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Die Rache des Waldes (Geschichte Nr. 6)

von Atheris
GeschichteFantasy / P16
OC (Own Character)
03.11.2020
03.11.2020
13
22.765
 
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03.11.2020 590
 
Der Weg war schlammig, machte das voranschreiten des Pferdes hinderlich. Der Mann auf dem Rücken des Pferdes zog seinen Umhang fester und hoffte, dass der Loden den hier anbrausenden Sturm möglichst von ihm und seiner wertvollen Ware abhalten mochte. Der Reiter rutschte ein wenig auf dem Pferd hin und her um eine angenehmere Position zu finden. Ein Unterfangen, dass nach den Stunden im Sattel ebenso bemüht wie zwecklos war.
Es war ungewöhnlich dunkel für diese Tageszeit befand der Reiter nach einem Blick in den von dunklen Wolken gänzlich verschluckten Himmel, aus dem es mehr Wasser goss als in Wyzima an einem guten Waschtag aus den Fenstern geschüttet wurde. Der Mann auf dem Rücken des Pferdes hieß Godwin Birnbaum. Sein Name stand in weißen Lettern aufgestickt auf seiner Brust, direkt über einem darunter stehenden Stickwerk, dessen Buchstaben das Wort 'Vattweir Botendienste' bildete. Godwin hasste diese Aufschrift auf seiner Brust, denn wenngleich auch Menschen dazu neigten sich nichts merken zu können - den Namen eines Dienstleisters, der sie nicht zufrieden stellte, den merkte sich jeder. Und Menschen die auf Post warteten waren selten zufrieden. Sie ignorierten den Fakt, dass die Straßen mit all ihren Passierwegen, Schlagbäumen und Zöllen nicht mehr so einfach zu bereisen waren wie dereinst unter König Foltest Zeiten. Ja, damals unter Foltest war das Leben noch einfacher gewesen. Damals hatte er als königlicher Bote gedient, hatte Befehle des Königs ausgeliefert, an jeder Herberge ein frisches Pferd verlangen können und war stolz auf seinen Beruf gewesen. Heute gab es keinen Foltest mehr. Keine königlichen Boten, keine Befehle die er ausliefern konnte. Statt einem frischen Pferd an jeder Herberge durfte er nur an genau bestimmten Wegposten sein Pferd wechseln. Wegposten, die als Außenstellen zu den 'Vattweir Botendiensten' gehörten. Es gab genau zwei davon in ganz Temerien.
Aber die Zeiten änderten sich. Einst war er ein königlicher Bote gewesen. Aber einst war sein Weib auch schön, die Kinder brav und seine Manneskraft unvorstellbar gewesen. Die Welt änderte sich. Er wurde alt, sein Weib runzelig und seine Kinder Tyrannen, die ihm auf der Tasche lagen. Also musste er weiterarbeiten und da er nie etwas Anderes gelernt hatte, war er zu den 'Vattweir Botendiensten' gegangen. Aber die Zeiten änderten sich nunmal. Und das Gehalt. Meistens zum schlechteren.
Ein Geräusch riss ihn aus seinen Gedanken, die sich in behäbiger Regelmäßigkeit um den Körper seines Weibers vor mehr als dreißig Jahren oder die Körper anderer Weiber, die heute keine dreißig waren, drehte. Er blickte sich in dem kleinen Waldstück um, welches sie nun erreicht hatten. Sein Pferd und er. An den Rändern des Weges lagen hohe Baumstämme, gefällt und aufeinandergeschichtet, weitere Bäume am Rande waren mit weißer Farbe markiert. Der Regen hatte zugenommen, zog lange Flüsse aus braunem Schlamm durch die Rillen am Wegesrand. Ein Rascheln war zu hören. Godwin sah in die Richtung des Raschelns, doch nichts zeigte sich. Godwin hätte schon geglaubt, dass er sich getäuscht hatte, dass er von der Reise müde und erschöpft war. Erneut wollte er das Pferd antreiben, doch der alte Gaul bewegte sich nicht. "Komm schon du verdammtes..." er trieb die Fersen in die Flanken, doch das Tier scheute nur auf, warf Godwin von sich, der mit einem krachen auf dem Boden aufschlug und schrie, als er sah was der Sturz mit seinem Bein angerichtet hatte. Er schrie, als er sah was sich ihm nährte. Schrie, als die Wurzeln ihn packten, schrie als sich die Raben auf ihn stürzten. Er schrie nicht mehr als die Wölfe kamen. Konnte nicht mehr schreien.
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