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Der Beginn einer langen Freundschaft

von Litani
OneshotAbenteuer, Freundschaft / P6
14.11.2020
14.11.2020
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Ich hatte Glück, heute brauchte mich Mikelo nicht. Natürlich war ich immer froh wenn ich arbeiten konnte, denn ohne Arbeit gibt es kein Geld und ohne Geld kein Essen. Es ist zwar bei weitem nicht mehr so schlimm wie vor ein paar Jahren. Aber auch heute reicht das Geld, was meine Mutter verdient nicht aus, um mich und meine kleine Schwester zu versorgen, weshalb ich schon seit einigen Jahren kleinere Arbeiten übernehme um Geld dazuzuverdienen.
Bei Mikelo arbeite ich schon etwa ein halbes Jahr. Er ist ein guter Mann und zahlt fair. Deshalb und weil zur Zeit Sommer ist und meine Mutter dadurch um einiges mehr auf den Feldern verdient, können wir es uns leisten, dass ich nicht jeden Tag beim Häuserbauen, putzen oder sonstigen helfen muss und die Zeit anders verbringen kann. Meine Schwester kann sogar eine Schule besuchen. Auch das wäre vor einiger Zeit kaum möglich gewesen. Meine Mutter war also arbeiten und meine Schwester in der Schule, ich war allein und nutze die Zeit, wie jede andere freie Minute auch, zum Trainieren. Ich schnappte mir das alte Schwert meines Vaters und ging hinaus. Wir wohnten in einem eher entlegenen Gebiet in dem nur andere Familien wohnten die auf dem Feld arbeiten. Meine Mutter hasste diese Arbeit, weshalb sie mir auch verbot mit dort zu arbeiten. Aber der Job brachte Geld und das war das wichtigste. Ich ging also aus unserer kleinen Holzhütte hinaus. Neben unserem Haus verlief ein breiter Weg der oft genutzt wurde um in die Stadt zu kommen. Aber seit der Eröffnung eines neuen besseren Weges, wurde er kaum noch genutzt.
Ich ging zu dem toten Baumstamm in der Nähe uns stellte mich vor ihm auf. An den vielen Kerben und Löchern im Baum erkennt man, dass ich schon ziemlich oft hier trainiert habe und wie durch ein Wunder hält der Stamm trotzdem noch. Nach einigen festen Atemzügen die mich auf das Training vorbereiten sollten, schwang ich das Schwert und traf den Stamm an der rechten Seite, einige Splitter flogen, was ich aber kaum bemerkte, denn schon landete ich einen Treffer auf der anderen Seite des Baumes. Und so ging es weiter. Schlag. Drehung. Block. Stich. Immer weiter. Der Schweiß ran mir schon nach einigen Minuten den Rücken hinab. Die Morgensonne stach mir in den Augen. Aber ich konnte mir nichts Schöneres vorstellen als in diesen Moment hier zu sein und gegen den Baumstumpf zu kämpfen.
Desto länger in das Schwert schwang desto mehr vertiefte ich mich in Gedanken. Vor mir sah ich das, was ich erreichen will. Das wofür ich die ganze Zeit trainierte. Mein einziges Ziel, seit dem Tod meines Vaters war es, so gut zu werden, dass ich in ritterliche Garde komme. Mein Vater kämpfte für den Prinzen, heute der König, der sich gegen alle Feinde behauptete und an der Spitze des Königshauses blieb. Er überlebte alle Anschläge und Mordversuche. Er ist schlau, hieß es. Natürlich war auch allen klar, dass sein Überleben nicht immer nur sein Verdienst war. Die Garde schütze ihn, so auch mein Vater. Er starb bei einem der letzten Anschläge und beschütze somit unseren Prinzen. Nicht viel später wurde er gekrönt und es zog Frieden in den Palast ein. Wir bekamen die Nachricht von dem Tod meines Vaters einige Tage nach der Krönung. Darin bekundete der neue König sein Beileid und schickte uns zusätzlich eine Menge Geld, mit welchem wir immer noch leben könnten, hätte es nicht vor 3 Jahren den großen Brand und vor 2 Jahren die große Dürre gegeben. Natürlich ging es uns in diesen Zeiten besser als den meisten. Aber nun ist kaum noch etwas von dem Geld übrig. Außer dem Brief und dem Geld bekamen wir auch eine Nachricht von unserem Vater die für uns bestimmt war, falls er sterben sollte. In diesem berichtete er, dass er uns vermissen wird und hofft das wir gutes Leben führen werden. Er schrieb aber auch, dass er nichts bereut und immer hinter unseren König stehen wird. Er ist ein guter Mann, schrieb er. Und damit behielt mein Vater Recht. Schon nach einigen Monaten nach der Krönung konnte man zunehmend Verbesserungen beobachten. Es wurden Waisenhäuser errichtet und auch die normale Bevölkerung konnte sich nun Arztbesuche leisten. Es ging allen besser und das ganze Land steht nun hinter dem jungen König. Wie auch ich. Weshalb ich jeden freien Tag alles gebe um ihn irgendwann in der Garde dienen zu können.
Das alles ging mir während des Trainings durch den Kopf. So bemerkte ich kaum die kleine Karawane von Reitern die auf dem Weg hinter mir lang ritt. Verirrte Bauern, dachte ich mir und schaute nicht einmal hin als ich die Hufe der Pferde hörte. Schon nach zwei Minuten hatte ich sie vergessen und versuchte weiter den Baumstamm zu zerstören.
Nach einigen Stunden, als mir schon die Mittagssonne stark auf den Kopf schien und ich mein Hemd schon vor lauter Schweiß ausziehen musste, gestand ich mir eine Pause zu. Erschöpft ließ ich mich an dem Baumstamm auf den Boden sinken und vesuchte zu Atem zu kommen.
Nach einigen Minute hatte ich mich soweit beruhigt, dass ich mir das Schwert anschauen konnte. Es war das einzige was mein Vater uns hinterlassen hat. Man sah, dass es schon oft gebraucht wurde. Durch das Holz wird das Schwert so schnell stumpf, dass ich es gar nicht mehr versuche zu schleifen. Ist auch nicht wichtig um die Technik zu beherrschen. Ein ordentliches Schwert würde ich noch schnell genug bekommen. Mühsam stand ich auf und holte mir einige Äpfel von dem Baum neben unserer Hütte. Nachdem ich den Hunger gestillt hatte, ließ ich mich erschöpft auf das Gras fallen.
Später wurde ich von der nachmittagssonne geweckt die mir leicht ins Gesicht schien. Ich musste wohl einige Stunden geschlafen haben. Verärgert von der sinnlos verbrachten Zeit stand ich schnell auf, schnappte mir das Schwert und fing dort an wo ich vor meiner Pause aufgehört habe. Diesmal war es um einiges schwerer. Meine Muskeln waren entkräftet und meine Beine wollten nicht mehr so arbeiten wie sie sollten. Trotzdem bis ich die Zähne zusammen und schlug sogar noch härter zu als am Vormittag. Wieder versank ich in Gedanken. Dachte an meine Mutter, an meine Schwester und unsere Zukunft, sodass ich die Dämmerung die langsam einbrach kaum bemerkte.
Erst eine Stimme ließ mich wieder zurück in die Realität finden. Verwirrt schaute ich hin und her. Hinter mir, auf dem Weg war eine Reiterkolonne aus 5 Männern. Alle waren stattlich gekleidet. Drei trugen Rüstungen, die anderen beiden Gewänder. Erwartungsvoll schauten sie mich an. Wahrscheinlich wurde mir eine Frage gestellt. Da ich keine Ahnung hatte wer mich was gefragt hat, hielt ich es für das Beste zu warten bis sich jemand von ihnen noch einmal äußert. Dabei blieb mein Blick automatisch an den Männern mit den Rüstungen hängen. Solche Rüstungen wie mein Vater früher trug. Erneut ertönte eine Stimme. Zuerst dachte ich der ältere der jungen Männer spricht. Er trug so prunkvolle Gewänder, dass allein sein Umhang denselben Wert wie unser Haus haben musste. Aber nicht er sprach sondern der jüngere. Er trug eher schlichtere Gewänder wobei auch die mehr Geld wert sein müssten als das was ich in einem Jahr verdiene. „Entschuldige mich für die Störung, aber kann ich einen Moment mit dir reden?“
Ich betrachtete ihn nun genauer. Warum sollte er mit jemanden wie mir sprechen wollen. Sicher war er adlig. Und sehr reich, wenn er sich einen solchen Personenschutz leisten konnte. Er strahlte große Macht und Souveränität aus sodass er um einiges älter wirkte als er eigentlich war. Vielleicht um die 20? Mein Blick wanderte weiter nach oben und was ich sah ließ mein Herz aussetzen. Es war eine Krone. Und zwar nicht irgendeine, sondern genau die, die uns mein Vater so oft beschrieb und meine Schwester letztendlich zeichnete. Im selben Moment wurde mir auch klar wer hier vor mir stand. Das alles passierte innerhalb von einer halben Sekunde, aber mir kam es wie eine Ewigkeit vor.
Auf einmal schämte ich mich für meine verschwitzen Sachen und das alte Schwert in meiner Hand. Ich war froh, dass ich den König nicht allzu lang in die Augen geschaut habe. Man wusste sogar hier in unserer bäuerlichen Ecke, wie man sich zu Verhalten hatte, wenn man auf den König trifft und ich habe in den letzten Sekunden gegen zu gut wie jede dieser ungeschriebenen Regeln verstoßen. Um es nicht noch peinlicher zu machen, sank ich schnell in eine tiefe Verbeugung und traute mich auch nicht mich aus dieser zu lösen. Also sprach ich nur leise „Zu was habe ich die Ehre, mein König.“ Obwohl ich mich immer noch nicht aufgerichtet habe, spürte ich sein Blick auf mir. Ich hoffte sehr, dass er von einer Bestrafung für das Verfehlen meinerseits keine Strafe anordnen würde, da ich jetzt weder Verletzungen noch Gefängnisstrafen brauchen kann. Er begann wieder zu sprechen und gegen all meine Erwartungen setze er nicht zu einem Befehl zu meiner Festnahme an, sondern zu einer Frage. „Ich bin schon heute morgen hier vorbeigeritten“, ich dachte sofort an die Reiterkolone von heut früh zurück. Super, jetzt habe ich den König schon zweimal nicht gegrüßt. „Da warst du auch schon hier. Trainierst du den ganzen Tag?“ Schnell setzte ich zu einer Antwort an um ihn nicht doch noch zu verärgern. „Ich trainiere sooft ich Zeit dafür finde, mein Herr.“
Mein ganzer Körper zitterte. Ich war noch nie in meinem Leben so aufgeregt und habe noch nie für einen Menschen so viel Respekt und Achtung empfunden wie für ihn.
„Deine Ausdauer ist herausragend. Ich denke es ist bestimmt nicht leicht sich selbst zu trainieren. Was würdest du davon halten im Palast mit meinen Rittern zu kämpfen?“ Perplex hob ich den Kopf. Ich hatte mit vielem gerechnet, aber nicht damit. Ich war noch nicht mal im Mindestalter von  21 um der Garde beitreten zu können. Ich hob mein Blick noch mehr, in der Erwartung ein Lachen oder irgendetwas anderes in dem Gesicht des Königs zu sehen, was sein Angebot rückgängig machen würde, aber ich sah nichts als puren Ernst. Im selben Moment in dem ich verstand was mir angeboten wurde, stieß ich ein kurzen Freudenschrei aus, für den ich mich keine halbe Sekunde innerlich ohrfeigte. Sofort ließ ich wieder den Kopf sinken und verbeugte mich. „Vergebt mir, mein König“, nuschelt ich. „Und was denkst du, willst du Teil der Garde werden?“ „Ich könnte mir keine größere Ehre vorstellen, mein Herr“
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