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Der rote Mercedes | DRM

Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
06.11.2020
14.06.2021
27
58.810
21
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17.02.2021 2.949
 
Am späten Nachmittag sitze ich mit Achmed in der Brennbar. Kurz, bevor ich auf ihn getroffen bin, habe ich mich dazu hinreißen lassen, Ellen eine Entschuldigungsnachricht zu schicken und nun sitze ich auf glühenden Kohlen, wann und was sie wohl antworten wird. Ich hoffe nur, Achmed ignoriert es, dass ich alle zwei Sekunden mein Handy checke. Doch der ist entspannt, lehnt locker über den Tisch, schüttet salzige Knabbereien in sich hinein und flirtet mit der Kellnerin.
Ich flirte nicht, mit niemandem, außer mit dem Gedanken, mehr zu trinken, als mir gut täte.
Achmed scheinbar nicht, dessen Augenmerk liegt mehr auf unserem Gespräch als auf der Flasche.
Mittlerweile ist mir sowohl unser neues zweites Wohnzimmer als auch mein neuer fahrbarer Untersatz immer sympathischer geworden. Beide geben mir das Gefühl, dass ein Neustart wirklich möglich sein könnte, wenn man die Vergangenheit loslässt und sich darauf einlässt, was die Zukunft so bringen mag. Ja, vielleicht besteht darin sogar eine Chance, mit der ich gar nicht mehr gerechnet hätte.
"Was denn los mit dir, Mann?" Ungeduldig schnippt Achmed mit den Fingern vor meinem Gesicht.
"Hm? Alles gut, ich war nur in Gedanken...", erwidere ich unwirsch und trinke einen Schluck Pils.
"In Gedanken? Aha... Nikolas, echt jetzt? Du bist die ganze Woche schon in Gedanken. Ist was mit deinem Date?" Er zieht mein Bier auf seine Seite.
"Date? Quatsch, sowas doch nicht! Der Einsatz heute früh ist schief gegangen, das war richtig scheiße!", weise ich seinen Verdacht von mir.
"Ah verstehe und jetzt ist dicke Luft mit deiner Staatsanwältin?", trifft Achmed den Grund für meine schlechte Laune auf den Punkt.
Ich habe keine Lust, weiter nach Ausreden zu suchen, also nicke ich und schnappe mir mein Bier wieder.
"Was ist das eigentlich mit euch inzwischen? Du kannst mir nicht erzählen, dass Frau Bannenberg nicht der ausschlaggebende Grund für die Trennung mit Julia war, das glaubt dir nicht mal Herr Grün." Achmed fixiert mich angestrengt.
"Haha, weißt du, was lustig ist?”, beginne ich. Auf einmal habe ich das dringende Bedürfnis, mit Achmed über Ellen, deren Vorname ich mittlerweile wieder problemlos denken kann, zu sprechen. "Grün hat mir damals selbst die Augen geöffnet, dass Julia nicht die Richtige für mich ist."
Achmeds Grinsen wird breiter. Also gibst du zu, dass ich Recht habe?"
"Jaa, Achmed, okay, hast du. Seit dieser Nacht damals bekomme ich sie einfach nicht aus dem Kopf, egal, was ich tue."
Verwirrung zeichnet sich auf Achmeds Gesicht ab. "Welche Nacht?", fragt er mit großen Augen.
"Wir hatten nur eine gemeinsame Nacht, damals, kurz nachdem Stefan gestorben ist, aber danach hat sie es als Fehler bezeichnet, dass wir uns so nahe gekommen sind, und dann haben wir uns wieder voneinander entfernt." Ich hebe die Achseln. So war es, auch wenn die Wahrheit nach wie vor schmerzhaft ist.
"Mensch, deswegen war die so besorgt, als du kurz danach von Herbst entführt worden bist." Achmed gestikuliert wild mit den Händen, sodass ich bereits Angst um mein Bier kriege. "Was, wie kommste darauf?" Unauffällig überprüfe ich mein Handy. Keine Antwort von Ellen.
"Du, deine Frau Bannenberg hat Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um dich wieder zu finden, nachdem du an dem Abend nicht im Carlos aufgetaucht bist." Ertappt blickt Achmed sich in der Brennbar um.
Wahrscheinlich fühlt er dasselbe wie ich, dass wir Carlo verraten haben.
"Die hatte 'ne scheiß Angst um dich, das kannst du mir glauben. Und ich dachte mir danach immer, ob du blind bist, dass du das nicht gesehen hast - also wie wichtig du ihr bist - und stattdessen was mit Julia angefangen hast."
Das wusste ich gar nicht, niemand hat mir im Nachhinein auch nur ein Wörtchen von Ellens Sorge verraten, doch ehrlich gesagt war ich nach Carlos Nachricht, dass Herbst mein leiblicher Vater sei, auch so durch den Wind, dass ich nicht mehr wirklich aufnahmefähig war in den darauffolgenden Tagen. Trotzdem rührt es mich, es jetzt aus Achmeds Mund zu erfahren, wie sehr Ellen sich um mich gesorgt hat.
Schuldbewusstes Nicken ist alles, was mir bleibt. Und ein Geständnis, das meine Strafe morgen vielleicht mildern wird. "Sie ist richtig sauer auf mich, weil ich sie vor Grün auflaufen hab lassen, ... also aus Versehen. Ich wollte das gar nicht, mir ist das mehr so ... rausgerutscht ... Aber er fand das nicht so lustig und das wiederum fand sie nicht so lustig und joa... Ich bin der letzte, der heute irgendwas lustig finden kann", fasse ich meinen Tag kurz zusammen, bevor ich wieder aufs schwarze Smartphone Display linse.
"Ah, alles klar und jetzt fragst du Achmed, den Frauenversteher, um Rat, wie du bei deiner schönen Chefin wieder landen kannst?" Er zwinkerte mir neckend zu.
"So in etwa..." Ich lege mein Handy beiseite, beuge mich über den Tisch und knuffe ihn leicht in die Seite. "Komm schon, du bist doch der Mann, dem die Frauen vertrauen, hast du nicht vielleicht ein paar Tipps? Ich fahr morgen mit ihr und ein paar Kollegen aus dem Pott auf so ein abgelegenes Schloss, das ist doch eigentlich die perfekte Gelegenheit..."
"Du meinst weit weg von euren Kollegen damit die nicht gleich ihre Spürnasen aktivieren?"
"Du verstehst mich, Mann!" Erheiterung tritt ein, als wir uns erneut zuprosten.
"Dein Problem ist, Nikolas, dass du einfach nicht in die Offensive gehst. Ich kenn Frau Bannenberg jetzt schon ein bisschen länger. Mann ich glaub's nicht, dass ihr es in fünf Jahren immer noch nicht geschafft habt, oder wie lang kennt ihr euch jetzt schon?" Achmed schaut mich mit einer gewissen Fassungslosigkeit in den Augen an.
"Jupp, kommt ungefähr hin...", bestätige ich sachlich. "Aber du kannst mir nicht vorwerfen, ich hätte es nie versucht, aber unser Timing ist einfach beschissen!"
"Euer Timing? Mann ey, du hast sie sitzen lassen, um deine Eltern zu rächen, du hast sie ohne eine Erklärung einfach ein halbes Jahr verlassen, Frauen merken sich sowas!"
"Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut hab, damals", gebe ich ihm Recht. "Aber ich hab mich verändern. Ich will das mit ihr jetzt! Ich will sie, wirklich."
"Hm..." Achmed fixiert mich nachdenklich, während er mit dem Daumen an der Bierflasche entlangfährt. "Dann zeig ihr das. Du willst 'nen Rat von Onkel Achmed?"
Ich nicke. Den brauche ich wirklich. Ich hab seit einer Woche das Gefühl, bei Ellen nicht mehr weiter zu kommen. Sie blockt alles, was ich tue, komplett ab, nachdem ich sie zurück gewiesen habe aus Angst, es könnte eine Intensität erreichen, die ich nicht aushalten würde.
"Also Nikoals, folgendes...", beginnt Achmed mir einen kugelsicheren Plan für das kommende Wochenende zu präsentieren.

Ellen

Nach dem Dienstschluss begrüßt mich mein leeres Haus erneut mit gähnender Leere und - trotz sommerlichen 25 Grad - eisiger Stille. Dass Emily mich aufgrund meines ausgeschalteten Handys nicht erreichen kann, trägt sein Übriges dazu bei. Das Teil würde mich jetzt gerade eh nur ablenken. Wahrscheinlich würde ich tausendmal nachsehen, ob Nikolas mir vielleicht etwas geschrieben hat, sich vielleicht entschuldigt oder mir einfach nur so schreibt, aber ohne Akku, keine Chance.

Ohne großen Umweg begebe ich mich direkt in mein Ankleidezimmer und lege mir einen schicken lachsfarbenen Hosenanzug für Sonntag raus. Am Tag des Dinners selbst lautet der Dresscode White tie, ich werde also mein wunderschönes schwarzes Abendkleid zu diesem Zwecke bemühen. Es ist am Hals relativ hochgeschlossen, legt dafür aber dank eines langen Seitenschlitzes den Fokus eindeutig auf meine Beine, betont also definitiv die Vorzüge einer 1,74 m großen Frau mit 12 cm Absatz-Schuhen. Ich glaube, mein Lieblingskollege wird nicht darum herum kommen, große Augen zu machen. Wieso mussten wir uns heute schon wieder streiten? Ich frage mich, ob die Anziehungskraft, die zweifelsohne zwischen uns herrscht, auf Dauer stärker sein wird als unsere ständigen Zankereien. Warum bin ich scheinbar grundlos sauer auf ihn? Doch nicht nur, weil er sämtliche Dates vergangene Woche, vor allem den magischen Moment gestern Abend in den Sand gesetzt hat? Bin ich nur deswegen so unausstehlich, weil ich den Prozess verloren habe gegen diesen Frauenschläger? Weil ich die Kontrolle verloren zu haben scheine, über die Anklage, über die Zeugen, über meine Verhandlungsstrategie, über meine Arbeit, über Nikolas über... Bisher habe ich mir immer verboten, an Heldt mit seinem Vornamen zu denken. Wieder aus Angst, die Kontrolle zu verlieren. Wie schon damals im Pool bei unserem ersten Kuss. Habe ich nicht eigentlich immer Angst davor, ihn so weit in mein Leben zu lassen, dass er unmöglich wieder daraus entfernt werden könnte? Habe ich nicht nur Angst vor dem Verlust meiner Kontrolle über mein Leben sondern vor dem Verlust der Kontrolle über meine Gefühle, mein Herz, mich selbst. Habe ich Angst davor, meine Eigenständigkeit zu verlieren?
Ich weiß, wer ich bin und was ich kann, ich stehe mit beiden Beinen im Leben, manage Beruf und Familie. Und Nikolas Eskapaden.
Die mich zwar beruflich in Lichtgeschwindigkeit auf 180 bringen, für die ich Nikolas privat aber in den meisten Fällen insgeheim bewundere.
Welche Auswirkungen wird es auf mich haben, mich ihm emotional zu nähern, es zu versuchen, mich auf ihn einzulassen?
Mein Kopf dreht sich im Kreis, meine Gedanken rasen durch meinen Schädel.
Doch mit einem Mal sehe ich die Antwort auf all meine Fragen klar vor meinem inneren Auge:
Ich habe Angst davor, mich zu verlieren. Mich in Nikolas zu verlieren, nicht mehr zu wissen, wer ich bin und was er ist. Angst vor verschwommenen Grenzen, Angst vor dem Ungewissen, Angst davor, dass es unendlich schön beginnt und unendlich traurig endet.
Ich habe keine Angst, mich in ihn zu verlieben. Ich habe Angst, ihn zu verlieren.
Doch wie kann man etwas verlieren, das man gar nicht sein eigen nennen kann, das man gar nicht besitzen darf? Ich vertreibe all diese Gedanken wieder.

Mittlerweile ist mein Koffer für morgen fertig gepackt. Ich klappe ihn zu und stelle ihn in die Ecke meines Schlafzimmers, gehe ins Bad, ziehe mich um, mache mich für morgen fertig und packe meinen Waschbeutel für die Nacht auf dem Schloss. Dann bin ich fertig. Mit Packen. Fertig mit diesem Tag, fertig mit diesem Abschnitt meines Lebens.
Hundemüde falle ich in die Federn. Doch kaum liege ich in meinem Bett, kann ich nicht einschlafen. Der Prozess und der misslungene Schleppereinsatz lassen mich nicht los. Immer wieder spiele ich in Gedanken durch, wie unsere Niederlage hätte vermieden werden können. Nach der Klatsche heute habe ich eigentlich absolut keine Lust auf das Teambildung-Seminar mit den beteiligten Kollegen aus Essen und Duisburg. Wie wird es sein, morgen auf dem Schloss? Werden Heldt und ich unsere Differenzen beigelegt haben, bis wir dort eintreffen?
Heldt. Kaum sind meine Gedanken bei ihm angekommen, spüre ich erneute Frustration in mir aufsteigen. Darüber, dass wir einfach nicht zu Potte kommen. Darüber, dass wir ein Treffen nach dem anderen in den Sand setzen. So langsam aber sicher, bleibt mir nur eine Möglichkeit. Ihn damit zu konfrontiertieren, dass ein anderer Mann mein Interesse geweckt haben könnte. Und ich habe auch schon eine Idee. Ist morgen nicht auch dieser Dr. Pringel, der Staatsanwalt aus Essen, eingeladen? Laut Hörensagen ist er ein richtiger Weiberheld, in Verbindung mit diesem Wissen sollte es mir doch möglich sein, etwas mit Pringel zu flirten und Heldt so aus der Reserve zu locken. Seine Eifersucht, ein paar flirtende Blicke meinerseits - natürlich abwechselnd zu Pringel und zu meinem Teampartner - sollten, gepaart mit dem Anblick meines schwarzen Abendkleides, definitiv zum gewünschten Ergebnis führen.
Doch noch ist es nicht soweit, noch kreisen meine Gedanken in dieser Nacht, während ich allein in meinem Bett liege, einzig um Nikolas Heldt. Ich vergrabe mein Gesicht in den Kissen und male mir aus, was passiert wäre, hätte Nikolas seinen roten Mercedes gestern Nacht auf der Rückfahrt einfach in irgendeinem Waldstück geparkt.
Ich stelle mir bildlich vor, wie sich unsere Gesichter näher kommen, während im Hintergrund Kiss von Prince läuft. Die Melodie hat sich von ganz allein in meinen Kopf geschlichen. Mein Atem beschleunigt sich bei dem Gedanken an seine Fingerspitzen an meinem Kinn, seinen Lippen, die mir ohne zu zögern näher kommen, aber doch so langsam, dass ich mich darauf konzentrieren kann, wie die Vorfreude auf unseren Kuss das Blut in meinen Adern stärker pulsieren lässt.
Ich spüre, wie ich auch im Hier und Jetzt deutlich zu schwitzen beginne. Mein dunkelblaues Baumwoll-Nachthemd ist ohnehin viel zu dick. Das schöne Schneeweiße aus Satinstoff mit dem Spitzenbesatz liegt an unterster Stelle in meinem Koffer für morgen. Morgen, wenn Nikolas...
Meine Gedanken kehren in meinen Wachtraum zurück.
Allein die Vorstellung, wie seine rauen Hände meinen schwarzen Rock, den ich gestern bei unserem Dinner-Date getragen habe, nach oben schieben, während ich auf ihm auf der Rückbank sitze, verpasst mir eine Gänsehaut am gesamten Körper. Wie er mich leidenschaftlich küsst, während unsere Finger damit beschäftigt sind, das Hindernis, welches unsere Kleidung zwischen uns bildet, zu beseitigen, lässt es mir eiskalt und glühend heiß den Nacken hinunter rieseln.
Seine Hände in meiner Vorstellung werden zu meinen Händen in der Realität, Nikolas' Berührungen in seinem roten Mercedes in meiner Fantasie werden zu meinen eigenen,  hier, in meinem Bett, doch meine geschlossenen Augen sehen nur ihn, während ich mich in meinem Kopfkino verliere und seufzend seinen Namen ausatme.  

Nikolas

Inzwischen ist es dunkel geworden, ich sitze nicht mehr Achmed gegenüber in der Brennbar, sondern stehe allein unter der Dusche. Man merkt echt, dass es langsam Sommer wird. Die Temperaturen steigen und steigen, aber leider nicht, was Ellen und mich betrifft. Da herrscht nach wie vor Eiszeit. Bevor ich ins Bad gegangen bin, habe ich mein Handy gecheckt, ob sie vielleicht auf die SMS von mir geantwortet hat.
Hat sie nicht.
Wahrscheinlich hat sie sie nicht mal gelesen. Will sie überhaupt noch, dass ich sie morgen mitnehmen? Oder lässt sie sich am Ende noch krank schreiben, um dieser Farce zu entkommen? Zuzutrauen wär's ihr eigentlich nicht. Ellen ist dermaßen pflichtbewusst und außerdem würde sie mich nie hängen lassen, also wird sie sich morgen wahrscheinlich zusammenreißen und gute Miene zum bösen Spiel machen.
denkt darüber nach, wie es wohl morgen auf dem Schloss wird, wenn Ellen sauer ist.
Während ich aus der Dusche steige und mich abtrockne, denke ich über Achmeds Ratschläge nach. Ich soll auf Tuchfühlung gehen, Ellen beim Krimi-Dinner wie ein waschechter Gentleman umgarnen, ganz die alte Schule, Komplimente, aber bloß keine versteckten, Tür-Aufhalten, Jacke abnehmen, Vortritt lassen, am besten noch Blumen mitbringen oder Schokolade. Blumen fände ich übertrieben, zumal die dann letzten Endes im dem Schloss bleiben würden. Eigentlich hat er nur das ausgesprochen, was ich sowieso vorhatte, aber am besten hat mir noch Achmeds Geheimtipp gefallen. Ich bin sehr gespannt, ob es mir morgen gelingen wird, den umzusetzen, oder ob Ellen intervenieren wird.
„Wenn ihr freie Zimmerwahl habt, dann musst du eins neben ihr nehmen, klar?“
Ich habe neugierig genickt.
„Und dann besuchst du sie unter irgendeiner fadenscheinigen Erklärung, wenn du dir sicher bist, dass sie noch wach ist und kümmerst dich um ihre Sicherheit und tust so, als müsstest du sie beschützen, das kriegst du hin oder?“, ist Achmed fortgefahren.
„Hmhm... ob das klappt...“
„Hey, ein bisschen mehr Enthusiasmus, mein Freund!“, hat Achmed versucht, mir Mut zu machen. „Das ist die Gelegenheit! Wenn du die versemmelst, dann kriegst du so schnell keine Neue!“
„Mann Achmed, das weiß ich auch!“
„Du willst sie doch, oder? Also nicht nur für eine Nacht, sondern so richtig, dass das mit euch endlich mal was Ernstes wird!“
„Und was mach ich, wenn sie nein sagt? Ellen war heute total sauer, vergiss das nicht!“
„Nikolas! Sie wird nicht Nein sagen. Sie ist nur sauer, weil du's bis jetzt nicht auf die Reihe gekriegt hast, glaub mir, deine Ellen ist nicht wirklich sauer, sondern frustriert. Würde mich nicht wundern, wenn dein Handy, dass du gerade dauernd checkst, heute Nacht stumm bleibt. Das ist Frauentaktik. Die will dich aus der Reserve locken, will, dass du dir richtig Mühe gibst, damit sie sich nach eurem ganzen Hin und Her sicher sein kann, dass du auch Interesse an ihr hast.“
„Mhm, vielleicht hast du Recht.“
„Ich hab nicht nur vielleicht, sondern ganz sicher Recht! Du musst echt mal über deinen Schatten springen und ihr deine Gefühle zeigen, sonst wird das in diesem Leben nichts mehr. am Ende verlierst du sie noch an jemand anderen“, wiederhole ich Achmeds letzten Satz zum Thema Ellen aus dem Gedächtnisprotokoll.
Mein bester Kumpel hat ja Recht! Es kann so einfach nicht weitergehen. Mein Entschluss steht fest. Morgen auf diesem Schloss ist es soweit, das schwöre ich mir. Komme was wolle, ich werde auf alle Eventualitäten scheißen und endlich den letzten Schritt auf meine Staatsanwältin zu machen.

Mittlerweile liege ich im Bett, meine Sachen für morgen werde ich vormittags, bevor wir losfahren, noch schnell zusammen packen, heute bin ich dafür echt zu fertig, vor allem nach diesem aufwühlenden Gespräch mit Achmed in der Brennbar. Ich drehe mich herum, stelle mir vor, wie es wäre, jetzt Ellen im Arm zu haben, ihren Duft einzuatmen, durch ihre Haare zu streicheln, mein Gesicht an ihren Schultern zu vergraben, ihr tief in die Augen zu sehen, sie an mich zu ziehen, sie zu küssen, das zu tun, was ich mir am Anfang der Woche, als sie hier neben mir lag, verboten habe, sie anzufassen, sie festzuhalten, sie einfach nur um mich zu haben, würde mich glücklich machen. Vielleicht, mit etwas Glück, einer gehörigen Portion Mut und viel gutem Willen ist es vielleicht in weniger als 24 Stunden so weit. Mit diesem tröstlichen Bild vor Augen schlafe ich ein.
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