Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Ein Freundschaftsdienst mit ungeahnten Folgen

von Maja Lito
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16
15.11.2020
24.01.2021
10
25.442
19
Alle Kapitel
51 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
15.11.2020 2.389
 
Ihr Lieben,


nun ist es endlich soweit und ich kann euch eine neue Story aus meiner Feder präsentieren.

Ich bin schon sehr gespannt, wie die bei euch ankommt, denn sie ist, eher ungewöhnlich für mich, nicht in der Ich-Perspektive geschrieben.


Ansonsten gibt es eigentlich gar nicht so viel zu sagen, glaube ich ;) Die Story wird etwa 40 Kapitel haben (bitte nagelt mich da nicht genau drauf fest, könnten auch 2-4 mehr werden). Sie ist zur Hälfte schon fertig geschrieben, es sollten also bei der Veröffentlichung keine ungeplanten Pausen eintreten. Voraussichtlich gibt es, wie bisher auch, immer am Sonntag ein neues Kapitel. Und ihr braucht euch um einen Abbruch keine Sorgen zu machen, das hab ich noch nie getan und werde das auch weiterhin vermeiden ;)


Außerdem geht ein riesiges Dankeschön an meine Beta-Leserin SquirrelFeathers, die diese Story nun von Anfang an begleitet und immer neue Rekorde in der Korrekturzeit aufstellt. Ich bin dir sehr dankbar für deine Zeit und deine großartigen Tipps, meine Liebe :)


Nun wünsche ich euch viel Spaß und wie immer freue ich mich sehr über jegliche Rückmeldung!


Liebe Grüße

Maja



**********



Sam konnte sich einen leisen Fluch nicht verkneifen, als das Klingeln seines Handys ihn aus dem Schlaf riss. Vorsichtig blinzelte er in Richtung des alten, beleuchteten Weckers, den er neben dem Bett stehen hatte. Es war gerade erst fünf Uhr morgens.
Mühsam drehte er sich halb auf die Seite und angelte nach seinem Handy. Er ärgerte sich extrem, dass er vergessen hatte, es lautlos zu stellen. Er war erst vor drei Stunden ins Bett gefallen, und das garantiert nicht nüchtern.
Auf dem Display leuchtete ihm der Name seines besten Freundes entgegen. Sam sank zurück auf die Matratze und nahm den Anruf an. Sein Kumpel sollte besser beten, dass er eine gute Entschuldigung für diese Art des Weckens zu nachtschlafender Zeit hatte.
„Was?“
Für Höflichkeit war um diese Uhrzeit garantiert noch kein Platz in Sams Welt.
„Sam? Ich bin es, Noah.“
Sie waren seit Kindertagen befreundet und mehr als einmal war ihre Telefonverbindung in den letzten Jahren richtig miserabel gewesen. Dadurch hatten sie beide das eine oder andere Mal das Gefühl gehabt, dass es ihrem Gesprächspartner dreckig ging, obwohl es nur an der Verbindungsqualität lag. So fertig wie in diesem Moment hatte sich Noah jedoch ewig nicht angehört. Sam erinnerte sich an einen Morgen nach einer heftigen Party in Miami. Das war wohl um die zehn Jahre her sein und da hatte Noah ähnlich geklungen. Im Nachhinein hatten sie festgestellt, dass das mit großer Wahrscheinlichkeit an einer Alkoholvergiftung gelegen haben musste.
„Das höre ich. Hast du mal auf die Uhr gesehen?“
„Ja, hab ich. Und ich würde dich nicht anrufen, wenn ich nicht absolut verzweifelt wäre.“
Noah ließ ein widerliches, würgendes Geräusch hören. Sam merkte, dass er schon dadurch wacher wurde und setzte sich halb auf.
„Und woran liegt das? Als wir uns gestern Abend verabschiedet haben, war doch alles in Ordnung.“
Von Noah drang etwas durch den Lautsprecher, was sich wie eine Mischung zwischen Husten und Kotzen anhörte. Sam überlegte kurz, ob er sich das aufzeichnen und als Weckton einstellen sollte. Wach wurde er davon garantiert.
„Du hast gestern Abend die richtige Entscheidung getroffen, als du gesagt hast, du willst keine Muscheln essen. Warte kurz.“
Das Gespräch wurde unterbrochen und Sam war nun endgültig wach. Er setzte sich aufrecht hin und angelte nach einem T-Shirt, das er, als er ins Bett fiel, neben sich geworfen hatte. Für Oktober war es ungewöhnlich warm, also schlief er lieber nackt. Sein müdes Hirn brauchte einen Moment, um den Zusammenhang zwischen Noahs würgenden Geräuschen und den Muscheln herzustellen. Dann aber ahnte er, was geschehen war.

Sam war erst am vorherigen Mittag in seiner kleinen Heimatstadt angekommen. Er wollte vier Wochen ausspannen, bevor die Eröffnung seines neuen Restaurants ihn voll und ganz beschäftigen würde.
Viele Menschen in seinem Umfeld hielten es für falsch, damit im Januar zu starten. Ihm wurde immer wieder gesagt, er sollte schneller machen und das Weihnachtsgeschäft mitnehmen. Da war, aus finanzieller Sicht, sicher etwas Wahres dran, aber Sam hatte schon genug erlebt, um sich trotzdem anders zu entscheiden. Es mochte im Januar in Restaurants ruhiger zugehen, so minimierte er allerdings auch Fehlerquellen. Sein neu zusammengestelltes Team würde Zeit haben, sich aneinander zu gewöhnen und gut zusammenzuarbeiten, anstatt sofort in den Stress des Feiertagsgeschäfts geworfen zu werden. Sam hielt das für eine Entscheidung, die auf die Zukunft ausgelegt war, und zum Glück konnte er es sich leisten, das Weihnachtsgeschäft nicht mitnehmen zu müssen.
Am Abend seiner Ankunft hatte er, wie eigentlich immer, wenn er nach Hause zurückkam, mit seinen Freunden zusammengesessen. Sein erster Weg führte in der Regel zu seinen Eltern, danach traf er sich mit den Menschen, die er schon seit seiner Kindheit kannte.
Noah hatte sich am Vorabend relativ zeitig verabschiedet, weil er für einen großen und wichtigen Auftrag ausgeschlafen sein wollte. Sam hingegen, den keinerlei Termine erwarteten, hielt lange aus, der Alkohol floss in Strömen und dementsprechend spät war er ins Bett gekommen.
Er hatte viel von dem reichhaltigen Essen probiert, das seine Freunde aufgetischt hatten. Die Muscheln ließ er nur deshalb links liegen, weil er bei seiner Abschiedsparty in Venedig vor drei Tagen mehr als genug Seafood gegessen hatte. Das würde auch in seinem neuen Restaurant ein großes Thema werden, aus diesem Grund genehmigte er sich hier, in seinem Urlaub, eine Pause davon, und hielt sich an Steak. Scheinbar war das eine richtig gute Entscheidung gewesen.

Sein Handy klingelte erneut und diesmal hatte er weniger Mühe, den Anruf anzunehmen.
„Geht es dir jetzt besser? Ich nehme an, du warst Kotzen?“
„Ja. Und nein. Ich fühle mich mies. Und du musst mir aus der Patsche helfen.“
„Was soll ich tun?“
„Du musst meinen Auftrag heute übernehmen.“
Sam sprang aus dem Bett und schüttelte energisch den Kopf, vollkommen gleichgültig, ob Noah das sehen konnte.
„Nein. Ich hab Urlaub, Noah. Wenn ich irgendwas nicht will, ist es, in der Küche zu stehen. Du hast doch Angestellte, die kriegen das sicher hin.“
„Die brauchen jemanden, der sie anführt, Sam. Ich kann nicht. Ich kotze mir die Seele aus dem Leib und ich hab außerdem Durchfall. Ich fühle mich, als müsste ich in den nächsten zehn Minuten sterben. Ich vertraue dir. Und du weißt, wie wichtig das für mein Geschäft ist. Bitte, lass mich nicht hängen. Das ist der größte Auftrag dieses Jahr.“
Sam grunzte unwillig. Natürlich würde er seinem besten Freund helfen, so wenig ihm das vielleicht gerade in den Kram passte. Nur laut aussprechen wollte er das noch nicht.
„Du hast gestern wenig darüber erzählt und ich war außerdem ein bisschen abgelenkt. Kannst du nochmal zusammenfassen, worauf ich mich da einlassen würde?“
„Ich ...“, erneut ertönte erst ein würgendes Geräusch und dann hatte Sam nur noch ein Freizeichen in der Leitung. Er schüttelte den Kopf, auf diese Weise würde es sicher Stunden dauern, bis er Noah die wichtigsten Informationen entlockt hatte.

Da er nun schon stand, entschied er sich, trotz der unchristlichen Uhrzeit einen Kaffee zu kochen. Sam erinnerte sich dunkel, dass Noah etwas von einem Mittagessen und einem Buffet für eine Party erzählt hatte. Sein Tag würde dementsprechend vermutlich elendig lang werden, da konnte er auch gleich damit beginnen, den Restalkohol mit Kaffee zu bekämpfen und seine Lebensgeister ordentlich zu wecken.
Er tappte barfuß in die Küche und warf die hochmoderne Kaffeemaschine an. Dabei handelte es sich, mal abgesehen von einem riesigen Plasmafernseher, um den einzigen luxuriösen Gegenstand in seinem Haus. Sams Mutter nannte den Einrichtungsstil gern karg, meinte damit jedoch, dass sein Haus vernachlässigt aussah. Unrecht hatte sie nicht, das musste er sich eingestehen. Bisher war ihm die Inneneinrichtung nicht wichtig gewesen.

Er hatte das Häuschen am Rand des Dorfes vor etwas mehr als drei Jahren gekauft. Ursprünglich wollte er es ordentlich einrichten, weil er plante, regelmäßig nach Hause zu fahren. Vorher hatte er zwei Jahre in London gearbeitet und war in der ganzen Zeit nur ein einziges Mal bei seinen Eltern daheim gewesen. Nach diesem Engagement wollte er sich unbedingt einen Job suchen, der ihn wieder näher an seine Familie brachte und sein Fokus hatte auf Chicago gelegen. Von dort aus hätte er locker alle zwei oder drei Wochen heimfahren können.
Zuerst war er sogar davon ausgegangen, dann, wie in den Jahren zuvor auch, bei seinen Eltern wohnen zu können, aber die durchkreuzten seine Pläne. Sein Vater hatte sich endlich damit abgefunden, dass Sam niemals die familieneigene Farm übernehmen würde und sich stattdessen um Alternativen bemüht. Seine Schwester und deren Freund waren bereit dazu, sich nach ihrem Studium im Familienbetrieb einzuarbeiten, und so begannen ihre Eltern, ihr Haus umzubauen. Sams Zimmer fiel dem Umbau zum Opfer und wurde in eine kleine Wohnung für seine Schwester integriert. Also hatte er sich eine andere Unterkunft suchen müssen.
Genau deshalb kaufte er das Haus. Aber anstatt seine Wochenenden dort zu verbringen, bekam er ein Jobangebot aus Italien, das er unmöglich ablehnen konnte. So war das Haus nur mit den notdürftigsten Möbeln ausgerüstet nahezu unbewohnt geblieben.
Während er in Venedig gearbeitet hatte, sah seine Mutter immer mal wieder nach dem Rechten, das war allerdings auch alles.
Sam plante, für die Zukunft ein paar neue Möbel anzuschaffen, vorerst reichte ihm das, was da war. Nach den drei Jahren in Venedig wollte er nun zu seinem ursprünglichen Plan zurückkommen, jedoch nicht als Angestellter, sondern als sein eigener Herr. Zuerst musste er eine Wohnung in Chicago finden, wo er sicher die überwiegende Zeit verbringen würde. Sobald die eingerichtet war, sein Restaurant lief und er sich eingelebt hatte, wollte er die Ausstattung seines Hauses in Angriff nehmen. Bis dahin musste er mit dem leben, was er hatte, ihn störte das nicht besonders.

Sam schenkte sich gerade den Kaffee in einen riesigen Becher, als sein Handy zum dritten Mal klingelte.
„Muss dein Magen nicht langsam leer sein?“
Noah stöhnte.
„Frag lieber nicht. Also, kann ich auf deine Hilfe zählen?“
„Da ich immer noch nicht weiß, worum es geht, ist das schwer zu sagen.“
„Du kennst doch bestimmt die Sängerin Shay, oder?“
Da musste Sam nicht lange überlegen, an der Dame kam wohl niemand vorbei, der ein Radio besaß. Weil ihn sowas nicht interessierte, hatte er keine Ahnung, was irgendwelche Hintergrundstorys von ihr anging, aber er wusste, wie sie aussah und auch, wie ihre Musik klang. Irgendwo in der Mitte zwischen Shakira und Jennifer Lopez.
„Ja, sagt mir was.“
„Die dreht ein neues Musikvideo und dafür hat ihr Team die alte Winfield-Farm gemietet. Das sind etwa fünfzig Leute, die da seit vorgestern herumgeistern. Die lassen sich von uns jeden Tag das Mittagessen und das Abendessen liefern. Heute ist der letzte Drehtag und da wollen sie abends feiern, bevor sie morgen wieder abreisen. Das ist wichtig für mich, Sam. Wenn ich so eine Crew zufriedenstelle und damit werben kann, bekomme ich hoffentlich mehr überregionale Aufträge.“
Die benötigte sein bester Freund dringend, das war Sam absolut klar. Kurz, bevor Sam nach Venedig geflogen war, verstarb Noahs Vater an einem Herzinfarkt. Sein Sohn, dem er vorher nur ungern die Kontrolle überlassen hatte, stand plötzlich mit einem heruntergewirtschafteten Catering-Service da und bemühte sich seither redlich, den Laden auf Vordermann zu bringen. Leider gab es in der Gegend wenig größere Anlässe, bei denen er hätte glänzen können. So beschränkte sich Noahs Geschäftsfeld vor allem auf kleinere Familienfeiern, welche ihm gerade so ein Auskommen ermöglichten. Ein bisschen mehr Bekanntheit würde dem Geschäft seines besten Freundes mit absoluter Sicherheit nicht schaden.
„Frühstück lieferst du nicht?“
„Nein, das macht die Bäckerei der Millers. Hatten wir so abgesprochen, ich hätte nie im Leben drei vernünftige Mahlzeiten an einem Tag koordinieren können, dafür reicht mein Personal nicht aus.“
„Also heißt das, ich bin für Mittagessen und ein Buffet für die Party zuständig?“
„Ja, genau. Es ist größtenteils auch schon was vorbereitet. Du musst gar nicht unbedingt selbst an den Herd, denke ich. Nur aufpassen, dass alles glatt läuft.“

Sam verdrehte die Augen und war froh, dass Noah das nicht sah. So einfach, wie der sich die Angelegenheit vorstellte, würde es bestimmt nicht werden. So lief es Sams Erfahrung nach nie. Und er wusste genau, wovon er sprach, immerhin war er gerade drei Jahre lang Chefkoch in einem der bekanntesten Hotels in Venedig gewesen, in dem alle zwei Wochen irgendwelche Stars heirateten.
Die Sache hatte garantiert einen Haken, der weit darüber hinausging, dass Sam den ganzen Tag auf den Beinen sein würde, anstatt entspannt auf der Couch zu gammeln, wie es eigentlich sein Plan war.
„Na gut, Noah, du kannst dich auf mich verlassen. Hast du schriftliche Unterlagen oder Aufzeichnungen? Irgendwas, das mir hilft?“
„Ja, die kann ich dir per Mail schicken.“
„Und eure Küche ist schon offen? Oder muss ich mir bei dir den Schlüssel abholen?“
„Die wird geöffnet sein, ich informiere Joey, dass er da ist und dir alles zeigt.“
Sam runzelte die Stirn. Er kannte Joey, den kleinen Cousin von Noah. Der war sicher eine der nettesten Personen des Dorfes, nur leider nicht besonders auf Zack. Wäre es Sams Entscheidung gewesen, hätte er Joey nicht eingestellt, aber Noah konnte noch nie gut nein sagen, schon gar nicht zu seiner Familie.
„Gut, schick mir, was du hast. Ich sehe das an, pumpe mir zusätzlich ein bisschen Kaffee in die Venen und fahre dann los.“
Das erleichterte Aufatmen von Noah war hervorragend zu hören, Sam grinste leicht.
„Danke, Kumpel. Dafür hast du echt einen gut bei mir.“
„Das sehe ich auch so. Natürlich kann ich dich nicht hängenlassen. Also gehe ich mir später wohl mal eine Diva des Musikbusiness anschauen. Ein paar davon hab ich schon in Venedig getroffen, das war nicht immer einfach.“
„Dazu kann ich dir nichts sagen, ich hab diese Shay in den letzten beiden Tagen nicht gesehen. Nur ihren Freund und ihre Assistentin. Und jetzt verziehe ich mich in mein Badezimmer und komme da garantiert die nächsten Stunden nicht raus. Danke, Sam.“
„Hey, vergiss die E-Mail nicht! Und gute Besserung. Tu mir den Gefallen und fahr zum Arzt, wenn es nicht besser wird. Du weißt ebenso gut wie ich, dass mit solchen Vergiftungen nicht zu spaßen ist. Ich melde mich heute Abend und berichte, wie es lief.“

Sam legte das Handy beiseite und rieb sich die Stirn. So fing sein Urlaub wirklich anders an, als er das geplant hatte. Er konnte nur hoffen, dass das kleine Starlett oder deren Angestellte sich nicht als Superzicken entpuppen würden. Darauf schwören wollte Sam allerdings lieber nicht.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast