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5 Wörter - Eine Geschichte

OneshotAllgemein / P18
15.11.2020
15.11.2020
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Liebe Leser*innen

Kurzprojekte die entstehen indem mir Freunde + Bekannte 5 "zusammenhanglose" Wörter nennen aus denen ich dann versuche einen Oneshot zu kreieren.
Viel Vergnügen!
Aus anscheinend gegebenem Grund verweise ich hier darauf dass das Copyright und alle Rechte ©2020 bei Carina de Alvaro liegen.
Jegliches Kopieren oder anderweitige Verwendungen sind nur mit Schriftlicher Genehmigung meinerseits gestattet.

Alle Personen und Handlungen sind frei erfunden, etwaige Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind zufällig und nicht beabsichtigt.


Dieser hier ist für Sabrina, meine Zumba-Schwester  :)


Tief ziehe ich die kühle  Morgenluft in meine Lungen, geniesse das Gefühl des Erwachens, der Energie die durch meine Adern strömt.
Die Bäume im Park ziehen an mir vorbei, vermischen sich zu einer gigantischen, undurchdringlichen Mauer aus Dunkelheit und Schwärze.
Das noch fahle Licht der langsam emporsteigenden Sonne ermöglicht es mir gerade so, den unebenen Pfad vor meinen Füssen zu erkennen. Wie jeden Morgen in den vergangenen drei Jahren biege ich nach dem völlig verrosteten Kinder-Karussell rechts auf den breiteren Weg, der zum Zentrum der Parkanlage führt. Die Luft ist so frisch das mein Atem weisse Wölkchen vor meinem Gesicht bildet, die genauso hastig verschwinden wie sie erscheinen. Nach einigen Minuten beginnt sich der Wald zu lichten und weicht schlussendlich gänzlich einer Wiese mit Blumen aller art.
Die Blüten sind klüger als ich, ziehen ihre Köpfe ein bis die Sonne sie mit ihrer Wärme wach küsst.
Der Pavillon im Zentrum  wird  sanft beleuchtet, gibt der ganzen Szenerie etwas unwirkliches beinahe märchenhaftes.  Die kupferne Kuppel reflektiert die ersten Sonnenstrahlen, die sich über die Baumwipfel hinweg wagen. Auf dem letzten Wegstück, das so gerade und eben ist wie es nur sein kann, schliesse ich meine Augen und ziehe mein Tempo an. Ich renne so schnell ich kann, habe das Gefühl dem neuen Tag voller Vorfreude entgegen zu fliegen. Meine Füsse berühren kaum mehr den Boden, mein Atem kommt stossweisse und beschleunigt sich immer weiter. Mittlerweile kenne ich die Strecke so gut, dass es nicht nötig ist hinzusehen um zu wissen wann ich anhalten muss.
Noch fünzig Meter.
Noch dreissig.
Bevor die zwanzig Meter erreicht sind, werde ich unsanft zur Seite gerissen, schlage der Länge nach in die kniehohe Wiese. Irgendetwas Haariges rappelt sich neben mir wieder auf und verschwindet bevor ich nur ansatzweise begreifen kann was hier gerade passiert ist. Mir fällt trotz der Schmerzen auf,  dass meine Position eine sehr interessante Perspektive darstellt um den Pavillion zu betrachten.
Ich könnte jetzt fluchen und mich darüber aufregen, dass ich hier in meiner dünnen Sportbekleidung im taufeuchten Gras herumliege, doch dazu komme ich glücklicherweise nicht. Die Wolken am Himmel über mir zeigen eine ihrer schönsten Darbietungen. Von Osten her leuchtend, in allen Farben zwischen Gelb, Kupfer und Violett, reihen sie sich wie kleine Schäfchen in Reih und Glied. In Kombination mit dem Viktorianischen Pavillon ein Anblick der eines Malers würdig wäre
.
Das malerische Bild wir zerstört, als sich plötzlich eine grosse Hand in mein Blickfeld schiebt.
Ich drehe meinen Kopf und stelle bedauernd fest, dass an der Hand ein ganzer Mensch dran hängt. Es behagt mir nicht, in meiner morgendlichen Routine anderen Menschen zu begegnen, aber wenn die Hand schon hier herumschwebt, werde ich die freundliche Geste zu schätzen wissen.
Bevor ich nach den Fingern greife um mir aufhelfen zu lassen wische ich den Tau an meiner Jacke ab.
Sanft und doch Kraftvoll umschliesst er meine Finger mit den seinen und zieht mich galant wieder in die Senkrechte. Er wirkt nicht mehr so einschüchternd gross aus diesem Blickwinkel, eher schüchtern, vor allem, als er sich die schwarzen Haare hinter das Ohr streicht.
„Entschuldige Bitte. Hades kennt kein Halten mehr, wenn die Scheibe erstmal in der Luft ist“
Den Mund bereits geöffnet um in Erfahrung zu bringen wer, oder was, Hades sein soll ausser einem Griechischen Gott ertönt ein tiefes bellen direkt hinter mir.
Wie ein aufgescheuchtes Reh drehe ich mich herum und weiche augenblicklich einige Schritte zurück. Zumindest hätte ich das getan wenn mich nicht der Bordstein des Weges erneut zu Fall bringen würde. Arme, die sich hastig um mich schliessen, bewahren mich vor einer weiteren Blamage und einer Landung die wesentlich härter ausgefallen wäre als die erste.
Hades ist ein Hund.
Nein, eigentlich kein Hund.
Mehr ein überdimensioniertes schwarzes Fellmonster auf vier Pfoten.
Verflucht grossen Pfoten, vielleicht eher Tatzen?
Als das Monstrum seinen Kopf senkt um einen Knutschpinken Frisbee aufzuheben schlussfolgere ich, dass mit Scheibe wohl dieses grelle neonfarbige Plastikteil gemeint war.
Anscheinend starre ich das Tier so entsetzt an das sich der Besitzer genötigt fühlt mich erneut anzusprechend und prüfend zu mustern.
„Ja. Alles in Ordnung“ erwidere ich ohne den Blick merklich von Hades zu lösen „Ich frage mich gerade nur, wie du auf die verrückte Idee kommst, dieses lebendige Kuscheltier nach dem Gott der Griechischen Unterwelt zu benennen“.
Sein Lachen ist angenehm und dunkel, wie es der Morgen vor wenigen Minuten noch war.
Obwohl ich weiss wie unvernünftig das ist, bei Hunden die man nicht kennt, lasse ich mich auf die Knie fallen und wuschle durch das dichte Fell. „Na? Bist du ein guter Junge? Jaaa du bist ein guter junge….“ Quietsche ich in bester Schulmädchen Manier als ob ich noch nie einen Tier gesehen oder gerade den Verstand verloren hätte.  Ersteres kann ich verneinen, zweites…. Kann man nie genau wissen oder? So wie ich gerade eben gestürzt bin wäre das eindeutig nicht auszuschliessen. Wenigstens weiss ich wo ich suchen müsste, sollte sich diese Befürchtung bewahrheiten.
Das Kuscheltier scheint diese Behandlung zu geniessen, rückt immer näher an mich heran bis ich hilflos hinten über Kippe. Meine Hände hören nicht auf weiter durch den Pelz zu Pflügen was Hades dazu veranlasst sich zu bedanken.
Halb steht, halb liegt er über mir um mein Gesicht einer gründlichen Inspektion durch seine Zunge zu unterziehen. Es ist eklig und fühlt sich gleichzeitig so kurios an dass ich nicht anders kann als zu lachen.
Meine Abwehrversuche werden dadurch nur noch nutzloser als ohnehin schon.
Mit meinen Händen versuche ich mein Gesicht vor weiteren feuchten Liebkosungen zu schützen, was mich nicht davon abhält völlig grenzdebil weiter zu kichern. Ich rätsle gerade darüber ob Hades als Suchhund für einen verlorenen Verstand taugt, als dieser sich ruckartig erhebt und in vollem Tempo davon braust. Erneut werde ich in die Senkrechte gehievt. Mit meinem Jackenärmel versuche ich mein Gesicht wenigstens einigermassen sauber zu bekommen. Ziemlich erfolglos.
„Muss ich dir die Ironie hinter dem Namen jetzt noch erklären?“ wollte der noch immer Fremde Mann wissen. Das Grinsen in der Stimmlage eindeutig nicht zu überhören.
Das Fellmonster mit Frisbee ist wieder im Anflug weshalb ich mich zur Sicherheit hinter dem breiten Rücken des Mannes in Deckung bringe. Eine Bruchlandung am Tag genügt mir.
„Hades, Platz“ ohne mit der Wimper zu zucken gehorcht das Tier, lässt sich zur Seite Kippen und bleibt wie erschlagen liegen.
Da ich noch immer hinter ihm stehe obwohl die Gefahr gebannt ist dreht er sich zu mir um.
„Ich würde mich jetzt eigentlich erneut entschuldigen, aber irgendwie hast du dich da selbst hineinmanövriert“ sein Grinsen ist wirklich anbetungswürdig.
Breit Grinse ich zurück, was der kann, kann ich schon lange.
„Ja, das denke ich auch und deshalb manövriere ich mich jetzt nach Hause unter die Dusche“.
Wie gehofft gefriert ihm das Lachen im Gesicht während er krampfhaft versucht seinen Blick nicht über meinen Körper wandern zu lassen. Die Leggings lässt ohnehin kaum Spielraum für Interpretationen.  
Während ich mich also abwende und bereits davon Jogge drehe ich mich noch einmal um, laufe rückwärts weiter.
„Ich wär froh, wenn Hades mich morgen früh nicht nochmal flach legt“ damit wende ich mich endgültig ab und merke erst beim alten Karussell dass ich die falsche Richtung eingeschlagen habe.
Wer weiss, ob ich Hades und seinen Wächter wieder sehen werde.

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Auch hier freue ich mich über jegliche Rückmeldungen :)
Wer möchte kann mir auch 5 Wörter da lassen um mich in Zeiten der Schreibblockade zu Inspirieren, du wirst dann vermerkt sollte es eine Veröffentlichung geben.
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