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Ein Schicksalsschlag kommt selten allein | ESKSA

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Detlev Grün Ellen Bannenberg Emily Bannenberg Nikolas Heldt
06.11.2020
14.06.2021
58
121.322
20
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
06.11.2020 551
 
Spin Off zu H E L D T Staffel 4 Folge 10
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Nikolas

Ich habe mir gerade den Stapel an Kondolenzpost geschnappt, der an Frau Bannenberg adressiert war, als ich auf einmal das Klackern ihrer Absätze auf dem Linoleum - Boden des Präsidiums höre. Mit einer Mischung aus schlechtem Gewissen und Besorgnis drehe ich mich um und blicke direkt in ihre eisblauen Augen.
"Hi... Ellen."

Da steht sie, mit leicht geöffneten Lippen, Tränen in den Augen, von Kopf bis Fuß in schwarz. Selbst jetzt sieht sie wunderschön aus. Am liebsten hätte ich sie zur Begrüßung in die Arme genommen. Oder zum Trost. Oder einfach, um diese kalte Distanz zwischen uns zu überbrücken, um ihr wieder nah sein zu können.

Sie wendet den Blick nicht ab, macht aber auch keinen weiteren Schritt auf mich zu, sondern bleibt gut zwei Meter vor mir stehen und nickt mir zu.
Hastig rudere ich zurück. "Ähm... Frau Bannenberg. Was machen Sie denn schon hier? Ich hab erst nächste Woche mit Ihnen gerechnet..."
Ihre Lippen beben, als sie versucht, einen Ton heraus zu bekommen.
"Hallo He..Heldt!"
Nikolas, korrigiere ich 'meine Staatsanwältin' in Gedanken. Doch es ist zwecklos. Wir sind wieder bei Kommissar Heldt und Frau Staatsanwältin angekommen. Ich kann meine Enttäuschung nicht verbergen, lasse mutlos die Schultern sinken mache einen Schritt zur Seite.
Ellen bleibt wie versteinert stehen. Vielleicht ist sie nach nur vier Tagen Trauerzeit wieder hier, um mit mir über diese eine Nacht nach Stefans Tod zu Reden.

Mach dich nicht lächerlich, Nikolas, die Frau arbeitet hier und sie ist bestimmt aus rein beruflichen Gründen hier aufgetaucht, schnauzt mein schlechtes Gewissen mich an.

"Uns fällt Zuhause die Decke auf den Kopf", sagt sie seelenruhig: "Und Arbeit soll ja helfen."
"Aber ist das nicht ein bisschen früh?", weiche ich einer direkten Konfrontation aus.
Ellen räuspert sich: "Emy und ich, wir  ..." sie macht eine Pause und sieht mich traurig an. "Wir können uns ja nicht ewig verkriechen."
Ich schlucke. "Wie geht es Emily denn?"
"Sie hält sich tapfer, aber die Beerdigung ihres Vaters hat sie..." Ellen guckt auf den Boden, "hat sie schwer mitgenommen."
Außer einem verständnisvollen Nicken bringe ich nichts hilfreiches zustande. Gerade, als ich denke, meine Chance auf ein tieferes Gespräch mit Ellen verspielt zu haben, geht sie in Zeitlupe auf mich zu und streckte mir eine Hand entgegen.
Begriffsstutzig wie ich in diesem irritierenden Augenblick bin, will ich nach ihrer Hand greifen, doch ehe ich mich verseh, schnellt ihr Arm zurück.
"Meine Post, Heldt!" Ihre leisen Worte knallen wie Ohrfeigen gegen mein Trommelfell.
"Könnt ich dann jetzt bitte meine Post bekommen?"
"Klar... Ich dachte..." Zögernd rücke ich die schwarz-grau gestalteten Beileidsbekundungen heraus. "Das zieht einen doch nur noch mehr runter..."
Ohne ein weiteres Wort nimmt Ellen mir die Briefe ab und macht auf dem Absatz kehrt.

Und ich habe mal wieder nichts besseres zu tun, als ihr hinterher zu gucken, wie sie den Gang hinunter läuft und den Duft ihres Parfüms einzuatmen, der hinter ihr her weht. Resigniert schließe ich die Augen. Oh Ellen. Wie gut ich ihren Geruch inzwischen kenne. Und wie sehr ich ihn vermisst habe.
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