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Second Chance

von Resaira
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Magneto / Eric "Magnus" Lehnsherr Professor X / (Professor) Charles Francis Xavier
01.11.2020
25.01.2021
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„Charles?“
Diese leise Frage in seinem Kopf ließ ihn aus dem Schlaf aufschrecken. Erst dachte er, er hätte geträumt. Aber dann war sie wieder da.
„Charles?“
Diese Stimme… wie lange hatte er sie nicht mehr gehört? Er hatte sich geschworen nie wieder nach ihr zu suchen. Nie wieder nach diesem Geist zu greifen. Aber… er hatte es nicht lassen können, wenigstens die Frequenz offen zu halten. Dieser fremde Geist hatte ihm zu viel bedeutet, um ihn einfach so los zu lassen. Und jetzt…
„Charles…“
Er musste ganz in der Nähe sein. Keine zwei Kilometer entfernt. Und er klang… geschwächt.
„Erik?“ Charles legte zwei Finger an die Schläfe.
„Charles.“ Eriks Stimme klang müde.
„Wo bist du?“ Charles versuchte kühl zu klingen, aber es war schwer die Sorge in seiner Stimme zu unterdrücken.
„Vor dem Tor… Lässt du mich… rein?“ antwortet Erik.
Charles rieb sich mit einer Hand über das Gesicht. Er sollte das wahrscheinlich nicht tun. Das da draußen war der Mann, der ihm seine Beine genommen hatte. Der ihm sein Leben, das er sich gerade aufbauen wollte, kaputt gemacht hatte. Die Pläne für die Schule hatte er vorerst verworfen. Er musste erstmal selbst wieder werden. Irgendwie.
„Charles, ich…“ Eriks Stimme brach.
„Wenn das ein Trick ist, mein Freund… ich werde deinen Geist zerstören. Das weißt du hoffentlich.“
„Ich… brauche nur einen… sicheren Ort.“
Charles wusste natürlich, dass man auch im Gedankengespräch lügen konnte. Er könnte tiefer in Eriks Geist eindringen, um ihn zu prüfen. Aber wusste, wie sehr Erik das hasste. Wenn er wirklich keine guten Absichten hatte, würde er ihn so wieder verjagen. Und wenn nicht…
„Bitte, Charles.“
„In Ordnung.“ Entschied sein Herz schneller, als sein Geist wusste, was er da antwortet. Erik bat nie um etwas. Wahrscheinlich war es das, was den Ausschlag gab. „Komm zum Portal. Hank wird dir öffnen.“
Er setzte sich richtig auf und schaltet die Nachttischlampe an. Während er sich in seinen Rollstuhl zog, griff er nach Hanks Geist. Sein Freund arbeitete noch im Labor, obwohl es schon weit nach Mitternacht war. „Hank?“
„Ja, Professor?“
„Wir haben einen Gast. Öffne ihm die Tür und bring ihn in das Gästezimmer auf meinem Flur.“
Er konnte die Verwirrung in Hanks Geist spüren. „Wer kommt denn mitten in der Nacht?“
„Erik.“ Charles spürte, wie Hank Zorn hochstieg, weshalb er schnell weiter sprach. „Kümmere dich einfach um ihn. Ich will ihn nicht sehen. Wenn er nach mir fragt, kannst du ihm das auch so ausrichten.“
„Wie Sie meinen, Professor.“ Grummelte Hank.
Charles zog sich eine Strickjacke über den Pyjama, schaltet die Lampe wieder aus und rollte zum Fenster. Vor hier konnte er den Vorplatz und den Weg vom Tor zum Haupteingang erkennen. Seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit und… da war er.
Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, als er die schlanke Gestalt des besten Freundes sah, den er je gehabt hatte. Langsam kam er näher und jetzt erkannte Charles auch, dass Erik sich seine Hand auf die Seite presste. Er war verletzt. Deshalb.
Erik trat in den erleuchteten Halbkreis vor der Eingangstür. Sein Mantel hing in Fetzen, seine Gesichtszüge wirkten verkrampft und den Helm trug er locker in der freien Hand. Charles sah, wie die Tür geöffnet wurde und bemächtigte sich abermals Hanks Geist. Dieses Mal jedoch, um die Szene unten an der Tür miterleben zu können:

„Magneto.“ Knurrte Hank, als er die Tür geöffnet hatte.
„Biest.“ Erik zog das Gesicht zu seinem üblichen Haifisch-Grinsen.
Hank machte einen Schritt zur Seite. „Der Professor will, dass ich dich rein lasse.“
Erik nickte und trat langsam ein. Eine Hand presste er immer noch auf die Seite und sein Gang war leicht gebeugt, was so gar nicht zu der üblichen, aufrechten Haltung passte.
„Wenn es nach mir ginge, wärst du hochkant vom Grundstück geflogen.“ Sagte Hank drohend. „Wenn du irgendwas vorhaben solltest…“
Erik drehte sich zu Hank um. „Soweit ich weiß, ist das hier Charles Haus. Er hat mich rein gelassen und solange er mich nicht rausschmeißt…“ Eriks Beine gaben unter ihm nach und Charles brachte Hank blitzschnell dazu den anderen Mann aufzufangen.
„Was ist mit dir passiert?“ fragte Hank immer noch unterkühlt.
„Kunststoffgeschoss.“ Presste Erik hervor und Charles konnte durch Hanks Augen sehen, wie kalter Schweiß auf Eriks Gesicht trat. Der sonst so stolze Mann lehnte sich an die Wand und schloss kurz die Augen.
„Bring ihn auf die Krankenstation.“ Sagte er in Hanks Kopf.
„Aber…“
„Willst du ihn hier verbluten lassen?“ erwiderte Charles.
„Was sagt er?“ fragte Erik.
Hank guckte ihn böse an. „Er will, dass ich deine Schussverletzung behandle.“
Erik nickte nur.
„Kannst du laufen?“ fragte Hank.
„Ja… gib mir nur eine Sekunde.“ Eriks Kiefer spannten sich an und er löste sich von der Wand. „Ja, es geht.“
„Komm mit.“ Hank ging voran und Charles löste sich wieder von seinem Geist.

***

Das erste, was Erik spürte, als er wieder zu sich kam, war Schmerz. Seine Seite brannte wie Feuer. Schlimmer. In krassem Kontrast dazu, drückte sich kaltes Metall gegen seinen Rücken. Metall. Eine Waffe. Er auch immer ihm diese Schmerzen zufügte, würde gleich…

Als er das nächste Mal zu Bewusstsein kam, war der Schmerz schon etwas abgeklungen. Er merkte, wie er bewegt wurde. Geschoben… Er versuchte die Augen zu öffnen, aber seine Lider fühlten sich tonnenschwer an. Eine Tür wurde geöffnet. Er hielt an. Hände griffen nach ihm. Er versuchte sie abzuschütteln, aber sie waren viel stärker als er. Sie hoben ihn an und legten ihn auf etwas Weichem ab…

Das Geklapper von Geschirr ließ ihn erneut wach werden. Der Schmerz war immer noch da, aber dieses Mal schaffte er es die Augen zu öffnen. Über ihm erstreckte sich eine getäfelte Decke. Eine Decke, die er vor ein paar Jahren schon einmal nächtelang angestarrt hatte, wenn seine Alpträume ihn nicht schlafen ließen. Das hier war Westchester.
„Erik.“
Er drehte den Kopf und sah Biest an. „Hank.“
„Wie fühlst du dich?“ fragte der andere sachlich.
„Ich… ich wurde angeschossen, oder?“ Er kramte angestrengt nach seinen Erinnerungen.
„Ja. Dreimal in die Seite.“ Hank füllte ein Glas mit Wasser. „Dass deine Lunge nichts abbekommen hat, grenzt an ein Wunder.“
„Wo ist Charles?“ fragte Erik.
„Er will dich nicht sehen.“ Antwortete Hank. „Verständlicherweise.“
Erik schloss die Augen und stieß die Luft aus. „Ich muss ihn aber sprechen.“
„Das hättest du dir vielleicht überlegen sollen, bevor du ihn in den Rollstuhl verfrachtet hast.“ Zischte Hank kühl. „Hier trink.“
Mühsam hob Erik den Kopf und trank aus dem Glas. Erst jetzt merkte er, wie trocken seine Kehle gewesen war. Gierig zog er das Wasser ein, bis Hank ihm das Glas wegnahm.
„Übertreib es nicht.“ Hank schenkte nach, stellte das Glas aber zur Seite.
„Ich muss mit Charles sprechen.“ Wiederholte Erik.
„Nein.“ Hank zog die Decke zur Seite. „Ich muss mir jetzt erstmal die Wunden ansehen. Hat mich fast zwei Stunden gekostet die Kugeln da raus zu holen. Die eine hat außerdem den Rippenbogen zerlegt.“
„Gut zu wissen.“ Erik starrte an die Decke, während Hank langsam die Verbände löste. Er hasst es, wenn jemand ihn zu medizinischen Zwecken berührte. Wahrscheinlich auch Shaws Schuld. Wie fast alles in seinem Leben.
„Die Wunden sind sauber.“ Sagte Hank zufrieden. „In ein paar Wochen nur noch drei kleine Narben.“
„Fantastisch.“ Stieß Erik aus.
Hank blickte ihn böse an. „Dankbarkeit ist für dich auch ein Fremdwort, oder? Ohne Charles weiches Herz wärst du verblutet.“
Erik blickte weg. Ohne Charles weiches Herz, wäre er schon lange tot. Von Shaws Leuten hingerichtet oder bei dem Versuch Shaw zu töten selbst ums Leben gekommen.
„Sag Charles, dass es um Raven geht.“
Sofort veränderte sich Hanks Gesichtsausdruck. „Was ist mit ihr?“
„Bist du Charles?“ antwortet Erik kühl.
„Wenn du ihr irgendwas angetan hast…“ Hanks Finger schlossen sich um Eriks Handgelenk. „Ich schwöre dir, ich brech dir alle Knochen.“
„Ich hab ihr gar nichts angetan.“ Erik stöhnte gequält, als Hank fester zudrückte. „Die Regierung…“ der Griff um sein Handgelenk löste sich wieder.
„Was haben sie gemacht?“ knurrte Hank.
„Hol Charles und ich erzähle es euch.“
„Du bist so widerlich.“ Hank legte so schnell es ging den Verband neu an und ging dann zur Tür. „Ich rede mit ihm.“
Erik nickte und ließ sich zurück ins Kissen sinken.



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PS: Über Reviews freue ich mich natürlich sehr :)
 
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