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Eden - Tale of a Warrior

von Malicant
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16
OC (Own Character)
05.11.2020
15.01.2021
9
38.007
1
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05.11.2020 1.249
 
Der Eiswind biss in Edens Gesicht. Ihre Lippen waren blau und ihr Atem kondensierte im Inneren des schweren Helms. Sie und die fünf anderen Chaoskrieger schritten durch die verschneiten Ruinen. Das Dorf der Menschen war lang ausgebrannt. Es waren nurnoch Ruinen übrig welche der Schnee langsam zudeckte. Vor einigen Tagen war eine Horde hier hindurchgezogen und hatte sich weiter nach Westen aufgemacht. Sie selbst waren ein Teil dieser Streitmacht gewesen. Ihre Gruppe lagerte im Rücken der Truppen und war im aufkommenden Schneesturm vom Rest getrennt worden. Eden hatte sie in dieses Dorf geführt. Niemand hatte gefragt warum. Sie hatte darauf gedrängt das sie möglichst viel Entfernung zwischen sich und das Heer bringen mussten.

Eden und ihre Krieger waren die einzigen lebenden Seelen in dieser glitzernden Hölle. Die Schneeschicht knirschte unter ihren Stiefeln und die zerstörten Gebäude des Dorfes waren von Reif und Eis überzogen. Sie liessen den Dorfplatz hinter sich und bogen in eine Gasse ein. Der Sturm trieb den Schnee in Wehen vor sich her und reduzierte die Sichtweite auf wenige Schritte. Sie näherten sich der Schmiede des Dorfes. Das Gebäude war stark in Mittleidenschaft gezogen worden doch man erkannte noch das Wappen, ein Ritterschild mit 2 gekreuzten Schwertern, an einem angekohlten Balken über der zerfallenen Tür.  Eden ging in die Ruine und sah sich um. Das Dach war eingebrochen und hereingewehter Schnee hatte sich auf Möbel und Boden gelegt wie eine weisse Decke. Das Schmiedefeuer war lang erloschen und einige Werkstücke lagen verstreut auf dem Amboss. Ihre Form zeichnete sich vage unter der weissen Decke ab. Die steifgefrorene Leiche des Schmieds lag in einem Durchgang. Das Schwert das ihn getötet hatte steckte noch in seinem Rücken. Die Klinge war sanft geschwungen. Es war keine Chaos Waffe. Jemand anders hatte diesen Menschen umgebracht. Eden ging in die Knie und besah die Klinge, sie war schlank und filigrane, seltsam verdrehte Runen waren in Klinge und Griff eingearbeitet.
Calog, einer ihrer Krieger, wischte derweil Schnee vom Arbeitstisch und fand einen geschmiedeten Dolch welchen er sich in den Gürtel steckte ehe er die vier Schritte an Eden herantrat. Die beiden blickten in den kleinen Raum auf dessen Schwelle der Schmied lag. In der rußgeschwärzten Lagerkammer waren mehrere Kisten deponiert, viele lagen in Trümmern oder waren angesengt. Verstreute Kohlestücke auf dem Boden gaben eine Erklärung für die verbrannten Gegenstände. Eden ging in den Raum und trat den Deckel der letzten intakten Kiste zu Splittern. Das glitzernde Schwert das in der Kiste lag ließ ihre Augen leuchten. Es war schlicht und silbern. Eine Elfenklinge geschmiedet von fähigen Händen. Sie gehörte definitiv nicht hierher. Auch konnte sie nicht hier gemacht worden sein.

"Gib sie mir" zischte Calog und griff an ihr vorbei nach der Waffe. Da er ein Krieger wie Eden war hatte er alles Recht die Ausrüstung für sich zu nehmen so er sie denn gewinnen konnte. Edens Fuß schnellte herab und nagelte seine Hand auf den Boden. "Ich beanspruche diese Waffe und du solltest die Hände davon lassen" Der Krieger funkelte sie wütend durch die Schlitze seines Helms an, zog die Hand aber zurück. "Ich fordere diese Waffe und die Ehre ihres..." seine Stimme erstarb als sie Gebrüll und das Scheppern von Rüstungen draussen hörten. Der Zwist war vergessen.

Die gebellten Befehle und die harten Schritte näherten sich der Ruine in welcher sie sich befanden. Eden sah durch ein nahes Fenster nach draussen in Richtung des Dorfplatzes. Der Schneesturm hatte an Stärke zugenommen und peitschte weisse Flocken fast waagerecht durch die Skelette der Häuser. Die Sicht war auf wenige Meter beschränkt und Eden sah schemenhaft große Schatten wie schwarze Scherenschnitte im weissen Gestöber. Eine andere Gruppe. Krieger. Vermutlich eine Nachhut die nach ihnen suchte. Vielleicht auch nur ein paar Marodeure die die Ruinen nach brauchbarem durchsuchten so wie sie selbst. Es waren fünf Hünen welche dicht gedrängt aus dem Schnee traten. Sie trugen die selbe Plattenrüstung wie ihre Männer aber wo die ihre blutrot war, trugen die Fremden schwarze Stahlplatten. Sie hatte ihre Umhänge eng um sich gezogen um sich vor dem Schnee zu schützen, aber sie blickten dennoch wachsam in alle Richtungen. Calog und Mithras spannten sich und zogen ihre Klingen. Eden konnte die gebleckten Zähne unter ihren Helmen förmlich sehen. Ihre Hand schnellte zur Seite. Warten, lauern, zuschlagen.  Als der erste Krieger die Gasse betrat brüllte Eden aus vollem Halse und ihre Männer stimmten ein. Trampelnd und brüllend walzten sie auf die überraschten Krieger zu und schmetterten in die hastig erhobenen Schilde und Waffen. Zu Edens linker schlug die Gewalt des Aufpralls einem ihrer Gegner den eigenen Schild vor den Helm, während sein rot gepanzerter Mörder im einer Klinge im Bauch auf das Pflaster sank. Sie starben in einer blutigen Umarmung. Eden trieb ihre Schwerter durch den Helm des Mannes vor ihr und schickte ihn zu Boden. Calog schlug einem Dritten den Hammer in den Bauch und ließ diesen gegen eine Wand taumeln wo er zu Boden rutschte. Eden schlug und trat um sich und nach wenigen Sekunden standen nurnoch einige rote Krieger.

Zwei Männer des Trupps waren nicht mehr als zerschlagene Leichen, aber drei der schwarz gepanzerten Gestalten erhoben sich blutend und ächzend vor Eden und ihren Kriegern. Die drei nahmen ihre Helme ab und blickten ihren Gegenübern in die Augen. Ihre von vielen Schlachten vernarbten Gesichter waren von Schmerz und Erschöpfung gezeichnet. "Die Kriegereide gebieten den Bund" entgegneten sie im Gleichklang. Dann malte sich jeder mit Blut einen vertikalen Streifen auf die Stirn. Sie blickten Eden an und senkten das Haupt in Demut und Anerkennung. Eden trat vor und wischte die Streifen mit der Hand weg "Der Ehre sei genüge getan und der Bund geflochten" entgegnete sie.
Ihre Krieger rissen die Augen auf "Aber ihr könnt doch nicht" entgegnete Calog. "Doch ich kann und ich tue es." fuhr sie ihn an. "Wir haben keine Zeit für lange Prüfungen. Der Eid bindet sie mit ihrem Leben und jetzt helft den Verletzten und begrabt die Toten." Sie starrte Calog und Mithras nieder. "Wir müssen gehen, sie werden bald kommen" Eden wusste das die Gruppe bald vermisst werden würde. Sie hatten nur wenig Zeit. Aber sie würden sie nutzen.
Hier im Norden der Welt wurde nichts verschwendet. Keine Waffen, keine Vorräte und erst recht keine Krieger. Die Besiegten würden an ihrer Seite kämpfen. Gebunden durch Eide und das Leben selbst. Das war der Grund warum die anderen Reiche irgendwann fallen würden. Sie verstanden dieses besondere Konzept der Kriegereehre nicht.

Eden blickte zu dem zugefrorenen Dorfbrunnen der ganz und gar mit Eis überzogen war. Während die Krieger um sie herum die Verletzten verbanden und den Toten die Waffen und Rüstungen abnahmen überlegte sie wie es weitergehen sollte. Sie würden die Toten im Schnee der Ruine ablegen,  für mehr war keine Zeit. Sie wusste sie würde sich den Zorn ihrer Seelen zuziehen aber dieses Risiko war sie bereit einzugehen. Eden musste mehr Krieger um sich scharen um das zu stoppen was ihnen wie ein brennender Schatten folgte. Es hatte seit Tagen ihre Spur. Eden wusste das sie ihm nicht ewig davonlaufen konnten. Sie mussten nach Süden gehen. Weg vom Weltrandgebirge und hin zu den Zwergen und Menschen. Calog trat zu ihr und übergab ihr das Elfenschwert. Sie lächelte und steckte es unter ihren Umhang während die anderen zu ihnen aufschlossen.

Langsam verschwanden sie und ihre Krieger im Schneegestöber. Sie gingen ihrem Schicksal entgegen. Ein paar glühende Augen beobachteten jeden ihrer Schritte.
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