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Das Fieber

von Jadda
GeschichteAbenteuer, Drama / P12 / Gen
Buck Wilmington Chris Larabee Ezra Standish Josaih Sanchez Nathan Jackson Vin Tanner
05.11.2020
17.11.2020
7
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05.11.2020 3.189
 
Mary fegte vor ihrem Ladenlokal den Staub weg, als Billy mit seinem Großvater ankam. Billy hatte einen großen Lolli in der Hand und Mary sah Oren strafend an. „Schau mal Mama!“

„Schimpf nicht mit mir Mary. Es ist ein Abschiedsgeschenk. Ich werde übermorgen wieder abfahren und in Red Hill nach dem Rechten sehen.“ Er setzte sich auf die Bank vor der Tür und Billy schmiegte sich schmatzend an ihn. „Ich werde euch vermissen. Vermutlich kann ich erst in zwei Wochen wieder hier sein.“

Sie lächelte gnädig und stellte den Besen zur Seite. Sie setzte sich an die Seite ihres Sohnes und ließ ihren Blick schweifen. Ezra und Buck saßen vor dem Saloon und lachten wohl über irgendetwas, was hinter ihnen passierte. Josiah zimmerte wie meistens an der alten Kirche und hatte schon vieles geschafft. Letzte Woche hatte Billy ihm beim Streichen helfen dürfen.

Vin und Chris waren irgendwo außerhalb der Stadt unterwegs und Casey und J.D. waren vorhin mit ihren Angeln kichernd an ihr vorbei gelaufen. Mary war froh mit Billy in dieser Stadt geblieben zu sein um das Werk ihres Mannes fortzusetzen. Es waren gute Menschen und sie war sich sicher Four Corners würde sich gut entwickeln.

Ein kleiner Junge kam aufgeregt auf sie zu gerannt und wedelte offensichtlich mit einer Depeche. Vor dem Richter blieb er stehen und überreichte sie ihm. „Mr. Owens vom Telegraphenamt hat gesagt, das kann nicht warten.“ Er wartete kurz und freute sich, als der Richter einen Penny aus dem Jacket kramte und ihm reichte. Aufmerksam las er die Nachricht und lies sie dann nachdenklich auf seine Beine sinken.

„Was ist los?“ Mary merkte gleich, dass etwas nicht stimmte.

„Ich werde vielleicht doch noch etwas hierbleiben.“ Er sah sie ernst an. „Das war der dortige Pastor. Er rät davon ab zu kommen.“ Er sah nachdenklich zur Straße, wo gerade ein paar Jungen entlang rannten. „In Red Hill ist das Fieber ausgebrochen.“

„Oh nein.“ Sie sah direkt mit Sorge zu Billy herunter, der nur auf sein Eis konzentriert war. „Auch in Red Hill? Es kommt immer näher.“

Sie hatte schon vor ein paar Tagen in ihrer Zeitung davon berichtet, dass in mehreren Städten westlich das Fieber um sich griff. Sie selbst hatte eine Epidemie als Kind miterlebt und damals einen kleinen Bruder verloren.

„Ja. Wir sollten vorsichtig sein und keine Fremden mehr in den Ort lassen. Der Postkutschenbetrieb wurde laut dieser Depesche schon eingestellt. Ich werden das mit Chris besprechen.“

„Der ist noch mit Vin unterwegs.“ Manchmal mussten die beiden Männer der Enge der Stadt und ritten zwei bis drei Tage raus. „Wir sollten mit Nathan sprechen.“

***

Chris und Vin hatten am alten Emerson Lake nahe der Postkutschenstraße gelagert und wollten heute die letzten Meilen in die Stadt zurücklegen. Vin hatte sein Pferd bereits gesattelt und kümmerte sich jetzt darum seine Gepäckrolle zu befestigen.

Chris schüttete den Rest des Kaffees in das noch immer glimmende Feuer. Das Wetter war warm und sonnig. Es würde ein angenehmer Ritt werden. Er hob seinen Sattel an und sah zu den Pferden und war verwundert, dass Vin dort nicht mehr war. Er machte ein paar Schritte nach links und sah ihn auf einem einem kleinen Felsen stehen und in das Tal hinab starren. „Was entdeckt?“

Die Frage erübrigte sich eigentlich und er folgte seinem Blick. Undeutlich konnte er Bewegung erkennen. Einen Wagen mit zwei Pferden. Sehr langsam. Details waren nicht zu erkennen. Vin ging zu seinen Satteltaschen und entnahm ihr sein Fernrohr. Er fixierte die Stelle und Chris sah, dass ihm nicht gefiel, was er sah. „Das ist Ellie McCormack.“

Die Farm der McCormacks lag ziemlich weit östlich der Stadt und Simon und seine Frau hatten Kinder. Nette Farmer, die seit etlichen Jahren hier lebten. Chris fragte sich, was Vin sah. „Es scheint ihr nicht gut zu gehen.“ Er reichte seinem Freund das Fernglas und wandte sich zu seinem bereits gesattelten Pferd zu und stieg auf. Chris reichte ihm das Fernglas. Ellie saß zusammengesunken auf dem Kutschbock und die Kutsche machte kaum noch Fahrt und war von der Straße abgekommen. Hier stimmte etwas ganz und gar nicht. „Ich komme gleich nach.“ Damit gab er dem Weißen von Vin einen Klaps und wandte sich den Resten ihres Lagers zu.

Er brauchte nur wenige Momente die restlichen Sachen auf dem Pferd zu fixieren und den Sattel festzuzurren und zog sich in den Sattel. Vin ritt vor ihm und hatte den Wagen wenige Momente später fast erreicht. Er zog sich auf den Kutschbock und griff nach den herabhängenden Zügeln und stoppte das Fahrzeug. Chris sah, wie er sich zu Ellie umwandte und sie ihm entgegen sank.

Chris sah wie Vin Ellie vorsichtig ablegte und dann auf dem Kutschbock stand und auf die Ladefläche starrte. Chris würde gleich ran sein und Vin rührte sich noch immer nicht. „Vin?“

Plötzlich wandte sich Vin Tanner zu ihm um und zog in der gleichen Bewegung sein Halstuch vor sein Gesicht. „Zurück!“

Chris bremste sein Pferd ab. „Bleib zurück Chris. Es... es ist vermutlich das Fieber.“

Chris zügelte sein Pferd und folgte Vins Beispiel und zog sein Halstuch hoch. Das Fieber. Chris ritt um den Wagen herum und warf einen Blick auf die Ladefläche. Jetzt war klar wo Simon und die Kinder waren. Er sah zu Vin auf, doch dieser schüttelte den Kopf. „Ellie schluchzte zu seinen Füßen auf. „Neiiin... ich … Simon hat doch...„

„Shhhh... Ellie. Wir bringen euch in die Stadt.“ Vin nahm sie an seine Seite und setze sich. Er sah Chris an. Ellie hatte ebenfalls das Fieber und brauchte Hilfe. Sie konnten Sie nicht hier lassen. „Ich fahre mit Ihnen. Reite vor und sag Nathan Bescheid.“

„Wir werden Sie von dem Rest der Bevölkerung abschirmen müssen.“ Chris griff nach den Zügeln von Vins Pferd und wandte sich ab. Er musste sich beeilen und so gab er seinem Pferd die Sporen.

***

Buck und Ezra saßen noch immer vor dem Saloon in der Sonne. Sie hatten gesehen, wie der Richter mit Mary mit ernsten Gesichtern hinauf zu Nathan gegangen waren, als dann auch noch Chris mit Vins Pferd im Schlepptau im hohen Tempo in die Stadt geritten kam und auch bei Nathan hielt, war ihn klar, dass hier etwas ungutes vor sich ging. Sie sahen sich an und stand zeitgleich auf und schritten über die Straße. Buck sah sich die Pferde an, Chris war scharf geritten.

„Was ist los Chris?“ Doch dieser stürmte sofort die Treppe hoch und ließ sie einfach stehen. Das trug nicht zu seiner Beruhigung bei und so folgten sie ihrem Freund auf den Balkon.

„Großer Gott!“ Marys nahm die Hand vor den Mund. Der Richter wandte sich an Chris. „Wie lange noch bis sie hier sind?“

„Vielleicht eine Stunde. Sie werden nur langsam voran kommen.“

Nathan kam jetzt durch die Unruhe vor seiner Tür hinaus. „Was ist los?“ Er sprach Buck aus dem Herzen.

„Wir haben die McCormacks in ihrem Wagen vor der Stadt entdeckt. Nur Ellie war noch am Leben.“

„Oh Gott die armen Kinder.“ Mary vergrub ihr Gesicht an der Schulter ihres Schwiegervaters.

„Vin meint, es wäre das Fieber. Er ist dort geblieben und bringt den Wagen her. Er wird direkt vor Stadt warten, bis wir uns überlegt haben, wie wir ihnen helfen und gleichzeitig die Stadt schützen können.“

Nathan machte ein ernstes Gesicht. „Wir müssen sie isolieren.“

Chris sah die Straße herunter und fixierte die alte Kapelle. Josiah schien gerade dabei einige der Fensterläden zu richten. Nathan folgte seinem Blick. „Das könnte gehen, die Kirche ist groß genug, falls es zu weiteren Fällen kommt.“ Er machte eine Pause. „Und damit sollten wir fest rechnen.“

„Ezra, Buck! Kommt mit, wir bereiten alles vor.“ Chris rannte die Treppe herunter. Nathan wandte sich an den Richter und Mary. „Ich suche hier alles zusammen was wir brauchen werden. Können Sie sich darum kümmern, dass wir genug Decken und Wasser in die Kirche kriegen. Und die Leute müssen informiert werden.“

„Sie werden in Panik geraten und sich einigeln oder verschwinden.“

„Vielleicht Mary. Bis dahin ist es wichtig, dass alle wissen, wie sie sich zu verhalten haben. Vielleicht könnten sie etwas drucken und überall verteilen.“

„Eine gute Idee. Was soll ich schreiben?“

„Jeder der sich krank fühlt soll sich isolieren. Außerdem müssen alle Erkrankten viel trinken und...“ Mary folgte ihm ins Haus.

Oren Travis blieb mit ernstem Gesicht auf dem Balkon stehen und sah auf die Stadt herab. Die Menschen hier wollten in Frieden leben und sich mit ihren Familien eine Zukunft aufbauen. In manchen Regionen hatten die Menschen irgendwann vor dem Fieber die Flucht ergriffen und Geisterstädte zurückgelassen. Er hoffte Four Corner würde dieses Schicksal erspart bleiben.

***

Vin lies sich Zeit und ließ den Wagen langsam rollen. An seiner Seite lehnte die schluchzende Ellie. Er schwieg. Was sollte er ihr sagen. Er hatte Simon und die Kinder in der letzten Woche noch in Four Corner gesehen, als sie ihre Vorräte aufgefüllt hatten. Die kleinste, Sophie, war gerade mal vier Jahre alt gewesen.  

Auch Ellie war krank und fieberte. Er hoffte sie würde dies überstehen. Das Fieber war erbarmungslos. Bei dem einen schlug es zu und löschte ganze Familien aus, andere wiederum überlebten gerade eben. Und einige schienen immun gegen diese Krankheit.

Das war nicht das erste Mal, dass er dieser Krankheit begegnete. Er hatte mitansehen müssen, wie eine Krankheit einen ganzen Indianerstamm ausgelöscht hatte. Der weiße Mann hatte sie eingeschleppt und am Ende Männer, Frauen und Kinder zum Tode verurteilt.

Und dann erinnerte er sich an seine Jugend. An seine Familie und an die Farm. Niemand war mehr da. Niemand. Er verdrängte die finsteren Gedanken und hielt die Pferde an. Er griff nach der Wasserflasche. „Ellie, du musste was trinken.“ Er hätte sie eigentlich hinlegen müssen, aber er wagte es nicht sie zu ihrer toten Familie zu legen.

Sie schüttelte den Kopf und ließ die Lippen verschlossen. Sie hatte alles verloren, es war ihr nicht mehr wichtig, was mit ihr geschah. Vin verstaute die Flasche und nahm die Zügel wieder auf. Hinter der nächsten Kehre würde die Stadt in Sicht kommen. Vin würde warten. Er musste Chris etwas Zeit geben alles zu organisieren. Doch er musste nicht lange warten. Er sah Nathan auf sich zureiten. Auch er trug ein Halstuch, um sich vor einer möglichen Ansteckung zu schützen.

„Vin.“

„Nathan.“

„Wie geht es ihr?“ Nathan stieg ab und kam vorsichtig auf sie zu. Ellie richtete sich müde auf und sah ihm entgegen.

„Na... Nathan. Bitte du musst ihnen helfen. Sie sind doch noch so klein. Ich … Oh Gott...“ Ihr Blick wandte sich von ihrer Familie ab und sie sackte weinend in Vins Armen zusammen.

Nathan trat an sie heran und tastete nach ihrem Handgelenk und besah sich ihre Haut. „Was ist es Nathan?“

„Kann ich nicht genau sagen. Aber in Red Hill ist es auch ausgebrochen. Wir haben Telegramme erhalten. Ellie, war Simon in Red Hill gewesen? Ellie?“

„N... Nein.“ Nathan sah zu Vin. Sie wusste sie mussten die Quelle ausfindig machen, bevor sich die Krankheit ggf. weiter ausbreitete. „Kommt, in der Stadt ist alles vorbereitet.“

„Sollen sie wirklich dorthin bringen?“

„Josiah wird unser Gastgeber sein. Alle anderen werden sich fernhalten. Die Kirche liegt abseits genug.“

Vin griff zu den Zügeln und ließ die Kutsche wieder anfahren. Es wurde eine stille Fahrt und das änderte sich auch nicht, als sie die Stadt erreichten. Schweigend beobachteten die anderen, wie er Ellie vorsichtig in die Kirch trug. Josiah kümmerte sich um den Wagen und führte ihn hinter die Kirche.

***

Casey und J.D. lachten laut und ausgelassen, während sie an einem Baum saßen und ihre mitgebrachten Brote aßen. Sie hatten angeln wollen, aber bisher hatten sie nur herumgealbert. Die Pferde hatten sie oberhalb des Flusses angebunden. Casey packte den Rest wieder ein und schnappte sich einen Apfel. „Wenn wir ohne Fisch zurückkommen, könnten einige Menschen auf falsche Gedanken kommen.“

„Dann sollten wir daran was ändern. Wer als erstes am Fluß ist.“ Damit sprang er auf und schnappte sich die Angel und den Apfel, den sie gerade in der Hand jongliert hatte. „Heyyy!“

Casey folgte ihm und er konnte den Vorsprung nur knapp halten. Er sprang über die Böschung und landete unsanft auf dem Hintern. „Argh...!“

Casey tauchte über ihm auf und er machte sich schon auf ihren Spott gefasst. Doch der kam nicht. Sie schwieg und starrte an ihm vorbei auf das Ufer rechts von ihnen. Er schob sich vor und sog dann die Luft ein.

„Ist.. ist er tot?“ Halb im Wasser lag eine männliche Leiche. J.D. war froh, das er mit dem Kopf nach unten lag, denn er lag dort sicher nicht erst seit gestern.

„Ziemlich, denke ich.“ Casey wandte sich angewidert ab.

„J.D.! Wir können ihn doch nicht einfach hier liegen lassen!“ Sie sah ihn streng an.

„Aber... ich... du erwartest doch nicht....“ Er sah sich nochmal die Szenerie an. „Das ist doch...“

„J.D. Dunne, du wirst diese arme Seele doch wohl nicht hier liegen lassen.“

Sie wandte sich um. „Hey, wohin gehst du?“

„Ich hole die Pferde.“ Er wandte sich um. Das würde nicht … schön werden. Er zog sich das Halstuch hoch.

***

Chris saß vor Marys Zeitungsbüro als sie herauskam und einen Anschlag aufhing. Immer wieder wanderte ihr Blick zur Kirche. „Gibt es was Neues?“

Chris schüttelte den Kopf. „Nathan kümmert sich um sie. Aber es ist Unruhe in der Stadt.“

„Das hier wird sie nicht gerade beruhigen.“ Sie hielt die Handzettel hoch. „Ich werde sie jetzt verteilen.“

Er nahm ihr die Hälfte der Zettel ab. „Je schneller desto besser.“

Ihr Blick wanderte wieder zur Kirche. „Was, wenn es noch mehr werden?“

„Es werden mehr werden Mary. Ganz sicher.“

„Aber..!“ Sie biß sich auf die Lippen. Sie kannte die Berichte aus anderen Städten. Es war nur eine Frage der Zeit gewesen, bis das Fieber in diesem Landstrich wieder wütete. Sie hatten bereits die Hälfte der Mainstreet verteilt, als Buck zu ihnen rüber kam und ihren Blick auf den Ortseingang lenkte.

„Ist das J.D.?“

„Ja mit Casey, aber freiwillig würde er nicht zu Fuß gehen. Da stimmt was nicht.“

„Komm, die beiden wissen noch nicht was los ist.“ Buck wandte sich ihnen zu, doch Chris hielt ihn am Arm. „Ich befürchte, sie sind schon mittendrin.“

Der junge Mann führte sein Pferd an der Leine und Chris sah, dass ein Körper über dem Sattel lag. Eingepackt in eine Decke. Das konnte nichts gutes bedeuten.

„J.D.!“ Chris baute sich vor den Zweien auf. „Bleib da stehen.“

Irritiert sah dieser ihn an. „Hey Chris. Wir haben den Kerl da am Fluß gefunden und...“

„J.D.! Wo genau?“

„Na kurz hinterm Silver Lake. Er lag halb im Wasser.“

„Wir haben die McCormacks gefunden. Alle waren am Fieber erkrankt.“ Er wies auf die Kirche. „Reitet darüber.“

„Die McCormacks? Aber die wohnen doch...“ J.D. zog die richtigen Schlüsse.

„Richtig. Sie wohnen unterhalb von Silver Lake. Reitet zu Josiah und erzählt ihm alles.“

Chris wandte sich zu Buck und Mary. „Sie werden bei der Kirche bleiben müssen.“ Er zog sich den Hut vom Kopf. „Vermutlich kam der Reiter aus Red Hill oder Eagle Creek und hat die Krankheit mitgebracht.“

„Und das Flußwasser verseucht. Wer weiß wie viel Tage die Leiche dort schon gelegen hat.“ Buck sah Chris ernst an. „Das wird uns Nathan vielleicht sagen können. Mary, verteilen sie die Zettel. Es kann sei, dass die Krankheit die Stadt längst erreicht hat.“

„Aber wie...“

„Der Hancock Creek wird aus dem gleichen Fluß gespeist. Alle müssen das Wasser abkochen bevor sie es trinken. Hoffen wir, dass wir rechtzeitig reagiert haben.“ Mary schlug die Hand vor den Mund, als ihr die Tragweite dieser Aussage bewußt wurde.

***

Oren Travis, Chris und Buck standen in ausreichendem Abstand. Sie berieten gemeinsam, wie sie weiter vorgehen sollten. Nathan zog sein Halstuch herunter. „Casey und J.D. bleiben erst mal hier. Ellie wird es vermutlich nicht schaffen. Vin ist bei ihr.“

„Hast du den Toten untersucht?“

Nathan nickte. „Er muss schon seit Tagen dort gelegen haben. Die Verwesung hatte schon eingesetzt und er starb auch an keiner Verletzung. In seiner Tasche haben wir ein Flugblatt aus Red Hill gefunden. Er war ziemlich sicher vor kurzem dort.“

„Verdammt.“ Chris hatte es geahnt.

„Wir können nur hoffen die Epidemie frühzeitig einzudämmen, aber wir sollten uns auf das Schlimmste vorbereiten.“ Nathan rieb sich den Nacken. „Josiah hat hinter der Kirche ein paar Gräber ausgehoben. Es ist geweihte Erde und das Beste was, wir für die McCormacks tun konnten.“

Sie schwiegen gemeinsam, bis Travis das Wort ergriff. „Ich werde einige Telegramme verschicken und die umliegenden Städte warnen.“

Er verstummte, als er sah, wie Vin aus der Kirche trat und sich seinem Pferd zu wandte und es am Zügel zu ihnen herüber führte.

„Ellie … sie ist jetzt bei ihrer Familie.“ Er setzte seinen Hut auf und wandte sich seinem Pferd zu.

„Was hast du vor.“ Chris sah ihn fragend an.

„Jemand sollte die anderen Farmen warnen. Wenn ich Nathan richtig verstanden haben, betrifft das alle Farmen entlang des Flusses.“ Er sah zu seinem Freunden. „Vielleicht sollte einer von Euch die Viehfarmer oberhalb von Silver Lake warnen, dass keiner ihrer Cowboys in die Stadt kommt..

„Das kann ich übernehmen.“ Es war offensichtlich, dass Buck froh war die Stadt verlassen zu können.

Chris sah fragend zu Vin. „Schaffst du das? Du könntest dich angesteckt haben.“

„Hier nütze ich niemanden und ich halte Abstand zu den Leuten. Falls weitere Kranke dazukommen hat Nathan genug Hilfe. Vorerst. Jemand muss sie warnen, Chris. Und das muss ich sein. Vor allem falls ich weitere Infizierte finde.“

„Sei vorsichtig, Vin.“ Chris wusste, das Vin auf einer Farm geboren worden war und dem Fieber nicht zum ersten mal begegnete. „Bleib nicht zu lange.“

Ihnen allen war klar, dass Vin sich vielleicht infiziert hatte. Er wollte ihn nicht so wie Ellie in der Prärie finden.

***

Casey saß neben ihrem Freund auf den Stufen der Kirche und beobachteten, wie Vin sich auf den Weg machte. Casey spürte, dass auch ihr Freund am liebsten mitgeritten wäre, um wenigstens etwas tun zu können. Nathan hatte ihnen klar gemacht, dass sie hier bleiben mussten. Es bestand die Gefahr, dass sie sich unwissentlich bei dem Leichnam angesteckt hatten.

Casey hatte Angst davor. Sie hatte Mrs. McCormack gesehen. Wie sie zitterte und ihren leeren Blick. Sie war noch nie krank gewesen und sie wollte lieber zu ihrer Tante auf die Farm. Aber Vin hatte versprochen nach ihr zu sehen. Sie wohnte nicht direkt am Fluß. Er meinte es ginge ihr sicher gut.

„J.D.?“ Sie stupste ihn in die Seite. „Hast du Angst?“

„Ich? Quatsch!“ Er lachte unsicher auf. „Wovor denn?

„Das weißt du ganz genau!“ Sie sah ihn strafend an.

„Ich... ja. Du hast recht. Aber hey. Ich fühle mich nicht krank.“

„Das ist ja auch noch zu früh... Nathan sagte es dauert immer in paar Tage.“

„Tage? Wir sollen hier Tage... sitzen?“ Sie hatten Nathan nicht kommen hören.

„Ihr werdet mir helfen können. Sehr bald werden immer mehr Kranke kommen und dann brauche ich jede Hand. Ich zähle auf Euch beide! Wenn ihr wollt, könnt ihr schon anfangen.“

J.D. sprang auf, sichtlich froh dieser ernsthaften Diskussion zu entkommen. „Was können wir tun?“

„Wir müssen mehr Lager einrichten und wir werden viel Wasser brauchen. Das muss aber abgekocht werden. Also brauchen wir eine Menge Brennholz.“
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