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2020 10 30: Die Schießbude [by Nyanlove]

OneshotHumor / P12 / Gen
30.10.2020
30.10.2020
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30.10.2020 1.065
 
Tag der Veröffentlichung: 30.Oktober
Zitat: "Für was halten Sie mich? Für einen schießwüttigen, blöden Vollidioten?" "Nein ich halte Sie nicht für blöd" [Project: Peacemaker]
Titel der Geschichte: Die Schießbude
Autor: Nyanlove
Kommentar des Autors: Viel Spaß





Mit einem genervten Gesichtsausdruck zerplatzte Cassandra ihre Kaugummiblase. Sie hasste ihre Schicht an der Schießbude und bereute es jetzt bereits für ihre Freundin Lisa eingesprungen zu sein. So hatte sie sich zwar nicht vorgestellt über die Kirmes zu gehen, aber Lisa konnte sie nie etwas abschlagen. Es war auch nicht so schlimm wie sie es sich anfangs gedacht hatte.
Klar war es nervig die ganze Zeit umgeben von lauter Musik und schreienden Kindern zu sein, aber man gewöhnte sich doch recht schnell daran.

Ihr Stand war, Gott sei Dank, auch nicht so oft besucht, dadurch musste sie nicht dauernd neue Ballons aufblasen und befestigen.
Es war eigentlich sogar ganz witzig den kleinen Kindern zuzusehen wie sie mit großen Augen die Stofftiere bewunderten und ihre Eltern baten ihnen eins zu besorgen. Manche Eltern rollten nur mit den Augen, während andere grummelnd nachgaben und ihr Glück versuchten. Der Tag hätte ruhig so weitergehen können, doch dann kam Er.
Mister Macho schlechthin, mit einem gönnerhaften Grinsen, zurück gegelten Haaren, Sonnenbrille, Lederjacke und einer Freundin, die definitiv jünger war als er selbst, im Arm an die Schießbude.

Cassandra konnte mit einen Blick auf ihn schon festmachen, dass dieser Typ einer dieser schrecklichen Kunden sein würde, die es zig Mal versuchten und dann einen Aufstand machten, wenn sie nichts gewinnen.
„Na meine Süße, was soll ich für dich schießen?“
„Ich weiß nicht, Bärchen“, kicherte das Mädchen und schaute sich die Preise an, „Ah, ich will den großen Bären, dann kann ich mit ihm kuscheln, wenn du nicht da bist. Du weißt doch wie einsam ich dann werde.“
Cassandra verdrehte die Augen und unterdrückte ihren Würgereiz, als das Pärchen sich einen intensiven Zungenkuss teilte. „Alles für meine Süße“, der Mann wandte sich an Cassandra, „Hey, was brauch ich um den Bären für meine Süße zu gewinnen?“
„Vier Ballons hintereinander abschießen“, sagte Cassandra gelangweilt. Sie wollte dieses Pärchen schnellstmöglich loswerden.

Die Anzahl schien den Mann nicht zu stören, da er nur ein selbstgefälliges Grinsen aufsetzte, seine Sonnenbrille auf den Tresen legte, zahlte und seiner Freundin etwas ins Ohr flüsterte, was diese zum Quietschen brachte. Cassandra legte die Pfeile vor dem Mann hin und hoffte einfach, dass dieser schnell verschwinden würde.

Und dann lief es genauso wie Cassandra es erwartet hatte. Anfangs hatte der Macho scherzhaft gemeint er könne seiner Freundin den ganzen Stand leer schießen, als er aber nach drei Schüssen immer noch keinen der Ballons getroffen hatte, wurde er immer gereizter.
Die erste Runde war nichts. In der Zweiten schaffte er es mit immerhin zwei der fünf Pfeilen etwas zu treffen und nicht nur daneben zu schießen, aber das war auch eher Glück. Die nächsten Runden traf er wieder nichts. Doch er gab nicht auf.
Normalerweise machte es Cassandra ja nichts aus, wenn Leute ihr Geld verschwenden, aber wenn sie dann auch noch so dumme Sprüche von sich gaben, war es ihr zu viel.


„Ich hab mich nur warm gemacht.“
„Süße, gib mir mal meine Brille.“
„Das war noch ein Spaßschuss.“
„Warte erst bis ich richtig ernst mache.“


Nach der gefühlt zwanzigsten Runde, Cassandra hatte aufgehört zu zählen, meldete sich die Freundin des Mannes wieder. „Komm, wir lassen das, so dringend brauch ich den Bären auch wieder nicht“, sie sah sich peinlich berührt um. Cassandra grinste leicht. So wie es aussah, schien es ihr aufgefallen zu sein, dass die Stände gegenüber und einige Passanten sie schon amüsiert musterten und tuschelten. Sie zog ihm am Shirt, „Komm, wir gehen.“
„Keine Sorge Süße, ich besorg dir deinen Bär.“

„Sie hätten den Bären auch einfach so kaufen können, wäre billiger als das hier“, sagte Cassandra trocken und musste innerlich lachen über den wütenden Blick des Mannes vor ihr. „Für was halten Sie mich? Für einen schießwütigen, blöden Vollidioten?"
„Nein, ich halte Sie nicht für blöd.“
Der Mann schnaufte empört und warf ihr das Geld für eine weitere Runde hin. „So, genug gespielt! Gib mir die Dinger.“
Kopfschüttelnd gab Cassandra ihm die Pfeile. Mit höchster Konzentration wog der Mann den Pfeil in seiner Hand, ehe er ihn zielgerichtet nach einen blauen Luftballon warf. Der Luftballon zerplatzte. „Ha! Ich sagte doch jetzt wird’s ernst, das andere war ja nur Spielerei.“  
Der nächste traf auch, genau wie der dritte Schuss. „Du schaffst das, Baby“, quiekte die Freundin des Machos wie ein Cheerleader und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Er holte wieder aus und zielte auf einen Ballon, traf aber nicht. Scharf zog er die Luft ein und balancierte den letzten Pfeil in seiner Hand. „Hoffentlich gibt er jetzt auf“, dachte Cassandra und verzog das Gesicht als sie sah, wie der Typ dem Pfeil einen Kuss gab und etwas vor sich hin murmelte, bevor er wieder zu den Luftballons zielte.

Das erhoffte Geräusch eines zerplatzten Ballons war nicht zu hören. Der Pfeil war genau zwischen zwei pinken Luftballons gelandet. „Das war wohl nichts. Möchten Sie es nochmal-“
„Das war Absicht, ihr Laden bescheißt! Da sind bestimmt Magneten dran, deswegen traf der letzte nicht. Das ist doch eure Masche!“, brüllte der Macho lautstark, „Ich verlange mein Geld zurück oder ich verklage euch!“
„Die haften nicht für deine Unfähigkeit und jetzt hau ab du Flachzange“, rief der Standbetreiber von gegenüber.

Fluchend begann der Mann seine Sachen einzupacken, als ein kleines Mädchen mit ihren Vater an den Stand kam, um es auch mal zu versuchen. Ihr Vater bezahlte und ließ seine Tochter schießen.
Entgeistert und mit offenem Mund schaute der Macho zu, wie das kleine Kind mit Leichtigkeit jeden Ballon traf und aufgeregt auf und ab hüpfte. „Schau Papa, ich hab getroffen.“
„Das hast du meine Kleine“, sagte der Vater lächelnd zu seiner Tochter, „Was möchtest du haben?“
„Wie wär’s mit dem Bären?“, sagte Cassandra grinsend mit direktem Augenkontakt zu dem Macho, der mit hochrotem Kopf das Feld räumte, während seine Freundin ihm hinterher dackelte.  

„Vielleicht war der Tag ja doch nicht schlecht“, dachte sie sich lachend und gab dem Kind den Bären.





~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~ Lulas Nachwort ~*~*~*~*~*~*~*~*~*~*~


Hach, wie herrlich. Eine wirklich tolle Umsetzung. Das Zitat passt hier sehr gut.

Eure lula-chan
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