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Vernascht - Wie ich mich in einen Prostituierten verliebte

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
02.11.2020
09.03.2021
9
25.654
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02.11.2020 1.299
 
Mit achtzehn noch Jungfrau zu sein, war wohl eines der schwersten Schicksale, die man in seinem jungen Leben erleiden konnte. Erstrecht, wenn du dich in der Schule verplapperst und jeder nur noch darauf erpicht ist, dir die peinlichsten und dreckigsten Momente aus der Nase zu ziehen.

Ich weiß, wovon ich spreche, denn damit kannte ich mich sehr gut aus. Doch der Spaß an der Sache hört irgendwann auf, wenn sie dir auflauern, deine Tasche in den angrenzenden Teich werfen, dich als Schlappschwanz beleidigen oder zu Hause aufkreuzen, um mit dem Handy aufzunehmen, wie du dir einen runterholst.
Leider kann ich nicht behaupten, dass ich vor meinem kleinen Verplapperer der Macho der Klasse war. Meistens saß ich ganz allein vorne an der ersten Bank und in der Cafeteria standen sie auf, wenn ich zu ihnen wollte. Vielleicht bekomme ich jetzt Mitleid von vielen und in manchen Situationen war es auch echt scheiße, dennoch mochte ich es so irgendwie. Ich war eher der Einzelgänger, der sich nach dem Unterricht in der Bibliothek einschloss, damit er ungestört lesen konnte.

Wow, fast wie das pure Klischee eines Strebers. Aber so war es und ich hatte nichts dagegen, allein zu sein. Eine tägliche Routine, die sich seit der Grundschule durch mein Leben zog und an die ich mich gewöhnt hatte. Solange man mir keinen körperlichen Schaden zufügte, sollten sie mich eben meiden, so meine Devise.
Körperlicher Schaden begrenzte sich aber auch rein auf meinen Körper. Vor meinem Unterrichtsstoff oder Kleidern machten sie keinen Halt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir mal Sport hatten und meine Klasse es so absolut witzig fand, meine Hose und Unterhose zu verstecken und mich im ganzen Schulgebäude suchen zu lassen - untenrum nackt wohlgemerkt.

Doch das soll nicht die Geschichte über einen armen Jungen werden, der in der Schule gemobbt wurde. Vielmehr geht es um ein gewisses Ereignis in meinem Leben, das wohl alles verändert und mich zu dem gemacht hat, was ich heute bin. An diesem Ereignis waren meine Peiniger schuld, und während ich sie damals dafür verfluchte, bin ich mir nicht sicher, ob es nicht alles gut ist, wie es kam. Denn sonst hätte ich wohl nie ihn kennengelernt.

Es begann eigentlich recht einfach. Normaler Freitag in der normalen Umgebung - nichts Neues. Wie meistens saß ich mit einem Berg von Büchern in der Bibliothek, um sie noch schnell durchzuklappern, bevor in einer Woche die Sommerferien beginnen würden. Viele dachten zwar ich las irgendwelche Astrophysik oder mathematische Gleichungen in meiner grauen, langweiligen Strickjacke und der schlabbrigen, langen Hose. Stattdessen flogen meine Augen die Zeilen entlang, die von heroischen Schlachten um Elfen und Drachen sangen, die zwei liebende Personen nach einem Kampf um Gerechtigkeit zusammenführten und die den größten Mordfall dokumentierten, den New York je gesehen hatte.
Nicht jedes Streberklischee erfüllte ich also, auch wenn ich mich vielleicht nie aufstylte und meine Noten immer die besten der Klasse waren. Im Lesen konnte ich mich verlieren, es war eine meiner Leidenschaften.

Trotz der täuschenden Idylle kamen mich an diesem Tag ein paar Jungs aus meiner Klasse besuchen. Wie hungrige Bestien stürzten sie sich auf meine Bücher und lachten darüber, wie viele ich gehortet hatte. Wenn ich still dasaß und nichts sagte, verließen sie mich meistens schneller, weshalb ich geduldig abwartete. An diesem Tag hatten sie allerdings nicht so schnell genug von mir. Sie beschimpften mich und schubsten mich vom Stuhl. Selbst die Bibliothekarin traute sich nicht einzugreifen. Danke an dieser Stelle übrigens für die tolle Hilfe der Lehrer damals, die doch etwas mehr mitbekamen, als sie zugaben.

Jedenfalls wollten sie an diesem Tag einfach nicht von mir ablassen. Und irgendwann hänselten sie mich damit, dass mir doch das eine picklige und äußerst unangenehm riechende Mädchen aus der Nebenklasse Avancen machte. Sie wollten einfach nicht aufhören, machten Kussmünder und rätselten, wie unser Sex aussehen würde.
Da brach es aus mir heraus. Ich dummer, naiver Junge dachte allen Ernstes, sie würden damit aufhören, wenn ich ihnen erzählte, dass ich noch nie etwas am Laufen hatte.
Natürlich hatte ich mir da selbst ins Knie geschossen. Wer hätte denn auch angenommen, dass sie in den nachfolgenden Tagen so ein Theater daraus machen würden?

Ignorieren konnte ich es nicht mehr. Keine Gelegenheit ließen sie aus, um mir meine Unschuld unter die Nase zu reiben. Das Mobbing wurde schlimmer, sie machten Fotos von mir zu Hause wenn ich nackt war und hingen Plakate damit aus, sie filmten mich, während sie mich zwangen, peinliche Sachen in die Kamera zu sagen und sie verprügelten mich auch, wenn ich nicht wollte.

Und irgendwann war der Punkt gekommen, an dem sich mein gesamtes Leben ändern sollte. Anscheinend langweilten sie sich, mich bloßzustellen, weil ich so ein leichtes und nachgiebiges Opfer war, also wollten sie das Ganze mit einem Höhepunkt beenden. Deshalb fand ich mich keine zwei Wochen später vor einem grell leuchtenden, heruntergekommenen Gebäude wieder. An den Wänden klebten Bilder von leichtbekleideten Frauen, Tabledancerinnen die mit Stickern wie Lippenstift, Herzchen und Dessous dekorierten waren. Doch selbst die blickdichten Fenster ließen keine Zweifel daran, was das für ein Ort war.

Sie hatten mich zu einem Bordell gebracht, damit ich mich entjungfern ließ.
Wie hatte ich mich damals geschämt, mit hochrotem Kopf vor diesem Milieu zu stehen und ekelhafte Sprüche abzubekommen. Sie bestanden darauf, dass ich das durchzog, sonst drohten sie mir an, würde alles noch viel schlimmer kommen.

Mein kleines, ängstliches 18jähriges Gehirn konnte jede Primzahl bis tausend aufzählen, konnte Goethe, Faust und Shakespeare zitieren, konnte Latein und vier weitere Fremdsprachen... aber damit war ich so maßlos überfordert gewesen, dass ich mich einfach nur noch mitschleifen ließ.

Irgendwann hatten sie genug davon, auf mich einzureden, also drohten sie mir, mich in den nahen Fluss zu werfen, sollte ich meinen Arsch nicht bei zehn in das Haus dort bewegt haben. Was blieb mir anderes, als ihren Forderungen nachzukommen?
Und so begann ein Abschnitt meines Lebens, der für meine zarte Seele so dunkel und verrucht war, dass es bei jedem Gedanken daran zurück meine Nackenhaare aufstellt und aufgeregt kribbelt.

Denn niemals hätte ich gedacht, wie schmutzig und wild etwas sein kann, was mich trotzdem voll und ganz erfüllt.

Ein junges Leben, eine junge Liebe... Die Seite einer Medaille, die man besser nicht umdrehte, wenn man nicht mit allen Wassern gewaschen war.





Nachwort


Willkommen zu meiner neuen Geschichte!

Einfach super, dass ihr hergefunden habt, sei es durch eine meiner anderen Geschichten oder solltet ihr ganz neu bei meinen Storys sein! Dafür schon am Anfang ein liebes Dankeschön an alle!

Im Gegensatz zu meinem gewöhnlichen Vorgehen, ist diese Story nicht spontan entstanden, sondern hat einen (zumindest für meine Verhältnisse) ordentlichen Prozess von Entwicklung hinter sich - Ja, diesmal habe ich sie im Zaum halten können und die Richtung angegeben. ;)

Zuerst war ich mir nicht sicher, welche Idee ich hier auf FanFiktion.de hochladen soll, da ich mehrerer Entwürfe von Geschichten bereit hatte. Eigentlich hatte es auch eine andere Story geschafft, sich vorzudrängeln. Doch ich habe mich letztlich für Vernascht - Wie ich mich in einen Prostituierten verliebteentschieden.

Ich hoffe sehr auf eure Unterstützung, die für mich eine der schönsten Teile des Schreibens ist - wenn ich sehe, dass euch meine Arbeit gefällt und ihr Spaß an den Welten habt, die ich erfinde. Ihr gebt mir eine riesige Motivation, lasst mich Nächte durchschreiben und an der ein oder anderen Szene verzweifeln, nur um sie von Neuem zu beginnen und nachher so liebe Rückmeldungen von euch zu erhalten!

Deshalb gleich vorweg ein Dankeschön an alle, die hier sind und meine Story verfolgen werden!
Ich hoffe, wir sehen uns beim ersten Kapitel wieder, das wahrscheinlich diese Woche kommen wird.

Liebe Grüße


Farbenmaedchen
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