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Campus King | Niall Horan FF

von p-sabrina
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Niall Horan OC (Own Character)
01.11.2020
11.06.2021
21
43.866
 
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11.06.2021 2.430
 
Mein Wecker klingelte mich um halb acht aus dem Bett. Relativ rasch stand ich auf, um mich im Badezimmer fertig zu machen, Manon zu füttern und eine Kleinigkeit zu essen. Mir blieb noch genügend Zeit, um meine Social-Media-Kanäle zu checken und einen zweiten Kaffee zu trinken. Verbittert räumte ich danach die Küche zusammen. Niall war erst irgendwann spät nachts nach Hause gekommen und hatte dabei eine Spur der Verwüstung in der Küche hinterlassen. Schmutzige Teller, offenes Brot, ein Messer, auf dem noch Überreste von Marmelade klebten und so weiter. Es sah aus, als hätte er Heißhunger auf so ziemlich alles im Kühlschrank gehabt. Anfangs wollte ich alles stehen und liegen lassen, damit er sich selbst darum kümmerte, doch dann schürte mich meine Wut. Ich verfrachtete alles in den Geschirrspüler, wobei mir ein Teller aus der Hand flutschte, der daraufhin in der Mitte auseinanderbrach. So tollpatschig, wie ich mal war, schnitt ich mich daran. Ich fluchte sauer vor mich her, als ich das Chaos beseitigte. Voll von der Wut verzerrt stampfte ich in Nialls Zimmer, wo dieser quer bäuchlings im Bett lag. Im Zimmer roch es, wie in einem Schnapsladen.
Wie viel hatte er denn nur getrunken und vor allem warum? Kopfschüttelnd trat ich näher an ihn heran. Sein Gesicht sah nach rechts, weswegen ich seinen offenen Mund sah. Er schnarchte vor sich hin. Unsanft begann ich ihn an der Schulter zu rütteln, doch es war nutzlos. Er wachte nicht auf.
Mein Blick auf die Uhr verriet mir, dass ich los musste, wenn ich um zehn bei Blakes Wohnung sein wollte. Eilig schlüpfte ich in Schuhe und Mantel, Mütze und Schal und trat den Weg zu meinem Wagen an.
„Das darf doch nicht wahr sein!“, zischte ich, als ich meinen Wagen sah. Der vordere linke Reifen war kaputt. Jemand musste ein Loch in den Reifen gestochen haben. Ich fluchte vor mich hin und sah mich hilfesuchend um. Bei solchen Sachen hatte ich immer Blake um Hilfe gebeten, jetzt würde ich eigentlich Niall fragen, doch der war besoffen und im Land der Träume. Kurzerhand stolperte ich die Stufen hoch, schnappte mir den Schlüssel von Nialls Audi und stieg in diesen ein.
Auf den ersten Blick überforderten mich die vielen Knöpfe und die Technik, mit der ich mich nicht auskannte. Mein Mini konnte hier nicht mithalten. Er war einfach, aber mehr Ausstattung brauchte und wollte ich auch nicht. Alle Knöpfe leuchteten bunt, der Touchscreen erhellte sich ebenfalls und zeigte mir per Navi den Stadtplan von Washington an. Ich versuchte, mich nicht zu sehr von der Technik ablenken zu lassen und mich stattdessen auf die Fahrt zu konzentrieren.
Ich schlängelte mich durch den Verkehr und erreichte in Windeseile den Wohnblock, in dem Blakes Wohnung lag. Meine Beine fühlten sich weich an, als ich den Weg zurücklegte, der mich zur Wohnung brachte. Erinnerungen gingen mir durch den Kopf. So oft war ich schon hier gewesen, so oft, hatte ich gehofft, mit ihm hierher zurückzukehren.
Als ich die Treppen hochstieg, kamen mir schon bekannte Gesichter entgegen. Ich grüßte Lillys Schwester und ihren Mann. Einen Treppenabsatz weiter oben, kam mir deren ältere Tochter und somit Blakes Cousine entgegen. Allesamt trugen sie Kisten, Sessel und andere Dinge hinunter - vermutlich in den Transporter, der vor der Haustür stand.
Schon im Hausflur hörte ich Lillys Stimme, die gerade die Aufgaben verteilte. Ihre Stimme klang stark und nicht mehr gebrochen, wie im letzten Monat. Als sie mich erblickte - durch die offene Wohnungstür im Hausflur, erhellte sich der strenge Gesichtsausdruck in ihrem Gesicht. Es hatte auch endlich wieder Farbe bekommen und war nicht mehr so bleich, wie bei unserer letzten Begegnung.
„Jordan, wie schön, dass du da bist!“ Sie empfing mich mit offenen Armen.
„Hallo“, grüßte ich etwas gedämpft. Sie hielt sich nicht zurück und drückte mich fest an sich. Dann machte sie einen Schritt zurück und musterte mich, wie eine liebende Mutter ihre Tochter.
„Du siehst besser aus, als beim letzten Mal. Ich bin froh darüber.“ Ihr Tonfall machte schnell klar, dass die Stärke in ihrer Stimme und die Entschlossenheit, die sie ausstrahlte, nur eine weitere Maske war. Ich konnte ihr es nicht verdenken, so zu agieren. Selbst machte ich es doch nicht anders. Auch wenn ich endlich dabei war, zu heilen, saß da noch immer tief in mir etwas, dass niemals geheilt werden konnte.
Ich setzte mein ehrlichstes Lächeln auf, als ich sagte: „Das kann ich nur zurückgeben.“
Kurz zuckte einer von Lillys Mundwinkel - ein Riss ihrer Maske, dann legte sie mir ihre Hand auf den Rücken und führte mich durch den Flur und damit direkt in Blakes Wohnzimmer. Ich könnte schwören noch immer seinen Duft zu riechen und noch immer sein Lachen zu hören. Ich sah ihn vor mir, wie er auf der Couch lümmelte. Den Arm auf der Rückenlehne abgelegt, die Füße am Tisch und wie er mich anstrahlte, wenn ich mit einer neuen Ladung Mikrowellen Popcorn den Raum betrat. Seine Stimme lag mir noch immer in den Ohren. Bereits jetzt fürchtete ich den Tag, an dem ich mich nicht mehr an den Klang erinnern werden konnte.
Im Wohnzimmer angekommen versteifte ich mich plötzlich. Mein Gegenüber tat dasselbe. Seine Mundwinkel fielen augenblicklich nach unten. Ich konnte seine Gedanken praktisch von seinem Gesicht ablesen. Auch bei Blakes Beerdigung hatte er mir klar gemacht, wessen Schuld das alles war. Joel erinnerte mich stets daran, egal ob mit Worten, Taten oder seiner Mimik. Er hasste mich. Seine grauen Augen loderten praktisch vor Hass und Abschaum.
„Joel, du brauchst bestimmt noch Hilfe“, hörte ich irgendwo neben mir Lilly sagen. Sie klang wie eine Mutter, die versuchte ihre streitenden Kinder wieder zusammenzuführen. Das war auch, was sie vorhatte, wie mir gerade bewusst wurde.
Joel drehte uns den Rücken zu. „Bevor ich ihre Hilfe annehme, gehe ich lieber zum Teufel.“ Er streckte sich, um das oberste Regal zu erreichen. Hoch oben, hinter einer Glasscheibe, befanden sich Blakes Auszeichnungen, die er allesamt in der High-School als Quarterback erhalten hatte. Joel, sein bester Freund, war ebenfalls Mitglied des Teams gewesen. Die Mädchen waren auch ihm reihenweise verfallen. Er sah gut aus, sehr gut sogar. Sein dunkles Haar, welches er sich schon seit der Schulzeit immer nach hinten frisierte, saß perfekt. Keine Strähne lag schief. Sein Gesicht trug eine kleine Narbe an der rechten Wange, was ihm aber nicht im geringsten weniger attraktiv wirken ließ. Doch leider verabscheute er mich und ließ es mich immer wieder wissen. Wie auch jetzt.
Mit zitternder Unterlippe marschierte ich in den Flur und bog in die erste Tür rechts ein. Lautstark schmiss ich sie hinter mir ins Schloss.
Meine Sicht verschwamm vor meinen Augen. Blinzelnd versuchte ich sie zu klären, doch es funktionierte nicht. Heiße Tränen lösten sich aus meinen Augen. Leise schluchzte ich, dabei überkam mich die Panik. Ich wollte nicht, dass man mich weinen hörte. Joel musste nicht wissen, dass er mich derart in der Hand hatte.
Eine Hand auf den Mund drückend, weinte ich still vor mich hin.
Reiß dich zusammen, Jordan!
Meine innere Stimme hatte recht. Ich durfte mir diese Blöße nicht geben. Wie lange wollte er mir noch die Schuld in die Schuhe schieben? Sah er denn nicht, dass ich sie schon lange angenommen hatte? Dass sie mich quälte und fertig gemacht hat?
Ich schloss meine Augen und zwang, mich ruhig zu atmen. Irgendwann hob ich den Blick. Meine Augen brannten wie Feuer, aber es kümmerte mich nicht. Joel darf mich gerne für den Rest seines Lebens hassen, schließlich hat er meinetwegen seinen besten Freund verloren.
Bevor ich es registrierte, öffnete ich den Kleiderschrank zu meiner rechten Seite. Sorgfältig zusammengelegte Kleidung, lag farblich sortiert nebeneinander. Meine Augen suchten, wie automatisch nach einem ganz bestimmten grauen Hoodie. Ich schlüpfte aus meinem Mantel, schmiss ihn hinter mich auf das Doppelbett und zog mir den Hoodie mit dem verwaschenen Logo unserer alten Schule über.
Allmögliche Gefühle übermannten mich. Mein Herz brach in tausend Teile. Ich roch an dem Stoff und erstarrte.
Der Hoodie stank wie ein alter Kellerabteil. Ich bekam das plötzliche Gefühl von Juckreiz. Schneller als überhaupt möglich riss ich mir das Teil vom Oberkörper und pfefferte es auf den Boden. Gedankenlos musterte ich das alte Ding, während ich nun den Geruch im ganzen Zimmer wahrnahm. Es roch alt. In dieser Wohnung lebte schon lange keiner mehr. Sie war tot. Bewohnerlos. Leblos. Das, was wir heute mit dem Ausräumen taten, war nur, um ihr wieder Leben einzuhauchen.
Neben dem verlassenen Bett, das schon lange niemanden mehr wärmte, lagen Kisten und Rollen von schwarzen Säcken. Ich riss mir einen davon ab und begann die stinkende zusammengelegte Kleidung zu entsorgen. Einen Sack nach dem anderen füllte ich, bis sich nur noch gähnende Leere vor mir befand. Am Boden vor mir lag nur noch der Hoodie. Er war das einzige Kleidungsstück gewesen, welches ich eigentlich haben wollte. Doch mir wurde heute bewusst, dass ich das nicht brauchte. Ich brauchte kein Souvenir an meine Zeit mit Blake. Zumindest keines das ich anfassen konnte. Alle meine Souvenirs befanden sich in meinen Kopf. Meine Erinnerungen an ihn würden nicht verblassen. Das konnten sie nicht, weil er für immer ein Teil von meinem Werdegang sein würde. Ohne ihn, wäre ich heute nicht die Frau, die ich nun war.
Ein leises Klopfen an der Tür meldete Lilly an, die ihren Kopf durch den Spalt der Tür schob. „Jordan?“, fragte sie bekümmert.
„Es geht mir gut“, erwiderte ich wie automatisch. Es war doch das, was immer alle hören wollten.
Lilly schlüpfte in den Raum und schloss die Tür hinter sich. „Natürlich tut es das.“ Sie setzte sich auf das Bett und klopfte auf den freien Platz neben ihr. Ich verstand den Wink und setzte mich zu ihr.
Sie holte tief Luft und sah auf ihre Finger hinab. „Mir schmerzt jeder Knochen in meinem Körper. Ich bin ausgelaugt und kraftlos. Mutlos. Verletzt. Traurig und wütend.“ Lilly seufzte und rieb sich mit den Handballen über die Augen, ehe ihr Blick meinen fand. „Wir stehen das alle zusammen durch.“ Ihre Hand fand meine. Sie drückte sie.
Missmutig schloss ich die Augen und schüttelte den Kopf. Ich konnte es einfach nicht verstehen. „Warum hasst du mich nicht“, wagte ich, mich endlich zu fragen. Viel zu lange schon lag die Frage auf meiner Zunge. „Joel hat doch recht, ohne mich, wäre er heute noch hier. Du hättest deinen Sohn noch, deine Eltern ihren Enkel und Joel seinen besten Freund. Warum hasst du mich also nicht auch? Warum kümmerst du dich um mich? Warum jagst du mich nicht zum Teufel?“
„Weil Blake dich bedingungslos geliebt hat“, Lilly lächelte mich von Herzen an. „Er hat nur in den höchsten Tönen von dir gesprochen und dich vergöttert. Ich könnte dich nie hassen, weil du ihn glücklich gemacht hast. Du warst sein ein und alles.“
„Ich hasse mich dafür, was passiert ist.“ Es war alles, was ich darauf erwidern konnte. Nichts von all der Liebe von Blake oder dem Verständnis von Lilly hatte ich auch nur annähernd verdient. „Du solltest mich eigentlich hassen, Lilly. Du solltest wütend auf mich sein.“
„Aber das bringt meinen Sohn auch nicht mehr zurück!“, zischte Lilly verbittert. Sie ließ meine Hand los und stand auf. Eine Hand am Herzen liegend drehte sie sich zu mir um. „Bitte entschuldige, Jordan.“
„Schon gut.“ Wie sollte ich es ihr böse nehmen? Das war ein Ding der Unmöglichkeit.
Lilly bot mir eine Hand an. „Los, komm mit. Da möchte sich jemand bei dir entschuldigen.“
Verwundert runzelte ich die Stirn. Wer sollte sich schon bei mir entschuldigen. Joel? Niemals. Ich ließ mir von Lilly auf die Beine helfen und folgte ihr zurück ins Wohnzimmer. Sämtliche Regale waren inzwischen leergeräumt.
„Joel?“
Joel drehte sich auf Lillys Bitte hin um. Als er mich sah, fiel die Temperatur im Raum deutlich. Er versuchte, ein seufzen zu unterdrücken, was ihm nur semi gut gelang. Dann verließ Blakes Mutter den Raum und ließ uns somit alleine.
War sie sich sicher, dass das eine gute Idee war? Vermutlich würde sie einen Toten finden, wenn sie zurückkam. Dieser Tote wäre mit hoher Sicherheit ich.
Joel stellte eine prall gefüllte Kiste auf dem Boden ab. Dann klopfte er sich den Staub von seinen Händen und sah mich finster an. Es kostete ihn alle Mühe, mich nicht gleich zu beschimpfen. „Es tut mir leid, wie ich dich das letzte Jahr über behandelt habe“, sagte er gepresst und mit dem Blick auf den Boden gerichtet.
„Das meinst du doch nicht ernst?“, hörte ich mich sagen. Es wäre, vielleicht besser gewesen den Mund zu halten, schließlich war er noch nie gut auf mich zu sprechen.
„Zum Teil schon.“ Seine Antwort verwunderte mich. Ich hatte eher mit einem gelachten „Natürlich nicht“, gerechnet. „Ich gebe zu, den Bogen etwas überspannt zu haben“, fügte er schulterzuckend hinzu.
„Etwas?“
Joel schloss kurz die Augen und nickte. „Wie gesagt, es tut mir leid. Meine Trauer ist in Wut übergegangen und die habe ich an dir ausgelassen. I-ich ... ich vermisse ihn einfach so sehr“, den letzten Teil des Satzes hauchte er nur noch. Schon schniefte er und ließ den Tränen seinen Lauf. Ich konnte nur zu gut nachvollziehen, wie er sich fühlte. Seine Reaktion brach mir das Herz.
Unbehaglich trat ich von einem Bein auf das andere. Ich entschied mich, das Richtige zu tun, ging auf ihn zu und umarmte ihn. Da er mich nicht sofort von sich stieß, hatte ich das Gefühl, das Richtige zu tun. Mein Oberteil fühlte sich feucht an der Schulter an, als seine Tränen auf mich fielen. Ich spürte einen starken Arm um mich, als er mich auch in die Umarmung schloss.
Wir kannten uns schon jahrelang, hatten uns immer gut verstanden. Ich hatte ihn immer als Freund angesehen, doch mit Blakes Unfall kamen die Zweifel. Wir verbrachten keine Zeit mehr zusammen, weil er so wütend auf mich war. Ich empfand es als die bessere Variante auf Abstand zu gehen, doch vielleicht war genau das der Fehler gewesen. Vielleicht wäre es besser gewesen, auf ihn zuzugehen und ihn weiter in mein Leben mit einzubeziehen. Zusammen wäre es uns womöglich leichter gefallen, loszulassen.
Wir lösten uns voneinander. Tränen glitzerten in unseren Augen. Joel wischte sich mit seinem Handrücken über die Wangen und schniefte erneut.
„Wenn wir hier fertig sind, würde ich dich gerne auf einen Kaffee einladen. Wäre das für dich okay?“ Joel sah mich erwartungsvoll an. Es schien ihm jetzt wesentlich leichter zu fallen mit mir zu sprechen.
Nickend nahm ich die Einladung mit einem Lächeln an. „Kaffee klingt immer gut.“
Er schmunzelte leicht und ich erkannte den alten Joel in seinen Augen wieder. „Ich wusste doch, dass du Junkie nicht Nein sagen würdest.“ Dann lachte er auf und ich stimmte mit ein.
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