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Tian Guan Ci Fu (Heaven Official's Blessing)

Kurzbeschreibung
GeschichteFantasy, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
31.10.2020
07.05.2022
41
144.194
19
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Dieses Kapitel
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31.10.2020 3.334
 
Unter den Göttern im Himmel gab es einen, welcher überall in den drei Reichen als Gespött bekannt war.

Legenden besagen, dass es vor achthundert Jahren eine uralte Stadt in den Zentralebenen der Nation Xianle gegeben haben soll.

Diese Stadt umfasste ein sehr großes Gebiet, welches reich an Ressourcen und zufriedenen Bürgern war.

Das Land hatte vier Schätze: viele schöne Frauen, blühende Künste und Literatur, Berge von Gold und Juwelen und zu guter Letzt, seine königliche Hoheit, den Kronprinzen.

Dieser Mann, der Kronprinz... man könnte sagen, dass er ein ungewöhnlicher Mann war.

Der Kaiser und die Kaiserin behüteten ihn wie ihren Augapfel. Sie liebten ihn über alles und verkündeten oft voller Stolz: „In Zukunft wird unser Sohn sicher ein weiser Monarch werden, der einen guten Eindruck auf die kommenden Generationen macht.”

Der Kronprinz hatte jedoch kein Interesse an Dingen wie Reichtümern, Macht und Ehre, die normalerweise mit dem Königshaus einhergingen.

Das, was ihn wirklich interessierte, war, wie er so oft sagte...

„Ich möchte die gewöhnlichen Bürger beschützen”



Der junge Prinz meinte das Ernst.

Zu dieser Zeit kamen zwei kleine Geschichten in Umlauf.

Die erste Geschichte entstand, als der Kronprinz siebzehn Jahre alt war.

In diesem Jahr hatte die Nation Xianle eine prächtige Opfergabe für die Götterparade.

Obwohl es die Tradition der Götterparade schon seit einigen Jahrhunderten nicht mehr gab, konnte man sich die Größe dieses Festes anhand von erhaltenen Schriften und überlieferten Geschichten vorstellen.



Opfergaben am Tag der Götter, an der Hauptstraße der Kriegsgötter


Beide Seiten der Hauptstraße waren von Menschen übersäht. Die Aristokraten saßen auf der Spitze von hohen Gebäuden und tauschten sich freundlich aus. Kaiserliche Wachen, die eindrucksvolle Rüstungen trugen, hielten den Weg frei und junge Mädchen tanzten anmutig auf dem Weg und verstreuten Blütenblätter, die den ganzen Himmel wie Regen ausfüllten. Die Menschen wussten nicht, ob sie die tanzenden Mädchen oder die Blumen an sich schöner fanden. Eine Melodie erklang von goldenen Wägen und schwebte durch die ganze Kaiserstadt. Hinter weiteren Wachen liefen sechzehn weiße Pferde mit goldenem Zaumzeug und zogen eine prachtvolle Plattform.

Die Aufmerksamkeit der Menschen richtete sich auf die Spitze dieser Plattform. Darauf stand ein Kampfsportler,  der eine Show aufführte, um die Götter zu erfreuen.

Während der festlichen und traumhaften Parade schmückte sich der Kampfsportler mit einer goldenen Maske, trug herrliche Kleider und führte mit einer Hand ein Schwert. Er spielte die Rolle der ersten Kriegsgottheit, die das Böse im Menschenreich bekämpfte – der Kriegsgott und himmlische Kaiser Jun Wu.

Als Kampfsportler für solch eine Aufführung ausgewählt zu werden, konnte als große Ehre angesehen werden, weshalb die Auswahlkriterien dabei auch sehr streng waren. Dieses Jahr war der, der ausgewählt wurde, niemand geringeres als seine Majestät, der Kronprinz. Die ganze Nation war überzeugt davon, dass er der beste Kampfsportler aller Zeiten war, der je so eine Show aufgeführt hat.

Doch an diesem Tag, passierte etwas Unerwartetes.

Die Ehrengarde drehte gerade die dritte Runde um die Stadtmauern und ging an einer Stelle vorbei, an der die Mauern sehr hoch waren.

Zu dieser Zeit war der Kriegsgott auf der Bühne gerade dabei einem Dämon einen tödlichen Schlag zu versetzen.

Das war die spannendste Stelle im ganzen Stück und die Leute an beiden Seiten der Straße waren voller Leidenschaft dabei. Die Menschen auf den Stadtmauern wurden ebenfalls immer lauter und während sie versuchten etwas zu sehen, bekämpften und schubsten sie sich gegenseitig.

Genau in diesem Moment fiel ein Kind von dem Turm beim Stadttor.

Ohrenbetäubende Schreie waren zu hören. Gerade als jeder dachte, dass das Kind Blut auf der Hauptstraße des Kriegsgottes hinterlassen würde, hob der Kronprinz seinen Kopf leicht, sprang und fing das Kind auf.

Die Leute sahen nur flüchtig eine vogelartige, weiße Gestalt, die zum Himmel flog, bevor der Kronprinz mit dem Kind sicher landete. Seine goldene Maske fiel herunter und enthüllte das junge, gutaussehende Gesicht, welches vorher von ihr verborgen wurde.

Einen Moment später fing die Menge an zu jubeln.

Das normale Volk war hocherfreut, doch die taoistischen Minister des imperialen Haushalts bekamen Kopfschmerzen.

Sie hätten nicht einmal in einer Millionen Jahre gedacht, dass so ein großer Fehler passieren könnte.

Das war ein schlechtes Omen, ein sehr schlechtes Omen!

Jede Runde, die der Wagen um die kaiserliche Stadt fuhr, repräsentierte ein Gebet von den Menschen an die Götter. Sie beteten für den Frieden und den Wohlstand des Landes im aktuellen Jahr. Dass das Gebet unterbrochen wurde war eine Katastrophe.

Die Minister waren sehr besorgt. Nachdem sie über das was geschehen war und den Folgen die wahrscheinlich daraus entstehen würden, nachdachten, luden sie den Kronprinzen zu sich ein und schlugen ihm vor: „Eure Hoheit, könnten Sie sich einen Monat vor die Mauer stellen und meditieren, um Ihre Reue zu zeigen? Ihr müsst auch nur so tun, um Eure Absichten zu zeigen. Das sollte reichen. “

Der Kronprinz lächelte, bevor er sprach: „Das ist nicht nötig.“

„Menschen zu retten ist nichts Schlechtes. Wie könnte der Himmel mir böse sein, wenn ich das Richtige getan habe?“, erklärte er seine Gedanken.

„…Und was ist, wenn der Himmel beschließt Ihnen die Schuld für die Unterbrechung zu geben?“

„Dann ist der Himmel derjenige, der im Unrecht ist. Warum sollten sich Leute, die im Recht sind bei denen, die im Unrecht sind entschuldigen?“

Die Minister waren sprachlos.

Seine königliche Hoheit der Kronprinz war genau diese Art von Person.

Er hatte noch nie erlebt, dass er etwas nicht erreichen konnte und er hatte auch noch nie jemanden getroffen, der ihn nicht liebte.

Er hatte immer Recht und er war das Herz dieser Welt.

Die Minister fühlten einen großen Stich im Herzen und dachten: „Was zu Hölle weißt du denn schon? “

Jedoch wäre es nicht gut, wenn sie noch mehr sagen würden und sie trauten sich das auch gar nicht. Seine Hoheit würde ihnen ohnehin nicht zuhören.




Die zweite Geschichte entstand ebenfalls in dem Jahr, in dem der Kronprinz siebzehn war.

Laut den Legenden soll es auf der Südseite des Gelben Flusses eine Brücke gegeben haben, die Yi Nian Brücke genannt wurde und bei dieser Brücke soll ein bekannter Geist gewesen sein, der dort schon seit vielen Jahren herumwanderte.

Dieser Geist war überaus furchterregend – gekleidet in einer zerstörten Rüstung und Flammen der Hölle, die seinen Schritten folgten. Sein ganzer Körper war mit Blut bedeckt und von zahlreichen Klingen und Pfeilen durchbohrt. Jeder Schritt, den er tat, hinterließ sowohl Spuren von Blut, als auch von Feuer. Alle paar Jahre erschien er plötzlich in der Nacht. Er soll am Fuße der Brücke herumlaufen und Reisende anhalten, um ihnen drei Fragen zu stellen:

„Wo bin ich hier?“

„Wer bin ich?“

„Was wirst du nun machen?“

Wenn einer falsch antwortete, wurde er von dem Geist mit einem Bissen verschlungen. Allerdings wusste niemand, was die richtigen Antworten waren. Dadurch hatte der Geist in den letzten Jahren schon unzählige Passanten gefressen.

Der Kronprinz hörte von dieser Angelegenheit, als er eines Tages herumwanderte. Nachdem er die Yi Nian Brücke gefunden hatte, begann er, pausenlos den Fuß der Brücke zu bewachen, bis er in einer Nacht endlich auf den spukenden Geist traf.

Der Geist erschien blitzschnell und war genauso unheimlich und furchterregend wie die Gerüchte besagten. Er öffnete seinen Mund, um dem Kronprinzen die erste Frage zu stellen, welche der Kronprinz mit einem Lächeln beantwortete: „Das ist das Menschenreich.“

Der Geist erwiderte: „Das ist der Abgrund.“

Na großartig; Es war gerade mal die erste Frage, aber er hatte sie schon falsch.

Der Kronprinz dachte sich, er würde die anderen Fragen eh falsch beantworten, also warum sollte er nicht warten, falls der Geist auch noch seine restlichen Fragen stellt? Darum zog er seine Waffe und begann mit dem Geist, der ihn auffressen wollte, zu kämpfen.

Dieser Kampf dauerte so lange, bis der Himmel im Dämmerlicht leuchtete und das Land von der Dunkelheit überzogen wurde. Der Kronprinz war sehr geschickt in den Kampfkünsten und der Geist sah immer schrecklicher aus.

Ein Mann und ein Geist kämpften am Fuße der Brücke, bis Mond und Sonne die Positionen am Himmel tauschten und der Geist am Ende besiegt wurde.

Nachdem der Geist verschwand, pflanzte der Kronprinz einen blühenden Baum am Fuße der Brücke. In diesem Moment kam ein Taoist vorbei und sah ihn, wie er gerade eine Hand voll Erde zerstreute, um dem Geist bei dem Übergang zum nächsten Leben zu begleiten. „Was machst du da?“, fragte der Taoist.

Der Kronprinz sprach seine beliebten neun Wörter: „Der Körper im Abgrund, aber das Herz im Paradies.“

Sobald der Taoist das hörte, lächelte er leicht, bevor er sich in eine Gottheit in weißer Rüstung verwandelte. Er trat auf eine magische Wolke, beschwor einen starken Wind und flog ins Sonnenlicht.

Erst dann realisierte der Kronprinz, dass er durch einen glücklichen Zufall den Kriegsgott des Himmels getroffen hatte, welcher persönlich in das Menschenreich herabgestiegen war, um Geister zu bekämpfen.

Die Götter achteten bereits auf diesen herausragenden Krieger, seitdem er am Tag der Opferung in den Himmel sprang. Nachdem der himmlische Kaiser ihm am Fuße der Yi Nian Brücke getroffen hatte, fragten ihn die anderen Götter: „Was denkst du von seiner königlichen Hoheit, dem Kronprinzen?“

Kaiser Jun antwortete ebenfalls mit neun Worten: „Die Zukunft dieses Kindes ist grenzenlos, unmöglich zu messen.“

Noch am selben Abend wurde der Himmel über dem königlichen Palast von einem widernatürlichen Chaos heimgesucht, das von Wind und Regen verursacht wurde.

Inmitten dieser leuchtenden Blitze und dem Donnergrollen, stieg seine königliche Hoheit, der Kronprinz, zu einer Gottheit auf.




Jedes mal, wenn jemand aufstieg, bebte der Himmel einmal. In dem Moment, in dem der Kronprinz aufstieg, ließ es den Himmel sofort drei mal erbeben.

Unsterblichkeit durch Bemühungen und Einsichten zu erlangen war sehr schwer.

Es erforderte angeborenes Talent, hohe Kultivierung und die richtige Gelegenheit.

Als Gott wiedergeboren zu werden, der respektiert wird, war oft eine Reise, die ein ganzes Leben lang andauerte.

Ein Jugendlicher, welcher zu einer Gottheit aufstieg und im Himmel zu einem arroganten Gör wurde war nichts, was es nicht vorher auch schon gab. Es gab allerdings auch sehr viele Menschen, die sich ihr ganzes Leben lang abkämpften und selbst dann keine Unsterblichkeit erreichten. Selbst, wenn sie eine Chance des Himmels bekommen würden, würden sie dem Drangsal des Himmels nicht standhalten können und entweder sterben oder Abschaum werden. Unzählige Menschen lebten ihr ganzes Leben mit Zurückhaltung und schafften es aufgrund ihrer Unwissenheit nicht, den richtigen Weg zu finden.

Und so war seine königliche Hoheit, der Kronprinz, ohne jeden Zweifel der Liebling des Himmels. Bei den Dingen die er machen wollte gab es nichts, was er nicht erreichen konnte. Wenn er zu einem Gott aufsteigen wollte, stieg er mit siebzehn Jahren wirklich zu einem Gott auf.



Der Kronprinz war bei seinem Volk sehr beliebt. Dadurch, dass er der geliebte und vermisste Sohn des Kaisers und der Kaiserin war, befahlen sie den Tempeln, in vielen Teilen der Nation Statuen von ihm zu bauen. Die Statuen wurden erbaut und alle versammelten sich, um ihm Respekt zu zollen. Je mehr Gläubige der Kronprinz hatte, desto mehr Schreine wurden errichtet und desto mächtiger wurde er.




--- Bis drei Jahre später die Nation Xian Le im Chaos versank ---


Der Grund für das Chaos war die grausame Regierung des Kaisers, welcher eine Rebellenarmee aufforderte, sich für die Gerechtigkeit zu erheben.

Obwohl das Feuer des Krieges im Menschenreich bereits zu brennen begann, konnten die Götter im Himmel sich nicht nach ihren Wünschen einmischen.

Sie hätten nur kommen können, wenn der Krieg durch Dämonen oder Ghule verursacht worden wäre, die ihre Grenzen verletzt oder überschritten hätten. Was geschah, musste man geschehen lassen. Streitigkeiten gab es überall in der Welt und jede Person dachte, dass ihre Taten gerechtfertigt wären. Würde jede Gottheit sich einmischen, würden sie heute das eine Land unterstützen und morgen würden sie dem anderen helfen Rache zu bekommen. Würde das letzten Endes nicht dazu führen, dass die Götter so oft zuschlagen, bis alles Leben zerstört wäre? Im Fall von seiner königlichen Hoheit, dem Kronprinzen, war der Krieg in seinem Land etwas, von dem er sich von allen am meisten raushalten sollte.

Doch er kümmerte sich nicht darum. Er erzählte Kaiser Jun: „Ich möchte die gewöhnlichen Bürger beschützen.“

Obwohl Kaiser Jun spirituelle Kraft für Tausende von Jahren angesammelt hatte, hatte selbst er es nicht gewagt, diese Worte so einfach laut auszusprechen. Sobald er den Kronprinzen das sagen hörte, konnte er sich gut vorstellen, wie er sich fühlte. Dennoch konnte er nichts für ihn tun, außer ihm hilflos zu sagen: „Du kannst nicht jeden retten.“

Der Kronprinz erwiderte: „Ich kann.“

Folglich stieg der Kronprinz ins Menschenreich herab, ohne ein zweites mal darüber nachzudenken.

Die Menschen der Nation Xian Le freuten sich darüber natürlich.

Seit uralter Zeit haben Volksgeschichten versucht, die Menschen vor der Wahrheit zu warnen: Wenn ein Gott in die Menschenwelt herabsteigt, führt das zu keinem guten Ergebnis.

Das Feuer des Krieges erlosch nicht, sondern brannte stattdessen noch wilder.

Es war nicht so, dass seine Hoheit, der Kronprinz, nicht sein Bestes gab oder dass es besser gewesen wäre, wenn er nichts getan hätte. Je mehr er sich bemühte, desto komplizierter wurde der Krieg. Die Menschen von Xian Le wurden geschlagen. Ihre Köpfe fielen und ihr Blut floss, bis sie katastrophale Verluste erlitten.

Am Ende fegte eine Seuche durch die gesamte kaiserliche Stadt und die Rebellen brachen in den Palast ein und beendeten somit den Krieg.

Man könnte sagen, dass während die Nation Xian Le an dem Tor des Todes kämpfte, seine königliche Hoheit, der Kronprinz, derjenige war, der sie erstickt hatte.



Nachdem die Nation Xian Le ausgelöscht wurde, realisierten die Menschen plötzlich etwas:

Es stellte sich heraus, dass ihr Kronprinz nicht so beeindruckend oder perfekt war, wie sie gedacht hatten.

Um es noch vulgärer auszudrücken: war er nicht nur eine nutzlose Figur, die nicht imstande war irgendwas zu erreichen, aber dafür verantwortlich war alles ins Verderben gestürzt zu haben?

Die Menschen waren nicht in der Lage das Leid, welches ihnen widerfahren war, zu lindern, nachdem sie ihr Zuhause und die Menschen die sie liebten verloren hatten.

Wütende Menschen, die mit Wunden übersät waren, rannten in die Halle des Kronprinzen und stießen seine Göttesstatue um und brannten seinen Schrein nieder.

Achttausend Tempel brannten sieben Tage und sieben Nächte lang – brannten so lange, bis sie komplett verschwunden waren.

Von da an verblasste das Bild eines Kriegsgottes, der für Schutz und Frieden bekannt war und ein dämonischer Gott, welcher Katastrophen anzog, wurde geboren.

Wenn die Menschen sagten, dass du ein Gott bist, dann warst du ein Gott, wenn sie sagten, dass du Abschaum bist, dann warst du Abschaum. Was auch immer die Menschen sagten was du warst, das warst du auch. So war es schon immer.



Seine Hoheit, der Kronprinz, konnte diese Tatsache nicht akzeptieren. Was er aber noch weniger akzeptieren konnte, war die Strafe, die man ihm gab: Verbannung.

Seine Kultivierung war zerstört und er wurde in die Menschenwelt heruntergeworfen.

Seit seiner Kindheit wurde er verwöhnt, sodass er nie den Schmerz und die Schwierigkeiten der normalen Menschen kennengelernt hatte. Das sorgte dafür, dass die Strafe ihn von den Wolken in den Dreck fallen ließ.

Dort erfuhr er das erste mal, was Hunger, Armut und das Gefühl von Schmutz waren. Es war auch das erste mal, dass er Dinge tat, von denen er niemals gedacht hätte, dass er sie jemals machen würde: stehlen, rauben, fluchen und sich selber der Verzweiflung hingeben. Er verlor sein Ansehen und seine Selbstachtung und wurde so `hässlich‘ wie man ihn haben wollte. Selbst seine hingebungsvollsten Begleiter akzeptierten ihn nicht mehr, nachdem er seinen Weg in diese Richtung geändert hatte und beschlossen, ihn zu verlassen.

Der Körper im Abgrund, aber das Herz im Paradies. Diese neun Wörter wurden überall in Steintafeln und Brettern der Nation Xian Le geschnitzt. Wenn sie im Krieg nicht vollständig niedergebrannt wurden und seine königliche Hoheit, der Kronprinz, sie wiedersah, war er der Erste, der sie zerschlug.

Derjenige, der diese Worte selber sagte, bewies, dass auch wenn sein Körper im Abgrund war, sein Herz nicht im Paradies war.



Der Kronprinz stieg schnell in den Himmel auf und fiel noch schneller herab. Seine Worte und sein Blick trafen sowohl Dämon als auch Gott bei seiner Chance an der Yi Nian Brücke. Es schien so, als ob es erst gestern passiert wäre. Der Himmel seufzte. Dinge, die in der Vergangenheit passierten, blieben in der Vergangenheit.

Viele Jahre vergingen, als eines Tages ein lautes Geräusch den Himmel erzittern ließ. Seine königliche Hoheit, der Kronprinz, stieg zum zweiten mal zu einer Gottheit auf.

Seit Anbeginn der Zeit war es so, dass Götter die verbannt wurden dies wie einen Rückschlag auffassten, was dazu führte, dass sie zusammenbrachen und dann zu einem Geist oder einem Dämon wurden. Es gab nur sehr wenige Menschen denen es möglich war, ihren Reichtum zurück zu erlangen und nach der Verbannung in den Himmel zurückzukehren. Nur den Eifrigen und Starken gelang es, ein zweites mal aufzusteigen. Das war sehr lobenswert.

Was allerdings nicht sehr lobenswert war, war, dass der Kronprinz bei seinem zweiten Aufstieg in den Himmel nur aufgestiegen war, um jeden in seiner Reichweite zu verprügeln und zu ermorden. Das sorgte dafür, dass der Kronprinz nur so lange aufgestiegen war, wie man für das abbrennen eines Räucherstäbchens braucht, bevor er wieder heruntergeschmissen wurde.

Ein Räucherstäbchen. Man könnte sagen, dass es der schnellste, grausamste und kürzeste Aufstieg in der Geschichte war.

Wenn es heißt, dass sein erster Aufstieg etwas war, was man loben sollte, dann war sein zweiter Aufstieg nur eine Farce.



Nach diesen beiden Aufstiegen drehte jeder im Himmel dem Kronprinzen den Rücken zu, aber obwohl sie ihn verlassen hatten, waren sie immer noch vor ihm auf der Hut. Schließlich kam er schon bei seinem ersten Abstieg in einen solch hasserfüllten Zustand. Nachdem er nun das zweite mal verbannt wurde, würde er dann ein Dämon werden, welcher Vergeltung sucht, indem er die gewöhnlichen Menschen quälte?

Wer hätte gedacht, dass der Kronprinz, nachdem er ein zweites mal hinabgestoßen wurde, kein Dämon wurde, sondern aufrichtig versuchte, sein Leben in der Verbannung anzupassen. Nach allem gab es dabei keine Probleme.

Manchmal führte er auf der Straße meisterhaft etwas mit Gesang auf oder spielte Blas- und Streichinstrumente aller Art. Selbst einen großen Stein auf seiner Brust zu zerbrechen war nicht zu schwer für ihn. Obwohl die Leute wussten, dass er ein Multitalent war, so war es doch etwas anderes, es in einer Situation wie dieser zu sehen.


Manchmal akzeptierte der Kronprinz sogar Müll.

Die Götter waren darüber sehr erstaunt.

Vorher wäre es unvorstellbar gewesen, dass die Dinge so verlaufen würden.


Wenn jemand sagen würde: „Du bekommst einen Sohn, der der Kronprinz von Xie Le ist.“, wäre das in der jetzigen Zeit viel bösartiger, als wenn man über andere Leute herziehen würde.

Auf jeden Fall war der Kronprinz einst eine unvergleichliche Schönheit, welche als Gott bezeichnet wurde. Es gab niemand anderen, der diesen Rang erreichen konnte. Dass er von dort, wo er einst war, zu dem geworden ist, der er jetzt ist, ist der Grund weshalb er den Spitznamen „Gespött der drei Reiche“ bekam.

Die, die sehr sentimental waren, würden, nachdem sie ihn ausgelacht hatten, wohl seufzen. Der stolze und distanzierte Sohn des Himmels, der, der in der Vergangenheit Kronprinz war, verschwand.

Seine Götterstatuen wurden gestürzt, und seine uralte Nation wurde ohne einen einzigen Überlebenden zerstört. Mit der Zeit wurde er allmählich jemand, den die Welt vergessen hatte. Dadurch wusste auch niemand, wohin er ging.

Einmal verbannt zu werden war schon eine außergewöhnliche Schande und Erniedrigung. Wer zweimal verbannt wurde – so heißt es – konnte nie wieder aufsteigen.



Nach sehr vielen Jahren kam auf einmal ein Tag, an dem der Himmel durch ein lautes Geräusch gestört wurde.

Es war so heftig, dass der Boden bebte und die Berge wackelten.

Die Altarlampen, die Tag und Nacht brannten, flackerten. Götter, die die Hallen ihres Palastes verlassen hatten, eilten herbei und fragten: „Wer ist es, der aufsteigt? Dieser Ort erzittert so heftig!“

Wer hätte gedacht, dass alle Götter, die erst immer wieder `wie toll, wie toll‘ säuselten, sich im nächsten Augenblick so fühlten, als ob sie vom Blitz getroffen worden wären.

Bist du immer noch nicht fertig?

Der bekannte Verrückte, das Gespött der drei Reiche, seine königliche Hoheit, der Kronprinz aus den Legenden, er… er… er – er ist verdammt nochmal schon wieder zu einer Gottheit aufgestiegen!
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