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The Alienist - lebendig begraben

OneshotFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Dr. Laszlo Kreizler John Moore Sara Howard
09.11.2020
09.11.2020
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09.11.2020 4.627
 
Hallo ihr lieben,
ich freue mich dass ihr auf meine Geschichte gestoßen seit. Leider habe ich zu dieser tollen Serie noch keine andere FF auf dieser Homepage gefunden, daher habe ich selbst einige geschrieben. Vielleicht kann ich so einige von euch dazu animieren, es mir gleich zu tun. Über ein Review würde ich mich freuen und wünsche euch nun viel Spaß.

PS: Diese FF wurde nicht Beta gelesen, da ich niemanden kenne, der hierzu selbst Geschichten schreibt, bitte seht daher über Rechtschreibfehler, die ihr mit Sicherheit finden werdet hinweg. Ach ja, ehe ich es vergesse, mir gehört natürlich nichts daran ;-)







Wie sollte Johns leben weiter gehen? Er war in einer Verlobung gefangen, nur um das gesellschaftliche Ansehen zu wahren, welches von ihm, einem Mann der oberen Schicht erwartet wurde. Er sah keinen Ausweg, er würde Violet heiraten müssen, denn das was er wollte, würde er nicht bekommen. Leider, aber man konnte im Leben eben nicht alles haben. Die einzige Alternative war, sie nicht zu heiraten und auf ewig alleine zu bleiben, was bei vielen Menschen wohl Zweifel aufkommen lassen würde.

John mochte Violet, ja, aber auf eine andere Art und Weiße, als sie es sich wünschte. Oft genug hatte sie zur Geltung gebracht, wie sehr sie ihn liebte. Er allerdings, brachte diese drei magischen Worte so gut wie nie und wenn dann nur mit äußerst schlechtem Gewissen über die Lippen. Denn sie entsprachen nicht der Wahrheit. Genau genommen, hatte er ihr dies nur einmal gesagt und zwar als sie sich verlobt hatten.

Ja, John mochte sie, wie eine Freundin, aber nicht mehr. Er hatte für sie nicht die Gefühle, welche ein Mann für seine zukünftige Frau haben sollte. Anfangs dachte er wirklich, verliebt zu sein, vielleicht war er das auch – kurzzeitig. Aber als die rosa Brille verschwunden war, sah er nicht mehr was er in Zukunft haben könnte - nämlich eine attraktive Frau, eine Familie und Kinder. Vielmehr sah er ständig das, was er nie haben würde – mit dem Menschen zusammen zu sein, welchen er in Wahrheit liebte.

Er wäre ein Gefangener seiner eigenen Taten, würde er sie heiraten. Aber welche Wahl hatte er? Die Verlobung zu lösen? Dann wäre er zwar frei, aber Violet am Boden zerstört. Und selbst wenn er sie verlassen würde, war das nicht automatisch der Beginn einer neuen Beziehung für ihn. John hätte dann sein eigentliches Ziel immer noch nicht erreicht.

Abgesehen davon, würde ihr Vater dies nicht akzeptieren. Er würde ihm Steine in den Weg legen, wo er nur konnte und das wo er selbst nicht einmal offen zugeben konnte, ihr Vater und nicht ihr Pate zu sein. Was für ein scheinheiliger Mensch. Ein klassischer Fall von Doppelmoral. Auch gesellschaftlich würde ihn die Lösung der Verlobung teuer zu stehen kommen. Es würde über sie, vor allem über ihn geredet werden, wohl von der ganzen Stadt.

Der Mann, der die unschuldige Frau einfach sitzen lief. Er selbst würde zum Ungeheuer stigmatisiert werden, was nicht einmal sein größtes Problem war. Dies waren wohl ehr Violets Gefühle ihm gegenüber. Alles würde immer weiter aufgebauscht werden, damit die Menschen etwas zum reden hatten - wie das eben immer war. So entkamen die Menschen wenigstens eine Weile ihren eigenen Probleme. Trotzdem hatte John keine Lust darauf zum Gesprächs Thema Nummer eins in New York auserkoren zu werden.

Er würde Violet verletzen – auch wenn er dies nie beabsichtigt hatte. Andererseits konnte niemand etwas für seine Gefühle. Aber er selbst hatte sich in diese Lage gebracht, er war alles andere als unschuldig an der momentanen Situation. Nie hätte er seine wahren Gefühle derart verleugnen dürfen und eine Beziehung mit Violet in der Hoffnung auf eine eigene Familie eingehen dürfen. Das war ein Fehler, der sich jetzt bitter rächte. Er fühlte sich wie lebendig begraben, es gab keinen Ausweg mehr für ihn.

Würde er die Hochzeit durchziehen, wie geplant, wäre er gefangen in einer Beziehung, die er nicht wollte. Er dachte damals, die Gefühle würden noch kommen, intensiver werden, wenn sie sich besser kennen würden. Dieser Fall ist aber nie eingetreten. Hätte er sich nur früher eingestanden, wem sein Herz wirklich gehörte… dann wäre er nie in diese Situation gekommen. Aber dazu war er zu diesem Zeitpunkt wohl zu feige.

Wenn er es überhaupt schaffen würde eine neue Beziehung einzugehen, würde es Violet nicht einfach so akzeptieren. Alleine ihr Verdacht, er würde sie mit Sara betrügen führte jedes Mal aufs neue zum Streit. Sara war für sie wie ein rotes Tuch, auch wenn in dieser Hinsicht bis auf einen Ausrutscher nichts passiert war. Aber auch dieses eine Mal war ein Fehler gewesen, er war nicht wirklich bei der Sache gewesen, immer wieder waren seine Gedanken abgeschweift zu einem anderen.

Trotzdem, er hätte sie nicht betrügen dürfen. Bis jetzt wusste sie nichts davon. John redete sich ein, dass er den Mund gehalten hatte um sie nicht zu verletzen. Er selbst hatte am eigenen Leib erfahren, wie es war betrogen zu werden – damals bei Juliet. In Wahrheit aber schwieg er nicht um sie zu schützen, er war schlichtweg zu feige, ihr die Wahrheit zu sagen. Lang hatte er gebraucht um sich diese Tatsache einzugestehen.

Nun stand er wieder am Anfang. Er war keinen Schritt weiter gekommen in seinen Überlegungen. Johns Gefühle, sprachen eine eindeutige Sprache, löse die Verlobung, schnellstmöglich. Er konnte diese Gefühle einfach nicht abstellen, egal was er tat, sein Herz aber gehörte schon lange jemand anderem. Johns Kopf wiederrum verlangte das genaue Gegenteil – Heirate sie, das ist das Vernünftigste, was du tun kannst. Dau wolltest doch immer Kinder… flüsterte ihm dieser zu.

Aber was für ein Leben wäre das? Was für eine Beziehung wäre das? Eine Beziehung aus Pflichtgefühl konnte auf Dauer nicht gut gehen. Naja, viele Menschen heirateten, obwohl sie sich nicht liebten. Es war ein Arrangement. Ein stilles übereinkommen sozusagen. Wie aber hielten diese Menschen das durch? Zudem stellte sich eine Ehe anders vor. Für ihn war eine Ehe ohne Gefühle keine richtige Ehe. Vielmehr war es ein Schauspiel, um sich selbst und anderen etwas vorzumachen. Etwas was nicht existierte.

Vielleicht half es mit jemandem zu reden? Jemandem, dem er vertraute. Seine Granny würde wohl vor Schreck in Ohnmacht fallen, wenn sie erfuhr, wie er wirklich zu Violet stand. Selbst wenn er die Verlobung lösen sollte, dürfte sie nie erfahren warum.

John ging die imaginäre Liste potentieller Gesprächspartner im Kopf weiter durch. Vielleicht könnte einer von ihnen helfen. Bei Frauen funktionierte das doch auch immer. Diese besprachen auch immer alles mit ihren Freundinnen. Aber egal wen er auswählen würde, niemand dürfte je erfahren, wer sein Herz erobert hatte. Neben seine Großmutter war Laszlo war der erste auf der Kandidaten Liste – ganz schlechte Idee, John. Sagte er zu sich selbst.

Dieser würde ihn vielleicht verstehen, konnte sich möglicherweise sogar in ihn hineinversetzen. Laszlo könnte ihm helfen, da war John sich sicher. Laszlo aber, würde seine Psyche so lange auseinandernehmen, bis er wüsste, wer die Person seiner Begierde war und er würde es herausfinden, daran hatte John keinerlei Zweifel. Nein, dies war ebenfalls unmöglich.

Sara kam ihm als nächstes in den Sinn. Verstehen würde sie es vielleicht. Aber leider war sie neugierig – extrem neugierig sogar. Gut, ihr konnte er noch ehr etwas vormachen als Laszlo. Schließlich war dieser ein Meister seines Faches. Aber auch Sara durfte keines Falles hinter die näheren Umstände kommen. In Anbetracht der Tatsache, dass weder seine Granny, noch Laszlo in Frage kamen, machte er sich auf den Weg in ihr Büro, indem er sie zu dieser Zeit vermutete.



Nach einem kurzen Spaziergang war er 808-Broadway angekommen. Nervös rieb John sich die Fingerspitzen. Er hatte sich auf dem Weg einen Plan zurechtgelegt, dieser schien jetzt aber völlig lächerlich. Unsicher betrat er das Gebäude. Bitzy bat ihn noch einen Moment im Vorraum platz zu nehmen. Sara befand sich zurzeit in einer Besprechung, welche allerdings bald zu Ende sein würde.

Unruhig rutschte John von einer Sitzposition in die nächste. Er musste sich beruhigen. Ansonsten würde Sara ihn sofort durchschauen, denn dämlich war auch sie nicht, also schloss er die Augen und versuchte tief ein- und wieder auszuatmen. Nach einigen Atemzügen spürte John, wie er ruhiger wurde.

„Was verschafft mir die Ehre, John Moore?“ Er hatte gar nicht mitbekommen, wie die ältere Dame und Sara aus dem Büro gekommen waren. Jetzt allerdings stand sie vor ihm und sah ihn etwas konfus an.

„Hast du einen Moment Zeit? Ich bräuchte deinen Rat.“

„Natürlich. Bitte.“ Sie zeigte auf die geöffnete Tür ihres Büros. „Setz dich doch, ich lass uns einen Tee bringen.“


In Sarahs Büro, spürte John wie die Unruhe wieder aufflackerte.

„Also, da bin ich, raus mit der Sprache, wie kann ich dir behilflich sein?“

„Naja, es geht um eine sehr private Angelegenheit.“

„Okay, du weißt ich helfe dir wo ich kann.“

„Aber Sarah, bitte zieh keine falschen Schlüsse daraus.“

Es klopfte an der Tür. John war glücklich über die kurze Verschnaufpause, obwohl er noch gar nicht angefangen hatte. Bitzy stellte eine Kanne voll Tee und zwei Tassen auf dem Schreibtisch ab.

„Danke, Bitzy.“ Sagten beide wie aus einem Mund.

„John, du musst mir schon sagen worum es geht, ansonsten kann ich dir nicht helfen.“

„Okay, also rein hypothetisch, stell die vor du bist in einer Beziehung, du weißt aber, dass das alles nicht richtig ist, was würdest du tun?“

„Nur eine Beziehung, oder eine Verlobung, John? Das ist ein gewaltiger Unterschied. Die Beziehung, im allgemeinen, oder die Gefühle die du für Violet hast? Wie wäre es, wenn du mir alles, von vorne erzählst? Das würde die Sache einfacher machen.“

John seufzte resigniert. Er hätte wissen müssen, dass es nicht so einfach werden würde. Warum war er nicht doch zu Laszlo gegangen? John schwitzte. Er musste es hinter sich bringen, es gab keinen anderen Ausweg mehr.

„Okay, aber bitte, das was ich dir erzähle, darf nie irgendjemand erfahren. Versprochen?“

Sarah blickte ihn skeptisch an. „Okay, ich verspreche es dir.“

„Also, von vorne.“ John erzählte ihr die ganze Geschichte, vom Anfang seiner Beziehung zu Violet, von seinem Heiratsantrag bis hin zu seinen heutigen Gefühlen ihr gegenüber. Auch, dass er sich in jemand anderen verliebt hatte, sagte er ihr.

Sarah hörte sich alles interessiert an, und wollte natürlich wissen, wer die große Unbekannte war.

„Bitte Sarah.“

„Kenne ich sie?“

„Sarah, bitte akzeptiere, dass ich dir das nicht sagen kann.“

„Warum ist es denn so ein großes Geheimnis?“

John seufzte. Er kam sich vor wie bei einem Polizeiverhör.

„Okay, anders: Hast du Chancen bei ihr?“

„Wohl ehr nicht, aber was spielt das für eine Rolle?“

„Naja, es schadet nie, zu wissen woran man ist. Also, ich fasse das nochmal kurz zusammen: Du bist mit Violet verlobt, die dich liebt, du sie aber nicht. Dafür liebst du eine andere, die aber wohl nichts von ihrem Glück weiß und bei der du wohl auch keine Chancen hast. Sehe ich das richtig?“

„Ja. Ziemlich genau sogar.“ Sie hatte es schnell erfasst.

„Du solltest Violet die Wahrheit sagen, sie hat es nicht verdient belogen zu werden. Zudem finde ich es ist besser alleine zu sein, als mit jemandem eine Beziehung zu haben, nur um nicht alleine zu sein. Verstehst du was ich meine?“

John verstand es sehr gut, denn genau so war es. Sie war sozusagen ein Alibi, sein Notnagel, seine zweite Wahl, weil er die erste  nicht bekommen würde. Sein schlechtes Gewissen meldete sich.

„Heiratest du sie, bist du in der Ehe gefangen, obwohl du dieses Leben gar nicht willst. Du müsstest die Fassade weiterhin aufrecht erhalten, Tag für Tag und würdest dich jeden Tag weiter hinein reiten, nur um den Schein zu wahren, bis du es irgendwann nicht mehr aushältst. Seien wir ehrlich John, die Gefühle für sie sind bis jetzt nicht gekommen, also werden sie dies auch in Zukunft nicht. Und vielleicht hast du mehr Chancen bei deiner angebeteten als du denkst. Das könnte ich dir natürlich genauer sagen, wenn ich wüsste, wer diese Frau ist.“

John lächelte, Sara war zäh, sie gab nicht so einfach auf. In seinem inneren wusste John allerdings, dass sie recht hatte. Er konnte seine Verlobte nicht weiter vertrösten, ihr immer wieder vormachen das er sie liebte. Und wenn sie mehr wollte, Kopfschmerzen oder ähnliches vortäuschen, nur weil er nicht mit ihr schlafen wollte. Auf Dauer war das recht anstrengend. Und wenn sie erst verheiratet wären, würde es noch schwerer werden, die Fassade aufrecht zu erhalten. Allein der Gedanke daran versetzte ihn in Panik und schnitt John die Luft ab. Er musste mit ihr reden – und zwar jetzt, egal wie schwer es werden würde.

„John, ich gebe dir einen weiteren Tipp, rede mit Violet und dann mit der anderen Frau, wenn es denn eine ist. Was ich bezweifel.Diese heimlichtuerei bringt dich sonst irgendwann ins Grab und sag mir bitte Bescheid, wenn ich dir irgendwie helfen kann.“ Was ich bezweifel... Wie könnte sie das wissen? Das Sara auch in der anderen Sache recht behalten würde, konnte er sich dennoch nicht vorstellen. Diesen Gedanken allerdings verschob er auf einen späteren Zeitpunkt. Er musste erst den ersten Schritt gehen, bevor er den zweiten machen konnte.

„Ich danke dir für deine Hilfe Sarah.“

„Gern geschehen und halte mich auf dem Laufenden. Ach John, eines noch: Sollte besagte Angebetete keine Angebetete sondern ein Angebeteter sein, stehen deine Chancen meiner Meinung nach, nicht so schlecht wie du denkst. “ Antwortete diese mit einem Zwinkern.




Bei Violet angekommen bevorzugte es John die Klingel zu betätigen, auch wenn er einen Schlüssel besaß. In Anbetracht der Beweggründe für seinen Besuch hielt er dies für angebrachter.

„Oh John, warum klingelst du?“ fragte seine Verlobte verwundert, als sie ihn zur Begrüßung küsste.

Vielleicht hätte er sich einen Plan zurechtlegen sollen, wie er ihr die Situation schonend beibringen konnte ohne sie zu sehr zu verletzen. Andererseits, konnte man eine Beziehung ohne Schmerzen beenden? Ginge das überhaupt? Wie würde John aus dieser Nummer wieder herauskommen?





„John?“

„Oh, entschuldige, ich wollte dich nicht stören.“

„Du störst nie, ich freue mich über deinen Besuch. Wollen wir etwas unternehmen?“

Sie war so gut gelaunt, am liebsten hätte John auf dem Absatz kehrt gemacht und wäre wieder gegangen – dies hätte wiederrum seine Probleme nicht gelöst.

„Violet, ich glaube wir müssen reden.“ Sagte er ernst.

„Okay? Geht es wieder um Mrs. Howard?“

„Um Sara?“

„Ja, schließlich mischt sie sich immer überall ein und hängt an dir wie eine Klette“ stellte Violet voller Verachtung fest.

„Nein, sie hat damit nichts zu tun. Aber könnten wir das aber bitte drin besprechen?“

„Bitte. Also worum geht es?“

„Violet, es ist so, in letzter Zeit habe ich bemerkt, dass ich für dich nicht die Gefühle habe, die unserer Beziehung angemessen wären.“

„Du hast was?“ fragte sie entsetzt.

„Naja, ich habe damals wirklich geglaubt mich in dich verliebt zu haben, aber nur verliebt sein reicht nicht für eine Ehe!“

John konnte gar nicht so schnell reagieren, wie ihn ihre Ohrfeige traf.

„Du willst mir also erzählen, dass du plötzlich herausgefunden hast, dass du mich nicht liebst und das fällt dir ein paar Tage vor unserer Hochzeit ein? John Moore, mit wem betrügst du mich? Ist es diese Mrs. Howard?“ Verständlicherweise war sie völlig aufgebracht.

„Violet.“ Wollte er sie beruhigen

Aber erneut traf ihn eine Ohrfeige.

„Violet, bitte, sie hat damit nichts zu tun.“

„Das glaubst du doch selbst nicht.“ So aufgebracht hatte er sie noch nie gesehen. Wie konnte er sie nur davon überzeugen, dass dies der Wahrheit entsprach.

„Wer dann?“

„Wie?“

„John man steht nicht morgens auf und bemerkt plötzlich, dass man keine Gefühle mehr für jemanden hat, den man noch kurz zuvor heiraten wollte. Das passiert nicht einfach so, es muss also eine andere Frau dahinterstecken. Und wage es nicht mich jetzt anzulügen.“

„Violet, bitte beruhige dich. Mir ist das nicht einfach so klar geworden, ich denke schon länger darüber nach, ob das mit uns noch einen Sinn hat.“

„Also hast du mich lieber die ganze Zeit angelogen, als mit mir zu sprechen?“ stellte sie verbittert fest.

John schaffte es nicht, sie zu beruhigen. Aber besser, sie glaubte dies, als wenn sie die Wahrheit erfahren würde.

„Ich wusste nicht wie ich es dir sagen sollte. Ich wollte dich nicht verletzen.“

„Verschwinde John, raus.“

„Lass uns doch bitte vernünftig reden, wie zwei erwachsene …“ Der Vase, die geflogen kam konnte er nicht mehr ausweichen, sie traf ihn mit voller Wucht im Gesicht und John wurde kurz schwarz vor Augen.

„Drehst du jetzt völlig durch, Violet?“

„Ich, …“ ihr fehlten die Worte.

„Ach, Vergiss es, ich werde jetzt gehen. Mit dir ist offensichtlich nicht vernünftig zu reden.“
   



Als er das Haus verlassen hatte, lehnte er sich kurz gegen die Wand um durchzuatmen. Sein Schädel stand kurz vor der Explosion. John hatte mit vielem gerechnet, dass sie verletzt sein würde, ja. Dass sie ihn anschreien würde, ja auch das. Das sie ihm vielleicht sogar eine Ohrfeige gab, auch das hätte er noch verstanden. Nicht erwartet hatte John jedoch, mit Gegenständen beworfen zu werden. Das war des guten zu viel.





Ziellos lief er durch die Straßen New Yorks. Mittlerweile hatte er jegliches Zeitgefühl verloren. Vielleicht waren es bis jetzt nur ein paar Minuten – oder ein paar Stunden. Ab und an kam ihm ein Passant entgegen, welchem er höflich zunickte. Der Schnee knirschte unter seinen Füßen. Es hatte angefangen zu schneien.

Wo war er hier gelandet? Einige Häuser kamen ihm bekannt vor, andere sagten ihm wiederum nichts, aber er musste hier schon einmal gewesen sein. Die Kopfschmerzen hämmerten immer noch gegen das innere seines Schädels, was nicht gerade dazu beitrug herauszufinden wo er sich befand. Er beschloss, die Straße einfach weiter zu gehen. Irgendwann würde eine Kreuzung kommen, eine Brücke, die er von weitem sah, oder eine Kirche, welche er wiedererkennen würde.

Seine Gefühlslage konnte er im Moment nicht genau beschreiben. Einerseits fühlte John sich befreit. Die Entscheidung gegen Violet, war die richtige, das war deutlich zu spüren, er fühlte sich nicht mehr gefangen, sondern endlich frei, er hätte das viel früher tun sollen. Andererseits erdrückte ihn sein schlechtes Gewissen. Für sie kam das ganze Wohl ziemlich unvorbereitet. Er hatte sie unglaublich verletzt, mehr als er es je gewollt hatte. Wahrscheinlich würde ihr Vater sie jetzt trösten. Solch eine Eskalation hatte er verhindern wollen – es aber nicht geschafft.

John dachte zurück an das Gespräch mit Sarah, sie hatte ihm tatsächlich helfen können. Aber was wäre morgen, in ein paar Tagen, oder ein paar Wochen. Die Trennung würde sich wie ein Lauffeuer verbreiten.  Die Leute würden reden, ihn anstarren. All die hässlichen Dinge, die Menschen eben taten.

Den Fußgänger, der seinen Weg kreuzte hatte er nicht kommen sehen, denn er kam von der anderen Straßenseite. Trotzdem nickte er auch diesem freundlich zu und entschuldigte sich kurz für dem Rempler.

„John?“
Er hob den Kopf um den Mann genauer in Augenschein zu nehmen, offensichtlich kannte dieser ihn. Bei genauerem Hinsehen erkannte auch er jetzt den Mann, wegen dem er seine Beziehung beendet - und seine Verlobung gelöst hatte.

„Laszlo?“

„Was machst du hier?“

„Keine Ahnung. Spazieren gehen.“

Laszlo nahm seine Hand.

„Komm mit rein, du bist ganz kalt und zitterst. Dann erzählst du mir was passiert ist.“



Langsam ließ sich John auf das kleine Sofa fallen, erst jetzt bemerkte er die Kälte, die in ihm aufkam. Laszlo kam derweil mit zwei Tassen Tee, setzte sich neben ihn und sah ihn besorgt an. Er reichte ihm die dicke Wolldecke, welche neben dem Sofa lag. Mit den Worten er würde sich eine Lungenentzündung holen, wenn er sich jetzt nicht auf der Stelle zudeckte, nahm John diese dankend an.

„Was ist passiert, John?“

„Violet, ich habe die Beziehung beendet.“

„Was?“

„Naja, wie du dir vorstellen kannst, war sie nicht glücklich darüber und hat mir eine Vase an den Kopf geworfen.“

„Oh.“

„Aber ihr wart doch glücklich, oder?“

„Anfangs, ja. Aber ich habe gemerkt, dass ich nicht mein restliches Leben mit ihr verbringen will.“

„Wovor läufst du weg, John?“

„Ich laufe vor nichts weg. Ich bin bis jetzt nur in die falsche Richtung gegangen.“ Zu ihr – weg von dir.

„Es ist am besten, du ruhst dich jetzt aus, wir reden Morgen weiter. Du kannst in deinem Zimmer schlafen.“

„Gute Nacht, Laszlo und danke.“

Laszlo nickte zum Abschied: „Gute Nacht, John.“

John stieg die Treppen hinauf zu dem Zimmer, in dem er immer schlief, wenn er Nacht hierblieb. Mittlerweile war ihm der Weg so vertraut, er hätte ihn mit verbundenen Augen gefunden. Dieses Zimmer, war zwar nicht groß, aber für ihn war es ein eigenes, kleines Stück zuhause, hier bei Laszlo.

Wie viele Nächte hatte er hier schon verbracht? Viele jedenfalls – aus den unterschiedlichsten Gründen. Früher, als er sich noch regelmäßig den Genüssen, oder viel ehr der Betäubung des Alkohols hingab, war er oft hier gestrandet. Die Erinnerung an diese Zeit war nicht die beste, vor allem nicht der regelmäßige Kater am nächsten Morgen, doch hatte Laszlo ihn immer aufgenommen – egal in welchem Zustand er ihn vorgefunden hatte.  

Ab und an, war er seinerzeit auch bei Prostituierten gestrandet. Auch an diese erinnerte er sich nur ungerne. Sein Leben hatte er seinerzeit wahrlich nicht im Griff. Im nachhinein bereute er dies zutiefst. Aber es gab auch positivere Gründe, weshalb er hier schon die ein oder andere Nacht verbracht hatte.

Des öfteren war er schon bei Laszlo versackt. Sie hatten geredet und die Zeit vergessen. Zu nächtlichen Zeiten waren die noch fahrenden Kutschen rar gesät, daher hatte sein Freund ihm schon oft einen Schlafplatz für die Nacht angeboten.

In anderen Nächten war er einfach irgendwann bei Laszlo auf der Couch eingeschlafen, Cyrus hatte ihn dann meist ins Bett getragen, was ihm an nächsten Morgen zwar unangenehm war, trotzdem hatte er jede Minute der Zeit, die Laszlo mit ihm verbrachte genossen.

Diesmal war die Situation eine andere. Im Moment konnte er nur wenige, klare Gedanken fassen. Wirklich verarbeitet hatte John den ganzen Tag noch nicht. Sein ganzes Leben hatte sich in ein paar Stunden grundlegend geändert. Zum Positiven, wie er hoffte.

Heute Morgen hatte er noch eine Verlobte, eine Frau die er heiraten wollte. Sein Leben schien klar zu sein, wenn auch mit einigen Zweifeln über die Aufrichtigkeit seiner Gefühle. Er wusste schon längere Zeit, dass die Gefühle, welche er für Laszlo hegte echt waren.

Trotzdem hatte er anfangs daran gezweifelt. Schließlich war Laszlo ein Mann. Das war gegen jegliche Regel. Dieses Verhalten wurde teils sogar strafrechtlich verfolgt. Das war auch einer der Gründe, warum niemand von seinen Gefühlen wissen durfte. Sara, oder Laszlo hätten ihn nicht verraten, dass wusste er. Violet allerdings wäre im Moment aber alles zuzutrauen.

Jetzt, am Abend, hatte er keine Verlobte mehr, die ihn Nerven kostete. Dennoch wusste John nicht wie es weitergehen sollte. Wie sein Leben weiter verlaufen würde, würde er sehen. Eines verstand er aber immer noch nicht. Laut den Wissenschaftlern waren diese Gefühle, für einen Mensch des gleichen Geschlechtes eine Geistesstörung. In den Zeitungen hatte er gelesen, dass dies – ebenso wie Masturbation zu Epilepsie, einem Schlaganfall, Lähmungen oder Wahnsinn führen konnte.

Dies erachteten auch viele Seelenärzte als Tatsache. Wie dachte Laszlo darüber? Schließlich war auch dieser ein Seelenarzt. Seine Ex-Verlobte Juliet, sie hatte er geliebt. Aber diese Liebe unterschied sich nicht zu der, welche er heute, Jahre später, für seinen Freund empfand. Wer also, hatte das recht, dass eine zu kriminalisieren – und das andere von jeder Schuld frei zu sprechen?

John erhob sich, er wollte sich in der Küche ein Glas Wasser holen. Auf dem Weg nach unten kreuzte Laszlo erneut seinen Weg – das zweite Mal an diesem Tag.

„Worüber denkst du nach?“

„Wie?“

„John, man kann dich förmlich denken sehen.“

Vielleicht war das seine Chance, mehr über Laszlos Gedanken in dieser Hinsicht herauszufinden, ohne direkt zu werden. Schlafen konnte er sowieso nicht. John lief in Richtung des Sofas auf dem sie heute Abend schon einmal gesessen hatten.

„Ich habe letztens in der Times einen Artikel gelesen, der Liebe mit Geisteskrankheit assoziierte. Mich würde interessieren, was du davon hältst.“

Glücklicherweise gab es den Artikel tatsächlich. Und da es in Laszlos Spezialgebiet fiel, war er sich sicher, dass dieser ihn auch gelesen hatte.

„Warum interessierst du dich dafür?“ – Ja, mhm, gute Frage, die Wahrheit konnte er schlecht sagen.

„Naja, ich habe den Artikel nicht ganz verstanden, worin liegt der Unterschied zwischen der einen Liebe und der anderen Liebe?“

„Interessante Frage, aber der Schöpfer dieser These unterschied die beiden Arten von Liebe, im Kontext auf das Geschlecht des Objektes der Begierde.“

„Ja, das habe ich verstanden, trotzdem verstehe ich nicht, was die eine Liebe gut und die andere zur Geisteskrankheit macht.“

„Ich persönlich halte von dieser Theorie absolut nichts. Liebe ist Liebe, sie ist Geschlechtsneutral. Ich denke nicht das man sich ausschließlich in ein Geschlecht verliebt – wenn man sich verliebt, verliebt man sich in den Menschen. Das Geschlecht spielt dabei keine entscheidende Rolle. Leider stehe ich allerdings mit dieser Meinung ziemlich alleine da.“

Laszlo sah das also wie er? Könnte er unbemerkt einen Schritt weitergehen? John hatte Blut geleckt. Er konnte nicht anders, als zu fragen: „Und was würdest du tun, wenn dies bei dir zutreffen würde?“
Laszlo sah ihn skeptisch an und dachte nach. Er hätte es wissen sollen. Die Frage war ihm nicht so unverfänglich über die Lippen gekommen, wie er dies gewollt hatte.

„Ich würde versuchen herauszufinden, ob der andere dieselben Gefühle für mich hegt, wie ich für ihn.“ Laszlo sah ihm direkt in die Augen. Fand hier gerade eine Unterhaltung zwischen den Zeilen statt, oder meinte er das allgemein? John kramte in seinem Kopf nach einer Antwort.

„Und was wäre, wenn der andere ähnlich empfand?“

„Dann würde ich besagte Person gerne auf ein Glas Wein, zum Essen oder in die Oper einladen.“ Die Stimmung hatte sich geändert, ebenso wie der Tonfall der Unterhaltung. Laszlo sagte definitiv mehr als er mit Worten ausdrückte.

„Den Wein würde besagte Person sicherlich nicht ausschlagen.“

„Bitte entschuldige mich kurz, John. Ich bin gleich zurück.“ Und weg war er? Was war das? Erst flirteten sie miteinander und dann ließ Laszlo ihn einfach sitzen und verschwand? Ja, nun saß er da und wartete. Immerhin waren seine Kopfschmerzen in der Zwischenzeit besser geworden.

Laszlo tauchte mit einer Flasche Rotwein in der Hand wieder aus, nahm zwei Gläser aus dem Regal, füllte diese und reichte ihm eines davon.

„Der versprochene Wein, auf dein Wohl John.“

Sie stießen an. „Willst du mir nicht erzählen, was heute Mittag passiert ist? Also die ganze Geschichte? Dein Auge sieht ziemlich übel aus.“

Vielleicht konnte er es weiterhin auf die indirekte Art versuchen, bis jetzt hatte das ganz gut funktioniert.

Ich habe mich von ihr getrennt, weil ich mich in einen anderen Menschen verliebt habe. Ursprünglich habe ich gedacht, wenn wir nur lange genug zusammen wären, würden sich meine Gefühle für sie verändern, dass taten sie aber nicht. Im Gegenteil. Es fiel mir immer schwerer, die Fassade aufrecht zu erhalten. Ich sah irgendwann nicht mehr das, was ich hatte, sondern dass was ich nie haben würde.“

„Warum glaubtest du, das andere nie haben zu können?“

„Weil ich nicht geglaubt habe, dass besagter jemand etwas für mich empfinden könnte.“

„Oh, John.“ Laszlo hielt mittlerweile seine Hand. „Warum hast du nicht mit mir geredet? Nie auch nur erwähnt, dass es zwischen euch nicht so ist wie es scheint? Ich dachte wirklich, ihr seid glücklich.“

„Ich hatte Angst, zurückgewiesen zu werden.“
„Und das blaue Auge?“
„Violet hat völlig die Fassung verloren, zuerst gab sie mir zwei Ohrfeigen, dann warf sie mir eine Vase an den Kopf.“
Er nahm den letzten Schluck aus seinem Glas und Griff sich an die Nasenwurzel.

„Laszlo, ich habe alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Ich habe alle nur verletzt. Ich hätte ihr das nicht antun dürfen.“ Sie tat ihm wirklich leid.

„Gegen seine Gefühle kann man nichts ausrichten, auch wenn man das gerne möchte.“ John hatte sich mittlerweile an Laszlo gelehnt.
„Aber es war falsch, ihr etwas vorzumachen.“ John gähnte.
„Komm, lass uns schlafen gehen.“
Gemeinsam gingen sie Hand in Hand die Treppe hoch und verschwanden anschließend gemeinsam ihn Laszlos Schlafgemach.
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