Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Dead Man's Feast

von Vangueis
OneshotÜbernatürlich / P16
OC (Own Character)
28.10.2020
28.10.2020
1
652
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
 
28.10.2020 652
 
Oh, wie ungewöhnlich. Ich habe schon lange keinen Gast mehr empfangen, geschweige denn, dass schon lange niemand außer mir an die Schwelle trat. Tritt doch ein in mein bescheidenes Quartier und nimm Platz, mein Freund. es mag vielleicht nicht zu deinem Geschmack sein, aber es ist alles was ich noch habe - neben meinen Geschichten natürlich. Verdammt dazu, auf Ewig zwischen Leben und Tod zu stehen, bekommt man schon einige Dinge mit.

Wer ich bin?

Geboren wurde ich als Jack Oldfield, die Leute aus meiner Heimat nannten mich bloß Stingy Jack  oder Drunk Jack. Du solltest mich aber am ehesten als Jack O' Lantern kennen.

Meine Geschichte sollte daher nicht von Belang für dich sein, mein Freund, da sie schon durch Millionen Münder wanderte und sicherlich auch schon dein Ohr erreicht hat. Darum werde ich dir eine andere Geschichte erzählen, sofern es dir beliebt.

Also gut. Sitzt du auch angenehm? Dann hör gut zu.


Vor einiger Zeit aber nicht vor allzu lang, wurde ein Kind in eine Familie geboren, die sich dem Mystischen zugewandt hatte. Ein kleines Mädchen war es. Es hatte auch eine ältere Schwester, oh und was für eine liebende ältere Schwester. Doch Glück ist dazu verdammt irgendwann zu kippen und sich in Unglück zu verdrehen. Der Vater des Mädchens, ein exzentrischer Mann der auf Tradition und Eleganz setzte, gab das Kind an eine andere Familie weiter, da er sie, ein kleines, unschuldiges ding, als unnütz betrachtete. Entrissen von Mutter und Schwester wurde das Mädchen in ein Loch geworfen, um für ihre neue Familie einen bestimmten Zweck zu erfüllen - denn die Liebe, die ein so junges Geschöpf begehrte, erfuhr sie auch in dieser Familie nicht.

Ein machthungriger Patriarch der sie und ihre Begabung nur ausnutzen wollte in seiner blinden Obsession deren Grund er schon längst vergessen hatte.

Ein neuer Vater, an den sie sich später nie erinnern würde, da sie ihn kaum sah.

Ein neuer Bruder, der sie von oben herab betrachtete da sie ihm alles nahm, für das er so hart arbeitete. Trotz all seines gesammelten Wissnes lebte er in Angst vor ihr - einem zarten Ding, nur wenig mehr als ein Mädchen.

Nur Ausbeutung und Missbrauch lag auf ihrem Weg, doch auf dem Weg lag auch die Liebe, nach der sie sich sehnte in Form eines älteren Schülers.

Doch der Junge war blind und verstand ihre offenkundigen Geständnisse und mit dem Alter dazukommende Einladungen nicht. Sie musste sich ihm aufzwingen und nutzte seine Schwäche aus, um ihre Sehnsucht nach körperlicher Nähe zu erfüllen. Ihre Reinheit hatte sie schon längst in dem Loch verloren, durch kleine Kreaturen, die an und in ihr nagten.

Viele von uns sind von Hoffnung verlassen. Ich spreche von deiner Art und der meinen. Wir sind verwandt, wie zwei Augen, die ineinander versinken. Das arme Mädchen tötete seine eigenen Verwandten, wenn auch nicht bei Blute, nachdem ihr neuer Bruder sich über sie hermachte und der Patriarch den Jungen, den sie liebte, so sehr verletzte. Aber dennoch wurde sie vom Schatten umarmt. Es war ein Trost, den weder Mond noch sonnenloser Himmel ihr zuvor geboten hatten. Und dennoch fürchtete sie sich. Vor der Dunkelheit, vor den Dingen, die an ihrem Fleisch nagten. Aber! Der Schatten hat noch keine solche Kreatur hervorgebracht!

Das gebrochene Mädchen floh in einen Traum und bot ihren Körper dem Abgrund dar, sodass sie selbst zum Schatten wurde, der sie doch erettet hatte. Doch war es die Rettung wert? Ihre Emotionen, nun Form gegeben, brachen hervor und verwüsteten das, was ihr wichtig war.

Doch ihre liebe Schwester, die sie beinahe vergessen hatte, und der junge, den sie liebte, befreiten sie vom Schatten, während sie selbst großes Leid erlebten...

Der Schatten blieb immer ein Teil von ihr und öffnete ihr den Abgrund - denn nur der Abgrund schenkte ihr Nähe und sogar die Wiedervereinigung mit ihren Geliebten. Doch zu welchen Kosten?

Fürchte dich nicht vor der Dunkelheit, mein Freund und lass das Festmahl beginnen.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast