaßen waren ein wenig wund und zitterten unkontrolliert von dem physischen und emotionalen Trauma.


Jungkook war im Badezimmer und wusch sich das Gesicht. Seine Augen waren rot und geschwollen, bevor er sich so beruhigt hatte, dass er wieder richtig atmen konnte.


„Bist du bereit zu gehen?“ ,fragte Jimin, als er hörte, wie sich die Tür öffnete.


„Meine Schicht hat gerade erst begonnen, also nicht ganz.“ ,witzelte Doktor Choi flach. Er betrat den Raum ganz und hielt Jimin ein Blatt Papier hin. „Die Diagnose, die ich dir gesetzlich geben muss. Ich weiß, dass du eine Entscheidung treffen musst und dass du dafür etwas Zeit brauchst.“


„Eine Option.“ Jimin lachte trocken, nahm das Blatt und faltete es zusammen, um es einzustecken. Choi stimmte leise zu. Er griff in die Tasche seines Kittels und zog eine Visitenkarte heraus. Er schrieb etwas auf die Rückseite der Karte und hielt sie Jimin hin.


„Meine Visitenkarte mit der Nummer des Krankenhauses und der, meines Pagers. Ruf mich an, wenn du eine Entscheidung getroffen hast. Ich werde mich in etwa einer Woche bei dir melden, um deine Antwort zu hören.“ Er machte eine kurze Pause und fuhr dann fort: „Meine persönliche Handynummer steht auf der Rückseite. Falls du jemanden zum Reden brauchst, kannst du mich gerne anrufen.“


„Danke, Doktor.“ Jimin nahm sie und steckte die Karte in sein Portemonnaie. „Ich weiß es zu schätzen, dass Sie sich heute die Zeit genommen haben.“


„Es tut mir nur leid, dass ich dir keine besseren Nachrichten überbringen konnte.“ Der Arzt sah verärgert über sich selbst aus, die Hände gruben sich in seine Kitteltaschen. „Und noch einmal, bitte ruf mich an, wenn du etwas brauchst.“


„Dankeschön.“ Jimin lächelte sanft. „Und ich werde irgendwie versuchen, die Nummer von Jungkookie fernzuhalten.“ Der Arzt lachte, als er zur Tür ging.


„Nun, das wäre nicht das Schlimmste, was passieren könnte.“ ,zwinkerte er und winkte als er ging. Jimin schüttelte mit einem kleinen Lächeln den Kopf und drehte sich um, als sich die Tür zum Badezimmer öffnete. Jungkook stand, das Gesicht immer noch feucht, aber nicht weniger geschwollen.


„Bereit zu gehen, Kookie?“ Jimin warf sich seine Tasche über die Schulter und sah sich im Raum um, um sicherzugehen, dass er nichts vergessen hatte. Jungkook nickte und folgte dem Kleineren zur Rezeption. Jimin ignorierte die mitleidigen Blicke, die er dort von den Krankenschwestern erhielt.


Die plötzliche Stille sagte ihm, dass sie und die Pfleger von seiner Prognose wussten. Er meldete sich am Empfang ab, übergab das Klemmbrett der Schwester, die ihm vorhin geholfen hatte und lächelte. „Danke für Ihre Hilfe. Haben Sie noch einen schönen Abend.“


Sie nahm das Klemmbrett und hielt inne, als wollte sie etwas sagen, überlegte es sich dann aber anders und erwiderte sein Lächeln. „Euch auch, Jungs.“


Jimin winkte und lenkte den Jüngeren zum Ausgang. Die automatischen Türen öffneten sich, um die kühle Abendbrise hereinzulassen. Er atmete tief durch, als sie zum Parkplatz gingen und die abendliche Sommerluft auf ihrer Haut genossen. „Dafür, dass es Ende Mai ist, ist es schön heute Abend.“ ,sagte Jimin und rutschte in den Beifahrersitz von Jungkooks Honda. „Ich liebe dieses Wetter. Wir sollten die Jungs dazu überreden mit uns zelten zu gehen, bevor es zu heiß dafür ist.“


Jungkook schlug plötzlich mit den Händen gegen das Lenkrad und die Hupe des Autos durchbrach die nächtliche Stille. Jimin zuckte zusammen und sah mit großen Augen zu dem Größeren, als der sich mit ungläubigen Blick zu ihm drehte. „Wen interessiert es, wie schön der Abend ist? Willst du mich eigentlich verarschen? Ein Campingausflug? Das ist, worüber du gerade nachdenkst? Ein beschissener Campingausflug?“


Jimin runzelte die Stirn. „Woran soll ich denn sonst denken?“


„Oh, keine Ahnung. Vielleicht die Krankheit, die bei dir gerade diagnostiziert wurde?! Die Prognose, die Doktor Choi dir gegeben hat? Das verdammte Gestrüpp, dass dich langsam umbringt?!“ Zum Ende hin war er immer lauter geworden.


Jimin fühlte ein leichtes Stechen in seiner Brust. „Du willst, dass ich über das Todesurteil nachdenke, dass ich gerade bekommen habe? Das Todesurteil, das mir noch mindestens zwei Monate verspricht, obwohl ich eigentlich noch ungefähr sechzig Jahre vor mir habe?“ Jimin war jetzt ebenfalls am schreien. „Du willst, dass ich mich der Tatsache stelle, dass ich niemals das College beenden werde? Das ich meine Karriere vergessen kann? Das ich nie wieder einen Geburtstag mit einem von euch feiern kann? Oder sonst einen Feiertag? Dass ich nie heiraten werde… Kinder haben werde und mit der Liebe meines Lebens alt werden kann? Das mein Leben im Grunde vorbei ist?“


Jungkook war blass und Tränen liefen über seine Wangen. „Hyung…“


„Nun, es tut mir leid, wenn es dir so vorkommt, als würde ich damit klarkommen, dass ich sterben werde. Dann pass mal auf! Ich habe Angst davor, Jungkook! Ich will all diese Dinge und jetzt weiß ich, dass ich sie niemals bekommen werde!“ Jimin konnte fühlen, wie seine Augen brannten. „Aber ich habe Pech gehabt. Mir wurde eine Frist gegeben und jetzt muss ich damit leben. Also werde ich über das schöne Wetter sprechen, Ausflüge planen und versuchen, die kleinen Dinge im Leben zu genießen, solange ich das noch kann. Ist das in Ordnung? Ist das in Ordnung für dich, Jungkook?“


„Okay, okay, ja, es tut mir leid… Aber Hyung, es muss nicht so enden. Taehyung–“


„Taehyung liebt mich nicht auf diese Weise, Jungkook. Für ihn bin ich nur ein Freund, den er seit Jahren kennt. Ha, viel mehr sein bester Freund. Aber das war’s, Ende der Geschichte, Vorhang runter, Fall geschlossen.“ ,unterbrach er ihn kopfschüttelnd. „Und das ist okay. Das ist meine Schuld und ich muss jetzt mit den Konsequenzen leben. Kannst du mich jetzt bitte nach Hause fahren?“


„Okay.“ ,antwortete der Jüngste leise. Jimin starrte aus dem Beifahrerfenster, um sich von Jungkooks leisen Schluchzern abzulenken. Die Fahrt dauerte wegen den späten Abendstunden nicht lang und sie erreichten sein Wohnhaus relativ schnell. Er griff nach seiner Tasche und drehte sich zu Jungkook um.


„Danke, dass du mich ins Krankenhaus begleitet hast. Ich weiß nicht, was ich ohne dich getan hätte.“ Er beugte sich vor, schloss Jungkook in seine Arme und spürte, wie sein Körper bebte. „Ich liebe dich, Kook-ah. Komm heil zu Hause an, okay?“ Als Antwort erhielt er ein Nicken, bevor er aus dem Auto ausstieg. „Und Jungkookie? Niemand darf davon wissen. Noch nicht jedenfalls. Ich werde Doktor Choi in ein paar Tagen anrufen, um ihm meine Entscheidung mitzuteilen. Ich möchte die nächsten Wochen wirklich gerne mit den anderen genießen… ohne das die dunklen Wolken meiner Prognose als versauen. Okay Kook?“ Jungkook starrte ihn mit gebrochenem Herzen an. „Ich fühle mich schrecklich, dich um so etwas zu bitten. Besonders, wenn es um etwas so Großes geht. Aber ich brauche das.“


„Okay Hyung.“ ,lautete die sanfte Antwort. Jimin lächelte und umarmte den Jüngeren erneut.


„Dankeschön. Wir sehen uns morgen beim Training.“ Er schloss die Autotür und winkte, als Jungkook davon fuhr. Leise seufzend stählte er sich, bevor er das Gebäude betrat und mit dem Aufzug in sein Stockwerk fuhr. Als er die Tür aufschloss, war er überrascht als er sah, dass Taehyung in einem seidengrünen Pyjama auf der Couch saß, Tee trank und durch ein Buch blätterte, während der Fernseher leise im Hintergrund lief. Sein Haar fiel über sein Gesicht, leicht feucht von seiner kürzlichen Dusche, eine Brille auf der Nase.


Taehyung sah auf, schloss sein Buch und lächelte. „Hallo du.“


„Hallo auch an dich.“ Jimin ließ seine Tasche neben dem Tischchen an der Tür fallen und ging auf Taehyung zu. Er war so… so wunderschön, entschied Jimin, als seine Augen über das Gesicht des Blauhaarigen wanderten. Sein Lächeln strahlte und Jimin liebte die Art, wie er mit Brille aussah, obwohl Taehyung dachte, sie ließ ihn nerdig aussehen und trug deswegen lieber Kontaktlinsen. Mit einem Seufzer setzte der Ältere sich neben ihn und legte sich so hin, dass sein Kopf in Taehyungs Schoß fiel. Er schloss seine Augen, als er eine große Hand spürte, die durch sein Haar fuhr.


„Du scheinst nicht betrunken zu sein.“ Taehyung klang amüsiert.


„Bin ich nicht.“ ,antwortete Jimin, kratzte sich an der Nase und bedeckte seinen Mund, als er hustete. „Kookie hat überreagiert.“


„Vorhin klang das aber nicht so. Ich habe mir sogar schon einen Plan zusammengestellt, wie ich dich ins Bett bekomme.“ Jimins Herz machte einen Satz bei der unbeabsichtigten Anspielung. Die Ungerechtigkeit des Ganzen brachte ihn zum Lachen. „Alles in Ordnung?“


„Ja, nur müde. Ich bin froh, wenn das Vortanzen vorbei ist.“ Er versuchte zu ignorieren, wie seine Brust brannte. Das Vortanzen war nicht länger wichtig. Er schob diesen Gedanken beiseite und beschloss, sich später damit zu befassen. Er wusste, dass er sein Bestes geben musste, damit Hoseok und Jungkook aufgenommen werden konnten.


„Du hast hart gearbeitet. Wenn du mit den Auditions fertig bist, könnten wir uns alle eine Auszeit nehmen und einen Ausflug machen.“


Jimin lächelte, da sie oft das Gleiche dachten und antwortete: „Ich habe Kookie vorhin gesagt, wir sollten alle mal zelten gehen, bevor es dafür zu heiß wird.“ Mit einem lauten Stöhnen setzte er sich auf und streckte sich. „Ich weiß, dass du nicht der größte Fan von Wanderungen und Camping bist, aber er gibt diesen großartigen Ort, an dem du nachts die Sterne klar und deutlich sehen kannst.“


„Ich würde liebend gern mit dir gehen.“ ,lächelte Taehyung, als er zu dem Kleineren hinübersah und ihm seinen Tee anbot. Jimin schüttelte den Kopf, nahm ihn dennoch entgegen und stellte die Tasse auf dem Kaffeetisch ab. „Jetzt komm her, wir haben seit Ewigkeiten nicht mehr gekuschelt. Ich brauche mein Vitamin K!“ Taehyung streckte die Arme aus und entkreuzte seine Beine.


„Es ist noch gar nicht so lange her, dass ein gewisser Jemand in mein Zimmer eingebrochen ist und sich zu mir in mein Bett gelegt hat.“


„Wenn es heute früh nicht passiert ist, dann ist es zu lange her.“ ,schmollte Taehyung und sah so niedergeschlagen aus, dass Jimin einen Stich in seiner Brust spürte, der ihn leicht husten ließ. „Bitte Jiminie.“


Seufzend gab der Ältere nach, krabbelte auf Händen und Knien zwischen Taehyungs Beine, drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen seine Brust, während der Größere seine Arme um ihn schlang. Jimin spürte seine Nase an seinem Hinterkopf, während er festgehalten wurde. Und dann ging ihm ein Licht auf.


Taehyung liebte ihn vielleicht nicht mehr als einen Freund oder Bruder, aber er liebte ihn, als wäre er Familie. Und Taehyung war auch so schon liebevoll und anhänglich genug, wie jetzt zum Beispiel. Was ein normaler Mensch nur mit seiner Beziehung oder seinem Ehepartner machen würde, tat er mit Jimin auch jetzt schon. Der einzige, der jemals gegen seine Liebe zum Skinship – halbherzig oder nicht – protestiert hatte, war Jimin selbst. Taehyung fand es nie seltsam oder abnormal und wurde sogar traurig, wenn Jimin jegliche körperliche Zuneigung verweigerte.


Deswegen entschied Jimin, sich nicht länger davor zu sträuben. Vielleicht nutzte er seinen besten Freund nur aus, aber wenn er nur noch zwei Monate lang zu leben hatte, versuchte er Taehyungs Anhänglichkeit zu genießen. Vielleicht könnte Jimin so tun, als würde er seine Liebe irgendwann erwidern. Wenn er doch nur ein bisschen mehr Zeit hätte… Es schien nicht zu viel verlangt zu sein, oder?


Das Jammern und die Proteste des Jüngeren ignorierend, zog Jimin sich für einen Moment zurück, um sich auf den Bauch zu drehen und legte die Arme um Taehyungs Taille. Jimin vergrub das Gesicht in seiner Brust, blendete das unangenehme Gefühl aus, wie sich die Knöpfe seines Hemdes in seine Wange bohrten, und drückte sein Ohr an die Stelle, an der er Taehyungs Herzschlag am besten hören konnte. „Du bist so warm.“ ,murmelte er.


Es dauerte einen Moment, der Größere war deutlich überrascht, bevor er Jimins Umarmung erwiderte. „Und du riechst gut.“


„Du bist heute Abend ziemlich anschmiegsam.“


„Langer Tag.“


Die Umarmung linderte den Schmerz in ihm und ließ die Anspannung verschwinden, während Taehyung mit seinen Fingern durch seine Haare kämmte oder über seinen Rücken strich. „Wenn es dich stört, kann ich auch ins Bett gehen.“


„Nein! Nein, es war nur eine Feststellung.“ ,reagierte Taehyung schnell und drückte ihn ein wenig, bevor er seine Streicheleinheiten fortsetzte. Sie schwiegen für eine Weile.


Taehyungs Stimme erschreckte einen halb eingeschlafenen Jimin fast zu Tode, als sie die Stille durchbrach: „Oh, ich hatte eine Idee für unsere nächsten Haarfarben.“


„Ja?“


„Ich weiß, dass wir darüber gesprochen haben, als nächstes dunklere Farben zu versuchen, aber ich würde es hassen, unsere Haare in ein paar Monaten zu bleichen. Also dachte ich, wir könnten als nächstes Pastellfarben nehmen. Wie hellblau oder grün!“


„Du hast doch schon blaue Haare.“


„Nein, du hättest blaue Haare! Und dann in neun oder zehn Wochen, wenn die Farben verblasst sind, können wir die dunklen Farben ausprobieren.“ Er klang so aufgeregt und Jimins Herz zerbrach noch ein wenig mehr. „Und wir müssen unbedingt nochmal Blond versuchen.“


Jimin drückte sein Gesicht ein bisschen mehr in seine Brust und betete, dass Taehyung seine Tränen nicht auf der Seide seines grünen Pyjamas bemerken würde. „Ja, Tae, hört sich gut an. Alles was du willst.“



===



Die nächsten Tage waren ein Wirbelwind an Aktivitäten, als Jimin zwischen den Abenden mit seinen Freunden, Tanztraining und seinem Teilzeitjob hin und her sprang. Er hatte sich dazu entschlossen, jetzt, da seine Tage gezählt waren, noch dynamischer zu leben.


Er lachte heftiger über Witze, alberte mit Jungkook vor den Hyungs herum, umarmte die anderen so oft wie möglich und merkte sich, wie sich ihre Umarmungen anfühlten. Abends verbrachte er Zeit mit Taehyung, entschieden, alle Filme anzusehen, die er ansehen wollte und hörte jedem Gedicht aufmerksam zu, das er ihm aus einem seiner Bücher vorlas.


Spät in der Nacht, wenn Taehyung schon längst im Bett lag, saß Jimin an seinem Schreibtisch und schrieb Briefe. Dutzende davon, an jeden seiner Freunde. Er sammelte ihre gemeinsamen Erinnerungen, erzählte ihnen, wie sehr er sich um jeden von ihnen sorgte und wie er hoffte, dass sie alle für immer zusammen sein würden, auch wenn er nicht mehr da sein würde.


Die Drogerie in der Nähe ihrer Wohnung besaß Fotodruckautomaten im hinteren Teil des Ladens. Jimin stattete ihr eines Nachts einen Besuch ab, um die eingesendeten Bilder abzuholen und Fotoalben für alle zusammenzustellen, obwohl er unverschämt mehr Arbeit in Taehyungs Album steckte.


Es gab buchstäblich Tausende von Dingen, die er sagen wollte, Hunderte von Bildern, die im Laufe der Jahre aufgenommen wurden. In den Nächten, in denen er an Taehyungs Geschenken arbeitete, brach er zusammen und weinte.


Die anderen hatten seine Veränderungen bemerkt, kommentierten, wie sprudelnd er in letzter Zeit war, aufgeregt, dass es so schien, als würde es ihm endlich wieder besser gehen. Alle waren hellauf, bis auf Jungkook, der ruhig in einer Ecke stand und innerlich vor Wut und Verzweiflung kochte. Als er zu offensichtlich wurde und danach gefragt wurde, sagte er nur, dass ihm viele Dinge durch den Kopf gingen und dass es ihm gut ginge. Doch der gespenstische Ausdruck in seinen Augen erzählte Jimin eine ganz andere Geschichte.


Es war klar, dass seine Sterblichkeit den Jüngsten genauso stark traf, wie Jimin, wenn nicht sogar noch stärker.


Jimin versuchte zu kompensieren und schenkte den anderen Jungen mehr Aufmerksamkeit als sonst. Das Dokument seiner Prognose, das er jeden Tag in der Tasche trug, erinnerte ihn ständig daran, den Menschen, die er liebte, alles zu geben.


Am Tag des Vortanzens war Hoseok das reinste Chaos, das noch nicht einmal Yoongi bändigen konnte. Er war nervös, die Hände zitterten. Jimin trat vor und unternahm einen Versuch, ihn zu beruhigen: „Hyung, wir werden da reingehen und unser Bestes geben. Sie werden es entweder lieben oder hassen. Wir haben darauf keinen Einfluss. Aber wir schaffen das! Also, geh da rein, mit gestrecktem Kinn, tanz dein Herz aus deinem Körper und denke daran: du bist fantastisch!“


„Ich habe Angst, Jimin-ah.“ ,flüsterte Hoseok mit blassem Gesicht, während er auf die Studiotüren starrte.


„Ich weiß, ich auch. Und weißt du was? Auch wenn sie es aus irgendeinem dämlichen Grund hassen sollten – was sie natürlich niemals tun werden – es gibt immer ein nächstes Mal.“ Jimin lächelte seine beiden Freunde an und riss sie in eine Gruppenumarmung. „Wir werden das rocken und was auch immer passieren wird, wir sollten heute alles auf das stolz sein, was wir tun werden.“ Hoseok und Jungkook sahen jetzt ein wenig beruhigter aus, er bekam sogar ein Lächeln von den beiden, bevor sie sich aufwärmten und dehnten.


Jimin wünschte sich, ihre Freunde könnte sie tanzen sehen, aber die Auditions waren eine geschlossene Veranstaltung. Sie waren alle während des letzten Trainings vorbeigekommen, um ihnen viel Glück zu wünschen und jeden von ihnen fest zu umarmen.


Er erinnerte sich an Taehyungs kastenförmiges Lächeln, als er ihn umarmt hatte. Er nutzte diesen Moment als Motivation, um ihn durch das Vortanzen zu bringen.


Und wie Jimin es versprochen hatte: Sie waren fantastisch. Ihre Bewegungen waren scharf und klar, das Tempo passte perfekt zu dem Song, den Namjoon und Yoongi geschrieben hatten.


Jimin war stolz auf sich selbst. Auch die schwierige Schrittfolge, mit der er vorher noch Probleme gehabt hatte, klappte ohne Fehler.


Hoseok weinte Freudentränen, nachdem sie sich vor den Vertretern der Entertainmentfirma verbeugt und den Raum verlassen hatten. Er zog seine Dongsaengs in eine enge Umarmung und lobte sie für ihre Leistung. Sie räumten auf und machten sich auf den Weg, um sich mit den anderen zu treffen und im Familienrestaurant von Seokjin zu feiern.


Es gab Jubel, als die drei das Restaurant betraten. Sie pfiffen, als das Trio im Freestyle zum Tisch tanzte. Jimin lächelte so breit, dass seine Augen sich zu Sichelmonden formten und lachte, als seine Hyungs ihn in die Arme schlossen. Nicht mal die Enge in seiner Brust konnte diesen Moment ruinieren.


Langsam beruhigte sich alles und die Gruppe setzte sich. Jimin sorgte dafür, dass Yoongi und Namjoon das Lob erhielten, den sie für die Produktion des Liedes verdienten. Er grinste über die erfreuten Gesichter der beiden. Als er den Blick schweifen ließ, bemerkte er, dass jemand Wichtiges fehlte.


„Joonie-hyung? Wo ist Taehyung?“ ,flüsterte er und beugte sich zu dem Älteren hin.


„Er sagte, er würde etwas später kommen, er wollte noch etwas abholen.“ ,antwortete Namjoon, bevor er von Hoseok und Seokjin in ein Gespräch verwickelt wurde. Jimin nickte nur, lehnte sich zurück und kreuzte Jungkooks Blick. Er rutschte auf den Stuhl, auf dem Taehyung eigentlich hätte sitzen sollen und beugte sich zu ihm.


„Hey, du hast das heute großartig gemacht! Ich bin mir sicher, das sie dir einen Platz anbieten.“ Jimin lächelte, schlang einen Arm um die Schulter des Jüngeren und schüttelte ihn spielerisch. Jungkook verzog nur das Gesicht und blieb stumm. „Kookie, du solltest eigentlich aufgeregt und glücklich sein!“


„Ist mir egal. Ich würde das alles eintauschen, wenn es bedeutete, dass du nicht…“ Er biss sich auf die Zunge, stand schnell auf, ging tiefer ins Restaurant und verschwand um einer Ecke. Jimin schluckte den Kloß in seiner Kehle runter, als er ihm nachstarrte und hasste es, wie er Jungkook diesen Moment versehentlich ruiniert hatte.


„Wohin geht Jungkookie?“ ,fragte Yoongi uns sah zwischen Jimin und der Stelle, an der der Jüngere verschwunden war, hin und her. Jimin dämpfte seinen Husten, bevor er antwortete.


„Er meinte Badezimmer. Er ist ziemlich fertig.“


Jimin quietschte, als seine Augen plötzlich verdeckt wurden und ihm seine Sicht genommen wurde.


„Rate wer?“ Die tiefe Stimme, die er so gut kannte, sprudelte vor Freude. Er lachte und tippte einen Finger gegen seine Lippen, als würde er darüber nachdenken.


„Hmm… der Kunde, der auf Arbeit immer versucht mit mir zu flirten?“ ,fragte er und fuhr neckend fort: „Oder vielleicht dieser Verrückte von der High School, der gerne an seinem Daumen lutscht?“ Taehyungs Lachen war ansteckend, selbst als er ihn leicht auf den Hinterkopf schlug.


„Nein! Jemand, der definitiv besser aussieht. Ein enger Freund.“


„Oh.“ Jimin schnippte mit den Fingern. „Namjoon-hyung?“ Der Tisch brüllte vor Lachen und Taehyungs Stirn lehnte sich gegen Jimins Hinteropf, als er lachte. Die Arme senkten sich und schlangen sich fest um seinen Hals.


„Du bist so ein Arsch. Du hast Glück, dass du süß bist.“ Taehyung setzte sich auf Jimins ursprünglichen Platz neben Namjoon. Sein Quadratlächeln strahlte, während Jimin für ihn mit seinen Fingern zwei Herzen formte und frech lächelte.


Der Größere beugte sich vor und sein Lächeln verwandelte sich in etwas Weicheres… Süßeres. „Ich bin so stolz auf dich. Ich weiß, dass du der Hammer warst und sie wären echt dumm, dich nicht aufzunehmen. Versprichst du, dass du dich an mich erinnerst, wenn du berühmt bist?“


„Wie könnte ich dich jemals vergessen?“ Jimin lächelte und legte sein Kinn auf seine Handfläche. „Also, warum bist du so spät dran?“


„Nicht wichtig.“ Taehyung schaute schnell weg und überflog seine Speisekarte. „Habt ihr schon bestellt? Ich bin am Verhungern!“ Jimin kniff misstrauisch die Augen zusammen. Als Taehyung seinen Blick bemerkte, lachte er nur. „Entspann dich, es ist eine Überraschung für später!“


„Okay.“ ,seufzte Jimin und packte die Hand des Größeren, verschränkte ihrer Finger miteinander und ließ sie in seinen Schoß fallen. „Und nein, wir haben noch nicht bestellt.“ Er konnte Taehyungs Blick auf sich spüren, als er die Speisekarte durchblätterte und ignorierte ihn standhaft. Der blauhaarige Junge gluckste leise, wandte sich schließlich ebenfalls der Karte zu und ließ seine Hand dort, wo sie war.



===



Jimin konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal in einer Nacht so viel gelacht hatte. Die Gemeinsamkeit aller sieben war herzerwärmend. Sie verbrachten Zeit miteinander und lachten, bis sie vom Stuhl fielen. Er fühlte sich so glücklich wie seit Langem nicht mehr. Er war so dankbar, diese Jungs in seinem Leben zu haben und er achtete darauf, sie alle fest zu umarmen, als sie das Restaurant verließen.


Jungkook hatte sich kurz nach dem Dessert beeilt nach Hause zu kommen und von irgendeinem Essay gefaselt, das morgen fällig war. Namjoon war geblieben, um Seokjin bei der Schließung des Restaurants zu helfen. Jimin konnte sich ein offensichtliches Grinsen nicht verkneifen, da er wusste, dass das nur eine Ausrede war, um Zeit allein mit dem Ältesten zu verbringen. Hoseok hatte am frühen Morgen einen Tanzkurs, also ging er mit Yoongi im Schlepptau nach Hause, also folgten die 95er den beiden nach draußen und winkten ihren Hyungs ein letztes Mal zu.


„Alsooo.“ Hoseok und Jimin standen ein wenig abseits von Yoongi und Taehyung, die am Eingang herum scherzten und über irgendeinen Witz lachten. „Wann ist das denn passiert?“


„Wann ist was passiert?“ ,fragte Jimin ehrlich verwirrt, während er zu Taehyung sah, der seinen Kopf vor Lachen zurückwarf und sich ein wunderschönes Lächeln auf seinen Lippen bildete.


„Du weißt, was ich meine!“ Hoseok sah mit einem schelmischen Grinsen zwischen ihm und Jimin hin und her. „Das, Zwischen euch beiden.“


„Hyung, bist du betrunken?“ ,lachte der Jüngere und schubste Hoseok leicht. „Ich habe keine Ahnung, wovon du sprichst.“


„Oh, komm schon, ihr konntet in letzter Zeit nicht die Hände voneinander lassen!“ ,bestand er leise darauf.


„Ich meine, nicht häufiger als früher, oder?“ ,konterte Jimin. „Wir sind nie anders miteinander umgegangen."


„Aber nicht so. Ich meine, ja, Tae ist ziemlich anhänglich mit dir, aber normalerweise löst du dich aus seinen Griffeln.“ ,argumentierte Hoseok.


„Ich hab mich entschieden, nicht länger gegen ihn anzukämpfen.“ ,sagte Jimin, zuckte mit den Schultern und steckte die Hände in seine Taschen. „Ich war mir erst nicht sicher weswegen, aber ehrlich gesagt… warum nicht? Es ist nur Tae.“ Der Ältere musterte ihn vorsichtig und Jimin zog eine Augenbraue hoch. „Wieso siehst du mich so an, Hyung?“


„Wegen nichts. Alles gut.“ Er grinste den Kleineren an, zog ihn in eine enge Umarmung und wiegte ihn leicht. „Schlaf gut, okay? Und denk daran zu essen, bevor du ins Bett gehst.“ Hoseok zog sich mit einem strengen Gesichtsausdruck zurück. „Du hast vorhin nicht viel gegessen. Müssen wir nochmal durchgehen, wieso aufs Essen zu verzichten so schlecht für dich ist?“


„Hyung, mir geht’s gut. Ich hungere nicht, versprochen.“ Jimin verdrehte die Augen, bevor Yoongi und Taehyung auf sie zukamen. „Ich habe mich vorhin sattgegessen, wirklich.“ Seine Lüge klang sogar in seinen Ohren überzeugend. Yoongi schlang einen Arm um Hoseoks Taille und beugte sich vor, um seine Wange zu küssen, wobei der Größere tomatenrot anlief.


„Hör auf, Jimin-ah zu schikanieren und lass uns dich nach Hause bringen.“ ,sagte Yoongi leise und begann seinen Freund zum Parkplatz zu bugsieren. Hoseok schmollte, winkte den Jüngeren zu und ließ sie allein vor dem Restaurant zurück.


Jimin schüttelte nur den Kopf und hustete in seine Hand, als er sich zu Taehyung umdrehte, der ihn anlächelte. „Also… du hast eine Überraschung erwähnt?“


„Ich wusste, dass ist das einzige, was dich jetzt noch interessiert.“ ,lachte Taehyung und legte einen Arm um die Schultern des Kleineren, als sie den Bürgersteig entlang gingen. Es war eine schöne Nacht und beide gingen lieber spazieren, anstatt sich ein Taxi zu rufen. Es war nicht zu heiß und ihre Wohnung war nicht weit weg. „Aber du musst warten, bis wir zu Hause sind.“


„Taehyung!“ ,jammerte Jimin und drehte sich zu ihm um.


„Die Überraschung ist nun mal dort!“ ,antwortete Taehyung und hob die Hände, als Jimin ihn boxte. Es gelang ihm, seine Hände abzufangen. „Ich kann dir gar nicht genug sagen, wie süß es ist, dass du versuchst, mich mit deinen winzigen, ineffektiven Fäusten zu verprügeln.“


„Ineffektiv?“ Jimin schnappte bestürzt nach Luft und versuchte, sein Lächeln zu verstecken. „Ich zeige dir gleich, wie ineffektiv sie sind!“ Er zog seine Hände aus Taehyungs Griff, brachte sie zu seinen Seiten und kitzelte ihn. Der Jüngere brach sofort in Gelächter aus und versuchte sich aus Jimins Reichweite zu bringen, ohne wirklich erfolgreich zu sein.


„Halt, halt, halt! Ich gebe-…ich gebe-“ Er schnappte nach Luft und versuchte Jimin von sich zu schieben. „Jiminie, hab Erbarmen mit mir!“


„Gib zu, meine Hände sind nicht klein und ineffektiv!“


„Okay, okay! Deine Hände sind nicht ineffektiv!“ Taehyung machte eine Pause und sah kichernd auf Jimins Hände hinunter. „Aber komm schon, du weißt, dass deine Hände klein sind. Da kann ich nicht lügen.“ Er hob seine Hand zu einem Pfadfindergruß, einen todernsten Ausdruck auf dem Gesicht, bevor er zu einem Grinsen schmolz.


„Ugh, na gut. Du nervst.“ ,grummelte Jimin und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.


Taehyung gluckste und streckte seine Hand nach Jimin aus, der sie ohne zu zögern in seine nahm. Seit Jimin Taehyungs Liebe nach Hautkontakt zuließ, fühlte er sich unendlich glücklich.


In Zeiten wie diesen war es bittersüß, als sie Hand in Hand die Straße entlang gingen, Paare an ihnen vorbeikamen, ein Teil davon waren und gleichzeitig etwas ganz anderes. Diese Geborgenheit machte die Tage besser, linderte den Schmerz in ihm, aber es machte die Nächte unerträglich. Nachdem Taehyung ins Bett gegangen war, würde Jimin duschen gehen und entweder masturbieren oder Blut husten. Er bemerkte, dass die Menge an Blütenblättern zunahm, dass sie am Anfang vereinzelt aus seiner Kehle kamen, aber jetzt in Hülle und Fülle auf seinen Handflächen lagen. Sein Körper glich einer Sanduhr, die Blütenblätter der Sand, der langsam rieselte.


Der Weg nach Hause war wirklich schön. Sie unterhielten sich über Taehyungs jüngstes Gemälde und Jimins Vortanzen und sprachen darüber, wie froh sie waren, dass das Schuljahr vorbei war. Taehyung erzählte ihm eine Geschichte über seine Mitarbeiter im Museum, bei der Jimin vor Lachen zu Boden sank und sein bester Freund die Hände auf seine Knie stützte, als er ihn auslachte. Jimin wiederum erzählte ihm, dass der gruselige Typ, der ihn bei seinem Teilzeitjob im Café dutzende Mal belästigt hatte, endlich auf die Schwarze Liste gesetzt wurde. Der Größere hatte ihn darauf gepackt, ihn in die Höhe gehoben und sich mit ihm im Kreis gedreht. Ihnen gingen nicht die Möglichkeiten aus, über die sie reden konnten, als sie ihr Wohnhaus betraten und mit dem Aufzug zu ihrem Stockwerk fuhren. Sie lachten und scherzten, als sie die Wohnungstür erreichten.


„Überraschungszeit!“ ,sang Jimin fröhlich, während Taehyung die Tür aufschloss, sie öffnete und den Kleineren Vorrang gewährte. Die Tür schwang hinter ihnen ins Schloss. Sie zogen ihre Schuhe aus und ließen ihre Taschen auf den Boden fallen. „Wo ist es?“ Jimin hüpfte vor Aufregung und drehte sich zu Taehyung.


„Hmm… Ich weiß nicht, ob du sie verdient hast.“ Taehyung stützte nachdenklich sein Kinn, als würde er wirklich darüber nachdenken müssen, ein Lächeln auf seinen Lippen. Jimin schmollte und streckte die Hand aus, um seine größeren Schultern zu schütteln.


„Tae!“ ,jammerte er lang gezogen und ungeduldig. „Komm schon, gibt‘s mir!“


Taehyung schien plötzlich an seinem Speichel zu ersticken, die Hand gegen seinen Mund gepresst, während er hustete, als sich eine feine Röte auf seine Wangen legte. Der Ältere schlug ihm schnell auf den Rücken, die Augen vor Schock weit aufgerissen, als der Blauhaarige sich ein paar Mal räusperte. „Gott Taehyung! Bist du in Ordnung?“


„Ja, mir geht’s gut.“ ,lachte er, die Augen verzogen und seine Hand verdeckte das breite Lächeln in seinem Gesicht. „Mir- Mir geht’s gut. Komm her und ich gebe dir deine Überraschung.“ Er bedeutete Jimin, ihm zu folgen, als er in Richtung seines Zimmers ging und kichernd den Kopf schüttelte. Jimin folgte ihm und beäugte ihn neugierig, als er ihn beobachtete, wie er vor seinem Nachttisch anhielt. Er ließ sich bäuchlings auf Taehyungs hellvioletter Bettdecke fallen, die Knöchel überkreuzt, die Beine in der Luft baumelnd und seine Hände stützen sein Kinn. Er wartete ungeduldig, als der Jüngere die Nachttischschublade öffnete und herumwühlte. Er zog einen Umschlag heraus, setzte sich vor Jimin auf sein Bett und ließ ihn neckisch von seinen Augen baumeln. „Hier ist sie!“


Jimin griff danach und schob seine Unterlippe nach vorn, als Taehyung den Umschlag außer Reichweite hielt. „Taehyungie!“


„Was sagt man?“ ,fragte Taehyung mit einem Grinsen.


Der Ältere setzte seinen besten Welpenblick auf. „Biiiiitteeee Taehyung-ah, kann ich bitte meine Überraschung haben?“


„Hm..okay.“ ,seufzte Taehyung theatralisch. Jimin schnappte sich den Umschlag und zog eine bunte Karte heraus. „Lies es laut vor.“


Jimin öffnete die Karte und etwas fiel zwischen seine Ellbogen, er räusperte sich und las:




Jiminie,
du hast in letzter Zeit so hart gearbeitet,
obwohl es dir nicht gut ging. Ich wollte etwas
für dich tun, also hoffe ich, dass du mein
Geschenk annimmst!Ich liebe dich!
- Taehyungie




Jimin grinste den Größeren an, der ein wenig verlegen aussah. Er griff nach dem herausgefallenen Papier, überflog was draufstand, während sein Lächeln verblasste, er geschockt aufblickte und sich auf seine Knie aufsetzte. „Sind das…“


„Zwei Tickets für den Hin- und Rückweg nach Busan. Wir fahren in zwei Tagen.“ ,sagte Taehyung stolz, rieb sich über seine Oberschenkel und grinste. „Ich hab bereits mit deinen Eltern telefoniert, damit unser Besuch sie nicht überrumpelt! Und ich habe uns ein Zimmer in einem Hotel am Strand gebucht.“ Sein Lächeln stockte bei Jimins Ausdruck, als er schließlich von den Tickets aufsah und eine einsame Träne über seine Wange lief. „Oh nein, nein, oh Jiminie! Es tut mir leid, ich hätte zuerst fragen sollen-“


„Oh TaeTae!“ Jimin stürzte nach vorn, ließ die Tickets achtlos fallen und schlang seine Arme um den Hals seines besten Freundes. Durch die überraschende Kraft fielen beide zurück und Jimin saß plötzlich auf ihm. „Danke, danke, danke!“ Taehyungs Arme schlang sich um seine Taille, um seine Umarmung zu erwidern. „Das ist das Schönste, was jemals jemand für mich getan hat!“ Er hob seinen Kopf und lächelte auf Taehyung hinunter.


„Naja, du hast erwähnt, wie sehr du deine Eltern und den Strand vermisst, also dachte ich mir, wir könnten ein wenig aus der Stadt raus kommen. Wir könnten einfach deine Heimatstadt und die Zeit dort genießen.“ Der Jüngere hob seine Hände, um die Freudentränen unter Jimins Augen sanft wegzuwischen „Ich dachte, es könnte ganz lustig werden.“


„Es wird definitiv lustig werden!“


Taehyung sah plötzlich wieder verlegen aus, kratzte sich am Nacken und wich seinem Blick aus. „Oh, ich weiß, ich habe dir zwar zwei Tickets besorgt, aber es wäre ein bisschen eitel von mir, zu glauben, dass du mich mitnimmst. Natürlich kannst du auch einen der anderen fragen, wenn du lieber sie mitnehmen willst. Es würde meine Gefühle nicht verletzten, wenn-“


Jimin setzte sich ohne Vorwarnung auf, die Beine rutschten an die Seiten des Jüngeren, als er einen seiner kleinen Finger auf Taehyungs Lippen legte und ein Arm neben seinen Kopf stützte. Die Augen des Größeren weiteten sich, als Jimin grinste und seine Augen schrumpften. „Ich möchte, dass du mitkommst.“


Taehyungs Gesicht wurde noch röter, als Jimin, immer noch auf ihm sitzend, auf und ab hüpfte, sich die Tickets schnappte und einen Wirbel machte. „Ich kann es kaum erwarten! Ich muss unbedingt anfangen zu packen!“ Er sprang auf und eilte zur Tür. Für einen Moment stoppte er, huschte zurück zum Bett, kniete sich auf die Matratze und lehnte sich für einen schnellen Kuss auf Taehyungs Wange vor. „Vielen Dank, TaeTae! Du bist der beste!“ Während er in sein Zimmer rannte, wählte er bereits die Nummer seiner Mutter, um ihr aufgeregt die Neuigkeiten mitzuteilen.


Taehyung rief ein schwaches „Gern geschehen!“ hinter ihm her.
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