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Sashima

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
13.11.2020
23.02.2021
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Kapitel 10: Polizist Thomas

Seit geraumer Zeit überlegte er im Polizeipräsidium wie er ihr das alles erklären sollte. Er hatte vor Aufregung sein Telefon zu Hause vergessen und saß nun hier seit der Morgenstunde und kaute mit einem Inspektor der 50iger Jahre die alten Akten durch. Er hatte Glück gehabt. Der Herr vor ihm, war ein alter Klassenkamerad seiner Mutter und kannte die Geschichte seiner Nachbarin.
Sich der Sache nun, nach so langer Zeit erneut anzunehmen, war nun nicht so einfach. Jedenfalls nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Die Akten befanden sich im Keller des Reviers. Sie waren noch in schriftlicher Form geführt und schwer zugänglich. Es dauerte etwa zwei Stunden, ehe sie eine dünne unscheinbare Akte fanden, in einem riesigen Stapel von anderen viel dickeren aussortierten Akten.
Wie sich herausstellte war die damalige Spurensuch sehr klein gehalten. Es befanden sich darin:
-     Zwei Zeugenaussagen, seine und die eines Nachbarn
       o     Der Bericht der Kinder und der Mutter, sowie Klinikberichte und Aussagen.
-     die Berichte der Feuerwehr über die Brandursachenermittlung und Spurensuche
-     die Kopie des Totenscheines von Sashimas Vater
Die Brandursache war damals schnell gefunden und somit wurde nicht weiter nachgeforscht. Bei der Nachforschung bemerkten sie beide, dass Sotiras Erzählungen identisch waren, mit seiner damaligen Aussage, die er zu Protokoll gegeben hatte. Ebenfalls stimmten sie mit den Aussagen des damaligen Nachbarn, der die Feuerwehr gerufen hatte überein.
Genau das war das Problem. Offiziell wurde der Brand von damals als Unfall abgestempelt und das zerriss ihn innerlich.
„Bist du sicher, dass er etwas damit zu tun haben könnte und dass dies wirklich der Mann war denn du im Baumarkt gesehen hast?“ Sotiras wurde immer frustrierter, diese Frage hörte er nun zum gefühlten hundertsten Mal. „Ja“, schnaubte er, „ich bin mir sicher.“ Er zischte ihn fast an und versuchte mit zusammen gebissenen Zähnen zu fluchen. „Er hatte nur etwas kürzere Haare zu damals und verstärkte Geheimratsecken an der Stirn. Das Gesicht war dasselbe. Ich bin mir zu hundert Prozent sicher. Er war es! Der Mann, der mich an dem Abend umgerannt hatte. An dem Abend, wo das Haus meiner mittlerweile festen Freundin brannte und ihr Vater dabei starb. Es war kein Unfall!“ Der Polizist hob beschwichtigend beide Arme und nickte. „Sei nicht sauer. Du weißt ich kann mich nur an die Fakten halten und es ist viele Jahre her. Laut dem Bericht kam es am Gasrohr im Heizungskeller zu einem Leck. Dieses Gas entzündete sich und war die Brandursache. Das Feuer selbst musste gegen 22.15 Uhr den kompletten Keller betroffen haben, indem sich zu der Zeit der Vater aufhielt um zu Rauchen. Nach Aussage der Kinder und der Mutter, tat er das wohl immer abends um die Zeit. Unklar war nur, ob er dabei eingeschlafen war und durch die Gase erstickte, da die Leiche bis zur Unkenntlichkeit verbrannt war. 22.30Uhr kamst du in die Nähe des Hauses und sahst den Brand. Dein Schrei alarmierte den Nachbarn, der daraufhin ungefähr fünf Minuten später die Feuerwehr alarmierte. Rettungsaktion der Familie folgte etc... Etc…“
Er wusste das alles. Er kannte die Fakten. Doch irgendetwas passte an der ganzen Sache nicht. Irgendeine Kleinigkeit. Er kam einfach nicht darauf.
„Ist ja gut.“, sagte Sotiras mit drückender Stimme, „Ich glaube ich gehe jetzt besser nach Hause und denke noch einmal in Ruhe darüber nach.“ Mit dem Blick auf die Uhr, nickte der Polizist. „Stimmt. Du bist schon ziemlich lange hier“, sagte er und stand auf. „Ich schicke eine kleine Fahndung heraus. Vielleicht entpuppt sich das alles als ein dummes Hirngespinst und du hast dir vielleicht etwas zu viel darein interpretiert. Aber zu erst müssen wir erst einmal den Typen finden.“
Sotiras stand ebenfalls auf, nickte nach einem langen Seufzer und lief zur Türe. An dieser griff er nach der Klinke, drehte sich noch einmal kurz um und sagte: „Ich danke dir trotzdem für deine Geduld Thomas.“ Der angesprochenen Lächelte. „Keine Ursache und sage deiner Mutter liebe Grüße von mir. Sie soll sich nicht hängen lassen, sie hatte schon schlimmeres durchgemacht.“ Auch er war wie seine Mutter, einer der nicht Aufgab. Der aber gerne erst einmal den Kopf in den Sand steckte um sich auf die Lauer zu legen. Die Ruhe vor dem Sturm.
Er ging hinaus, schloss die Türe von außen und fuhr zu seiner Liebsten nach Hause. Dabei überlegte er sich zum wiederholten Male, was er ihr alles erzählen sollte. Die Wahrheit musste sein, so etwas wie am gemeinsamen Abend sollte sich nicht noch einmal wiederholen.
Vielleicht könnten sie zusammen die Tagebucheinträge durchgehen? Die unklare Sache, die fehlende Antwort, vielleicht würden sie diese gemeinsam finden.
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