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Gefangen

von Mero Luna
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Moritz Breuer OC (Own Character) Stephan Sindera
01.11.2020
20.01.2021
13
22.171
8
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13.01.2021 1.071
 
Als Moritz das nächste Mal erwachte, tat ihm alles weh. Auf seiner Nase lag ein in ein Handtuch gewickeltes Kühlpäckchen. Auch sein Oberkörper war verbunden. Also hatte er gestern doch nicht geträumt. Erschöpfte sank er zurück in sein Bett. Schon das Aufrichten war anstrengend.

Da öffnete sich die Wand, die in sein Zimmer führte. Moritz´ Inneres zog sich zusammen. Er wollte niemanden sehen.

Doch es war Maria, die ins Zimmer lugte. Er entspannt sich. Sie war in Ordnung. Mit ihr konnte er umgehen.

Als sie sah, dass Moritz wach war, bildete sich ein breites Grinsen auf ihrem Gesicht. „Ach, ein Glück, du bist wach.“ Sie kam ins Zimmer gestürmt und ließ sich neben ihm auf Bett fallen. „Anne sagte zwar, dass du eigentlich Ruhe brauchst. Und so schnell nicht aufwachen würdest, aber ich musste einfach nach dir sehen.“

„Wer ist Anne?“, bracht Moritz schwach hervor. Auch Reden war anstrengend.

„Ich bin Anne!“ Es war die blonde Schönheit von Michael. Sie trug neue Kleidung, die nicht mehr ganz so freizügig waren. Die Party war wohl schon zu Ende. Wie spät es wohl war? Moritz´ Blick wanderte zum Wecker. Der nächste Tag war schon vor neun Stunden angebrochen. „Und ich bin gelernte Krankenschwester. Und eigentlich zählt mein Wort mehr als Stephans. Doch die kleine Maria lässt sich natürlich nichts sagen, oder?“, erzählte Anne schmunzelnd. Auch Maria lachte. Und auch Moritz kam nicht umhin zu lachen. Aber viel konnte er nicht, denn seine rechte Seite begann fürchterlich zu schmerzen. Die Zähne zusammenbeißend, hielt er sie sich. Anne kam auf ihn zu.

„Komm, lass mich mal sehen.“ Und vorsichtig löste sie den Verband. Ein riesiger, blauer Fleck kam zum Vorschein. „Ei, ei, ei, das sieht aber nicht gut aus“, meinte Maria kopfschüttelnd. Anne nickte. „Ja, wir können froh sein, dass es keine innere Blutung ist.“ Behutsam verband Anne die Stelle wieder. „Es wird wohl einige Tage dauern, bis es ganz verheilt. Deine Nase ist zum Glück nur angeknackst, aber auch das wird seine Zeit brauchen. Die Platzwunde auf deiner Stirn scheint schon gut verheilt. Aber wo hast du die her?“ „Stephan hat mich vor drei Tagen verprügelt“, gestand Moritz kleinlaut. „Was?“, rief Anne entrüstete auf. „Da muss ich ein ernstes Wörtchen mit ihm reden.“ Mit diesen Worten verschwand sie.

„Was, was ist mit Thomas?“, fragte Moritz leise.

Maria sah in überrascht an. „Warum willst du das wissen?“ Doch sie ließ keine Zeit zum Antworten. Was auch besser so war, denn Moritz wusste es selbst nicht so recht. „Mein Bruder und Michael haben ihn vor dem Haus verprügelt. Danach musste er allein ins Krankenhaus kommen. Und er ist aus Stephans Clique verstoßen. Du wirst ihn nicht mehr wieder sehen. Das hat Brüderchen versprochen“, endete Maria.

„Das ist mir egal. Ich möchte einfach hier weg!“, meinte Moritz kleinlaut, aber laut genug, dass Maria ihn verstand.

Maria betrachte ihn überrascht, nickte dann aber verstehend. „Das glaube ich dir. Ich verstehe, dass du weg möchtest, nach allem was passiert ist. Aber ich habe leider nicht die Macht, dich von hier weg zu bringen. Ich habe ja nicht einmal einen Führerschein, dass ich dich wegfahren könnte. Und nur weil ich Stephans Schwester bin, bin ich noch lange nicht von seinen Wutausbrüchen sicher. Auch mich hat er schon einmal krankenhausreif geschlagen.“

„Was? Warum? Hast du das zur Anzeige gebracht?“ Moritz war zu tiefst geschockt. Dieser Typ hatte seine eigene Schwester verprügelt!

Maria lachte. „Natürlich nicht! Er ist mein Bruder. Die einzige Familie, die mir geblieben ist. Und das passiert, wenn nicht nach seiner Nase tanzt. Ich habe mich daran gewöhnt und weiß, wie weit ich ihn reizen kann. Und ich liebe das Risiko.“ Maria grinste ihn an. Moritz war das Lachen vergangen. Dieser Sindera hatte eindeutig einen Knacks weg. Und wenn man vom Teufel spricht, da kommt er.

Sindera steckte den Kopf durch die Öffnung in der Wand. Er sah betrübt aus. Aber war das vielleicht nur gespielt? Wer wusste schon, was er wirklich dachte und plante mit und über Moritz.

Langsam kam er näher zu Moritz und Maria. Diese lächelte ihn fröhlich an. Moritz fragte sich, wie sie ihm verzeihen konnte, auch wenn sie eine Familie waren. Moritz war nicht dazu bereit, ihm noch irgendetwas zu verzeihen.

Vorsichtig setzte Sindera sich auf die Bettkante. Niedergeschlagen sah er auf den Boden. Eine Stille entstand. Keiner konnte seine Gedanken und Gefühle in Worte fassen.

Schließlich war es Sindera, der die Stille brach. „Es tut mir schrecklich leid, was gestern passiert, Moritz.“ Es klang ehrlich und aufrichtig, doch Moritz wollte ihm nicht verzeihen. Trotzdem konnte er nicht, so gut er auch wollte, wütend auf ihn sein. Denn es war nicht seine Schuld. Aber irgendwie doch und gleichzeitig nicht. Er konnte schließlich nicht gewusst haben, was Thomas geplant hatte. Und doch hielt er ihn hier gefangen.

Moritz richtete sich, so gut es ging, auf und legte eine Hand auf Sinderas. „Es war nicht deine Schuld. Du hast dein Bestmögliches getan.“ Moritz wusste nicht, was er da sagte, denn sein Gehirn sträubte sich dagegen. Aber sein Herz? War es sein Herz, das das sagte? Moritz war über sich selbst verwirrt. Sindera lächelte ihn an.

Wieder war da eine Stille. Moritz hing seinen eigenen Gedanken nach. Und ihm kamen die Worte von Thomas wieder in den Sinn. „Stimmt es, dass schon mehr wie ich hier waren?“ Geschockt sah Sindera auf und auch Maria wirkte überrascht.

„Woher weißt du das?“, fragte Sindera nach. „Thomas erwähnte so etwas gestern“, gab Moritz kleinlaut bei. Würde er jetzt Ärger bekommen, weil er wusste, was er eigentlich nicht wissen sollte?

„Das ist nur die halbe Wahrheit“, gestand Sindera. „Ja, ich hatte schon mehrere Bettgespiele. Sowohl weibliche als auch männliche. Aber du musst mir glauben, sie waren alle freiwillig bei mir. Du bist der Erste, den ich gegen seinen Willen festhalte. Und ich hoffe, dass es auch der letzte sein wird. Ich weiß auch, dass du wahrscheinlich nie freiwillig hier bei mir bleiben wirst. Ich verstehe das.“

„Dann lass mich gehen, wenn du das weißt. Ich halte mein Versprechen. Niemand wird je erfahren, was in diesen vier Wänden passiert ist.“

„Ich kann das nicht. Ich kann dich nicht loslassen.“

„Bitte, Stephan!“, flehte Moritz. Doch Sinderas Blick änderte sich. Die Güte verschwand und er wurde kalt und emotionslos.

„Nein! Und damit diese Diskussion zu Ende.“ Sindera erhob sich wieder und wand sich zum Gehen.

Moritz sah ein, dass es keine Sinn hatte, weiter auf ihn einzureden. Er musste sich seinem Schicksal geschlagen geben
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