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Felix und Jakob- Wer sucht, der findet

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
31.10.2020
22.04.2021
14
41.955
10
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Dieses Kapitel
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08.04.2021 3.825
 
Hi ihr Lieben!

Ich hoffe, dass ihr schöne Ostertage hattet und diese auch mit diesen Bedingungen und der Situation momentan genießen konntet! Ich muss mich heute nochmal bei euch bedanken, für die gestiegenen Aufrufe und die neue Empfehlung. Das ist klasse, Dankeschön! Ich freue mich!

Außerdem möchte und muss ich euch etwas ebenfalls sehr Positives mitteilen, nämlich dass es wieder den geregelten Upload am Donnerstag geben wird! Das ist etwas, worüber ich mich persönlich sehr freue, weil es im Moment einfach super funktioniert, denn komme ich mit dem Schreiben super hinterher, daher gibt es wieder jeden Donnerstag ein Kapitel. Falls es jemandem aufgefallen ist, habe ich das bereits die letzten zwei Wochen schon so gemacht, daher kommt da so langsam wieder Struktur rein.



Ich bin natürlich auch gespannt, was einige von euch wieder zum jüngsten Kapitel zu sagen haben und wünsche somit viel Spaß mit dem 12. Kapitel!

Liebe Grüße!

Sunnyleschi





Kapitel 12

-Jakob-



Ich wollte nicht einschlafen. Nein, ich durfte es nicht.

Ich war doch ein wenig überrascht gewesen, als Felix den Körperkontakt zu mir gesucht hatte, obwohl ich das so auf die Art gar nicht gewöhnt war.

Felix schien nun tief und fest eingeschlafen zu sein, denn seine Atmung ging sehr regelmäßig und sein Brustkorb hob und senkte sich gleichmäßig.

Vielleicht schlief er ja so tief in den nächsten Minuten, dass ich abhauen könnte?

Einerseits wollte ich hier nicht weg, aber auf der anderen Seite stand mein Plan noch und es war so, dass ich gehen müsste, um ihn zu vollenden, Felix zu vergessen und mein Leben normal weiterzuleben. Ganz normal als Prostituierter in zwei Clubs, wo ich genug Geld verdiente, um mir alles finanzieren zu können.

Der Grund, warum ich eben nicht wegwollte, war schlicht der, dass Felix so niedlich war. Keine Ahnung was, aber irgendetwas faszinierte mich an ihm so derart, machte mich gleichzeitig an und verleitete mich letztendlich dazu, solche schnellen Reaktionen zu begehen. Eigentlich hatte ich doch mit Felix zuerst reden wollen, aber er sah so…

Ach ich wusste es doch auch nicht, was mich an diesem Typen hielt!

Jetzt war ich sogar schon bei ihm zu Hause gewesen, das war zu viel, weil es mich irritierte. Da war es doch klar, dass ich mich nicht mehr beherrschen konnte, wenn meine Libido so manipuliert wurde. Levin hatte gesagt, ich müsste jetzt aufpassen, wenn ich mich nicht verlieben wollte. Das stimmte zwar, aber damit war ich nicht einen Schritt weiter als meine schon angelegten Erkenntnisse.

Ich wollte mich am liebsten aufregen, aber das tat ich bei Felix Anblick lieber nicht. Dafür fand ich den Anblick, den er da schlafend abgab, viel zu niedlich. Wie er hier in meinen Armen lag…

Völlig befriedigt und erledigt.

Ich musste grinsen, wenn ich daran dachte, dass ich hier ganz gute Arbeit geleistet zu haben schien. Deshalb wusste ich, dass ich nicht gehen konnte. Noch nicht. Ich musste erst ein wenig herunterfahren. Das ging nicht anders.

Ich musste auch daran denken, wie Felix mir wieder so unterlegen wie beim ersten Mal gewesen war. Das hatte mich auch dieses mal wieder so sehr angemacht, dass ich kurz rausgegangen war, um mich von meinen Fantasien, die ich leider nun mal hatte, abzulenken.

Sie handelten unteranderem des Öfteren davon, wie Felix vor mir kniete und meinen Schwanz lutschte. Ich stand mit einer Reitgerte vor und damit im Rang über ihm. Dieser Gedanke gefiel mir sehr. Felix gab kein einziges Würgegeräusch oder Anzeichen des Unwohlseins von sich. Er sah dabei zu mir nach oben und gab schmatzende laute von sich. Den unterschiedlichen Druck, den er dabei ausführte, war so ungewohnt, so einzigartig und unbezahlbar, dass ich davon hätte kommen können. Ich fand das hier mehr als geil und konnte mich nicht zurückhalten, ihm ein paar Hiebe mit der Reitgerte zu verpassen, wenn er mit seiner Sorgfältigkeit in der Arbeit nachließ.

Plötzlich stoppte Felix genau in seiner Bewegung.

Warum? Weshalb stand das Bild so still? Träumte ich?

Scheisse!

Hatte ich irgendetwas getan oder… Wo war ich überhaupt?

Ich wirbelte mit meinem Kopf herum, in der Hoffnung, eine Antwort darauf zu finden, wo ich war. Tatsächlich brauchte ich meinen Kopf nur nach links zu drehen und erkannte Felix. Langsam ergab sich der Zusammenhang dazu, weshalb ich so einen irrsinnigen Mist geträumt und meine Gedanken so spielen lassen hatte.

Okay. Ich verstand also langsam…

Felix schlief nach wie vor ruhig, aber mittlerweile neben mir, also konnte ich keine lange Zeit geschlafen haben. Felix hatte sich dann aber relativ schnell von mir abgelöst und sich dann auf die andere Seite gedreht.

Ich lag hier immer noch wie er größte Vollidiot auf dem Rücken. Zum Glück hatte ich meine Arme im Schlaf angezogen. Mir wäre das echt peinlich gewesen, wenn Felix mich so gesehen hätte. Vielleicht hatte er das auch schon und war danach nochmal eingeschlafen. Fuck!

Naja, so wild war das jetzt auch nicht. versuchte ich mich selbst ein Stück herunterzufahren.

Man, ich war immer noch unter Spannung, weil ich für meinen Plan hier weg musste!

Als hätte Felix meine Gedanken im Schlaf gelesen, rückte er instinktiv wieder ein Stück näher an mich und murmelte etwas Unverständliches.

Ich sollte mich vom Acker machen.

Besser war es, bevor Felix mich noch aufhielt, ich ihn wachmachte oder Ähnliches.

Ich stand also auf, suchte schnell meine Sachen zusammen. Nicht, dass ich diese Situation komisch fand. Als Hure hatte man eben auch schon so etwas erlebt und ich mit meinen zarten 22 war ja auch privat kein unbeschriebenes Blatt in diesem Sinne.

Als ich aufstand, passierte nichts. Aber während ich mich hastig anzog, wurde Felix mehr als nur unruhig. Er wälzte sich einen kurzen Moment so sehr hin und her, dass ich dachte, er würde gleich aufwachen.

Ich beeilte mich noch, in meine Socken und Schuhe zu kommen, bevor ich an der Tür noch einmal innehielt, weil Felix etwas diesmal sehr Klares und Eindeutiges erzählte.

„Jakob, geh´ nicht. Ich… ich brauche dich… Ich liebe dich.“

Mir stockte fast der Atem.

Felix? Mich? Lieben?

Was?

Fluchtartig verließ ich die Wohnung des jungen Mannes, mit dem ich gerade mehr oder weniger Sex gehabt hatte und nun von diesem verstört war. Ich war nicht verstört von Felix an sich. Ich war verstört von dem, was er im Schlaf gesagt hatte.

Wann hatte mir das letzte mal jemand gesagt, dass er mich liebte?





-Rückblick-

Langsam drang ich in meinen Freund ein. Das war ungewohnt.

Heute hatten wir mal getauscht, sodass ich auch mal etwas dominanter beim Sex sein durfte. Mein Freund atmete wohlig auf, als ich mich ganz in ihm versenkt hatte.

Mir entglitt ein Stöhnen, denn ich genoss es, mal freie Hand zu haben und den anderen Part spüren zu dürfen und zu erleben. Dafür war ich Hennes mehr als nur dankbar.

Wir hatten beschlossen, das öfter zu machen, damit es ausgeglichener war, damit wir unsere Beziehung halten konnten, weil Dennis uns schon ordentlich Druck gemacht hatte. Zum Glück wusste er nichts von unserer Liebe zueinander. Es war wahrscheinlich besser, wenn er nichts erfuhr. So konnten wir noch ein wenig unser Glück genießen, aber unsere Zeit war begrenzt. Das wussten wir beide. Hennes und ich.

„Los mach´. Wird schon nicht schlecht werden. Du kannst das, Schatz. Das weiß ich.“  

Ich liebte diesen Mann. Trotz 10 Jahren Altersunterschied…

Ich konnte nicht verhindern, dass mir Tränen über die Wangen liefen.

„Hey. Alles ist gut. Ich weiß wir haben vielleicht nicht mehr lange, aber wenn das mein letztes Mal mit dir ist…“

Hennes schluckte deutlich hörbar. Das machte es auch nicht besser.

„… dann will ich das genießen.“

Ich fing schon an zu schluchzen, weil es so wehtat zu wissen, dass das vermutlich das letzte Mal sein würde, dass ich diesem Mann so nahe sein durfte.  Trotzdem fing ich mich kurz wieder, sodass ich anfangen konnte, mich zu bewegen.

Irgendwann ließen wir unserer Lust freien Lauf, bis wir uns gegenseitig an die Spitze trieben.

„Ich komme.“

„Ich weiß.“

Mir fiel es ebenfalls schwerer, klar zu sprechen, weil mein Höhepunkt bereits auf mich wartete.

Während ich ein letztes Mal zustieß, liefen mir die Tränen wieder unkontrolliert herunter. Ich kam.

Mein Freund und ich sahen uns in die Augen, bevor ich auf ihm zusammenbrach.

„Jakob?“

„Ja?“

„Ich liebe dich. Vergiss´ das bitte nicht.“

Ich brauchte einen kurzen Moment, um zu antworten.

„Niemals.“



-Ende des Rückblicks-



Das war das letzte Mal gewesen.

Das letzte Mal, bevor ich mich hatte trennen müssen. Da hatte mir mein damaliger Freund und erste Liebe gesagt, er würde mich lieben.

Hennes war ein sehr liebevoller Freund. Ich habe ihn auch geliebt.

Bis Dennis kam und uns auseinanderbrachte. Ich hätte nach Dennis nicht gedacht, dass ich nochmal so empfinden würde. Ich hatte eine leise aufkommende und schleichende Ahnung davon, dass das, was ich bei Felix ungefähr fühlte, an das herankam, was Hennes mir prophezeit hatte.

„Du wirst nach mir wieder jemanden finden, den du lieben wirst. Da bin ich mir sicher. Er wird dich so lieben, wie ich dich und auch verdient haben. Der Mann wird dich auch zu schätzen wissen, Jakob, weil du wertvoll bist.“

War es aber Felix?

War er es, den ich nicht nur begehrte?

Den ich lieben könnte und würde?

Nein.

Das war meine endgültige Antwort. Ich konnte das nicht.

Ich würde mich und Felix nur verletzen, wenn ich ihn richtig lieben würde. Mit ihm eine gleichberechtigte Beziehung führen würde.

Aber verletzte ich Felix nicht noch viel mehr, wenn ich jetzt nach Hause ging?

Eins war mir klar. Egal, was ich jetzt tat, wäre schmerzhaft, aber weniger schmerzhaft war es doch, diesen Plan zu vollenden und umzusetzen. Das musste meine Denkweise sein. Das würde sie sein.

Damit trat ich den Rückweg zu meiner Wohnung an. Während der 15 Minuten Laufweg sagte ich nichts. Ich dachte auch nichts und wollte am besten auch nichts fühlen. Einfach nur nach Hause. Ich ignorierte die Schmerzen in meiner Brust. Behandelte sie gar nicht erst und dachte auch nicht darüber nach. Tat so, als wären sie nicht da.

Unten, kurz vor dem Eingangsbereich meiner Wohnung musste ich stoppen. Da stand jemand. Ich erkannte, dass es Sarah sein musste, die mir da wieder bewusst über den Weg laufen wollte. Von weitem schien sie mich zu erkennen, denn sie lief auf mich zu.

Was wollte sie wieder hier?

Ich blieb stehen und wartete somit ab, sodass Sarah somit die Möglichkeit hätte, mich abzupassen. Und ich lag richtig. Sarah wollte mich auch abpassen. So langsam wurde mir komisch bei diesem Ganzen, wenn ich darüber nachdachte, was sie erneut wollen könnte. Keine neue Beschreibung zu der Situation mit mir und Felix. Hoffentlich nicht. Nicht nochmal!

„Hi, Jakob! Mensch, erzähl´! Wie ist es gelaufen? Habt ihr miteinander gesprochen? Was ist das zwischen euch?“

Meine Güte jetzt hatte ich aber ein Problem. Drei Fragen auf einmal und dann so komplexe noch dazu.

So ein Mist! Jetzt steckte ich in der Scheisse!

Das durfte ich mir natürlich nicht anmerken lassen… wie immer. Ich musste mich mehrfach ermahnen, meine Fassade aufrecht zu erhalten.

Ein Glück klappte es und ich konnte einen neutralen Gesichtsausdruck aufsetzen.

Nochmals: Glück gehabt! Leider sollte ich im nächsten Moment feststellen, dass ich mich zu früh gefreut hatte.

„Oh, entschuldige bitte meine Fragen, ich bin nur neugierig. Deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen, ist es wohl eher nicht gut gelaufen.“

Ja, das konnte Sarah so sagen!

Verdammt!

Jetzt schien sie mich auch noch durchschaut zu haben. Wie sollte ich dieser Frau die Wahrheit sagen, aber sie war schließlich Felix´ beste Freundin, sie würde es sowieso herausfinden, ob ich gerade log oder anhand von Felix´ Bemerkungen herauskristallisieren, wie und was vorhin zwischen mir und ihm passiert war. Außerdem stand ja auch noch im Raum, dass sie selbst Scheisse am Stecken hatte, was Felix betraf. In der Hinsicht hatten wir wohl beide eine ähnliche Karte auf der Hand.

Ich wählte die Variante, Sarah alles, was meine Handlungen betraf, offen und aus meiner Sicht zu erklären.

Na, das konnte ja wohl ein Spaß werden. Es würde sich gleich also zeigen, ob es richtig von mir war, so zu entscheiden.

                                                                                (-)



„Nein! Das kann doch nicht wahr sein!... Ne, Jakob! Nein! Du lügst mich doch an, oder?!“

Ich zog es vor, zu schweigen. Ich hatte Sarah gerade gebeichtet, dass ich nicht mit Felix gesprochen, sondern mit ihm im Bett gelandet war.

Wenn sie sich jetzt schon aufregte, wie sollte das denn werden, wenn sie von meinem Plan erfuhr?! Dieses Detail verheimlichte ich ihr nach wie vor.

Hoffentlich war das kein Fehler.

„Jakob! Dass du nicht mal mehr den Anstand besitzt, mir vernünftig zuzuhören! Ich glaube es nicht! Dass du so tickst! Tickst du überhaupt noch?! Du solltest dich mit Felix UNTERHALTEN und von mir aus auch vögeln, aber doch nicht einfach so unter diesem Vorwand! Am besten du hättest die Vögelnummer gelassen, aber das klappt bei euch Nutten ja nicht. Da muss man immer auf das Ficken zurückkommen, wenn es schwierig wird! Man, Jakob!“

Ja, das war mir unangenehm. Sarah regte sich hier seit einer Stunde so sehr auf, machte mir Vorwürfe und baute sich auf, dass ich schleichend Angst bekam. Mich ergriff die Angst auch noch weiter, als sie einen unangenehmen und noch schlimmeren Punkt als sowieso schon traf.

„Verdammt nochmal! Mein Arzt hat gesagt, ich soll mich und das Kind besonders in den ersten drei Monaten nicht belasten und was tue ich?! Ich gebe mich hier mit eurer Jungsscheisse ab! Jakob, ich habe nur noch eine Frage an dich, eine einzige. Danach gehe ich. Ich schaue mir das hier mit euch nicht weiter an, ist dir das klar?! Also die Frage…“

Sie atmete noch einmal durch, damit sie diese Frage vermutlich einigermaßen sachlich rüberbrachte.

„… stelle ich dir jetzt noch. Ich möchte eine ehrliche Antwort: Ich werde danach einfach nur noch kommentarlos gehen egal, was du sagst.“

Ich nickte nur, weil ich einfach nur sprachlos war und ich mich verdammt klein und eingeschüchtert fühlte.

„Okay, Jakob. Hattest oder hast du einen Plan hinter dem Ganzen? Zum Beispiel einmalige Sache mit Felix und dann war da doch was und dann musstest du nochmal mit ihm ins Bett, weil du den Fick nicht vergessen hast, hin und weg von Felix bist und aber dein Leben wieder normal leben wolltest? War es das?“

Baamm! Da hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen!

Ich war und blieb sprachlos. Ich öffnete meinen Mund, schloss ihn wieder, bekam bei meinem nächsten Ansatz nur ein Krächzen heraus, bis beim ungefähr fünften Ansatz erst etwas kam, was man verstehen konnte.

„J-Ja…“

Nun war es raus. Es war jetzt weg. Ich konnte nichts mehr tun.

Wurde Sarah nun böse auf mich? Verließ sie jetzt echt nur kommentarlos die Wohnung?

Ich hatte echt die Sorge, dass Sarah entweder so sauer wie acht Essig und vier Zitronen wurde oder sie einfach ging. Allerdings stellte ich ein paar Sekunden später fest, dass nichts dergleichen geschah.

Stattdessen fing Sarah an, übertrieben zu grinsen. Sie sah zur Seite und dann wieder zu mir und brach dann in schallendes Gelächter aus.

Was sollte die Scheisse denn? Ich hatte mit vielen Reaktionen gerechnet, aber damit?! Was zur Hölle?

Während Sarah so lachte, starrte ich nur blöd vor mich hin.  Sie schien immer mehr zu begreifen, was mein Plan war und das amüsierte sie so weit, dass sie einen richtigen Lachkrampf erlitt.

Als sie aufhörte, zu lachen, war sie knallrot im Gesicht. Auf meinen jetzt erst entstandenen fragenden und zugleich verstörten Blick antwortete Sarah immer noch unter Lachen:

„Ne, oder? Deswegen machst du dir so ins Hemd? Der Plan war so angedacht? Ganz im Ernst, ich habe schon besseres auf dieser Welt an Plänen gehört!“

„Ich, ähm…“

Mir fiel nichts besseres ein! Schnell! Improvisieren! Oh nein, jetzt wusste ich nichts! Scheisse!

„Es war so?“ hakte Sarah nochmal explizit nach, woraufhin ich nur den Kopf beschämt senken konnte.

„Also, erstmal, schaust du mich mal an, bitte?“

Ich folgte ihrer Anweisung.

„Gut und jetzt zum Wesentlichen…“

Warum war diese Frau so gruselig? Wie hielt Felix das aus?

„…dein Plan ist, wenn ich es mal so sagen darf: Bescheuert. Ne. Richtig Scheisse.  Den könntest du für jeden X-beliebigen Gast verwenden, aber nicht für Felix. Selbst ich, die bei ihm auf ganzer Linie verschissen hat sehe, dass ihr zwei doch nur im Kreis umeinander herumlauft, bedeutet: Ihr findet euch nicht, wenn ihr so weitermacht. Zu dir: Man kann für Liebe zwischen zwei Menschen keinen Plan oder Regeln entwerfen und aufstellen. Man muss es zulassen Jakob! Ich bin ganz ehrlich, ich habe den Eindruck, du bist derjenige, der der es nicht kann und genau da liegt das Problem. Du hast zu viele Ansprüche an dich und an das, was du willst. Ich glaube den Rest davon verstehst du selber. Was ich nochmal zu Felix als Person sagen möchte: Das ist mehr als ein toller Typ und dieser hat, wie ich gemerkt habe, starke Gefühle nach kurzer Zeit entwickelt. Verspiele dir das nicht. Verletzt du Felix so tief, dass er die Freude an Männern verliert, dann kriegst du es mit mir zu tun. Da hört es auf. Überlege dir, was du tust, aber verletze Felix nicht. Das hat dein Vorgänger nämlich super hinbekommen und ich war froh, dass ich Felix wieder dazu gekriegt habe, mal unter Leute und in einen Club zu gehen! Ich habe mich so gefreut, als ich merkte, dass er dich mehr als toll findet und sich jetzt in dich verliebt hat. Das hätte ich nicht mehr so schnell für möglich gehalten. Also vergiss nicht, was ich dir ans Herz lege: Nimm dir Felix zum Partner, du kannst nichts Besseres machen und ich schwöre dir, dass du nichts zu verlieren hast.“

Was?

Ich war schon wieder sprachlos. Heute kam ich aus diesem Wow- Effekt wohl nicht mehr heraus. Erst Felix, dann meine Gedanken, Sarah…

Was sollte mir das alles auch sagen? Dass ich mit Felix versuchen sollte, eine Beziehung zu führen? Dass er tatsächlich so fühlte und das auch wollen würde? Reichten meine Gefühle überhaupt aus, um Felix glücklich zu machen?

Faktisch betrachtet hatte Sarah ja Recht. Felix war kein X- beliebiger Typ und auch kein Mensch, den man hin und her schubsen konnte.

Was sollte ich aber mit meinen Gefühlen machen?

Zurückstecken?

Nein.

Ich kam nicht darauf, was das werden sollte. Es ergab sich für meinen Plan kein Sinn mehr. Das wurde mir klar.

Was sollte ich aber sonst tun?

-Erinnerungsstücke-

„Man muss es zulassen Jakob.“

„Irgendwann kommt wieder jemand, der dich so lieben wird, wie ich dich.“

„… Das hat dein Vorgänger super hinbekommen… Verletze Felix nicht…“

„Jakob, geh´ nicht… Ich… Ich brauche dich. Ich liebe dich.“

„Du wirst einen tollen Partner finden, mein Junge. Da bin ich mir sehr sicher. Lass´ es auf dich zukommen, bei deinem Beruf ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch.“



Mein Gott, ich wusste gar nicht, wie gut ich mir diese Sachen im Detail gemerkt hatte, sodass ich sie jetzt genauso spüren konnte, wie sie gemeint waren!

Dennoch hatten es mir Menschen gesagt. Sie hatten es mir sogar gewünscht. Was sollte also daran falsch sein, mit Felix zu sprechen und etwas zu versuchen?

Mir war auch klar, dass Sarah nicht die erste Person war, die mir so etwas erzählte. Ich begriff nur jetzt erst, dass es viele probiert hatten. Nach und vor Dennis. Ich begriff auch nach und nach die nächsten Minuten, was für ein Arschloch er gewesen war. Dennis hatte mir nie gesagt, was er empfand. Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag. Jahrelang hatte dieser Arsch mir versucht zu verkaufen, dass er der einzige war. Der einzige, mit dem ich etwas haben durfte. In jeder Hinsicht.

Hatte ich ihn eigentlich geliebt?

Sicher nicht.

Ich war nur abhängig gewesen und hatte das nicht bemerkt.

Dennis hatte mich und meinen ersten ernsthaften Partner auseinandergerissen. So hatte ich das noch nie gesehen. Hennis und ich hatten uns geliebt.

Wenn ich Gedanken, die ich über ihn gehabt hatte, bei Dennis frei geäußert hätte, hätte dieser mich so verprügelt, dass ich krankenhausreif war.

War ja nicht so, dass er es nicht schon mal getan hätte…

Und ich hilfloser Teenager konnte nichts tun. Mir wurde so viel auf einen Schlag bewusst, dass ich mich fragte, ob ich, Ich selbst gewesen war. All die Jahre.

Hatte ich diese Scheisse überhaupt mitgemacht und erlebt? Ich konnte es nicht glauben.

Ich fühlte mich mit einem Mal von jedem auf der Welt verarscht. Sogar von mir selbst. Ich musste an Felix denken.

Wollte ich ihm das antun, was mir angetan wurde? Von der Person weggerissen zu werden, die er liebte, nämlich mir selbst.

Ich war der, der es verändern konnte. Ich müsste es verändern. Da schien kein Weg dran vorbeizuführen.

Entschlossen sah ich Sarah an und erwischte sie dabei, wie sie mich genau ansah. Mit einem ebenso entschlossenen Blick sagte ich: „Ich glaube, ich habe es verstanden.“

Das war irgendwie mehr eine Bestätigung für mich selbst, als zu Sarah, aber ich musste es mir ja selbst eingestehen, damit ich den Beleg dafür hatte.

Verdammt, ich fühlte doch etwas für Felix! Da war was! Ich spürte ein wie zustimmendes Ziehen meines Unterleibs und tief in meinem Herzen. Das schien der richtige Weg zu sein!

Ich durchlief alle meine Erinnerungen zu Felix und das Pochen und Ziehen wurde stärker. Es fühlte sich an, als wenn das hier schon die ganze Zeit rauswollte. Das hatte nichts mehr mit rein sexueller Begierde zutun, das war echt. Ich fühlte etwas wieder Aufflammendes in mir, etwas, was ich in meinem ganzen Leben bisher nur einmal zu spüren bekommen hatte.

Die Liebe zu einem anderen Menschen. Zu Felix. Dem schönen jungen Mann mit den blonden Haaren, dem devoten Blick, dem wunderschön makellosen Körper. Wie dieser sich anspannte, wenn Felix sich bewegte. Ich hätte noch ewig s weiterschwärmen können.

Das konnte etwas werden! Ich wollte mit Felix eine Beziehung führen können, mein Herz schrie gerade danach, mich mit ihm zu versöhnen, auszusprechen und es zu versuchen. Meine Angst an meine Vergangenheit wollte mich besiegen. Normalerweise hätte ich sie gewinnen lassen. Jetzt wollte ich es nicht mehr, weil ich etwas brauchte, um sie vollkommen zu besiegen. Das war Felix. Ich brauchte ihn.

Die Frage war, ob wir das schaffen würden. Meine Antwort war, dass wir es probieren müssten.

Ich müsste es versuchen. Nein. Wir müssten es versuchen. Felix und ich.

Innerlich betete ich, dass es nicht schon zu spät für Versuchen und Hoffen war. Ich tat etwas so Kitschiges, was ich noch nie im Leben getan hatte.

Ich rief Felix in Gedanken zu: „Felix, lass es uns versuchen, bitte. Ich glaube,…ich liebe dich. Ich will es dir erklären. Bitte!“

Obwohl ich wusste, es könnte längst zu spät sein… Das musste ich aber in Betracht ziehen.

Dass es längst zu spät war…
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