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Von Superhelden und dem Mut zum Träumen

von Maja Lito
OneshotHumor, Fantasy / P16 Slash
Dean Winchester Sam Winchester
28.10.2020
28.10.2020
1
3.870
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28.10.2020 3.870
 
Ihr Lieben,


wie schön, dass ihr in diesen Oneshot reinschaut!


Die, die mich schon kennen, wissen, das ausgedehnte Vorwörter eigentlich nicht so wirklich meine Sache sind, aber heute muss ich mal eine Ausnahme machen ;)

Zuerst mal möchte ich ein riesiges Dankeschön an SquirrelFeathers, Calydea und Phoenix loswerden. Sie haben mich in den letzten Monaten unglaublich unterstützt und mir dabei geholfen, ein echtes Tief zu überwinden, was die Schreiberei angeht. Ihr seid unglaublich, vielen Dank! Ich bin euch wahnsinnig dankbar für all die aufmunternden Worte und viele Schnäpse ;) Ohne euch würde dieses Ding nicht existieren, das wisst ihr.

Auch möchte ich Rockybeachgirl danken. Sie hat mir ebenfalls regelmäßig Mut zugesprochen, was die Slash-Sache angeht und sich als Testleserin für diesen Oneshot zur Verfügung gestellt.

Ich bin wirklich unendlich froh, dass es euch gibt.

Und last, but not least, geht auch ein großes Dankeschön an AnniMaSuriSanna, auch wenn sie an der Entstehung dieser Sache nicht direkt beteiligt war. Sie hat mir hilfreiche Tipps zum Thema Slash gegeben und ebenfalls immer ein offenes Ohr für meine Sorgen gehabt.

Ich kann nur sagen, ich bin mega glücklich, so eine tolle Truppe kennengelernt zu haben, ihr alle versüßt mir wirklich jeden Tag!


Und nach dem Dank ein paar nützliche Hinweise zu dem OS:


Wie wir wohl alle inzwischen wissen, haben beide Hauptdarsteller mittlerweile andere Projekte an Land gezogen, die hier Erwähnung finden.

Der Fokus liegt dabei klar auf der neuen Rolle von Jensen Ackles. Um es so spoilerfrei wie möglich zu halten, habe ich darauf geachtet, nur Namen zu verwenden, aber deren genaue Rollen und Fähigkeiten außen vor gelassen. Und mich darüber hinaus nur an dem Inhalt der Comics zu orientieren, der zu 99% niemals in der Art verfilmt wird. Testleser haben bestätigt, dass sie sich nicht gespoilert fühlten, die ganze Sache sollte also für jeden problemlos lesbar sein.


Nun bleibt mir nur noch, euch viel Spaß zu wünschen, natürlich freue ich mich sehr über Reviews und Sternchen :)


Liebe Grüße

Maja


**********



„Wollen wir nachher was im Fernsehen schauen?“
Dean hob fragend die Augenbrauen, während er amüsiert beobachtete, wie Sam sich mit einem Käsefaden seines Pizzastücks herumplagte. Das sah wirklich großartig aus. Kein Wunder, dass der Probleme hatte, so selten, wie er von seinem Kaninchen-Ernährungsplan abwich. Dean fand, dass Sam da Schwierigkeiten verdient hatte, obwohl er ahnte, dass so etwas leider nicht dazu führen würde, Sams Ernährung dauerhaft wieder in vernünftige Bahnen zu lenken.
„Klar, können wir. Ich will gleich nur noch unter die Dusche. Und du solltest wohl auch ...“
Dean sah an sich herunter und nickte. Oh ja, eine Dusche musste auf jeden Fall sein. Seine Klamotten starrten vor Dreck, weil ihre letzte Jagd sie ziemlich tief in einen Wald geführt hatte. Bei strömendem Regen. Dass er sich noch keine frische Kleidung angezogen hatte, lag einzig und allein daran, dass er die Pizza nicht kaltwerden lassen wollte. Sam sah das zum Glück ebenso, deshalb saßen sie nun eingesaut am Strategietisch und beruhigten erst mal ihre leeren Mägen.

„Hast du denn was im Kopf, das du schauen möchtest?“
Der Dackelblick von Sam verhieß nichts Gutes für Dean. Wahrscheinlich stellte sein kleiner Bruder sich eine minderspannende Dokumentation über irgendwelche Bauten der Mayas vor. Oder zumindest ähnlichen Unsinn. Dean grinste.
„Ja, habe ich. Vor ein paar Tagen ist die neue Staffel so einer Serie über Superhelden erschienen und ich ...“
Sam unterbrach Dean allein durch die Grimasse, die er schnitt.
„Können wir nicht ...?“
Dean schüttelte energisch den Kopf.
„Mir ist schon klar, dass du lieber so eine Scheiße wie ‘Walker – Texas Ranger’ sehen würdest, aber da steh ich eben nicht drauf. Ein bisschen heftiger darf es wirklich gern sein!“
„Oh nee, komm, mal ernsthaft, Dean. Nichts mit Superhelden. Das brauche ich echt nicht. Ich meine, wir jagen Monster. Können wir da nicht wenigstens was gucken, was nicht mit irgendwelchen übernatürlichen Dingen zu tun hat? So eine schöne Dokumentation vielleicht, oder auch einen Spielfilm.“
Dean grunzte unwillig.
„Du kennst die Serie doch gar nicht und du hast mich nicht aussprechen lassen. Die ist cool, Sam. Da sind die Superhelden mal nicht die alles überstrahlenden Retter. Ganz im Gegenteil, die meisten haben einen ordentlichen Sprung in der Schüssel und nett sind sie im Großen und Ganzen auch nicht wirklich. Eine von denen dürfte dir gefallen, die hat so eine hohe Stirn wie du, und sie trägt einen albernen Haarreif. Ich wette mit dir, den willst du unbedingt haben, sobald du ihn siehst. Davon mal abgesehen würdest du jetzt ebenfalls meckern, wenn ich ‘Stirb langsam’ vorschlage. Obwohl da nichts Übernatürliches vorkommt.“
Dean hoffte, Sam mit dem Hinweis auf seine hohe Stirn ein wenig aus der Fassung zu bringen, ihm stand der Sinn nach einer Frotzelei. Leider ging Sam darauf gar nicht erst weiter ein, der verdrehte nur kurz die Augen.
„Weil wir diese Filme schon tausend Mal gesehen haben und sogar ich die mitsprechen kann!“
„Siehst du? Das wäre bei ‘The Boys’ ganz anders.“
„Wieso weißt du denn eigentlich schon so viel über die Serie?“
„Weil ich die erste Staffel vor ein paar Monaten gesehen habe. Und ab und an habe ich mal an einer sehr gut sortierten Tankstelle in den Comics gestöbert.“
Sam verdrehte die Augen und Dean erwartete, dass nun ein Kommentar folgen würde, der aussagte, dass Comics die einzigen buchartigen Gegenstände waren, die Dean freiwillig anfasste. In letzter Zeit garnierte Sam diesen Hinweis gern mit einem flapsigen Spruch, dass er es bedauerte, dass die Männer der Schriften ihre Aufzeichnungen nicht mit kleinen Pimmelbildchen versehen hatten, um Deans Aufmerksamkeit zu fesseln. Zu Deans Überraschung blieb diese Spitze nun aber aus.
„Ach, und ich soll jetzt einfach so bei Staffel zwei einsteigen?“
„Musst du nicht, ich schaue sie gern nochmal mit dir gemeinsam. Das sind nur acht Folgen. Die kann man so weggucken, ab morgen Mittag könnten wir dann mit Staffel zwei ...“
„Vergiss es, Dean! Ich wollte ein bisschen entspannen und dabei ein wenig Fernsehen schauen. Keinen Serienmarathon veranstalten. Weißt du was? Ich glaube, wir werden uns nicht richtig einigen können. Und wir haben die letzten Tage durchgehend aufeinandergehockt. Ich schlage vor, jeder schaut einfach das, was er mag. Vielleicht finden wir ja morgen was, das uns beiden gefällt.“
Dean nickte, der Gedanke war ihm auch gerade gekommen. Wahrscheinlich war das die beste Lösung, denn andernfalls würden sie wohl noch um Mitternacht herumsitzen und diskutieren, was sie gemeinsam schauen konnten. Und am Ende einfach ohne irgendeine Sendung erledigt ins Bett fallen.

Etwas mehr als eine halbe Stunde später machte Dean es sich auf seiner Matratze bequem und legte sich den Laptop auf die Oberschenkel. Er hatte ausgiebig geduscht und beschlossen, dass es ausreichte, seine dreckigen Klamotten vor die Waschmaschine zu werfen. Mit etwas Glück würde Sam sich am nächsten Tag darum kümmern. Und falls nicht, konnte er sich immer noch überlegen, wie er Sam dazu bekam, die Wäsche zu übernehmen.
Kurz überlegte Dean, es war bereits ein paar Monate her, dass er die Serie geschaut hatte. Bestimmt schadete es nicht, sich die abschließende Folge der ersten Staffel noch mal anzusehen, bevor er zu der zweiten Staffel überging. Er öffnete sich ein Bier und die Chipstüte, die er an der Kasse ihres letzten Tankstopps geistesgegenwärtig gegriffen hatte. Nachher würde er mit Sicherheit so müde sein, dass ihn die Krümel im Bett überhaupt nicht störten.
In der Mitte der Folge merkte er, wie seine Augenlider zu flattern begannen. Vielleicht würde er es doch an diesem Abend gar nicht mehr zu Staffel zwei schaffen. Kurz dachte Dean darüber nach, ob das daran liegen mochte, dass ihm bei der Serie eine wesentliche Zutat fehlte. Gewalt fand er gut und schön, ein bisschen mehr Sex wäre allerdings auch klasse gewesen. Bevorzugt mit einer heißen Brünetten mit sexy Titten in der Hauptrolle. Oder einem hübschen Typen, der Cas ähnlich sah ...
Dean verbot sich den Gedanken, der sich in letzter Zeit viel zu stark bei ihm eingenistet hatte. Aber so richtig daran vorbei kam er nicht. Ihm fiel auf, wie schön es wäre, wenn Cas jetzt mit ihm auf seiner Matratze sitzen würde. Und natürlich war ihm bewusst, dass er sich in den vergangenen Monaten häufiger nach schwarzhaarigen Typen umdrehte als nach Frauen. Dean hoffte nur, dass das Sam bisher nicht ebenfalls aufgefallen war. Auf so ein Gespräch konnte er getrost verzichten. Dean bemühte sich, seine Konzentration zurück auf die Serie zu lenken, wo gerade wieder das Blut spritzte. Aber nicht mal mehr das konnte ihn vom Einschlafen abhalten.

*****


Als Dean die Augen öffnete, fragte er sich einen Moment, wo er sich befand, und starrte irritiert an sich herunter. Die üblichen Klamotten in Form von Jeans und Flanellhemd waren verschwunden. Stattdessen steckte er in einem Ganzkörperanzug, der ihn sofort zu der heimlichen Frage veranlasste, wie er mit dem Ding pinkeln sollte. Er konnte nur hoffen, dass irgendwo eine Öffnung vorhanden war, die er auf den ersten Blick nicht sah. Die Brustplatte aus Plastik zeigte wohlgeformte Muskeln, die Dean an sich seit einigen Jahren nicht mehr gesehen hatte. Mit Anfang zwanzig war er noch durchtrainiert gewesen, wenigstens optisch. Die Zeit war lange vorbei, inzwischen hatte sogar Rowena bereits einen Kommentar abgelassen, dass er um die Hüften herum ein wenig rundlich wurde.

Die Stiefel, die er trug, fühlten sich ziemlich bequem an und viel leichter, als seine Boots es normalerweise waren. Immer noch fragte er sich, was geschehen war, dass er in einem derartigen Anzug steckte. Er sah sich um, offensichtlich stand er in einer Art Garderobe. Und in der Ecke lehnte ein Schild. Er ging einen Schritt darauf zu und erst jetzt bemerkte er, dass an seinem Anzug ein Umhang angebracht war. Außerdem fielen ihm die diversen Verdienstabzeichen auf, die er trug. Er schlug sich mit der Hand gegen die Stirn, darauf hätte er auch früher kommen können. Das, was er trug, war das war das Kostüm von Soldier Boy. Bestimmt träumte er und was gerade geschah, war definitiv abgefahren!
Dunkel erinnerte Dean sich, erst vor ein paar Tagen gelesen zu haben, dass die Serie, die er zuletzt geschaut hatte, eine dritte Staffel bekam. Irgendein namhafter Schauspieler war verpflichtet worden und Soldier Boy, den Dean schon aus dem einen oder anderen Comic kannte, sollte zu der Truppe der Superhelden stoßen. Dean grinste. Offensichtlich war die Rolle in diesem Traum ihm zugedacht. Das gefiel ihm. Gut, das Kostüm war ziemlich gewöhnungsbedürftig, seine normalen Klamotten waren im Ganzen doch bequemer.
Außerdem lag auf dem Schild eine Maske, die er als stark fragwürdig empfand. Wenn er jetzt in eine Bar gehen würde, wäre die Mehrzahl der Frauen garantiert der Meinung, dass er sein Gesicht nicht durch eine Maske verhüllen dürfte. Die standen auf seine Lippen, sein Kinngrübchen und ganz besonders auf die Sommersprossen. Das war etwas, das Dean nie verstanden hatte, wenn er sich überhaupt mal Gedanken darüber machte, nervten ihn die Dinger eher. Erst recht, seit Sam angefangen hatte, über dieses Merkmal zu spotten, sobald Dean einen Spruch zu dessen Rapunzelfrisur brachte. Oh, und seine Augen hatte er vergessen, die schienen die Ladys auch ziemlich großartig zu finden. Nein, er wollte sein Gesicht definitiv nicht verhüllen. Schon gar nicht, falls er demnächst eine der Hauptdarstellerinnen der Serie traf. Oder ... Dean verbot sich den Gedanken.

Um sich abzulenken, öffnete er die Türe des Raumes. Den Schild und die Maske ließ er unbeachtet in der Ecke zurück, beides brauchte er bestimmt nicht. Wofür auch? Er fand sich auf einem langen Gang wieder und pfiff leise, als er entdeckte, dass sogar sein Name an der Tür angebracht war. Scheinbar stellte er hier nun wirklich einen festen Bestandteil des Casts dar. Er empfand das als unglaublich cool.
Langsam schlenderte er den Gang entlang. Neben ihm lag, wenigstens dem Namensschild nach, die Garderobe von der Darstellerin einer der Superheldinnen. Dean hoffte, dass die nett war und mit diesem Gedanken verließ er den Komplex, der sich als eine Ansammlung von Containern herausstellte, sobald er draußen auf einem Parkplatz stand.
Er sah sich in Ruhe und gleichzeitig staunend um. Es wimmelte von Leuten. Dem Dialekt nach zu urteilen, befand er sich definitiv nicht in Kansas. Er überlegte kurz und kam dann darauf, dass die Serie in Toronto gedreht wurde. Deshalb dieser Akzent von den Mitarbeitern, die er hören konnte. Scheinbar fand gerade ein Außendreh statt, jedenfalls standen die Darsteller von Billy und Frenchie vor einem Auto und unterhielten sich, um sie herum diverse Kameras und Personal. Dean beobachtete gespannt, was da abging.
Mit Grausen erinnerte er sich an einen dummen Engelsscherz, der ihn und Sam in ein Universum geworfen hatte, in dem sie Schauspieler waren. Sie beide hatten gnadenlos darin versagt, sich selbst zu spielen, und Dean konnte nur hoffen, dass er in diesem Traum keine Szene drehen sollte. Denn dann würde sich die Sache, die sich im Moment richtig großartig anfühlte, sehr schnell in einen Albtraum verwandeln.
„Da bist du ja! Ich soll dir das Gelände zeigen.“
Dean fuhr herum, wobei ihn das Rascheln seines Umhangs irritierte. Er starrte auf den Mann, an dessen Namen er sich nicht erinnern konnte, obwohl er ihn bestimmt schon mal irgendwo gelesen hatte. In der Serie verkörperte er Homelander, einen Charakter, von dem Dean nach wie vor nicht wusste, ob er ihn hassen oder cool finden sollte. Ihm war klar, dass die Rolle nicht darauf angelegt worden war, gemocht zu werden. Genau das reizte ihn allerdings. Er bemühte sich, freundlich zu lächeln, und streckte seinem blonden Gegenüber die Hand entgegen.
„Hi, ich bin Dean ...“
Die hochgezogenen Augenbrauen, der arrogante Blick und die kühle Musterung ließen Dean sofort wieder verstummen. Seine ausgestreckte Hand wurde ignoriert.
„Du sagst am besten direkt Homelander zu mir. Was willst du als erstes sehen?“
Dean schluckte. Das war doch sein Traum, oder? Da hätte er sich die Begrüßung deutlich freundlicher vorgestellt. Aber gut, er musste nehmen, was er bekommen konnte.
„Den Besprechungsraum der Seven, das wäre klasse.“
Homelander nickte und deutete auf eine Halle in der Nähe.
„Der ist da drin untergebracht. Komm mit.“
Dean sah sich noch einmal um. Billy und Frenchie schienen weiter an ihrem Gespräch zu drehen und andere Darsteller entdeckte er nicht. Also folgte er seinem neuen Kollegen. Homelander trug, wie Dean auch, sein Superheldenkostüm. Ebenfalls mit einem Umhang, der sich bei einem leichten Windstoß hob und Dean den Blick auf einen durchtrainierten Arsch freigab. Zum Teufel, wieso fiel ihm das denn als Erstes auf? Dean biss die Zähne zusammen, solche Gedanken ließ er wach nicht zu, im Traum wollte er damit erst recht nichts zu schaffen haben. Wobei er sich unwillkürlich fragte, was Cas wohl zu dieser Umgebung und seinem Traum sagen würde.

Nur ein paar Minuten später schaute Dean sich staunend um. Der große Raum sah, mal abgesehen von den Schienen für die beweglichen Kameras, genauso aus, wie er ihn aus der Serie kannte. Irgendwie zog es ihn sofort zu dem Chefsessel in der Mitte des halbkreisförmigen Tischs. Beinahe sah er die Mitglieder der Seven schon alle an ihren Plätzen sitzen, obwohl er ja letztlich gar nicht wusste, wer gerade tatsächlich dazugehörte. Mist, er hätte wohl vor seinem Traum doch wenigstens die zweite Staffel sehen sollen. Und den Inhalt der dritten Staffel konnte er ohnehin noch nicht kennen, da hatte bisher nicht mal der Dreh begonnen, so weit Dean sich erinnerte. Na ja, jedenfalls nicht in der Wirklichkeit, in seinem Traum schienen sie bereits ordentlich dabei zu sein.
„Das ist mein Platz.“
Homelander knirschte mit den Zähnen und ließ wieder diesen arroganten Blick los. Der ging Dean durch Mark und Bein, was ihn selbst wunderte. Er hatte doch eigentlich im Laufe der Jahre unzählige Idioten getroffen und sollte sich von so etwas nicht mehr beeindrucken lassen. Also entschied er sich, ohne irgendeine Ahnung vom Drehbuch zu haben, mal ein wenig zu pokern und die Verhältnisse geradezurücken.
„Ja, bisher vielleicht. Nun bin ich da. Und ich bin älter als du. Beliebter wahrscheinlich obendrein. Wollen wir doch mal sehen, wie lang das noch dein Platz ist, oder?“
Das Grinsen, das Homelander losließ, gefiel Dean ganz und gar nicht. Der kam langsam um den Tisch herum und stellte sich dann, wie in der Serie, mit einem nachdenklichen Gesichtsausdruck an die Fensterwand. Nur dass die hier nicht aus Glas bestand, sondern aus Folie, auf die später dank Spezialeffekt ein schönes Panorama gelegt werden konnte. Er rieb sich langsam das Kinn und Dean raste bei dem Blick des Blonden eine Gänsehaut über den Rücken.
„Kennst du die Comics?“
Dean nickte zaghaft. Das war wirklich ein komischer Traum. Normalerweise hatte er eine große Schnauze, für die Sam ihn oft genug anmaulte. Jetzt aber fühlte er sich nicht mehr besonders stark und schon gar nicht überlegen.
„Dann ist dir klar, dass du in denen mein kleines Lustobjekt bist, oder?“
Wieder nickte Dean zögerlich. Ja, das hatte er bisher verdrängt, obwohl er in der letzten halben Stunde nebenbei durchaus über die Rolle von Soldier Boy nachgedacht hatte. Da war etwas gewesen. In den Comics war der bisweilen ein bisschen unsicher und er teilte gern das Bett mit Homelander. Dessen Darsteller musterte ihn immer noch. Dean überlegte kurz, sollte es in diesem abgefahrenen Traum wirklich dazu kommen, gedachte er, die Rolle anders auszugestalten. Man musste sich ja nicht unbedingt an die Vorlage halten, oder? Zumal es durchaus verschiedene Versionen der Helden gab.
„Gut, dann weißt du ja, wie es jetzt läuft. Hose runter und beug dich vor!“

Dean wollte eine gepfefferte Antwort zurückschicken. Und wie er das vorhatte! Allerdings blieben ihm sämtliche Wörter im Hals stecken, als ihm ein aberwitziger Gedanke kam. Das war nur ein Traum. In dem er anstellen konnte, wonach auch immer ihm war. Und das eröffnete ihm ganz ungeahnte Möglichkeiten. Was, wenn er jetzt nicht direkt ablehnte? Gut, Homelander war nicht Cas, aber ein bisschen Übung konnte ja nicht schaden, oder? Vielleicht würde ihm das den Mut geben, sich in der richtigen Welt mal mit dem auseinanderzusetzen, was er mittlerweile für den Engel fühlte. Während er noch darüber nachdachte, schien ein Teil seines Körpers das Denken zu übernehmen, der eigentlich lieber stillbleiben sollte. Und leider steuerte der plötzlich nicht nur das Denken, sondern auch das Reden.
„Ich habe keine Ahnung, wie ich bei diesem Kostüm ...“
Dean biss sich auf die Zunge. Das hatte er überhaupt nicht sagen wollen. Ablehnung klang sicher anders, nur die bekam er nicht raus. Sein Mund schien ein Eigenleben entwickelt zu haben, gesteuert von seinem Schwanz. Er schloss kurz die Augen, als er das leise, kühle Lachen von Homelander vernahm.
„Das ist ein Problem, das sich sehr einfach lösen lässt. Ich helfe dir.“
Dean verkrampfte kurz, aber dann nickte er, ohne sich selbst darüber klar zu sein, was da gerade geschah. Offensichtlich gab es Teile von ihm, die sich das, was passierte, wünschten. Das zumindest sagte ihm die deutliche Beule in seinem Kostüm.
Homelander kam langsam näher und legte die Hände auf Deans Hüften. Der schloss einen Moment lang die Augen. Wenn er sich vorstellte, dass es sich um die Finger von Cas handelte, fühlte sich diese Geste sogar ziemlich gut an. Ihn ergriff eine Aufregung, die irgendetwas in seinem Magen wohlig kribbeln ließ. Obwohl er gleichzeitig in Dauerschleife darüber grübelte, wie falsch das war, was geschah. Und was wohl Sam dazu sagen würde.
Über alles, was mit seinem Bruder und dessen Meinung zu dem Thema zusammenhing, konnte Dean allerdings nicht weiter nachdenken, weil Homelander unter den hübschen Brustschutz von Dean griff und dort einen Reißverschluss öffnete. Der schien, unter einer dekorativen Naht verborgen, einmal komplett um den Körper zu laufen. Schneller, als er schauen konnte, hatte Homelander den geöffnet und Dean die Hose bis in die Kniekehlen heruntergezogen. Der Blonde lächelte.
„Also ich muss schon sagen, dich haben sie gut gecastet. Einen hübschen Arsch hast du auf jeden Fall.“
Das Kompliment gefiel Dean, trotz der merkwürdigen Situation. Noch besser wäre es nur gewesen, falls es von Cas gekommen wäre. Das allerdings schien Dean ausgeschlossen, selbst wenn er nach dieser Übungsstunde den Mut fand, dem Engel näherzukommen, war wohl nicht zu erwarten, dass der unverblümt Komplimente von sich gab. Das entsprach nicht der Art von Cas, was für Dean vollkommen in Ordnung war. Er hätte sich am Ende ja doch nur gezwungen gefühlt, etwas zu erwidern und dass er über solche Dinge nicht gern sprach, würde sich auch nach diesem Traum bestimmt eher nicht ändern.

„Ich hatte gesagt, du sollst dich bücken.“
Homelander riss ihn wieder in die Realität der Traumwelt, in der Cas sehr fern, dafür aber der Darsteller eines kostümierten Superhelden sehr nah war. Dean merkte erstaunt, dass er gar kein Problem damit hatte, der Aufforderung seines Kollegen nachzukommen. Das war immerhin nur ein Traum. Es konnte also gar nichts passieren. Wenn es ihm gar nicht gefiel, würde er bestimmt aufwachen. Und es wurde wirklich langsam Zeit, die Dinge mal auszuprobieren, an die er sich sonst jeglichen Gedanken verbot.
Einen Moment lang überlegte er, ob er vielleicht auf die aktive Rolle bestehen sollte. In seinem Selbstverständnis entsprach das mehr ihm. Allerdings hatte er keinerlei Erfahrung und das würde die Sache nicht unbedingt leichter machen. Wahrscheinlich war es also besser, wenn er erst mal nicht die Führung übernahm. Zumal er so den Tisch der Seven, auf den er sich nun langsam stützte, während er sich vorbeugte, direkt vor sich hatte. Homelander stand hinter ihm und er konnte ihn aus seiner Position nicht sehen. Das gab ihm die Möglichkeit, zur Not an Cas zu denken. Dean musste sich eingestehen, dass er sich erstaunlich wohl mit der Gesamtsituation fühlte.
„Du wirkst verkrampft. Ich werde vorsichtig sein und dich mit den Fingern vorbereiten.“
Dean schluckte kurz. Obwohl er über so etwas nun schon öfter heimlich nachgedacht hatte, fühlte sich die Vorstellung, dass ihm jemand einen Finger einführen würde, ziemlich merkwürdig an. Allerdings bei weitem nicht so fürchterlich, wie er sich bisher immer eingebildet hatte. Es war nur ein Traum und würde sicher eine interessante Erfahrung werden. Also hielt er angespannt die Luft an und ließ es geschehen.

*****


Als Dean aufwachte, fühlte er sich so entspannt, wie seit Jahren nicht. Auch wenn er und Sam inzwischen oft darauf achteten, dass sie wenigstens im Bunker genug Schlaf bekamen, war er lange nicht mehr so fit beim Aufwachen gewesen. Und das, obwohl er merklich auf einem Bett aus Chipskrümeln lag und immer noch den Laptop auf den Knien hatte.
Dean grinste. Normalerweise war er froh, wenn er sich beim Aufwachen nicht mehr an seine Träume erinnerte. Die zerwühlten und durchgeschwitzten Laken wiesen immer wieder daraufhin, dass er oft genug von Dingen aus der Vergangenheit träumte, die er lieber nicht noch einmal durchleben wollte. Dieses Mal war es anders. Er erinnerte sich an jede einzelne Sekunde seines Traums. Zum ersten Mal hatte er sich wirklich damit auseinandergesetzt, was er seit Monaten, wahrscheinlich schon seit Jahren fühlte.
Weiterhin fand er Frauen attraktiv, daran bestand für ihn kein Zweifel. Aber sie konnten schon lange einem bestimmten Engel nicht mehr die Show stehlen. Wenn ihm dieser abgefahrene Traum eins gezeigt hatte, dann war es wohl, dass er sich auch in der Realität mal ein paar Dingen stellen musste. Vielleicht war es doch gar nicht so schlimm, dass seine Gedanken an Cas nicht länger rein freundschaftlicher Natur waren.
Und sollte das schiefgehen, konnte er sich wenigstens im Bett verkriechen, die nächsten Staffeln von „The Boys“ gucken und sich in Selbstmitleid suhlen. Oder versuchen, noch weitere Träume dieser Art auferstehen zu lassen. Er musste dann schauen, ob der tatsächlich für die Rolle des Soldier Boys gecastete Schauspieler heiß war.
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