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Das Böse, das wir weckten

GeschichteFamilie, Übernatürlich / P16 / Gen
Castiel Dean Winchester Sam Winchester
02.11.2020
18.04.2021
25
65.713
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02.11.2020 2.326
 
Ein leises Klopfen durchbrach die Stille.
Das Öffnen der Bunkertür brachte Dean dazu, seinen Kopf zu heben und den Schritten zu lauschen, die sich schon im nächsten Moment mühsam die Treppe herunterquälten.
Sam kam gerade mit zwei Bierflaschen aus der Küche und stellte sie geräuschvoll auf den hellbraunen Holztisch, der sich durch den Taktikraum des unterirdischen Komplexes zog.
„Cass, schön, dich auch mal wieder zu sehen!“, rief Dean dem Engel zu, der gerade an der Tischreihe angekommen war und sich schwerfällig auf einen der Stühle setzte.
„Ich war nur beim Einkaufen, Dean. So lange kann das gar nicht her sein, dass wir uns gesehen haben.“
„Hast du alles, was auf der Liste war?“, fragte der jüngere Winchester, der sich mittlerweile seinem Bruder gegenüber niedergelassen hatte und weiter in den Zeitungen blätterte, die er davor auf seinem Stuhl platziert hatte.
„Salz, Patronen, Bier, Weihwasser...“
„Du musst nicht alles aufzählen, ein einfaches Ja hätte auch gereicht", fiel Dean dem Älteren ins Wort, der augenblicklich aufhörte zu reden und anfing, in einer der mitgeschleppten Taschen zu wühlen.
„…und deinen Kuchen“, beendete er schließlich seinen vorhin angefangenen Satz und legte dabei einen braungebrannten, noch eingepackten Kuchen vor Deans Nase auf den Tisch.
Entschuldigend sah Dean den Engel an und fing sprachlos an, das Gebäck auszupacken, wobei ihn noch ein kleines "Dankeschön" entging, bevor er sich eine Gabel nach der anderen in den Mund schaufelte. Sam schaffte es nicht, ein unauffälliges Augenrollen in Bezug auf seinen Bruder zu verstecken und sogleich widmete er sich wieder Cass, der gerade wieder anfing zu reden.
„Konntet ihr schon einen neuen Fall finden?“ Er räumte gerade wieder einmal in den Einkaufstaschen herum, die schon, seit er hereingekommen war, unauffällig an eine der Säulen lehnten, die sich durch den Bunker zogen.
„Nein, wir suchen noch. Hast du die neue Zeitung?“
Sam wurde immer wieder von dem Nuscheln seines älteren Bruders unterbrochen, aber dies ignorierte er gekonnt, da er es 1. nicht zu verstehen vermochte und es 2. wahrscheinlich auch nur irgendwelche dummen und nichtsnutzigen Aussagen waren, die sie gerade eh nicht gebrauchen konnten.
Wie auf den Punkt genau hielt Cass ihm die Zeitung hin, die an einigen Stellen Wassertropfen des derzeitigen Regens abbekommen hatte und sich an den Ecken schon anfing aufzulösen.
Müde überflog der Winchester die Titel und hoffte, dabei etwas Auffälliges zu finden, das ihm mühelos in die Augen springen würde.
So sehr er der Müdigkeit auch zu widerstehen versuchte, konnte er sich das Gähnen, das schon im nächsten Moment seiner Kehle entging, nicht verkneifen
„Du solltest ins Bett gehen, Sammy“, kam es auch schon im nächsten Moment von seinem Bruder, der die Mahlzeit schon fast beendet hatte und sich einen kurzen Schluck des Alkoholgetränkes, das sich vor ihm auf dem Tisch befand, den Hals hinunterspülte.
„Ich kann die Recherche für dich übernehmen. Ein bisschen Schlaf tut dir bestimmt gut“, bot Castiel aufmerksam an, nachdem er die Widerworte im Gesicht des Jüngeren bemerkt hatte.
„Juhu, das wird ein Dean-Cass-Recherche-Abenteuer!“, antwortete Dean sarkastisch mit Vorfreude, als sein Bruder sich nochmal kurz zu ihnen umsah, bevor er auch schon in dem Flur treten wollte, der ihn langsam, aber sicher zu seinem Schlafzimmer tragen würde.
Die Suche nahm für Dean kein Ende. Immer weiter wühlte er sich durch die News-Seiten sämtlicher Staaten und Städte in der Hoffnung, etwas zu finden.
Die Zeitungen überließ er normalerweise seinem Bruder, da er bei Printmedien sowieso kaum die Augen offen halten konnte. Sollte er sich doch damit herumschlangen, wenn er eh besser damit zurechtkam.
Cass übernahm die Sams Schicht und hatte deshalb das Vergnügen mit den Zeitungsartikeln und anderem gedruckten Arten der Mitteilung.
Dean traute dem Engel sowieso nicht zu, sich mit den digitalen Webseiten seines Computers auseinanderzusetzen, da er sich an die Anfänge mit seinem Handy klar und deutlich erinnerte und da der Engel dem Computer immer noch nicht richtig zu trauen schien.
Dean sah für einen kurzen Moment vom Bildschirm seines Laptops auf, um zu verhindern, dass die Hand, die er nach der Bierflasche streckte, das Gerät durch einen Unfall in einen nutzlosen Haufen Schrott verwandeln würde.
Nur zu gut konnte er sich erinnern, wie sein Bruder ihn zur Weißglut getrieben hatte bei der Suche nach einem neuen Computer, als er den letzten in einer halben Flasche Whiskey ertränkt hatte.
Stunden vergingen. Sie vergingen nicht wie im Flug. Nein, ganz im Gegenteil. Sie zogen sich langsam wie Kaugummi am Zifferblatt der Uhr vorbei.
Schon die vierte Flasche sammelte sich am Tisch und schon bald wurde die Sicht des Jägers unklar und schummrig, was nicht nur an dessen Alkoholkonsum lag.
Es war beinahe unmöglich für den Menschen noch die Augen aufzuhalten und nicht in den Buchstaben zu versinken, die sein Gehirn kaum noch in der Lage war, richtig zusammenzusetzen.
Schwer fiel ihm der Kopf auf die Seite seiner Schulter und schon im nächsten Augenblick vernahm der ihm gegenübersitzende Engel das Schnarchen seines Sitznachbarn.
Lautlos betrat Castiel wieder das Zimmer und setzte sich zurück an den Haufen Zeitungsartikeln, die die Oberfläche des Tisches bedeckten.
Dean hatte er unter geringer Anstrengung in sein Bett verfrachtet, wo dieser immer noch friedlich vor sich hindöste, da ihn der Weg zum Bett nicht von seinen Träumen hatte abbringen können.
Der Jäger war so betrunken und müde gewesen, dass ihn wahrscheinlich nur ein Notfall hätte wecken können.
Der Inhalt dieses Notfalls wäre entweder ein Haufen Monster oder frisches Frühstück gewesen.
Castiel las sich noch immer die Artikel der neuen, von ihm gebrachten Zeitung durch.
Es war drei Uhr nachts und der Engel wusste ja sonst nichts mit seiner Zeit anzufangen.
Stille umhüllte den Raum wie eine Dunstwolke und nur das Ticken einer Uhr, die wahrscheinlich in einem der vielen Gänge hing, war zu hören.
Leise durchfuhr sein Blick jedes einzelne Wort, so aufmerksam, wie es kein Mensch um diese Uhrzeit noch hätte sein können.
Seine Augen blieben an einem kleinen Wort hängen. Leiche. Eine Tote, gefunden in der Nähe eines kleinen Sees, der sich Coral Lake nennt.
In der Nähe eines Kleinen Kuhkaffs, wie Cass es mit Deans Worten nennen würde.
(Auch wenn er bereits gelernt hatte, dass die Stadt nicht unbedingt was mit Kühen zu tun haben musste.)
Coral. Ein kleines Dorf, das nach dem See benannt wurde, nicht wie es normalerweise war andersrum, war wahrscheinlich die Darstellung des Wortes trostlos, was den Tourismus dort anging.
Cass' Menschenkenntnisse waren durchaus begrenzt und doch hatte sogar er beim Lesen der anderen ortsanliegenden Nachrichten mitgekriegt, dass das Schlimmste, das dort in den letzten 20 Jahren passiert war - ein kleiner Raubüberfall, der aus der Entwendung eines Sixerpacks Bier und drei Zigarettenschachteln bestand - keinenfalls etwas Erwähnenswertes war.
Gleich morgen würde er den Winchesters von seiner Recherche erzählen, um ihre Meinung einzuholen.

Der nächste Tag war angerückt und das Klimpern von Geschirr erfüllte die Luft.
Schwerfällig raffte sich Dean auf und verließ sein Schlafzimmer.
Die Kleidung, die er schon seit drei Tagen trug, war zerknittert und faltig.
Er strich sie nur kurz glatt, bevor er auch schon im Küchenbereich des Bunkers verschwand, wo er seinem Bruder zunickte, um ihm mitzuteilen, dass er wach war.
„Dean, wie hast du geschlafen?“, fragte Castiel vom Esstisch aus.
Sam war nur kurz vor seinem Bruder wach geworden und hatte gleich angefangen, Pfannkuchen zu machen.
„Kaffee?“, bot Cass Dean an, der sich mittlerweile neben ihn gesetzt hatte.
„Sam hat gesagt, dass du in der Früh immer Kaffee trinkst.“
Bereits Erwähnter brachte das Frühstück an den Tisch und spülte sich etwas des braunen Morgengetränks die Kehle hinunter. „Habt ihr gestern noch was finden können?“, fragte Sam, der noch nicht mit dem Essen angefangen hatte, sondern nur die Gabel nachdenklich in der Hand hielt.
„Nachdem ich Dean ins Bett gebracht hab, ist mir da was aufgefa...“ Weiter kam Cass nicht, da er von Sam unterbrochen wurde.
„Cass hat dich ins Bett gebracht? Wie alt bist du? Sieben?“ Ein Lachen entkam dem Winchester, während sein Bruder dem Engel einen kurzen Blick zuwarf, der so viel wie <Wieso hast du das gesagt?> auszudrücken schien.
„Was ist dir aufgefallen, Cass?“, versuchte Dean, dem belustigten Blicken seines Bruders zu entgehen und das Thema zu wechseln.
Nun hörte auch Sam auf zu grinsen und wandte sich wieder dem Engel zu, dessen Worte bei ihm davor wahrscheinlich gar nicht richtig angekommen waren.
„In einem Dorf namens Coral haben sie eine Wasserleiche gefunden, die kein Herz mehr hatte.“
„Klingt nach 'nem Werwolf.“ Dean hatte gerade den ersten Pfannkuchen runtergeschlungen.
„Warte mal! Coral, das ist der Name der Stadt, oder?“, fiel Sam wieder ins Gespräch, der daraufhin aus dem Zimmer rannte, die Flure entlang schlitterte und fünf Minuten später, in denen man nur das Aufreißen und Schließen von Schubladen gehört hatte, wieder den Raum betrat, noch bevor Cass überhaupt auf seine Frage eingehen konnte.
In seinen Händen hielt er ein mittelgroßes Protokollbuch, das aussah, als hätte man versucht, es zu verbrennen.
Der Ledereinband war an den Ecken unschön angekokelt.
„Hier! Coral Lake. Vor über sechzig Jahren verschwand dort ein Junge namens Clarence, der ein paar Tage später im See wiedergefunden wurde. Ohne Herz. Die Männer der Schriften schickten ein paar ihrer Jäger dorthin, aber es gab keine Hinweise auf Werwölfe oder andere Monster. Der Fall wurde nach noch weiteren Untersuchungen als Unfall abgetan und geschlossen.“
Sam klappte das Buch geräuschlos zu.
„Wie verliert man den bei einem Unfall sein Herz? Das mit dem See lässt sich noch irgendwie von der Theorie stützen, aber wann hat sich in unserem Job so was schon mal als Unfall entpuppt?“
Dean hob misstrauisch eine Augenbraue und schluckte den Rest seines Mahls hinunter.
„Ich nehme an, kein einziges Mal“, antwortete Cass auf Deans offensichtlich rhetorisch gemeint Frage und schon im nächsten Moment fingen die drei an, die Sachen für eine kleine Vier-Stunden-Fahrt zum Orte Coral Lake zu packen.

1943
Die Sonne ging gerade unter und der Schnee erleuchtete in einem satten Orange.
Ein junger Mann saß in dem Schein der Sonne, der durch das offene Fenster fiel.
Seine dunkelbraunen Haare fielen ihm zerzaust in die Stirn.
Seine Hände waren wund und staubig von seiner Arbeit.
Der Mann war vielleicht 18 oder 19 Jahre, dürr und ein bisschen zu klein für sein Alter.
Still wartete er in dem viel zu edlen, schmalen Wartezimmer.
Der Stuhl, auf dem er sich niedergelassen hatte, war aus Eichenholz und hatte ein royalblaues Polster.
Nervös rutschte er auf dem Sitz herum.
Eine Tür öffnete sich und ein groß gewachsener Mann trat in den Raum.
Er war faltig und seine roten Haare hatten schon längst die Farbe verloren, die sie einst mal gehabt haben mussten.
Er trug ein dunkelgraues Hemd und darüber ein blaues Jackett mit auffälligem Schottenmuster.
Sein Blick hing in der Zeitung, welche er stramm in seinen Händen hielt.
Eine Zigarre hatte er zwischen seine Zähne geklemmt. Eilig stand der Dürre auf, um den Älteren die Hand zu schütteln.
Seine Kleidung war schmutzig und schon oft wieder zusammengeflickt worden.
Seine Schuhe waren abgetreten und von Schlamm bedeckt.
Der Ältere setzte sich auf dem ihm gegenüberliegenden Stuhl.
Erst jetzt würdigte er den Jüngeren eines Blickes und wandte sich von seiner Zeitung ab.
„Mr. Loren“, sagte der Rothaarige.
Seine Stimme war tief und das Rauchen kratzte offenbar an seinen Stimmbändern.
Mr. Loren rückte näher an den Schreibtisch heran, der sie voneinander trennte.
„Ja, das bin ich.“
Er stotterte und gab sich Mühe, einen guten Eindruck zu machen.
„Ich suche nach einem Haus, einer Unterkunft oder ähnliches“, brachte der Jüngere heraus.
„Ach so, ich hatte gedacht, Sie wollten bei mir bessere Kleidung kaufen.“
Der Ältere fing an, abwertend zu lachen.
Mr. Loren zwang sich zu einem Lächeln. „Guter Witz“, murmelte er abwesend.
Die Hand hatte er wieder gesenkt und vorsichtig setzte er sich zurück auf den Stuhl.
„Ihr Budget entspricht nicht gerade jenes unserer üblichen Kundschaft.“
Die Zeitung hatte er zusammengefaltet und auf den Tisch gelegt.
Er nahm seine Zigarre aus dem Mund und atmete einen Rauchschwaden aus.
Der beißende Rauch kroch dem 19-Jährigen in die Lungenflügel und suchte sich den Weg durch das offene Fenster.
Mr. Loren verkniff sich das Husten.
„Ich weiß, aber Sie sind meine letzte Chance, Herr Millers.“ Auf dem Gesicht des Jüngeren hatten sich Sorgenfalten gebildet und Angst durchflutete seine Augen.
Herr Millers strich sich über den Haarschopf.
„Wieso sollte ich Ihnen behilflich sein? Sie haben kaum genügend Einkommen, um sich richtig zu kleiden. Wie sollten Sie meine Dienste bezahlen können?“
Eine kurze Zeit war es still und Mr. Loren hatte den Kopf betrübt gesenkt.
„Bitte…“, flehte er.
„Ich habe zwei kleine Geschwister, die ein Zuhause brauchen. Etwas Kleines, Trockenes.
Ich werde meine Schulden abarbeiten. Ich verspreche es!“
Seine Augen waren rot angelaufen und er kämpfte mit den Tränen.
Ein Lächeln spielte sich auf die Lippen des Rothaarigen.
„In Ordnung. Ich habe einen Einfall, der uns beiden zugute kommt.“
Seine Augen funkelten und er blätterte in einer Tasche, in der sich das Papier stapelte.
„Hier irgendwo müsste ich den Immobilienvertrag haben.“
Endlich hatte er das Gesuchte gefunden und schob es über den glänzenden Holztisch zum Jüngeren herüber.
Die Hände des Älteren waren bereits eingefallen und seine Finger zierten Gold- und Diamantringe.
„Dann suchen wir Ihnen mal ein Haus, James.“
James nahm sich den Stift, der ihm gegeben wurde, und unterschrieb in unleserlicher Schrift.

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So und hier ist auch schon das erste Kapitel meiner Geschichte. Ich bin so froh das ich endlich dazu gekommen bin es hochzuladen.
Ich hoffe es hat euch gefallen. Sonntag bis Dienstag ist immer der Zeitraum in dem ich ein neues Kapitel hochladen werde.
Noch ein paar Worte meinerseits:
da ich zur Zeit keinen Betaleser habe würde ich mich sehr freuen jemanden zu finden, der ausreichend viel Erfahrung in diesem Beriech hat.
Über Rewiews freue ich mich immer und über Kritik ganz besonders.
Bis nächste Woche!
LG eure Lighthouse42 :)
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Ich bin endlich dazu gekommen das erste Kapitel verbessert hochzuladen. :)
Ich werd das noch bei den restlichen übrigen Kapiteln machen.
Der Inhalt hat sich, bis auf vielleicht ein paar Formulierungen und verbesserter Rechtschreibung, nicht verändert.
LG Lighthouse42
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