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Placidly

von Ilea
GeschichteAllgemein / P16
Beck Oliver Jade West
27.10.2020
27.10.2020
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3.632
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Ich schlug die Augen auf und schlagartig wurde mir kalt. Für ein paar Augenblicke lag ein Schleier vor meinen Augen und ich wischte den Tränensand aus meinem Blick. Vorsichtig tastete ich nach links, dort wo sonst immer mein Pearphone liegen würde. Ich rappelte mich auf als ich realisierte, dass es dort nicht lag.
Es war auch nicht mein Zimmer. Ich rief mir ins Gedächtnis, dass ich bei Jade geschlafen hatte. Am Morgen war die dunkle Einrichtung gar nicht so gewöhnungsbedürftig, wie ich erwartet hatte. Die Vorhänge versperrten der Sonne die Sicht, das Licht fiel durch die Spalten an der Seite und tauchte das Zimmer in einen satten Morgen. Ich zog die Decke mit mir, denn es war kein Wunder das mir kalt war – fiel trug ich nicht. Ich gähnte und entdeckte meine Jeanshose, aus der mein Handy lugte. Ich griff danach und suchte vergebens nach meinem Shirt, ich fand nur das Top von Jade. Mein Handybildschirm war schwarz, dass Akku musste ausgegangen sein. Ich hatte meiner Mutter noch geschrieben, dass ich woanders schlief, aber ihre Antwort hatte ich nicht mehr gekannt. Jades Handy lag auf dem kleinen Nachttisch und lud, vorsichtig nahm ich es vom Kabel und schaltete meins ein zum Laden. Meine Mutter hatte mit einem nervigen GIF geantwortet von einem Elefanten, der den Rüssel hoch. Ihre Art mir zu sagen: „Okay, mein Sohn.“ Jades Handy flimmerte auf – eine Nachricht von Cat. Im nächsten Moment hörte ich es rascheln. Die Tür öffnete sich einen Spalt, eine männliche Stimme war zu hören und ich zog erschrocken die Decke ein wenig nach oben.

„Bye Dad“, rief Jade, dann schlüpfte sie in das Zimmer. Ich atmete aus und mir wurde warm, als ich sie an der Tür stehen sah, mit einer Tasse Kaffee in der Hand, einer kurzen Leggins und meinem Shirt. Irgendwie berührte es mich, kitzelte etwas in mir wach, wie sie grimmig mit geröteter Haut vor mir stand und die Tür ins Schloss knallen ließ.
„Was machst du mit meinem Handy?“ Jades Blick war blass – wie ihre Haut. Ich hatte sie schon einmal ungeschminkt gesehen, aber sie wirkte noch heller als sonst. Ich sah auf das Handy, dass ich immer noch in der Hand hielt. Das war kein toller Start in den Morgen, vor allem nicht weil Jade für den Moment zuließ, dass sie ein wenig verletzt dadurch wirkte. Oder zumindest ihm mehr zugetraut hatte.
„Ich habe meines Laden müssen“, sagte ich schnell, legte ihre zurück neben meins. „Tut mir leid, ich habe nicht reingeschaut oder so.“
Jade nickte kühl. Sie nahm einen Schluck aus ihrer Tasse und näherte sich dann dem Bett, wo sie sich neben mich niederließ und auf den Boden schaute. Sie begegnete meinen Blick nicht, aber ihre Mundwinkel zuckten, während ich sie betrachtete. Ihre Haare glänzten ein wenig, die blauen Strähnen darin lockten sich leicht über ihre Schultern. Blaue Augen zuckten umher. Sie sah überall hin, nur nicht zu mir.

„Guten Morgen“, murmelte ich. Langsam ließ ich mich zurück in das Kissen fallen. Ich starrte an die Decke, an der ein leuchtender Totenkopf baumelte und bedrohlich zu mir schaute. Jade sah kurz zu mir, dann nahm sie einen weiteren Schluck Kaffee.
„Willst du?“, fragte sie und berührte meine Beine leicht. Die Decke lag nur noch halb über mir. Ihre Berührung löste erneute diese seltsam, wohlige Wärme in mir aus, obwohl sie nur kurz war.
Ich richtete mich auf, nahm die Tasse entgegen. Ich mochte Kaffee nicht sonderlich, Jade dahingegen schien ihn zu lieben. Nach einem Schluck hustete ich und Jade sah mich amüsiert dabei an. Ich verdrehte die Augen, etwas, dass sie sonst immer tat. Dann schauten wir uns nur stumm an, Jade schaute öfter weg, das tat sie immer. Sie konnte oder wollte eher nicht.
„Gib wieder her“, sagte Jade, griff nach der Tasse, aber ich war schneller und rutschte ein Stück zurück. Sie schaute mich grimmig an und krabbelte auf das Bett.
„Oliver!“
Ich grinste. „West.“
Sie griff erneute danach, aber ich war geschickt und die Tasse landete neben unseren Handys. Jade wollte über meine Beine zum Kaffee, aber ich packte sie etwas grob an den Hüften und sie fiel direkt auf meinen Oberkörper. Sie stemmte sich sofort hoch und ihre wunderschönen Augen funkelten mich an.
„Wage es nicht noch einmal dich zwischen mich und meinen Kaffee zu stellen“, brummte sie. Ich lachte und griff nach ihren Haaren, die vor ihrem Gesicht hingen. Meine Ohren begannen zu brennen und die Wärme kroch über meine Haut, die mir das innige Gefühl von letzter Nacht gab.
„Ich dachte, du magst mich mehr als den blöden Kaffee“, sagte ich.

Jade verdrehte die Augen, ich konnte jedoch spüren, dass ihr gesamter Körper angespannt war. „Pfff. Davon träumst du, was?“
„Hmmm“, machte ich, dann hob ich meinen Kopf an, bis sich unsere Nasenspitzen berührten und ich ihren Atem spüren konnte. „Ich schmecke noch nach Kaffee, also bin ich fast Kaffee.“
Als ich Jade das erste Mal geküsst hatte, war es unbeholfen gewesen, und Jade tatsächlich noch schüchtern und versteift. Danach hatte sie mir eine Ohrfeige gegeben.
Als ich sie an diesem Morgen küsste, waren ihre Lippen weich und warm. Sie brauchte nicht lange, um sich zu entspannen. Meine rechte Hand hielt sie an der Hüfte fest, drückte sie näher zu mir und die andere strich über ihren Rücken. Ich Lippen schmeckten nach Kaffee, der vorsichtige und langsame Kuss löste eine heiße Welle an Schauern aus, die von meinen Zehenspitzen bis zu meinen Lippen wanderten. Alles was in diesem Moment zählte waren Jade und ich – kein André, der mir Horrorgeschichten von ihr erzählen wollte und kein Robbie der Angst vor Jade hatte. Das hier waren wir. Beck und Jade.
Jade rutschte nach oben, ihre Haare kitzelten meine Stirn und Wangen. Es war ein intensiver Kuss, in dem sich ihre Lippen an meine schmiegten und unsere Zungenspitzen sich berührte, bis sie leise seufzte und sich von mir löst, nur um sich gegen meinen Hals zu lehnen. Ich hatte die Augen noch geschlossen, die Lippen leicht geöffnet. Mein Puls raste und Jades Hand lag auf meiner Brust. Ich würde alles dafür geben, der Moment würde bleiben, aber Jade löste die Zweisamkeit und kletterte neben mich. Triumphierend nahm sie ein Schluck von ihrem Kaffee und sah dann zu mir herunter.
„Ich muss los“, sagte Jade.
Mein Herz wurde langsamer. „Wohin?“

„Zu meiner Tante“, murmelte Jade. „Sie hat einen Laptop und Mikrofon, ich muss für die Songwriter-Klasse noch etwas aufnehmen.“
Ich würde ihr gerne zuhören und zuschauen, aber ich wusste, dass würde sie nicht wollen. Ich kannte noch nicht mal ihre Eltern. Ganz zu schweigen davon, dass Jade nicht einmal meine kannten. Was meine Mutter ihr für einen GIF wohl zuordnen würde? Vielleicht einen schwarzen Schwan. Einen wunderschönen. Jade würde bestimmt wieder die Augen verdrehen, würde ich es ihr erzählen.
„Okay“, sagte ich. Es war Sonntag, morgen würde die Schule wieder beginnen. Ich hatte keine Pläne, ich hätte den Tag gerne mit Jade verbracht.
„Wenn du nachher gehst, einfach Tür ins Schloss schlagen, meine Eltern sind mit meinem kleinen Bruder shoppen oder so.“
Kleiner Bruder – Roman West. Den einzigen Namen, den ich kannte. Er passte nicht zu Jade, ich hatte ihn gestern kurz gesehen. Mit großen, blauen Augen und einem Babygesicht, obwohl er neun oder zehn Jahre alt sein musste. Jade redete nicht gerne darüber.
„Oh“, sagte ich, wollte etwas hinzufügen, Jade berühren und ihr nahe sein, da wandte sie sich von mir und griff nach einem Haufen Kleidung, welche auf ihrem Sofa lag. Sie verschwand aus dem Zimmer und ich sank zurück ins Kissen, schloss die Augen und dachte nach. Ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Es musste noch früh am Morgen sein. Ich hatte nicht einmal Hausaufgaben, die ich machen konnte. André war bei seiner Großmutter und Robbie – der war mit Rex beschäftigt. Ich war gestern zu Jade gekommen weil ich mit ihr hatte Reden wollen. Über uns. Viel Reden war nicht gewesen, Jade, die sonst die Nacht liebte, hatte schon fast geschlafen und ich war eine Weile neben ihr wachgeblieben. Bis sie aufgewacht war und wir nicht wirklich mehr zum Reden gekommen waren – wir hatten miteinander geschlafen. Etwas, was ich weder geplant hatte noch vorgehabt hatte.

Jade trat wieder ins Zimmer. Sie hatte ihre Augen geschminkt, trug schwarze Jeans und dunkelrote Boots. Ich sah sie an, unter dem Mantel, den sie trug, hatte sie noch immer mein Shirt an. Ihr BH konnte ich darunter erkennen, sie hatte es also bewusst wieder angezogen. Meine Jade.
„Mein Shirt“, sagte ich. Jade schaute an sich herunter, dann wieder zu mir.
„Was schaust du so blöd?“, fragte sie. „Du hast schließlich noch dein Hemd, so kalt wird es schon nicht sein.“
Ich lächelte und strich die dunkle Bettwäsche glatt.
„Willst du gar nicht darüber reden?“, fragte ich. Jade kam zu mir und griff nach ihrem Handy. Sie sah auf den Display, dann wieder zu mir.
„Worüber denn?“, fragte sie.
„Über uns, gestern Aben-“, fing ich an, doch sie schnappte nach Luft, starrte ihr Handy an und dann warf sie ihre Haare in den Nacken.
„Ich muss los, Beck“, sagte sie. „Ich warte nicht, bis du gehst oder mit deinen gefühlsvollen Reden fertig bist, ich habe zu tun. Tschüss.“
„Bye“, murmelte ich, dann floh Jade förmlich aus dem Zimmer und sackte auf dem Bett zurück. Die Erinnerungen an den vergangenen Abend schwappten hoch.

„Jade?“, flüsterte ich in die Dunkelheit. Mein Handy leuchtete auf den Boden, damit ich wusste, wo ich hintrat. Ihr Zimmer war nicht schwer zu finden, dass Bett auch nicht, denn als der Lichtstrahl ihre Augen traf stöhnte sie genervt auf.
„Mache das verdammte Licht aus, Beck!“, sagte sie. Ich schlüpfte aus meinen Stiefeln und setzte mich neben sie. Sie rutschte ein Stück – immerhin.
„Du schläfst schon?“, fragte ich. Als ich sie vor einer Stunde angerufen hatte, klang sie noch angriffslustig und wach. Sie hatte gesagt, ich könnte sie abholen.
„Ja und du hinderst mich daran.“
„Es ist erst zehn“, sagte ich.
„Na und? Habe ich dich nach Erlaubnis gefragt, zu schlafen? Die brauche ich nämlich nicht.“ Jade wandte den Blick zu mir. Ich gewöhnte mich an ihr Aussehen in der Dunkelheit und konnte ihre Züge erkennen.
„Sorry“, murmelte ich, dann drehte Jade sich um. Weg von mir und ich saß erst ein wenig unschlüssig vor ihr. Dann legte ich mich ganz vorsichtig neben sie. Sie hatte schon oft neben mir auf meinem Bett gelegen. Meistens eher gesessen und eines meiner Notizhefte schwarz angemalt. Aber ich war noch nie bei ihr gewesen. Die Tür hatte die Nanny von ihrem Bruder aufgemacht, eine merkwürdige Frau. Jade hasste sie. Ihre Eltern waren nur oft unterwegs. Ich versuchte mich zu entspannen, aber ich lag hellwach in dem Raum und hörte Jade neben mir leise atmen.
Verkrampft lag ich also in der Dunkelheit und dachte nach. Ich dachte an Jade, an mich und an meine Eltern. Ich fischte mein Pearphone aus meiner Hosentasche und schickte meiner Mutter eine Nachricht, Jade neben mir drehte sich ruckartig um und im Schein meines Displays sah sie mich an.

„Ich habe gesagt, mache das Licht aus“, murrte sie.
„Sorry“, sagte ich. „Jetzt ist es aus.“
„Ich sehe es“, erwiderte Jade. Ihre Umrisse waren dunkel, sie mochte den Anblick wahrscheinlich selbst sehr. Ihre Füße bewegten sich und einer berührte mein Bein, während ich ein kurzes Gähnen von ihr vernahm. Ein Zipfel der Decke berührte meinen Oberkörper. Automatisch rutschte ich ein Stück näher zu ihr, während Jade ein Stück zurück rutschte und mir etwas Platz machte. Sie sagte nichts, sie berührte mich nur kurz am Arm und legte dann ihre Hände unter ihren Kopf. Nur ihre Augen, die waren hellwach.
„Willst du … du schlafen?“, fragte ich. Sie hätte mich für die dumme Nachricht georfeigt, aber sie schien etwas angeschlagen und brummte nur. Ich war mir erst unsicher, wie ich mich verhalten sollte. Ich hatte gedacht, wir würden Pizza essen gehen oder ins Kino, danach vielleicht ein wenig spazieren gehen. Jade ging zwar nicht gerne spazieren, aber die Nacht gab ihr einen gewissen Reiz. Ich hatte mir vorgenommen, mit ihr zu reden – über uns. Sie hatte nur gesagt, dass sie müde war, aber ich sie zuhause abholen konnte. Nun lag ich neben ihr und konnte ihre Nähe nicht einmal richtig genießen.
„Beck“, murmelte Jade und ich wandte mich zu ihr. Ich mochte es, wenn sie meinen Namen sagte. Es klang so süß, unschuldig und gar nicht wie Jade.
„Jade“, flüsterte ich. „Was sind wir?“

Jade schwieg. Sie atmete nur schneller. Ich drehte mich zu ihr, ihre Augen sahen zu mir auf und unsere Nasen berührten sich. Ein wohliger Schauer erfüllte mich, meine Wangen wurden warm und etwas auf meiner Haut kribbelte, als ich nach ihrer Hüfte griff und sie ganz vorsichtig küsste.
Ich bekam keine Antwort, aber ihre Lippen auf meinen und ihre Hände auf meinen Schultern, wie sich an mich klammerte, gaben mir mehr Antwort als mir lieb war. Die Nähe zu Jade verwirrte mich, aber ich brauchte sie. Zwischen uns war es anders, als wie sie mit André sprach oder mit Cat. Am Anfang, da war es schwer gewesen. Seltsam, aber Jade war eben Jade. Ich wusste das Sie sagte mir, wenn sie etwas direkt nicht mochte. Sie sagte mir sogar, wenn meine Haare falsch lagen. Sie schrie mich an, sie stritt mit mir, aber sie küsste mich auch. Und Jade West konnte verdammt gut küssen. Auf eine Art und Weise war es sanft, aber auf der anderen Seite tief und verlangend. Sie drückte sich gegen mich und ich hielt sie. So nahe wie in dieser Nacht waren wir uns noch nie gewesen. Vor drei Monaten hatte ich sie das erste Mal geküsst, ich hatte immer gedacht so intensiv fühlen würde sie mich nie lassen, aber als ich an ihre Schultern gelehnt nach diesem ersten Mal neben ihr lag, fühlte ich ihre Fingernägel noch immer an meinem Rücken.
„Ich liebe dich“, murmelte ich und schloss die Augen. Ich wusste, sie würde darauf nicht antworten. Nicht in diesem Augenblick.


Ich starrte den Monitor an. Autorennen von der letzten Saison liefen und vor mir lag eine Zeitschrift. Ich hatte mir das neuste Update von TheSlap heruntergeladen, mir Andrés Updates angeschaut und Cat gefragt, ob wir noch Hausaufgaben auf hatten. Meine Eltern waren essen, meine Schwester bei einer Freundin. Ich hielt mein Handy in der Hand und starrte auf die Nachrichten von Jade. Sie hatte nur kurz und knapp geantwortet, dass ihre Tante sie aufregte und ihre Eltern wollten, dass sie auf Roman aufpasste, worauf sie keinen Bock hatte.
„Wenn was ist kannst du gerne anrufen“, las ich meine letzte Nachricht, auf die sie bisher nicht geantwortet hatte. Am liebsten hätte ich sie angerufen, aber dann wäre sie nur genervt gewesen. Das wollte ich nicht, also starrte ich weiter auf den kleinen Fernseher.
Jade hatte mich ehrlich immer fasziniert. Ihre Art, ihr Auftreten und ihre Augen, die manchmal weich wurden wenn sie mit Cat sprach oder mir von ihrem Hasen erzählte. Ich fühlte mich wohl bei ihr, dabei stritt ich oft mit ihr.
Erneut schaute ich auf ihr Handy. Was erwartete ich eigentlich? Ein „Ich liebe dich“? Das hatte sie verpasst zu erwidern. Vielleicht war es auch zu schnell, aber Jade hatte mit mir geschlafen. Sie hatte mir von ihrem Bruder erzählt, von ihrer Kindheit in den Bergen und von einem ihrer neuen Songs, obwohl ihr Schauspielkurse mehr Spaß machten. Sie war eine gute Schauspielerin, ich mochte es mit ihr zu spielen. Sie traute mir über den Weg, aber reichte das für Liebe?

„Mit jemanden wie Jade, mit dem kannst du bestimmt Spaß haben“, hatte Ed aus unserem Theaterkurs gesagt. Gerüchte sagten, er sei mal mit Jade zusammen gewesen, er war ein ekliger Typ. Ich mochte ihn nicht, aber er schien sich für mich und Jade zu interessieren. „Aber mehr würde ich nicht erwarten. Außer du willst, dass sie dich jeden Tag zur Schnecke macht.“
„Mache was du willst, aber ich warne dich, Jade macht dir nur Angst und Grauen“, hatte André gesagt. Beck vertraute seiner Meinung, aber seinem Gefühl vertraute er noch mehr. Langsam nahm er sein Handy wieder in die Hand und schaute, ob Jade ihm geschrieben hatte. Fehlanzeige.
Er sackte zurück auf sein Sofa, als es klopfte. Er fuhr hoch. Es war acht Uhr, seine Schwester musste wieder ihren Schlüssel vergessen haben. Ich richtete mich genervt auf und biss noch von meinem Sandwich ab, dann schlürfte ich zur Tür und riss sie auf. Jemand hastete zur Seite und als ich gerade Lizzie ausschimpfen wollte, sah ich in das Gesicht von Jade.
Ich öffnete den Mund und starrte sie kurz an.
„Mache den Mund zu“, sagte Jade und schüttelte den Kopf. „Sieht bekloppt aus.“
„Ähm“, machte ich und schaute in meinen RV. Es war nicht aufgeräumt, aber das schien Jade allgemein nicht zu stören. „Komm doch rein.“
„Ich habe Donuts mitgebracht, meine Tante bäckt gerne. Ich dachte du magst die bestimmt mehr“, sagte sie. Aus ihrer Tasche holte sie eine Tüte, dann lief sie in meinem RV und ich schloss die Tür. Ich liebte es, dass sie einfach zu mir gekommen war.
„Wieso grinst du denn jetzt so dämlich?“, fragte Jade. Sie betrachtete mich und ließ ihre Tasche sinken. Sie trug noch immer mein Shirt. Wo ihr Mantel war, wusste ich nicht. „Höre auf damit.“

„Weil du hier bist“, erwiderte ich und setzte mich neben sie auf das Sofa, wo Jade den Fernseher anstarrte.
„Autorennen sind ziemlich dumm“, behauptete sie und ich schaltete das Programm aus. Jade zupfte an ihren Haaren, dann lehnte sie sich zurück und schaute kurz in ihr Handy, ehe ihr Blick wieder zu mir wanderte. Sie runzelte die Stirn.
„Willst du noch einen dummen Kommentar von dir geben?“, fragte ich. Ich war nicht sauer, aber ich war ein wenig gereizt.
Jade zuckte mit den Schultern. „Lass mich doch machen.“
Ich seufzte, dann schüttele ich den Kopf und lehnte mich zurück. Ich mochte Jade. Ich liebte sie, aber manchmal war sie kompliziert und ich fragte mich, was ich an ihr mochte. Vielleicht war es aber genau das – ihre direkte Art, ihre pessimistische Ehrlichkeit und ihre Augen, die mich anschauten und musterten.
„Willst du einen Donut?“, fragte Jade und hob eine Augenbraue.
„Ich will Klarheit, Jade. Mehr nicht. Danach vielleicht einen Donut.“
Jade ließ ihre Schultern sinken. „Klarheit?“
„Komm, so dumm bist du nicht“, sagte ich und sah sie an. „Du bist sogar ziemlich schlau. Intelligent und du weißt das von allen am besten.“
Jade setzte sich aufrecht hin, ihre Augen funkelten und sie schien genau zu überlegen, was sie sagen wollte. Ich hätte gerne mehr gesagt, hätte ihr gesagt, dass sie wunderschön sei, dass sie wunderbar ehrlich war, dass ich es liebte wenn sie mit Kleinigkeiten zeigte, dass sie mich mochte, aber ich wollte ihre Worte dazu. Für alles fand sie Worte, nur nicht dafür.
„Also?“, fragte ich. Jade biss sich auf die Lippen. Hatte ich sie sprachlos gemacht? „Magst du mich?“
Jade legte den Kopf in den Nacken, dann sah sie mich wieder an. „Du bist doch auch ziemlich schlau, oder?“

Ich lächelte mild. „Ich will es aber von dir hören. Ich liebe dich Jade, okay? Ich mag dich und du bist mir wichtig geworden, aber ich will nicht meine Zeit verschwenden an Worte, die ich geben kann, aber nie zurückgeben kann, okay? Ich mag dich und wenn das hier etwas werden soll, dann musst du einmal deinen Mund aufmachen, mit mir reden oder es zumindest versuchen.“
„Ich hasse dich“, erwiderte Jade und mir blieb kurz der Mund offen stehen, doch Jade wirkte ehrlich und ihr Blick war aufrichtig, als sie weiter fortfuhr, „vielleicht nicht so sehr, wie ich manche Menschen hasse, aber ich mag es nicht, wie du … wie du mich einfach um den Finger wickelst. Ich meine, ich hasse dich nicht in dem Sinne, ich mag dich, sonst würde ich keine Zeit mit dir verbringen, aber ich mag es nicht, dass du ständig darüber reden willst. Gestern hast du auch nicht mit mir geredet.“
„Weil du es nicht wolltest“, erwiderte ich. „Und es tut mir leid. Wirklich, ich habe lange darüber nachgedacht. Es war absolut blöd gestern, aber es ist passiert. Ich hätte es nur schön gefunden, hättest du darüber mit mir geredet.“
„Reden?“, fragte Jade und sie verschränkte die Arme. „Ich mache das, was ich wirklich will, Beck. Ich will das nicht erklären müssen, warum ich dich küsse, dich umarme oder mit dir schlafe.“
Sie klang so ehrlich, etwas verletzt sogar und ich musste schlucken. Ich rutschte näher zu ihr und berührte sie am Hals.
Jade sah mich an. „Wieso muss ich denn alles erklären?“
„Weil ich es gerne höre“, antwortete ich. „Ich höre dir gerne zu.“
Jade verlor sich in meinen Augen, sie wurden weich und wieder waren es unsere Nasenspitzen, die sich berührten. Jade sah mir in die Augen und ich lächelte, weil ich wusste, sie liebte mich. Sie sagte es nicht direkt, aber sie sagte es mit ihren Taten. Ich musste zumindest ein wenig darauf vertrauen.

„Ich mag dich“, flüsterte sie, dann küsste sie mich. Das „Ich liebe dich“, rutschte ihr erst eine Woche später heraus.

Aber genau dafür liebte ich Jade.



*** Nachwort der Autorin ***

Ich mag eigentlich keine Nachworte - aber zu diesem Text möchte ich kurz etwas loswerden, wenn ihn denn jemand bist hierher gelesen hat. Ich liebe die Show. Ich liebe Jade und Beck. Für mich sind die beiden jedoch sehr schwierige Charakter, in einer der hintersten Ecken in meinem Laptop finden sich viele Geschichten zu ihnen - irgendwnan will ich ihre Geschichte einmal aufschreiben. Die Idee zu diesem One-Shot kam mir genau vor 24 Stunden - gestern Abend und ich musste ihn einfach schreiben. Er ist mir nicht zu 100 % gelungen, aber ich mag ihn trotzdem sehr.
Ich hoffe, ihr mögt ihn auch - natürlich verdiene ich hiermit kein Geld und die Show gehört Nickelodeon / Dan Schneider.
Ich würde mich über eine Rückmeldung jedoch freuen, weil ich mir hier recht unsicher bin.
Liebe Grüße,
Ilea
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