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Der schwarze Fuchs

von Myrabelle
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P18 / Het
Dr. John Watson Molly Hooper Mrs. Hudson Mycroft Holmes OC (Own Character) Sherlock Holmes
04.11.2020
27.11.2021
22
97.999
15
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04.11.2020 2.951
 
Hallöchen, hier bin ich zu meiner ersten Sherlock BBC Fanfic. Zu meiner ersten Krimifanfic überhaupt. Bevor ich loslege, will ich noch ein paar Dinge erklären. Wenn du ein blutiges Spektakel erwartest, bist du hier falsch. Denn diese Fanfic ist bewusst anders gestaltet. Es gibt Verbrechen, aber das töten steht hier nicht im Vordergrund (das werdet ihr schon merken). Weiterhin werde ich im Laufe der Geschichte immer wieder alte Kriminalfälle behandeln und darlegen. Einige sind vielleicht bekannt, andere vielleicht weniger. Hier wiederum geht es schon brutaler zu, da ich natürlich versuche, so viele Details wie möglich zu bringen. Ich werde aber vor jedem solchen Kapitel einen Hinweis geben und die Stellen markieren, damit man sie notfalls überlesen kann. Ab und zu werde ich auch mal ein paar Lieder platzieren, da wo es passend erscheint. Der Plot handelt außerhalb der Serie, setzt aber kurz nach Sherrinford an. Mit einem Unterschied, Mary stirbt nicht, wie in der Serie, sondern überlebt um Haaresbreite. Was noch? Gedanken schreibe ich immer Kursiv, dass merkt ihr dann schon. Ach ja, über konstruktive Kritik freue ich mich.  Auch natürlich über das ein oder andere Sternchen. :) Nun denn, los geht´s.

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Regen. In einer Stadt wie London, mit elf bis fünfzehn Regentagen pro Monat, konnte man auch kaum mit etwas anderem rechnen. Das Wetter passte zu ihrer Stimmung, trüb und regnerisch. Kein Wunder, erst vor wenigen Stunden war ihre Welt zerbrochen. Mit Tränen in den Augen löschte sie die Fotos von ihrem Handy. Eins, zehn, hundert. Unglaublich, wie viele Bilder auf so ein Smartphone passten. Aber sie hatte ja auch sieben Jahre Zeit gehabt, Fotos zu sammeln. Sieben Jahre.... Unglaublich, wie schnell man sieben Jahre Beziehung zerstören kann. Und warum? Wegen einer billigen, blonden Schlampe, die man im gemeinsamen Bett vögeln muss.
Taissa Stanford fühlte sich wie das Wetter. Dabei war vor ein paar Stunden noch alles so schön gewesen. Vor ein paar Stunden war sie noch verlobt gewesen, mit Sean Rutherford, ihrer Jugendliebe. Und nun? Saß sie zitternd in einem Café, nippte lustlos an einem Cappuccino herum und durchstöberte die Wohnungsanzeigen in Zeitungen und Internet. Sie war tropfnass, durch den Regen gerannt und schließlich hier rein geflüchtet. Bei sich hatte sie nur eine Reisetasche. Nachdem sie Sean mit dieser Schlampe erwischt hatte, hatte sie kopflos eine Tasche aus dem Schrank gezerrt, diese vollgestopft, fast ihren Laptop vergessen und war davon gestürmt. Jetzt suchte sie eine Wohnung oder ein Zimmer, irgendwas, bloß weit weg von ihrer alten Wohnung in Greenwich. Vielleicht etwas näher am Museum oder der Uni. Nur weit genug weg von Sean.
Die Annoncen zu durchstöbern stellte sich als äußerst ernüchternd heraus. Die meisten von ihnen klangen nach „Notgeiler alter Bock sucht ein Betthäschen.“ Aber für Taissa stand eines fest: KEINE MÄNNER MEHR!!!! Seufzend blätterte sie um. Dann würde sie wohl doch erstmal zu Ryan und Shirley ziehen, obwohl sie Pärchen noch weniger sehen wollte, als Männer. Sie wollte schon aufgeben, als ihr eine fast schon schüchterne Anzeige auffiel. „Mitbewohner gesucht, da ich mit meiner schmalen Rente das Haus alleine nicht halten kann. Bei Interesse melden Sie sich unter folgender Nummer.... Martha Hudson.“ Hm, Martha, klang ziemlich interessant. Rente...., vermutlich eine ältere, alleinstehende Frau. Das war genau das, was sie jetzt brauchte. Hastig trank sie ihre Tasse leer, schnappte sich ihr Smartphone und wählte.

Zwanzig Minuten später saß sie im Bus. Quer durch die Stadt musste sie fahren. Tatsächlich war eine ältere Frau ans Telefon gegangen. Die Art wie sie sprach hatte Taissa sofort gefallen. So mütterlich und liebevoll. Sie wollte Taissa treffen und ihr die Wohnung zeigen. So ein typisches Reihenhaus. Die Adresse lag in der Baker Street, Nummer 221b. Baker Street.... Google verriet ihr, dass diese im Bezirk Westminster lag, perfekt. Nun gut, zum Museum und zur Uni war es ein Stück Weg, aber das war erstmal egal. Zumindest ersparte es ihr die die Schande, nach Hause zu ihren Eltern zurückzuziehen.
Der Regen hatte inzwischen aufgehört. Taissa musste einen kurzen Fußweg hinter sich bringen. Was hatte Mrs. Hudson gesagt? Man könnte es gar nicht verfehlen, da direkt neben der Eingangstür ein Café war mit einer roten Markise auf dem Speedy´s stand. Sie fand das Café und die unscheinbare, schwarze Haustür direkt daneben. 221b stand in Messinglettern darauf. Taissa wollte schon klingeln, aber plötzlich meldete sich ein ungutes Gefühl in ihrem Inneren. Was, wenn das ein mieser Trick war? Wenn es gar keine Martha Hudson gab? Sondern nur so einen sexbesessenen Irren, der seine Mutter benutzte, um unbedarfte junge Frauen in die Falle zu locken? Ihre Hand verharrte zitternd vor dem Klingelknopf. Beobachtet, sie wurde beobachtet. Unauffällig sah sie sich um, aber da war niemand. Wahrscheinlich wurde sie einfach nur paranoid. In ihrem Kopf fing es an zu kreiseln. Zu Ryan und Shirley konnte sie zwar ziehen, wollte es aber nicht. Und zu ihren Eltern wollte sie auch nicht. Und beim Gedanken an Sean kochte ihr die Galle über. Wutentbrannt hämmerte sie auf den Knopf.

Es schien ewig zu dauern, bis die Tür aufging. Immer wieder hatte Taissa sich umgesehen, da dieses Gefühl beobachtet zu werden, einfach nicht verfliegen wollte. Sie hatte aber niemanden entdeckt. Vermutlich nur irgend ein neugieriger Nachbar. Als sie hörte, wie sich jemand an der Tür zu schaffen machte, spannte sie sich unmerklich an. Die Tür öffnete sich einen Spalt und eine kleine, etwa 65 jährige Frau lugte hindurch. "Ja bitte?“
„Guten Tag, Mrs. Hudson. Mein Name ist Taissa. Wir hatten vorhin miteinander gesprochen. Ich bin hier wegen dem Zimmer.“
„Oh ja, natürlich, Miss Stanford. Verzeihen Sie, ich hatte nicht so schnell mit Ihnen gerechnet.“ Die Tür öffnete sich ganz und Mrs. Hudson begrüßte die Angekommene äußerst freundlich. Taissa wusste nicht, warum, aber diese kleine Person mit ihren kurzen, dunkelblonden Haaren und dem fliederfarbenem Haushaltskleid war ihr sofort sympahtisch. Mrs. Hudson ihrerseits musterte Taissa so unauffällig wie möglich. Sie schätzte sie auf etwa 1,70 Meter und zwischen 24 und 30 Jahren. Ihre langen, braunen Haare hatte sie zu einem losen Zopf gebunden. So wie es schien war sie durch den Regen gelaufen. Das Make- Up in ihrem Gesicht war zerlaufen, T-Shirt und Jeans noch klamm. Sie konnte nicht sagen, warum, aber diese junge Frau tat ihr leid. „Warum kommen sie nicht herein und wir besprechen alles bei einer Tasse Tee?“

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Wieder ein Kandidat. Seit dreiMonaten ging das nun schon so. Seit Watson quasi nur noch Vater und Ehemann spielte, war es furchtbar langweilig. Zwar lösten sie wie früher gemeinsam Fälle und hin und wieder besuchte er ihn, aber es war nicht das gleiche. Vielleicht hätte er nicht ständig Mrs. Hudson mit einbinden sollen, denn die hatte es beizeiten tüchtig satt und gleich darauf die Annonce geschalten. Es war zu drollig, dass sie glaubte, er würde jemand anderen akzeptieren, als John. Meistens genügte ein kurzer Blick, ein zweiminütiges Gespräch und er hatte seine Ruhe. Dabei spielte es keine Rolle, ob Mann oder Frau. Auch die dürfte kein Problem darstellen, da war er sich sicher.

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Über eine halbe Stunde schwatzten sie nun schon miteinander, ohne es zu merken. Mit Mrs. Hudson zu reden war so herrlich normal und es kam ihr so vor, als würden sie sich schon ewig kennen. Sie mochte sie schon jetzt. Und hatte das Gefühl, dass diese Sympathie auf Gegenseitigkeit beruhte. Bereitwillig zeigte Martha Taissa die untere Etage. „Das freie Zimmer liegt im zweiten Stock. Dort befinden sich auch meine Privaträume. Die eigentlich Wohnung aber liegt im ersten Stock. Aber bevor wir uns die Räume ansehen, muss ich Ihnen etwas sagen. Es gibt noch einen weiteren Mieter, der die erste Etage bewohnt. Sie würden sich mit ihm das Wohnzimmer und die Küche teilen.“
Na toll, doch so ein sexbesessener Irrer.
„Keine Sorge, er ist viel unterwegs. Er unterstützt Scotland Yard bei der Arbeit. Sie werden kaum merken, dass er da ist.“ Taissa zog zweifelnd eine Augenbraue hoch. Aber sie brauchte das Zimmer.
„Also gut, zeigen Sie es mir.“

Die Wohnung war gelinde gesagt, einzigartig. So etwas kannte Taissa nur aus Berichten über den Wohnstil der sechziger und siebziger Jahre. Die Wand, die zur Straße zeigte, war mintgrün gestrichen. Zwischen den zwei großen Fenstern hing ein Tierschädel an der Wand. Mit Kopfhörern. Auch die gegenüberliegende Wand war in dem gleichen furchtbaren Ton gestrichen. Zum Glück sah man davon nicht allzu viel, da ein offener Durchgang die Küche mit dem Wohnzimmer verband. Taissa sah sich um. Die südliche Wand war genauso kotzgrün, unterbrochen von roten gemusterten Tapeten. Die Nordseite aber, die schlug das ganze noch. Sie war schwarz- weiß gemustert. Über dem Sofa prangte ein gelber Smiley. Mitten im Raum, vor dem Kamin an der Südwand standen sich zwei Sessel gegenüber. Taissa spürte, wie es in ihr kribbelte und ihre Nackenhaare sich sträubten.
Die Einrichtung war nicht minder chaotisch. Ein Sammelsurium aus Flohmarktmöbeln (?) und überall Berge von Zetteln und Büchern im Raum verteilt. Taissas Geschmackssinn überschlug und erbrach sich innerlich. Wie konnte man nur so leben? Mrs. Hudson indes marschierte in die Küche. Die war genauso vollgestopft mit allerlei Krimskrams. Wenigstens der Flur war frei, auch wenn der ziemlich eng war. Zwei Türen gingen davon ab. „Dort befinden sich das Bad und das Schlafzimmer der anderen Mieters. Ihr Zimmer liegt eine Etage weiter oben.“ Mrs. Hudson verließ die Wohnung durch die Küchentür und stapfte die Treppen hoch. Taissa folgte ihr, nachdem sie sich kurz umgesehen hatte. Sie fühlte sich schon wieder beobachtet.
Die zweite Etage glich der ersten fast bis aufs Haar. Bis auf den Umstand, dass die Türen hier weiter auseinander lagen. Mrs. Hudson deutete auf die Tür südlich der Treppe. „Hier sind meine Räume. Die Tür rechts führt in Ihr Zimmer.“ Mrs. Hudson kramte einen Schlüssel hervor und öffnete. Taissa trat ein und sog überrascht die Luft ein. War der Rest der Wohnung der Inbegriff des Chaos, so war dieser Raum.... leer. Nun ja, nicht ganz. Ein Tisch, ein Bett und ein Schrank standen darin. Es gab nur ein Fenster und eine weitere Tür am Ende des Raumes. Die Wände waren weiß. Es war ein großer Raum, größer, als sie erwartet hatte. Mrs. Hudson zeigte ihr noch das Bad. „Sie können sich nach Belieben einrichten, wenn Sie das Zimmer nehmen. Tapezieren, malern, toben Sie sich aus. Ich nehme mal an, Sie haben noch mehr, als diese Tasche.“
„Ähm ja, meine Freunde werden in den nächsten Tagen meine Sachen aus meiner alten Wohnung holen.“ Obwohl sie es versuchte, konnte sie das zittern in ihrer Stimme nicht verbergen. In Mrs. Hudson klingelte es. Irgendetwas stimmte mit dieser jungen Frau nicht. Und die gute Martha kannte ihren Pappenheimer nur zu gut. Er würde dieses Mädchen gnadenlos zerfetzen. Wenn das ablief, wie beim letzten Mal, dann würde sie ihn in zehn Minuten geohrfeigt haben und davon gestürmt sein. Zum Glück war er nicht wie gewöhnlich im Wohnzimmer gewesen, sonst wären sie wahrscheinlich nicht einmal bis hierher gekommen. Am liebsten hätte sie der jungen Frau gleich die Schlüssel gegeben. Martha Hudson erkannte, wenn jemand Hilfe brauchte und sie gehörte definitiv dazu. Und wenn sie den Platz gehabt hätte, hätte sie sie selbst aufgenommen, aber das war leider nicht möglich. Und ohne seine Zustimmung würde auch das hier nicht funktionieren. „Wie sieht es aus? Sind Sie noch interessiert?“
„Ja, auch wenn das eine ziemliche Chaoswohnung ist.“
Mrs. Hudson konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. „Vielleicht fehlt ihr einfach nur der weibliche Schliff.“
Kammerjäger und Entrümpler würde es wohl eher treffen. Aber Taissa vermied es, dass laut auszusprechen.
„Also gut, dann gehen wir nach nebenan und klären die restlichen Formalitäten.“
„Mrs. Hudson!“ Schallte es von unten.
Die alte Dame schloss die Augen. Oh bitte nicht.
„Haben Sie das nicht was vergessen? Mich zum Beispiel?“
Taissa sah sie verwirrt an. Wen hatte sie vergessen?


Taissa sollte nie erfahren, wann er im Wohnzimmer aufgetaucht war. Als sie zurück in den ersten Stock kamen, saß er da. In dem schwarzen Sessel. Trug ein dunkles Sakko und hatte einen so überheblichen Gesichtsausdruck, dass ihr schlecht davon wurde. Sie kannte ihn. Sein Konterfei war fast täglich in irgend einer Zeitung zu sehen.
„Wollen Sie nicht reinkommen?“ Die Frage galt wohl Taissa. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch betrat sie das Wohnzimmer und blieb zwischen Tür und Durchgang stehen. Mrs. Hudson kannte den Gesichtsausdruck. Er analysierte sein Gegenüber und würde sie dann auseinander nehmen. Bitte nicht schon wieder.
„Mrs. Hudson, wären Sie so freundlich und würden unserem Gast ein Handtuch bringen?“ Diese Frage verwirrte die rüstige Dame schon sehr. Und nicht nur sie. „Ich nehme an, Sie haben kein Handtuch in Ihrer Fluchttasche.“ Das war für Martha das Zeichen zu gehen und besagtes Handtuch zu holen. Falls sie dann noch da war. Taissa sah kurz auf die Tasche in ihrer rechten. Nein, ein Handtuch hatte sie nicht dabei. Nur ein paar Hosen, Shirts und Unterwäsche hatte sie zusammengerafft. Und den Laptop. „Wie kommen Sie darauf, dass ich vor etwas oder jemanden geflüchtet bin?“
Ein überhebliches Lächeln stahl sich auf seine Lippen. „Oh, dass ist offensichtlich. Sie haben geweint, viel geweint. Ihre Augen sehen aus, wie ein abstraktes Kunstwerk. Zuviel Cajal, wenn ich das bemerken darf. Außerdem sind Sie längere Zeit durch den Regen gelaufen. Ihre Kleidung ist zwar angetrocknet, aber man sieht die Spuren deutlich. Ich würde übrigens keinen farbigen BH unter einem hellen Shirt tragen, nur so als Anmerkung. Die Tasche wurde in großer Eile gepackt, einige Zipfel hängen hervor. Ich nehme mal an, Sie vor einem Ehemann...“
Er hielt kurz inne.
„Nein, kein Ehemann, eher ein Liebhaber.“
Abermaliges Schweigen.
„Nein, ein Liebhaber auch nicht. Dafür sind Sie zu aufgewühlt. Ich tippe auf eine langjährige Beziehung. Vier Jahre mindestens. Nicht verlobt. Ich nehme mal an, dass er Sie geschlagen hat.“
Mrs. Hudson kam mit dem Handtuch wieder. Sherlock fixierte Taissa mit seinen blauen Augen. Sie hielt seinem bohrenden Blick stand. „Nein, er hat Sie nicht geschlagen. Er hat Sie betrogen.“
Taissas Blick wich zur Seite.
Volltreffer! „Sie haben ihn inflagranti erwischt.“
Ihr schweres Ausatmen und das Beben ihrer Nasenflügel sprach mehr als tausend Worte. Mrs. Hudson starrte sie sprachlos an. „Sie sind Ihrem Impuls gefolgt und geflohen. Das Sie hier stehen, bedeutet, dass Sie nirgendwohin können. Sie haben vermutlich viele Freunde, aber die meisten sind in glücklichen Beziehungen und das widert Sie aktuell verständlicherweise an. Zu Ihren Eltern können oder wollen Sie nicht ziehen. Ich nehme mal an, Sie sind auf Mrs. Hudsons Anzeige aufmerksam geworden.“ Sein Blick glitt zu Martha, die schuldbewusst den Kopf senkte. Ein bleiernes Schweigen machte sich breit. Jetzt würde sie sicher gleich die Flucht ergreifen.

„Wow, Sie sind ja richtig schlau.“ Taissa rieb sich die Augen. Mit so einem Bombardement hatte sie nicht gerechnet. „Aber alles wissen Sie sicher nicht, Sie Drei- Groschen- Roman Schnüffler. Ja, ich weiß, wer Sie sind. Ich kenne Ihr Gesicht aus der Zeitung. Ich hätte aber nie gedacht, dass sie einen Fetisch haben und unter diesem Anzug einen BH tragen.“
Jetzt war es an ihm, sie erstaunt anzusehen.
„Ich wette auch, Sie wissen nicht alles über mich. Zum Beispiel, wie alt ich bin oder was ich beruflich mache.“ Taissa blitzte ihn herausfordernd an. Sie mochte es gar nicht, provoziert zu werden und dieser Schmalhans hatte sie eindeutig provoziert. Wenn er sich einbildete, sie so loszuwerden, hatte er sich geschnitten. Sie war mit drei Brüdern aufgewachsen.
„Spontan schätze ich Sie auf 28 oder 29. Das lässt sich aber nicht genau sagen, da Sie aussehen, wie eine Geisterbahnfigur. Was Ihren Beruf angeht, Sie studieren. Ihre Hände sind zu gepflegt für körperliche Arbeit und Ihre Gesichtszüge zu jugendlich, für eine regelmäßige und anstrengende Arbeit.“ Man, der war ja echt schlau. „Ich bin 26, aber danke für die Geisterbahnfigur. Und ja, ich studiere. Forensische Archäologie, um genau zu sein. Und ich arbeite nebenbei im Museum, führe dort Schulklassen und Kindergruppen herum. Sonst noch was? Ach ja, mit meinen Eltern hatte Sie Recht. Schon mal was von der Stanford Financial Corporation gehört?“
Die Antwort war ein knappes Nicken.
„Ich bin das jüngste von vier Kindern. Drei Brüder. Ich weiß also, wie man streitet. Und ja, ich bin abgehauen, weil mein beschissener Ex Verlobter mich mit so einer billigen, blondierten Schlampe betrogen hat. Ja, ich war verlobt. Sean, das Schwein wollte nur nie, dass ich einen Ring trage. Er hielt das für altbacken. Um diese Schmierenkomödie zu beenden. Ich bin Taissa Stanford. Meine Freundin nennen mich Tassy oder Tais. Sie aber gehören nicht zu meinen Freunden, also Ms. Stanford für Sie. Wenn Sie nichts dagegen haben, bringen meine Freund heute noch ein paar Sachen. Möbel und der Rest folgen.“
Sie wandte sich an Martha. „Mrs. Hudson, ich nehme das Zimmer gerne. Vielen Dank für die schnelle Hilfe. Sie werden es nicht bereuen.“
An Sherlock gerichtet. „Sie haben wohl gedacht, ich erkenne Sie nicht, Mr. Holmes. Da haben Sie sich geirrt. Das mit dem BH Fetisch behalte ich aber für mich, versprochen.“
Der Angesprochene sah sie unverwandt an. Nur das leichte Zucken seines rechten Mundwinkels verriet, dass er beeindruckt war. Noch nie hatte jemand seiner Deduktion so standgehalten. Mrs. Hudson fühlte sich irgendwie überrollt.
„Also gut, ich gebe Ihnen acht Wochen.“ Sherlock war aufgestanden und ging zum Fenster. „Beweisen Sie mir, dass Sie des Zimmers würdig sind. Aber fallen Sie mir nicht zur Last. Können Sie kochen?“
Taissa zuckte mit den Schultern. „Ein bisschen ja. Wenn ich in der Rumpelkammer nebenan einen Herd finde. Aber ich bin nicht Ihre Leibeigene. Ich werde die meiste Zeit sowieso nicht da sein oder lernen.“ Mrs. Hudson atmete erleichtert auf. Das war zumindestens ein Anfang.
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