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Die Tribunin

GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P18
05.11.2020
21.11.2020
2
7.437
15
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Dieses Kapitel
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21.11.2020 3.727
 




Hallo ihr Lieben,

ich habe mich sehr über euer Feedback zum ersten Kapitel gefreut! Heute bin ich mir sehr sicher, dass euch das Kapitel gefallen wird, es ist quasi Zy&Maya pur :) Viel Spaß beim Lesen!



2.

Mayas Sicht

Ich kämmte noch ein letztes Mal mein feuchtes Haar, da ich heute aufs Föhnen verzichtete, bevor ich das gigantische Badezimmer verließ und zurück in das Hauptschlafzimmer dieses Hauses ging. Es war mehr als doppelt so groß wie unser Schlafzimmer zu Hause, da es hier, wie auch im Erdgeschoss eine Kaminecke mit dick gepolsterten Sesseln sowie gegenüber eine riesige Couch neben einer Bücherwand gab. Zwischen den Bereichen lag der Durchgang zum Ankleidezimmer, in das bereits unser Gepäck gebracht worden war. Ich verstand nicht ganz, warum es hier so viele Sitzgelegenheiten gab, schließlich lag auf der anderen Seite dieser Etage neben einem kleineren Schlafzimmer noch extra eine Art Aufenthaltsraum. Hinzu kamen Räumlichkeiten in der ersten Etage, die ich mir noch nicht angesehen hatte, dafür war in den nächsten Tagen genug Zeit.
Trotz des etwas verschwenderischen Platzes hatte ich mich sofort in das Schlafzimmer verliebt. Das riesige Bett, das eine so hohe Matratze hatte, dass ich fast hinauf klettern musste, stand mit Blickrichtung auf die große Fensterfront rechts von mir. Der sich anschließende Balkon lag parallel über der Terrasse, sodass wir am Morgen einen wunderbaren Blick auf den See haben würden. Mittlerweile war es stockfinster und nichts mehr zu sehen, aber ich fieberte extrem dem Sonnenaufgang entgegen – fast so sehr wie dem Essen, das Debbie netterweise bei der Couchecke platziert hatte.

Zy, der schnell vor mir geduscht und sich dann um unser Gepäck gekümmert hatte, stand nun wie ich im Bademantel bekleidet da und inspizierte das Essen. Grinsend lief ich zu ihm. Auch wenn für mich ein wesentlich kleinerer Bademantel bereit gelegen hatte, ging er mir bis zu den Knöcheln und bedeckte meine Hände fast völlig, während ich bei Zy den Ansatz seiner Knie und die Hälfte seiner Unterarme sehen konnte.

„Du könntest ein bisschen Stoff von mir abbekommen“, sagte ich zwinkernd und schob mich neben ihn.

Kopfschüttelnd reichte er mir einen Teller.

„Ich bin grundsätzlich kein Bademanteltyp. Magnus steht total auf diese Dinger, wir waren vor Jahren mal zusammen in einem Hotel und da hat er fast nichts Anderes mehr getragen... Ich werde in den nächsten Tagen eher darauf verzichten…aber bei dir sieht es witzig aus.“

„Keine Witze auf meine Kosten, solange ich Hunger habe! Was gibt es denn?“

„Lamm, Kartoffeln, Gemüse und Salat… und später noch Dessert, wenn wir möchten. Es riecht alles exzellent, aber ich werde mit Debbie besprechen, dass wir beide die italienische Küche der britischen vorziehen. Sie hatte wahrscheinlich vor, uns damit einen besonderen Gefallen zu tun“, merkte Zy an, während ich nur beiläufig nickte.

Auch wenn ich kein riesiger Fan der britischen Küche war, lief mir gerade das Wasser im Mund zusammen. Das Essen in den Wärmebehältern roch einfach fantastisch und schmeckte auch genauso gut. Kurz darauf war ich pappsatt und fühlte mich wohlig träge, als wir aneinander gekuschelt auf der riesigen Couch saßen und die geleerten Teller beiseite gestellt hatten. Anstelle des Deckenlichts brannten im Raum verteilt stehende kleinere Lichter, die mich weiter einlullten, und ich seufzte zufrieden, bevor ich für einen Moment die Augen schloss und meinen Kopf auf Zys Schulter legte. Er lachte leise, strich mir eine fast trockene Strähne hinters Ohr und legte beide Arme um mich.

„Vielleicht verzichten wir heute aufs Dessert und gehen gleich ins Bett. Der Jetlag macht sich langsam bemerkbar“, wisperte er mir ins Ohr, während er mit den Lippen sanft über meine Schläfe strich.

Ich seufzte, es war zu verführerisch gewesen, die Augen zu schließen, nur dass sich dadurch die bleierne Müdigkeit jetzt erst recht in mir ausbreitete, obwohl ich das eigentlich nicht wollte.

„Ich will noch nicht ins Bett, zumindest nicht zum Schlafen“, protestierte ich, da mir klar war, dass es Zy eben nicht um weiteres Essen gegangen war.

„Maya, du bist stehend k.o., der Tag war lang und strapaziös, wir haben noch drei Wochen hier vor uns…entspann dich doch einfach und lass uns den Abend ganz in Ruhe ausklingen lassen.“

Ich wusste, dass er darüber nicht enttäuscht gewesen wäre, meine Bedürfnisse hatten für ihn immer Priorität, wenn er sie verstand, aber ich wollte das nicht. Wir hatten endlich Zeit für uns, standen nicht mehr unter Druck, schlafen konnten wir auch später! Ich brauchte nur einen kleinen Energiekick und hatte dafür auch schon einen Plan.

„Ich möchte wirklich noch nicht schlafen, ich muss nur die Müdigkeit vertreiben… lässt du mich von dir trinken?“

Ich hatte die Augen wieder geöffnet, um ihn überzeugend anzusehen, doch das wäre gar nicht nötig gewesen. Seine Reaktion war absolut überraschend, seine Augen weiteten sich, bevor sie dunkler wurden, er schluckte schwer, während sich seine Eckzähne verlängerten und er mich anscheinend unbewusst auf seinen Schoß zog. Seine rasant wachsende Erregung war unübersehbar…

„Ich… natürlich, jederzeit… es ist nur, es ist das erste Mal, dass du mich das eigeninitiativ fragst“, erwiderte er und schien über seine Reaktion selbst etwas verlegen zu sein.

Lächelnd zuckte ich mit den Schultern.

„Ich habe etwas gebraucht, um mich daran zu gewöhnen… hätte ich geahnt, dass dich das so anmacht, wäre ich schneller gewesen.“

Statt einer Antwort knurrte er leise, was mich erschaudern ließ, und fixierte mich mit seinem Blick, während er eine Vene an seinem Handgelenk für mich öffnete. Entspannt lehnte ich mich ganz gegen ihn, umschloss dann seinen Arm, den er mir anbot, und seufzte leise, bevor ich meinen Kopf vorbeugte, um besser trinken zu können. Wie jedes Mal irritierte mich der Geschmack im ersten Moment, bevor die Energieexplosion begann und sich ein rasendes Kribbeln in mir von Kopf bis Fuß ausbreitete.
Stöhnend drängte ich mich näher an ihn, als Zys freie Hand unter meinen Bademantel schlüpfte und sich auf meinen nackten Rücken legte. Ganz langsam strichen seine Finger über meine Haut, während ich mir noch einen letzten Schluck gönnte, mich dann genüsslich seufzend löste und wieder gegen seine Brust lehnte. Ich brauchte immer einen Moment, um die Gefühle sacken zu lassen. Die Wärme, die mir bis in die Finger- und Zehenspitzen kroch, konzentrierte sich vor allem in meiner Körpermitte, als wäre ein glühender Ball in meinem Bauch, der immer stärker zu lodern anfing. Die Müdigkeit verblasste langsam, ich hatte das Gefühl, mit jedem Atemzug neue Kraft zu tanken, und das energievolle Kribbeln wurde zunehmend prickelnder und zog mir bis in meine Brüste und mein Geschlecht.

Hinzukam, dass Zy nicht untätig blieb. Kaum dass er seine Wunde verschlossen hatte, griff er mit dem Arm unter meinen Po und erhob sich mit mir in einer fließenden Bewegung, um zum Bett zu gehen. Elegant setzte er sich ab, löste seinen Arm und schien sich dann ganz aufs Bett zu ziehen. Ich war derweil noch zu sehr mit mir beschäftigt und seufzte zufrieden, als sich sein Bademantel durch die Bewegung etwas öffnete und ich in Kontakt mit seiner nackten Brust kam. Noch mit geschlossenen Augen presste ich Nase und Lippen gegen seine Haut und strich ein paar Mal auf und ab. Er roch so gut…

„Ich hätte das zuvor nie gedacht, aber es ist so heiß, wenn du von mir trinkst“, wisperte er mir nun ins Ohr und schob auch seine andere Hand unter meinen Bademantel, um langsam von meinen Oberschenkeln über meine Hüfte bis zu meiner Taille und wieder zurück zu streicheln.

Ich öffnete die Augen und biss mir auf die Lippe, als ich seinem erregten Blick begegnete. Seine Augen waren so dunkel geblieben und funkelten mich an, seine Fänge zeigten mehr als deutlich, wie sehr er mich wollte. Ohne zu zögern legte ich meine Hände nun an seine Wangen, zog ihn zu mir und richtete mich gleichzeitig auf, um ihn zu küssen, als hätten wir das eine Ewigkeit nicht mehr gemacht. Ich wollte und brauchte ihn so sehr!
Hemmungslos stöhnte ich in seinen Mund, als unsere Zungen sich trafen und seine Hände zeitgleich meine Brüste umschlossen. Federleicht streichelte er mich, strich mit seinen Daumen träge über die Spitzen, die dadurch noch härter wurden, und wusste genau, wie sehr er mich damit reizen konnte. Keuchend beendete ich den Kuss, legte meinen Kopf mit geschlossenen Augen in den Nacken und drängte ihm mein Becken entgegen. Mir war noch viel zu viel Stoff zwischen uns, die halb offenen Bademäntel knüllten sich auf seinem Schoß, aber Zy schien meine Ungeduld zu amüsieren. Er lachte leise, als er mit seiner Nase über meine Wange hinab zu meinem Hals strich und dort etwas verweilte.

„Wozu die Eile? Wir haben alle Zeit der Welt und sollten das richtig ausnutzen, hm?“, neckte er mich, verteilte hauchzarte Küsse in meiner Halskuhle und streichelte mich währenddessen weiter.

Frustriert riss ich die Augen auf und funkelte ihn an. Er erwiderte meinen Blick ganz unschuldig, aber das leichte Lächeln um seinen Mund zeigte, dass er nur etwas spielen wollte, und darin war ich mittlerweile auch gut. Daher lehnte ich mich etwas vor, ließ meine Finger in seinem Nacken auf und ab wandern und kreiste mein Becken so weit wie möglich, was ihn leise zischen ließ, immer wenn ich seine erhärtende Erektion richtig streifte.

„Ich weiß nicht, was wir sollten…ich weiß nur, dass ich auf der Stelle mir dir schlafen will…ich will es schnell und hart“, wisperte ich und fuhr dann noch einmal hauchzart mit meiner Zungenspitze über seine Unterlippe.

Zys Pupillen weiteten sich noch etwas mehr, sein Atem stockte kurz, bevor er mich dann mit einem Knurren auf den Rücken warf und zeitgleich den Bademantel von mir riss. Lachend fiel ich auf die weiche Decke. Zy gefiel es besonders, wenn ich meine Wünsche so deutlich aussprach, und meine Worte verfehlten den gewünschten Effekt nicht. Seine Erregung hatte sich innerhalb von Sekunden ins Unermessliche gesteigert und ich erschauderte in lustvoller Erwartung, als ich ihn dabei beobachtete, wie er sich selbst den Bademantel vom Körper riss und nach einem Kondom vom Nachttisch griff. Er hatte nach der Dusche gleich auf sämtliche Kleidung verzichtet, während ich noch einen einfachen Slip trug, mit dem er kurzen Prozess machte. Ohne zu fragen, zerriss er ihn an beiden Seiten und erstickte meinen halbherzigen Protest mit seinen Lippen, als er über mich glitt.

„Bei solchen Ansagen sind Kollateralschäden nicht zu vermeiden und Unterwäsche war gerade völlig nutzlos. Tu gar nicht erst so, als hättest du nicht gewollt, dass ich sie zerreiße“, hauchte er mit rauer Stimme, drückte meine Knie in Richtung meiner Brust und drang mit einem schnellen Stoß in mich ein.

Ich vergaß jegliche Erwiderung, mein Kopf war wie leergefegt, da ich genau das bekam, was ich gewollt hatte. Zy hielt sich nicht zurück und war so leidenschaftlich, wie ich es liebte. Seine Hände glitten neben meinen Körper, als ich meine Beine um ihn schlang, um ihn noch tiefer in mir zu spüren. Eine Hand hatte ich in seine Haare gewühlt, die andere umklammerte seine Schulter, ich konnte ihn gar nicht nah genug bei mir haben. Ich wollte diesen Moment so lange auskosten wie möglich, sein lauter Atem, seine Wärme, dieses köstliche Ziehen im Bauch…gierig sog ich alles in mir auf, was ich bekam, und genoss die pure Lust, die mich schließlich überrollte, als Zy mich gierig direkt in den Hals biss und nach einigen härteren Stößen stöhnend kam und auf mir zusammenbrach.
Keuchend lag ich da, ohne einen klaren Gedanken fassen zu können. Mein gesamter Körper pulsierte, mein Hals brannte leicht an der Bisswunde, um die sich Zy sogleich kümmerte, obwohl er außer Atem war. Ich wimmerte und wollte ihn nicht loslassen, als er sich aus mir zurückzog, doch mir fehlte die Kraft, um mich an ihn zu klammern. Diese herrliche befriedigte Trägheit, die sich in mir ausbreitete, lullte mich völlig ein und ich seufzte zufrieden, als Zy mich wieder an seine Seite zog und uns in ein dünnes Laken hüllte. Ich kuschelte mich eng an ihn, bettete meine Wange auf seine Brust und öffnete langsam die Augen. Zy wirkte völlig entspannt, seine Hand streichelte langsam über meinen Rücken, aber sein Blick musterte mich prüfend.

„Wehe wenn du mich jetzt fragst, ob alles in Ordnung ist“, brummte ich und versuchte, ihn böse anzufunkeln, was aber misslang.

Ich fühlte mich dafür viel zu befriedigt und glücklich… Zy lachte nur leise und strich mir eine Strähne aus der Stirn.

„Ich würde damit nie implizieren, dass du schwach oder zerbrechlich bist, aber Fakt ist, dass ich wesentlich stärker und schwerer bin als du und ich mich nicht vollkommen kontrollieren kann, wenn der Pheromonausstoß…“

„…Fakt ist, dass du es immer wieder schaffst, mit deinen altklugen Sprüchen den besten Sex kleinzureden“, unterbrach ich ihn grummelnd, woraufhin er breit grinste und sich endgültig entspannte.

„Als gut, sparen wir uns die sachlichen Argumente und ich versuche es anders: Ich fand es genauso grandios wie du offenbar und kann von dir nicht genug bekommen.“

„Na bitte, geht doch“, erwiderte ich zufrieden, hauchte ihm einen Kuss auf die Brust und schloss dann die Augen.

Nun konnte und wollte ich den Schlaf nicht mehr aufhalten, ich war viel zu erledigt auf die bestmögliche Art und Weise. Ich schlief so tief und traumlos, dass ich im ersten Moment desorientiert war, als ich wieder zu mir kam. Es dauerte kurz, bis ich die fremde Umgebung einordnen konnte, und mich dann wohlig seufzend zurück in Zys Umarmung schmiegte. Mein Zeitgefühl war noch durcheinander, aber der Helligkeit nach zu urteilen schien es früher Morgen zu sein. Wir hatten am Abend vergessen, die Vorhänge zuzuziehen, stellte ich nun fest und wollte die aufgehende Sonne am liebsten ignorieren.
Allerdings erinnerten mich meine drückende Blase und der eklige Geschmack im Mund daran, dass ich vorm Zubettgehen einen wichtigen Besuch im Bad ausgelassen hatte. So würde ich niemals wieder einschlafen können… Seufzend richtete ich mich langsam auf und warf einen Blick zu Zy, der noch friedlich schlummerte. Es war eine Seltenheit, dass ich ihn beim Schlafen beobachten konnte. Normalerweise war er immer vor mir wach, daher genoss ich es umso mehr, ihn für einen Moment nur anzusehen. Er sah so jung und unbekümmert aus, wenn er vollkommen entspannt war, und einfach wunderschön… hauchzart strich ich über seine Wange und schob ihm ein Kissen unter seinen Arm, was ihn leise grummeln ließ, doch er schlief weiter, als ich ein Laken um mich raffte und ins Bad huschte.

Nachdem ich die Toilette benutzt und mir notdürftig die Zähne geputzt hatte, wollte ich schnell zu ihm zurück ins Bett, es war noch viel zu früh. Auf dem Weg dahin fiel mein Blick nach draußen auf den Balkon und mir stockte der Atem, als ich die Aussicht so richtig wahrnehmen konnte. Leise öffnete ich die Balkontür, trat hinaus und raffte das Laken enger um mich, als mich eine morgendliche Brise leicht erschaudern ließ. Es hätten aber auch Minusgrade sein können, um nichts auf der Welt hätte ich diesen spektakulären Sonnenaufgang verpassen wollen!
Die Sonne stieg genau über dem See zwischen den Berghängen auf und ließ das Wasser strahlen. Außer Vogelgezwitscher und dem ganz sachten Rauschen des Windes war nichts zu hören. Es war so wunderschön, dass ich es gar nicht mit Worten beschreiben konnte, diese Weite, diese Klarheit, die Unberührtheit der Natur…ich war vollkommen überwältigt und spürte, wie meine Emotionen mich überrollten. Ich stand mit offenem Mund da, Tränen rannen über meine Wangen und ich fing an zu frösteln, doch ich konnte nichts dagegen tun… ich war wie erstarrt, bis die Tür hinter mir weiter aufgezogen wurde, Zy hinter mich trat und seine Arme um mich schlang.

„Genießt du…“, setzte er an, spannte sich jedoch sofort an, als er bemerkte, wie aufgelöst ich war. „Maya, was ist los? Rede bitte mit mir“, bat er mich eindringlich, drehte mich halb zu sich herum und musterte mich besorgt, doch ich brachte nicht mehr als ein Schniefen und ein Kopfschütteln zustande, bevor ich mein Gesicht an seiner nackten Brust vergrub.

Zy seufzte laut, sagte aber nichts weiter, sondern setzte sich auf eine Liege und zog mich auf seinen Schoß, wobei er mich noch enger in das Laken wickelte. Seine Hände strichen zärtlich über meinen Rücken und beruhigten mich weiter. Er war da, alles war gut, sagte ich vor mich hin und atmete geräuschvoll aus, als die Anspannung in mir nachließ. Die Tränen versiegten langsam und ich konzentrierte mich auf Zys Atem und seinen gleichmäßigen Herzschlag, den ich unter meiner Wange spürte.

„Es tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken“, wisperte ich mit rauer Stimme, was Zy leicht schnauben ließ.

„Es verunsichert mich immer, wenn du in Tränen aufgelöst bist und ich partout nicht verstehe wieso. Das wird sich vermutlich niemals ändern, auch wenn ich mittlerweile Strategien habe, um mich nicht mehr ganz so hilflos zu fühlen. Irgendwann redest du ja wieder mit mir…“

Ich lächelte leicht, schluckte einmal schwer und sah dann zurück zum See, der sich darin spiegelnden Sonne und den Bergen.

„Weißt du noch, als du das allererste Mal mit mir in deinem Garten warst? Ich konnte nach Jahren zum ersten Mal wieder richtig die Sonne auf der Haut spüren und den leichten Wind… ich habe mich gefühlt wie neu geboren und so unglaublich frei. Ich konnte kaum fassen, dass ich wirklich frei war, ich habe Wochen gebraucht, um das zu realisieren…aber ich bin mit dem Verarbeitungsprozess wohl noch lange nicht durch. Bei diesem wunderschönen Ausblick gerade konnte ich einfach nicht begreifen, was für ein Glück ich habe, hier zu sein. Ich darf in diesem unfassbar tollen Haus sein und ich bin verheiratet…mit dir… als du da gerade lagst und noch geschlafen hast, warst du so…“

Wieder fehlten mir die Worte und mein Hals wurde von Gefühlen zugeschnürt, dass ich mir langsam dämlich vorkam. Zögernd sah ich zu Zy, aber er sah mich weder spöttisch noch amüsiert an, sondern seine Augen schimmerten leicht. Er wirkte ähnlich ergriffen, wie ich mich gerade fühlte.

„Ich kann mit Empathie wenig anfangen, wie du weißt, aber jetzt gerade verstehe ich dich zu gut. Als du heute Nacht eingeschlafen bist, lag ich noch ewig wach da, habe dich gehalten und einfach nur angesehen. Das klingt vielleicht etwas unheimlich, aber mir fiel es auch schwer zu begreifen, dass ich so glücklich bin. Ich hatte die Vorstellung, heiraten zu müssen, lange Zeit abgrundtief gehasst und nun konnte ich mir nichts mehr Schöneres vorstellen, als hier mit dir zu sein, als dein Ehemann. Ich bin dafür unendlich dankbar, du bedeutest mir alles, Maya.“

„Jetzt bist du selbst schuld, dass ich wieder weinen muss, wenn du so etwas sagst“, unterbrach ich ihn, während mir neue Tränen übers Gesicht rannen und ich beide Arme um seinen Hals schlang, um ihn sehnsüchtig zu küssen.

Er erwiderte den Kuss ganz sanft, streichelte mit einer Hand meine Wange und lehnte schließlich seine Stirn gegen meine, während wir beide nach Atem rangen.

„In dem Fall ist es okay, diese Tränen kann ich einordnen.“ Lächelnd wischte er die letzten Spuren von meinen Wangen und lehnte sich dann etwas zurück.
„Was ich eigentlich ausdrücken wollte…ich denke, emotionale Überforderung ist normal, wenn sich einschneidende Veränderungen im Leben ergeben wie eine Heirat. Dafür sind die nächsten Tage auch da, dass wir beide Zeit haben, um das zu realisieren. Wenn die Vorfälle sich häufen und du das Bedürfnis hast, etwas dagegen zu tun, besorge ich dir die beste Hilfe, die ich finde, wenn wir wieder zu Hause sind, in Ordnung? Dieses Angebot steht nach wie vor.“

Ich atmete tief durch, bevor ich nickte.

„Danke, ich werde darüber nachdenken.“

Mittlerweile hatte sich meine Scheu gegenüber fremden Leuten, insbesondere mit medizinisch-therapeutischem Hintergrund etwas gelegt und ich wusste, dass ich vieles aus meiner Vergangenheit noch nicht verarbeitet hatte. Ich kam meistens gut klar, aber durch unsere Heirat und die davon bedingten politischen Folgen würden mir hohe Belastungen bevorstehen. Mit einer tröstenden Umarmung allein würde ich das wahrscheinlich nicht immer bewältigen können…aber jetzt in dem Moment wollte ich mir darüber keine weiteren Gedanken machen, ich wollte einfach die Zeit genießen und kuschelte mich wieder an Zys Brust.

„Was hältst du jetzt von einem Kaffee und den Sonnenaufgang dann ganz ohne Tränen weiter zu genießen?“

Sein Tonfall klang so belustigt, dass ich auch schmunzeln musste und zurück in Richtung See sah. Seine Tränenphobie war einfach amüsant…

„Klingt großartig, aber ich will dich nicht loslassen…“

„Musst du auch nicht. Ich bin mir sicher, dass Debbie uns diesen Wunsch nur zu gern erfüllt.“

Er griff an mir vorbei nach seinem Telefon, das er auf einen Beistelltisch gelegt hatte, tippte etwas ein und lehnte sich dann auf der Liege zurück. Ich sank gegen ihn und dachte kurz darüber nach, ob es nicht ein bisschen peinlich war, dass wir beide hier halbnackt herumsaßen – Zy hatte sich mit Shorts begnügt und mein Aufzug sprach für sich, auch wenn man von mir nur Kopf und Hände sehen konnte. Allerdings waren es unsere Flitterwochen, es war offensichtlich, was wir hier taten, und Debbie wurde mit Sicherheit extra für ihre Diskretion bezahlt. Sie verzog auch keine Miene, als sie uns zwei Tassen brachte und noch mitteilte, dass wir jederzeit frühstücken konnten, wenn wir wollten. Zy schien die Situation überhaupt nicht merkwürdig zu finden, ich war hingegen etwas erleichtert, als sie wieder weg war.
Ich nippte an dem Kaffee und seufzte zufrieden, er kam zwar nicht an den von Karen heran, war aber dennoch gut. Die Sonne stand mittlerweile etwas höher und verdrängte die morgendliche Frische. Uns schien ein wunderschöner Tag bevorzustehen und Zy wirkte vollkommen gelöst, wie er so da saß – einen Arm um mich geschlungen, in der anderen Hand den Becher und den Blick in die Ferne gerichtet. Ein wohliges Gefühl machte sich in mir breit, als ich den Kopf auch wieder nach vorn wandte und den Ausblick in mir aufsog.

„Ohne Tränen ist es noch schöner“, wisperte ich und verschränkte die Finger unserer freien Hände miteinander.

Zy lachte leise und drückte meine Hand.

„Vielleicht habe ich ja Glück und die restlichen Flitterwochen werden tränenfrei.“

„Ich bemühe mich“, hauchte ich und reckte den Kopf, um mir einen weiteren Kuss zu holen.






Im nächsten Kapitel gibt es keine Tränen, versprochen, dafür noch mehr Zy&Maya-Zeit! Mehr brauche ich da noch gar nicht verraten, nur noch eine kleine Info, damit sich niemand wundert: Ich bin gerade noch dabei, einige kleine Fehler in "Tribunalia" zu verbessern. So lange wird die Geschichte noch nicht auf "Fertiggestellt" gesetzt, aber sie ist fertig.

Ich freue mich auf eure Gedanken und wünsche euch alles Gute, bis zum nächsten Mal!

Liebe Grüße
Hannah


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