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Wonach schmeckt es denn?

von Felicita
Kurzbeschreibung
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Dominique de Sade Laurent Noé Archiviste
09.11.2020
09.11.2020
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Diese Fanfiction habe ich schon seit einer ganzen Weile geschrieben, aber mich mehr als schwer mit dem Titel getan.
Ich finde ihn immer noch nicht gut, aber ich fände es schade, sie nie zeigen zu können und mich daher entschieden sie trotzdem hochzuladen.
Es ist einfach ein wenig leichte Unterhaltung, zwischen Charakteren, die ich gerne habe und die viel zu wenig interagieren, wenn man mich fragt. :')
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„Sag mal, wonach schmeckt es eigentlich?“
Noé blinzelte kurz und sah von der Tarte Tatin auf, die er gerade sehr genüsslich in kleine, mundgerechte Stückchen zerlegte.
Die ganze Situation war zugleich vollkommen normal und furchtbar skurril. Es war ein grauer Tag und nieselte bereits seit den frühen Morgenstunden ununterbrochen (nicht, dass er wach gewesen wäre, um das selbst mitzubekommen), dennoch wirkte Paris heute seltsam lebendig. Ein reges Treiben und unzählige, sich hastig bewegende Schirme unter seinem Fenster hatten dafür gesorgt, dass schließlich auch er sich seinen Schirm gegriffen und ins Treiben gestürzt hatte.
Ohne bestimmtes Ziel war er durch die Straßen gestromert, bis sich auf einmal sein Magen mit einem leisen Grummeln meldete und ihm bewusst wurde, wie viel Zeit tatsächlich vergangen war. Während er noch überlegt hatte, was genau er sich denn zu essen besorgen sollte, war Laurent mehr oder weniger wörtlich in ihn hinein gestolpert - ohne eine Ahnung, wo er war.
Und nun saßen sie zusammen in einem kleinen Café in einer Seitenstraße von Paris, in die sich vermutlich normalerweise kein Tourist verirrte, und aßen Kuchen zusammen. Laurent war nicht im Dienst und trug keine Uniform. Es war das erste Mal, dass Noé ihn ohne sah und es verwirrte ihn, wie normaler gleich alles wirkte. Der junge Mann im simplen Hemd ihm gegenüber wirkte nicht wie jemand, der vermutlich problemlos jeden in seinem Umkreis hier innerhalb weniger Sekunden töten könnte. Nicht, dass Laurent das tun würde. Im Gegenteil, er nippte gerade genüsslich an seiner Tasse Kaffee und sah ihn neugierig an.
Noé lächelte sacht. Die Situation war zu normal. Nicht, was sie sein sollten, aber eigentlich fand er, mochte er dieses normal lieber.
„Nach süßem Teig mit leicht säuerlichen Äpfeln und einem Hauch von Zimt“, antwortete Noé nur zu gerne. „Ich bin absolut begeistert von diesem Boden, er ist so anders und gleichzeitig weicher und fester als die Apfelkuchen zuhause!“
Laurent blinzelte kurz, dann lachte er auf und schüttelte den Kopf. „Ich sollte meine Fragen wirklich besser formulieren“, meinte er dann amüsiert und trank noch einen Schluck. „Ich meinte eigentlich wonach schmeckt Blut für dich?“
Noé spürte regelrecht wie mit dieser Frage jeder Anschein von Normalität augenblicklich verpuffte, die Atmosphäre wurde kühler und sein Herzschlag nahm ein, zwei Takte zu, während er sich schnell umsah.
Niemand beachtete sie, niemand sah zu ihnen. Das Café war mittelmäßig besucht und alle schienen in ihre eigenen, leisen Gespräche vertieft. Laurent hatte nicht laut gesprochen, nicht warnend, er hatte die Frage ziemlich sicher nicht ernst gemeint. Er war neugierig, dennoch verunsicherte sie Noé leicht. Dann aber erinnerte er sich daran, wie Laurent ebenso verwirrt von ihm gewesen war, wie umgekehrt. Er sollte der letzte sein, der jemandem seine Neugier übel nahm oder falsch deutete.
Entschuldigend lächelnd zuckte er die Schultern. „Gut? Die Frage ist schwer zu beantworten, das ist, als würde ich dich fragen wie Kuchen schmeckt“, antwortete er leicht verspätet und deutete erst auf seinen, dann auf Laurents halb aufgegessenen Schokoladenkuchen.
Sein Gegenüber legte den Kopf leicht schief. „Also schmeckt jeder anders?“
Noé nickte. „Natürlich. Für dich nicht?“
Laurent lachte darauf wieder leise. „Ich habe außer meinem eigenen nie Blut geschmeckt, aber es ist nichts, was ich als gut bezeichnen würde. Es schmeckt nach Metall und Rost. Eher unangenehm und gibt einem sofort das Gefühl, dass etwas falsch ist. Manchen Menschen wird davon sogar übel, wenn sie es nur riechen. Ich dachte mir schon, dass das bei euch nicht der Fall sein kann, sonst würdet ihr es niemals freiwillig trinken.“ Er schmunzelte ironisch. „Also ist es eher wie Kuchen?“
Noé stutzte kurz. Das war etwas, worüber er sich nie Gedanken gemacht hatte. Er war nie auf die Idee gekommen zu fragen, wie Blut für einen Menschen schmeckte. Allerdings ...
„Du weißt wie Rost schmeckt?“
Wieder ein Kopfschütteln. Dann ein zögerliches Nicken. „Nein. Blut schmeckt so, wie ich mir Rost vorstelle, wie er riecht und aussieht. Okay, das war wohl ein schlechter Vergleich?“
Nun war es an Noé den Kopf erheitert zu schütteln. „Nein, ich denke, ich weiß, was du meinst. Die meisten Leute schmecken auch etwa wie sie riechen...“
Laurent schob sich ein Stück Kuchen sehr langsam und offensichtlich in Gedanken in den Mund. „Ist es unhöflich zu fragen, wie Leute riechen?“, sprach er dann langsam und sein Blick wanderte vom Fenster zurück zu Noés Gesicht.
Der musste allerdings erst einmal überlegen. „Als unhöflich empfinde ich es nicht, aber es ist ... schwer zu beschreiben.“ Wieder sah er auf den Kuchen und lächelte sacht, als ihm eine Idee kam.
„Vielleicht kann ich es besser mit einem Gefühl vergleichen. Meine Kindheitsfreundin etwa riecht nach einer warmen Tasse Früchtetee und süßen Plätzchen dazu. Ein vertrauter, warmer Geruch, der dich sofort zuhause fühlen lässt.“
Mit einem Mal lief ihm ein seltsamer, kurzer Schauder über den Rücken und verwirrt davon drehte er sich um. „Gut zu wissen?“, kommentierte Dominique offensichtlich halb amüsiert, halb ziemlich irritiert, als sie auf einmal hinter ihm stand.
„Domi! Was machst du denn hier?“
Sie schnaubte. „Dich suchen. Oder eher Vanitas helfen dich zu suchen, auch wenn ich nicht sicher bin wie er mich dazu überredet hat. Was machst du hier?“
Noé hob nur fragend die Augenbrauen, aber da sie offensichtlich keine Eile hatte, konnte es wohl nichts Wichtiges sein. Er deutete auf den Tisch. „Einen Kaffee trinken und wunderbaren Apfelkuchen essen. Ah, wie unhöflich von mir, darf ich vorstellen?“ Er stand auf und bot ihr höflich den Stuhl neben sich an. „Domi, das ist Laurent Fortis, Laurent, das ist Dominique de Sade. Wie du vermutlich schließen konntest, besagte Kindheitsfreundin.“
Laurent schmunzelte amüsiert, streckte ihr aber die Hand entgegen, die sie kurz skeptisch musterte, dann aber schüttelte. „Freut mich sehr, Mademoiselle.“ Noé entging nicht, wie Laurent sie kurz musterte und Domis kurzes Lächeln wieder verschwand, als sie das merkte. Vermutlich hatte Laurent bereits den Schluss gezogen, dass auch Dominique ein Vampir war, schwieg aber höflich, als sie bei einem vorbei eilenden Kellner einen Espresso bestellte.
„Ihr seid offensichtlich beim Thema Essen?“, fragte sie schließlich langsam und ihre hochgezogene Augenbraue galt dabei eindeutig mehr ihm. Noé zuckte aber nur die Schultern. Sie sollte an seltsame Fragen gewohnt sein, oder?
„Es tut mir leid, wenn die Frage unangemessen ist. Ich hatte bisher nicht die Möglichkeit mich mit einem Vampir zu unterhalten und muss gestehen, dass ich doch etwas neugierig geworden bin“, gab Laurent unbeeindruckt zu, dann blinzelte er kurz. „Noé, wie rieche ich denn für dich? Darf ich das fragen?“, hängte er dann mit einem Seitenblick zu Dominique hinzu, die schnaubte und dann kurz innehielt, um ihren Kaffee entgegen zu nehmen und dem Kellner kurz zuzunicken.
Noé musste allerdings kurz überlegen. „Ich würde sagen ein wenig wie Sahnebonbons?“
Laurent blinzelte verdutzt. „Sahnebonbons?“
Dominique lachte nun leise. „Doch, irgendwie hat er recht, du riechst wirklich wie ein kleiner Snack für zwischendurch. Allerdings ist da noch ein bitterer Beigeschmack, würde ich sagen, wenn dann vielleicht eher Salzkaramell.“, überlegte sie zu Noés Überraschung laut und stützte sich auf ihrem Arm ab und beugte sich ein Stück vor. „Sag, woher kennt ihr euch?“
Laurent öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber Noé war schneller.
„Ah! Das habe ich dir noch gar nicht erzählt! Domi, das wirst du nicht glauben, das ist eine unfassbare Geschichte.“
Er konnte quasi sehen, wie Dominique überhaupt nicht glücklich war bei dieser Aussage und ihre Augenbrauen herunter wanderten. „Lass mich raten, Vanitas ist schuld?“
Noé ließ sich dadurch aber nicht mehr aus dem Konzept bringen. „Schuld würde ich das nicht nennen, aber, ja, ich habe mich mit ihm in die Katakomben der Kirche eingeschlichen und da sind wir Laurent über den Weg gelaufen. Er dachte - berechtigt - dass wir seine Kameraden umgebracht haben und hat uns angegriffen - auch berechtigt - aber dann haben wir miteinander gesprochen und es hat sich alles aufgeklärt!“
Dominique sah ihn eindeutig entgeistert an, für zwei, drei Atemzüge war es totenstill, dann fuhr ihr Kopf zu Laurent und jedes bisschen Entspannung in ihrer Haltung verschwand schlagartig. „Kirche? Du bist ...“
Laurent blieb erstaunlich ruhig als er ihren Satz beendete. „Ein Chasseur, ja. Ich bedauere die Umstände unter denen wir uns getroffen haben, aber ich bin sehr froh darüber.“ Er nahm in Ruhe und unbeeindruckt von Dominiques eindeutig hasserfülltem Blick einen Schluck aus seiner Tasse. „Noé hat mir einen ganz neuen Blick ermöglicht.“
Bei den Worten zuckte sie fast ein wenig, gab aber die offensichtlich angriffsbereite Haltung zumindest ein wenig auf.
„Domi, bitte“, murmelte Noé, „Laurent ist ein Freund von mir.“
Sie murrte daraufhin, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme. „Ich zweifel in letzter Zeit ein wenig an deiner Wahl deiner Freunde ...“
Noé lächelte sacht. „Keiner von ihnen will mir schaden. Vanitas ist ein sehr interessanter, wenn auch furchtbar komplizierter, aber auf keinen Fall ein schlechter Mensch. Und Laurent auch nicht, er hat uns schon mehr als einmal geholfen.“
Dominiques Blick verdüsterte sich leicht. „Ein Chasseur, der einem Vampir hilft?“, wiederholte sie eindeutig ungläubig.
Laurent zuckte die Schultern. „Ich kann nicht abstreiten, dass ich vor zwei Monaten genauso skeptisch gewesen wäre“, gab er leichthin zu und schmunzelte etwas. „Aber, Mademoiselle, ich kann versichern, dass ich gerade keine Absichten habe irgendwen anzugreifen, außer jemand gerät in Gefahr. Und außerdem bin ich nicht mal im Dienst und nur hier um Gesellschaft und Kuchen zu genießen.“
Dominique schnaubte nochmals. „Meinetwegen“, murmelte sie kaum hörbar, „Aber ich bin dennoch skeptisch.“
Noé atmete langsam aus und schüttelte den Kopf. Kurz überlegte er anzuführen, dass sie ihn nur kennenlernen müsste, aber in Erinnerung an ihre Kommentare bezüglich Vanitas verkniff er sich das lieber. Er sollte das Thema ablenken, sein erster Gedanke war zurück auf das vorherige zu gehen, aber das könnte bei Domi nur erneute Skepsis wecken. Andererseits ...
„Domi, wie schmecke ich für dich?“
Das erwischte sie offenbar kalt und für zwei Sekunden starrte sie ihn nur ungläubig an, dann seufzte sie gespielt theatralisch und schüttelte nur den Kopf, ehe sie trocken kommentierte. „Wie Croissant.“
Das ließ ihn lächeln, auch wenn es für Laurent wohl eine nichtssagende Antwort war, Noé wusste, wie gerne sie als Kind nur Croissants zum Frühstück wollte und sie bis heute dem meisten anderen Gebäck vorzog.
„Das sind alles gut schmeckende Dinge, oder?“, fragte Laurent und schob sich das letzte Stück Kuchen in den Mund. „Gibt es auch Menschen, die nicht gut riechen?“
„Oh ja“, antwortete Dominique quasi sofort, „und leider gar nicht so wenig. Ich bin gerade auf dem Weg hierher jemandem begegnet, der nach Rosenkohl gerochen hat ...“
Das ließ die beiden Herren nun leise lachen. „Vampir oder Mensch?“, fragte Noé dann seinerseits neugierig.
„Mensch“, antwortete sie mit einem Seitenblick auf Laurent, der sie wieder interessiert musterte.
Erst sah es aus, als wollte sie weiterreden, als sie dies aber nicht tat, erklärte Noé an ihrer Stelle: „Meistens ist es so, dass eher Menschen nicht so gut riechen. Andere Vampire dagegen sind selten unappetitlich...“
Das wiederum ließ nun wieder Laurent stutzen. „Ihr trinkt auch von einander?“
„Ja?“, fragten Noé und Dominique quasi gleichzeitig. Allerdings war ihre Antwort eindeutig mehr eine Aussage, die klar sein sollte, während seine verwundert war, dass er das nicht wusste.
„Ist nicht so, dass wir das zum Überleben brauchen“, fügte Noé dann langsam an, nicht sicher, ob Laurent das wusste, „Ich sag doch, eher wie Kuchen ... oder Pralinen. Ah, Domi, sag mal, Vanitas ...“
Sie murrte und runzelte die Stirn. „Du willst jetzt nicht, dass ich dir sage, wie gut er riecht, oder?“
Und allein ihr Tonfall machte klar, dass er das tat, auch gegen ihren Willen. Noé lächelte erheitert. „Ich sag ja, Pralinen. Aber welche, die sicher Alkohol enthalten und du weißt nicht, wie viel ...“, meinte er noch halb in Gedanken, als Dominique ihm leise zu zischte: „Sag mal, solltest du einem von denen so viel verraten?“
Noé zuckte darauf langsam die Schultern und sah sie fragend an. „Wieso denn nicht?“ Er drehte sich zu Laurent. „Hilft dir das Wissen, wonach jemand riecht für irgendwas?“
Laurent lachte daraufhin nun wirklich.
„Nein, außer, dass es mich neugierig macht und ich das auch gerne mal riechen oder probieren würde.“
Er hatte anfangs gesagt, dass für ihn Blut nicht gut schmeckte, daher war das vermutlich nur eine theoretische Aussage. Er konnte auch nicht wissen, dass für das Bluttrinken das Einverständnis vorausgesetzt wurde, aber das brachte Noé ein wenig ins Grübeln. Vanitas hatte so vehement abgelehnt, auch wenn seine Frage unhöflich gewesen war, seine Gedankengänge waren und blieben unergründlich. Er war auch sauer gewesen, als Noé ihn beschützt hatte, vielleicht ... Die Tür den Cafés wurde abrupt aufgestoßen.
„Da seid ihr! Ich suche euch schon ewig und dann sitzt ihr hier in der hintersten Gasse von Paris und trinkt Kaffee?!“ Vanitas kam laut fluchend und wild gestikulierend auf sie zu.
Noé war noch halb in seinem Gedanken gefangen, als er aufsah und sprach diesen unbewusst aus.
„Vanitas, willst du mal mein Blut trinken?“
Das unterbrach die Fluchtirade augenblicklich und machte einem extrem fassungslosen Gesicht Platz. Vanitas starrte ihn zwei Herzschläge lang nur stumm an. Dann machte er auf dem Absatz kehrt und lief wieder zur Tür „Herrgott, bist du komisch, wo bin ich hier gelandet?!“, vor sich hinzeternd.
Noé stutzte, während Dominique und Laurent neben ihm anfingen zu lachen.
Hatte er was falsches gesagt?
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