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Plötzlich in Danganronpa

Kurzbeschreibung
GeschichteMystery, Tragödie / P18 / Gen
K1-B0 Kaede Akamatsu Kokichi Oma Monokuma OC (Own Character) Shuichi Saihara
02.11.2020
25.01.2023
93
407.286
2
Alle Kapitel
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25.01.2023 6.764
 
Plötzlich in Danganronpa
Kapitel 87: Eine Attacke aus dem Jenseits?!

Ich hatte verloren, aber Kokichi sagte nichts.

„Ich verstehe nicht, wieso man das Necronomicon stehlen sollte“, meinte Maki nach einer Zeit.

Tsumugi neben mir schluckte bitter: „Was wenn… Diese Person das Wiederbelebungsritual damit durchführen wollte?“

Kaito gegenüber von uns erschreckte: „Wah! Das ist doch Nonsens! N-Niemand würde so etwas tun!“

„Keheheh, irre ich mich? Das ist doch genau das, was Angie bereits seit Tagen geplant hat“, erinnerte sich der Anthropologe.

„Ach, haltet die Klappe und fang nicht wieder damit an!“, erwiderte Kaito jedoch unruhig. Von seiner Zuversicht, die er vor einem Moment noch ausgestrahlt hatte, war nichts mehr übrig.

„Was ist schon wieder mit dir los?“ Skeptisch musterte die Attentäterin den Astronauten.

„Überhaupt nichts!“, stritt dieser sofort ab. Die Skepsis verschwand jedoch nicht aus Makis Blick.

Shuichi derweil war vollständig in seine Gedankenwelt abgetaucht: „Wieso sollte jemand Angie angreifen und ihr das Necronomicon stehlen, wenn diese Person wollen würde, dass das Ritual durchgeführt wird?“

„Es würde viel eher Sinn machen, wenn das Gegenteil der Fall wäre!“, flötete Kokichi munter.
Ich starrte auf meinen Teller und hoffte, dass niemand der anderen mich beachten würde. Auch, wenn man mich vermutlich sowieso schon durchschaut hatte. Ich konnte die anderen in diesem Moment nicht ansehen. Und wenn, dann würde es sicher nur Kokichis höhnisches Grinsen sein, was ich zu Gesicht bekam. Darauf konnte ich verzichten.

„Dann wollte diese Person also verhindern, dass Angie das Ritual durchführt…“, fasste Kiyo auf: „So wurde das Necronomicon also tatsächlich zum Motiv.“

Tsumugi lies ihren Löffel sinken. Ihr Augen wirkten unnormal leer: „Das kann sein, aber, was ich eigentlich dachte ist… Was ist, wenn… Wenn diese Person das Ritual selbst durchgeführt hat, um vielleicht jemand anderen wiederzubeleben? Was ist, wenn es gar nicht diese Person war, die Angie angegriffen hat, s-sondern der Geist eines der Verstorbene?! D-Der Geist das Austauschschülers!“

„Waaaaaaahhh! G-Geist!“, schrie Kaito entsetzt und sprang erschrocken von seinem Platz auf.

„Kaito?!“, fragte Maki überrumpelt, aber er beruhigte sich nicht: „G-Geist!!!“, rief er erneut und im nächsten Moment klammerte er sich an Maki, die neben ihm saß, fest. Sein ganzer Körper zitterte. Kaito wirkte wie ein vollkommen verängstigter kleiner Junge, der sich verzweifelt versuchte in den Armen seiner Mutter in Sicherheit zu bringen.

„H-Hey!“, brachte Maki gerade so heraus, mit der Situation vollkommen überfordert.

Aber Kaito hörte nicht: „D-Du sagst es war ein G-G-Geist?! Verarsch mich nicht!!“

„D-Das ist doch Blödsinn!“, sagte Maki, die noch immer vollkommen perplex zu sein schien. Zusätzlich schlich sich eine peinliche, aber nicht mindere Röte in ihr Gesicht.
Wir anderen unsererseits, die ebenfalls nicht mit so einer extremen Reaktion von Kaitos Seite gerechnet hatten, waren ähnlich überrumpelt.

„Willst du sterben!?“, fragte Maki den noch immer stark zitternden Astronauten und als er sie darauf immer noch nicht losließ, versetzte sie ihm instinktiv einen Schlag in den Magen, der so feste war, dass er sie augenblicklich los ließ. Das dumpfe Geräusch das Schlages hallte durch die Mensa, gefolgt von dem Scheppern der Teller, Gläser und des Bestecks auf dem Tisch, als Kaito gegen ihn stieß. Der Schlag war so heftig gewesen, dass Kaito hustete, worauf ihm ein kleines Rinnsal Blut den Mund herunter lief.

Geschockt ging mein Blick zwischen den Beiden hin und her. Peinliche Stille herrschte für einen Moment. Die beiden schauten einander nicht an.

„Kaito, du-…!“, begann Shuichi, aber der Astronaut fiel ihm ins Wort: „Das ist nichts… Ich werde… zurück auf mein Zimmer gehen, denke ich. Ich muss mich nur etwas ausruhen… Dann wird alles besser.“

Mehr sagte er nicht und verließ eilig den Raum. Maki schaute immer noch weg. Sie umklammerte einen ihrer langen brauen Zöpfe: „Dieser Idiot…“

„Er verhält sich schon die letzten Tage so seltsam…“, sagte Shuichi nach einem Moment.

„Aber jetzt wissen wir es“, begann die Attentäterin: „Dieser Typ hat allen Ernstes Angst vor Geistern. Deswegen hat er sich schon die ganze Zeit so verhalten. Von wegen, er ist krank.“ Sie stieß die Luft aus und wirkte dabei irgendwie genervt. Allerdings fand ich, dass es anders war als sonst. Vielleicht versuchte sie so ihren eigenen Schreck zu überspielen. Kaito gegenüber verhielt sie sich anders, als bei uns anderen.

„Nun, nun, seine Reaktion war jedenfalls extrem. Aber ich stimme dir zu. Er wirkte, seit dem uns das Necronomicon, als Motiv übergeben wurde, schon verschreckt sogar ziemlich kränklich.“  

„Schon lustig zu sehen, wie unser ach so unerschrockener Kaito, sich bei der bloßen Erzählung einer fiktiven Geistergeschichte ins Hemd macht. Und das, wo er sich gerade eben noch so aufgespielt hat!“, kommentierte Kokichi grinsend und bekam dafür einen düsteren Blick von Maki zu spüren.
„Was guckst du mich so wütend an? Ich sage die Wahrheit!“

„Fiktion? Also eigentlich meinte ich das ernst… Immerhin könnte wirklich-…“, begann Tsumugi, wurde aber von Miu unterbrochen, die plötzlich aus der Küche trat: „Ach halt endlich deine Klappe! Ich kann diesen Scheiß nicht mehr länger ertragen!“

„Miu?!“ Ich schaute auf. Hatte sie uns etwa die ganze Zeit zugehört?
Die Erfinderin hielt eine Schüssel in den Händen, aus welcher Nudeln hervorschauten: „Dieser Okkulte Nonsens ist Bullshit! Genau, wie euer Atua-Gewinsel! Eine Attacke aus dem Jenseits?! So etwas ist wissenschaftlich nicht möglich!“ Sie spukte, allen voran Tsumugi, diese Worte entgegen, ehe sie sich mit Hilfe von zwei Stäbchen, eine Portion Nudeln in den Mund schob. Dabei setzte sie sich in Bewegung und machte Anstalten, mitsamt ihrem Essen, die Mensa zu verlassen.

„Keheheh“, kicherte der Anthropologe bei ihren Worten, aber sein Gesicht wirkte dabei düster: „Was du da sagst impliziert, dass du nicht an Seelen glaubst. Wir haben schonmal darüber gesprochen. Totes Fleisch kann vielleicht nicht wiederhergestellt werden, aber, was ist mit der Seele eines Verstorbenen? Sie existiert auch ohne den Körper, ist aber nicht in der Lage ins Leben zurückzukehren…“ Seine Erzählung endete zwar, aber sein Gedankengang schien noch weiterzugehen. Dennoch sagte er nichts weiter.

Miu machte ein abfällig klingenden Laut und war im nächsten Moment auch schon durch die Tür. Bildete ich mir das nur ein oder distanzierte sie sich nun noch mehr, als sie es zuvor schon getan hatte. Es war das erste Mal, dass ich sah, wie sie ihr Essen mitnahm, anstatt sich zu uns anderen zu setzen. Sollte ich mir Sorgen machen?…

Kurz darauf beendeten wir unser Frühstück und unsere Wege trennten sich wieder. Shuichi wandte sich an mich und fragte, wen Tenko und ich außer ihm, Kaito und Maki, gestern Nacht noch draußen gesehen hatten. Ich erzählte ihm von unseren anderen Begegnungen, auch die Sache mit Monokuma kratzte ich an. Danach führte mich mein Weg zurück ins Wohnheim. Auch Kiyo hatte diesen Weg eingeschlagen. Im Wohnheim, erkundigten wir uns nach Angies Zustand. Laut Himiko und Tenko, schlief sie seelenruhig. Netterweise, bot Kiyo Tenko an, mit ihr zu tauschen, als ich mich laut daran erinnerte, dass ich ihr versprochen hatte, noch gemeinsam mit ihr zu trainieren. Das war zwar die Wahrheit, aber ich benutzte das als Vorwand, weil ich hoffte, dass sich so eine Chance ergab, mit ihr unter vier Augen zu reden. Ich versprach später ebenfalls noch eine Wache zu übernehmen.

In Tenkos Labor angekommen, kam ich gleich zur Sache. Nachdem ich mich versichert hatte, dass außer uns niemand in der Nähe war, drehte ich mich mit einem ersten Gesichtsausdruck zu Schwarzhaarigen um: „Wir haben ein Problem, Tenko. Sie vermuten, dass die Person, die das Necronomicon gestohlen hat, auch die Person ist, die Angie angegriffen hat.“

„Dann…Verdächtigt man uns?!“, fragte sie alarmiert.

„Nicht d-direkt… Heißt, ich bin mir nicht sicher. Die anderen wirkten nicht unbedingt so. Aber Kokichi! Kokichi weiß, dass zumindest ich etwas damit zu tun habe!“

„Aber wie?! Du hast doch nichts Verdächtiges gesagt, oder?!“

„Das kommt darauf an, wie man es betrachtet… Aber ich denke, er hat einfach aus mir herausgelesen. I-ich habe extra versucht nicht zu lügen, aber man muss mir angesehen haben, wie nervös ich wurde, als das Thema aufkam… Es tut mir so leid, Tenko. …D-Das Alles war eine dumme Idee…“ Schuldbewusst schaute ich auf den Boden.

Einen Moment wirkte die Aikido-Meisterin ebenfalls hilflos, bevor sie mir endlich etwas entgegnete: „Nein, Yuki… Es ist nicht deine Schuld.“

Ich schaute auf und sah die Schwarzhaarige gezwungen Lächeln: „Ich war doch diejenige, die von dir wollte, dass du mit mir zusammen etwas gegen Angie unternimmst.“

„Ja, aber der Plan mit dem Buch ist von mir gewesen“, widersprach ich ihr.

Tenko jedoch, schüttelte den Kopf: „…Ach, das ist doch egal!“ Ich zuckte, bei diesem plötzlichen Ausruf.
„Ist doch egal, wer von uns jetzt daran Schuld ist! Wenigstens haben wir versucht etwas zu tun! Und wir wissen es ja. Wir haben nichts mit der Attacke gegen Angie zutun! Mach dir nicht zu viele Sorgen, Yuki. Shuichi wird sicher die Wahrheit herausfinden, so wie er es immer tut. Wenigstens gab keinen weiteren Mord. Vielleicht wäre alles anders gekommen, wenn du nicht diese Sache geplant hättest.“

Ich ließ mir Tenkos Worte nochmals durch den Kopf gehen. Wirklich aufmuntern taten sie mich zunächst aber nicht: „Vielleicht…“

Die Aikido-Meisterin seufzte: „…Was für ein Schlamassel.“ Sie ballte die Fäuste: „Kokichi also. Wenn wir wegen diesem kleinen, nervigen Degenerierten auffliegen… Es macht mich wütend!…  Es bringt nichts, ich muss mich mit ein paar Aikido-Übungen abreagieren!“

Kokichi… Dieser Junge machte einem einfach immer nur Ärger und dann log er auch noch unentwegt… Das macht ihn doppelt anstrengend.
Ich für meinen Teil, hatte das Lügen bereits satt. Es war furchtbar anstrengend und bereitete einem nur Probleme…
„Tenko. Was wäre…, wenn wir diese Chance nutzen und aus dem Rat austreten“, kam mir eine Idee.

„Was?!“ Sie stockte in ihrer Bewegung.

„Wie lange wolltest du die Infiltration des Rates durchziehen? Das Necronomicon, dass Motiv, ist weg, so wie wir es wollten. Und das hier ist die perfekte Chance für uns. Angie wurde angegriffen… Sie argumentiert zwar, dass Atua mich ihr geschickt habe, a-aber was ist, wenn ich das einfach leugne? Das wäre ein guter Grund, um an Atua zu zweifeln und vielleicht… Vielleicht können wir auch so bei den anderen etwas bewirken. Wenn wir austreten wollen, dann jetzt.“

„… Daran habe ich noch gar nicht gedacht.“

„Selbst, wenn Shuichi herausfinden sollte, wie es wirklich war… Du hast es selbst gesagt. Wir haben mit der Attacke auf Angie nichts zu tun.“

„Ja schon, aber… War dann nicht alles um sonst?…“

„Umsonst?… Ich sage nicht, dass wir den anderen direkt davon erzählen müssen, dass wir das Buch gestohlen haben. Ich g-glaube, dass Kokichi der Einzige ist, der mich verdächtigt. Und das auch nur, weil ich so nervös war. …Wenn wir uns geschickt anstellen, können wir uns vielleicht noch retten.“ Mit dieser Idee, fasste ich neue Entschlossenheit. Auf diese Weise, würden wir auch den anderen im Rat, wenigstens nichts mehr vorspielen müssen. Wir würden über den Verbleib des Buches dennoch schweigen, jedoch wären wir zumindest einen Teil der Last los.


„Du hast schon recht… Das ist die beste Chance! Okay, wenn du das so sagst, klingt es gut… Und du denkst, dass wir Himiko so überzeugen könnten?… Weißt du, heute habe ich kurz gedacht, dass alles vielleicht gar nicht so schlimm ist. Du hast es doch gesehen. Himiko, wie glücklich sie darüber war, dass es Angie gut geht… Ich behaupte nicht, dass Angie auf einmal ungefährlicher ist… Nur, ich glaube nicht, dass Himiko Atua so einfach aufgeben würde...“

„Ich weiß, was du meinst. Gerade sie und Tsumugi scheinen besonders betroffen von Angies Einfluss. Ich wüsste aber auch nicht, was wir sonst tun könnten, um sie zu überzeugen. Auch nicht in Zukunft. W-wie hattest du dir das eigentlich vorgestellt?“

„N-naja… Also eigentlich…“, begann Tenko unsicher: „Ich bin dem Rat beigetreten, um Himiko besser schützen zu können und um Angie aufzuhalten, aber…“

„Du hattest nie einen genauen Plan“, fasste ich auf.

„Ähm…, ja. Nicht wirklich“, gab die Schwarzhaarige zu: „Ich hatte mir vorgenommen, die anderen überzeugen zu wollen… Aber mehr nicht. Deine Idee ist gut. Es ist die Beste, die wir haben. Es wird schon irgendwie funktionieren…“ Sie setzte ein Lächeln auf.

„Ja, das hoffe ich… Lass uns austreten, sobald es Angie wieder besser geht.“

„Ja, machen wir das. Und bis dahin!“ Sie begab sich in eine ihrer kämpferischen Haltungen: „Trainiere wir ein wenig! Aikido-Bewegungen sind eine Reflexion von mentaler Stärke und die werden wir sicher noch brauchen! Komm schon Yuki, du hast versprochen es nochmal zu versuchen.“

„Huh?!“ Machte ich ein wenig überrumpelt: „.. N-na gut… Aber nur unter einer Bedingung. Du wirst mich nicht durch die Gegend werfen.“

Und damit trainierten wir beide ein weiteres Mal zusammen. Ich stellte mich sicher nicht wirklich viel besser an, als beim letzten Mal. Dennoch war Tenko scheinbar zufrieden mit mir. Letztendlich war es überhaupt nicht so schlimm, wie befürchtet. Ich hatte sogar ein wenig Spaß.


~2000 Wörter
******************

Hey,
falls das hier noch jemand lesen sollte.
Ich muss mal wieder eine Pause ankündigen. Ich dachte eigentlich, dass ich vorher noch ein Kapitel schaffen würde, nun bin ich aber leider seit ein paar Tagen krank und konnte so auch nicht schreiben.
Ich weiß außerdem noch nicht, wie lange diese Pause gehen wird.
Für das erste, muss ich mich also wieder verabschieden.
LG Melodie

Flashbacksammlung
K 87

Inhalt:
1: Über Tote und deren Seelen
2: Begegnungen Nachtwache
3: Auf ein neues Aikido-Training …


1: Über Tote und deren Seelen:
“M-meine Güte, w-wer fucking bitte, würde schon so einen unwissenschaftlichen Scheiß glauben?” Miu sah sich dennoch unsicher um.
“Unglaube auf Grund von fehlenden wissenschaftlichen Erkenntnissen... Das ist die einfache Hybris der wissenschaftlichen Gesellschaft. Dieses Ritual... oder vielmehr diese Wiederbelebungszeremonie, scheint manch einer Begräbniszeremonie ähnlich. Versteht ihr? Ähnlichkeit, ja? Der Akt den Toten in die nächste Welt zu senden, auch das ist ein Ritual. Durch Gerüchte und Legenden können sich solche Rituale derart verändern. Nun soll es den Toten zurück in diese Welt geleiten.” Kiyo hielt mit ruhiger Stimme einen Monolog. Mir schien es ganz und gar kein einfacher Zufall zu sein, dass er von Begräbniszeremonien, die sich zur Wiederbelebungszeremonie kehrten sprach. Denn vor kurzen war ein bestimmtes Begräbnis noch Thema gewesen: “D-Du denkst dabei an unsere neueste Erinnerung?”, fragte ich mit unruhiger, aber auch leiser Stimme.
Beinah zufrieden lächelnd hob der Anthropologe seinen Zeigefinger: “Mhm... Kehehehe, ein guter Punkt. Aber exakt das ist es. Die Dinge scheinen sich miteinander zu verknüpfen.”
“I-ihr meint..., das ist kein Zufall?!”, fragte Tenko erschrocken.
“Die Frage ist doch, wieso sie das machen. Was ist der Grund dafür?”, hängte ich an.
Diese Frage schien keiner hier beantworten zu können. Die Stimmung war bedrückt, sie hatten es geschafft Furcht zu verbreiten. Die Furcht vor dem Unbekannten. Und dennoch war das alles einfach zu absurd, um dem Glauben zu schenken.
“Da ihr weiter darüber redet, schätze ich mal, dass zumindest du an diesen Kram glaubst, huh Kiyo?” Kokichi schaute den Anthropologen schräg an.
Dieser kicherte darauf amüsiert: “Keheheh... was sagst du denn da? Es ist nicht möglich, dass Totes wiederbelebt wird.” Er griff nach seiner Taschenuhr und fuhr, wie in Gedanken mit dem Finger über das Metall: “Ohne Zweifel existieren die Seelen der Toten, aber sie können nicht ins Leben zurückkehren...Totes Fleisch kann nicht wiederhergestellt werden, genauso wie zersprungenes Glas nicht wieder zusammengekittet werden kann.”
Kokichi verschränkte grinsend die Arme hinter dem Kopf: “Du glaubst also an Seelen, aber nicht daran, dass diese wiederbelebt werden können”, fasste er zusammen.
(Auszug: Kapitel 64: Ein Austauschschüler aus dem Grab)


2: Begegnungen Nachtwache:
Shuichi, Kaito und Maki: „Shuichi, Kaito und Maki, es ist Nachtzeit, was macht ihr hier draußen?“, fragte die Schwarzhaarige, wenn jedoch nicht mit ganz so fester Stimme. Wahrscheinlich hatte sie auch mindestens ein wenig Angst vor der Attentäterin.
„Wir trainieren“, antwortete Kaito, als sei alles in Ordnung. Allerdings passte sein Blick nicht dazu, der ernster als sonst war. Abwartend auf das, was wir nun tun würden schaute er in unsere Richtung.
„Aber zur Nachtzeit solltet ihr auf euren Zimmern sein…“, setzte die Aikido-Meisterin fort und fügte schließlich noch: „Das besagt die Regel des Schülerrats“, hinzu.
„Das ist uns egal“, sagte Maki kalt: „Der Schülerrat kann von mir aus Regel für sich selbst aufstellen, aber ich werde nicht erlauben, dass ihr uns anderen nun auch vorschreibt, was wir zu tun haben. Das habe ich heute Morgen bereits gesagt.“
Darauf schien die Aikido-Meisterin nicht zu wissen, was sie entgegnen könnte, immerhin war sie eigentlich derselben Meinung.
In diese Zeit wanderte Makis Blick zu mir und ich macht instinktiv einen Schritt weiter nach hinten. Wenn ich jetzt noch einen Schritt zur Seite machen würde, könnte ich mich hinter Tenko verstecken, aber das würde ich mir nicht erlauben.
„Und du?“, fragte sie an mich gewandt. Ich zuckte.
„Du bist nun auch Teil des Schülerrats?“, deutete sie richtig. Es war eigentlich keine Frage. Dennoch nickte ich verzögert, wenn auch nur scheu.
In ihren Augen konnte ich die Ablehnung sehen, die sie mir entgegenbrachte. Sie ließ es aber zu meinem Glück unkommentiert.
Tenko fand derweil ihre Worte wieder, dabei war sie mehr auf Maki fixiert: „Wir machen das nur zum Schutz von uns allen… Also bitte haltet euch an die Regel, dann haben wir keinen Ärger, den wollen auch wir nicht.“
„Oh man, ihr kapiert es echt nicht“, kam es nun von Kaito: „Es geht hier überhaupt nicht darum!“ Er seufzte genervt: „Die Regeln sind es die diesen ganzen Streit verursachen. Es ist also nicht das Problem, ob wir uns daran halten oder nicht. Eure Regeln sind das Problem!“
Ich schüttelte nur den Kopf so führte das doch zu nichts: „W-Wir haben diese Regeln nicht gemacht… Wir müssen nur dafür sorgen, dass ihr sie be-befolgt. Da-Das ist unsere Aufgabe. Es ist egal, ob wir dahinter stehen…“
„Du meinst, dass die Regeln von Atua gemacht wurden?“, mischte sich nun der Detektiv ein.
„Oder sprichst du von Angie?“ Kritisch betrachtete mich die Attentäterin und ich versuchte es irgendwie auszuhalten, ohne mich abwenden zu müssen.
„Das macht ja noch viel weniger Sinn. Wenn ihr also nicht dahinter steht, wieso seid ihr dann im Schülerrat?“ Verwirrt kratzte sich der Astronaut am Kopf.
Tenko musterte mich ebenfalls fragend.
„Ah, na-naja… Auch wenn wir nicht mit allen Dingen übereinstimmen, so fin-finden wir die Grundidee gut…“ Nervös umklammerte ich meine eigene Hand.
„Du meinst, für immer hier zubleiben?“, mutmaßte Shuichi.
„Ja-ja, genau…“, stimmte ich schnell zu. Natürlich war das nicht die Wahrheit, aber mir fiel keine andere Methode ein. Wenn ich so etwas, wie eine Gemeinsamkeit schaffen konnte… Indem ich ihnen ein gewisses Verständnis entgegen brachte, könnte ich ihre Reaktion vielleicht vermindern…
Wann war ich eigentlich jemand geworden, der so dachte…?
„Das ist auch Schwachsinn“, meinte Maki abfällig und erhob sich nun komplett. Zu ihrer vollen Größe aufgerichtet, wirkte sie gleich bedrohlicher auf mich und das obwohl ihr Blick nun weniger grimmig war. Außerdem überragte sie mich nur minimal, wie ich schätzte.
Sie seufzte und klang schon beinah genervt: „Und das weißt du ganz genau.“ Wieder durchbohrte sie mich mit ihrem Blick, weniger unheimlich, mehr forschend, dennoch vergas ich kurz das Atmen und verschluckte meine Antwort so vollkommen.
Hatte sie mich durchschaut?!
Dann wandte sie sich plötzlich ab. Nur kurz drehte sie sich noch zu den beiden Jungs um: „Das ist mir zu dumm. Ich werde jetzt gehen. Ich bin ohnehin fertig.“ Mit diesen Worten machte sie auf dem Absatz kehrt und lief in Richtung des Wohnheims davon.
„Hey, wa-…“, machte Kaito fassungslos: „Sie geht einfach?!“, fragte er an Shuichi gewandt ungläubig.
Dieser schwieg allerdings nachdenklich.
„Echt jetzt?! Werden hier jetzt alle verrückt?“ Der Astronaut verstand gar nichts mehr.
Auch Tenko zeigte sich überrascht, doch ließ sie sich das nicht so sehr anmerken und wandte sich stattdessen Shuichi und Kaito zu: „Ihr solltet ihrem Beispiel folgen.“ Nun klang sie weniger zurückhaltend, was wohl daran lag, dass Maki weg war, auf die sie zu Anfang auch hauptsächlich fokussiert gewesen war.
„Du hast Nerven, unser Training ist noch nicht mal vorbei!“, schimpfte der Astronaut nun wirklich verärgert.
Ich konnte es ihr ansehen, dass sie kurz davor war den selben Fehler, wie heute Nachmittag zu begehen. Wobei es diesmal aber wirklich Kaitos Schuld gewesen wäre, da er das Training, dem er offensichtlich nicht selbst nachging, noch immer als Begründung verwendete.
Doch Tenko besann sich eines besseren und lies ihren Arm sinken den sie im begriff gewesen war zu erheben, um damit wütend auf Kaito zu deuten.
Man konnte darüber streiten, ob die Alternative so viel besser war, denn nun wechselte sie in eine ihrer Aikido-Posen und sah die beiden Jungs ihrerseits genervt an, während sie ankündigte: „Wenn wir beiden gleich wieder hier vorbeikommen und ihr dann immer noch hier seid, werde ich euch persönlich zurück in eure Zimmer werfen und das Stück für Stück!“
„Du…“, knurrte der Astronaut verärgert, ganz ähnlich, wie heute Nachmittag.
Tenko machte es wie Maki. Mit einer schnellen Bewegung drehte sie sich herum und setzte sich in Bewegung, während ich noch unsicher zwischen ihr und den beiden Jungen hin und her sah. Kaito kochte beinah vor Wut, konnte sich aber selbst noch irgendwie im Zaum halten. Vielleicht lag das aber nur an seiner schlechten Verfassung oder auch daran, dass Shuichi ihm einen Blick zuwarf, der ihm von allem anderen abriet. Ich lächelte nur entschuldigend.
Es hatte funktioniert… Nicht so, wie ich wollte, aber es hatte funktioniert… Zumindest, wenn die beiden gleich wirklich nicht mehr hier wären.
Ich drehte mich schnell um, um Tenko einzuholen, die schon einen Vorsprung hatte.
(Auszug: Kapitel 81: Eine völlig schockierende Erkenntnis)

Miu: „Heeeeeee!“ Erklang ein Schrei von der anderen Seite und es erfolgte ein lautes Poltern.
Ich trat vorsichtig um die Ecke herum und meine Vermutung bestätigte sich. Tenko stand bereits wieder in einer ihrer Kampfposen, bereit für einen weiteren Angriff und vor ihr auf dem Boden lag die blonde Erfinderin. Tenko musste sie gepackt und geworfen haben.
„M-Miu!“, stammelte ich dennoch.
„Was tust du hier, Miu, es ist Nachtzeit?!“ Fragte die Aikido-Meisterin streng, ohne sich ablenken zu lassen.
„Wa-Was zur Hölle fällt euch eigentlich ein!?“ Es war eine Mischung aus Wimmern und Schreien, als sei sich die Erfinderin selbst nicht sicher, ob sie weiterhin erschrocken oder eher wütend reagieren sollte.
„Wir sind auf Nachtwache. Unsere Aufgabe ist es dafür zu sorgen, dass ihr zur Nachtzeit auf euren Zimmern bleibt!“, gab Tenko zurück, ohne wirklich eine Mine zu verziehen: „Du kennst die Regeln, Miu. Also wieso schleichst du noch hier herum.“
Nun hatte sie allem Anschein nach den ersten Schreck überwunden und sich dafür entschieden, dass sie uns doch lieber anschnauzen wollte, als sich kleinkriegen zu lassen. Ziemlich schnell stand die Blondine wieder auf den Beinen und verpasste ihre Chance nicht, Tenko ordentlich ihre Meinung zu geigen, jedoch mit einem gewissen Sicherheitsabstand: „Schiebt euch eure beschissenen Regeln sonst wo hin! Mich juckt das kein Stück! Immerhin habt ihr sie nicht mehr alle beisammen! Ein Genie, wie ich, lässt sich von einer Gruppe Gestörter, wie euch, nicht zurückhalten!“, warf sie Tenko ins Gesicht. Mich streifte ihr Blick nur kurz, bevor sie sich entschieden von mir abwandte und schon war mein schlechtes Gewissen ihr gegenüber wieder da.
Während Miu sprach hatte sie, wie sie es oft tat, wild mit ihren Armen herumgefuchtelt, was ihr zum Verhängnis werden sollte. Denn wie sich herausstellte, war der Sicherheitsabstand, den sie zwischen sich und Tenko gelassen hatte nicht groß genug. Schon hatte die Aikido-Meisterin einen ihrer Arme gepackt und sie abermals auf den Boden befördert: „Haiyahhh!“
„Te-Tenko!“, rief ich erschrocken. Sie reagierte so schnell, dass ich nicht in der Lage war etwas dagegen zu unternehmen.
Mit einem weiteren Aufprall kam Miu auf dem Boden auf und quickte erschrocken.
„So lasse ich dich nicht über uns reden!“, stellte die Aikido-Meisterin klar.
„Du verfluchte Bitch! lasst mich doch in Ruhe!“, gab die Erfinderin nun wieder eingeschüchtert zurück.
„Tenko!“, wiederholte ich mich und trat auf die schwarzhaarige zu: „Das hat doch keinen Sinn.“
Die Aikido-Meisterin schien anderer Meinung, starr sah sie in Mius Richtung, ohne ihre Haltung aufzugeben. Sie war verärgert, auch wenn man es ihr nicht so stark ansehen konnte. Zudem überraschte es mich, wie viel Energie sie nach allem noch zu haben schien.
„Du-Du warst… auf dem Weg zum Computerraum oder Miu?“, wandte ich mich schließlich an die Blondine, die es dies Mal vorzog auf dem Boden sitzen zu bleiben. Es schien ihr wohl die sichere Position zu sein.
Einen kurzen Moment musterte sie mich, dann sprach sie wie gehabt: „So ist es! Und dann seid ihr beiden erbärmlich flachbrüstigen Wichtigtuerinnen hier aufgetaucht!“
Die Augen der Aikido-Meisterin neben mir zuckten und ich hatte kurz Angst, sie würde wieder auf Miu losgehen. Diese anscheinend auch, denn sie quickte erneut erschrocken und versuchte noch im Sitzen zurückzuweichen: „…Im-Immerhin arbeitet ich nachts produktiver, deswegen bin ich hier hergekommen…“, hängte sie schnell noch an ihre Worte dran.
Die Grünäugige, die schon die ganze Zeit ungewöhnlich ruhig war, begann mit ernster Miene zu sprechen: „Ich habe das schon verstanden. Du kamst hier her, weil du dachtest, dass du um diese Zeit keinen mehr von uns hier antreffen würdest. Das ist auch der einzige Grund, wieso du diesen Raum vorhin verlassen hast. Aber als wir trotzdem nochmal herkamen, hast du uns gehört und versucht dich an uns vorbeizuschleichen!“
„Da-Das hast du vorhin mitbekommen?!“ Damit hatte Miu nicht gerechnet und ich auch nicht.
„Moment…. Sie war vorhin schon hier…?“, fragte ich überrascht.
„Ja, genau. Als die Nachtzeit begann, hat sie diesen Raum verlassen, um so zu tun, als würde sie sich an die Regeln halten“, erklärte mir die Aikido-Meisterin, während sie Miu am Boden nicht aus den Augen ließ.
„Da-das ist mir gar nicht aufgefallen.“ Ich war ehrlich beeindruckt von Tenkos Auffassungsgabe. Wenn sie einmal in ihrem Element war, schien sie beinah, wie ausgewechselt. Sie wirkte viel ruhiger und ausgeglichen, als sie sonst auftrat. Normalerweise strotzte sie nur so vor Energie, die sie durch ihr Neo-Aikido versuchte abzubauen. War das eventuell eine dieser neuen Seiten, die sie an sich selbst durch ihr Training kennenlernte?
„Urgh…“ Machte Miu ertappt und schaute zur Seite.
Ich betrachtete die nun ziemlich kleinlaute Erfinderin am Boden. Jetzt, wo ich mehr darüber nachdachte… Das klang wirklich nach etwas, was Miu tun würde.
„Und jetzt geh zurück auf dein Zimmer!“, wies die Schwarzhaarige sie an, als sie sich noch immer nicht bewegte. Worauf hin Miu sie böse anschaute, aber erstmal nichts weiter entgegnete.
Langsam erhob die Blondine sich und stapfte an uns vorbei. Ihr Gang wurde vorsichtiger, als sie in die Nähe von Tenko kam. Erst als sie ein gutes Stück entfernt war, wagte sie es uns wieder etwas entgegen zu schleudern: „Thss, ist auch egal. Sobald ich eine Maschine erfunden habe, die einen weiterarbeiten lässt, während man schläfst, könnt ihr unansehnlichen Bitches mich nicht mehr vom Arbeiten abhalten! Hah-hahah!!“ Danach war sie ganz schnell verschwunden. Frech und feige, ärgerte ich mich, was für eine Kombination.
(Auszug: Kapitel 81: Eine völlig schockierende Erkenntnis)

Kokichi: Flink, nicht weit von uns beiden, huschte eine kleine, weiße Gestalt durch die Dunkelheit. Bei dieser handelte es sich um niemand anderen, als Kokichi, der sein Tempo schnell gedrosselt hatte und nun regelrecht durch die Gegend schlenderte. Es sah nicht so aus, als hätte er dabei ein bestimmtes Ziel. Uns beide hatte er bereits bemerkt, doch machte er keinerlei Anstalten vor uns wegzulaufen.
„Dir ist bewusst, dass du gerade die Regeln des Schülerrats brichst?!“ Die Frage war nicht ernst gemeint. Die Aikido-Meisterin war noch immer sauer auf den ultimativen Anführer, wegen der Sache mit der Maske, das kam noch hinzu.
„Mhmm… lass mich überlegen…“, kicherte Kokichi und mir schwante bereits übles.
„Ja, das weiß ich! Und was wollt ihr dagegen tun?“, kam seine Antwort einen kurzen Moment später.
„Du kleiner…“, zischte die Aikido-Meisterin: „Erst spielst du mit unserer Dekoration herum, machst sie kaputt und jetzt machst du dich auch noch über uns lustig?!“ Es sah ganz danach aus, als würde sie sich nicht mehr lange zurückhalten: „Du bist wirklich der Schlimmste!“
„Kokichi, bist du etwa nur hier draußen, um uns beide zu ärgern? Geh einfach wieder rein und die Sache ist erledigt“, versuchte ich die Situation zu retten. Mal abgesehen davon, dass ich diesen Job nicht mochte, war ich langsam etwas erschöpft und hatte keine Lust mehr auf lange Streits.
„Nee-hehehe, wie kommst du denn darauf? Sowas würde ich doch niiieeeemals tun! Dafür ist mir meine Zeit viel zu kostbar!“
„Sicher…“, ich seufzte müde.
„Ihn einfach so gehen lassen? Auf keinen Fall! Er ist mir heute Mittag schon entwicht!“ Schon hatte Tenko sich wieder vor ihm aufgebaut: „Nun, nerviger Degenerierter, wirst du gerichtet werden, von dem Neo-Aikido-der-Gerechtigkeit!“
„D-Dem was?“, fragte ich verwirrt.
„Dem Neo-Aikido-der-Gerechtigkeit! Das, welches mein Meister und ich immer einsetzen, gegen Schurken und Lügner, wie ihn! Haiiiiyah!“
Tenkos Attacke sollte ihn verfehlen. So geschwind, wie eh und je, war Kokichi ausgewichen und hatte ein gutes Stück Sicherheitsabstand zwischen Tenko und sich gebracht: „Oh ja, dann lasst uns wieder fangen spielen! Ihr zwei gegen mich. Aber diesmal erwarte ich, dass ihr euch mehr Mühe gebt. Vor allem du, Yuki“, flötete er amüsiert.
Seine Worte erinnerten mich an die Situation mit den Motiv-Videos. Eine Sache, die ich versucht hatte zu vergessen.
Ich schüttelte meinen Kopf, um die Erinnerungen abzuschütteln: „Vergiss es Kokichi, wir werden dir sicher nicht hinterherjagen.“
„Sprich mal lieber nur für dich!“, wies er mich hin, denn Tenko war bereits damit beschäftigt ihn erwischen zu wollen. Aber Kokichi war schnell und ließ die Schwarzhaarige gar nicht erst nah genug an sich heran. Er hatte ohne Zweifel aus seinem Fehler heute Mittag gelernt und beobachtete Tenko aufmerksam. Von Tenko allerdings konnte man das weniger behaupten.
Eine kurze Zeit ging es weiter hin und her, bis Kokichi schließlich lachend in der Dunkelheit verschwand. Tenko musste seine Verfolgung schließlich wieder aufgeben, nicht zuletzt wegen mir, die ihr stark davon abriet, denn es wäre nur zu Kokichis Unterhaltung.
Was der ultimative Anführer wirklich hier draußen wollte, blieb eine offene Frage. Ob er wirklich nur hier war, um uns auf die Nerven zu gehen? Ich konnte es nicht mit Sicherheit sagen, dafür war er zu undurchsichtig.
„Ich würde gerne denken, dass er jetzt auf sein Zimmer zurückkehrt, aber das glaube ich irgendwie nicht“, ärgerte sich die Aikido-Meisterin: „Er ist wirklich der nervigste aller Degenerierten! Aber nächstes Mal, werde ich ihn ganz sicher erwischen!“
„Ich weiß, das ist schwer. Aber du darfst dich nicht immer so von ihm provozieren lassen. Er legt es darauf an, dass wir uns über ihn ärgern“, sagte ich und gähnte.
„Das weiß ich, aber das ist es, was mich so wütend macht.“ Die Schwarzhaarige ballte die Hand zur Faust.
„Dann, lass uns über etwas anderes reden, um uns abzulenken“, schlug ich vor und wir setzten unseren Weg fort.
(Auszug: Kapitel 82: Ein ominöser Fund)

Monokuma: „Huh?! Wie kommt der denn hier her…?“ Erschrocken zuckte ich zusammen, als neben uns plötzlich jene Stimme erklang, die wir seit ein paar Tagen schon hatten nicht mehr ertragen müssen: „M-M-Monokuma!“
„Wahh! Du?!“, erschreckte sich auch Tenko und verlor beinah das Gleichgewicht. Dann jedoch fing sie sich wieder, nahm sofort eine defensive Position ein und stellte sich zwischen mich und dem so plötzlich Erschienenen.
„Wie kannst du es wagen, dich nachts einfach so, an zwei Mädchen heranzuschleichen?!“
„U-Und ü-überhaupt, seit wann hast du eine neue Kopie?“, stotterte ich, mich noch von dem Schreck erholend.
„Dieser Monokuma hat definitiv genauso wenig Manieren, wie seine Vorgänger!“
„Puhuhuhuh… Was für eine Anschuldigung, wie unverschämt! Dabei ist das doch gerade mein erster Auftritt, nach so langer Zeit. Und immer müssen sich alle so erschrecken.“
Natürlich übertrieb er, auch in seiner angeblichen Verdrossenheit, als er wie gekränkt den Kopf senkte. Seine Stimmung sollte sich jedoch sehr schnell wieder verändern. Nun riss er die Pranken empor und verkündete ernst: „Und natürlich habe ich Manieren! Ich bin mir sicher, ich bin eines der bravsten und verlässlichsten Maskottchen überhaupt! Es gibt welche, die sind viel schlimmer als ich!“
„Und wer bitte soll das sein?“, fragte Tenko skeptisch, wurde aber ignoriert.
„Hin und wieder seine Schülerschaft zu ärgern ist doch schließlich auch unterhaltsam“, fügte der Rektor noch hinzu.
Tenko zischte verärgert: „Wenn du das nochmal tust, dann schwöre ich dir, werde ich dich mit einem Aikido-Wurf so weit weg werfen, wie es mir nur möglich ist!“
Sicherheitshalber griff ich nach dem Arm der Schwarzhaarigen: „T-Tu das nicht, das wäre gegen die Schulregeln. Und du weißt, was geschieht, wenn wir gegen sie verstoßen.“
„Puhuhuh… Gut aufgepasst! Aber ein wenig bedauernswert. Immerhin wäre es sicher lustig geworden, wenn die Exisals sie zerquetscht hätten!“, kicherte der schwarz-weiße Killerbär und mir wurde ganz anders. Auch Tenko liefen einige Schweißperlen die Stirn hinab und sie ließ in ihrer Haltung locker: „Da-Das ist abartig“, sagte sie verstört.
„Aber naja.~ Es ist so vermutlich besser, immerhin sollt ihr ja im Killing-Game sterben.“
Ein weiteres mal heute, ballte Tenko ihre Hände zu Fäusten. Diesmal jedoch aus Verzweiflung, darüber nichts ausrichten zu können.
„Nun, kommen wir zurück zu dem Ding da!“ Mit diesen Worten stand der Rektor schon vor uns und versuchte mir den Schlüssel zu entreißen. Zum Glück allerdings, reagierte ich schnell genug, sodass Monokuma ins Leere griff. Nicht nochmal, das hatte ich mir schließlich vorgenommen.
„Hey! Jetzt sei doch nicht so!“, schimpfte der schwarz-weiße Bär, doch ich dachte gar nicht daran den Schlüssel herauszurücken.
Monokuma seufzte, gab es jedoch scheinbar auf, mir den Schlüssel klauen zu wollen. Stattdessen starrte er auf meine Hand, aus welcher der Kopf des Schlüssels hervorschaute:
„Mhm…, aber es ist, wie ich mir dachte…“, murmelte er: „Das Schloss der Mysterien…“
„Das Schloss der Mysterien…?“, fragte ich vollkommen verwirrt.
„Was ist wie?! Jetzt rück schon mit der Sprache raus!“,  forderte Tenko.
„Nun…“, der Rektor wartete einen Moment. Vermutlich, um die Spannung zu steigern: „Ich darf dir gratulieren, Yuki!“, verkündete er schließlich feierlich: „Dieses sonderbare, gar ominöse Item, ist für dich… vollkommen nutzlos! Puhuhu!“
„Ähm…“, mir fehlten die Worte.
„Huh? Aber ist das nicht so ein Preis aus dem Casino“, wiederholte Tenko ihre Behauptung von eben.
„Nein!“, bekam sie jedoch sofort als Antwort.
„Nein?“, wiederholte sie verwirrt.
„Nein!“
„Aber-… Was ist es dann?“
„Der Schlüssel aus dem Casino erlaubt es, die Love-Suite zu betreten und dort genau eine Nacht, mit einer weiteren Person zu verbringen. Aber dieses Ding hier!“ Er deutete auf den Schlüssel: „Ist ein längst überholtes Modell!“
„Äh, ein überholtes Modell?…“ Bedeutete das etwa… Das das hier nicht das erste *Spiel* war, welches an diesem Ort abgehalten wurde?!
„Ja, ja, alt und schlecht. Viel zu langweilig. Diese Person hatte einfach keinen Geschmack.“ Der Bär machte eine wegwerfende Prankenbewegung.
„Wer ist-…“, wollte ich fragen, wurde aber vom Rektor unterbrochen: „Na, na, an einem Ort, wie diesem, spielt die Vergangenheit keine Rolle mehr. Wichtig sind nur die Gegenwart und die Morde von morgen. Ihr habt euch nur auf das Hauptereignis zu konzentrieren. Das Killing-Game!“
„Aber-…“, wollte ich einwenden, doch das ließ der Rektor nicht zu: „Jedenfalls, der Schlüssel ist wertlos. Ich gebe dir zehn Monocoins dafür.“
„Eh, nein“, lehnte ich überrumpelt ab. Die Sache stank doch zum Himmel.
„Na gut, zwanzig!“ Machte Monokuma mir sofort ein neues Angebot.
Ich schüttelte den Kopf.
„Wie du willst, dann eben fünfundzwanzig.“
„N-Nein, auch keine fünfundzwanzig. Ich werde ni-…“, weiter kam ich nicht, schon schleuderte er mir ein weiteres Angebot entgegen: „Schön, heute bin ich großzügig. Fünfzig!“
„Ich habe doch gesagt ich-…“
„Einhundert, niemand bietet mehr!“ Machte er schon weiter.
„Ich fühle mich wirklich unwohl, Zaungast zu sein, bei einer Verhandlung bei Nacht am Wasser“, merkte Tenko an, bevor ihr etwas wieder einfiel: „Ah, aber warte Mal! Hast du nicht gerade noch gesagt, der Schlüssel sei wertlos?!“
„…“ Der Rektor schwieg.
„Ja, genau. Und ich werde nicht ver-…“
„Mein letztes Angebot! Ich entsorge für dich den Schlüssel und als Entsorgungsgebühr, zahlst du mir einhundert Monocoins!“
„Es reicht!“ Ich holte tief Luft: „Lass diese bescheuerten Spielchen. Entweder du sagst uns jetzt die Wahrheit oder aber es gibt nichts mehr, für das es sich lohnt hier zu bleiben.“
„…“ Kurz schaute er mich verdutzt an, dann fing er an unheimlich zu lachen: „Kayahahah! Oh-ho, so einen rebellierenden Ton, habe ich von dir am wenigsten erwartet. Aber ich gebe zu, dass mir diese Seite mehr gefällt, als dein langweiligeres Selbst.“
War das nun ein Kompliment oder eine Beleidigung?
„Ja, ja, Teenager, wie ihr, müssen auch mal rebellieren, das ist wichtig für die Entwicklung. Sogar…“ Er schniefte: „Meine eigenen Kinder. Kinder müssen rebellieren, damit sie anschließend von ihren Eltern die Leviten gelesen bekommen können, wenn sie schmerzlich einsehen, dass jeder Versuch vergebens sein wird, weil sie ihrem alten Herrn niemals das Wasser reichen können werden. Manchmal geht es eben nur auf die harte Tour. Aber das macht schließlich eine gute Erziehung aus.“
Monokuma schniefte abermals: „Kinder müssen rebellieren, auch wenn es dem Elternteil sehr weh tut, so hintergangen zu werden.“
„Es ist, wie du gesagt hast, Yuki. Es gibt nichts mehr, für das es sich lohnt hier zubleiben“, stimmte Tenko mir zu und wir beide setzten uns in Bewegung, den nun deprimierten Monokuma hinter uns lassend.
Wieder schniefte er: „Behalte den Schlüssel, Yuki. Vielleicht wir ja eines Tages doch etwas besonderes geschehen… Oder auch nicht… Wer weiß?“
(Auszug: Kapitel 82: Ein ominöser Fund)



3: Auf ein neues Aikido-Training …:
Dann bleibt uns wohl nichts anderes übrig als zu warten… Und dann, müssen wir uns wirklich beeilen…“ Mich umfing ein schlechtes Gefühl. Ich wusste doch schon irgendwie, dass diese Sache schief gehen würde.
„Sei doch nicht direkt so niedergeschlagen. So wie du gerade schaust, könnte man denken, dass wir schon verloren haben!“, holte mich die Schwarzhaarige zurück.
„…N-Nein, dass ist nicht so. Ich…“, wollte ich entgegnen, brach aber ab. Doch, es war genau so. Ich schaute zerknirscht auf den Boden.
„Wenn du dich immer so leicht geschlagen gibst, dann erkennt dein Gegner sofort, dass du so wenig Selbstbewusstsein hast! Anstatt so früh aufzugeben und auf den Boden zu starren, solltest du anderen auf Augenhöhe begegnen, dass ist wichtig fürs Aikido und auch für die Kommunikation! Du darfst deine Schwächen und Zweifel nie direkt offenbaren. Es ist aber genauso wichtig, dass man nicht zu überheblich auftritt und von oben herab auf seinen Gegner schaut! Ansonsten wirst du tief fallen, das ist es, was mich mein Meister gelehrt hat!“, erzählte sie mir stolz.
Als ich wieder aufschaute, erkannte ich, dass Tenko ein sanftes Lächeln aufgesetzt hatte. Ihre Erzählung war ziemlich Aikido-lastig, aber ich verstand nur zu gut, was sie mir damit sagen wollte. Ich konnte nicht anders und musste um ihre Bemühungen lächeln: „Danke, Tenko“, sagte ich ehrlich.
Wie kam ich eigentlich auf die Idee schon aufzugeben, wenn noch gar nichts entschieden war? Es war noch nicht zu spät! Ich könnte Trübsal blasen, wenn wir wirklich versagten, aber doch nicht jetzt. Tenkos Monolog war nicht nur auf unsere aktuelle Situation bezogen, im Kern sprach sie ein allgemeines Problem, was ich hatte an. Und ich musste und wollte daran arbeiten. Natürlich hatte sie recht. Würde ich ein wenig selbstbewusster sein, könnte ich viel einfacher durch das Leben gehen. Und selbst, wenn ich es nicht war, so sollte ich das besser nicht allen zeigen. Es würde sicherlich noch lange dauern, bis ich mich wirklich bessern konnte, aber ich würde mir weiterhin Mühe geben: „Du hast natürlich recht, noch ist nichts verloren. …Und ich werde mir mehr Mühe geben und nicht mehr so oft auf den Boden starren…“, fügte ich hinzu. Dabei strich ich mir nervös eine Haarsträhnen hinters Ohr. Allein der Gedanke bescherte mir ein mulmiges Gefühl. Während ich sprach, gab ich mir Mühe sie anzusehen.
„Sehr gut!“, lobte mich die Schwarzhaarige: „Und vielleicht können wir den Prozess noch etwas beschleunigen, wenn du in Zukunft gemeinsam mit mir trainierst“, schlug sie glücklich vor.
„Wa-was? Training?!“, fragte ich überrumpelt.
„Ja natürlich! Du wirst sehen, damit tust du deinem Körper und Geist etwas gutes. Auch ich habe durch mein Aikido-Training nochmal ganz andere Seiten an mir selbst kennengelernt! Du solltest es mindestens nochmal versuchen!“ Erwartungsvoll strahlte sie mich an.
Ich war mit der Sache noch immer etwas überfordert, dass Ganze kam doch ein wenig plötzlich: „Ich… Ich kann es ja nochmal versuchen…“, stimmte ich schließlich zu, was mich selbst überraschte. Vor allem aus dem Grund, da ich mir ja eigentlich vorgenommen hatte, nicht wieder gemeinsam mit ihr zu trainieren.  
„Toll!“ Tenko freute sich, wie ein Honigkuchenpferd.
…Moment… Hatte sie vielleicht gerade diese Aikidoparallelen verwendet, eben weil sie mich unbedingt dazu bringen wollte nochmal mit ihr zu trainieren… ?
„Dann treffen wir uns morgen früh in meinem Labor, okay?“
… Das das so enden würde, hatte ich wirklich nicht kommen sehen…
(Auszug: Kapitel 80: Die immerwährenden Vorurteile)
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