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The Boy who had no Choice

von Misa-Nova
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Draco Malfoy Harry Potter Severus Snape
08.11.2020
08.11.2020
1
3.183
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Dieses Kapitel
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08.11.2020 3.183
 
Diese Geschichte ist auf Basis eines Posts im "Wünsch dir was" Thread des Harry Potter Forums dieser Plattform entstanden. Wünscher war ThedaTannenbaum, ich hoffe, das ist, was du dir vorgestellt hast.



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Das sanfte Knistern und Knacken des Kamins füllte den Raum, die einzigen Geräusche, die zu hören waren. Die Wärme, die das Feuer spenden sollte, wurde von den frostigen Auren der Anwesenden fast vollständig ausgelöscht. „Mister Malfoy, ist ihnen bewusst, was für Konsequenzen ihr Handeln haben könnte, haben wird?“ Die Stimme von Severus Snape schien noch kälter als sonst. Draco nickte nur abwesend und versuchte immer noch, die ganze Situation zu verarbeiten.

Nur Stunden zuvor hatte er Harry – Goldjunge – Potter, seinen Rivalen seit Tag eins, mit dem Crutiatusfluch belegt. Er sollte Genugtuung verspüren, eine Form von Macht, aber es fühlte sich einfach nur… falsch an.


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‚Ich kann nicht mehr!‘ Draco lehnte über dem Waschbecken des Badezimmer, die Tränen rollten über seine Wange und tropften mit leisen Aufschlägen auf das Porzellan. Er hasste es, nicht nur diese ganze Situation, sondern sich selbst.

Weil er schwach war.

Weil er weinte.

Weil er es nicht konnte, nicht wollte.

Er würde es nie schaffen, Dumbledore zu töten und das Verschwindekabinett fertig zu stellen… wem wollte er eigentlich etwas vor machen, er wollte es gar nicht schaffen! Das Problem war, langsam fingen seine Pseudoattentate, oder eher, ihr ständiges scheitern, an, aufzufallen.

Kein Wunder, er gab sich ja keine Mühe, das musste irgendwann auffallen. Bisher hatte es noch funktioniert, sich dumm zu stellen, aber, wie lange noch…?

Fast schon verzweifelt drehte Draco den Hahn auf und schöpfte ein paar Hände voll Wasser aus dem sich langsam füllenden Becken. Er musste sich unbedingt beruhigen, bevor ihn jemand fand.

Warum musste Bell die Opalkette auch anprobieren?! Hätte sie diese nicht einfach abliefern können, dann hätte Dumbledore die viel zu offensichtliche Falle bemerkt und die Sicherheitsvorkehrungen erhöht und Draco hätte sich zumindest aus diesem Teil des Plans herausreden können…

Hätte er nicht, das wusste zumindest ein Teil von ihm, aber es hatte etwas Tröstendes, sich einzureden, es gab einen Ausweg.

Er war daran Schuld, dass Bell im Krankenflügel gewesen war!

Nein, Sie war selbst daran schuld, hätte sie die Kette einfach nicht angefasst!

Mit zitternden Schultern lehnte Draco sich noch ein bisschen weiter über das Waschbecken, ein hässliches Schluchzen fuhr ihm durch den Körper, gefolgt von einem Husten und leichtem Würgen. Seine Kehle und Augen brannten, er fühlte sich, als müsse er sich übergeben. Wenn ihn jetzt jemand sehen würde, könne er sich das bisschen, was von seinem Ruf noch übrig war, vollends in die Haare schmieren.

Wo er schon gedanklich bei seinen Haaren war, er sah furchtbar aus: Blas, nicht vornehm wie sonst, sondern kränklich; tiefe Augenringe und seine Haaren ließen sich eigentlich auch nur mit dem Wort Fiasko beschreiben. Hatte Pansy ihm nicht angeboten, er könne was von ihrem Makeup haben? Vielleicht keine schlechte Idee, am Ende würde er sonst noch auffliegen, weil jemandem seine Augenringe zu verdächtig vorkamen.

Vielleicht würde Bell ihn ja verraten, jetzt, wo sie offensichtlich wieder auf den Beinen war. Wobei, hätte sie das nicht schon längst getan, wenn sie es könnte? Hatte sie solche Angst vor ihm? Unwahrscheinlich, sture Gryffindor. War es denn wirklich die Möglichkeit, dass sie sich nicht erinnern konnte. Dann wäre er wohl erstmal davor sicher, aufzufliegen.

Aber war es denn nicht genau das, was er wollte? Auffliegen, alles gestehen und im besten Fall so etwas wie einen Zeugenschutz bekommen?

Nein! Was er hier tat war eine Ehre! Das sagten seine Eltern, das sagte seine Tante Bellatrix, das sagte ‚Er‘… Er musste das hier für den Ruf seiner Familie zu Ende bringen.

Ein weiterer Schwall Wasser fand den Weg in sein Gesicht, inzwischen perlten neben den Tränen auch kleine Tropfen Leitungswasser von seinen Haaren zurück ins Becken

Allein die Erinnerung an die Angst und Verzweiflung in den Augen seiner Mutter, daran wie gebrochen sein Vater nach Askaban gewirkt…gewesen war, ließ ihn erneut Schluchzen.

Draco musste das hier zu Ende bringen, für seine Eltern, musste sie damit vor ‚seiner‘ Willkür beschützen, aber er konnte es nicht, es ging nicht…

Wieder schluchzte er auf, lauter, verzweifelter. Sein Kopf sank tiefer über das Waschbecken.

„Malfoy, ich weiß was du getan hast!“ Die Stimme hallte von den kahlen Wänden des Badezimmers wider, nicht viel lauter als Dracos eigenes Schluchzen. Und trotzdem ließ es den jungen Mann für wenige Augenblicke verstummen. Panik.

Draco fuhr hoch, der Schock stand ihm breit und offensichtlich ins Gesicht geschrieben, als er über den Spiegel vor sich auf die Person hinter sich starrte. Potter, warum, von allen Leuten die ihn so hätten vorfinden können, ausgerechnet Potter?!

Immer noch zitternd von seinem eigenen Schluchzen fuhr Draco herum. Da stand er, Potter, kaum ein paar Meter hinter ihm.

„Du hast sie verflucht, stimmts?!“ Es klang nicht mal wirklich wie eine Frage, so schlagartig wie Draco bei Bells Anblick die große Halle verlassen hatte und wie aufgelöst er jetzt war, war es aber auch recht offensichtlich. Selbst Potter würde da wohl eins und eins zusammenzählen können.

Im Kopf des jungen Slytherin raste es. Was sollte er jetzt tun? Er stand wortwörtlich mit dem Rücken zur Wand, Potter blockierte den Ausgang. Mit dem letzten bisschen Kontrolle, dass er in diesem Moment aufbringe konnte, schleuderte Draco einen unausgesprochenen Stupor in Potters Richtung.

Dieser wich aus, das Glass hinter ihm barst mit einem Ohrenbetäubenden Klirren, ehe er seinerseits konterte. Der Zauber verfehlte Draco nur knapp, die Druckwelle schleuderte ihn jedoch von den Füßen. Ein weiterer Stupor von Potter folgte, ehe Draco sich in Deckung aus seinem Sichtfeld retten konnte. Was sollte er tun?! Er musste den Gryffindor irgendwie außer Gefecht setzten, und dann am besten noch seine Erinnerungen löschen, wenn er aus der Nummer hier ohne all zu viel Aufsehen rauskommen wollte.

Den Schritten nach zu Urteilen war Potter auf der anderen Seite der Kabinenreihe. Draco duckte sich auf alle viere und schoss einen weiteren Stupor unter den Trennwänden hindurch, ehe er sich aufrappelte und – unter einem Hagel von ihn teils nur sehr knapp verfehlenden Zaubern – zum Ende der Reihe rannte.

Sie erreichten den Verbindungsgang beinahe gleichzeitig, doch, was auch immer Potter vorgehabt hatte, er zögerte. Das war Dracos vielleicht einzige Chance. Im Rausch seine eigenen Adrenalins, seiner Verzweiflung und Wut, rief er den ersten Zauber, der ihm in den Sinn kam.

„Crucio!“

Es war, wie in Zeitlupe. Potter schrie und ging mit einem dumpfen Aufschlag zu Boden, Draco war wie gelähmt, den Zauberstab fest umklammert, den Arm vor sich ausgestreckt, ehe er realisierte, was er gerade im Innbegriff war zu tun. Der Zauberstab rutschte ihm aus den Fingern und schlug mit einem hellen, hölzernen Ton auf den steinernen Fliesen auf.

Potters Schmerzensschrei erstarben und aus dem Augenwinkel sah Draco, wie sich auch sein Zucken beruhigte und er sich schlussendlich aufsetzte. Er fühlte sich wie gelähmt, unfähig aufzusehen, die Hand, die eben noch den Zauberstab gehalten hatte, im Sichtfeld. Seine Finger zuckten in einem unregelmäßigen Muster, der Junge konnte nur darauf starren. Er versuchte, die Hand still zu halten oder den Arm zu senken, aber es ging nicht. Es war, als wollen seine Muskeln nicht gehorchen

Sein Kopf fühlte sich gleichzeitig leer und völlig überlastet an.

„Was ist das hier für ein Lärm? Mister Potter, ich hoffe sie haben einen guten Grund dafür, mit ihrem Geschrei das ganze Schloss in Alarmbereitschaft zu versetzten.“ Die fast schon unterkühlte Stimme von Severus Snape riss die beiden Jungen aus ihrem Tranceartigen Schock, zumindest Harry. „Den hab ich, Malfoy hat mir einen Crutiatus auf den Hals gehetzt!“

Die Augen des Professors verengten sich fast unmerklich, ehe er den Blick auf Draco richtete. „Stimmt das, Mister Malfoy?“ Seine Stimme war angespannt, allein die Art und Weis, wie er sagte ließ vermuten, dass er hoffte, Draco würde es abstreiten. Doch der junge Slytherin, immer noch wie in Trance, nickte nur.

„Mister Potter, lassen sie augenblicklich den Zauberstab sinken.“ Jetzt blickte Draco doch auf, zu Harry, um genau zu sein, zur Spitze des Stabs, die auf ihn gerichtet war. „Aber…!“ Ein Geräusch, was fast schon einem Knurren gleich kam, ließ den Gryffindor verstummen. „Kein ‚Aber‘. Der Schulleiter wird entscheiden, wie wir in dieser Situation verfahren. Überlegen sie sich gut, was sie tun, Mister Potter, noch haben sie die Chance, dass ich ihr Mitwirken bei einem ungenehmigten Duell auf Schulgrund ignoriere.“

Fast war Draco sich sicher, dass Potter protestieren würde, aber er hörte nur ein unterdrücktes Grummeln. „Und was sie betrifft, Mister Malfoy:“ Professor Snape holte Dracos Zauberstab mit einem Wink seines eigenen zu sich. „Ihren Zauberstab werde ich bis auf weiteres an mich nehmen.“ Wieder konnte Draco nur abwesend nicken. „Und, Mister Potter, sollten sie ein Gefühl von Schwäche oder Ausgelaugtheit verspüren, suchen sie nach diesem Gespräch den Krankenflügel auf. Und nun folgen sie beide mir“ Immer noch wie in Trance, und mit gehörigem Sicherheitsabstand zu Potter, folgte Draco seinem Paten in Richtung des Schulleiterbüros.


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Weder vom Weg noch vom Gespräch mit Professor Dumbledore bekam Draco fiel mit, die meiste Zeit starrte der junge Slytherin an eine der Wände und versuchte zu verstehen, was passiert war, was er getan hatte.

Nur eines war ihm so wirklich im Gedächtnis geblieben, die Tatsache, dass Dumbledore – unter heftigem Protest von Potter – entschieden hatte, ihn vorläufig nicht dem Ministerium zu melden. Potter selbst war im Büro des Schulleiters zurückgeblieben, wahrscheinlich musste er erst noch davon überzeugt werden, Draco nicht eigenständig zu melden. Statt dem sicheren Ticket nach Askaban bekam Draco wohl eine Art ‚Probezeit‘, die beinhaltete, dass er unter Dauerüberwachung gestellt wurde. Das hieß wohl, vorläufig keine Arbeit mehr am Kabinett und keine Mordversuche.

Das war doch eigentlich genau das, was er wollte: Ein Grund, Aufzuhören. Und trotzdem graute es ihm davor, sich in den nächsten Ferien – wenn er den Schutz von Hogwarts verlassen musste – erklären zu müssen. Wenn er plötzlich nicht mehr nützlich war, dann könnte es das für ihn und seine Eltern gewesen sein. Vielleicht entschied ‚er‘ dann auch, dass es keinen Sinn hatte, Draco weiterhin nach Hogwarts zu schicken, wenn er nicht mehr dem Plan dienen konnte. Der Gedanke daran, sich dauerhaft im Manor aufzuhalten ließ dem Jungen den kalten Angstschweiß über den Rücken laufen. Dann müsste er das, was heute geschehen war, wiederholen.

Vielleicht konnte Dumbledore ja davon überzeugt werden, dass es besser war, Draco auch während der Ferien unter Aufsicht hier zu behalten. Ja, damit wäre er vorerst sicher…

Nein! Das konnte er seinen Eltern nicht antun! Am Ende würden sie für sein Versagen leiden müssen, wenn er außer Reichweite war. Für sie war es, es ihm doch wert, ein Todesserdasein in Kauf zu nehmen, oder? Draco war versucht, aus reiner Verzweiflung zu Schluchzen. Er würde es nicht schaffen, jemand zu foltern, es… es ging einfach nicht!

In dem Moment, in dem er den Zauberstab auf Potter gerichtet hatte, waren sechs Jahre voller Rivalität, Sticheleien, Schadenfreunde und Hass wie ein Blitz durch ihn gefahren. Es war ein schreckliches Gefühl gewesen, allein die Erinnerung daran weckte in Draco den Drang, sich zu Übergeben. Noch immer echote Potters Schmerzensschrei durch seinen Geist, trieb ihm die Gänsehaut auf die Arme. Sticheleien, Streiche und andere Wege, Potter zu beleidigen oder bloß zu stellen waren das eine, die Tatsache, dass der Gryffindor ihm Kontra gab machte das Ganze sogar noch interessanter. Aber ihm tatsächlich Schmerzen zuzufügen…

Und das war Potter, den er zugegeben nicht mal wirklich hasste, aber gegen den er zumindest eine gewisse Antipathie und Schadenfreude verspürte. Davon abgesehen war das aus dem Affekt heraus gewesen, wäre Draco nicht so unter Adrenalin gestanden hätte es vermutlich nicht mal funktioniert! Wie würde das dann erst ablaufen, wenn er wirklich bewusst diesen Zauber auf jemanden wirken sollte, der vermutlich unter Tränen und Verzweiflung um Gnade bat? Spätestens dann würde er einknicken.

Irgendwie musste er doch aus dieser Situation heraus kommen! Vielleicht sollte er doch Dumbledore einweihen und um Hilfe bitten…

Nein! Das wäre sein Todesurteil! ‚Er‘ würde es irgendwie herausfinden und das wäre sein…wäre ihr Ende. Würde sein Pate ihn Verraten, sollte er es Versuchen? Stand dieser dem dunklen Lord oder seiner Familie Loyaler gegenüber. Oder am Ende doch Dumbledore…?

Das würde keinen Sinn machen, dann wüsste der Schulleiter schon längst von den Plänen und Draco wäre gar nicht erst hier, oder er säße schon längst eingesperrt in einem einsamen Turm oder irgendwo in den hintersten Untiefen des Kerkers.

Mit einem Seufzen zog Draco die Beine an den Oberkörper und legte das Kinn auf die Knie. Noch immer saß er im Büro seines Paten und Hauslehrers und wartet auf dessen Rückkehr. Severus war vor einiger Zeit - Draco konnte nicht abschätzen, wie lange es her war - zu einer ‚Außerplanmäßigen Lehrerkonferenz‘ verschwunden. Wahrscheinlich wurde gerade ausgewürfelt, wer wann auf ihn aufpassen musste.

Zum Wiederholten Male rutschte Draco hin und her und versuchte, es sich auf dem viel zu harten Sofa vor dem Kamin gemütlich zu machen. „Füße runter oder Schuhe aus, das ist schlecht fürs Polster.“ Draco hätte sich vor der Stimme erschrocken, wäre es nicht schon längst klar, dass die Porträts ihn beobachteten, sonst könnte man ihn nicht hier allein lassen. Wahrscheinlich würde auch die letzte Schokofroschkarte in diesem Schloss Alarm schlagen, wenn er einen Fluchtversuch wagen würde. Nicht das er es versuchen wollte.

„Ach lass ihn doch, du alter Griegramm, wenn kümmert das schon, es sitzt eh nie jemand hier. Außerdem, siehst du nicht, was für ein schlechtes Gewissen der Junge hat? Dir wird bestimmt gerade klar, was für ein schrecklicher Fehler das alles war. Glaub mir viele hier wissen, wie du dich fühlst und in was für einer Situation du bist…“

„Ihr wisst gar nichts über mich!“ Das Porträt der etwas dicklichen Hexe mittleren Alters verstummte. So weit musste es erst noch kommen, dass Draco sich von so ein bisschen magischer Farbe das Leben erklären ließ. Andererseits wollte sie einfach nur nett sein.

Mit einem leichten Seufzen legte Draco sein Kinn zurück auf die Knie und starrte in die Flammen. Wie lange diese ominöse Konferenz wohl noch dauern würde?

Selbst wenn er wieder normal zum Unterricht dürfte, wie würden wohl die anderen Schüler reagieren? Potter selbst war keine Tratschtante, der würde es wahrscheinlich nur seinen beiden besten Freunden erzählen.

Granger, und das war eine der wenigen Dinge, die er dem Schlamm- Mädchen hoch anrechnete, wusste, wann man Dinge eher für sich behielt. Er würde dieses Wort nicht aussprechen, nicht denken. Er war nicht wie sie, wie diese Wahnsinnige, die sich seine Tante nannte, die es ehrlich zu genießen schien, Menschen zu quälen. Allein bei dem Gedanken war Draco wieder zum Erbrechen zu Mute.

Das Wiesel hingegen… Dem würde das am Ende noch ausversehen rausrutschen und allein durch die Möglichkeit, dass es war sein könnte, würde sich so ein Gerücht binnen von Stunden über die ganze Schule verbreiten. Ob er wohl mit der Überwachung auch Personenschutz bekam? Nicht, dass sich jemand trauen würde, ihn körperlich anzugehen, zumindest hoffte Draco das.

Die Zeit verging, wann immer das Feuer drohte, zu niedrig zu werden, schwebte von selbst ein weiterer Scheit in den Kamin. Ein praktischer Zauber, vielleicht sollte Draco seinen Paten mal fragen, wie er funktionierte…

Was sollte das, er hatte verdammt noch mal größere Problem!

Fahrig fuhr sich der junge Slytherin mit einer Hand durch die Haare. Sie waren immer noch zerzaust, aber inzwischen getrocknet. Wenn er nur annähernd so fertig aussah, wie er sich fühlte, dann war es vielleicht ganz gut, dass er jetzt nicht im Gemeinschaftsraum war und sich von Pansy oder Blaise Löcher in den Bauch fragen lassen musste. Er war den Beiden dankbar, dass sie trotz allem zu ihm hielten – wie sie allein in den letzten Wochen Ausreden für ihn geliefert hatten, warum er so müde aussah oder schon wieder nicht aufzufinden war – aber im Moment brauchte er Ruhe.

Sein Blick fiel zurück auf seine Hände. In diesem einen Moment hatte Draco so viel Macht gefühlt, dass es fast schon physisch weh tat. Noch immer war seine Zauberstabhand ein wenig taub und zitterte. Fühlte es sich so an, wenn man zu ersten Mal einen unverzeihlichen Fluch anwandte? Oder fühlte es sich immer so an? Es machte dem Jungen Angst. Immer war er davon ausgegangen, er wolle Macht über andere haben, aber nicht so, es fühlte sich so an, als würde es ihn verschlingen.

Das… das war es doch nicht was er sein wollte! Oder würde das jetzt wirklich seine Zukunft sein? Draco wollte schon wieder weinen aus Frust, aus Angst, aus Wut? Er wusste es doch selbst nicht! Es war ein schreckliches Gefühl, diese Machtlosigkeit die er diesem Fluch gegenüber verspürte, die Ungewissheit. Als würde er fallen und nicht wissen, wann er auf dem Boden aufschlug.

Wo war sein Pate, wenn man ihn mal brauchte?!

Bis Severus Snape tatsächlich zurück in sein Büro kam, verging eine Menge Zeit. Genug für Draco, um – das Gesicht in den Armen vergraben, die Beine immer noch an die Brust gezogen aber tatsächlich ohne Schuhe – ein wenig vor sich hin zu dösen. „Wachen sie auf, Mister Malfoy, es wird Zeit für sie, Schlafen zu gehen.“ Ein wenig missmutig reckte Draco sich, die verkrampfte Position rächte sich schon jetzt und griff nach seinen Schuhen.

Er hatte sie tatsächlich ausgezogen. Nicht etwa, weil er ein schlechtes Gewissen gegenüber der Gemälde hatte, soweit kams noch. Es war einfach nur unbequem geworden. Warum versuchte er überhaupt, sich zu rechtfertigen? Er war Draco Malfoy, er durfte seine Schuhe ausziehen, wann immer er wollte!

„Sie werden nicht mehr bei den anderen Mitgliedern ihres Hauses wohnen, sondern bekommen ein Einzelzimmer.“ Das sah Draco nicht mal als Strafe an, so hätte er vorerst die Ruhe, die er brauchte. „Wann immer sie nicht im Unterricht oder bei einer Mahlzeit sind, werden sie in ihrem Zimmer eingeschlossen sein. Ein Lehrer wird sie zu den üblichen Zeiten abholen.“ Auch nicht wirklich schlecht, dann müsste er sich nicht irgendwelchen vorlauten Tratschtanten rumschlagen. Vielleicht könnte er, wenn sich gut genug benahm, sich ein paar Freigänge in die Bibliothek erschmeicheln. Mal abgesehen davon, dass er in alte Runen und Arithmantik den Stoff hinterher hing.

Dieses verfluchte Verschwindekabinett fraß mehr Zeit als Crab und Goyle Pasteten, zusammen!

„Außerdem sind sie sie drei Abende pro Woche und jedes zweite und vierte Wochenende bei mir zum Nachsitzen. In dieser Zeit können sie sich ihrer ‚Aufgabe‘ widmen.“ Draco erstarrte und blieb stehen, mit vor Schock geweiteten Augen starrte er seinen Paten an. Er fühlte sich wieder, wie nur wenige Stunden zuvor. Die Realisation, und mit ihr die pure Angst, zuckte wie ein Blitz durch Dracos Hirn. Er wollte schreien und fühlte sich gleichzeitig, als hätte man ihm die Stimme geraubt.

Erst noch ein paar erfolglosen Versuchen, die mehr wie krächzen klangen, brachte der junge Mann tatsächlich verständliche Worte zu Stande. „N-Nein.“ Seine Stimme war nicht mehr als ein Flüstern. Severus drehte sich um und blickte seinen Schüler an.

„Professor, b-bitte tun sie mir das nicht an. Ich kann das nicht.“ Hätte sein Vater ihn in diesem Moment gesehen, er wäre unfassbar enttäuscht von Draco gewesen. Aber der Junge war verzweifelt, er musste, aber es ging nicht.

Severus sah den Jungen an und für einen Moment schien die Kälte in seinen Augen Schmerz und ehrlicher Reue zu weichen. „Ich fürchte, du hast keine Wahl.“
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