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12 o'clock

von GhostData
Kurzbeschreibung
GeschichteSuspense / P18 / Gen
Dante Lady Nero OC (Own Character) Trish Vergil
28.10.2020
28.10.2020
1
1.045
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28.10.2020 1.045
 
Prolog




April 23rd – 11:34 PM

Rauch vernebelte die Sicht, ließ die Luft stickig wirken. Der einzige Lichtblick in jener Situation war der Moment, in welchem sich die Türen der Bar öffneten, einem weiteren Gast Eintritt gewährten und wenigstens einen Teil des Qualms zur gleichen Zeit wieder nach draußen ließen – nur damit sich auch der wenige, hereingedrungene Sauerstoff Sekunden später wieder dem übermäßigen Zigarettenqualm unterwerfen konnte. Der beißende Geruch war einfach viel zu dominant. Selbst die Bardame, welche an jenem Abend hinter dem Tresen stand; eine junge, rotbrünette Frau tat sich an jenem Abend schwer mit dem Atmen. Ihre Haare hatte sie zu zwei hohen Dutts gebunden. Erst als sie sich für einen Augenblick abwendete, den Gästen den Rücken zudrehte, konnte man sehen, dass rotbraun nicht ihre einzige Haarfarbe war. Sie trug eine Art horizontalen split-dye-look in dunkelblau, welches man jedoch nur sehen konnte, wenn es nicht von ihrem natürlichen rotbraun verdeckt wurde. Die dunkle Atmosphäre der Bar ließ die dunklen Haarfarben nur schwer auseinanderhalten, erst im Schein der Lampen konnte man das unterschiedliche Glänzen tatsächlich wahrnehmen, welches sich Strähnchenweise auch durch ihre beiden Dutts zog. Gemischt wirkten die beiden Farben schon beinahe exotisch, hätte sie nicht einfach nur in einem grauen Shirt und einer dunkelblauen Jeans hinter der Bar gestanden. Einen Dresscode gab es immerhin nicht, anderenfalls hätten die meisten Anwesenden wohl nicht die gleiche Atmosphäre genießen können und diese war es anscheinend auch, welche die Menschenmassen anzog.

Es ging auf das Wochenende zu, in jenem Moment bemerkte man es deutlich. Mehr Menschen wollten ihren Feierabend in Gesellschaft ausklingen lassen – selbst wenn die Bardame genau das nicht verstehen konnte. Sie selbst war nicht gern unter Menschen, schon gar nicht unter derart vielen, wie es zu den Stoßzeiten üblich war. Der einzige Trost war an solchen Tagen die Aussicht auf den Feierabend und der Sicherheitsabstand, welcher ihr durch den Bartresen gewährt wurde. Zudem wusste sie selbst nur zu gut, dass sich die Miete nicht von selbst bezahlte und wenn sie weiterhin nicht am Hungertuch nagen und ein Dach über dem Kopf haben wollte, musste sie über solche Dinge schlichtweg hinwegsehen und sie bestmöglich ignorieren. Eine andere Wahl blieb nicht.

Das deutliche Vernehmen ihres Namens ließ sie schließlich vom Abwischen des Spülbeckens und Bereitstellen der Gläser hochsehen und ihren Blick wieder in die Richtung der Bar gleiten, an welcher ein Mann die Hand gehoben hatte. Eben jener hatte mit Sicherheit bereits einige alkoholischen Getränke zu viel genossen, anderenfalls würde er nicht auf die gleiche Weise schwanken, wie er es tat.
„Zappy, schenkst du uns noch 'ne Runde aus? Die Rechnung geht auf den Kurzen.“, wurde auf einen recht zierlichen, unscheinbaren Mann gedeutet, welcher in seiner Situation weder glücklich wirkte noch als wäre er jemals freiwillig mitgekommen.
Doch das war nichts, worüber sie sich den Kopf zerbrechen musste – wichtig war, das Geld floss und das tat es zweifellos. Dennoch musste sich die Angesprochene auch in diesem Augenblick deutlich daran erinnern, nicht mit den Augen zu rollen. Sie wusste genau, das es nichts nutzte, zu versuchen, Betrunkenen irgendetwas zu erklären – genauso viel hätte es genutzt, hätte sie sich mit dem Zapfhahn unterhalten –, doch der Spitzname ging ihr auf die Nerven.
„Kommt sofort.“
Gin Tonic war also gefragt; man musste es nicht mehr benennen. Eben jenes Getränk erfreute sich inzwischen derart großer Beliebtheit, dass es beinahe eine Selbstverständlichkeit war.

Nur wenige Augenblicke später standen auch schon drei Gläser auf dem Tresen, welche noch im gleichen Atemzug angenommen wurden. Die Männer sparten sich sogar das Anstoßen, setzten die Gläser beinahe im Einklang an die Lippen an und schütteten sich den Alkohol mehr in die Hälse als das einer von ihnen trank. Nur der unauffälligste der Männergruppe konnte sich nicht dazu durchringen, nach dem Getränk zu greifen – wirkte von allen jedoch auch am nüchternsten, wenngleich auch am meisten eingeschüchtert.
„Hey. Ist alles in Ordnung mit dir?“
Die Bardame beugte sich leicht vor, stopfte das Geschirrtuch erst einmal für eine Weile in ihre Hosentasche und der Mann nickte. Als wenn sie ihm das abkaufen würde. Noch gab es immerhin mehr als genug saubere Gläser und alle schienen für den Moment bedient zu sein. Im Ernstfall hätte sich immerhin auch einer der Kollegen einmal kümmern können, welcher in jenem Augenblick allerdings lieber zwischen den Gästen verweilte und sich selbst den Abend schöner trank. Dies stand zwar nicht in seiner Jobbeschreibung, doch…
Was von alldem tat dies schon?
Als Barkeeper hatten sowohl Elin, welche unter der Kollegschaft und inzwischen auch den Stammgästen jedoch besser als Zappy bekannt war, als auch Kass, welcher sich in jener Nacht die Schicht mit ihr teilte, weitaus mehr Jobs. Sie waren Zuhörer, Seelsorger und in manchen Fällen wahrscheinlich sogar Berater – unentgeltlich.

Schließlich seufzte der Mann, nachdem sein Blick noch einmal zu den beiden lauten und aufdringlichen Begleitungen gewandert war. Wenn Elin das betrachtete, wusste sie genau, warum sie keinen Job angenommen hatte, bei welchem man nach Feierabend mit Kollegen trank, sich die Kante gab und nur mit einem Hauch von Glück am nächsten Morgen rechtzeitig aus dem Bett kroch, um das Ganze gleich am nächsten Abend zu widerholen. Arbeitete man an der Quelle, senkte sich das Verlangen.
„Wenn du frische Luft schnappen willst, das ist deine Chance; brauchst auch nicht bezahlen, ich schreibe es den beiden Spaßvögeln hier an. Spätestens wenn wir sie morgen früh rausschmeißen, habe die keine Ahnung mehr, welche Drinks auf welche Namen geflossen sind.“, deutete sie für einen kurzen Moment auf die Tür.
Die beiden Männer hatten in jenem Moment noch die Köpfe zusammengesteckt, lachten laut. Wahrscheinlich hätten sie die komplette Bar unterhalten können, hätte man ihnen nicht deutlich angemerkt, wie schwer deren Zungen eigentlich waren. Eine andere Chance gab es also nicht. Wenigstens schien der Jüngling zu verstehen und machte sich aus dem Staub, ließ aber dennoch eine kopfschüttelnde Bardame zurück, welche nach jener Eskapade wenigstens versuchte, mit ihrer Arbeit fortzufahren; wäre da nicht diese altbekannte Stimme, welche sie doch noch einmal aufhielt, nur um ein einziges Bier zu bestellen; gefolgt von einem Strawberry Sundae.
Was für eine Mischung…
Er war tatsächlich der einzige, welcher dies fast jeden Abend tat – Bier schien eigentlich aus der Mode gekommen – und gleichzeitig auch der Einzige, welcher die Nerven hatte, in dieser stickigen und warmen Bar seinen Mantel nicht einmal im Sommer auszuziehen.
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