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2020 11 08: Bleiben? Oder doch gehen? [Ersatzbeitrag by ladyfangirl]

OneshotSchmerz/Trost / P16 / Gen
Dr. Spencer Reid Jason Gideon
08.11.2020
08.11.2020
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Tag der Veröffentlichung: 08.11.2020
Zitat: "Ich glaube, man muss eine Entscheidung treffen. Entweder man entscheidet sich zu leben, oder man entscheidet sich zu sterben." - aus dem Film "Die Verurteilten"
Autor: ladyfangirl
Titel der Geschichte: Bleiben? Oder doch gehen?
Hauptcharaktere: Dr. Spencer Reid; Jason Gideon
Nebencharaktere: -
Pairings: -
Kommentar des Autors: eigentlich ist es fast schon die Erfüllung eines Klischees ... aber wenn jemand in so einer Situation stecken könnte, dann unser Lieblingsgenie aller Profiler, richtig??

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Bleiben? Oder doch gehen?

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"Was zum ...?" Hektisch schaut Spencer sich um und lässt die Hände, in denen er vor einen Augenblick definitiv noch eine Waffe hielt und nun nicht mehr, sinken.
Der ganze Ort hat sich verändert und ist nun das genaue Gegenteil von dem, wo er zu 100 Prozent eben noch stand. Die hektische Umgebung einer Hausdurchsuchung und somit der Suche nach ihrem UnSub ist einer ruhigen und sehr hellen Allee gewichen. Wie eine Straße geht es vor ihm weiter, umgeben von großen grünen Bäumen und abgerundet mit einem strahlend blauen Himmel. Ein Blick über seine Schulter zeigt ihm das gleiche Bild. Verständnislos schüttelt er den Kopf und beginnt ein paar Schritte vorwärts zu laufen. "Hallo?" Mit einem blechernen Echo verhallt die Frage unbeantwortet und ruft damit nach mehr Antworten. "Was soll das? Ich habe dafür nun wirklich keine Zeit."
"Das hast du aber im Moment nicht zu entscheiden, Reid." Mit einem spitzen Schrei dreht sich Spencer wieder um und stolpert dabei auch einen Schritt zurück. Da war vor ein paar Sekunden definitiv niemand gewesen und plötzlich steht da jemand ziemlich bekanntes.
"Gideon?"
"Erfasst. Komm, wir setzen uns einen Augenblick." Mit seiner typischen Mimik, die kennende Augen schon als leichtes Lächeln deuten könnten, deutet der ältere Agent nach vorne auf eine Bank, die eben auch noch nicht da war. Und nun aber da steht, als würde sie es schon seit Jahren tun. Mit offenem Mund setzt sich Spencer neben seinen alten Kollegen und weiß nicht so recht, was im Augenblick los ist. "Ich sehe schon regelrecht die Fragen, die sich in deinem Kopf bilden und wie du auch Antworten suchst. Aber ich denke mal, wirklich logische Schlüsse kannst du nicht finden. Also fange ich einfach mal an." Ganz entspannt zieht Gideon eine Lesebrille aus der Tasche am Hemd, die Spencer bisher auch nicht aufgefallen ist. Seine Beobachtungsgabe hat mächtig gelitten, sonst erkennt er sowas doch auf Anhieb. "An der Tatsache, dass ich tot bin, hat sich nichts geändert, hilft dir im Moment aber auch nicht wirklich weiter. Es sollte dich nur dahingehend beruhigen, das du nicht verrückt bist. Das letzte, woran du dich erinnerst, ist die Stürmung des möglichen Verstecks eines Tatverdächtigen. Leider war das Haus aber nicht ganz so unscheinbar, wie es auf den ersten Blick aussah. Es gab einige versteckte Fallen und du, mein Lieber, bist genau in eine reingestolpert. Du bist sofort bewusstlos geworden und bist hier bei mir gelandet."
"In einer Zwischenwelt?"
"Sehr gut, dein Verstand arbeitet wieder, ein gutes Zeichen. Also ja, das hier ist eine Art Zwischenebene, nicht lebend, aber auch nicht tot. Ich bin hier, weil es so gewollt ist, dass ein bekanntes Gesicht vermittelt. Ich bin aber kein Sensenmann im eigentlichen Sinn, also ich sage dir jetzt nicht, dass du deine Zelte abbrechen sollst und mit mir kommen musst. Im Grunde will ich dir nur zuhören und deine Entscheidung akzeptieren, ganz gleich wie sie ausfallen wird. Du hast nur nicht sehr viel Zeit dafür, dein Körper steht an der Schwelle und du musst selber entscheiden, ob es sich zu kämpfen lohnt oder ob du des Kämpfens müde und bereit für ein neues Abenteuer bist."
"Ist es das? Kann man den Tod als neues Abenteuer betrachten?" Die Neugier ist geweckt und trotz der ganzen Nah-Tod Erfahrungen, die Spencer mit der Zeit schmerzlich sammeln musste, tut es dem Interesse keinen Abbruch.
"Ich habe keine Ahnung, es klang nur ziemlich schlau. Immerhin bin ich ja selber hier und kann dir zu meiner Nachtod-Zeit nicht viel erzählen. Nicht, weil ich nicht will, sondern einfach weil ich mich nicht erinnere, was danach passiert ist." Gideon lehnt sich auf der Bank zurück und legt eine grüblerische Miene auf. "Was vielleicht auch gut so ist, denn so kann ich dir nicht zu dem einen raten oder das andere schlecht machen. Es läuft im Prinzip nur auf das eine hinaus und diese Überlegung kann ich dir nicht abnehmen. Ich glaube, man muss eine Entscheidung treffen. Entweder man entscheidet sich zu leben, oder man entscheidet sich zu sterben. Schluss, aus. Mehr ist es nicht und wird es auch nicht sein. War bei mir sicher auch nicht anders."
"Wie soll man sich da für das Richtige entscheiden?"
"An dieser Stelle, in diesem Moment gibt es nur ein Richtig und das ist, für das du dich entscheidest. Wenn du es hier und jetzt beenden willst und weiter nach vorn gehst, dann ist es genauso richtig wie es ist, wenn du beschließt zu leben und dich umdrehst."

Eine nachdenkliche Stille breitet sich zwischen den beiden Agents aus und Spencer denkt sehr intensiv über die Entscheidung nach. Er blickt dabei auf ein abenteuerliches Leben zurück. An die Momente im Team, wo sie zusammen standen und das Übel der menschlichen Seele bekämpften. An die Momente als Familie, mit Lachen und Tränen des Lebens. An die des Abschieds, des Zurückgelassen Werdens, die genauso wie das Willkommen irgendwie dazugehören.
Er denkt darüber nach, wie es laufen könnte, wenn er nicht mehr Teil des Teams, der Familie sein würde und wie es Aaron und Derek dabei gehen könnte. Nach Gideons Verschwinden waren sie zu seinen neuen Bezugspersonen geworden, sein Tod würde sie also sicher schlimmer treffen als die Frauen im Team. Auch wenn sie ihn sicher auch lieb gewonnen haben. Nur lohnt es sich wirklich weiter zu machen? Weiter die UnSub zu jagen, die den Menschen böses tun? Gibt es nicht genug andere Agents, die seinen Platz mit Freuden einnehmen würden und ihren Job besser machen würden, als es Spencer in den letzten Jahren tat? Hat er nicht schon genug erleben und ertragen müssen, dass es für drei Leben reicht? Damit wäre es doch an der Zeit, den Schlussstrich zu ziehen.
Aber dann schweifen Spencers Gedanken auch wieder hin zu seinen Patenkindern, die Rasselbande, die er nun seit einiger Zeit aufwachsen sieht und würde Henry wirklich nach Yale gehen, wenn Spencer sich nicht drum kümmert? Und was würde Penelope machen, wenn sie niemanden mehr hat, der die Nerdsprache in ihren ganzen Multiversen beherrscht?
"Ich merke schon, die Entscheidung ist gefallen." Gideon steht auf und streckt einmal den Rücken durch. "Im Grunde habe ich ja nichts anderes erwartet und bin stolz auf dich. Wenn du mich fragst, wäre deine Zeit auch noch lange nicht gekommen. Aber das habe ich ja nicht zu entscheiden. Du solltest nur ein bisschen besser auf dich aufpassen und vor allem drauf achten, wo du langstolperst. Unser nächstes Wiedersehen wird dadurch noch eine ganze Weile auf sich warten lassen und das ist gut so." Gideon klopft Spencer freundschaftlich auf die Schultern und steht auf. "Mach keinen Unsinn, Dr. Reid und pass auch ein bisschen auf Hotch und das restliche Team auf. Sie brauchen dich genauso wie du sie brauchst. Nur an unser Wiedersehen wirst du dich nicht mehr erinnern können. Oder vielleicht doch, wer weiß." Damit berührt er Spencer an der Schulter und augenblicklich verblasst der helle Ort um sie herum. "Und wage es ja nicht, schon sehr bald wieder hier auf der Matte zu stehen, verstanden?" Mit dem typischen unscheinbaren Grinsen verschwindet auch Gideon wie vom Wind verweht und Spencer findet sich auf den Boden liegend wieder, mit Derek über sich und flackernden Licht.
"Genau, mach schön die Augen auf, Kleiner", die Stimme des dunkelhäutigen Agents ist erleichtert wie auch flehend und Spencer muss innerlich grinsen. Gideon hatte recht, sie brauchen ihn, wie soll er sich da anders entscheiden als für das Leben? "Wir bekommen das wieder hin, hörst du? JJ und Dave bringen auch gerade unseren Täter raus, der hat sich fast selber in die Luft gejagt. Du musst schnell wieder auf die Beine kommen, damit du sehen kannst, wie er im Knast verrottet. Du hast uns schließlich auf die Spur gebracht, also wirst du hier sicher nicht abtreten." Das Geplapper ist fast schon so beruhigend, dass Spencer die Augen einfach wieder zu machen will mit dem Wissen, in Sicherheit zu sein. Und die Schwerkraft seiner Lider besteht drauf, so das er das panische "Nicht, Pretty Boy!" nur noch ganz wage und viel zu leise mitbekommt. Derek kann ja nicht wissen, dass Spencer einen Schutzengel hat und nichts passieren wird, oder?

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~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Vielen lieben Dank an ladyfangirl, dass sie den Tag übernommen hat. Sie hat aus dem Zitat etwas echt schönes gezaubert.
(Und sorry für den späten Upload. Ich habe es wohl etwas verschwitzt ...)

Eure lula-chan
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