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Der rote Mercedes | DRM

GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Ellen Bannenberg Nikolas Heldt
06.11.2020
14.06.2021
27
58.810
21
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06.11.2020 958
 
POV NIKOLAS

Korthi steht mit seinem Fahrrad unter der Überdachung des Präsidiums. Als er mich sieht, kommt er sofort auf mich zu. "Hey Nikolas! Ohmann, Dr. Holle hat schon Bescheid gesagt, was passiert ist. Tut mir Leid mit deinem Auto." Mitfühlend fasst er nach meinem Arm.
"Ach, ..." Ich winke entmutigt ab. "Noch Lust auf n Feierabend Drink?" Ich brauch jetzt echt was Gesellschaft, sonst kehren meine Gedanken nur zu meinem schwer verletzten Wagen zurück."
"Nee, heute ist doch Mittwoch, da mach ich mit meiner Mutter immer den Wocheneinkauf", entschuldigt Korthi sich verlegen.
"Na dann... Grüß sie mal schön von mir", erwidere ich resigniert.
"Jo, mache ich! Tschau!", verabschiedet er sich und schon düst er mit seinem Fahrrad los.

Kaum ist Korthi verschwunden, laufen mir
Ellen und Grün entgegen. Als sie mich erreicht, bleibt sie stehen und streicht über meinen Rücken: "Herr Heldt, geht's Ihnen gut?" Sie blickt zu Grün und mir hinüber und ihr Arm sinkt.
"Naja." Ich schaue erst auf den Boden, dann sie abwesend an: "Wenn Sie mein Auto sehen würden..."
Sie nickt mitfühlend, wir wechseln einen Blick, ehe Herr Grün sich zu Wort meldet: "Ihr Gefährt ist den Herausforderungen des modernen Straßenverkehrs nicht mehr gewachsen. Wie häufig habe ich ihnen das schon predigen müssen, Herr Heldt?" Er sieht mich vorwurfsvoll an.
"Mhm. Vielen Dank auch für die Anteilnahme!" Ich räuspere mich genervt.
Ellen schaut betreten zur Seite, sie möchte wohl etwas sagen, entscheidet sich dann aber doch, zu schweigen und zu warten.
Grün hat den Wink mit dem Zaunpfahl immer noch nicht verstanden. "Aber, sehen Sie's positiv, Sie können einen neuen Dienstwagen beantragen. Wünsche allerseits ein bekömmlichen Feierabend." Endlich nickt er uns zu und wendet sich schließlich ab.

Ellen ruft Grün noch hinterher: "Danke, Ihnen auch, Tschüss!" Dann dreht sie sich zu mir um und sieht mich verständnisvoll an. "Also mir tut das schon sehr leid mit Ihrem Auto, ich mein, ich weiß ja, wie sehr Sie daran gehangen haben."
Ich wippe leicht vor und zurück: "Hey, Sie sprechen ja schon in der Vergangenheit. Alis Autoschrauber kriegt das schon wieder hin, der hat schon ganz andere Sachen wieder hingekriegt."
"Klar, also bestimmt..." Ellen will mich offenbar aufmuntern, aber sie klingt nicht gänzlich überzeugt.
Kurzerhand beschließe ich, mein Glück bei ihr zu versuchen.
"Hm... vielleicht könnten Sie mir noch bei nem Drink Gesellschaft leisten? Ich fühl' mich irgendwie doch ganz schön traumatisiert", wage ich einen Versuch, sie aus der Reserve zu locken.
Ellens Schultern sinken nach unten, als sie seufzend ausatmet. "Also normalerweise immer gern, aber ich bin in mit meiner Nachbarin zum Kino verabredet und aus der Nummer komme ich echt nicht mehr raus, leider." Sie sieht mir entschuldigend in die Augen, ihr Blick springt von einer Seite zur anderen.
Ich zucke mit den Schultern, denke nicht groß über ihre Absage nach, sondern probiere es ein weiteres Mal: "Vielleicht kann ich ja mitkommen. Was schauen Sie denn, was Spannendes?"
Ellen sieht mich immer noch mit ungewohnter Intensität an. "Nee, Romantic Comedy, ich glaub, da steh'n Sie nich so drauf."
Fordert sie mich heraus? Ich kann mir ein kurzes Lachen nicht verkneifen. "Wieso eigentlich nicht, das hab ich schließlich auch jeden Tag hier mit Ihnen, auch wenn ich mir manchmal mehr Romantik und weniger Comedy wünschen würde." Ellen schweigt, sieht mich überrascht, fast erschrocken an an. Bin ich zu weit gegangen? Vorsichtshalber lasse ich meinen  Blick leicht abschweifen.

Sie hört sich immer noch irritiert an, als sie kurz darauf das Wort ergreift: "Sagen Sie..." Sie zeigt erst auf mich. "Flirten Sie gerade", dann auf sich selbst: "mit mir?" Sie neigt sich ein gutes Stück nach vorne und ihre Augen werden groß, als sie mich anguckt.
"Was?" Ertappt weiche ich ihr aus. Mist, meine schöne wie kluge Staatsanwältin hat mich durchschaut. "Nee, natürlich nicht", versuche ich mich aus der Affäre zu ziehen.
"Klar..." Sie reckt ihr Kinn nach vorne. "Das...  war jetzt auch nur so 'n Gefühl." Abwesend guckt sie durch mich hindurch.
"Das muss der Schock sein, weil, wir flirten ja auch gar nicht mehr miteinander...", verhaue ich meine Chance endgültig, woraufhin Ellen resigniert den Kopf schüttelt und einen verneinenden Laut von sich gibt.
Vorsichtig schiebe ich ein "Oder?" nach, in der Hoffnung, dass sie nun darauf eingeht und meinen verpatzten Versuch rettet.
Nein, selbstverständlich nicht!", schießt es wie aus der Pistole aus ihr heraus. Jetzt schwankt auch sie leicht vor und zurück, in meine Richtung, als wäre sie gern näher bei mir als es tatsächlich der Fall ist. "Ja dann ähm... Treffen wir uns gleich im Kino. 18:15 Uhr?"
Ich lächle in mich hinein. Ein Date mit Ellen. "Soll ich Sie abholen?"
Ellen grinst. "Mit welchem Auto denn, Heldt?"
"Oh... Stimmt ja..." Bedrückt erinnere ich mich an den Unfall. "Könnten Sie mich vielleicht..."
Ellen strahlt mich mit ihrem 1000-Watt-Ellen-Lächeln an und nickt. "Natürlich. 18 Uhr. Aber Sie müssen leider hinten sitzen, meine Nachbarin kommt wie gesagt auch mit." Sie zwinkert mir zu.
"Oui, mon général, 18 Uhr!"  Gut, ein Date mit Ellen und ihrer Nachbarin.
Lächelnd geht Ellen an mir vorbei, überquert den Hof und wenige Minuten später schießt ihr silberner Mercedes an mir vorbei. Ich blicke ihr nach, kann mein Glück kaum fassen und freue mich auf ein wenig private staatsanwaltliche Unterstützung.
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