Geschichte: Fanfiction / Prominente / Musik / K-Pop / BTS / Foolish

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Foolish

von Atelier
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Jimin V
15.11.2020
24.08.2021
11
51.547
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Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
1 Review
 
06.02.2021 5.298
 
-




Jap, Kapitel 5.
Mein kleiner Vortrag hat also doch
irgendwie funktioniert. Ich habe mich
wirklich über die Reviews gefreut.
Vielen Dank!




Das Wartezimmer des kleinen Krankenhauses am Stadtrand von Seoul war für Jimins Meinung viel zu weiß. Die Wände, der Boden, die Beleuchtung und sogar die Stühle. Er wusste, dass es das Zimmer sauberer aussehen lassen sollte, aber er fand es dennoch unheimlich, als er mit Jungkook nicht weit hinter sich zur verglasten Rezeption ging. Jimin war überrascht gewesen, als der Jüngere so bereitwillig zugestimmt hatte, mitzukommen. Die Umarmung, die er von Jungkook bekommen hatte, hatte ihn ebenso überrascht. Zum Glück war Taehyung auf der Arbeit, also gab es auch keine seltsamen Fragen.


„Ähm, entschuldigen Sie?“ ,räusperte Jimin sich. Die Krankenschwester hinter dem Tresen sah auf und schenkte ihm ein Lächeln. „Hallo, ich bin hier für meinen neun Uhr Termin.“


„Dein Name, Liebes?“


„Park Jimin.“ Er verlagerte nervös sein Gewicht von Fuß zu Fuß, während sie seinen Namen in die Datenbank tippte. Jungkooks warme Hand griff plötzlich nach seiner und drückte beruhigend zu. Jimin stieß die angestaute Luft aus seiner Nase.


„Ah, ja, Park Jimin um neun Uhr bei Doktor Choi.“ Sie rollte in ihrem Stuhl zum Aktenschrank, holte Jimins heraus und steckte die Papiere darin an ein Klemmbrett. Sie wandte sich wieder den beiden zu und reichte Jimin das Klemmbrett. „Doktor Choi ist gerade bei einem anderen Patienten, wird aber in Kürze fertig sein. Wenn Sie die Formulare ausfüllen, werden Sie aufgerufen, wenn er bereit ist.“ Sie lächelte, als Jimin sich zum Dank verbeugte und er schnell einen Platz im leeren Wartezimmer fand.


„Warum ist niemand hier?“ ,fragte Jungkook, als er sich auf den Stuhl neben ihm fallen ließ und sich umsah. Jimin zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung.“


„Warum sind wir nochmal hierher gefahren und nicht in das größere Krankenhaus, das bei euch ganz in der Nähe liegt?“


Jimin rutschte auf seinem Stuhl hin und her und versuchte nicht rot zu werden, als er die Fragen zu seinem Sexualleben sah. „Ich wollte auf niemanden treffen, den ich kenne. Das hier schien die bessere Option zu sein.“ Er kritzelte schnell seine Antworten hin und versuchte auf die nächste Seite zu blättern, bevor Jungkook etwas mitbekam.


„Warte, warte, warte!“ Jungkook schnappte sich das Klemmbrett und hielt es außer Reichweite, als er die Seite zurückblätterte. „Du hast nur jemals mit zwei Menschen in deinem Leben geschlafen? …Und du hattest in den letzten zwölf Monaten keinen Sex?“


„Jungkook!“ ,quietschte Jimin und sah verlegen zur Rezeption. „Verdammt, gib es zurück.“


„Stimmt das? Du weißt schon, dass du ehrlich antworten musst, oder?“ Jungkook gab ihm die Formulare immer noch nicht zurück und sah den Kleineren hart an.


„Es stimmt, okay? Gib mir den verdammten Papierkram zurück und sei still!“ ,schnappte Jimin und riss ihm das Klemmbrett aus der Hand, als er endlich nachließ. Er blätterte die Seite um, begann mit den Versicherungsinformationen und versuchte seine heißwerdenden Ohren zu ignorieren.


„Echt jetzt? Nur zwei?“


„Ich möchte nicht darüber reden!“


„Aber zwei? Ernsthaft?“


„Ja, nur zwei. Verklag mich.“


Jungkook klang jetzt mehr überrascht als amüsiert. „Das ist echt schwer zu glauben? Du wirst doch rund um die Uhr, rechts und links von jedem angemacht. Wieso hattest du nur mit zwei Menschen mal etwas gehabt?“


„Der erste war ein Mädchen auf einer Party in meinem Juniorjahr an der High School. Ich war sechszehn, betrunken und es hatte so schnell aufgehört, wie es begonnen hat. Der zweite war ein Kerl, den ich mit neunzehn kennengelernt habe. Es war nicht unbedingt schlimm gewesen, aber wir haben nur zweimal miteinander geschlafen, bevor ich diesen Typen nie wieder gesehen habe. Da hast du’s. Bist du jetzt glücklich?“


„Hyung…du hattest mit neunzehn das letzte Mal Sex?“


„Ja.“


„Wieso?“ Jungkook zuckte bei dem Blick den Jimin ihm zuwarf zusammen. „Das ist…“


„Traurig? Erbärmlich? Wirst du sagen, dass ich wenn ich alt bin, mit vierzig Katzen allein sterben werde, während alle meine Freunde verliebt, verheiratet und glücklich sind? Jap.“


„Ich wollte romantisch sagen.“


„Können wir…aufhören zu reden? Ich muss diesen Papierkram erledigen.“ Überraschenderweise war Jungkook danach still und erlaubte Jimins Verlegenheit zu verblassen. Als der Ältere fertig war, gab er die ausgefüllten Papieren an der Rezeption ab und setzte sich dann zurück auf seinen Platz. Sie schwiegen. Die einzigen Geräusche kamen von der Krankenschwester, die auf ihrem Computer herum tippte und die Uhr, die widerlich tickte. Jimins Bein wippte ungeduldig auf und ab, die Finger im Schoß ineinander verschränkt, während er versuchte ruhig zu bleiben.


Krankenhäuser machten ihn verrückt. Der antiseptische Geruch und die quietschenden Schritte der Angestellten, das allgemeine Chaos in den Notaufnahmen. Er war froh, dass er sich für eines der kleineren Krankenhäuser entschieden hatte.


„Park Jimin?“ In der jetzt offenen Tür zu den Untersuchungsräumen stand ein Pfleger, der ihnen zu lächelte. Jimin erhob sich schnell, nickte und ging zu ihm hinüber. „Möchten Sie, dass Ihr Freund Sie begleitet?“ Jimin sah zurück zu Jungkook, der ebenfalls aufgestanden, aber noch keinen Schritt nach vorn gegangen war.


„Kookie?“ ,fragte er leise, das Zittern in seiner Stimme verriet seine Angst. Der Jüngere eilte schnell zu ihm und schlang einen Arm um Jimin.


„Ich bin bei dir, Hyung.“ Jimin lächelte ein Dankeschön, als sie dem Pfleger durch die Tür und den Flur entlang folgten, bis sie den Untersuchungsraum 6 erreichten. Der Mann ließ sie herein, ging zum Waschbecken in der Ecke des Raumes und wusch sich schnell die Hände.


„Nehmen Sie ruhig schon auf dem Untersuchungstisch Platz. Wir werden nur Ihre Vitalwerte überprüfen und einige grundlegende Informationen sammeln. Dann hol ich Doktor Choi. In Ordnung?“


„In Ordnung.“ ,bestätigte Jimin und ignorierte Jungkooks Kichern, als er den kleinen Hocker benutzen musste, um auf den Untersuchungstisch zu kommen. Er kreuzte seine Beine und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar.


„Ich werde nur Ihren Herzschlag und den Blutdruck überprüfen.“ Jimin war kein großer Fan davon, wie der Pfleger alles ankündigte, was er tun würde. Es machte es schwieriger alles auszublenden.


Als er fertig war und Jimin sein T-Shirt wieder herunterziehen durfte, dokumentierte der Pfleger alle Werte auf dem Klemmbrett, das er mitgebracht hatte. „So weit sieht alles gut aus. Ihr Herzschlag ist ein wenig schnell, aber das liegt wahrscheinlich nur an Ihrer Nervosität. Als nächstes bestätigen Sie Ihre Antworten auf die Fragen von vorhin, okay?“


„Okay.“


„Wann war Ihre letzte ärztliche Untersuchung?“


„Vor sechs Monaten. Ich belege einen Tanzkurs an der Uni. Sie war vorgeschrieben.“


Der Pfleger machte sich eine Notiz. „Und wann hatten Sie das letzte Mal einen Gesundheitscheck?“ Bei Jimins verwirrtem Ausdruck, lachte er auf. „Bei einem Gesundheitscheck wird das Blut auf sexuell übertragbare Krankheiten und dergleichen untersucht.“


„Oh.“ Jimin wurde rot. „Ich hatte noch nie einen.“


„Wann waren Sie das letzte Mal sexuell aktiv?“


Bring mich um. „Vor dreieinhalb Jahren.“ Er war dankbar, als der Pfleger dazu keinen Kommentar abgab. „Und bevor Sie fragen, nur mit zwei Menschen.“ Er dachte erst gar nicht daran, zu Jungkook rüber zu sehen.


„Okay.“ ,nickte der Pfleger und bestätigte dann Jimins Kontaktinformationen und seinen Notfallkontakt. Jungkook gurrte als ihm diese Ehre zuteil wurde und küsste den älteren Jungen spielerisch.


„Nun, ich werde Doktor Choi wissen lassen, dass Sie bereit für ihn sind.“ Der Mann ging zur Tür und ließ die zwei im Raum allein.


„Das war peinlich.“


„Ich bin froh, dass ich dabei war.“ ,lachte Jungkook und wich dem Schuh aus, den Jimin nach ihm warf. „Hey, hey, hey! Das hier ist ein Ort der Gesundheit und Behandlung, kein Spielplatz!“ Er warf den Schuh zurück und grinste über den Schmollmund des Kleineren. „Hey.“ Sein Ton war plötzlich ernst.


„Was?“


„Ich bin wirklich stolz auf dich, Hyung.“


Jimin hatte keine Chance zu antworten, als sich die Tür öffnete und einen großen Arzt in weißem Doktorkittel und Krawatte preisgab. Sein dunkles Haar war leicht zurückgekämmt, sein Kiefer eckig und stark und die hohen Wangenknochen schmeichelten dem strahlenden Lächeln in seinem Gesicht.


Beide starrten den Arzt verblüfft an, als er sie angrinste, sich schnell die Hände wusch, bevor er sich auf seinen Hocker setzte und zu Jimin rollte. Sogar im Sitzen waren die dunklen Augen des Doktors auf der gleichen Höhe wie die von Jimin.


„Hallo! Mein Name ist Choi Minho und Sie M
müssen Park Jimin sein. Wir haben heute Morgen telefoniert.“


„Ah, ja!“ Jimins verzögerte Antwort färbte seine Wangen rosa, als er die angebotene Hand schüttelte.


„Freut mich, Sie kennenzulernen.“


Jimin warf dem Jüngsten im Raum einen Blick zu, um zu sehen, ob er sich über sein offensichtliches Unbehagen lustig machte, doch Jungkook hatte nur Augen für Doktor Choi.


„Bei unserem Telefonat klangen Sie verängstigt und ich würde Ihnen gern bei Ihrem Problem helfen.“ Choi verschränkte die Arme und lächelte den kleineren Jungen warm an. „Nun, wieso sagen Sie mir nicht, welche Symptome Sie zeigen und was Sie veranlasst hat, hier her zu kommen?“


„Ich war vor fast zwei Monaten krank und war nie wirklich gesund. Es hat mit stockendem Atem und Husten angefangen. Deswegen hab ich angenommen, dass es nur eine Erkältung sei, aber es ist…schlimmer geworden.“


„Bei welchem Arzt waren Sie? Ihre Akte dort könnte mir vielleicht helfen.“


„Oh, naja. Es ist größtenteils besser geworden, deshalb war ich bei keinem Arzt.“ Jimin senkte beschämt den Kopf, aber Choi winkte ab.


„Das ist verständlich, Park-ssi. Haben sich die Symptome verschlimmert?“


„Nun, der Husten ist schlimmer geworden. Viel schlimmer.“ Jimin spielte mit dem Saum seines T-Shirts und richtete den Blick auf seinen Schoß. „Ich habe Probleme beim Schlafen und Essen und ich habe anscheinend ein wenig Gewicht verloren.“


„Er hat eine Menge Gewicht verloren, Doc.“ Jungkook schien endlich seine Benommenheit abgeschüttelt zu haben und beugte sich mit den Ellenbogen auf den Knie nach vorn. „Ungefähr eine Tonne.“


„Jungkook-ah, du überdramatisierst die Dinge ein bisschen.“


„Sehen Sie, Doc.“ Jungkook stand auf, ging zum Untersuchungstisch und stupste Jimin an. Doktor Choi sah amüsiert zu. „Jimin hier-“ Er ignorierte Jimins Protest, der nach einem Jimin-hyung verlangte und fuhr unbeirrt fort: „Er ist nicht ganz ehrlich, aber zu Ihrem Glück bin ich ja hier.“ Jimins Kiefer klappte nach unten, als Jungkook dem Arzt zuzwinkerte. „Ich bin ehrlich zu Ihnen.“


„Ich Glückspilz.“ ,kicherte Doktor Choi.


Jungkook fischte sein Handy aus seiner Hosentasche und hielt es ihm unter die Nase. „Das war Jimin vor einem Monat.“ Choi sah von dem Foto-Jimin zum echten Jimin und runzelte die Stirn.


„Sie scheinen mindestens zehn Kilogramm verloren zu haben, wenn nicht noch mehr.“ ,sagte er schließlich.


„Er ist seit geraumer Zeit blass und kalt. Seit Wochen hat er keine richtige Mahlzeit mehr zu sich genommen. Tatsächlich kann ich Ihnen nicht mal sagen, wann ich ihn das letzte Mal essen gesehen habe.“


Jimin gefiel es nicht, wie über ihn gesprochen wurde, als wäre er nicht da. „Ich habe einfach nicht oft Hunger.“


„Erzähl ihm von dieser Nacht im Club, Jimin.“ Jungkook sah den Kleineren an und legte eine Hand auf seine Schulter. „Bitte sei ehrlich, erzähl ihm alles.“ Der besorgte Ausdruck auf Jungkooks Gesicht ließ ihn aufseufzen.


„Nun, eigentlich hat alles vor zweieinhalb Wochen angefangen, in der Nacht in dem Club.“ Jimin erzählte dem Arzt zuerst von dem Vorfall in der Dusche am Tag davor, dann von dieser Nacht im Club, dem ‘Blutbad‘ in den Toiletten, dem Aufzug und von allen folgenden Ereignissen. Es gab Momente, in denen er von Emotionen überwältigt wurde und eine Minute innehalten musste. Jungkook nahm dann Jimins kleine Hände in seine und streichelte beruhigend über seine Fingerknöchel.


Er erwähnte das Brennen und die Schmerzen in seiner Brust, wie beides seinen Körper zum Pulsieren brachte. Doktor Choi war schwer zu durchschauen, als er Jimins Geschichte aufmerksam zuhörte. Jimin zog eine Plastiktüte aus den Tiefen seiner Tasche und reichte sie dem Arzt. Darin befanden sich die drei immergrünen Blütenblätter aus dem Keramiktopf. „Und das ist, was mit Blut aus meiner Kehle kommt. Ich weiß nicht wieso und es macht mir höllisch Angst.“ Jimin beendete schließlich seinen Monolog und tat so, als würde er nicht bemerken, wie Jungkook sich über die Augen wischte.


„Das ist… eine Menge zu verdauen. Lassen Sie mich zunächst versichern, dass wir dem auf dem Grund gehen werden. Aber jetzt sollten wir einige Tests durchführen. Ich hoffe, Sie haben heute nichts Weiteres vor.“


„Nur Tanztraining.“


„Absagen. Sie werden eine Weile hier bleiben müssen.“


Der daraus resultierende Anruf mit Hoseok würde unangenehm werden, weshalb Jimin das Jungkook überließ. Der Jüngere stapfte mürrisch auf den Flur, während Jimin die dünne Krankenhauskluft anzog. Er stopfte seine Klamotten in seine Tasche, bevor er sich zurück auf den Untersuchungstisch hievte. Es dauerte nicht lange, bis Jungkook mit versteinertem Gesichtsausdruck zurück in den Raum schlüpfte. Jimin konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.


„Ich vermute, dass das Gespräch mit Hobi nicht gut gelaufen ist.“


„Hyung ist wirklich unheimlich, wenn er sich aufregt. Unheimlicher-als-Yoongi-hyung-unheimlich.“ Er fiel zurück auf seinen Stuhl und kratzte sich am Hinterkopf. „Ich denke, ich durchlebe ein Trauma.“


„Ich zahl für deine Therapie.“ ,kicherte Jimin. „Hast du ihm gesagt, wo wir sind?“


„Nein, wie versprochen. Ich habe verschiedene Orte und Gründe erwähnt, warum wir keine Zeit haben.“


„Wahrscheinlich war er deswegen so wütend.“


„Wahrscheinlich.“ Jungkook beugte sich mit einem Grinsen im Gesicht vor. „Ich mag dieses Krankenhaus. Dein Arzt ist so heiß, dass es fast weh tut. Heiß, mit einem heftigen Daddy-Vibe.“


Jimin stöhnte und gab vor sich zu übergeben. „Das will ich nie wieder von dir hören.“


„Ich kann nicht anders. Er ist der hübscheste Hengst im Stall. Ich würde gern in sein schwarzes Haar greifen und ihn reiten, bis-“


Es klopfte an der Tür, bevor der Pfleger von vorhin seinen Kopf in den Raum steckte. Die beiden Jungen zuckten überrascht zusammen und tauschten einen beschämten Blick aus. „Entschuldigung, ich bin hier, um Park-ssi für seinen ersten Test abzuholen.“


„Welchen Test?“ ,fragte Jungkook.


„Er möchte eine Reihe an Tests durchführen – einen Bluttest, eine Röntgenaufnahme, dann möglicherweise eine Bronchoskopie, abhängig von den Ergebnissen der ersten beiden.“ ,antwortete der Pfleger und hielt die Tür für die beiden auf.


Jimin schluckte. Er hatte genug Krankenhaus-Dramas gesehen, um zu wissen, was jeder Test davon bedeutet und was auf ihn zu kam. Deswegen war er von dem letzten ganz und gar nicht begeistert. Der Pfleger musste die Angst in seinen Augen bemerkt haben und schenkte ihm ein beruhigendes Lächeln. „Es ist wirklich keine große Sache. Die ersten beiden sind normal und den letzten kann man auch mit Beruhigungsmitteln durchführen. Doktor Choi wird Ihnen alles genauer erklären. Den Bluttest machen wir jetzt, solange er noch im Labor ist.“


„Werden diese Tests alle heute gemacht? Ich dachte, dass der Patient noch Vorbereitungszeit bekommt?“ Jungkook klang so, als würde er gleich ausflippen, während sie den Flur entlang gingen.


„Normalerweise ja. Aber da Park-ssi aufgrund seines Zustands seit mehr als zwölf Stunden kein Essen oder Trinken zu sich genommen hat, können wir heute alles erledigen.“ ,antwortete der Pfleger und zeigte auf einen Stuhl indem kleinen offenen Labor. Jimin nahm zögerlich Platz und betrachtete die Utensilien, die der Pfleger hervorholte. „Wurde Ihnen schon mal Blut abgenommen?“


„Ja.“


„Haben Sie Angst vor Nadeln?“


„Nein, alles gut.“ Jimin streckte seinen Arm aus und lächelte ihm mutig zu.



===



Die Tests dauerten nicht lange. Der CT war erträglich, obwohl Jimin ein paar Mal würgen musste, als er das Kontrastmittel heruntergeschluckte. Jungkook hatte während der letzten beiden Tests im Wartezimmer warten müssen, sehr zu seiner Bestürzung, selbst nachdem Jimin ihm versichert hatte, dass es ihm gut gehen würde. Der Jüngere wartete also ungeduldig im Wartezimmer, bis er Jimin nach der Bronchoskopie sehen durfte. Der Kleinere war benommen und lag auf einem Krankenhausbett. Als Jungkook wissen wollte, warum, erklärte der Pfleger, dass Patienten nach diesem Eingriff vorsichtshalber hier behalten werden mussten. Nur um sicher zu gehen, dass es keine Komplikationen gab. Sobald die Taubheit in seiner Kehle nachlassen würde, stand es ihm frei zu gehen.


„Wir wollen nur sichergehen, dass er nichts mit tauben Hals isst. Er könnte sonst daran ersticken, also ist es besser, ihn hier zu behalten.“


Doktor Choi war vorbeigekommen, nachdem Jungkook eine große Sache daraus gemacht hatte, mit ihm zu sprechen. Er sah überhaupt nicht verärgert oder in seinem Tun gestört aus, das gleiche Lächeln auf seinem Gesicht, als er den Raum betrat und an die rechte Seite von Jimins Bett trat. „Wie geht es Ihnen, Park-ssi.“


„Doktor Choi, Sie haben meine Röntgenbilder und das Innere meiner Lunge gesehen. Sie können mich ruhig duzen.“ ,schafte er mit einem Husten hervorzubringen. Der Arzt kicherte warm.


„Eigentlich hab ich sie noch nicht gesehen. Ich war gerade auf dem Weg dorthin. Ich wollte nur sehen, ob es dir gut geht.“


„Ich fühle mich komisch.“ ,gab Jimin zu, seine Augen wanderten träge durch den Raum und blinzelten langsam. „Es fühlt sich so an, als würde ich schweben. Und mein Hals fühlt sich auch seltsam an.“


„Das ist das beruhigende Sedativum, das nachlässt. Es sollte bald ganz verschwinden.“


„Sie hätten hier sein sollen, als er hier abgeliefert wurde. Er hat allen möglichen Unsinn geschwafelt.“ Jungkook grinste den Arzt von der anderen Seite des Bettes an.


„Da bin ich mir sicher.“ ,sagte Choi mit einem Lächeln. Jungkooks Wangen wurden leicht rot, als er den Augenkontakt mit ihm abbrach.


Jimin beugte sich nach vorn und versuchte zu flüstern, die Hand schützend an die Seite seines Mundes haltend: „Kookie, du wirst ja rot. Wenn du nicht aufpasst, denkt Doktor Choi noch, dass du ihn für einen Leckerbissen hältst.“ Jungkook wurde sofort tomatenrot und Jimin erkannte seinen Fehler. „Na hoppla, das war zu laut, oder?“


„Sehen Sie, Doc, nur Unsinn.“ ,lachte der Jüngere verlegen, bevor der Pager des Arztes losging.


Choi hatte noch nie so amüsiert ausgesehen und schielte auf das Gerät an seiner Hüfte. „Tja, leider muss ich los, aber ich werde gleich wieder zurückkommen. Kein Essen oder Trinken, bis der Pfleger es erlaubt, okay?“ Bevor er aus der Tür trat, drehte er sich kurz um und grinste Jungkook an. „Oh, und vielen Dank.“ Das Schließen der Tür dämpfte das Stöhnen des Jüngeren.


„Jimin!“


„Du darfst mich nicht schlagen, ich bin krank!“ Jimin hob schützend seine Hände und verzog seine Lippen zu einem Schmollmund. Jungkooks Gesicht brannte heiß genug, um ein Ei auf seinen Wangen braten zu können. Er bedeckte peinlich berührt sein Gesicht und ließ sich auf den Stuhl hinter ihm sinken.


„Bring mich bitte um.“


Jimins Handy klingelte, der Bildschirm zeigte Taehyungs Bild und Ed Sheerans Castle on the Hill dröhnte durch das Zimmer. Jimins verschwommener Blick richtete sich auf sein Telefon. „Kookie, kannst du mir mein Handy geben? Oh, und mein Lippenbalsam, aber mein Handy zuerst!“ Jungkook sah misstrauisch zwischen ihm und dem Telefon hin und her.


„Bist du sicher, Hyung? Du bist nicht gerade in der Verfassung, um zu telefonieren. Warum wartest du nicht, bis dieses Medikament nachlässt?“ Jimin streckte schmollend seine Hände aus und ähnelte einem kleinen Kind, das unbedingt den Lutscher im obersten Regal haben wollte.


„Ich hab dich gewarnt.“ ,murmelte Jungkook und reichte ihm sein Handy.


Jimin ignorierte ihn, drückte ganze fünf Mal auf annehmen, bis er es tatsächlich schaffte und hielt sich das Gerät ans Ohr. „TaeTae!“


„Jiminie?“ Taehyung klang überrascht. „Alles in Ordnung?“


„Aber ja, alles klar wie Hühnersuppe.“


„Kloßbrühe.“ ,flüstere der Jüngere ihm zu.


„Oh.“ Er nickte ihm dankbar zu. „Entschuldige, genau, wie Kloßbrühe. Keine Hühnersuppe, Taehyungie.“


„Ich kenne das Sprichwort, Jimin-ah.“ Man konnte aus Taehyungs tiefem Lachen das lächerlich breite Grinsen heraushören, was Jimin so zum Lächeln brachte, dass seine Augen sich zu Halbmonden formten. „Bist du betrunken?“


Jimin war einen Blick auf den kleinen Verband um seinen Arm und kicherte heftig. „So zu sagen.“


„Was ist der Anlass? Bist du in einer Bar? Hoseok hat mich angerufen und fragte, ob ich wüsste, wo du bist. Du hast heute das Training sausen lassen?“


„Jap.“ Er ploppte das P, aufgeregt, dass es trotz der Taubheit geschafft hatte. „Jungkookie meinte, Hobi-hyung hat sich aufgeregt!“


„Er klang nicht gerade glücklich, Jimin-ah.“ Der Ältere konnte im Hintergrund das Starten eines Motors hören. „Wo bist du? Ist Jungkook noch bei dir?“


„Darf ich nicht verraten.“ ,flüsterte Jimin – oder auch nicht. Das Sedativum schien seine Lautstärkeregelung lahm gelegt zu haben. „Aber ich bin heute Abend wieder zu Hause!“


„Wieso? Ist es ein Geheimnis?“


Jimins Augen weiteten sich, während sein betäubter Verstand versuchte zu begreifen, dass Taehyung ausgerechnet diese Frage stellen würde. Er sah zu Jungkook und streckte seinen Arm aus, das Handy weit von seinem Mund weg. „Kookie, warum ist es ein Geheimnis?“


Genervt aufstöhnend stand Jungkook auf und schnappte sich das Telefon.


„Du Idiot, er kann dich hören!“


„Ja, kann ich!“ ,drang Taehyungs leise Stimme aus dem Hörer. „Kook-ah, wo seid ihr?“


Jungkook rieb sich über den Nasenrücken, als er Jimins Handy an sein Ohr legte und zum Fenster ging. Der Kleinere konnte jetzt nur noch seine Seite des Gesprächs verstehen und sah den Jüngeren finster an. „Hey Hyung. Lass mich dir zuerst sagen, es geht ihm gut, nur ein wenig beschwipst.“ Eine Pause. „Nein, ich trinke nicht.“ Noch eine Pause, diesmal länger. Jimin wusste, dass Jungkook es hasste zu lügen, und fühlte sich deswegen schlecht. „Ja, ich brauchte nur jemanden zum Reden und Jiminie-hyung hat sich freiwillig gemeldet.“ Wieder Stille. „Hyung, mir geht’s gut. Ich werde Jimin heute Abend in einem Stück zurückbringen, okay?“ Jungkook hielt inne, um Taehyungs Antwort zu hören und lachte leicht. „Gut, Jimin-hyung. Zufrieden?“ Jimin klatschte mit einem fröhlichen Quietschen. „Tschüss Hyung.“


Jungkook ging zu dem Kleineren zurück und hielt ihm sein Handy hin. „Er will sich verabschieden.“


„Tae!“ ,rief er überglücklich. „Jungkook hat mich Hyung genannt!“


Taehyungs tiefes Kichern weckte Brustschmerz in einem entfernten Teil in seiner Brust, den man aber leicht ignorieren konnte. „Habe ich gehört. Sei vorsichtig, okay? Du weißt, wie du wirst, wenn du zu viel trinkst. Wenn du ein weiteres Training absagst, wird Hoseok-hyung einen Anfall bekommen.“


„Okay, TaeTae.“


„Wir sehen uns später?“


„Ja, ich komme später nach Hause.“ ,antwortete Jimin und nickte, obwohl Taehyung es nicht sehen konnte. „Tschüss Taehyungie!“


„Borahae!“


„Ich dich auch!“ ,rief Jimin mit einem kleinen Lächeln, bevor er auflegte und sein Handy in seinen Schoß fallen ließ. Er vergrub das Gesicht in seinen Händen. „Ich liebe dich auch.“


Jungkook blieb still und streichelte sanft über den Rücken seines Hyungs.



===



Es dauerte ein paar Stunden, bis das Beruhigungsmittel nachließ. Es war eine Untertreibung zu sagen, dass Jungkooks Nerven blank lagen. Er hätte beinahe den Pfleger geküsst, als der hereinkam und verkündete, dass das Medikament ganz aus Jimins System verschwunden war und dass er nun etwas essen und trinken konnte.


Jimin leerte das Glas Wasser in einem Zug und seufzte erleichtert auf. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich so durstig bin.“


Er lächelte Jungkook reumütig an und sagte: „Tut mir leid, Kook. Wegen dem, was ich zu Doktor Choi gesagt.“


Jungkook seufzte nur und winkte ab. „Schon gut, Hyung. Ich weiß, dass es nicht mit Absicht war. Obwohl das wahrscheinlich der peinlichste Moment meines Lebens sein wird, danke dafür.“


Jimin lachte nur. „Und danke, dass du die Sache mit Taehyung geregelt hast. Du hattest Recht, ich hätte ihn einfach auf die Mailbox sprechen lassen sollen. Oder dir die Sache von Anfang an überlassen sollen. Tut mir leid, dass du für mich lügen musstest.“


„Schon okay, Hyung, wirklich.“


„Ist es nicht, aber ich bin dir wirklich dankbar.“


„Ich weiß.“ Jungkook grinste sein berüchtigtes Hasenlächeln. Es klopfte an der Tür und Doktor Choi schaute herein. Jungkook wurde sofort verlegen, floh zu seinem Stuhl und versteckte sich hinter seinem Telefon.


„Jimin-ssi? Darf ich rein kommen?“


„Es ist ihr Krankenhaus, Doc.“ ,lächelte Jimin und winkte ihn herein. „Uh, und tut mir wirklich leid… wegen der Sache von vorhin.“


„Alles in Ordnung, Jimin-ssi.“ Der Arzt ging auf Jimins Bett zu und setzte sich auf die Kante, legte eine Akte auf den Tisch neben dem Bett und faltete die Hände in seinem Schoß zusammen. Er wirkte überraschend bedrückt, als er Jimins neugierigen Blick entgegnete. „Es tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, aber ich habe die Ergebnisse hier.“ Dabei blickte Jungkook auf, steckte sein Handy in die Tasche und gesellte sich an Jimins Seite. Doktor Choi warf ihm einen Blick zu, bevor er sich wieder an Jimin wandte: „Ich muss dich das aufgrund unserer Vertraulichkeitsvereinbarung fragen. Möchtest du, dass dein Freund im Flur wartet?“


Jimins Herz nahm an Geschwindigkeit zu, als er zwischen dem Arzt und Jungkook hin und her blickte. Er rieb sich geistesabwesend über sein Brustbein. „Nein, Kook-ah kann bleiben.“


Aus Instinkt, dass etwas passieren würde, glitt die Hand des Jüngeren vom Bettgeländer, um nach Jimins zu greifen.


„Okay.“ ,seufzte der Arzt, stand auf und griff nach der Akte. Er ging zur Wand gegenüber von Jimins Bett, befestigte die Röntgenaufnahmen an der Röntgentafel, schaltete sie ein und drehte sich zu den beiden Jungen um, als die Bilder aufleuchteten. Jimin starrte nur mit gelähmten Schock, während Jungkook ein ersticktes Geräusch von sich gab, als beide sahen, was die Röntgenaufnahmen enthüllten.


Jimins Brusthöhle war für die medizinisch ungebildeten Köpfe schwer zu verstehen – die Organe zeichneten ein verwirrendes und abstraktes Bild. Seine Lungen waren jedoch trotz der Größe auf dem Bild leicht zu erkennen. In der Lunge selbst befanden sich drahtähnliche Schläuche, die sich auch teilweise um seine Organe wickelten und erreichten sogar sein Herz und sein Brustbein. Kleine weiße verschwommene Punkte saßen verteilt auf diesen Schläuchen.


„Was- …zur Hölle?“ Jungkooks entsetzte Frage brach die Stille. Jimin schwieg immer noch, die Augen klebten an dem Röntgenbild.


Doktor Choi starrte auch auf das Bild. „Als wir die Bronchoskopie durchgeführt haben, haben wir auch eine kleine Biopsie des Fremdgewebes gemacht.“ Er deutete auf die weißen Flecken in seiner Lunge. „Wir waren zunächst besorgt gewesen, dass es sich um Tumore handelt. Das dachten wir jedenfalls, da sie auch im CT-Scan aufgetaucht sind. Als wir dir Biopsie gemacht haben, waren wir noch schockierter, als wir herausfanden, dass wir die Antwort bereits kannten.“ Er schob ein weiteres Bild auf die Röntgentafel, ein Bild von mit Blut übersäten immergrünen Blumen, die mit einer klaren viskosen Flüssigkeit überzogen waren. „Du hast uns selbst gesagt, was sie sind, Jimin-ssi. Als wir die röhrenähnliche Strukturprobe untersucht haben, stellten wir fest, dass sie der Rebe oder dem Stiel einer Blume nicht unähnlich sind.“


„Was zur Hölle.“ ,flüsterte Jungkook.


„Genau das habe ich mich auch gefragt.“ ,stimmte Doktor Choi zu und ging mit der Akte zurück zum Bett. „Also habe ich mich an einige meiner Kontakte in anderen Krankenhäusern im ganzen Land gewandt. Deshalb hat es so lange gedauert. Ein Angestellter in Busans führendem Krankenhaus leitete mich an einen pensionierten Chefarzt für Chirurgie weiter, der auch Abteilungsleiter der Herz-Kreislauf-Abteilung war.“


„Was hat er gesagt?“ ,fragte Jungkook, da Jimin immer noch regungslos im Bett saß und die Wand anstarrte. Seine kleine Hand wurde in Jungkooks größerer zerquetscht, aber er bemerkte es kaum. Das Brüllen in seinen Ohren war viel zu laut und lenkte ihn von diesem Schmerz ab.


„Ich habe ihm deine Symptome genannt – Gewichtsverlust, verminderter Appetit, Schlaflosigkeit, der Husten, der von Blut und Blütenblättern begleitet wird und das Brennen in der Brust.“ Doktor Choi zog ein Bündel Papier aus der Akte und hielt es Jimin hin. Da der aber keine Anstalten machte, es anzunehmen, nahm Jungkook es zögerlich entgegen und blätterte zur ersten Seiten. „Er sagte, dass er vor Jahren, als er noch aktiv war, einige Patienten mit ähnlichen Symptomen behandelt hatte. Die Diagnose dauerte eine Weile, aber nachdem sie die Krankenhausunterlagen durchsucht, sich international gemeldet und Tests durchgeführt haben, fanden sie eine Antwort.“


„Die Hanahaki-Krankheit?“ ,flüsterte Jungkook mit zitternden Knie und ließ sich auf seinen Platz fallen.


„Die Symptome von Jimin-ssi stimmen mit denen der Patienten überein.“ ,sagte Doktor Choi.


„Und was bedeutet das?“ Jimin klang sogar für ihn tot und Choi setzte sich wieder auf die Bettkante. Seine Hand griff nach Jimins.


„Jimin-ssi…bist du verliebt?“


Sein Lachen war stumpf und ohne Emotionen. „Das ist eine wirklich schlechte Zeit, um mit mir zu flirten, Doc.“


Doktor Choi zwang sich zu einem Lächeln, als er antwortete: „Ich frage nur weil… Nun, die Hanahaki-Krankheit ist das Ergebnis unerwiderter Liebe. Anscheinend gibt es Geschichten alter Frauen über diese Krankheit. Es heißt, dass eine Person, die leidenschaftlich ist und-oder verliebt ist, anfällig für Hanahaki ist. In deiner Brusthöhle wachsen Blumen, die dein unerfülltes Verlangen widerspiegeln und sich langsam in deiner Lunge bis hin zu deinem Herzen ausbreiten. Wenn diese Liebe nicht erwidert wird, breitet sich die Krankheit soweit aus, dass sie den Patienten tötet.“


„Was…existiert sowas überhaupt?“ ,fragte Jungkook mit gebrochener Stimme. „Das kann nicht echt sein! Sowas ist unmöglich!“


„Jimin-ssi… Du musst ehrlich zu mir sein.“ Doktor Choi übte etwas Druck um Jimins Hand aus und lenkte seinen Blick auf sich. Seine dunklen Augen schienen in nur wenigen Stunden zehn Jahre gealtert zu sein. „Bist du in jemanden verliebt und hast das Gefühl, dass sie oder er diese Liebe nicht erwidern wird?“


Jimin schwieg lange und hielt den Blick des Arztes stand, bevor er murmelte: „Ja, bin ich.“ Der Arzt nickte und zeigte ihm, dass er ihn verstanden hatte. Der Kleinere konnte das Mitleid in seinen Augen nicht ertragen und sah schnell weg.


„Und die Behandlung für diese Krankheit?“ Da Choi nicht antwortete, fragte Jungkook eindringlicher und deutet mit zitterndem Finger auf die Röntgentafel: „Wie können Sie das da behandeln?“


„Ich habe meinen Kollegen das Gleiche gefragt. Er sagte, es gibt drei Möglichkeiten für erkrankte Menschen. Erstens, du gestehst deine Gefühle zu dieser Person und die Krankheit regeneriert sich von allein. Das war bei zwei Patienten der Fall.“


„Das ist gut-“


Jimin unterbrach Jungkooks Freudenschrei: „Das ist keine Option für mich. Was ist mit den anderen?“


„Zweitens, du lässt dich operieren und die Blumen und Ranken werden entfernt.“


„War das erfolgreich?“


„Der Patient wachte nach der Operation ohne körperliche Komplikationen auf.“


„Es gab aber trotzdem welche, nicht wahr?“


„Der Patient wachte auf, ohne sich an den Gegenstand seiner Zuneigung zu erinnern. Er kannte seinen geliebten Menschen seit drei Jahren, aber besaß nach der OP keinerlei Erinnerungen oder Gefühle an diese Person. Auch gab es Probleme mit dem Blut und der Ausdauer des Patienten.“


„Blut?“ Jungkook machte ein verwundetes Geräusch.


„Wir haben uns dein Blut angesehen, um die Theorie zu bestätigen. Darin schwimmen winzige Partikel, die so klein sind wie Blutplättchen und wie Samen aussehen. Der Patient musste zweimal pro Woche ins Krankenhaus kommen und wurde mit Medikamenten behandelte, damit die Blumen sich nicht neu bilden konnten. Aber sonst lebte der Patient ein relativ normales Leben, doch körperliche Aktivitäten waren immer schwierig zu überwältigen und er entwickelte Asthma.“


Jimin schloss nur die Augen. „Und die dritte Option?“


Choi blieb für einen Moment still, bevor er Jimins Hand ein zweites Mal drückte. „Die kleinen Blütenblätter entfalten sich innerhalb weniger Wochen zu vollen Blüten. In dem Moment, in dem der Patient anfing, volle Blüten zu erbrechen, lautete die Prognose ein bis zwei Wochen und er starb.


„Wie… Wie lange hat Jimin-hyung noch?“ Jungkooks Stimme zitterte und Jimin wusste ohne hinzusehen, dass er weinte.


„Nachdem ich die Tests und Dokumente meiner Kollegen über die Patienten eindringlich studiert habe, würde ich auf vier bis sechs Wochen schätzen, bevor du ganze Blüten aushustest.“ ,antwortete er leise.


Nach diesem letzten Satz wurde Jimin taub. Die Augen öffneten sich und starrten in eine Leere, die früher seine Zukunft gewesen war. Jetzt war alles schwarz. Er machte sich nicht die Mühe zu reagieren, als Jungkook seine Arme um ihn warf und in seine Schulter schluchzte. Er bemerkte zwar, dass der Jüngere etwas zu ihm sagte, aber er konnte nicht ausmachen was es war. Jimin saß nur da, die Augen auf das Bild seiner fleckigen Lunge gerichtet, bis sein Handy durch eine Benachrichtigung von Instagram aufleuchtet und sein Hintergrundbild preisgab. Es war ein Foto von ihm, wie er auf Taehyungs Schoß saß, die Gesichter zu Grimassen verzogen und lachend. Sie sahen so glücklich aus… bevor die Dinge kompliziert wurden. Jimin schloss einfach wieder seine Augen.


Er weinte nicht.
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