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Tian Guan Ci Fu (Heaven Official's Blessing)

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
31.10.2020
07.05.2022
41
144.194
19
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
01.01.2022 2.393
 
Xie Lian wusste, dass der Ring etwas sein musste, das Hua Cheng zurückgelassen hatte. Er hielt ihn in der Hand und fragte sich einen Moment, aus was genau er bestand.

Zu der Zeit, als Xie Lian noch ein Kronprinz war, wuchs er im Palast von Xian Le auf. Das Xian Le Königreich besaß schon immer wunderschöne und wertvolle Schätze. Es gab so viele Sammler, wie Sand am Meer, weshalb der Palast sehr prachtvoll war und überall funkelte. Er besaß goldene Säulen, Treppen aus Jade, unzählige Schätze und wertvolle Edelsteine. Sogar die Kinder der adligen, spielten mit Edelsteinen in den unterschiedlichsten Farben, als wären sie irgendwelche Spielzeuge. Betrachtete man den Ring genauer, sah er aus, als wäre er aus einem Diamanten gefertigt.

Sein Schliff war allerdings so hervorragend, dass selbst der beste Juwelier es vielleicht nicht geschafft hätte, ihn mit dieser zerbrechlichen, natürlichen Schönheit herzustellen, die der Ring ausstrahlte. Selbst unter all den Diamanten, die Xie Lian bisher gesehen hatte, war dieser Stein außergewöhnlich klar. Er schimmerte wie ein Kristall und sah unglaublich edel aus, weshalb man nur schwer mit Bestimmtheit sagen konnte, aus welchem Material er gemacht war.

Obwohl Xie Lian immer noch nicht sagen konnte, woraus der Ring bestand, so war er auf jeden Fall etwas, von extrem großer Bedeutung. Da er die Kette mit dem Ring außerdem um seinen Hals getragen hatte, konnte sie nichts sein, was jemand aus Versehen verloren hatte. Vermutlich war sie so etwas wie ein Andenken, das Hua Cheng ihm geschenkt hatte.

Xie Lian war etwas überrascht darüber, so ein Geschenk zu erhalten. Er lächelte sanft und beschloss, gut darauf achtzugeben und den Jungen bei ihrem nächsten Treffen zu fragen, welche Bedeutung dieses Souvenir hatte. Das Einzige, das Xie Lian besaß, war der heruntergekommene Tempel und dort gab es nichts, wo er diesen wertvollen Schatz verstecken konnte. Er dachte einen Moment darüber nach und beschloss dann, dass es das Beste wäre, wenn er ihn bei sich trug und so legte er sich die silberne Kette erneut um den Hals und versteckt sie in seiner Kleidung.

Nachdem er von dem Yu Jun Berg, bei dem er nur in der Gegend herumgerannt war und dem Ban Yue Pass zurückgekehrt war, legte er sich für ein paar Tage, wie gelähmt, in den Pu Qi Tempel. Wenn nicht ein paar übereifrige Dorfbewohner zu ihm gekommen wären, die Brötchen oder Haferbrei opfern wollten, hätte er vermutlich noch viele Tage so dagelegen. Irgendwann fühlte er seine Kräfte zurückkehren und beschloss, wieder an die Arbeit zu gehen und seine Pflichten zu erfüllen. Er räumte auf und reparierte den Tempel weiter. So vergingen die Tage, bis er eines Tages plötzlich eine Nachricht von Ling Wen erhielt: Kehrt sofort in den Himmel zurück.

Ihrem Ton nach zu urteilen, war etwas Schlimmes passiert. Xie Lian konnte sich mehr oder weniger vorstellen, um was es ging und bereitete sich bereits mental darauf vor.

„Was ist passiert?”, fragte er. „Geht es um den Ban Yue Pass?”

„Das ist richtig”, entgegnete Ling Wen. „Wenn Ihr in den Himmel zurückkehrt, kommt bitte sofort in die große Kriegshalle.”

Sobald Xie Lian die Worte `große Kriegshalle´ hörte, erstarrte er. Jun Wu war zurück.

Nach seinem dritten Aufstieg, hatte er Jun Wu noch nicht gegrüßt. Als die Nummer Eins unter den Kriegsgöttern, verbrachte Jun Wu seine Tage damit, hinter verschlossenen Türen zu meditieren oder im Reich der Sterblichen zu patrouillieren, weshalb es ziemlich schwierig war, ihn zu treffen. Jetzt, da Jun Wu zurückgekehrt war, konnte Xie Lian ein Treffen mit ihm nicht mehr verhindern und so stieg er nach nur wenigen Tagen Pause abermals in die himmlische Hauptstadt hinauf.

Alle möglichen Götter hatten hier ihre himmlischen Paläste errichtet. Jeder Palast hatte seine eigene Geschichte und seinen eigenen Stil und zusammen bildeten sie die große Stadt. Überall waren verzierte Säulen, Gebäude mit Wandmalereien, kleine Brücken und Bäche. Eine spirituelle Aura durchflutete den Ort und am Boden verteilten sich mit jedem Schritt kleine Wolken.

Der obere Himmel hatte eine Hauptstraße: Die Allee des Kriegsgottes. Obwohl es im Reich der Sterblichen viele solcher Straßen, in Gedenken an Jun Wu gab, waren sie nur Schatten und Kopien der echten Straße im Himmel. Xie Lian lief durch die weitläufige Straße, geradewegs auf das himmlische Gericht zu. Auf dem Weg dorthin gab es viele Götter, die es eilig hatten und nicht einer traute sich, ihn zu grüßen.

Um ehrlich zu sein gab es sonst, wenn er das oberste Gericht besuchte, auch nie viele, die ihn grüßten. “Nicht grüßen” hieß allerdings, dass sich ihm kein anderer Gott näherte oder ein Gespräch mit ihm begann. Dennoch nickten sie ihm immer, so wie es sich gehörte, zu. Gerade verhielten sie sich allerdings alle so, als würde er gar nicht existieren und als würden sie in großen Schwierigkeiten stecken, wenn sie ihn nur ansahen. Sobald jemand vor ihm lief, ging dieser schnell weg und wenn jemand hinter ihm war, verlangsamte er seinen Schritt. Alle machten einen großen Bogen um ihn und hatten Angst, ihm zu nahe zu kommen. Xie Lian war so eine Behandlung bereits gewohnt, weshalb er sich keine allzu großen Gedanken deswegen machte. Schließlich hatte er vor kurzem die Beliebtheit des jungen General Peis, der erst seit kurzem aufgestiegen war, heruntergerissen. Es wäre seltsamer, wenn sich keiner von ihm fernhalten würde. Während er lief, hörte er plötzlich eine Stimme hinter sich rufen: „Eure königliche Hoheit!”

Xie Lian war erstaunt. Wer auch immer es gewagt hatte, nach ihm zu rufen, der hatte wahrlich Mut. Sobald er sich jedoch umdrehte, rannte ein kleiner Gott, der nach der königlichen Hoheit gerufen hatte, an ihm vorbei und genau auf eine Person zu, die weiter vorne lief.

Während er rannte, rief der kleine Gott: „Oh Mann, Eure königliche Hoheit! Wie könnt Ihr Euren Identitätspass vergessen, wenn Ihr zur großen Kriegshalle geht? Wie hättet Ihr dort reinkommen wollen?”

So war das also. Xie Lian verstand. Natürlich war die Anrede `Eure königliche Hoheit´ nicht an ihn gerichtet gewesen. Im Himmel gab es ziemlich viele Kronprinzen, weshalb eine Verwechslung nichts Ungewöhnliches war.

Als er zu dem anderen Kronprinzen sah, stockte er.

Der junge Mann hatte dicke Augenbrauen, leuchtende Augen und ein breites Lächeln. Dieses Lächeln war ganz anders, als das vieler anderer Götter. Es war echt und rein, ohne irgendwelche Hintergedanken und verlieh seinem wunderschönen Gesicht einen jugendlichen Charme. Würde jedoch ein anderer, strengerer Gott, wie Mu Qing etwas dazu sagen, dann würde er vermutlich sagen, dass er dadurch ziemlich Unwissend aussah. Der junge Mann trug eine Rüstung, die ihn stolz und kühn wirken ließ, aber einem nicht das Gefühl von Blut und Kampf gab, sondern ihm einen Hauch von königlichem Adel verlieh, rechtschaffend und aufrichtig.

Xie Lian blieb stehen und starrte den jungen Mann an. Die beiden vor ihm schienen seinen Blick zu spüren, denn sie hoben die Köpfe und sahen ihn an. Sobald der kleine Gott erkannte, wer er war, entglitten ihm die Gesichtszüge. Xie Lian nickte leicht und lächelte.

„Ich grüße Euch, Eure königliche Hoheit.”

Der andere Kronprinz war offensichtlich jemand, dem die genauen Details egal waren und der sich nicht an Xie Lians Gesicht erinnerte, denn als er sah, dass ihn jemand grüßte, rief er sofort mit einem strahlenden Lächeln zurück: „Ich grüße Euch!”

Der kleine Gott, der neben ihm stand, gab ihm einen leichten Schubs und entgegnete schnell: „Lasst uns gehen, Eure königliche Hoheit. Wir müssen immer noch zu der großen Kriegshalle gehen.”

Der junge Mann wusste nicht, was vor sich ging und war durch den plötzlichen Schubser sichtlich verwirrt. „Warum schubst du mich???”

Xie Lian stieß ein kurzes Lachen aus und der kleine Gott schien es daraufhin noch eiliger zu haben. „Der Kaiser wartet sicher schon auf uns. Bitte lasst uns gehen, Eure Hoheit!”

Der andere Kronprinz konnte Xie Lian nur einen verwirrten Blick zuwerfen, bevor er sich zum gehen abwandte.

Xie Lian blieb an Ort und Stelle stehen, während die beiden anderen ihren Weg fortsetzten und schon bald drangen die Stimmen von kleinen Göttern, die etwas entfernt standen, in sein Ohr.

„...Nun, das war unangenehm. Die Welt ist so ein kleiner Ort.”

„Sie sind aber beide Götter, also war es nur eine Frage der Zeit, bis sie aufeinandertreffen. Wenn Ihr mich fragt, wäre es spannender, wenn General Nan Yang auf General Xuan Zhen treffen würde.”

„Hahaha, warum die Eile? Sie werden gleich aufeinandertreffen! Das wird ein Spaß! Sie warten doch alle in der großen Kriegshalle, oder nicht?”

Plötzlich erwiderte jemand: „Ob die Welt klein ist, spielt keine Rolle. Leute werden immer miteinander verglichen. Zwei Leute können ziemlich unterschiedlich sein. Sie sind beide Kronprinzen, aber seine Hoheit Tai Hua ist wahrlich edel. Er würde nie irgendetwas schändliches machen. Nicht mal dann, wenn er verbannt werden würde.”

„Das Yong`an Königreich war schließlich noch wohlhabender, als das Xian Le Königreich. Natürlich ist der Kronprinz von Yong`an stärker, als der von Xian Le. Wie gut das Gras wächst, hängt von dem Boden ab, auf dem es wachsen soll. Einfache Logik.”

Der Norden gehörte dem Ming Guang Palast mit dem Kriegsgott Pei Ming. Im Westen herrscht der Qi Ying Palast von Quan Yizhen. Der Südosten war das Gebiet von Feng Xin und wurde demnach von dem Nan Yang Palast überwacht. Mu Qing gehörte mit seinem Xuan Zhen Palast der Südwesten und der Osten gehörte dem Palast von Tai Hua und damit dem Kriegsgott Lang Qianqiu.

Als Lang Qianqiu noch ein Sterblicher war, war er genauso wie Xie Lian ein Kronprinz. Allerdings war er der Kronprinz von Yong`an. Das Yong`an Königreich entstand nach dem Untergang von Xian Le und der Gründer dieses Königreiches war der General, der die Rebellenarmee anführte und erfolgreich die Hauptstadt von Xian Le eingenommen hatte.

Während Xie Lian im Reich der Sterblichen umherwanderte, hatte er auch den Osten besucht und wusste natürlich, dass der Kronprinz von Yong`an aufgestiegen war. Da sie beide Götter waren, war es unvermeidbar gewesen, dass die aufeinandertrafen. Vielleicht war das ein Grund für andere, sich Klatsch und Tratsch zuzuflüstern, auch, wenn es nicht wirklich ein Flüstern war. Bei jemand anderem würde eventuell gar nicht so laut geflüstert werden, weil man Angst vor den möglichen Konsequenzen hätte. Diese Worte wurden allerdings ohne die Angst gesagt, dass Xie Lian sie hören könnte. Vermutlich wurde sogar gehofft, dass etwas spannendes passieren könnte, wenn Xie Lian die Worte hörte, weshalb er einfach so tat, als hätte er nichts gehört und weiterging.

Genau in diesem Moment rief eine andere Stimme hinter ihm: „Eure Hoheit!”

„Nicht schon wieder”, dachte Xie Lian, doch als er sich umdrehte war es wirklich jemand, der mit ihm gesprochen hatte.

Ling Wen erschien mit dunklen Augenringen und mit Schriftrollen vollgepackt vor ihm. „Alle sind für das Treffen in die große Kriegshalle gegangen. Seid vorsichtig, sobald ihr die Halle erreicht habt.”

Xie Lian verstand. „Welche Strafe wird der jungen General Pei erhalten?”

„Vermutlich Exil”, antwortete Ling Wen.

„Das ist eigentlich gar nicht so schlecht. Zu mindestens nicht zu schlecht”, dachte Xie Lian.

Exil war so etwas wie eine “vorübergehende Verbannung”, die Götter erhielten, die ein Verbrechen begangen hatten. Das hieß, die Strafe war veränderbar und es gab immer noch die Möglichkeit, seine Pflichten im Himmel wieder aufzunehmen. Wenn derjenige im Exil eines Tages sein Verhalten gebessert hatte, konnte es sein, dass er wieder zurück durfte. Das konnte dreißig bis fünfzig Jahre dauern, vielleicht aber auch hundert oder zweihundert. Xie Lians “nicht schlecht” beruhte natürlich auf seiner eigenen Meinung. Was General Pei anging, so stand das auf einem ganz anderen Blatt.

Dann erinnerte sich Xie Lian plötzlich an etwas anderes. „Ach ja, Ling Wen. Wie geht es eigentlich mit der Suche nach dem Jungen mit dem Ausschlag der menschlichen Gesichter vom Yu Jun Berg, von dem ich dir das letzte Mal erzählt habe, voran? Gibt es irgendwelche Neuigkeiten?”

„Es tut mir wirklich leid, Eure königliche Hoheit. Momentan weiß ich noch nichts neues. Wir bleiben aber dran”, entgegnete Ling Wen.

Selbst für einen Gott war es nicht leicht, eine Person in einer so großen Welt zu finden. Obwohl der Himmel schneller arbeitete, so war es doch nur eine Differenz von zehn Jahren. Was das Reich der Sterblichen in zehn Jahren schafft, schaffte der Himmel in einem Jahr.

Genau in diesem Moment erreichten sie das Ende der Allee und ein majestätischer Palast erschien vor ihnen.

Der Palast existierte bereits seit mehreren Jahrhunderten, doch man konnte ihm nur grenzenlose Makellosigkeit ansehen und nichts, was auf sein Alter schließen ließ. Das Dach bestand aus goldenen Ziegeln, die pyramidenförmig angeordnet waren und durch ihr Glitzern blendeten. Xie Lian hob den Kopf und las die Worte `große Kriegshalle´, die als Inschrift unter dem goldenen Dach standen. Die Worte, die mit Energie und Kraft geschrieben waren, sahen genauso aus, wie vor einigen hundert Jahren und hatten sich kein Stück verändert. Xie Lian senkte den Kopf wieder und trat in die Halle. Drinnen hatten sich bereits zahlreiche Götter versammelt und standen schweigend entweder in Gruppen, mit zwei oder drei Personen oder alleine da.

Die einzigen, die die Halle betreten durften, waren die Götter, die bereits aufgestiegen waren. Sie alle, die Söhne der imperialen Haushalte und die unbesiegbaren Führer, strahlten eine große Menge spiritueller Energie aus. Alle beobachteten sich mit stillem Stolz und beurteilten einander. Ihre Pracht war überwältigend. Zu dieser Zeit und an diesem Ort, hielten alle den Atem an und wagten es nicht, auch nur einen Ton von sich zu geben. Auf dem Thron, am äußersten Ende der Halle, saß ein Kriegsgott in einer weißen Rüstung.

Der Kriegsgott wirkte edel und würdevoll. Seine Augen waren geschlossen und aus seinem Mund kam kein Wort, weshalb er eine gelassene und gleichzeitig ernste Ausstrahlung besaß. Hinter ihm war ein Teil der prächtigen Kriegshalle und zu seinen Füßen eine schneeweiße Treppe. So, als hätte er gespürt, dass Xie Lian die Halle betreten hatte, öffnete er auf einmal seine Augen.

Seine Augen waren obsidianschwarz, aber waren gleichzeitig klar und hell, so, als wären sie aus geschmolzenem Schnee entstanden, der für Millionen von Jahren auf einem gefrorenen See lag. Nachdem er kurz mit den Augen geblinzelt hatte, lächelte der Kriegsgott sanft.

„Xian Le, du bist gekommen.”

Xie Lian senkte seinen Kopf als Verbeugung und schwieg.

Als Jun Wu sprach, war er nicht laut, doch seine Stimme hallte durch die ganze, große Kriegshalle. Sofort waren alle Augen auf Xie Lian gerichtet und er verstand sofort.

Wie es schien, war der Grund für dieses Treffen nicht nur, weil sie über den jungen General Pei und den Ban Yue Skandal diskutieren wollten.

Anscheinend war das Rampenlicht auf ihn gerichtet.
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