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Der Sturm ging in den Wipfeln

von Mrs K
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Dean Winchester Sam Winchester
08.11.2020
12.04.2021
5
4.707
4
Alle Kapitel
13 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
08.11.2020 1.388
 
Disclaimer: Die Figuren gehören nicht mir, sondern Eric Kripke. Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte. Der Titel ist aus dem Gedicht „Gesicht im Walde“ von Emanuel Geibel (), welches inhaltlich nichts mit dieser Story zu tun hat.
Warnung: Blut, Gewitter. Sollten weitere Warnungen hinzukommen, sind diese im jeweiligen Kapitel zu finden.
Sonstige Tags: hurt/comfort, hurt!Dean, Winchesters vs. Das Wetter, angstyness, Brüder, minimalistischer Plot, Season 1 oder 2, oh Nostalgie.
A/N: Ich schreibe selten Stories in diesem Fandom die mehrere Kapitel lang und bei denen die Kapitel länger als nur ein Drabble sind. Deshalb wollte ich mich einmal daran wagen – und natürlich ist es eine Geschichte mit verletztem Dean geworden. Manche Dinge ändern sich einfach nicht. In meinem Kopf spielt diese Story während Staffel 1 (also vor 14/15 Jahren, haha…), aber ich denke Staffel 2 würde auch gehen. Es wird voraussichtlich 5 Kapitel geben, wobei die Länge wahrscheinlich variieren wird. Es tat gut, zu den Jungs aus Staffel 1 zurückzukehren - das ist wie Babyfotoalben angucken :P
Vielleicht gibt es ja noch ein paar Lesende da draußen, die Spaß an dieser Art von Fanfiction haben Viel Spaß!
-Krit


~ ~ ~




Der Sturm ging in den Wipfeln


Ein lauter Knall hallte durch die Nacht, das darauffolgende unterdrückte Keuchen ging im Gewitter unter. Lautstark prasselte der unbarmherzige Regen auf die matschige Erde nieder, und dumpfes Grollen lag in der kalten Luft. Schwärze lag über den riesigen Tannen und hüllte die zwei jungen Männer ein. Der Mond war verdeckt von Wolken.

Das Gewitter hatte vor einer halben Stunde angefangen. Erst war die Kälte gekommen, dann die Dunkelheit und dann schließlich der Platzregen. Aus Platzregen war ein Sturm geworden, Blitz und Donner waren hinzugekommen. Und nun fanden sich Dean und Sam in einer scheinbar niemals endenden Wetterkatastrophe wieder, einer scheinbar undurchdringlichen Regenwand.
Zusammengekauert hockten sie unter einem Baum, inmitten des Waldes, umgeben von anderen Bäumen, deren Nadeldächer über ihnen emporragten. Der Boden unter ihnen war matschig, das Moos triefend nass, Wasser und Tannennadeln fielen auf sie herab, und sie sahen rein garnichts außer Zwielicht, Schemen und hin und wieder ein kurzes grelles Bild des unheilvollen Waldes, in den sie ihre letzte Jagd geführt hatte, wenn ein Blitz die Welt um sie herum in sekundenlanges Feuer tauchte – wie ein überdimensionaler Fotoapparat.
Inmitten dieses fürchterlichen Unwetters gab es nur Sam und Dean, Dean und Sam. Sie konzentrierten sich auf den jeweils anderen, versuchten das Atmen des anderen aus dem grollenden Donner herauszuhören, und die Anspannung des anderen durch leichten Körperkontakt verpuffen zu lassen, zu mindern.
Der Impala war am anderen Ende des Waldes geparkt, der eine Rucksack, den sie für die Jagd gebraucht hatten, war bei derselben zurückgeblieben inmitten von Chaos und Hast, und alles was die jungen Männer gerade bei sich hatten, waren die Kleider am Leib und die Pistolen in ihren Hosenbündern.

Ein weiterer Blitz zuckte über den schwarzen Himmel und nur wenige Sekunden darauf folgte der Donnerschlag. Er fuhr den Brüdern in die Glieder und ließ sie beinahe erschaudern. Das war der Moment, in dem der Regen aufhörte. Wie der Platzregen aus heiterem Himmel auf sie niedergeprasselt war, so schnell hörte er nun auch wieder auf. Kaum ein Tropfen Regen kam mehr am Boden an, die Welt schien mit einem Mal viel zu leise. Und der Wind und Deans Keuchen wirkten zu laut.

Im vor ihm liegenden Zwielicht versuchte Sam das Gesicht seines älteren Bruders auszumachen. Dieser kauerte neben ihm im Matsch, Rücken an eine dieser unendlich hohen und alten Bäume gelehnt, die Knorpel an der Rinde hatten. Obwohl ihm der Gedanke an Bewegung beinahe ein Stöhnen aus den Lippen hevorbrachte, verlagerte Sam sein Gewicht und suchte mit seiner Hand nach der Schulter Deans.
„Dean?“
Er hatte die Schulter gefunden und drückte sie leicht.
„Dean.“
Sam spürte, wie sich Deans Brust hob und senkte. Und das Keuchen wurde langsamer.
„Dean!“
„Ja...ja, mir geht’s gut.“ kam nun die atemlose Antwort. Sams Herz machte einen Sprung und er drückte Deans Schulter erneut.
„Du hast Angst vor Gewitter? Memme.“ versuchte er zu spaßen, doch Dean erwiderte nichts und stieß nur Sams Hand von seiner Schulter, mit einem resignierten lauten Ausatmen.
Der jüngere Winchester ließ es geschehen und blies eine kleine Atemwolke in die Luft. Es war noch immer eisig kalt und die triefnasse Kleidung klebte ihm an der Haut, engte ihn ein und machte ihm jedes Denken an Aufstehen und Laufen zuwider. Und doch. Hier sitzenzubleiben war wohl kaum eine Option. Allerdings befürchtete Sam, dass es diese Nacht nun doch noch zum Camping unter freiem Himmel kommen könnte.
„Sam.“ Der Kopf des Angesprochenen schnellte zurück zu seinem Bruder.
„Ja?“
„Hilf mir auf.“
Sam runzelte ein wenig geschockt die Stirn und meinte eine Bewegung im Halbdunkel erspäht zu haben. Er griff nach der nun ausgestreckten Hand des Älteren. Zeitgleich stand Sam aus der Hocke auf und Dean kam leicht ächzend ebenfalls zum Stehen. Selbst in der Dunkelheit konnte Sam sehen, dass Dean wankte.
„Dean, wir...“
„Nein, machen wir nicht.“
„Aber du..-“
„Nein, mir geht’s gut.“
„Du wurdest..-“
„Sag bloß, Sam! Das ist aber kein Argument.“
Der jüngere Bruder schüttelte den Kopf und fuhr sich unbehaglich durch die klatschnassen Haare. „Was wenn wir-“
„Ich sagte nein, Sam.“
„Aber wir könnten-“
„Wird nicht passieren, ich hab alles unter Kontrolle, Sammy.“
Wut meldete sich in Sams Bauch zu Wort. „Dean, du-“
„Mir -
„-lässt mich jetzt mal ausreden!!!“

Sam sah wie Dean einen Arm hob, um sich an dem dicken Stamm des Baumes abzustützen. Kurz legte sich Stille über sie. Vereinzelte Tropfen fielen noch von den Wipfeln über ihnen auf den Boden und hier und da knackte ein Ast. Weit entferntes Donnern meldete das Weiterziehen des Gewitters an.
„Dean, ich glaube es wäre nicht das Klügste, jetzt noch zu versuchen zum Auto zu kommen.“
Die Antwort kam nicht sofort.
„Und warum nicht? Ist doch alles in Ordnung oder? Ich liege nicht im Sterben und dir geht es auch gut.“
„Du hast eine ausgekugelte Schulter, eine Kopfwunde und einen gebrochenen Knöchel! Und wir sehen nichts, unsere Handys sind im Eimer, die Taschenlampen sind wer-weiß-wo und-“
„Ja, sag ich doch, ich lieg nicht im Sterben. Und unsere Nachtsicht ist super!“
„Wenn du einen Spaziergang zum Auto machen willst, jetzt und hier – dann wirst du danach im Sterben liegen!!“
„Spiel nicht die Dramaqueen, Sam“
„Spiel nicht den verfluchten Helden, Dean!!“
Sam zuckte. Das war aus dem Nichts gekommen. Er sollte sich entschuldigen. Aber er wollte, konnte nicht. Dean musterte ihn durch die Schatten hindurch.
„Ich spiel‘ nicht den Helden, Sammy.“ entgegnete er dann leise, und ein Muskel zuckte in seiner Wange. „Hör zu, ich verstehe, dass du denkst ich schaffe es nicht, aber...Sam, ich möchte wirklich nicht die scheißkalte Nacht in irgendeiner schlammigen Kuhle unter einer Kiefer verbringen. Wir können nicht mal ein anständiges Feuer machen, weil das ganze Holz nass ist. Wir haben sowas doch schon oft gemacht! Wie oft sind wir schon mitten in der Nacht durch irgendwelche Wälder gehumpelt, du verletzt, ich verletzt, beide verletzt...Dad verletzt. Wir haben es immer zurückgeschafft.“
„Es war aber jedes Mal verdammt knapp.“
„Aber wir haben es verdammt nochmal geschafft! Und einige Male war ich schwerer verletzt als jetzt! Geschweige denn deine Verletzungen!“ Sam hörte ein kramphaftes Schlucken. „Dein halbes Bein war ab, dieses eine Mal als uns Dad eingeholt hat, in Kalispell, Montana! Wir haben es trotzdem an den Waldrand geschafft, und da waren wir nicht mal bewaffnet und das Viech hat uns nochmal angegriffen!“
Wieder ein krampfhaftes Schlucken. Sam schüttelte leicht den Kopf.
„Dean, du hast ohne die richtige Waffe gegen das Ding gekämpft, es hat dir die Brust zerfetzt und Dad musste dich ins Krankenhaus bringen. Es war verdammt knapp, Mann. Wir- “
„Wir können es schaffen, Sammy, was ist denn los mit dir? Jedes andere Mal sind wir einfach weitergelaufen, egal was war. Einfach weiter, Sam. So wie immer.“ Sam weigerte sich, den Hauch von etwas Flehendem aus der Stimme seines Bruders herauszuhören. Ein krampfhaftes Schlucken klang zu ihm herüber, ein unterdrücktes Keuchen.
Sam hob die Augenbrauen und er stemmte die Hände in die Seiten.
„Nicht dieses Mal. Dean, du musst dich ausruhen.“
Wieder ein unterdrücktes Keuchen und ein krampfhaftes Schlucken.
„Dean? Alles klar?“

Und plötzlich reagierte er nicht schnell genug und sah, wie Deans Arm am Stamm des Baumes einknickte, sein Körper nach vorne fiel.

____

t.b.c.
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