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Die Antwort auf alles - Familie (3. Teil von 'Jules')

GeschichteFamilie, Freundschaft / P16
Martin Freeman OC (Own Character)
01.11.2020
30.11.2020
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Dieses Kapitel
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21.11.2020 1.563
 
Einen schönen Samstagabend euch allen,
und viel Spaß beim Lesen des heutigen Kapitel.

J.M.C.



- Samstag, Dezember/10 – 2022, London, Fitzrovia, 25 Grafton Way, University College Hospital -

Mit der National Rail South Western waren Jules und Martin bis nach Waterloo gefahren und dort zur U-Bahn gelaufen, um in die Northern Line gestiegen.
Bis zur Warren Street waren sie gefahren.

Auf der gesamten restlichen Fahrt zurück nach London hatte man nichts mehr von der Müdigkeit gemerkt, die beide noch vor dem Einsteigen in den Zug gespürt hatten.
Lange hatte der Weihnachtsmarkt geöffnet gehabt, denn in diesem Jahr hatte man sich dazu entschieden an jedem Freitag und Samstag den Weihnachtsmarkt bis 23:30 geöffnet zu lassen.
Jules und Martin hatten es ausgenutzt, waren tatsächlich bis kurz vor Feierabend auf dem Weihnachtsmarkt gewesen; sie hatten ihren Kennenlerntag einfach nur genießen und auskosten wollen, ihr Date genießen und auskosten wollen, und vor allem einfach nur ihre Zeit zu zweit als Paar – und das hatten sie sich durch den tollen Babysitter, der zuhause auf Nicholas aufpasste, auch absolut leisten können, ganz ohne sich irgendwelche Sorgen machen zu müssen.
Sie hatten den letzten Zug um 00:04 Uhr genommen, hatten zuvor noch ein wenig Zeit gehabt an der verlassenen Bahnstation – und die Küsse, die sie in dieser Zeit ausgetauscht hatten, hatten gezeigt wie müde sie beide durch den Tag und die Kälte waren.
Doch die Nachricht im Zug hatte sie wieder vollständig wach gemacht.

Sie beide hatten fast unentwegt geplappert und sich ehrlich und euphorisch darüber gefreut, dass sie nun Großeltern waren – und für sie beide war es einfach nur ein unbeschreiblich schönes Gefühl.
Geplappert hatten sie, das Foto angeschaut hatten sie, sanfte und euphorische Küsse hatten sie ausgetauscht – ihrer Freude und ihrem Strahlen hatten sie nicht entkommen können.

Euphorisch waren sie noch immer, auch ihre Augen strahlten noch genauso sehr wie ihre Herzen, die stark und laut pochten, sich überschlugen und fast explodierten vor purer Freude.
Mit beschwingten Schritten liefen sie von der Haltestelle Warren Street zum Grafton Way, wo sich der Eingang zur Entbindungsstation des University College Hospitals befand.
Völlig beschwingt liefen sie auf die große breite Tür zu, Martin hielt sie seiner Frau auf.

Jules strahlte ihn dankbar an, schlüpfte durch die große schwere Tür; Martin folgte ihr, stand mit seiner Frau nun in der Eingangshalle, von der aus es durch die Schiebetür an der linken Wand in Richtung des restlichen Krankenhauses ging, von der aus es durch die Schiebetür and der rechten  Wand zu den Kreißsälen und den Geburtsvorbereitungsräumen ging, von der aus es durch die Schiebetür ihnen gegenüber zur Station ging.
Sie liefen geradeaus auf die Station zu.

Die Schiebetür öffnete sich automatisch.

Hand in Hand, noch winterlich eingepackt und mit Tüten bepackt, betraten Jules und Martin die Station – und sie beide wurden direkt abgefangen von einer älteren Schwester, die gerade an der Anmeldung beim Schwesternzimmer saß.

„Hallo. Wie kann ich Ihnen denn weiterhelfen?“
„Hallo. Wir wollten zu unserer Tochter Paula O’Sullivan.“, sagte Martin mit freundlicher Stimme.
„Da müssen Sie sich leider bis morgen früh gedulden. Zwischen acht Uhr abends und morgens lassen wir nur die Väter der Neugeborenen auf die Station. Wir möchten die Besuchszeiten einschränken, damit sich die Mütter mit ihren Kindern ausruhen können. Sie können gern morgen früh ab acht Uhr vorbei kommen und dann bis abends bleiben.“
Martin und Jules schauten sie verblüfft und enttäuscht an.
Jules neigte den Kopf.
„Könnten Sie nicht eine Ausnahme machen? Nur ein paar Minuten.“, bat Jules mit höflicher Stimme.
Die Schwester neigte den Kopf.
„Ich kann Sie verstehen, dass Sie gern zu Ihrer Tochter, Ihrem Schwiegersohn und Ihrem Enkelkind möchten, aber ich muss Sie wirklich auf acht Uhr vertrösten. Das ist ja schon in ein paar Stunden.“, lächelte sie. „Den dreien geht es gut, es ging ganz schnell und sie sind alle wohlauf. Sie können beruhigt nachhause fahren und in ein paar Stunden wiederkommen.“
Martin versuchte es auch nochmal, blickte die Schwester ebenfalls sehr höflich und bittend an.
„Kann man da wirklich nichts machen?“
„Auch wenn ich Sie gern im Fernsehen sehe, Mr. Freeman,…“, lächelte die Schwester. „Machen wir hier keine Ausnahmen. Wir haben wirklich gute Erfahrungen gemacht mit diesem System und daran müssen sich leider alle halten.“
Jules und Martin seufzten, nickten aber ergeben.
„Trotzdem Danke.“, bedankten sie sich beide.
„Noch eine gute Nacht.“, sagte Jules.
„Dankeschön.“, lächelte die Schwester. „Wenn Sie später wiederkommen,… Zimmer M8 auf der rechten Seite ist dann Ihr Ziel.“
Jules und Martin nickten ihr dankbar zu.
„Gute Nacht.“
„Gute Nacht.“

Martin und Jules verließen die Station wieder, liefen zurück in die große Eingangshalle.

Martin war es der Jules stoppte, indem er stehen blieb und etwas stärker an ihrer Hand zog.
Seine Frau drehte den Kopf herum, schaute fragend.
Die blauen Augen blickten Jules enttäuscht aber auch entschlossen an.
„Ich fahr doch jetzt nicht nachhause, ohne die drei gesehen zu haben.“
„Du hast sie doch gehört, Darling. Lass uns nachhause fahren, wir haben auch Joe noch gar nicht geschrieben. Wir fahren einfach morgen früh zu viert hierher. Ich wäre auch gern noch zu den dreien, aber was willst du nun machen, hmh?“
„Reinschleichen?“
„Reinschleichen?“
„Ja, warum nicht? Ich will nicht warten bis 8 Uhr. Ich hab lang genug gewartet, glaubst du ernsthaft, dass ich nun noch weitere… “, hörte man ihn und sah ihn dann auf die Uhr schauen. „Sechs Stunden und neun Minuten, warten werde?“
Jules musste wegen der exakten Zeitangabe schmunzeln, auch sie war enttäuscht wegen den strikten Besuchszeiten – bei ihr damals war das ganz anders gewesen, doch sie hatte ja auch in einem anderen Krankenhaus entbunden.
Sie neigte ihren Kopf.
„Wie willst du das jetzt anstellen, Martin?“
Martin zuckte mit den Schultern.
„Du bist doch das Genie von uns beiden. Bastle irgendetwas, um sie abzulenken.“
„Ich habe nichts zum Basteln. Komm lass uns gehen, Sweetheart. Ich würde auch gern zu ihnen, aber hier können wir gerade nichts machen.“
„Unsere Tüten sind voll.“
Jules musste wieder schmunzeln.
„Ich kann aber keine ablenkenden Rauchbomben mit Süßigkeiten, einem Schal und einem Pinguin basteln.“
Martin musste auch grinsen.
„Den Pinguin hättest du eh nicht bekommen.“ Er seufzte. „Lass es uns einfach versuchen, vielleicht geht sie ja ins Schwesternzimmer und dann kommen wir rein… “

Jules seufzte ergeben, nickte – wusste er würde nun nicht locker lassen.
Auch sie wollte die drei unbedingt sehen, doch sie wäre nun vermutlich nicht auf die Idee gekommen sich einfach unbefugt hineinzuschleichen – zumal sie ja auch wieder hinaus kommen mussten.
Und dennoch fand sie es unglaublich niedlich, dass er diesen Vorschlag gemacht hatte – es war süß, dass er diese sechs Stunden nun nicht mehr abwarten konnte, dass er nun sofort als Opa sein Enkelkind auf den Armen halten wollte.


Langsam drehten sich Jules und Martin wieder herum.
Sie standen etwas abseits, nicht direkt vor der Glasschiebetür – und sie beide spitzelten ins Innere, der Station.
Es war hier wirklich unglaublich leise, nur ihre Herzen hörte man regelrecht in der Eingangshalle pochen.
Sie beide waren aufgeregt und nervös – das Blut pochte durch ihre Adern und Venen, die Aufregung rauschte durch ihre Ohren, die gespitzt waren und ganz genau lauschten.

Martin wusste, dass es unsinnig war nun hier hereinzuschleichen, anstatt einfach diese sechs Stunden zu warten, doch er hielt es nun einfach nicht mehr aus – nach der Nachricht von Colin hatte er es sich schon viel zu sehr in den Kopf gesetzt, sein Enkelkind nun noch zu sehen; und das wollte er sich nicht nehmen lassen, dass wollte er auch nicht ein paar Stunden nach hinten schieben.
Er wollte nun endlich so richtig Opa sein.
Und was sollte schon passieren, wenn sie erwischt wurden – dann würde man sie eben hinausschmeißen mit einer Standpauke, Hauptsache er hatte bis dahin sein Enkelkind gesehen und auch seine Tochter kurz im Arm gehabt.

Die Schwester war tatsächlich nicht mehr zu sehen, beziehungsweise hatten sie beobachten können wie die Schwester ins Schwesternzimmer hinter der Anmeldung gegangen war, und dort in ein weiteres Zimmer – vermutlich eine Toilette.

Sie beide nutzten ihre Chance, zögerten keine Sekunde länger, wer weiß, ob eine bessere Chance kommen würde.
Hoffentlich waren hier gerade nicht noch weitere Schwestern unterwegs – zumindest nicht auf dem Gang.

Martin und Jules machten sich leise auf den Weg zur Schiebetür, die sich geschmeidig und lautlos öffnete.
Das Ehepaar versuchte sich so lautlos wie möglich fortzubewegen, was gar nicht so einfach war mit dicken Winterschuhen, eingepackt wie ein Eskimo – noch dazu trug Martin mehrere Tüten.
Ihre Ohren waren noch immer gespitzt, sie lauschten noch immer nach jeden Geräusch, drehten auch die Köpfe immer wieder herum. Die Herzen pochten rasant, konnten sich kaum beruhigen – doch wie sollten sie das auch, sie waren auf der Hut, versuchten keinen Mucks von sich zu geben und sich nicht zu verraten.

Martin packte Jules‘ Handgelenk, zog sie plötzlich in das offene Aufenthaltszimmer der Station. Er hatte etwas gehört, er hatte jemanden gehört, beziehungsweise zwei Frauen, schnatternd.
Sie beide packten sich an die Brust, blickten sich mit blinzelnden Augen an, atmeten durch.
Sie selbst konnten es nicht sehen, doch an der Anmeldung unterhielt sich die ältere Schwester mit einer Kollegin, die auf der anderen Seite der Station heute Nacht zuständig war.
Martin und Jules blickten sich mit rasenden Herzen an – sie schluckten beide hart.
„Puuuuh.“, machten sie beide leise.

Martin löste seine Hand von ihrem Handgelenk, deutete aus dem Raum hinaus – er zeigte zur Tür, die sich gegenüber befand.

„Da… “, flüsterte er sehr leise.



Bis morgen Abend
J.M.C.
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