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2020 11 05: Freundschaft auf der Probe? [by - Leela -]

KurzgeschichteFreundschaft / P6 / Gen
Adam Bricker Burl "Gopher" Smith Isaac Washington Julie McCoy
05.11.2020
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05.11.2020 3.312
 
Tag der Veröffentlichung: 05.11.2020

Zitat: "Wegen Menschen wie dir, müssen Menschen wie ich, Menschen wie die beschäftigen." (Pumpkin Scissors)

Titel der Geschichte: »Freundschaft auf der Probe?«

Autor: - Leela -

Hauptcharaktere: Gopher, Isaac, Julie, Adam

Nebencharaktere: -/-

Pairings: -/-

Kommentar des Autors: Bei dem Zitat habe ich eine Weile überlegt, in welches Fandom ich gehen möchte, da sich mehrere anboten – bis mir diese Blitzidee kam. Ich bin sehr froh, euch hiermit meine dritte Love Boat-Geschichte präsentieren zu können – jetzt kann ich die Kategorie beantragen! Viel Spaß euch allen bei diesem kleinen Werk.






Freundschaft auf der Probe?

Doktor Adam Bricker blieb vor einem Klappaufsteller im Foyer der Pacific Princess stehen und las den Text, nicht ohne in Verwunderung zu verfallen. Das Werbeplakat war dominiert vom Bild eines euphorisch singenden Elvis Presley, und der Text sagte: »Erleben Sie den King of Rock'n'Roll live, am Mittwochabend auf der Poolbühne im Mondschein.«
      Er las noch das Kleingedruckte, als sich Gopher, der Zahlmeister, mit euphorischem Grinsen zu ihm gesellte. „Gib es zu, das sieht großartig aus, nicht wahr?“
      „Das gebe ich gerne zu.“ erwiderte Adam nachdenklich. „Aber ist der Text nicht ein bißchen irreführend? Man könnte meinen, der echte Elvis Presley kommt zu uns an Bord.“
      „Ja.“ Gopher grinste frenetisch. „Genau so ist das gemeint!“
      Der Schiffsarzt warf seinem Kollegen einen tiefgründigen Blick zu. „Gopher, Elvis ist tot!“
      Der Zahlmeister lehnte sich verschwörerisch zu ihm herüber. „Das ist es ja. Das meinen alle! Ich habe aber herausgefunden, daß das gar nicht stimmt! Elvis hat sich nur zurückgezogen, um seine Ruhe zu haben. Seit einiger Zeit kann man ihn aber wieder buchen! Und rate, wer da gleich das Top-Event für diese Kreuzfahrt gesehen hat!“
      Adam sah ihn mit dem typischen Blick an der sagte, daß eine verbale Antwort darauf unnötig war und wandte den Blick zur anderen Seite, wo seit einiger Zeit die Gäste eincheckten. „Zumindest erklärt es die Gruppen von Elvis-Fans.“ bemerkte er, als er Julie dabei beobachtete, wie sie ein paar Männer in Glitzer-Anzügen und Elvis-Perücke abfertigte.
      „Ich sage dir, das wird das Highlight des Jahrhunderts!“ prophezeite Gopher. „So ein Highlight wird Princess Cruises nicht nochmal erleben.“
      Adam sah ihn mit noch immer skeptischem Blick an. „Ich lasse mich überraschen. So richtig daran glauben kann ich noch nicht.“
      „Du wirst schon sehen.“ meinte Gopher zuversichtlich. „Ich würde so etwas ja nicht anleiern, wenn ich nicht gute Quellen hätte.“ Er klopfte seinem Freund kameradschaftlich auf den Arm und ging wieder an die Arbeit.
      Adam sah noch immer auf das Plakat und schüttelte den Kopf. Sollte tatsächlich etwas dran sein an dem hartnäckigen Gerücht, daß Elvis sich nur aus dem Showbusiness zurückgezogen hatte und abgeschieden lebte? Und jetzt kam er auf die Bühne zurück…?

Das bevorstehende Konzert war das Gesprächsthema Nummer Eins an Bord. So auch an der Bar, wo Gopher gerade bei Isaac an der Theke saß.
      „Sag mal, bist du dir sicher, daß das alles so seine Richtigkeit hat?“ hakte der Barkeeper skeptisch nach.
      „Na sicher. Ich habe doch dieses Flugblatt gefunden, wo alles drinsteht, wie es mit Elvis weitergegangen ist, und daß er demnächst wieder auf Tournee gehen wird. Bis dahin kann man ihn bereits für größere Events buchen. Ich habe da mal angerufen, und das war gar kein Problem. Als ich dem Manager erzählt habe, daß ich Elvis für eine exklusive Kreuzfahrt buchen möchte, war er sofort begeistert von der Idee.“
      Isaac machte noch immer keinen überzeugten Eindruck. „Wie soll das ganze denn ablaufen?“
      „Naja, das muß schon alles sehr diskret und gut geplant sein, wie du dir vorstellen kannst. Deswegen muß die Bühne zwischen den Pools auch mit allen Sicherheitsvorkehrungen rechtzeitig vorbereitet sein. Elvis kommt dann in Acapulco an Bord, hält am Abend das Konzert und geht gleich danach wieder.“ So wie Gopher es erklärte, hörte es sich wirklich schlüssig an.
      „Deswegen haben wir dieses Mal eine Übernachtung in Acapulco.“ stellte Isaac fest.
      Gopher nickte. „Es wäre zu riskant, wenn Elvis die ganze Kreuzfahrt mitmachen würde, gerade, wenn er jetzt erst auf die Bühne zurückkehrt. Außerdem wäre das zu teuer, allein das Konzert kostet schon eine Stange Geld. Mit den Kartenbuchungen aus der Kreuzfahrt kriegen wir das Geld gerade so wieder raus, aber das ist es mir wert. Hey, wir sind mit die ersten, bei denen Elvis wieder live auftritt! Und mit ein bißchen Glück verkaufen wir noch ein paar Karten im Hafen für Tagesgäste.“
      „Das hört sich ja alles ganz gut durchgeplant an.“ gestand Isaac der Sache zu und sah sich auf dem Deck um, wo es von aufgeregten Elvis-Fans nur so wimmelte. „Ich hoffe, das läuft alles so, wie du es dir vorstellst.“
      „Das wird besser als ich es mir vorstelle!“ war Gopher überzeugt. „Das wird bombastisch! Und wir sind dabei! Denk an meine Worte! Dieser Abend wird uns noch lange in Erinnerung bleiben!“
      Isaac musterte die Miene seines Freundes, aus der seit geraumer Zeit das euphorische Grinsen nicht mehr wegzudenken war. Ein wenig komisch kam ihm die Sache dennoch vor. So wie Adam, beschloß aber auch er, sich überraschen zu lassen…

Mittwoch, am späten Nachmittag auf der Pacific Princess. In der Pool-Area herrschte große Aufregung. Isaac beobachtete das Treiben von seinem Platz hinter der Bar aus. Überall wimmelte es von aufgedrehten Elvis-Fans, die sich darauf vorbereiteten, ihren großen Star live zu erleben. Und wenn der Barkeeper ehrlich war, dann hatte ihn das Fieber beinahe auch schon gepackt. Immerhin konnte er sich nicht davon freisprechen, selbst ein großer Fan des King of Rock'n'Roll zu sein. Das änderte allerdings nichts an dem seltsamen Gefühl in seiner Magengegend, welches er gerade versuchte zu ignorieren. Immerhin, warum sollte er der Sache nicht zumindest eine Chance geben? Gopher würde ja sicher detailliert Erkundigungen eingeholt haben, um sich seiner Sache sicher zu sein!
      Er schwelgte noch in seinen Gedanken, als Gopher aufgeregt auf den Tresen zuhielt und schlitternd davor zum Stehen kam. „Isaac, ich brauche deine Hilfe! Dringend! Schnell!“
      „Was für Hilfe? Brauchst du Hilfe Backstage? Braucht der King Unterstützung bei irgend etwas?“ Ein Hoffnungsschimmer begleitete das Lächeln des Dunkelhäutigen.
      „Vergiß das mit dem Backstage!“ zischte Gopher. „Es gibt ein Problem! Es ist etwas fürchterlich schief gelaufen!“
      Das Lächeln des Barkeepers versiegte. „Wie meinst du das, es ist etwas schief gelaufen?“
      „Das versuche ich gerade herauszufinden. Der King ist nicht da. Ich werde gleich mal versuchen zu ermitteln, ob er versehentlich auf einem anderen Schiff gelandet ist. Kannst du dich so lange um die Gäste kümmern?“
      Isaac sah seinen Freund argwöhnisch an. „Von welchem Zeitrahmen sprechen wir?“
      „Das weiß ich nicht. Ich weiß ja nicht, wie schnell ich ihn finde! Und je eher ich mich darum kümmere, desto schneller klärt sich die Sache auf.“ Er klopfte seinem Kameraden dankbar auf die Schulter und war schon wieder verschwunden.
      Isaac sah ihm mit einem tiefen Seufzen nach. Zumindest konnte er die Leute mit Drinks und ein paar flotten Sprüchen bei Laune halten. Trotzdem hoffte er, daß das Konzert bald starten konnte. Ein Blick zu der Fangemeinde ließ ihn spüren, daß die Elvis-Anhänger sich nicht lange würden hinhalten lassen…

Isaac sollte Recht behalten! Es wurde immer schwieriger, den aufgeregten Elvis-Fans klarzumachen, daß es noch etwas dauern würde bis zum Konzert. Ein paar Damen hatten sich knapp mit einem Gratis-Drink besänftigen lassen, die ihn gerade darauf aufmerksam gemacht hatten, daß die auf dem Plakat und den Karten angegebene Zeit für den Konzertbeginn längst überschritten war, und noch nicht einmal eine Vorband auf der Bühne stand. Von den Herren Elvis-Imitatoren, von denen einer knapp davor gestanden hatte, den Barkeeper über den Tresen zu ziehen, wenn der King nicht innerhalb der nächsten drei Minuten auf der Bühne stand, wollte er gar nicht erst anfangen. Die Lage spitzte sich mit jeder Minute weiter dramatisch zu, und dem Barkeeper stand der Schweiß auf der Stirn, als er sich immer neue Stilmittel einfallen lassen mußte, um die Situation zu entschärfen und unter Kontrolle zu halten.
      Endlich sah Isaac Gopher in der Menge und auf den Tresen zuhalten. Allerdings sah der Zahlmeister nicht glücklich aus, im Gegenteil. Er wirkte so verzweifelt wie selten. „Okay, was hast du für Neuigkeiten?“ erkundigte sich der Barkeeper ohne Umschweife, und ohne jedes Lächeln.
      „Die größte Katastrophe des Jahrhunderts!“ verkündete Gopher fix und fertig.
      „Du hast Elvis nicht gefunden!“ Die nüchterne Aussage kam so automatisch, daß Isaac dafür nicht einmal denken mußte.
      „Schlimmer noch! Ich habe eben in der Agentur angerufen. Die Nummer ist nicht mehr vergeben!“
      Isaac musterte seinen Freund stumm. Dann konnte er nicht anders als zu kommentieren: „Du willst sagen, diese superseriöse Agentur, die deine absolut sichere Quelle gewesen ist, existiert nicht mehr?“
      „Naja, wahrscheinlich hat die nie existiert…“ räumte Gopher verlegen ein.
      „Du hast das alles also nicht hinterfragt, sondern bist auf dieses tolle Flugblatt angesprungen und hast es für bare Münze genommen.“ stellte Isaac fest. Mit einem unbehaglichen Seitenblick beobachtete er die nervös werdenden Elvis-Fans.
      „Das war ein ganz professionell aufgezogenes Flugblatt!“ verteidigte sich Gopher.
      Isaac musterte ihn abschätzend. „Nur eine Frage: Wieviel Geld hast du denen überwiesen?“
      Der Zahlmeister wich seinem Blick aus. „Das willst du gar nicht wissen.“
      Isaac stöhnte tief auf, verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf. „Gopher, Gopher, Gopher… Du hast es geschafft, einer Betrügermasche auf den Leim zu gehen!“
      „Aber es klang alles so seriös!“ verteidigte sich der Zahlmeister.
      Seinem Freund entglitten latent die Gesichtszüge. „»Elvis lebt« klingt seriös? Na, du machst mir Spaß! Du hast nichts recherchiert um dich abzusichern, oder?“ Isaac war an dem Punkt, wo er die Nerven verlor. „Ich will ja echt nichts sagen, aber das ist mal wieder so typisch für dich! Erst handeln, dann nachdenken! Und jetzt haben wir den Salat!“
      „Ach komm! So etwas kann jedem passieren!“ konterte Gopher.
      „So etwas kann jedem passieren? Jemand ruft ‚Elvis lebt‘, und schon ist Gopher da und bucht ein Konzert? Sorry, das hat schon einen Grad der Naivität, der einzigartig ist! Weißt du eigentlich, was ich die letzten zwei Stunden hier durchgemacht habe? Und das ist erst der Anfang!“ Die Geduld des Barkeepers war erschöpft. Der Ärger machte sich in der gepreßten Stimme Platz, während er mit anklagendem Finger nacheinander auf den Zahlmeister, sich selbst und die Meute deutete. „Wegen Menschen wie dir, müssen Menschen wie ich, Menschen wie die beschäftigen. Und das ist kein Spaß, das kann ich dir flüstern!“
      Gopher machte eine beschwichtigende Geste. „Isaac, ich verstehe das ja! Aber können wir vielleicht jetzt erst einmal nach Lösungen suchen, statt sich über das in den Brunnen gefallene Kind aufzuregen?“
      „Ich höre immer »wir«!“ schnappte Isaac. „Ich gehe davon aus, daß du das regeln wirst!“
      „Ja, aber wie?“ rief Gopher verzweifelt.
      „Da hilft nur eins!“ bemerkte Julie, die sich gerade dazu gesellte. Auf die fragenden Blicke ihrer beiden Kameraden hin sah sie Gopher ungerührt an. „Du hast ihnen eine Show versprochen, du lieferst ihnen eine Show!“
      Gopher rang verzweifelt die Hände. „Aber ich habe doch nichts, womit ich ihnen eine Show liefern könnte!“
      „Ich weiß nicht…“ Julie zupfte in seinen Haaren. „Die richtige Haarfarbe hast du doch schon.“
      Zwei entgeisterte Blicke fixierten die junge Frau. Eine sprachlose Minute entstand, als den beiden der tiefere Sinn ihrer Worte bewußt wurde.
      „Ach, du ahnst es nicht…“ kommentierte Isaac leise.
      In Gophers Blick stand latente Panik geschrieben. „Vergiß es, Julie! Das klappt doch nie!“
      Sie machte eine unbestimmte Geste. „Hast du eine bessere Idee?“
      Nach einem stillen Moment druckste er herum: „Nein, aber…“
      Isaac stand kurz davor, seinem Freund an den Kragen zu gehen. „Wenn dir unsere Freundschaft etwas wert ist, dann gehst du da raus auf die Bühne und besänftigst die Meute!“ setzte er seinem Kumpel die Pistole auf die Brust und ließ die beiden allein, um ein paar Gestalten in Glitzerklamotten davon abzuhalten die Bar zu zerlegen.

Gopher konnte nicht glauben, daß er das hier wirklich tat. Julie hatte einen Glitzeranzug aus dem Fanshop besorgt, und nun standen sie in seinem Quartier und richteten ihn her. Gerade prüfte sie den Sitz seiner Perücke. Die Sonnenbrille rundete das Bild schließlich ab.
      „Das klappt nie!“ jammerte der Zahlmeister. „Ich klinge ja nicht einmal annähernd wie Elvis!“
      „Wir machen einfach ein Playback. Du mußt einfach nur die Lippen bewegen.“ Julie betrachtete ihr Werk und lächelte. „Großartig. Den Unterschied bemerkt niemand, wenn du da oben auf der Bühne stehst.“
      „Julie, das ist Betrug! Wir sind nichts besser als die Typen, die mich gelinkt haben!“ beschwor er sie.
      „Das ist Notwehr! Oder willst du dich lieber von dem Haufen Elvis-Fanatikern zerfetzen lassen, wenn die nicht kriegen, was sie haben wollen?“ Sie sah ihn bedeutungsvoll an. „Komm schon. Wir nehmen ein Live-Konzert, dann fällt es nicht so auf. Und auf der Leinwand lassen wir einfach die Aufnahme von dem Konzert ablaufen. Dann haben wir zumindest ein bißchen echten Elvis auf der Bühne.“
      Gopher rollte die Augen, was seine Kollegin hinter den dunklen Brillengläsern nicht sah. „Okay, ziehen wir das durch. Mann, bin ich froh, wenn der Abend vorbei ist!“
      Julie konnte nicht anders, als hilflos zu schmunzeln. Davon kannte sie noch mehr…

In der Zwischenzeit hatte Isaac alle Hände voll zu tun, die Fangemeinde mit Freigetränken bei Laune zu halten. „Das kostet Gopher eine Entschädigung, das kann ich dir flüstern!“ regte sich der Barkeeper auf, als Adam sich zu ihm an die Bar gesellte.
      „Ich glaube, das Drama nimmt gerade sein Ende.“ Adam nickte in Richtung Bühne, wo sich mittlerweile etwas tat.
      „Oder es nimmt jetzt erst seinen Lauf…“ kommentierte Isaac leise.
      Julie kündigte gerade das große Event an, und sowohl der Arzt, als auch der Barkeeper konnten sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Ihr Kollege machte sich ganz gut in dem Outfit, allerdings war es ganz amüsant, wenn man wußte, daß in dem Anzug der Zahlmeister des Schiffes steckte. Allerdings hatte das ganze für die beiden Besatzungsmitglieder auch einen bitteren Beigeschmack. Auch wenn sie heute Abend mit der Show durchkamen – das bedeutete noch nicht, daß die Sache ausgestanden war. Die Show begann, und es wurde wirklich die Show des Jahrhunderts – noch besser wäre es aber gewesen, wenn nicht selbst das ein großer Betrug gewesen wäre.
      „Was meinst du, wie lange wird es dauern, bis die Leute merken, daß es nicht der echte Elvis ist?“ fragte Adam ein wenig besorgt.
      „Ich hoffe, zumindest bis die Show vorbei ist und alle wieder zu Hause sind. Dann kriegen wir noch genug Probleme.“ Der Barkeeper hatte sich lässig auf den Tresen gelehnt; seit die Show begonnen hatte, gab es für ihn nichts mehr zu tun, weil alles gespannt auf die Bühne fixiert war. „Also, laß mich dir eins sagen: Die Show ist echt gut! Aber sobald klar wird, daß das alles ein Fake ist, ist Princess Cruises ruiniert. Wahrscheinlich schneller, als uns allen lieb sein kann. Und dann können wir uns alle dank Gopher einen neuen Job suchen.“
      „Ich hatte gleich ein komisches Gefühl bei der Sache…“ Der Schiffsarzt machte etwas Platz, als sich Julie zu ihnen gesellte.
      Die Kreuzfahrtmanagerin strahlte. „Ist die Show nicht einfach grandios?“
      „Ja. Wir haben uns gerade darüber unterhalten, daß wir gleich im Anschluß anfangen können Bewerbungen zu schreiben, wenn Princess Cruises erstmal einen Ruf als Betrüger weg hat.“ erwähnte Isaac trocken.
      Julie grinste. „Jetzt nehmt das ganze doch nicht so ernst!“
      „Ich glaube, du nimmst das alles nicht ernst genug!“ konterte Isaac. „Das hier ist eine groß angelegte Scharade! Die wird uns allen das Genick brechen!“
      Julie schürzte die Lippen. „Das glaube ich nicht. Überlegt doch mal, wie viele Leute außer Gopher würden glauben, daß der echte Elvis noch lebt und hier auftritt?“
      „Na, darum geht es ja gar nicht.“ argumentierte Isaac. „Fakt ist, daß hier etwas angepriesen wurde, was nicht geliefert wird.“
      Adam nickte. „Es ist egal, ob die Leute daran glauben, ein Betrug bleibt es trotzdem. Und damit können die uns drankriegen!“
      „Das denke ich nicht.“ meinte Julie gelassen. „Wißt ihr, als Gopher mit dieser tollen Idee rauskam, hatte ich gleich ein komisches Gefühl. Also habe ich ein wenig über diese seltsame Agentur recherchiert und herausgefunden, daß das eine Fake-Agentur ist. Deswegen habe ich mit Captain Stubing gesprochen, und wir sind uns einig geworden, daß wir Gopher sein Ding durchziehen lassen wollen.“
      Isaac und Adam klappten synchron die Kinnladen herunter. „Ihr habt davon gewußt, und unterstützt das auch noch…?“ entfuhr es Isaac ungläubig.
      „Mmhm!“ Julie nickte. „Glücklicherweise war der Druckauftrag für die Kreuzfahrtanzeigen und die Karten noch nicht raus. Nach Rücksprache mit dem Captain habe ich dafür gesorgt, daß die Anzeigen, die Karten und die Bestellbestätigungen den Zusatz »So nah dran wie nie« erhalten. Abgesehen von dem Aufsteller im Foyer ist überall der Hinweis drauf, daß es sich um eine Imitatoren-Show handelt. Das hat nur Gopher nicht mitbekommen.“ Sie nickte in Richtung des auf der Bühne schwitzenden Zahlmeisters.
      Die beiden Männer an der Bar stutzten. „Das heißt, die Leute wußten, daß nicht der echte Elvis auftritt?“ erkundigte sich Adam vorsichtshalber noch einmal.
      Julie nickte.
      „Und das heißt, Gopher wußte es nicht?“ erkundigte sich Isaac fasziniert.
      „Ich dachte mir, für den Lerneffekt ist es besser, wenn er das volle Programm durchmacht, bevor er das mitkriegt. Dann paßt er beim nächsten Mal vielleicht um so besser auf.“ argumentierte Julie. „Deswegen habe ich aber auch euch vorher nichts gesagt, damit das nicht vorher schon versehentlich auffliegt.“
      Die beiden Männer lachten herzlich, und vor allem erleichtert, als sie feststellten, daß sie nicht um ihren Job fürchten mußten.
      Julie grinste und ließ die beiden wieder allein.
      Als sie ging, stellte sich augenblicklich eine Harmonie an der Bar ein, die noch vor Minuten undenkbar gewesen war. Deutlich entspannter konnte der Rest des Teams nun das Konzert genießen. Isaac und Adam konnten sich kaum ein Lachen verkneifen, als Gopher auf der Bühne um sein Leben rockte, um den Schwindel nicht auffliegen zu lassen…

Das Konzert wurde ein voller Erfolg. Die Eingeweihten waren nur gespannt, wie Gopher reagieren würde, wenn er feststellte, daß er ohne Grund gelitten hatte.
      Das letzte Lied ging gerade zu Ende, und die Freunde mochten sich kaum ausmalen mit welcher Erleichterung der Zahlmeister gerade von der Bühne gehen mußte.
      Die Fans waren jedenfalls gut gestimmt und noch bei bester Laune, als gerade eine Durchsage über die Lautsprecher kam: „Elvis has left the ship!“





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Eine wirklich lustige und unterhaltsame Geschichte. Zum Zitat passt sie allemale.

Eure lula-chan
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