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Das Tagebuch des Haytham E. Kenway - Die verlorenen Seiten Part 3

GeschichteFamilie, Übernatürlich / P16 / Gen
Edward Kenway Haytham Kenway OC (Own Character) Shay Patrick Cormac Thomas Hickey William Johnson
04.11.2020
15.09.2021
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Eine neue Woche und ein weiterer Mittwoch!

Dann wollen wir heute einen erneuten Blick auf die Gedanken des
Großmeisters werfen und schauen, wie es ihm bisher auf der Reise
in seine Heimat ergangen ist.

Die Ankunft in Bristol wird nach diesem Unwetter sehnsüchtigst erwartet.
Nicht nur von Master Kenway alleine, auch seine Familie wird froh über
festen Boden sein!

Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern!

LG MrsHEKewnay


Zitat Kapitel 50

Kapitel 50

*** Drei Wochen bereits eingepfercht! ***

1. April 1764


Ich hatte mir vermutlich das Ganze etwas zu schön geredet und befand nun, dass mich schon die kleinste Kleinigkeit in Rage versetzen konnte.
Meine Frau tat ihr bestes, eben genau das zur Perfektion auszubauen, so schien es und wir gerieten des öfteren aneinander. Jedes mal wurde uns aber wieder bewusst, dass wir noch nicht lange zusammen lebten, wir uns noch weiter aneinander gewöhnen mussten!
Am meisten störte mich der nächtliche Platzmangel, weswegen ich ab und an bei meinem Kammerdiener Zuflucht suchte. Dort hatte man ein provisorisches Rollbett mit dazugestellt, was alles andere als bequem war.
Ich war schon oft längere Zeit auf See gewesen und wusste um die Zustände auf einem Schiff! Dennoch war es dieses mal irgendwie anders und mich störte... ja einfach ALLES.

Etwas, was sogar mir extrem auffiel war, dass unser Sohn kaum noch von Alex weg wollte. Er schrie es förmlich aus, wenn Mrs. Wallace nur in seine Nähe kam.
Ändern konnte ich aber im Moment leider nichts, also ergab ich mich meinem oder besser unserem Schicksal und versuchte mich zusammenzureißen.
Heute zum Beispiel war ein Tag, welcher mich friedlicher stimmte, als ich an Deck trat.
Meine Frau stand mit Edward auf dem Arm an der Reling und erzählte ihm vom Meer, von Schiffen und, wie sollte es anders sein, von Piraten! Dann erschien ein leichtes Lächeln auf ihrem Gesicht, als sie sich unserem Sohn zuwandte, welcher in den letzten Wochen angefangen hatte, etwas unverständlich vor sich hin zu plappern.

Ich ging langsam hinüber zu den beiden und schlang meine Arme mitsamt meines Umhanges um sie, mit den Worten, dass diese Momente, sie lächeln zu sehen, sehr selten waren.
„Ich weiß und es tut mir leid, dass es so schwierig ist im Moment. Aber ich hoffe, es wird sich bald wieder etwas legen und sich entspannen.“
Das hofften wir alle vermutlich. Mrs. Wallace näherte sich mit einer Tasse Tee für meine Frau und lächelte mich an. Alex nahm ihn dankend entgegen und wie aufs Stichwort, nahm Sybill ihren kleinen Schützling an sich, welchem das ganz und gar nicht passte und das mal wieder lautstark kundtat.

Meine Frau ließ sich dieses mal aber nicht beirren, sagte leise, sie sei doch direkt neben ihm und ließe ihn nicht alleine. Auch sei sein Vater doch hier, er bräuchte keine Angst zu haben. Edward sah nicht begeistert aus, aber er wurde leiser und schniefte nur noch hin und wieder.
Langsam entfernte sich Mrs. Wallace von uns, bis sie am Bug bei Magda und Michael stand.
Moment, war das etwa abgesprochen von den beiden Damen?, ging es mir durch den Kopf und Alex erklärte sich daraufhin „Ja, unser Sohn muss lernen, dass wir für ihn da sind, er aber auch andere Bezugspersonen in seinem Leben haben wird. Es fällt mir schwer, aber es muss sein.“

Diese Aussage erstaunte mich, gerade aus ihrem Mund war es eigenartig zu hören. Trotzdem hatte sie Recht, wir würden für ihn da sein, ihn beschützen und genau das würden wir ihn lehren.
Alex hatte sich zu mir gedreht und ich sagte leise, dass ich sie liebe! Es war einer dieser Momente, die mich wieder zur Ruhe brachten und welche ich immer genoss. Ihr Kopf lehnte sich an meine Brust und ich hörte ein ebenso leises „Ich dich auch!“ und ihre Arme schlangen sich unter meinem Umhang um mich.

Diese Idylle hätte für ewig währen können, wenn es nach mir gegangen wäre. Doch es sollte in dieser Nacht ganz anders kommen.

**********************

Ich hatte beschlossen, dass man das Rollbett in unsere Kajüte bringen sollte, da ich einfach die Nähe zu meiner Frau und unserem Sohn vermisste. Auch wenn es dadurch noch ein wenig beengter wurde hier, es wäre ja nicht auf Ewig so!, redete ich mir ein!

Es konnte noch nicht lange gewesen sein, nachdem ich eingeschlafen war, als ich laute Stimmen und Getrampel vernahm. Zudem schien der Wellengang enorm zugenommen zu haben und wir schreckten alle drei gleichzeitig hoch. Hastig zogen wir uns an und eilten an Deck und bereuten es sofort.
Uns schlug ein eisiger Wind entgegen und der Regen peitschte über die Bohlen hinweg!
„Alex geh mit Edward hinunter in die Messe! Hier ist es jetzt zu gefährlich, dort habt ihr es wenigstens wärmer als in der Kajüte!“ ich musste schon gegen den pfeifenden Wind anbrüllen, damit sie mich verstand. Edward schrie wie am Spieß, während Alex mit ihm hinunter eilte.

Leider war es zu spät, sich in eine abgelegene Bucht zu flüchten, wir waren mitten auf dem offenen Meer!
Ich versuchte hier oben zu helfen, wo ich konnte. Immer wieder schlugen die Wellen über uns zusammen. Man hatte den Eindruck, der Sturm wurde stündlich mehr und vor allem kälter!
Wir büßten drei Segel ein, außerdem verstarben zwei Männer leider, bei dem Versuch die Taue zu sichern. Einer wurde von einem herabfallenden Haken tödlich verletzt und die andere arme Seele wurde von einer der Kanonen zerquetscht. Ich wünsche niemanden diesen Anblick, es war grauenhaft!

Auch für mich wurde es immer schwieriger, den Halt nicht zu verlieren.
Wir kamen kaum gegen das immer wieder über uns hereinbrechende Wasser an und unter Deck hatte man auch genug mit dem Wasser abpumpen zu tun.
Im Morgengrauen hatten wir es immer noch nicht überstanden, doch ich sah, wie Alex von unten hochkam und in unsere Kajüte eilte. Mit einem dicken Bündel kam sie wieder, ging aber ohne mich zu beachten an mir vorbei, verständlicherweise, weil sie auf ihre Schritte achten musste!

Immer wieder kam uns die White Moon sehr nahe, bekam aber jedes mal noch den Dreh, sich abzuwenden von uns. Aber man sah auch dort an Deck das hektische Treiben, welches auf einige Schäden hindeutete.

Gegen Mittag kam noch ein heftiger Hagel hinzu und die Wellen türmten sich immer weiter auf.
Für den Bruchteil einer Sekunde hatte ich den völlig absurden Gedanken, dass irgend jemand nicht wollte, dass wir in England heile ankamen! Ich schüttelte diese Bilder aber ab und machte mich daran, weiter die Jackdaw vor dem Sinken zu bewahren, was zunehmend schwerer wurde.
Plötzlich hörten wir den Ausruf, welchen man nicht gebrauchen kann.
„WASSEREINBRUCH IN DER UNTERSTEN SEKTION!“ und es eilten einige Männer hinunter, um dort auszuhelfen!
Die Hagelkörner waren so groß wie Wachteleier und schlugen kleine Löcher in einige Segel und ihr Aufprall auf der Haut war extrem schmerzhaft.

Als es gegen Abend ging, erschien Alex an Deck, rannte aber hinüber zur Kajüte.
Wieder draußen, sah ich, sie hatte sich umgezogen und half nun hier mit! Ich bemerkte in ihren Augen, auch wenn die Witterung wahnsinnig schlecht war, dass sie einfach Angst um ihr Schiff hatte.
Auch sie half, wo sie konnte, band die Taue fest oder brachte neue an, wo es nötig war. Immer wieder kamen neue Meldungen von Wassereinbrüchen oder von zerfetzten Segeln. Es blieb nicht bei den drei zu unserem Verdruss!

Mittlerweile war ich fast 48 Stunden wach und auf den Beinen, doch der Adrenalinpegel putschte mich auf und sorgte dafür, dass ich weitermachen konnte. Dann krachte es und wir sahen einen Blitz direkt neben der Jackdaw ins Wasser tauchen und dann brüllte jemand, dass etwas im Unterdeck Feuer gefangen hatte!
Der Hagel ließ jetzt aber Gott sei Dank langsam nach, dafür schlug der Regen von der Seite übers Schiff und der Wind hatte solche Kraft, dass man sich festhalten musste!
Am Mittag, so vermutete ich jetzt einfach, schlug das Wetter wieder von jetzt auf gleich um und wir fuhren der Sonne entgegen!
Erleichtert atmete ich aus und nahm meine Frau, welche zitterte und vor Erleichterung weinte, in die Arme.
„Wir haben es überstanden, mi sol!“ hörte ich mich mit krächzender Stimme sprechen, da ich mich in den letzten Stunden oder besser Tagen sehr verausgaben musste.

Es nieselte lediglich noch leicht und Alex meinte, sie würde jetzt Edward holen um ihn in Ruhe wieder stillen zu können. Leider hatte er nichts bei sich behalten, wie so einige andere Personen hier an Bord auch, sogar Magdas Übelkeit war zurück. Das konnte man niemandem verdenken bei solch einem hohen Seegang. Selbst mir war es nicht immer wohl gewesen und das sollte schon etwas heißen!

Ich ging hinter meiner Frau und unserem Sohn in die Kajüte, um mir ebenfalls trockene Sachen anzuziehen. Michael erschien damit er mir dabei half, da alles an meinem Körper klebte und meine Finger noch taub waren.
Alex hingegen wartete noch, bis mein Kammerdiener gegangen war und zog sich dann um.
„Mi amor, das war... ich weiß gar nicht, was ich sagen soll!“ ihre Stimme zitterte immer noch leicht und ich nahm sie in den Arm.
„Ich weiß, ich weiß. Aber wir haben es überstanden und ich hoffe, wir kommen nicht erneut in so einen Sturm...“ bevor ich jedoch weiter reden konnte, fing mein Sohn an zu weinen und verlangte nach seinem Essen. Er war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen, was ihm ein unheimliches Aussehen bei diesem Licht hier verlieh.

Ich ging hinaus und ließ die beiden ihre Ruhe ausnutzen, damit Edward wieder etwas in den Magen bekam. Jetzt hatte auch der Nieselregen aufgehört und ich atmete tief durch. Langsam schritt ich über das Deck und fing an, die Schäden in Augenschein zu nehmen. Die Zimmermänner hatten bereits begonnen, die Schäden zu beseitigen. Mittlerweile hatt man die White Moon mit der Jackdaw gesichert.

Kurz darauf erschien meine Frau in trockenen Sachen neben mir mit unserem Sohn, welcher jetzt wieder friedlich schlief.
„Oh es tut mir für unseren Schatz unendlich leid, dass er das erleben musste.“ auf meiner Zunge lagen die Worte „Ich hatte dich gewarnt, dass das Wetter sehr unbeständig zu dieser Jahreszeit ist!“ doch ich verkniff sie mir, ich wollte mich nicht schon wieder streiten!


2. Mai 1764

Bristol-Harbour


Man erlebt mich selten euphorisch oder überschwänglich, doch als wir den Hafen von Bristol erreichten, kannte meine Freude keine Grenzen!

Die letzten Wochen waren eine reine Qual gewesen, wenn ich ehrlich sein darf! Meine Frau machte mir das Leben mit ihrer Zeterei schwer, weil man es ihr nie Recht machen konnte. Sogar unser Smutje musste darunter leiden, sowie einige der Besatzungsmitglieder!
Dazu kam noch, dass Edward immer lebhafter wurde und man ihn nicht immer unter Kontrolle halten konnte. Man konnte meinen, auch er wäre froh, bald wieder festen Boden unter den... Füßen zu haben.

Wir hatten kurz vor unserem Aufbruch noch eine Mitteilung erhalten, dass nicht der kleine geschützte Hafenbereich angesteuert werden sollte, sondern der ganz normale. Dort sollten wir eine Unterkunft beziehen und der Geschäftspartner von Elias würde sich später mit uns in Verbindung setzen.
Gesagt getan! Als ich endlich dieses vermaledeite Schiff, verzeih mir Vater!, verlassen konnte, war es eine Wohltat. Jedoch brauchte ich einen Moment, um mich an diesen nicht mehr schwankenden Untergrund zu gewöhnen.

Alex hatte sich eines ihrer besseren Kleider übergezogen und machte sich jetzt mit Mr. Hargreaves auf zum Hafenmeister. Dort würden sie auch noch Einzelheiten erfahren, was den Händler beträfe.
Mit den Bediensteten und Edward bestieg ich eine Kutsche und suchte uns eine Unterkunft, welche in der Nähe des Hafens sein sollte. Der Kapitän der White Moon hatte uns eine kleine beschauliche Pension empfohlen, welche etwas gehobenere Ausstattungen hatte.
Nach ungefähr einer halben Stunde wurde ich fündig und besah mir die Räumlichkeiten. Die Eheleute, welche diese Pension führten waren ungefähr 50 Jahre alt und man hörte eindeutig, dass sie von hier kamen.

„Master Kenway, ihr reist ohne eure Frau? Das...“ ereiferte sich die Frau des Wirtes, Mrs. Eve Hammond!
„Nein, meine Gattin ist noch beim Hafenmeister, sie wird später zu uns stoßen.“ dabei lächelte sie Edward an. Als sie jedoch näherkam, wich mein Sohn zurück und griff um meinen Nacken. Fremden gegenüber war er scheu und zurückhaltend, was ich persönlich beruhigend fand.
Unser Zimmer war sehr geräumig mit angrenzendem Ankleidezimmer, welches noch eine Durchgangstür zu Mrs. Wallaces Kammer hatte. Eine Wiege würde man uns auch noch ins Zimmer bringen. Magda und Michael bezogen kleine Kammern am Ende des Flures, welche aber fast an unser Zimmer anschlossen.

Ich entließ die beiden für den Nachmittag, als unsere Garderobe verräumt war und Mrs. Wallace wickelte meinen Sohn neu, bevor auch wir wieder hinunter gehen konnten. Edward wurde immer lauter, weinte und ließ sich nicht beruhigen.
Also machte ich mich kurzerhand auf den Weg Richtung Hafen, um Alex dort in Empfang zu nehmen. So wäre unser Nachwuchs auch etwas abgelenkt und ich ebenso.

Von weitem sah ich Mr. Hargreaves und Alex in ein Gespräch vertieft. Als ich näher kam, lächelte mich meine Frau an, bemerkte aber das kleine jaulende Bündel auf meinem Arm und sofort trat Besorgnis in ihre Augen! Um sie nicht unnötig zu beunruhigen, sagte ich, ihm gefiele wohl unsere Unterkunft nicht. Ein Grinsen legte sich auf ihr Gesicht, als sie unseren Sohn übernahm.
„Oh, Edward, bist du etwa auch noch wählerisch was das Schlafen angeht?“ Seine kleine Hand lag mit einem leisen Patsch auf ihrer Wange und sein Schniefen war mehr als laut, doch er war ruhiger geworden.

Als Alex mir sagte, dass wir in den nächsten Tagen von dem Händler, Mr. Bradshaw, kontaktiert würden, machte sie den Vorschlag, dass wir uns die Stadt doch etwas genauer ansehen könnten.
Da Michael und Magda uns erst gegen Abend wieder antreffen würden, befand ich, dass es eine gute Idee sei. So hatten wir die Möglichkeit, etwas zu entspannen. Doch vorher sollten wir noch Mrs. Wallace Bescheid geben, damit sie uns begleiten und ab und an Edward übernehmen konnte.
Angekommen bei der Pension, blieb meine Frau für einen Moment staunend stehen.

„Die ist größer als ich dachte, mi amor. Das hätte ich hier nicht erwartet.“ mit offenem Mund ging sie weiter und ich zeigte ihr unser Reich. Auch hier blieb sie sprachlos für einen Moment stehen. Ich erklärte ihr noch, dass wir auf Wunsch Frühstück, Mittag- oder auch Abendessen bekommen würden.
Ich zeigte ihr ebenfalls wo unsere Diener ihre Unterkünfte hatten und wo Sybills Zimmer war.
Unser Sohn lag jetzt auf dem Bett. „Ich werde mich etwas frisch machen und dann wäre ich dankbar, wenn ich etwas zu trinken bekäme. Kaffee wäre mir ja am liebsten...“ hörte ich meine Frau leise sagen! Das konnte Alex vergessen, sie hatte mir selber erklärt, dass es für Edward nicht gut sei, so lange sie ihn stillte!

„Na, das kann ja noch ewig dauern. Aber da muss ich wohl durch, mi amor. Und DU auch!“
Sie streckte mir doch allen ernstes die Zunge bei diesen Worten raus! Mit wenigen Schritten war ich bei ihr und ergriff fest ihren Hintern!
„Mi sol, deine Lektionen nehmen so langsam Dimensionen an, welche ich nicht in einer Nacht abarbeiten kann. Also... zügel dich gefälligst oder ich schleife dich postwendend in die nächste dunkle Seitengasse...“
Nach diesen Wochen ohne Zweisamkeit mit meiner Frau, konnte ich mich nur schwer beherrschen, nicht über sie herzufallen! Ihr ging es anscheinend ähnlich!
„Das hört sich verdammt gut an, Master Kenway!“ flüsterte sie leise an meinem Ohr und ich spürte ihre Lippen auf meinem Mund…
 
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