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Morbid Mind

GeschichteFreundschaft, Action / P16 / Mix
Atemu Marik Ishtar OC (Own Character) Ryou Bakura Ryuji Otogi / Duke Devlin Seto Kaiba
08.11.2020
17.09.2021
111
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15.09.2021 2.311
 
„Und du glaubst wirklich das sie Baku umstimmen kann?“
Bei Marik’s schmererfülltem Ton zog sich so ziemlich alles in mir zusammen. Ich hatte schon oft miterleben müssen wie er vor Nervosität das große Zittern bekommen hatte, aber das hier war anders. Schlimmer. Und das zu allem Überfluss auch noch für beide Beteiligten. Dabei war ich sogar noch mit Schuld daran das es zu dem Zerwürfnis zwischen den Beiden gekommen war. Hätte ich sofort eingegriffen wäre es nie so weit gekommen. Ich musste offenbar mein Verhältnis zum Alkohol überdenken wenn ich nicht einmal mehr im Stande dazu war die Notlage eines Freundes als solche wahrzunehmen. Noch dazu ausgerechnet bei Marik, der doch eh schon so anfällig für Stress war.
Ich warf einen absichernden Blick zu meiner Gefährtin und meinem besten Freund rüber, die anscheinend im Aufbruch begriffen waren. Allerdings ließ Lexa es sich nicht nehmen sich zuvor noch einmal zu Marik und mir umzudrehen und einen Daumen in die Höhe streckte.
„Wenn es jemand schafft ist sie es,“ versicherte ich unserem Bassisten. Allerdings war ich mir diesbezüglich nicht so sicher wie ich vorgab, wusste ich doch um Bakuras Dickkopf wenn er sich einmal auf einen Gedanken versteift hatte. Mein Versuch ihn dazu zu bewegen doch noch einmal in Ruhe mit Marik über alles zu reden war jedenfalls kläglich gescheitert. Zu sehr hatte er sich bereits auf seine Schuldgefühle versteift, „kann ich dich kurz mit Duke und den Zwillingen alleine lassen? Ich muss kurz mit Tristan reden damit Lexa wieder zurückkommt, sollte sich dein Partner nicht gleich überzeugen lassen. Schließlich steht Ryou mir in Sachen Sturheit in nichts nach.“
Er sah zu den übrigen Bandmitgliedern rüber und nickte schließlich ergeben, ließ es sich allerdings nicht nehmen meinen letzten Satz zu kommentieren, „du glaubst also auch nicht daran das er zurück kommt.“
„Vielleicht nicht direkt heute. Wenn Lexa ihn ins Gebet nimmt wird er vermutlich erstmal einiges zum Nachdenken haben. Wenn er das getan hat wird er bestimmt nachgeben. Und jetzt entschuldige mich kurz,“ im weggehen drehte ich mich noch einmal zu ihm um, „wenn es dir zu viel wird komm zu mir in die Sicherheitszentrale. Vielleicht können wir von dort aus etwas von dem mitbekommen was Lexa Ryou zu sagen hat.“
Ich wollte grade den Raum verlassen als Tristan mir bereits in Joey’s Begleitung entgegen kam, „genau der Mann den ich sprechen wollte. Tris, ich hätte eine Aufgabe für dich. Oder besser gesagt gleich zwei  die sich mit einander verbinden lassen.“
„Schieß los, Kaiba. Wo drückt der Schuh?“
„Doch wieder bei der alten Anrede angekommen?“ merkte ich kritisch an, „ich dachte das hätten wir hinter uns gelassen.“
„Sorry, alte Gewohnheit,“ entschuldigte er sich, „wie kann ich mich nützlich machen?“
„Ich musste meinen Wagen am Studio stehen lassen, weil Ryou Befürchtungen geäußert hatte das sich eine bestimmte Person daran zu schaffen gemacht haben könnte,“ legte ich meiner Erklärung los, „dein Vater hat doch eine Werkstatt. Vielleicht könntest du ihn ja dazu bewegen seinen Abschleppwagen dafür zur Verfügung zu stellen.“
„Da sollte sich was machen lassen. Und was liegt noch an?“
„Lexa ist mit Ryou zum Studio gefahren und ich bräuchte jemanden der sie dort wieder einsammelt,“ ergänzte ich knapp, rechnete aber bereits mit der entsprechenden Gegenfrage, die auch sogleich kam.
„Warum muss sie denn dann abgeholt werden. Ryou kann sie doch…“
„Kann er, aber ich bin mir nicht sicher ob Lexa ihn dazu bewegen kann mit zurück zu kommen,“ unterbrach ich ihn, „Marik und er haben grade Probleme mit einander und Ryou versucht deshalb ihm aus dem Weg zu gehen.“
„Das klang gestern aber noch ganz anders,“ stellte er nachdenklich fest, „was ist denn… oh nein, doch nicht etwa wegen der komischen Aktion die Bakura sich gestern geleistet hat.“
„Doch, genau deswegen,“ bestätigte ich ihm, „Marik fand das ganze nämlich überhaupt nicht lustig.“
„So schlimm war es doch nun auch wieder nicht,“ lenkte er ein, weshalb ich mich zu einer Erklärung hinreißen ließ.
„Du kennst Marik’s ganze Vorgeschichte nicht, sonst würdest du es verstehen. Tatsache ist das es ihn zutiefst verunsichert hat das er Ryou nicht dazu bringen konnte vor versammelter Mannschaft zudringlich zu werden.“
„Okay, wenn das so ist sammle ich deine Frau zusammen mit deinem Wagen am Studio ein. Woran erkenne ich den Wagen denn?“
Mit dieser Frage brachte er mich zum Schmunzeln, „du kannst ihn garnicht verfehlen. Es ist das auffälligste Auto von denen die dort am Straßenrand stehen. Ich schätze du wirst den Schlüssel dazu brauchen.“
Ich zog meinen Bund aus der Tasche und löste den Autoschlüssel um ihn an Tristan weiter zu reichen, der mich mit einem Mal ungläubig ansah.
„Stimmt was nicht?“
Er nahm mir den Schlüssel ab, hielt ihn aber gleich darauf in die Höhe, „Eleanor?“
„Wie bitte?“ erkundigte ich mich verwirrt.
„Das hier ist unverkennbar der Schlüssel eines alten Ford Mustang,“ klärte er mich auf, „Fünfundsechziger Shelby GT? Spitzname Eleanor, aus dem Film ´nur noch sechzig Sekunden´. Das glaube ich einfach nicht! Der Wagen ist eine Legende!“
„Ja, aber ich bin nicht so Filmaffin. Mir gefiel einfach die Farbe.“
„Jetzt sag bloß noch das er original lackiert ist.“
„Weiß mit blauen Streifen. Warum ist das so wichtig?“ ich verstand beim besten Willen nicht was daran so besonders sein sollte.
„Die erste Shelby-Version des Mustang erschien 1965. Alle '65er Shelbys waren weiß lackiert, meist mit parallelen blauen Streifen von der Spitze bis zum Heck. Es gab auch Türschwellerstreifen mit dem GT350 Schriftzug. Der Motor war ein modifizierter K-code 289HP Windsor V8 mit speziellen ´Cobra´ Ventilabdeckungen, tri-Y Krümmern, ein spezieller Ansaugkrümmer und Holley Vergaser erhöhten die Leistung von 271 auf 306 PS. Scheiß auf die Dusche, ich will den Wagen mit eigenen Augen sehen!“
Mit diesen Worten drehte er sich um und war im nächsten Moment aus dem Haus verschwunden. Ich sah Joey fragend an, „hast du eine Ahnung was das grade war?“
Dieser setzte ein breites Grinsen auf, „ich hätte dich vielleicht warnen sollen, dass Tris eine Schwäche für Oldtimer hat. Insbesondere für diesen Speziellen.“
„Aha!“ damit war ich nicht wirklich schlauer als zuvor, aber zumindest schien ich beim Kauf meines Wagens irgend etwas richtig gemacht zu haben. Und es erklärte zumindest Lexa’s eigenartige Reaktion als sie meinen Wagen zum ersten Mal gesehen hatte.
Während meines Gesprächs mit Tris hatte ich allerdings nicht mitbekommen was bei den anderen Vier vor sich ging, weshalb ich erst im letzten Moment realisierte das Marik mit ungewöhnlich bleichem Gesicht auf mich zu eilte.
„Ich muss hier raus. Ich pack das einfach nicht!“
„Dann komm mit mir,“ bot ich ihm erneut an, „wenn du willst kannst du drüber reden und wenn nicht leistest du mir einfach Gesellschaft. Schließlich weiß ich wie es sich anfühlt von der geliebten Person getrennt zu sein.“
„Wie hast du das bloß sechs Jahre lang ertragen können? Für mich ist es ja jetzt schon unerträglich wo Baku doch bloß in einem anderen Teil der Stadt ist,“ erkundigte es ich niedergeschlagen bei mir während er mir zur Sicherheitszentrale der Villa folgte.
„Mit vielen melancholischen Anfällen und der Verständnis meines besten Freundes,“ eröffnete ich ihm, „so dankbar ich Atemu bis heute noch dafür bin das er mir geholfen hat als Gozaburo mich vor die Tür gesetzt hatte, aber er hätte nie die selbe Geduld für meine Stimmungsschwankungen aufbringen können wie Ryou es getan hat. Er hat mir das Gefühl gegeben als wisse er genau was in mir vorgeht.“
„Was mit großer Wahrscheinlichkeit sogar der Fall war,“ gab er zu bedenken.
Ich sah ihn überlegend an wobei mir die Bilder seines Rückens, sowohl die blutige, entzündete Variante des Photos als auch der Anblick seiner zwar verheilten aber völlig vernarbten Haut,  in den Sinn kamen, „stimmt. Er hatte dich ja auch schon einmal verloren.“
„Hmmm,“ stimmte er mir brummend zu während ich ihm die Tür aufhielt, „ich kam mir damals genau so verloren vor wie jetzt. Schließlich hatte ich ihm unendlich viel zu verdanken. Hab ich heute ja immernoch. Aber ich Idiot habe ihm wegen der gestrigen Aktion Vorwürfe gemacht und ihn damit vertrieben.“
Er ließ sich bedrückt in einen der Bürostühle sinken während ich in dem zweiten Platz nahm.
„Mach dich deswegen nicht fertig, Marik. Ich trage auch eine Mitschuld daran, dass es soweit gekommen ist weil ich die Situation unterschätzt habe. Ich hätte viel eher eingreifen müssen, aber ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht wie sehr dich sein Verhalten verunsichern könnte,“ versuchte ich ihm wenigstens einen Teil seiner negativen Gedanken zu nehmen, „du solltest also auf mich sauer sein statt auf ihn, weil ich hätte wissen müssen wie anders er sich unter Alkoholeinfluss verhält.“
Er sah mich mit einem traurigen Lächeln an, „warum sollte ich, schließlich ändert sich dadurch nichts an der Tatsache, dass er meinetwegen weg ist. Baku’s Ansage vorhin war schließlich klar. Er will nichts mehr mit mir zu tun haben, sonst hätte er doch nicht angekündigt die Band verlassen zu wollen.“
„Und das hast du ihm abgekauft?“ gab ich stirnrunzelnd zurück, „wenn du ihm das geglaubt hast musst du noch sehr viel über ihn lernen. Ryou hat ein extrem schlechtes Gewissen wegen dem was passiert ist und glaubt dich durch den Vorfall verloren zu haben. Deshalb hat er diesen Unsinn von sich gegeben. Dabei hat er allerdings einen wichtigen Faktor aus den Augen verloren.“
„Und welcher ist das?“ warf Marik skeptisch ein.
„Ist das nicht klar?“ erwiderte ich schmunzelnd, „als mein Bodyguard ist er dazu verpflichtet an meiner Seite zu bleiben wenn ich es von ihm verlange. Er könnte sich also garnicht davor drücken dir gegenüber zu treten. Allerdings würde ich diese Trumpfkarte nur im absoluten Notfall ziehen und dir statt dessen lieber einen gut gemeinten Rat geben.“
„Und welcher wäre das?“ erkundigte Marik sich ergeben bei mir.
„Ich weiß wie viel euch Beiden an einander liegt und das er ebenso viel Angst davor hat dich zu verlieren wie es umgekehrt bei dir der Fall ist. So lange ihr euch nicht aussprecht wird er bei seinem unsinnigen Entschluss bleiben, deshalb solltest du den ersten Schritt machen und auf ihn zugehen. Geh zu ihm, rede mit ihm, findet gemeinsam einen Weg um zusammen zu bleiben. Aber warte nicht zu lange damit sonst kommt er wirklich noch auf dumme Ideen von denen selbst ich ihn nicht abhalten könnte.“
„Solche wie bei dir seine Kündigung einzureichen und mit dem verdienten Geld irgendwo ein neues Leben anzufangen?“ hakte er besorgt nach.
„Genau solche meine ich,“ bestätigte ich ihm. Die Tatsache, dass ich Ryou annähernd den selben Rat mitgegeben hatte behielt ich allerdings für mich, denn mein bester Freund hatte nicht annähernd so aufgeschlossen darauf reagiert wie Marik es grade tat. Es war für mich offensichtlich gewesen das  er befürchtete eine weitere Abfuhr von Marik zu bekommen. Selbiger schien für meine Worte wesentlich empfänglicher zu sein, obgleich ich bei ihm immernoch eine gewisse Nervosität ausmachen konnte, wie seine folgende Aussage bewies.
„Ich weiß nicht ob ich mich dem schon gewachsen fühle.“
Aber ich weiß es, weil du sonst nicht dazu bereit gewesen wärst dir meinen Rat anzuhören," ermutigte ich ihn erneut, „außerdem habt ihr doch alle mitbekommen was ich für einen Unsinn angestellt habe, nur weil ich der Meinung war mich der unverhofften Begegnung mit Lexa nicht stellen zu können. Ich hätte meinem Glück beinahe ein Ende gesetzt bevor ich begriffen hatte das ich einfach nur die mir gebotene Chance nutzen musste.“
„So wie Baku und ich grade dabei sind unser gemeinsames Glück auf’s Spiel zu setzen,“ schloss er aus meiner Erläuterung.
Ich nickte ihm bestätigend zu, „wie ich sehe hast du es verstanden.“
„Hab ich zu einem großen Teil deiner Frau zu verdanken,“ erwiderte er mit einem schrägen Grinsen, „sie ist nicht nur für dein Leben eine Bereicherung. Aber eine Frage habe ich trotzdem noch an dich. Warum hilfst du mir dabei mich mit Baku zu versöhnen?“
„Dafür gibt es viele Gründe, aber der Wichtigste von allen ist wohl das ihr einander braucht, auch wenn Ryou einen Fehler gemacht hat. Aber dein Wohl ist inzwischen das wichtigste für ihn, das darfst du nie vergessen.“
Er lehnte sich mit einem schlichten „danke!“ in seinem Stuhl zurück und schloss mit einem angedeuteten Lächeln auf den Lippen die Augen.
Unterdessen wandte ich mich endlich den Bildschirmen zu, verschaffte mir Zugriff auf die Studiokameras, starrte ungläubig auf die Monitore, griff nach meinem Handy und fragte mich warum es keinen Alarm gegeben hatte. Bei dem Versuch an das Telefonbuch zu gelangen wurde ich unerwartet mit einer Bildschirmsperre konfrontiert worauf ich lauthals los fluchte, „verdammte Scheiße! Das darf jetzt nicht wahr sein!“
Bei meinem Ausbruch schreckte Marik schlagartig wieder auf, „was ist denn los?“
Ich überging seine Frage, „hast du Tristan’s Nummer?“
„Nein, ich kenne ihn doch erst seit gestern. Warum fragst du?“ hakte er erneut nach.
„Weil Lexa im Studio ist. Und sie ist nicht allein. Aber sie hat mein Handy eingesteckt an Stelle ihres eigenen, auf dem grade der Alarm losgegangen ist,“ klärte ich ihn auf während ich aufsprang und in unseren vorläufigen Proberaum eilte.
Dort angekommen hielt ich mich nicht mit einer langen Vorrede auf weil jede Erklärung zu viel Zeit beansprucht hätte, widerholte statt dessen meine Frage, „hat einer von euch Tristans Nummer?“
„Ja, ich,“ kam es von den vier anwesenden Personen gleichzeitig zurück.
„Ich brauche eins eurer Handys! Sofort! Welches ist mir egal!“
Joey zog seines aus der Tasche, tippte kurz auf dem Display herum und reichte es mir, „ich habe seine Nummer bereits angewählt.“
Auch wenn es nicht lange dauerte bis er den Anruf entgegen nahm kam es mir vor wie eine Ewigkeit.
„Was gibt’s Joey?“
„Nicht Joey, Seto. Hast du deine Dienstwaffe dabei?“
„Ja, sicher. Warum fragst du?“
„Du musst sofort ins Studio! Ich werde dir von hier aus den Zugang ermöglichen. Beeil dich!“
Als ich zurück rannte folgen mir die Übrigen, da ich ihnen keinerlei Begründung geliefert hatte – und erbleichten unverzüglich als sie sahen was mich derart in Aufregung versetzt hatte.
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