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Felix und Jakob- Wer sucht, der findet

GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
31.10.2020
29.04.2021
15
45.865
10
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31.10.2020 2.191
 
Kapitel 1- Pannen



„Tschüss, schönen Feierabend und schönes Wochenende!“, rief ich noch, bevor ich auch schon den Bioladen verließ. Meine Schicht war für heute und zum Glück auch die nächsten Tage beendet. Ich war gedanklich schon zu Hause, während ich in meinem Lieblingscafé stand und fast vergaß, welchen Kaffee ich immer bestellte. Ich murmelte noch ein leises `Tschüss´, kurz bevor  ich mich wieder auf die Straßen der Innenstadt begab. Mir wurde wieder einmal bewusst, wie viele Leute hier entlangliefen und dass ich einer von vielen war, der jetzt noch den Bus bekommen wollte. Ich stellte mich also schon einmal darauf ein, dass der Bus wieder aufgrund des Feierabendverkehrs plus einen Freitag, wo alle eigentlich nur noch nach Hause wollten, gerammelt voll sein würde. ´Wie sehr ich das hasste! ´, wurde mir bewusst, aber ich musste ja schließlich Geld neben meiner Ausbildung dazu verdienen, sonst würde ich wahrscheinlich bald unter der nächstbesten Brücke wohnen.

Als ich merkte, dass ich schonwieder nur Scheiße dachte, war ich so weit weg von der realen Welt, dass ich nicht mitbekam, wie ich an meiner Bushaltestelle vorbeigelaufen war.

´Fuck! Wann fuhr dieser Bus nochmal?!´, fragte ich mich schon dezent panisch und sah dann auf mein Handy.

´Scheiße, noch 2 Minuten! ´, hastete ich dann schon los, da ich mich schon zu weit von der Haltestelle entfernt hatte.

Du Bus war zum Glück noch nicht da, als ich um die Ecke bog. ´Junge, wie weit bin ich denn gelaufen?!´ Den Rest versuchte ich lässig zurückzugehen, was mir wegen meines schnellen Atems aufgrund des Stresses  nicht so leicht fiel.

Kurz bevor ich zum Stehen kam, spürte ich etwas Nasses Klebriges und dazu noch Lauwarmes auf meinem Shirt… Der Kaffee! ´Shit, das musste jetzt sein, dass  ich diesen blöden Kaffee vergaß und ihn  mir hier auch noch übers Shirt kippte! ´

Gerade wollte ich froh sein, dass es niemand richtig mitbekommen zu haben schien, aber da sah ich auch schon direkt in die Augen eines Kerls, der vermutlich so ein paar Jahre älter war als ich, also so 22, vielleicht schon 24?! ´Nicht starren, Felix! ´ ermahnte ich mich selbst, als ich merkte, wie ich den Kerl schon ordentlich abgescannt hatte. Bei diesem Körper konnte man doch auch nicht wegsehen! ... Blondes, dichtes Haar, grüne Augen und verdammt… krasse Oberarme, die vermutlich das Dreifache von meinem Gewicht halten könnten… Von dem hätte ich mich direkt auf der Straße vögeln lassen können… ´Heilige Scheiße, Felix wie alt bist du denn, dass du nur ans Ficken denkst! Du bist doch keine 15 mehr! ´  

Der Typ grinste mich dann schon wissend an und warf mir kurz darauf einen verruchten Blick zu.  Ich merkte kurz darauf auch schon, dass sich in meiner Hose schon etwas deutlich geregt hatte und unbedingt mehr Platz forderte. Gott, war mir das gerade peinlich, deswegen hat der Typ mich wahrscheinlich auch schon so angegrinst… Alter… ´Warum steht dieses Ding überhaupt?! ´

´Das fragst du dich wirklich? ´, lachte die Stimme in meinem Kopf und während ich mich von dem Typ weggedreht hatte, sagte ich der Stimme sie solle sich für die nächsten paar Stunden ganz getrost verpissen.

Dann kam der Bus. Endlich! Er musste locker 15 Minuten Verspätung gehabt haben, denn meine „Musterung“ hatte  schon alleine 10 Minuten gedauert…Ich zeigte dem Fahrer meine Monatskarte, bevor ich nach hinten in den Bus einstieg und erleichtert war, dass der Kerl nicht auch mit dem Bus fuhr. Ruhig, atmen und jetzt keine peinlichen Fehler mehr machen…





Völlig durchnässt kam ich zu Hause an. Der Regen hatte jetzt auch noch gefehlt. Dankbar endlich zu Hause zu sein, schloss ich die Tür auf, merkte, dass es schwieriger ging, was mich vermuten ließ, dass meine beste Freundin hier war, da sie sie Angewohnheit hatte, den Schlüssel stecken zu lassen. Da hörte ich auch schon ihre fröhlich-trällernde Stimme rufen: „Felix? Du bist schon hier? Super! Ich wollte dich gerade fragen, ob du lieber Kaffe oder Kakao wolltest!“ Wie kann ein Mensch nur so dauerhaft gut gelaunt sein, zumal das bei ihr echt nicht gespielt ist?!

„Mensch, du bist ja ganz durchnässt.“, stellte sie kopfschüttelnd fest, ging ins Badezimmer, um mir ein Handtuch zu holen, schickte mich dann ins Bad, mit den Worten, ich solle erst mal warm duschen gehen und dann zu ihr in die Küche gehen. Das setzte ich dann auch in die Tat um, denn eine Dusche könnte jetzt wirklich gut tun.

Mir ging wieder dieser Kerl von der Bushaltestelle durch den Kopf und ich stellte fest, dass ich schon wieder hart war. Ich versuchte, mir die schlimmsten Szenarien des Betrugs meines Ex-Freundes vorstellen, denn diese gab es leider, was sich  aber normalerweise in peinlichen Situationen als sinnvoll erwies, wenn ich denn auch nachdenken würde… ´Nicht so wie vorhin!´ flötete die Stimme wieder und ich seufzte nur, weil nicht mal mehr Laune dazu hatte, ihr den Marsch zu blasen.

Tatsächlich halfen auch diesmal die ekligen Bilder in meinem Kopf, um die Erektion wegzukriegen. Gott sei Dank! Dann stieg ich aus  Dusche, trocknete mich ab, suchte mir in meinem Schlafzimmer aus dem Kleiderschrank frische Unterwäsche sowie eine graue Jogginghose und ein türkises Shirt, streifte es mir über, während mein Blick auf mein viel zu großes Bett fiel. Ich suchte schnell noch ein paar Socken heraus und flüchtete aus dem Schlafzimmer in die Küche zu meiner besten Freundin, die vermutlich sehr geduldig auf mich gewartet hatte. Ich bekam einen prüfenden Blick zugeworfen, welcher bei ihr so viel hieß wie: „Jetzt sag schon was los ist!“, was ich dann auch nachdem ich mir einen Kaffee geholt hatte, tat. Ich begann, ihr alles zu erzählen, vom Morgen an, bis nach Feierabend, mit dem Kaffee, dem Kerl, der Erektion und dass ich einfach keine Nerven mehr hatte und verdammt nochmal endlich wieder einen Partner an meiner Seite wollte! Sie hörte mir aufmerksam zu und unterbrach mich nicht einmal. Als ich geendet hatte, herrschte kurze Stille, die meine beste Freundin aber dann durch ein langeszogenes ´Okay´ unterbrach und somit auch meine Aufmerksamkeit neu erhielt.

„Ach ihr Männer habt es in eurer Welt untereinander echt nicht einfach und entschuldige bitte, wenn ich jetzt wieder so psychlogisch klinge, aber du brauchst denke ich mal wieder so emotionale und vielleicht auch sexuelle Bestätigung. Durch Erik bist du wirklich weggerutscht und nimm es  nicht persönlich, aber ich denke wir brauchen uns in dem Punkt, dass du schlichtweg untervögelt bist nichts vormachen oder? Und ich glaube du solltest diese Bestätigung mal wieder erhalten, dass du liebenswert bist und so, weil ich meine seien wir doch mal ehrlich, wie lange hattest du jetzt schon keinen Sex mehr? Und soziale Kontakte knüpfen kann doch auch nicht verkehrt sein. Du sollst ja nicht mit allen befreundet sein oder mit der halben Stadt vögeln, aber so ein bisschen Unterhaltung beziehungsweise Spaß haben hilft dir und baut dich wieder ein bisschen auf. Ich habe vorgestern von Dennis gehört, dass es einen netten Club hier um die Ecke gibt, für so Leute wie dich  und ich dachte, vielleicht ist das ja was für dich.“

„Was?! Du meinst, ich soll da unterm Strich hingehen und Spaß haben und mich dann einfach  abschleppen lassen?“

Ich wusste, dass ich mir das hätte sparen können, weil es einfach die dümmste Frage in der Situation überhaupt war, aber trotzdem war ich ehrlich gesagt noch nicht besonders überzeugt und auch ein bisschen verwirrt, weil ich ja eigentlich nach einer Beziehung suchte. Ob das alles also förderlich ist, wusste ich nicht.

„Also ich meine doch nur, weil ich weiß, dass du jetzt denkst, dass es nichts bringt, weil du nach ner Beziehung suchst, aber probier es doch erst mal wieder aus, hm? Du sollst ja nicht direkt mit jemandem auf dem Klo verschwinden, aber vielleicht findest du da ja einen, der auch an einer Beziehung interessiert ist oder so, weiß ich wie ihr Schwulen das regelt. Guck doch einfach mal wie es läuft und dann kannst du einfach spontan entscheiden, was du tun willst oder eben nicht. Stress dich bitte nicht deswegen, ja? Meine Intention war nicht, dass du dich dort unwohl fühlst oder Stress hast. Echt nicht.“  Sie streichelte mit ihrem Daumen über meinen Handrücken und drückte meine Hand. Wann hatte sie bitte meine Han genommen?

„Ok.“ Von mir aus. Vielleicht hat sie ja Recht…

„Echt? Du willst da hin? Cool! Ich würde gerne mitkommen, weil ich nämlich  vermute, dass du dich entweder übernimmst oder schreiend wieder raus rennst.“

Ich musste bei der Erinnerung grinsen, als Sarah mich aus einem Club abholen musste, weil wir Jungs es etwas übertrieben hatten. Es war echt viel Alkohol im Spiel gewesen, sodass einer von uns mit ner Alkoholvergiftung ins Krankenhaus kam. Sarah war so wütend, dass ich ihr nicht gesagt hatte, dass ich feiern gewesen war und sie sagte, ich könne mich glücklich schätzen, dass ich nicht derjenige mit dem Krankenhausaufenthalt sein müsse. Irgendwie liebe ich das an Sarah, dass sie sich um jeden kümmert und immer auf der Hut ist, selbst wenn es nur ein verstauchter Knöchel war, kann aber auch peinlich sein, wenn sie einen dann so finster anguckt und sagt, man hätte viel Glück gehabt, dass… naja… eben nicht mehr passiert ist. Ich musste bei der Erinnerung wieder fett grinsen, was Sarah scheinbar dazu verleitete, mir einen Klaps auf die Schulter zu geben.

„Hey! Machst du dich schon wieder über deine beste Freundin lustig?!... Hallo?!...Erde an Felix Thomsen! Ich hab gefragt, ob du noch Kaffee willst.“ Oh ja stimmt. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass ich meine Tasse schon geleert hatte. Huch!

„Ja, danke. Ich nehme mir aber gleich selber was.“

„Gut. Ich muss leider wieder, Steff ist krank und du kennst mich ja, wenn einer krank ist…“ Oh ja… „Ich hab dich lieb und pass auf dich auf, ja? Ich hol dich dann morgen um acht ab, dann können wir  noch essen gehen und gehen dann anschließend direkt zum Club, verstanden?“

„Aye, Sir. Ich hab dich auch lieb, Sarah.“

Ich hörte noch die Tür hinter mir zu gehen und daraufhin das Klackern von Sarahs High-Heels im Treppenhaus.

Ich sah in die nun wieder halbleere Kaffeetasse und anschließend auf die Uhr. Ich hatte noch eine halbe Stunde hier gesessen und meinen Gedanken nachgehangen. Kein Wunder, dass es also schon so spät war. Ich erhob mich mit meiner Tasse und beschloss, noch einen Film bei Netflix zu sehen, wobei ich dann scheinbar eingeschlafen war, denn als ich die Augen wieder öffnete, lief schon der Abspann. Toll!  Den kannte ich noch nicht. Egal. Konnte ich mir ja morgen nochmal ansehen. Ein Blick auf mein Handy verriet mir, dass es erst acht Uhr am Abend war, aber ich war trotz Kaffee schon so müde, dass beschloss, schon ins Bett zu gehen. Die Woche war echt anstrengend gewesen. Meine Ausbildung und der Nebenjob waren dieses Mal in einer Woche gewesen und somit war ich auch dementsprechend überarbeitet nach Hause gekommen und heute nach der halben Panne an der Bushaltestelle erstrecht.

Ich putzte mir noch die Zähne, wusch mein Gesicht und legte mich dann in mein viel zu großes Bett. Nur in Boxershorts bekleidet, legte ich mich auf dem Rücken unter die Decke. Alleine! Ja, mein Bett war doch viel zu groß für eine Person alleine. Das hatte Sarah mir auch gesagt, als ich es kaufen wollte, aber ich hatte damals ja auch noch Hoffnungen gehabt, dass Erik hier einziehen würde, bevor er mich aber mit einer mit einer Frau betrogen hatte und ich mir anhören musste, das wäre ja absehbar gewesen, denn er sagte mir ja, dass er langfristig nicht monogam leben könnte und so weiter… Davon war zwischen uns aber vorher nie die Rede…Ich habe es mir damals schon nicht gefallen lassen, hab ihm eine gescheuert und das war es dann letztendlich auch. Ich wusste, dass man das nicht einfach so tat, aber ich hatte so dringend das Bedürfnis, diesem Kerl einfach eine zu geben, weil ich es Scheiße fand, dass er das behauptet hatte!

Trotzdem blieb ich alleine in diesem Riesenbett! Man! Ich drehte mich auf die Seite, schloss die Augen und ließ meinem Kopf freies Spiel. Ich dachte daran, wie mein Partner neben mir liegen würde, mich ansehen würde und mir gerade sagen würde, dass er mich liebte, als… Ich spürte etwas Nasses auf meinem Kopfkissen und stellte fest, dass ich weinte. ´Das scheint dir doch nicht so egal zu sein, wie du tust! ´ hörte ich schon wieder diese Stimme, aber dieses Mal sagte ich laut: „Du hast Recht.“ Und brach noch mehr in Tränen aus. Ich fühlte mich wie früher als kleines Kind oder noch vielmehr wie ein 15 Jähriger, der zum ersten Mal Liebeskummer hatte und das war mir irgendwie peinlich. Ich wusste nicht, wann ich das letzte Mal so  geweint hatte, aber ich hatte das Gefühl ich lag Stunden so in mich gekehrt auf dem Bett, bis ich nach gefühlten Stunden und versiegten Tränen später erneut schmerzhaft spürte, dass ich mit dem Thema ´Erik war mein Partner´  nicht so fertig wurde, es aber an diesem Abend irgendwie geschafft hatte, ins Tal der Träume zu gleiten.
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