Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Lächeln des Mondes

von Muriel78
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Gen
OC (Own Character) Tom Hiddleston
08.11.2020
10.02.2021
9
12.901
6
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
23.11.2020 1.613
 
Am Abend beschlossen Tom und ich spontan essen zu gehen. Wir saßen draußen und genossen die sommerlich laue Abendluft. Wir plauderten und lachten. Tom stellte allerhand Fragen an mich, was ich so beruflich mache, was für Hobbys ich habe und was mich sonst noch so bewegt und begeistert. Am Anfang war ich wirklich nervös, aber das gab sich dann doch schnell. Tom hatte eine wirklich angenehme Art an sich. Er hatte sofort gemerkt, wie angespannt ich in seiner Gegenwart war und begann einfach mit mir zu plaudern als wäre es das Normalste der Welt. Okay, für ihn war es das vermutlich auch. Aber für mich halt nicht. So stellte er am Anfang fast nur Fragen die ich mit Ja oder Nein oder kurz beantworten konnte. Das war schon sehr angenehm. Und im Laufe des Abends wurde ich dann endlich lockerer dabei mit ihm zu reden. Ich muss zugeben, dass ich Erik kaum vermisste. Tom und ich plauderten und lachten, als würden wir uns schon lange kennen. Das fühlte sich auf der einen Seite seltsam an und auf der anderen Seite einfach sehr angenehm.

Alles wäre super gewesen, wäre nicht dieser verdammte Unfall gewesen. Also, wir hatten keinen zum Glück. Und der Autounfall an sich war auch schon passiert, als wir auf dem Weg zu Tom's Auto dort zu Fuß vorbei kamen. Es waren die Sirenen des Rettungswagens die mich völlig panisch werden ließen. In meinem Kopf fing es an sehr laut zu summen und die Sirenen hallten wider. Momentaufnahmen tauchten vor meinem inneren Auge auf. Ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen, griff aber unbewusst nach Tom's Arm. Er sah mich sofort prüfend an. Ich muss sehr blass gewesen sein und ich spürte, wie ich die Kontrolle über meinen Atem verlor. Tom scannte mich aufmerksam und blieb vor mir stehen. Nein, ich wollte hier nicht stehen bleiben. Lass uns gehen! Bitte! Ich war nicht in der Lage zu reden,ich sah Tom nur panisch an und merkte, wie sich meine Augen mit Tränen füllten. Tom sah mich erst ratlos an aber dann fackelte er nicht lange, als er erkannte, dass ich diese Situation nicht händeln konnte. Er schob mich kurzerhand und schnellen Schrittes Richtung Auto. Das Auto stand ein paar Straßen weiter geparkt, also war der Unfall ausser Sichtweite. Sirenen waren erst mal auch nicht mehr zu hören. Tom sah mich immer wieder prüfend von der Seite an, sagte aber nichts. Meine Augen brannten, aber ich schaffte es, die Tränen zurückzudrängen. Als wir das Auto endlich erreichten verschwand ich wortlos auf dem Rücksitz im Auto. Tom setzte sich hinter das Lenkrad und fuhr stumm los. Er behielt mich aber im Rückspiegel im Auge.

Als wir ins Haus gingen, sah er fragend an. Ich schüttelte den Kopf, sagte ihm kleinlaut dass es mir leid tut und wünschte eine gute Nacht und eilte die Stufen zu meinem Zimmer hoch. Ich wollte allein sein. Und auch wieder nicht. Ich weiss nicht, ob es anders gewesen wäre, wenn es Erik und nicht Tom gewesen wäre. Vermutlich. Aber ich wollte einfach nicht, dass er mich quasi mit einer Katastrophe kennenlernen würde. Naja, er konnte sich jetzt vermutlich seinen Teil denken. Aber die Geschichte dahinter kannte er nicht. Und ich wusste einfach nicht wie......oder ob überhaupt, ich das erzählen sollte.

Ich hörte ein kratzendes Geräusch an der Zimmertür. Als ich die Tür öffnete, stand ein freundlich guckender Bobby davor und latschte einfach an mir vorbei ins Zimmer. Ich schloß die Tür wieder und setzte mich zu dem Hund auf den Boden. Er holte sich ein paar Streicheleinheiten ab. Ich habe keine Ahnung, wie lange ich da auf dem Boden saß und mit dem Hund kuschelte, als es zaghaft an meiner Tür klopfte. Ich antwortete „immer herein“ und dann stand Tom im Türrahmen.
„Ach da ist Bobby. Ich hatte mich schon gewundert wo er abgeblieben ist.....Darf ich reinkommen?“
Er lächelte mich an und ich nickte. Er setzte sich einfach zu seinem Hund und mir auf den Boden.
„Bobby merkt wenn jemand traurig ist“, sagte er leise und sah mich aufmerksam an. Ich seufzte.
„Ja.....tut mir wirklich leid für das Theater vorhin......da hat mich meine Vergangenheit eingeholt.“ Ich streichelte den Hund und war nicht imstande Tom anzusehen.
„Habe ich mir schon gedacht. Scheint dich immer noch zu verfolgen. Du bist immer noch etwas blass um die Nase.“
Ich sah ihn geschockt an.
„Alles gut, du musst nicht mit mir darüber reden.“
„Versteh mich nicht falsch, aber warum sollte ich mit dir über so etwas reden? Wir kennen uns doch eigentlich kaum und........es ist ja auch gar nicht deine Baustelle.“
„Das stimmt zwar.....aber wir sind doch gerade dabei uns kennenzulernen. Und wenn es mich nicht interessieren würde, dann hätte ich meinen Hund abgeholt und würde ganz sicher nicht hier sitzen. Manchmal kann man mit Fremden besser und vielleicht auch offener reden.“ Er sah mich an und lächelte schief. „Aber ich verstehe es, wenn du lieber mit Erik reden möchtest.“ Ich schüttelte den Kopf.
„Ich weiß dass Erik immer für mich da ist, aber ich glaube, langsam ist er damit auch überfordert. Ich nagte an meiner Unterlippe und kämpfte mit mir selber, ob ich mich Tom öffnen sollte oder nicht.
„Ist aber wirklich nicht schön“, sagte ich nach einer Weile.
„Ich höre einfach nur zu, okay. Wenn du nicht willst, dann werde ich nichts sagen. Nur zuhören.“
Ich überlegte kurz und nickte dann. Und dann begann ich zu erzählen. Von Simon. Meinem Verlobten. Und diesem schrecklichen Unfall. Wir waren in den Hochzeitvorbereitungen und wie es da nun mal passieren kann, hatten wir uns die Wolle bekommen. Wegen einer Kleinigkeit. Im Auto. Wir hatten im Auto nicht mehr gesprochen. Aber das war dann auch egal, weil jemand eine rote Ampel übersah und fast ungebremst in die Fahrerseite donnerte und unser Auto quer über die Kreuzung in ein parkendes Auto schob. Ich musste eine kurze Pause beim erzählen machen als die Bilder mit voller Wucht in meine Gedanken platzten. Ich konnte mich nicht mehr an alle Details erinnern. Ich weiss nur, dass ich nicht aussteigen konnte, weil da das geparkte Auto stand. Durch das total zerstörte Seitenfenster der Fahrerseite sah ich die verbeulte Motorhaube des Unfallgegners. Und dann sah ich Simon. Er war laut Unfallbericht mit dem Kopf gegen das Fenster geprallt und hatte sich dabei massive Schädelverletzungen zugezogen. Sein Gesicht war blutüberströmt. Sein Kopf war zu mir gedreht und er war bewusstlos. Ich weiß bis heute nicht, wer den Rettungsdienst gerufen hatte. Ich versuchte Simon zu wecken. Ich rief immer wieder seinen Namen und tätschelte ihm ins Gesicht. Und tatsächlich machte er kurz die Augen auf, sah mich an und flüsterte dass er mich liebt. Dann hörte ich die Sirenen. Meine eigenen Verletzungen nahm ich kaum wahr. Ich sah nur Simon und dass er nicht mehr ansprechbar war. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis Simon und ich aus dem Auto geborgen waren. Und dann wurde er reanimiert. Vergebens. Simon hatte den Unfall nicht überlebt. Ich hatte beim Erzählen die kleinen Details mit Absicht weggelassen. Ich konnte es nicht besser erzählen und ich dachte, das reicht als Info für Tom auch erst mal. Natürlich waren mir Tränen gekommen. Und als ich einfach nur schwieg und stumm schluchzte, rückte Tom zu mir heran und nahm mich einfach in die Arme. Er sagte nichts. Er hielt mich einfach nur fest. Als ich mich etwas beruhigt hatte nuschelte ich an seine Schulter „es ist nicht mal, dass wir uns vorher gestritten hatten. Ich konnte ihm einfach nicht helfen. Ich konnte es einfach nicht........und die Ärzte sagten später, selbst wenn, dann hätte Simon nicht überlebt. Das ist so unfair. Wir haben uns wirklich geliebt. Und wollten heiraten. Und dann so was....“
„Das ist hart. Wie lange ist das her?“, fragte Tom leise, mich immer noch im Arm haltend.
„Knapp ein Jahr jetzt. Ich hatte wirklich gedacht, dass ich weitestgehend verarbeitet habe was da passiert ist. Aber das eben hat mir dann gezeigt, dass es wohl nicht so ist.“
„Das wird bestimmt auch noch dauern. Machst du dir Vorwürfe?“
Ich löste mich aus seiner Umarmung und schüttelte den Kopf. „Am Anfang ja. Ich habe mir die Schuld gegeben. Aber der Unfall wäre auch passiert, wenn wir uns nicht gestritten hätten. Und selbst wenn ich es geschafft hätte ihn aus dem Auto zu bekommen und.........Simon hätte es halt nicht überlebt. Sein Kopf war zu sehr verletzt. Die Ärzte wollten mir nicht glauben, dass er noch mit mir gesprochen hat. Ich habe mich oft gefragt, ob ich mir das vielleicht eingebildet habe. Dass mir mein Hirn im Schock einen Streich gespielt hat. Keine Ahnung. Ich weiß, dass es nicht anders  gelaufen wäre. Aber ich vermisse ihn einfach so sehr. Immer noch.“
Tom sah mich aufmerksam an. „Er wird immer ein Teil von dir sein. Und ich wünsche dir wirklich von Herzen, dass du ihn auch als Teil deines Lebens behältst, aber trotzdem vorwärts gehen und leben kannst.“
Ich schluckte und lächelte ihn an, während er mir eine Träne von der Wange wischte.
Als mich erreichte was Tom sagte, wurde ich wieder von Schluchzern geschüttelt. Tom hatte Recht. Ich musste irgendwie meinen Frieden damit finden, aber mein Leben ging halt weiter. Ich hatte kaum mehr jemanden emotional an mich herangelassen. Dass ich zuließ, dass Tom mich weinen sah und mich auch noch trösten durfte, war ein gewaltiger Schritt für mich. Mit dem ich selber nicht gerechnet hatte, und der mich nun total überrannte. Ich weinte heftig. Tom nahm mich erneut in die Arme und drückte mich ganz feste an sich. Und ich klammerte mich an ihm fest und ließ meinen Tränen, dem ganzen Schmerz und meinen Emotionen freien Lauf.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast