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Gefangen

von Mero Luna
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 Slash
Moritz Breuer OC (Own Character) Stephan Sindera
01.11.2020
20.01.2021
13
22.171
8
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01.11.2020 822
 
„Arnold an 15/ 33!“ Kurz tauschten die Kollegen Blick. Sie waren eigentlich auf den Weg zur Wache. Ihre Schicht war fast vorbei, aber Einsatz war Einsatz. Moritz Breuer ging an das Funkgerät. „15/ 33 hört.“ „Einsatz in der Maastrichter Straße 6-8. Stripclub „Stardust“. Die Anwohner melden eine Ruhestörung.“ „Haben wir mit“, gab Moritz Rückmeldung.

„Na super, ein Stripclub!“, beschwerte sich Moritz’ Kollege Paul Richter. „Das ist bestimmt nur ein ausschweifender Junggesellenabschied. Das müssten wir doch hin bekommen.“ Moritz versuchte motiviert zu klingen, doch auch an ihn war die Nachtschicht nicht spurlos vorbeigegangen. Er war müde und erschöpft, wollte nur noch in sein Bett. „Nur noch dieser Einsatz, dann ist Schicht im Schacht“, motzte Paul und bog in die Straße des Clubs ein. Ordnungsgemäß parkte er auf dem Stellplatz und stieg zusammen mit Moritz aus.

Gemeinsam näherten sich die beiden Polizisten dem Ambiente, aus welchem schon laute Musik dröhnte. Am Eingang stand ein übellauniger Türsteher, welcher missmutig auf die beiden Polizisten blickte. „Was kann ich für Sie tun?“, fragte er düster. „Die Anwohner melden eine Ruhestörung. Dürfen wir rein?“ „Wenn Sie unsere Gäste nicht stören, von mir aus.“ „Guter Mann, Ihre Gäste sind höchstwahrscheinlich die Ruhestörung“, mischte Moritz sich ein. Dafür warf der Türsteher ihm einen finsteren Blick zu, trat jedoch zur Seite und ließ die beiden gewähren.

Als die Polizisten eintraten, hörten sie sofort den Grund für den Einsatz, dann aus einem der hinteren Zimmer tönte äußerst lauter Jubel für wahrscheinlich eine der Tänzerinnen. „Hey, dort hinten“, schrie Paul seinem Kollegen zu über die Musik zu, doch dieser sah sich die Tänzerinnen an, die sich vor den nur noch wenigen Gästen räkelten. Paul verdrehte die Augen und zog seinen Kumpel mit sich. „Jetzt komm mit, ich will heim!“ Gemeinsam schlängelten sie sich zu einem Hinterzimmer durch. „Wahrscheinlich eine Privatveranstaltung!“, kombinierte Paul und schob den Vorhang, der das Kämmerlein von der Außenwelt trennen sollte, zur Seite.

Sofort schlug den beiden eine Wand aus Rauch entgegen und deutlich lag eine Alkoholfahne in der Luft. Die Tänzerin bemerkte die Polizisten als Erste und stoppte sofort in ihrer Bewegung. Von den Feiernden kamen enttäuschte Rufe.

„Guten Abend, die Herren!“, machte Paul auf sich aufmerksam. Augenblicklich wanden sich die Herren nach rechts, wo Paul und Moritz standen. „UHH! Die neuen Tänzer!“, freuten  sich die Gäste. „Da muss ich Sie leider enttäuschen. Wir sind echte Polizisten und wegen einer Ruhestörung hier.“ „Ha, nen Bulle! Was willst du hier?“, nörgelte eine der Gäste und die anderen nickten zustimmend. „Der Alkohol hat sich wohl auf ihre Ohren gelegt. Wir sind wegen einer Ruhestörung hier. Und Sie scheinen der Ursprung zu sein. Also bitte ich Sie einmal, etwas leiser zu sein.“ „Und wenn wir das nicht sind? Was wollen du dann machen, Bulle?“, rotzte ihn ein anderer an. „Dann können wir sie des Hauses verweisen.“ Paul blieb ruhig, während einer der Gäste auf ihn zukam. „Pah, versuch es doch!“ Gefährlich baute er sich vor Paul auf. Moritz griff hinter sich und tastete nach dem CS-Gas. Betrunkene waren schwer einzuschätzen.

„Thomas, das reicht!“ Ein dunkler Schatten schälte sich aus einer hinteren Ecke und kam näher. Sofort ließ der Mann von Paul ab und auch Moritz entspannte sich.

Der Schattenmann stand nun so, dass man ihn trotz der schlechten Beleuchtung einigermaßen erkennen konnte. Als erstes fiel der teuer aussehende, dunkelblaue Anzug auf. Wahrscheinlich war er maßgeschneidert. Der Mann hatte schwarze, nach hinten gelegte Haare und einen gepflegte Dreitagebart. Besonders stachen die hellen Augen heraus, die nicht zu dem südländischen Typ passen wollten.

„Sindera!“, knurrte Paul kaum hörbar. Moritz runzelte die Stirn. Sein Kollege kannte den Mann? Für ihn war er vollkommen fremd.

„Vielleicht sollten wir wirklich diese Lokalität verlassen. Die Party ging schon lang genug“, meinte der Anzugträger kühl. Seine Hand fuhr in die Hosentasche und zog ein Lederportemonnaie heraus. Ohne jegliche Gesichtsregung holte er drei Fünfhunderteuroscheine hervor und überreicht sie der Tänzerin, welche erstaunt danach griff. Mit kalten Augen schob er sich an den Polizisten vorbei und seine Kumpel folgen ihm. Nicht ganz freiwillig, denn die gute Laune vor vorhin war verpufft und mürrisches Gemurmel war bei ihren Abgang zu vernehmen.

Für die Polizisten hatte sich die Sache geklärt und gemeinsam gingen sie wieder zu ihrem Wagen.
„Du kanntest den Mann, nicht wahr? Wer war das?“, fraget Moritz Paul an den Weg zur Wache. „Ach, Moritz, er ist kein unbeschriebenes Blatt. Sein Name ist Stephan Sindera und er ist Immobilienmakler.“ „Ja, und? Das ist ja nichts Schlechtes.“ „An sich ist das nicht schlimm, da hast du Recht, doch der hat Dreck am Stecken. Und das wirklich schlimme ist ja, dass wir ihm nichts nachweisen können.“ „Wie meist du das, „Dreck am Stecken“?“ „Drogen, Waffenschmuggel, Mord. Quasi einmal alles.“ „Hm. Und wir können ihm echt nichts nachweisen?“ „Einmal hatten wir ihn fast, doch sein Anwalt hat ihn rausgeboxt.“ Damit bog Paul auf den Polizeiparkplatz und schaltete den Motor aus. „Komm, Moritz, wir haben noch die Papierarbeit zu erledigen.“
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