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The First Time I Remember You

von Mrs K
KurzgeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Enjolras Grantaire
07.11.2020
07.11.2020
1
1.122
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Dieses Kapitel
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07.11.2020 1.122
 
Disclaimer: Die Figuren gehören nicht mir sondern sind Victor Hugos Verstand entsprungen. Ich verdiene kein Geld hiermit. Der Titel wurde inspiriert vom untenstehenden Webcomic.
Warnungen: (Temporärer) Charactertod, unerwiderte Liebe.
Sonstige Tags:  e/R, Konzept der Wiedergeburt, #IchDenkeNochImmerÜberDieseBeidenNach, e und r sind Apollo und Dionysos, Wiedergeburt-AU (?), Happy End (sozusagen), 1. Person Singular im Präsens.
A/N:  Entstanden: 06.11.2020. Titel und Inhalt sind inspiriert vom Webcomic  25 Lives von tongari.  Ich denke immer wieder an diesen Comic, so auch heute.  Ich weiß, dass die einzelnen Abschnitte teilweise arg kurz sind, aber ich wollte es nicht erzwungen in die Länge ziehen und habe es so gelassen. Außerdem gefällt es mir gut, dass die Abschnitte mit Fortgang der Geschichte immer länger werden.  Viel Spaß!   - K


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The First Time I Remember You  




I.

Als wir uns das erste Mal treffen glitzert dein Haar im Sonnenlicht und dein Lächeln bringt die Menschen dazu, an Wunder zu glauben.
Du bist blond, und du erwiderst meine Liebe nicht.
Ich bin schwach – auf mehreren Ebenen, ein bärtiger Rabe. Und du bist stark und schön.

Die Menschen nennen dich Achilles, Ich bin einfach nur Patroklos.

Ich sterbe für dich und es ist mein glücklichster Moment dieses Lebens


II.

Als wir uns das zweite Mal begegnen ist dein Haar braun, und ich fange deinen Blick ein. Mein Herz macht einen Sprung als ich merke, dass du mich anlächelst, mich ansiehst als wäre ich es wert, bemerkt zu werden.
Deine Haare sind braun und du scheinst meine Liebe zu erwidern. Ich brauche einen Moment um zu verstehen, dass du mich nicht wieder erkennst – aber das ist in Ordnung.
Deine Augen sind blau und wachsam, und es schmerzt als sie ein wässriges Grau werden, viel zu früh.

Die Menschen nennen dich Arjuna und sie glorifizieren mich, nennen mich Krishna. Es fühlt sich falsch an.

Es ist nicht fair, denn dieses Leben endet vorzeitig, und mein Herz stirbt bevor es seine Erlösung findet.

III.

Beim nächsten mal hasst du mich und ich denke, dass die Farbe deiner Haare überhaupt nicht von Belang ist. Du hasst mich und ich kann nicht aufhören, dich zu lieben.

Ich beginne zu glauben, dass dies mein niemals endendes Schicksal ist, um dich herumzukreisen wie ein Planet.
Es ist nicht wichtig, wie uns die Menschen nennen, denn wir treffen uns nur kurz, und ich bin nur halb anwesend, versteckt in den Schatten, dich beobachtend – sterbend, mit jedem Moment der uns weiter auseinander reißt.

Das Verständnis für die Liebe, welche ich für dich empfinde, entflieht mir, denn deine Augen sind tot und deine Hände sind kalt und stark, gnadenlos aber seltsam effizient.

Ich ängstige mich, aber ich sterbe voller Liebe, dennoch.

IV.

Als wir uns treffen und dein Haar wieder golden ist, du in roten Stoff gehüllt bist und von Patria und Freiheit sprichst, denke ich, dass du dich vielleicht an mich erinnerst.

Dem ist nicht so, und du liebst mich auch nicht.
Aber das ist in Ordnung, denn du liebst das Volk – und das ist mehr als ich jemals könnte.

Mein Verstand schweift oft zurück zu dem Moment, in dem ich dich erstmals entdeckt habe, und ich versuche zu erkennen, ob noch ein wenig Achilles in dir übrig ist. Manchmal denke ich, dass ich derselbe geblieben bin und sich nur das Beben der Zeit geändert hat, aber möglicherweise habe auch ich mich geändert. Ich werde nicht stets Grantaire bleiben, genauso wenig wie du niemals Achilles oder Enjolras bleiben wirst.
Zuviel Wein und jeder Hauch von Krieg geht erdenen Geschöpfen an die Substanz, egal wie oft die Kreatur bereits wiedergeboren wurde. Der Tod findet uns zu schnell, Chaos bricht über uns herein in zu raschen Schritten.

Dieses Mal stelle ich sicher, dass du in meiner Nähe bist als ich sterbe,  denn ich erwarte, dass du ebenfalls sterben wirst. Du magst nicht verstehen, was meine Augen dir sagen möchten, aber du ergreifst meine Hand und wirfst mir einen wertschätzenden und dankbaren Blick zu, und obgleich unsere sterblichen Hüllen vom Donner der Schüsse zerstört werden, singt meine Seele als ich unseren Tod willkommen heiße.

Ich treffe dich für eine sehr lange Zeit nicht wieder.

V.

Ich treffe dich für eine sehr lange Zeit nicht wieder.

Es ist eine furchtbare Sache, wenn so etwas passiert, aber ich hätte früher daran denken sollen. Ich habe dich als weinendes Kind getroffen, als stoischen Jüngling, beeindruckenden Erwachsenen. Einmal warst du sehr alt und ich war noch jung – doch ich habe dich dennoch geliebt, die Liebe zu dir eine Gewohnheit, welche mich erfüllt wie das Blut meine Adern.
Ich habe nur nie daran gedacht, dich nicht zu treffen könnte tatsächlich passieren. Als mir das jedoch bewusst wird, bringt mich das beinahe auf der Stelle um – aber ich fange mich und beginne, nach dir zu suchen.
Es dauert eine Lebenszeit voller Einsamkeit, Frustration und Verwirrung, und mein Antlitz ist noch düsterer und hässlicher als ich endlich akzeptiere, dass dieses Leben eines sein wird, in dem ich dich nicht treffen werde.

Nun ja.
Verliebt zu sein und auf den Tod zu warten fühlt sich anders an als verliebt zu sein und zu wissen, dass der Tod kommen wird. Es schmerzt und füllt einen mit freudiger Erwartung gleichermaßen.
Und ist so fürchterlich unnötig.
Ich bin keine Kreatur die sich leicht von etwas mitreißen lässt, nicht mehr.
Aber deine Gestalt erscheint vor mir, das Haar weiß und die Haut gezeichnet von sanften Falten. Du erscheinst vor meinen müden Augen, nimmst mir den Atem und bringst mich zum Fliegen, reißt mich mit dir.
Deine Augen sind blau, du hältst deinen Kopf stolz und blickst mich an, bringst jede Faser meines Seins zum Schmelzen.

“Hallo, mein Freund.”, sagst du, und ein ungläubiges Jammern möchte sich aus dem Gefängnis meiner Lippen befreien.
“Als wir uns das erste Mal trafen war dein Haar schwarz wie das Federkleid eines Raben, wie schwarze Kohle, und dein Lächeln hat Menschen ihre Sorgen vergessen lassen.”, erzählst du mir leise.
“Deine Haare waren schwarz, und du hast mich mehr geliebt als dein eigenes Leben, aber diese letzte Tatsache hast du erst am Ende desselben verstanden.”, fügst du hinzu.
“Du bist stärker als du denkst, und wunderschön – und ich bin derjenige der hunderte von Tode sterben musste und sich erst jetzt an die Person erinnert, die mir in diesen Momenten zur Seite stand.”, flüsterst du.

Da sind Tränen in deinen Augen, und dein Gesicht ist ein Spiegel meines eigenen.
“Erlaubst du es?”, fragst du dann, bietest mir deine Hand an.

Ich nehme sie.

Wir haben unsere Namen vergessen, da wir bereits so viele hatten – sie sind nicht mehr wichtig.
Wichtig ist, dass ich derjenige bin, der dich liebt. Und du bist derjenige, der meine Liebe erwidert.


~~~

Ende.  
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