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Der Storch

von Ally Free
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P6
Bunnymund OC (Own Character)
30.10.2020
30.10.2020
8
9.555
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Flügelschlagend fliege ich über die Häuser eines kleinen Dorfes, an meiner Brust trage ich ein Baby, welches ich mit einem Tuch an mich gebunden habe. Diese kleine Bestie sabbert mich schon den ganzen Flug lang voll, weshalb ich mich nur umso mehr beeile es endlich abzuliefern.

Ich lande auf einem bestimmten Haus und öffne das Fenster zum Kinderzimmer, durch welches ich in den Raum steige. Dieses Zimmer gefällt mir. Die Wände sind himmelblau gestrichen und weiße Möbel füllen den Raum. In dem winzigen Himmelbettchen liegt ein brauner Teddybär mit großen schwarzen Kulleraugen. Ein Lächeln legt sich auf meine Lippen. Irgendwie erinnern mich seine Augen an die meinen. Obwohl sie durch und durch schwarz sind sind sie dennoch voller Liebe.

Ich stelle mich vor das Bett und nehme vorsichtig das schlafende Kind aus dem Tragetuch.

„So, du kleines Sabbermonster. Das hier ist dein neues Zuhause. Ich bin mir sicher du wirst dich hier sehr wohl fühlen!", flüstere ich und hauche ihm sachte einen Kuss auf die Stirn.

Ich lege es in das Kinderbettchen und sehe mich noch ein letztes Mal im Zimmer um, bevor ich das Baby für immer verlasse. Die Eltern haben sich viel Mühe beim Einrichten gegeben. Sie werden sich sicherlich gut um ihr neues Familienmitglied kümmern.

Als ich aus dem Fenster steige, werfe ich einen letzten Blick über die Schulter, bevor ich das Zimmer verlasse und das Fenster hinter mir schließe.

Gerade als ich in meine Kinderstube zurückfliegen will erblicke ich die Nordlichter, wie sie sich über den Himmel schlängeln. Der Weihnachtsmann ruft alle Hüter zu sich.

Sofort stoße ich mich vom Dach ab und fliege Richtung Nordpol, dem Ursprung der Nordlichter. Dort ist Nords Hauptrevier versteckt.

Ein paar Minuten später lande ich auch schon vor Nords Toren. Seine Yetis öffnen mir und ich trete schnell ein, um mich aufzuwärmen. Ich schüttle den Schnee von meinen Flügeln und marschiere den Gang entlang Richtung Globus. Dort warten auch schon der Weihnachtsmann und die Zahnfee auf mich. Nur der Sandmann und der Osterhase fehlen noch. Wahrscheinlich ist das Häschen zurzeit ziemlich beschäftigt, da in ein paar Tagen bereits Ostern ist.

„Angel!", ruft Nord mit seinem starken russischen Akzent.

„Nord", grüße ich ihn freundlich zurück und neige meinen Kopf leicht nach vor.

Ein Fluchen ertönt hinter mir aus dem Gang, durch welchen ich gerade eben gekommen bin, und als ich über meine Schulter blicke sehe ich den Hasen auf uns zu Hoppeln.

„Verflucht, ist das kalt da draußen!", murmelt er vor sich hin, während er seine Hände aneinander reibt.

„Hey, Bunny", nicke ich neckend, woraufhin Angesprochener kurz stehen bleibt und aufsieht. „Brauchst du 'ne wärmende Umarmung?"

„Haha, sehr witzig, Angel", antwortet er mir nur trocken und hoppelt weiter.

„Kekse? Eierpunsch? Will jemand?", fragt Nord höflich, während wir den Gang entlang spazieren.

„Ich hoffe es ist was wichtiges, Nord", meint Bunny.

„Sandy! Danke, dass du gekommen bist. Ich weiß, ich weiß. Aber ich hätte euch bestimmt nicht gerufen, wenn es nicht ernst wäre!", erklärt Nord dem kleinen sandigen Mann, welcher soeben von seinem Sandflugzeug abgesprungen ist. „Der schwarze Mann war hier! Hier am Pol!"

„Pitch?! Der schwarze Pitch?! Hier?!", fragt die Zahnfee ungläubig und auch ich verschränke verständnislos die Arme vor der Brust.

„Ja. Es war schwarzer Sand überall auf Globus!", erzählt Nord uns, woraufhin ich eine Augenbraue hochziehe.

„Schwarzer Sand?", frage ich zweifelnd an Nord gerichtet.

„Wie - Wie - Was meinst du mit „schwarzer Sand"?", fragt Bunny, während er vom Kamin weg auf uns zu stolpert.

„Und dann, ein Schatten!", erzählt Nord weiter, so als hätte er Bunny und mich überhört.

„Mal ganz sachte, ich dachte du hättest Pitch gesehen!", meint der Osterhase verwirrt und beginnt ein Ei zu bemalen.

„Nun ja ... nicht so richtig", brummt Nord nun verlegen und kratzt sich am Hinterkopf.

„Nicht so richtig? 'ne Brille könnte nicht schaden", neckt Bunny ihn.

Ein Fragezeichen taucht über Sandys Kopf auf, woraufhin Bunny scherzt: „Du sagst es Sandy."

„Hör zu: Er wird etwas sehr Schlimmes machen. Ich fühle es! Das sagt mir Bauch!", versichert uns Nord und fasst sich mit diesen Worten an die Wampe.

„Halt, halt, halt! Du - Du - Du meinst du hast mich drei Tage vor Ostern hier herbestellt, nur weil dein Bauch mit dir spricht?! Keule, wenn ich das drei Tage vor Weihnachten mit dir machen würde!", meint Bunny gereizt an Nord gewandt, während er mit dem Pinsel vor seiner Nase herumfuchtelt.

„Bitte, Hasenmann. Ostern ist nicht Weihnachten!", meint Nord nur und nimmt Bunny das Ei aus der Hand.

„Hahaha, geht das wieder los. Nord! Ich - Ich hab keine Zeit! Ich hab noch 2 Millionen Eier, die fertig werden müssen!", erklärt Bunny dem Weihnachtsmann verzweifelt und hoppelt ihm hinterher.

„Egal wie viel und wie bunt. Ei ist Ei!", meint Nord und wirft das Ei immer und immer wieder in die Luft.

„Hey man, Keule! Ich arbeite mit leicht verderblicher Ware, klar? Du kannst das ganze Jahr über arbeiten!", widerspricht Bunny ihm und nimmt ihm das Ei weg, um es weiter zu bemalen.

„Warum sind Hasen immer so nervös?", fragt Nord und schlägt ihm fast das Ei aus der Hand.

„Und warum bläst du dich immer so auf?", kontert Hase sauer.

Seufzend ziehe ich meine kunstvoll mit Weiß und Gold bemalte Storchenmaske vom Gesicht und fahre mir mit der rechten Hand über die Augen: „Nord, ich hab die Babys zu Hause alleine gelassen, nur weil du mich gerufen hast!"

„Nur? Ich weiß, dass es Pitch war! Die Lage ist ernst!", widerspricht mir Nord und verschränkt bockig die Arme vor der Brust.

„Meine Lage ist auch ernst, wenn ich an die vielen Babys denke, die zu Hause auf mich warten! Diese Bälger sind eure Altersvorsorge!", rufe ich wütend.

Ein wild läutendes Glöckchen lässt mich verstummen und verwirrt drehe ich mich zu einem böse dreinschauenden Sandy um. Scheinbar will er uns etwas sagen, denn ein Mond bildet sich über seinem Kopf und anschließend deutet er Richtung Fenster. Erst als ich seinem Blick folge bemerke ich den Schein, den der Mann im Mond auf uns wirft.

„Ha! Der Mann im Mond! Sandy, warum sagst du kein Wort?", meint Nord und ein Grinsen stielt sich auf meine Lippen.

Schweigend setze ich wieder meine Maske auf und starre auf den Boden, wo uns der Mond ein Bild von einer Gestalt zeigt.

„Das ist Pitch", spricht der Hase und schaut zu Nord, welcher sich nur mit einem Ich-hab's-euch-ja-gesagt-Blick auf den Bauch klopft.

„Many, was sollen wir tun?", fragt Nord nun an den Mond gewandt.

Zur Antwort holt der Mann im Mond mit Hilfe des Scheins den Kristall aus dem Boden.

„Er wählt noch einen Hüter", murmle ich und starre auf den Kristall.

„Was? Wozu?!", fragt Bunny verwirrt.

„Ist offenbar wichtig! Many glaubt, wir brauchen Hilfe!", antwortet ihm Nord und starrt wie ich auf den Kristall.

„Seit wann brauchen wir Hilfe?!", fragt der Hase nur noch verwirrter.

„Ich bin gespannt, wer es sein wird!", ruft die Zahnfee.

Ein Kleeblatt bildet sich über Sandys Kopf, woraufhin Tooth meint: „Der irische Kobold?"

„Bitte nicht der Wurzelmann, nicht der Wurzelmann!", murmelt Bunny und kneift die Augen fest zusammen, woraufhin ich leicht kichern muss.

Ein Bild von einem Jungen im Umhang erscheint im Kristall. Er hält einen krummen Stock in der Hand.

„Jack Frost", meint Nord mit hochgezogener Augenbraue.

„Na ganz toll ...", brumme ich sarkastisch und beobachte die kleinen Feen, wie sie eine nach der anderen wegen seiner Zähne in Ohnmacht fallen.

„Ich nehm alles zurück, Wurzelmann ist okay", versucht Bunny Manys Meinung zu ändern.

„Naja, äh ... Hauptsache er hilft uns dabei, die Kinder zu beschützen, oder?", nuschelt Tooth verliebt vor sich hin.

„Jack Frost?! Dem sind Kinder doch völlig egal! Der lässt doch nur Wasserleitungen zufrieren und versaut mir meine Eiersuche! Er ist ein verantwortungsloser, egoistischer -"

„Hüter", unterbricht Nord den Hasen in seinem Redeschwall.

„Jack Frost ist 'ne ganze Menge, aber er ist bestimmt kein Hüter!", meint Bunny.

„Der Mistkerl friert mir alle Fenster zu! Ich meine, wie soll ich denn die Babys abliefern, wenn ich die blöden Fenster nicht aufkrieg?!", rufe ich aufgebracht.
 
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