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Morbid Mind

GeschichteFreundschaft, Action / P16 / Mix
Atemu Marik Ishtar OC (Own Character) Ryou Bakura Ryuji Otogi / Duke Devlin Seto Kaiba
08.11.2020
24.09.2021
114
203.931
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08.11.2020 1.707
 
„Verdammt Wheeler, kannst du den Takt nicht halten oder machst du das mit Absicht?“ meine Laune war auf dem Nullpunkt angekommen. Nicht das dies so ungewöhnlich war, schließlich war ich seit Jahren sehr reizbar. Es brauchte nicht viel um mich an die Decke gehen zu lassen. Das meine Bandkollegen es überhaupt ertrugen mich um sich zu haben grenzte an ein Wunder. Aber jeder von ihnen wusste woher es kam.

„Gib mir wenigstens ein bisschen Zeit mich in die Lieder einzufinden Kaiba,“ kam es zerknirscht von ihm zurück.

Er spielte ja nicht komplett schlecht, aber Bühnenreif war seine Leistung noch lange nicht. Und ich nicht in der Stimmung Gnade walten zu lassen, was ich den Blonden spüren ließ, „wir haben aber keine Zeit für deine Trödelei. In einer Woche haben wir den nächsten Gig und wenn du es bis dahin nicht drauf hast sind wir am Arsch,“ ich wandte mich an Duke, „Devlin, zeig diesem Amateur wie das geht. Er dürfte doch eh nicht bei uns spielen, wenn er nicht mit unserer Produzentin liiert wäre.“

Noch bevor der schwarzhaarige die Chance hatte in irgendeiner Weise auf meine Worte zu reagieren stürmte Mai einer Furie gleich durch die Tür, „Kaiba es reicht jetzt. Ich weiß selbst das Joey nicht die Bestbesetzung für die Band ist. Aber ich brauchte Zeit um mir etwas einfallen zu lassen und das habe ich getan. Also reg dich ab,“ donnerte sie los.

Ich ließ ihre harsche Rede nur über mich ergehen, weil sie am längeren Hebel saß. Ich hatte bereits alles verloren, was mir im Leben wichtig gewesen war. Die Band  war mein einziger verbliebener Ankerpunkt. Da ohne würde auch meine letzte Konstante wegbrechen. Theoretisch gab es zwar noch eine Person die mich in diesem Falle retten konnte, aber die zu finden grenzte ans Unmögliche. Von daher beschränkte ich mich auf ein missmutiges knurren, „na hoffentlich taugt deine Idee zu etwas.“

„Das werden wir noch herausfinden,“ kam es scharf von ihr zurück ehe sie sich Duke zuwandte, „allerdings müsstest du dann wirklich das Schlagzeug übernehmen Devlin.“

Eine Bewegung in der Tür zog meine Aufmerksamkeit auf sich und ich bemerkte jemanden der sich lässig in den Rahmen lehnte. Ich taxierte die Unbekannte. Mit ihrer Größe erinnerte sie mich an eben jene Person, die ich so schmerzlich vermisste. Aber das war bloßes Wunschdenken. Außerdem hätte sie sich wohl kaum unter einer Kapuze vor mir versteckt.

Ich beschloss Mai in betont gelangweiltem Ton darauf hinzuweisen, dass wir Besuch bekommen hatten. Nicht dass sich unsere Besucherin noch als eines dieser verrückten Fangirls herausstellte, die man hinterher nicht wieder los wurde, „hast du die Tür nicht zugemacht? Dir scheint einer unserer Groupies gefolgt zu sein.“

„Dieser Groupie, wie du sie so schön nennst, ist unter Umständen die Lösung unserer Probleme,“ erklärte sie mir, nein uns mit einem überheblichen Grinsen.

Es gab wohl keinen in der Band, der nicht überrascht war, wie man an dem ungläubigen Gemurmel ausmachen konnte, an dem ich mich jedoch nicht beteiligte. Atemu äußerte sich als erster dazu, „eine Frau? Ernsthaft?“

„Ein Kind trifft es wohl besser bei der Größe,“ frotzelte Marik unverzüglich.

„Lass dich von ihrer Körpergröße nicht blenden Ishtar,“ konterte Mai warnend ehe sie sich unserer unbekannten Besucherin zuwandte, „willst du?“

Bisher hatte die Unbekannte noch nicht einen Laut von sich gegeben und auch jetzt hüllte sie sich noch in Schweigen.

Nicht das ich an weiblicher Gesellschaft oder gar einer Beziehung zu wem auch immer interessiert gewesen wäre, aber sie hatte zumindest meine Neugier geweckt, denn mit ihrer Größe und der Tatsache, dass sie Gitarre spielte hatte sie zwei Attribute mit meiner einstigen Traumfrau gemein. Aber das traf vermutlich auf viele andere Musikerinnen ebenfalls zu.

Sie nickte und schritt zielstrebig auf Duke zu.

„Darf ich?“ zu kurz und zu leise, als das ich die Stimme hätte zuordnen können, dafür aber in akzentfreiem Japanisch. Somit konnte es nicht die Person sein, an die mich unsere Unbekannte erinnerte, denn SIE sprach kein japanisch als wir uns kennenlernten. Statt dessen hatte ich zum ersten mal in meinem Leben meine Deutschkenntnisse effektiv nutzen können.

Ich verdrehte die Augen als Duke sie anquatschte, „willst du dich uns nicht erstmal vorstellen, Babe?“

´Offensichtlich nicht, sonst würde sie wohl kaum ihr Gesicht vor uns verbergen´ ging es mir durch den Kopf, aber ich schwieg.

„Später, und damit das schonmal klar ist, ich bin niemandes Babe. Also? Gibst du mir deine Gitarre oder muss ich erst jemand anderen Fragen?“

Sie hatte unbeabsichtigt die Stimme dabei leicht angehoben worauf ich mich unwillkürlich versteifte. Ich kannte diese Stimme auch wenn ich sie seit sechs Jahren nicht mehr gehört hatte und das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein!

Tief in meine Gedanken versunken bekam ich Dukes Kommentar nur am Rande mit als er ihr seine Gitarre reichte, weil mich ihr auftauchen völlig aus der Bahn warf.

„Na dann zeig mal was du drauf hast, Nichtbabe.“

Sie testete das Instrument kurz an bevor sie die ersten Klänge von Scarlet Rose anstimmte.

´Oh nein. Bitte nicht ausgerechnet dieses Lied´ flehte ich innerlich. Es rief zu viele unerwünschte Emotionen in mir wach. Dinge, die ich am liebsten vergessen würde, wenn ich denn irgendwie könnte. Ich ballte meine Hände zu Fäusten und schloss die Augen. Schließlich wollte ich mir nicht die Blöße geben, dass mir in Gegenwart der anderen Tränen in die Augen stiegen. Aber das wäre wohl mein kleinstes Problem gewesen, weil sie alle wie gebannt IHRER Stimme lauschten.

Ich konnte die Jungs in der Hinsicht verstehen. Sie war in den letzten Jahren von einer guten, leidenschaftlichen Sängerin zu einer hervorragenden, leidenschaftlichen Sängerin geworden, aber ich weigerte mich strikt dagegen ihren Namen in Gedanken zu formen.

Ebenso wie ich versuchte mich gegen den Text des Liedes zu wehren, aber bei einer Textpassage lauschte ich dennoch auf. Es schien mir als würde sie an dieser Stelle noch mehr Leidenschaft, noch mehr Emotionen in ihre Stimme legen, was rein technisch gesehen überhaupt nicht möglich sein sollte.



´I got that experience no one can steal away

One moment of your life is mine I remember day by day´



Auch wenn ich es nicht wahr haben wollte, aber dieser Teil richtete sich eindeutig an mich. Sie wollte mir damit sagen, dass sie mich nicht vergessen hatte.

Ich spielte mit dem Gedanken die Räumlichkeit zu verlassen, aber ich konnte es einfach nicht. Ich musste ihr Gesicht sehen. Musste auch die letzten Zweifel beseitigen ob sie es tatsächlich war, oder ob mir mein Herz ´meine Ohren, gottverdammt nochmal, meine Ohren!´ einen Streich spielten.

Ich atmete immer wieder tief durch um auch den Rest des musikalischen Martyriums durchzustehen. Schließlich war sie bei den letzten Textpassagen angelangt. Und dann, endlich, klang die Gitarre aus. Ich öffnete die Augen, damit die Anderen nicht darauf aufmerksam wurden, wie sehr mich dieses Stück aufgewühlt hatte. Während alle voll des Lobes über die Vollkommenheit des vorgetragenen Songs waren schien ich als einziger zu bemerken, dass Mai verschwunden war. Interessierte es sie etwa nicht, wie wir auf die Neue reagierten?

„Kaiba, willst du garnichts dazu sagen?“

Beinahe hätte ich Joeys Frage überhaupt nicht mitbekommen. Ich schüttelte beunruhigt den Kopf und ging langsamen Schrittes auf unsere verhüllte Sängerin zu, blieb vor ihr stehen, schob ihr vorsichtig die Kapuze vom Kopf. Ich musste ihr Gesicht sehen, musste mir Gewissheit verschaffen. Dabei konnte ich nicht anders als ihre zarte Haut zu berühren, denn mir war vollkommen klar das nur SIE es sein konnte.

„Alexandria…“ war das einzige, was ich bei dem Blick in ihr bezauberndes Gesicht über die Lippen bekam, „ich wusste es.“ Ich drehte mich überwältigt um und eilte zur Tür hinaus. Es war einfach zu viel für mich.

´Wo kommt sie so plötzlich her? Das kann, nein, das darf einfach nicht wahr sein,´ ich lehnte mich an die kühle Hauswand und legte den Kopf mit geschlossenen Augen in den Nacken, ´´ich habe doch bereits zwei Personen verloren die mir wichtig gewesen sind. Warum muss sie hier auftauchen? Ich habe sie seit unserer Begegnung vor sechs Jahren nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Oh Gott, wie sehr ich sie vermisst habe. Aber sie sollte nicht hier sein! Ich bin eine potentielle Gefahr für sie. Ebenso wie ich es für meinen Bruder und die gute Seele Kisara gewesen bin.´

Ich hörte wie sich die Tür erneut öffnete, ahnte bereits was kommen würde.

„Ist es schlimm für dich, dass ich hier bin?“

Ich machte mir nicht die Mühe sie anzusehen schüttelte allerdings den Kopf und wechselte für sie ins Deutsche, auch wenn ich in den letzten Jahren ziemlich eingerostet war was das anging, hatte ich bis auf meinen besten Freund, dem ich es selbst beigebracht hatte, doch niemanden bei dem ich es nutzen konnte.

„Ich habe vielmehr das Gefühl, dass es für dich schlimm werden könnte,“ gab ich schroff zurück, „du solltest hier verschwinden so lange du es kannst.“

Ihre Stimme verriet mir, dass sie meine Worte irritierten, „soll das eine Drohung sein? Was soll das Seto? Habe ich irgend etwas getan um dich zu verärgern?“

Ich seufzte schwer, „keine Drohung. Eine Warnung. Wenn du in meiner Nähe bleibst könnte das böse für dich enden.“

„Du sprichst in Rätseln. Was ist los? Hast du ein Problem damit, das ich hier bin?“

´Ja... Nein...Ich...´ „Ich weiß es nicht. Aber wenn du nicht auf mich hören willst ich werde mich wohl damit arrangieren müssen. Die Anderen hast du ja überzeugen können.“

„Seto sieh mich bitte an. Ich brauche eine klare Antwort von dir. Hast Du Ein Problem Damit Das Ich Hier Bin?“

Ich konnte ihr nicht ins Gesicht sehen, wollte es nicht. Trotzdem tat ich es, „das ist unerheblich. Die Band braucht dich.“

„Für dich ist es vielleicht unerheblich, aber nicht für mich. Deshalb will ich eine eindeutige Antwort von dir,“ insistierte sie erbarmungslos.

„Verdammt noch mal, Lexa! Ich weiß es nicht! Du hast keine Ahnung wie seltsam es für mich ist dich nach all den Jahren vor mir stehen zu haben! Ohne jegliche Vorwarnung tauchst du plötzlich aus dem nichts auf! Glaubst du das wäre einfach für mich? Ich muss erstmal eine Nacht darüber schlafen. Du bekommst meine Antwort morgen,“ ohne eine Reaktion von ihr abzuwarten stieß ich mich von der Wand ab und verschwand im Dunkel der Nacht.
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