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Dark Magnus

von Mindy
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P16 Slash
Alexander "Alec" Lightwood Magnus Bane
01.11.2020
29.11.2020
14
45.803
14
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22.11.2020 3.509
 
Fast flehend blickte er seinen Bruder an, während Alec den Blick gesenkt hatte und irgendeinen Punkt auf Jace‘ Brust zu fixieren schien. „Alec, bitte…sag mir, wie ich dir helfen kann…helfen, es besser zu machen…“
Es ist nicht deine Aufgabe, es besser zu machen!
Kurz schwieg Alec und schluckte, um die aufblitzende Erinnerung zu vertreiben. Es gab einfach zu viele davon…zu viele und doch nicht genug, um den Rest seines Lebens nur damit zu verbringen.
„Du musst nichts tun. Du kannst nichts tun, Jace. Niemand kann das.“




Widmung: Piccolo (du erkennst sicher selbst, welche deiner Ideen hier umgesetzt wurde ;--) )


________________________________________________________________________


~*~


Nach ihrem Besuch im Institut, holte Catarina wie geplant Madzie ab und portallierte sich zu Magnus.
Wie immer lief Madzie Magnus begeistert in die Arme und er begrüßte sie liebevoll. Zwar war er nicht auf Besuch eingestellt und wusste nicht, ob er überhaupt welchen wollte, aber sein Vater war ja zum Glück gerade unterwegs und ein Kind im Haus war immer irgendwie aufmunternd.

Nach seiner theatralischen Wohnungszerstörung am Vortag hatte Magnus so eine Aufmunterung wohl wirklich nötig.

„Du wirst immer größer“, lachte Magnus und knuddelte Madzie kurz, was sie kichern ließ.
„Nicht wahr…“
„Doch wahr, du wirst irgendwann riesig, da bin ich sicher.“ Lächelnd strich Magnus Madzie über die Wange.
„So groß wie Alec? Oh, wo ist Alec? Arbeiten?“, fragte Madzie mit großen, unschuldigen Augen, wie sie nur im Gesicht eines Kindes sitzen konnten. Suchend blickte sie sich um.
Magnus‘ Miene verhärtete sich ein wenig, obwohl er das gegenüber Madzie nicht wollte. „Nein. Er ist weg, Sweet Pea. Und er kommt auch nicht wieder, also vergiss ihn.“ Behutsam strich er ihr über den Kopf, als sie eine traurige Miene machte.
„Weg? Aber ich mag Alec…“

Ja, Magnus mochte ihn auch…immer noch…leider.

„Es ist nicht zu ändern, du musst dich daran gewöhnen. Außerdem, bedenke, er ist sterblich, früher oder später wäre er sowieso weg gewesen. Jetzt ist es eben früher.“
„Magnus Bane!“ Mit vorwurfsvollem Blick trat Catarina näher und legte die Hand auf Madzies Schulter, die mit einer Mischung aus Verwirrung und Traurigkeit zu Magnus aufsah. „Alles gut, Schätzchen, wir können Onkel Alec demnächst mal im Institut besuchen“, versprach sie und strich ihr über die Wange, ehe sie sie zum Spielen in den Nebenraum schickte.

Sie hatte ein Wörtchen mit Magnus zu reden und fühlte sich, als würde sie dabei gleich Worte gebrauchen, die nicht für Kinderohren bestimmt waren.

„Wieso sagst du ihr denn bloß so etwas?!“, zischte Catarina ihren Freund an, während dieser zur Bar ging und einen Drink mixte.
Diesen trank er aus, ehe er direkt einen neuen machte. „Wieso? Es ist die Wahrheit. Je früher sie es weiß, desto weniger wird sie verletzt.“
„Aber…“ Hatte Magnus jetzt einen Anfall von Demenz? „…komm schon, Magnus, was ist hier los? Und übrigens, es ist erst Vormittag, solltest du es nicht langsamer angehen lassen?“, fragte Catarina besorgt, als der nächste Drink in Magnus verschwand.
„Weshalb? Ich spiele ein neues Trinkspiel, es heißt: Jedes Mal, wenn ich deprimiert bin, trinke ich was.“
„Das ist kein Spiel, nicht neu und heißt Alkoholismus“, schnaubte Catarina verächtlich** und nahm Magnus das nächste volle Glas aus der Hand, was dieser mit einem unwilligen Blick quittierte.
„Warum bist du überhaupt hier, Catarina?“

Okay, Charme war heute nicht Magnus‘ Stärke.

„Na ja, wir haben uns länger nicht gesehen und es ist einiges passiert.“ Doch ein wenig schien Magnus sich zurückgezogen zu haben, auch vor ihr. „Deine Magie ist plötzlich zurück und ich frage mich, wie das passiert ist. Außerdem herrscht große Unruhe unter den Hexenmeistern in der Gegend. Lorenzo ist seit Tagen verschwunden und niemand weiß, wo er ist. Das hier war eine Weile sein Appartement, also…“
„Erstens war es niemals wirklich seines und zweitens…ist er ausgezogen“, erwiderte Magnus schulterzuckend. „Soweit ich weiß in ein etwas kleineres Domizil in der Nähe, mit breiten Glasfronten, aber viel Grün außenherum.“ Etwas Schadenfreude musste erlaubt sein. „Doch um ehrlich zu sein, mir ist herzlich egal, wo er ist oder was die Hexenmeistergemeinde treibt. Außer, sie hätten mich gerne wieder im Amt, vielleicht wäre ich so großzügig ihnen meine Rückkehr anzubieten.“
Wieder zog Catarina die Augenbrauen hinauf. Irgendetwas stimmte ganz und gar nicht mit ihrem alten Freund. Sie kannten sich schon ewig und doch hatte sie Magnus so noch nie erlebt. Sie ahnte allerdings, womit es zusammenhing.
„Ich war heute im Institut, um Alec zu heilen“, wechselte sie daher abrupt das Thema. „Er wurde bei einer Mission schwer verletzt.“
„Und?“
Und? Mehr hast du nicht dazu zu sagen?“, fragte Catarina ungläubig.
„Was soll ich denn sagen? Selbst Schuld, wenn du für die Shadowhunter die Arbeit machst?“

Dabei war das nicht einmal im Entferntesten, was Magnus durch den Kopf schoss und was er eigentlich sagen wollte.

Er wollte fragen, wie es Alec ging, wie schwer die Verletzung war, ob Catarina ihn vollständig hatte heilen können, ob er nach ihm gefragt hatte…doch all das hielt Magnus in sich verschlossen. Niemals würde er über Alec hinwegkommen, wenn er nicht endlich aufhörte, sich für ihn verantwortlich zu fühlen und für ihn zu empfinden, wie er es leider tat.
Dennoch versuchte er anhand von Catarinas Gesicht zu ergründen, ob er besorgt sein sollte.
„Magnus, wieso…?“
„Und, konntest du ihn denn heilen?“
„Was? Ja, das konnte ich“, sagte Catarina verwirrt.
„Na also, warum erzählst du mir das dann?“ Magnus zuckte gleichgültig die Schultern, ohne sich die Erleichterung anmerken zu lassen, die wärmender und beruhigender durch seinen Körper floss als der Wodka.
„Magnus, du benimmst dich völlig verrückt. Schon klar, ihr habt euch offensichtlich gestritten, aber du kannst doch nicht…“
„Wir haben uns nicht gestritten“, unterbrach Magnus seine Freundin barsch und schüttete erneut Alkohol in ein Glas. „Wir haben uns getrennt. Nein, er hat sich von mir getrennt. Vor elf Tagen.“

Für Magnus fühlte es sich an, als wäre es erst elf Minuten her.

„Mich abserviert, im Stich gelassen, fallen lassen. In der schwersten Stunde meines Lebens, als ich nichts mehr hatte.“ Und das eigentlich nur, weil Magnus zuvor alles für Alec geopfert hatte. Es war eine beißende, widerliche Ironie.
„Er hat mit dir Schluss gemacht?! Einfach so?“
„Oh, nicht einfach so, er hat mir sehr genau dargelegt, dass mein inneres Feuer, der Funke, in den er sich wohl verliebt hatte, mit meiner Magie verloschen sei“, wiederholte Magnus Alecs Worte gepresst. „Offenbar war es ihm eine Bürde, mein Leid zu ertragen, also hat er sich meiner entledigt. Schnell und schmerzlos, für ihn zumindest.“
„…“ Nun trank Catarina das Glas leer, das sie Magnus abgenommen hatte, und verzog beim Geschmack des Alkohols das Gesicht. Nachdenklich runzelte sie die Stirn, versuchte dabei, diese neuen Informationen zu verarbeiten und einen Sinn darin zu erkennen.
Catarina hatte Alec als einen liebevollen, loyalen und sehr aufrichtigen jungen Mann kennengelernt. Die Liebe für Magnus hatte aus jedem Wort, jedem Blick, jeder Geste gesprochen. Wenn sie daran dachte, wie verzweifelt er gewesen war, als Magnus Lorenzos Magie abgestoßen hatte…das war kaum zwei Wochen her und da hatte Alec noch sehr verliebt gewirkt, Magie oder nicht.

Jetzt sollte er Magnus plötzlich verachten und nicht mehr wollen?

So ein Verhalten schien gar nicht zu ihm zu passen. Es passte auch nicht zu dem traurigen, blassen, in sich gekehrten Alec, den sie heute getroffen hatte, der keineswegs wie jemand ausgesehen hatte, der sich von einer belastenden Beziehung befreit hatte.
Er hatte eher gewirkt…wie Magnus gerade.

Verletzt.

Unglücklich.

„Also gut geht es Alec momentan nicht, das steht fest. Und was du da sagst…das…klingt eigentlich gar nicht nach Alec.“
„Findest du, Cat?“, fragte Magnus zynisch. „Ich finde, das klingt genau passend. Er ist wie alle Nephilim, sie benutzen uns Unterweltler, solange es ihnen beliebt, aber wenn es schwierig wird, wenn wir nicht so wollen wie sie, dann wenden sie sich gegen uns oder vergessen all ihre…Beteuerungen, ihre Versprechungen und wohlklingenden Lippenbekenntnisse.“ Er hob und senkte das Glas mit jedem seiner aufgebrachten Worte, wodurch die Flüssigkeit darin bedenklich hin und her schwappte.
„Magnus…“, sagte Catarina bedrückt, weil sie deutlich sah, wie Magnus‘ Schmerz aus jeder Silbe sprach. „Das glaubst du doch selbst nicht.“
„Und ob ich das tue“, beharrte Magnus wütend. In Wirklichkeit hatte Catarina Recht; obwohl es passiert war und die Beweise klar vor ihm lagen, glaubte er es noch immer nicht, hatte noch immer das Bedürfnis Entschuldigungen und Ausreden für Alec zu suchen. Doch es tat gut, so bösartig von ihm zu sprechen und zu denken und all das Gift, das in Magnus‘ Adern kochte, mit seinen Worten stückweise herauszulassen, um nicht davon getötet zu werden. „Was solls, lassen wir das. Ich will das Kapitel Alec Lightwood so schnell es geht vergessen und in der emotionalen Truhe begraben, in der die anderen meiner Fehltritte ihr Ende gefunden haben.“ Beziehungen oder Affären, die er im Nachhinein bereut hatte, wie Mira Black oder Camille.

Am besten harkte er das Kapitel Liebe und Beziehung endgültig ab, so, wie er es eigentlich schon getan hatte, ehe er Alec begegnet war.

Wieder nahm er einen tiefen Schluck seines Drinks. Wie er Alec dafür hasste, dass jeder Gedanke immer wieder bei ihm endete.
„In Ordnung…“ Catarina wollte Magnus‘ Wunsch respektieren und ihn vorerst nicht mit weiteren Fragen bedrängen. Irgendwann würde er sicher bereit sein, sich anders, rationaler mit dem Thema zu befassen.
Vielleicht auch ehrlicher, denn es war offensichtlich, dass er Alec nicht verabscheute, so sehr Magnus sich das gerade vielleicht einreden wollte.
Catarina jedenfalls würde für Magnus da sein und ihn trösten, was immer er durchmachte.

So, wie sie es seit Jahrhunderten tat.

~*~


„Mein Sohn, was tust du?“, fragte Asmodeus, als er am Abend von seinem jüngsten Ausflug zurückkam und seinen Sohn im Wohnzimmer vorfand. Magnus lag gerade auf der Couch…und starrte an die Decke.
Einige kleine, schwarze Energiekugeln surrten über ihm im Kreis und Magnus hob immer mal wieder den Finger und ließ die Kugeln mit einem leisen Summen verglühen. Offenbar hatte er sich diese mückenähnlichen Gebilde erschaffen, nur, um sie wieder aus der Luft holen zu können.
„Ich beschäftige mich“, antwortete Magnus matt und ließ einen weiteren schwarzen Punkt erlöschen.
„Das scheint mir keine sinnvolle Betätigung.“ Asmodeus trat näher und legte die Unterarme auf der Couchlehne ab.
„Aber es ist überaus zeitfüllend.“ Im Grunde tat Magnus nichts anderes, seit Catarina und Madzie vor einigen Stunden gegangen waren. Der Besuch hatte Magnus aufgewühlt, was ihn geärgert hatte. Gleichzeitig fühlte er sich zu müde, um sich weiterhin zu ärgern und wütend zu sein.
Dazu kam, dass er immer wieder daran dachte, dass Alec verletzt worden war und er ihn nicht angerufen hatte, um ihn um Hilfe zu bitten, denn sicher war auch Alec nicht verborgen geblieben, dass Magnus wieder zaubern konnte. Wozu er ihm nicht einmal gratuliert hatte, dieser undankbare Nephilim.
Natürlich wäre es absolut unverschämt, Magnus nach allem um Hilfe zu bitten…doch glaubte Alec wirklich, Magnus würde ihm Hilfe verweigern, wenn er schwer verletzt irgendwo läge und kurz davor wäre, sein Leben auszuhauchen?

Würde Magnus das?

Nein, natürlich nicht, niemals würde er das fertig bringen, obwohl er sollte.

Sollte er?

Wie auch bei dem Vampirnest, drehten sich seine Gedanken hierzu im Kreis.
Seit er nicht mehr feiernd durch die Gegend zog, musste er öfter an das denken, was er in Rumänien getan hatte.
Ja, die Höhle war voller Menschenknochen gewesen und die Vampire widerliche, ghulartige Wesen, die ausgesehen hatten, als würden sie jede Nacht in Blut baden, dennoch bereute er, dass er nicht länger inne gehalten hatte, ehe er sie ausgelöscht hatte.
Was hatte er sich da für ein Recht herausgenommen, über das Leben und Sterben anderer Wesen zu entscheiden?
Das war nicht er, doch Magnus kam sich vor, als wisse er gar nicht mehr wirklich, wer er war, was er fühlte, was falsch war und was richtig, als würde sein innerer Kompass in letzter Zeit ständig in ein Funkloch geraten.

Die einzig klare Richtung, die er immer anzeigte, war die zurück zu Alexander…ein Weg, den er nicht gehen konnte.

„…wie lange betreibst du diese zeitfüllende Tätigkeit schon?“, fragte Asmodeus weiter, da Magnus nicht einmal zu ihm blickte, sondern völlig in düstere Gedanken vertieft schien.
„Ich weiß nicht. Ist es schon Abend? Welcher Wochentag ist überhaupt?“
„…“ Offenbar hatte Magnus sich von seinem Ausbruch am gestrigen Tag noch nicht ganz erholt.
Asmodeus hatte die Wohnung wieder instand gezaubert und Magnus hatte es teilnahmslos geschehen lassen. Obwohl er schon seit elf Tagen von diesem Shadowhunter befreit war, schien er noch immer unter seinem Verlust zu leiden. Das verstand Asmodeus nicht, denn was hatte dieser Nephilim ihm schon geben können, was Asmodeus ihm die letzten Tage nicht geboten hatte?
Er hatte seine Kräfte zurück, ebenso sein Appartement, Magnus hatte sich rächen und seine Kräfte ausleben können, hatte mit einer berauschenden Feier seinen Ruf in der Unterwelt wieder hergestellt und sich die letzten Tage in vielerlei Hinsicht herrlich amüsiert.

Wieso war er dennoch so unglücklich?

Wenn Asmodeus nicht achtsam war, ließ die Trauer um diesen verfluchten Nephilim die Saat verkümmern, die er so mühsam zum Wachsen gebracht hatte. Die Liebe zu Lightwood war nicht länger Dünger, sondern wie ein Pestizid, das Asmodeus vernichten musste.
„Ich sehe, du brauchst eine Aufmunterung“, meinte Asmodeus und ließ die fliegenden Punkte mit einer Handbewegung verschwinden, was Magnus unwillig das Gesicht verziehen ließ. „Darum habe ich ein Geschenk für dich.“
„Ein Geschenk?“, wiederholte Magnus verwirrt und setzte sich auf. Was konnte ein Höllenfürst schon unter einem Geschenk verstehen? Magnus schwante Übles. „Wenn du mir jetzt den Kopf eines Werwolfs präsentierst…“
„Nichts dergleichen“, versprach Asmodeus und zauberte eine große Schachtel in seine Hände, die er Magnus reichte.
Misstrauisch nahm dieser sie entgegen, während er sich richtig hinsetzte. „Da sind Löcher drin. Heißt das, dass da etwas Lebendes drin ist?“ Da wäre ihm der Werwolfkopf doch lieber…
„Mach sie auf, dann siehst du es“, meinte Asmodeus lächelnd und setzte sich neben Magnus. Das Konzept von Geschenken war Dämonen eigentlich völlig fremd, alles hatte seinen Preis, doch für seinen Sohn machte Asmodeus gerne eine Ausnahme.

Kurz zögerte Magnus noch, dann riss er den Deckel auf, fast wie ein Kind am Geburtstag, und blickte in die Schachtel.

„Vater!“, rief er empört, als er die schwarze Katze darin entdeckte. Eilig holte er sie aus der Schachtel, warf diese zu Boden und setzte das Tier auf seinen Schoß. „Du kannst doch keine Katze in einer Schachtel einsperren, was denkst du dir?!“
Sofort streichelte Magnus das Tier, das Magnus aufmerksam musterte und sich seiner Hand entgegen streckte. Sein Fell war wunderbar weich und glänzte im Licht.
Sachte schnupperte die Katze an seiner Hand.
„Keine Sorge, es handelt sich nicht um eine gewöhnliche Katze. Sie sah schon andere Orte und lebt schon fast so lange wie du. Sieh genauer hin.“
Fragend drehte Magnus das Tier zu sich und betrachtete sein Gesicht. Die eben noch gelben Augen blitzten plötzlich rot auf und eine lange Zunge glitt aus dem Maul der Katze, als sie miaute. Auch ihr Schwanz war länger als bei einer gewöhnlichen Katze.
„Nanu, was bist du denn?“, wunderte er sich, kraulte das Tier dabei am Hals, was mit einem Schnurren belohnt wurde. Furcht empfand er nicht, eher Neugierde. Jede Form der Katze war wunderschön.
„Das ist eine Höllenkatze, wenn du so willst.“
„Sie ist ein Dämon?“
„Ein Mischwesen, den Katzen dieser Welt ähnlich, aber mit besonderen Kräften.“ Asmodeus nahm das Tier aus Magnus‘ Händen und setzte es auf dem Boden ab. Als er gegen den Strich über das Fell streichelte, zuckten plötzlich kleine schwarze Blitze daraus hervor.
„Oh“, sagte Magnus fasziniert und beobachtete die geschmeidigen Bewegungen des Tieres. „Elektrisierend.“ Offenbar konnte man die Reibung hier in besonderer Weise nutzen, wie wenn man über den Teppich schlurfte.
„Ihre Größe verrät nichts über ihr Wesen, sie könnte mit Leichtigkeit den ganzen Block in Dunkelheit tauchen und dabei einige Dutzend Mundie töten.“
„…dazu erziehe ich sie besser nicht“, meinte Magnus und nahm das Tier wieder hoch, das den Kopf gegen sein Kinn drückte und wieder begann zu schnurren.

Sympathie war schon einmal vorhanden, das war wichtig bei Katzen, denn sie liebten zwar, aber dienten nicht. Entweder mochten sie einen oder nicht, sie ließen sich nicht dressieren wie Hunde und blieben bei einem, egal, wie schlecht man sie behandelte. Zuneigung von Katzen musste man sich verdienen. Deswegen hatte Magnus diese Tiere immer schon gemocht.

„Ich kümmere mich um die ganzen Katzen aus der Nachbarschaft“, sagte Magnus, während er die merkwürdige Katze weiter streichelte. „Doch keine davon wohnt in meinem Appartement. Wieso schenkst du mir eine Dämonenkatze?“
„Du scheinst mir Gesellschaft nötig zu haben, wenn ich unterwegs bin“, antwortete Asmodeus.
„…“ Peinlich, aber wohl nicht so falsch…
„Zudem verfügt dieses Wesen über Kräfte, die vielleicht dein Interesse wecken werden, wenn du dich näher damit beschäftigst.“
„Hm.“ Magnus hob die Katze an und blickte in ihr edles Gesicht. „Hat sie einen Namen?“
„Er. Er hatte viele Namen, aber es steht dir frei, ihn zu taufen.“
Kurz dachte Magnus nach. Elektra oder Light wären wohl nicht übel, aber zu plump für so ein schönes Tier. „Petiri“, entschied Magnus schließlich, was Asmodeus die Augenbrauen hinaufziehen ließ.
„Eine Verniedlichung des indonesischen Wortes für Blitz?“
„Hast du etwas dagegen?“ Magnus erhob sich und brachte Petiri in die Küche, um ihm etwas Milch und Wasser zu geben. Dieser schwarzhaarige Mitbewohner würde ihm wenigstens nicht das Herz brechen und konnte ihn nachts ebenso wärmen.
„Keineswegs.“ Zufrieden beobachtete Asmodeus, wie Magnus lächelte, während er das Tier fütterte. Wenigstens schien das Geschenk seine Laune gehoben zu haben.

Doch Asmodeus hatte noch wesentlich mehr im Sinn.

„Wir könnten den Abend nutzen und Petiris Kräfte testen.“
„Ich werde kein Lebewesen, schon gar keine Katze, missbrauchen, um jemanden zu verletzen“, sagte Magnus streng. So etwas konnte Asmodeus sich direkt aus dem Kopf schlagen.
Asmodeus ließ sich seinen Unwillen nicht anmerken. „An so etwas dachte ich nicht, doch wie du gesehen hast, kann sie mit ihrer Energie einiges an Unruhe stiften, wenn wir es wollen. Wie wäre es mit…einem Streich?“
„Streich?“
„Ja. Du warst gestern so wütend, offenbar verlangt es dich nach etwas Genugtuung. Wie wäre es also, wenn wir die Shadowhunter ärgern, die dich so lange ausgenutzt und hintergangen haben? Ihrem Institut die Energie für einige Minuten stehlen wird sie aufscheuchen wie Tauben auf dem Marktplatz, das wäre mehr als verdient. Es wird niemand verletzt“, fügte Asmodeus schnell hinzu, weil Magnus skeptisch aussah.
„Was ich mit Alec habe…hatte…die anderen haben mir nichts getan. Sie sind…Freunde“, sagte Magnus langsam, doch Asmodeus schnaubte verächtlich.
„Nur ungern enttäusche ich deinen guten Glauben, mein Sohn, doch ich denke, du irrst. Wo sind diese angeblichen Freunde? Ich sehe nicht, dass sie hier sind, du etwa? Offensichtlich halten sie zu ihresgleichen.“

Das war wohl richtig.

Zwar hatte Magnus ein wenig so empfunden, als wären Clary, Isabelle und Simon, selbst Maryse und Jace ein Stück weit seine Familie geworden, doch natürlich waren sie Alec mehr verbunden und hielten eher zu ihm, nachdem sie sich getrennt hatten. Wobei Magnus wusste, dass Izzy, Simon, Clary und sogar Jace mehrfach versucht hatten, ihn zu erreichen, er war jedoch nicht rangegangen. Er war zu sehr mit sich selbst beschäftigt gewesen und war es eigentlich immer noch.
Dazu kam…sie erinnerten ihn zu sehr an Alec.

„Was sagst du?“, fragte Asmodeus eine Spur ungeduldig, während Petiri sich die Schnauze beleckte und begann, um Magnus‘ Beine zu streichen. „Er muss seine Kräfte ab und an nutzen, sonst wird er krank. Außerdem…“
„Ja, wir tun es“, sagte Magnus, nachdem er noch einmal kurz über alles nachgedacht hatte. Nicht nur, weil es dem Wohl des kleinen Wesens diente oder weil er die Shadowhunter unbedingt ärgern wollte. Vielmehr war das der ideale Vorwand, um in die Nähe des Instituts zu kommen.
Vielleicht sah er dabei ja zufällig Alec…und so ein kleiner Energieabfall im Institut würde keine größeren Schäden verursachen. Vermutlich gab es dort sowieso mehrere Notfallenergien, so dass letztlich gar nichts geschehen würde.
Sein Vater wäre aber zufrieden und irgendwie wollte Magnus das, denn nachdem Asmodeus sich die letzten Tage wirklich um ihn bemüht hatte, käme er sich fast undankbar vor, wenn er ihn jetzt zurückwies.
Dabei war er Asmodeus wirklich nichts schuldig, nach allem, was dieser in seiner Kindheit getan und zu was er ihn verleitet hatte, aber Magnus wollte nicht riskieren, dass selbst er ihn jetzt noch alleine ließ. Magnus wusste nicht, ob er noch mehr Einsamkeit und Ablehnung ertragen würde.
Also nahm er Petiri auf den Arm. Es stimmte außerdem, so ein kleiner Dämpfer tat den Nephilim bisweilen ganz gut. „Komm, mein Kleiner…wir besuchen jetzt die undankbaren Shadowhunter.“
„Miau?“

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** Habe ich vor Wochen in einer Incorrect Quote gelesen, ursprünglich ist das aber aus Modern Family, wie ich sehr genau weiß XD In der IQ sagte es Camille zu Magnus, aber ich fand es hat auch sehr gut zu Catarina gepasst XD

Ich hatte übrigens natürlich die Idee, dass eine Dämonenkatze was mit Feuerkräften haben sollte, aber da das wohl 90% aller Autoren so gemacht hätten, habe ich mich dann mal für was anderes entschieden und das hat mir interessante Perspektiven eröffnet XD

Tja...das nächste Kapitel heißt "Rache", aber es wird mit Sicherheit anders kommen, als ihr denkt XD
Bis Mittwoch oder so^^

LG Mindy
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