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Sashima

GeschichteAllgemein / P16 / Gen
13.11.2020
23.02.2021
11
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13.11.2020 659
 
Kapitel 1: Flammen

Sashima lief den Marktplatz entlang, dass tat sie immer zum Donnerstag, es war mittlerweile eine Gewohnheit von ihr.
Früher suchte sie sich nach der Schule einen Ort aus, an dem sie denke konnte. Witziger Weise war das genau der Ort, der am lautesten war und doch fühlte sie sich hier wie zu Hause.
Eigentlich tat sie dies auch noch aus einem anderen Grund.

Vor vielen Jahren hat sie immer ihren Vater mit auf dem Wochenmarkt genommen. Jeden Donnerstag, nach der Schule, hat er sie abgeholt und ist mit ihr über den kleinen Markt, danach zum alten Rathaus und weiter bis zum Stadtpark gelaufen. Bis zu seinem Tode, hatte er immer für ihren Haushalt frisches Obst und Gemüse gekauft. Ein Ritual, dass sie erst aus Trotz, dann aus Gewohnheit weiter durchführte und dies weit über ihre Schulzeit hinaus.
Ihrem Vater war es damals wichtig gewesen, etwas zu kaufen, was er vorher auch gesehen und angefasst hatte. Etwas was "aus seiner Region stammte", so hatte er es ihr einmal erklärt, "schmeckt wie nach Hause kommen".
Ja, hier war sie zu Hause.
Bis zu dem Tage an dem er starb, vor ihren Augen.
In den Flammen ihres eigenen Hauses.
An dem Wochentag, der für sie eigentlich etwas Besonderes war.

Deshalb konnte sie sich wahrscheinlich noch daran erinnern, als ob es erst gestern passiert wäre und dabei lag es bereits über fünfzehn Jahre zurück. In einem Alter, wo das Leben noch sorglos war und sie erst um die acht Jahre alt war.

Sie kam hier her, um an die Vergangenheit zu denken. An die Zeit zu erinnern und nicht zu vergessen. Vielleicht auch, weil sie nie aufgegeben hatte, dass geheime Rätsel zu lösen, an was und warum ihr Vater an diesem Abend sterben musste?
Ein unaufgeklärter Fall. Ein Fall einer Akte, irgendwo im Archiv der Polizei. Sie wollte die Wahrheit herausfinden, so lange schon, doch keiner konnte ihr helfen. Jedenfalls keiner, den sie kannte oder der bisher mit ihr darüber gesprochen hatte.
Dabei fing der Nachmittag wie immer an. Mit einem Spaziergang über den Markt, einem Einkauf bei ihrem bekannten Händler. Der Rundgang zum Rathaus, danach zum Stadtpark und zu lest nach Hause.

Sie wusste, dass sie gemeinsam Abend gegessen hatten, es gab leckeren Curryreis mit Hähnchen und frischem Gemüse als Beilage. Danach versuchte sie etwas im Garten auszuspannen und ihr kleiner Bruder hatte dabei vermehrt genervt, sie wurde sauer, schrie herum und bekam als Strafe für den Abend Fernsehverbot. Doch dies war nie eine Strafe für sie gewesen. So zog sie sich in ihr Zimmer zurück, nahm sich eines der vielen Bücher aus dem Regal und schlief beim Lesen auf ihrem Bett ein.
Danach...
Und da war das Problem.
Was war danach?
Ihr fehlten fast vier Tage Inhalt.

Sie wusste es einfach nicht mehr.
Es war ihr nur wenig bekannt. Das Einzige was sie wusste, stammte aus Erzählungen anderer Leute und Zeitungsausschnitten. Diese Informationen hatte sie sorgfältig in einem kleinen Tagebuch gesammelt und sortiert.
Es war ein Feuer gegen 22.30 Uhr in ihrem Haus ausgebrochen, laut der Feuerwehr musste es ein Gasleck im Heizungskeller gegeben habe.
Ihr Zimmer befand sich damals im Dachgeschoss, in der 3. Etage. Sie hatte die gesamte obere Dachhälfte für sich und war alleine auf der Ebene. Ihre Eltern und ihr kleiner Bruder wohnten eine Etage tiefer und im Erdgeschoss befand sich damals Küche und Wohnzimmer. Bäder waren auf jeder Ebene zu finden, was sie damals noch erschreckend fand, heute wäre sie begeistert davon gewesen.
Nach dieser Nacht wachte sie vier Tage später im Krankenhaus auf. Ihr Bruder lag im Bett neben ihr, ihre Mutter war zu dieser Zeit noch auf der Intensivstation und nicht auffindbar.
Ein kleiner Junge saß damals neben ihrem Bett. Sie kannte ihn, doch wusste sie nicht seinen Namen. Er war einer der Nachbarskinder mit denen sie immer am Wochenende oder in den Ferien gespielt hatte. Später erfuhr sie, dass die Schwestern ihn Sotiras nannten.
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