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Ein Unglück kommt selten allein

von KiraCat
OneshotAllgemein / P12 / Gen
Diluc Ragnvindr Kaeya Alberich
27.10.2020
27.10.2020
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27.10.2020 686
 
Sonnenschein. Vogelgezwitscher. Ein sanfter Wind und blauer Himmel. Angesichts dieser vielversprechenden Umstände könnte man doch eigentlich meinen, dass heute ein herausragender Tag werden würde, oder?

Falsch. Ganz falsch.

Denn jeder Tag, den Diluc mit Kaeya verbringen musste, war automatisch ein schlimmer. Kaeya als Reisebegleitung zu haben brachte also nur einen einzigen Vorteil mit sich: Der Tag konnte nicht noch schlimmer werden als er ohnehin schon war. Kaeya sah das zwar (natürlich) anders, aber für Diluc war es eine tröstliche Mentalität, die die Anwesenheit des unerwünschten Begleiters zumindest ein wenig erträglicher machte - bis jetzt.

Oh, wie dumm er doch gewesen war. Wie naiv er doch gewesen war.

Vor Diluc und Kaeya erstreckte sich ein mehrere Meter breiter Fluss, der die beiden vom anderen Ufer und somit von ihrem Zielort trennte.

„Hm“, machte Kaeya beiläufig.

Diluc schnaubte nur entnervt. Diesem Fluss gehörte ein Orden verliehen. Er hatte doch allen Ernstes Diluc soeben dazu gebracht, sämtliche seiner Lebensentscheidungen zu hinterfragen - und das lediglich durch seine bloße Existenz. Eine Leistung, die noch nicht einmal Kaeya vollbracht hatte.

„Wir müssen da rüber“, stellte Kaeya nüchtern fest.

„Was du nicht sagst“, knurrte Diluc unzufrieden. Er hasste Wasser. Und wie. Allein bei der Vorstellung, gleich in das „erfrischende, kühle Nass“ springen zu müssen, wie die Schriftsteller es gerne romantisch formulierten, drehte sich ihm der Magen um. Aber hatte er eine andere Wahl?

Ja. Ja, die hatte er. Das Problem daran war, dass die zweite Option Hilfe von Kaeya erforderte. Sprich, die Entscheidung, vor die Diluc sich gestellt sah, glich der Wahl zwischen Skylla und Charybdis - und war trotzdem blitzschnell gefällt. Diluc würde ganz sicher nicht so tief sinken und diesen Möchtegern-Ritter freiwillig um Hilfe bitten. Also stand jetzt eben eine kleine, abscheuliche Schwimmstunde an.

Missmutig streifte Diluc sich den Mantel vom Körper und begann sein Hemd aufzuknöpfen, als ein scharfes Pfeifen ihn unterbrach. Es kam von Kaeya. Natürlich kam es von Kaeya, von wem denn auch sonst. „Glotz nicht so dumm“, fauchte Diluc ihn an. Kaeyas unverhohlener Blick entging ihm dabei nicht. „Wenn wir schon schwimmen müssen, muss ich doch zumindest keine zwanzig Schichten Stoff tragen.“

„Aber, aber. Wer sagt denn, dass wir überhaupt schwimmen müssen?“, widersprach Kaeya ruhig und grinste vielsagend.

Diluc spürte, wie seine Hand zu prickeln begann und danach verlangte, Keaya dieses idiotische Grinsen aus dem Gesicht zu klatschen.

„Überlass das nur mir“, beruhigte Kaeya Diluc und klopfte im Vorbeigehen auf dessen Schulter.

Diluc spürte die kalte Berührung durch den dünnen Stoff des Hemdes bis zu seiner Haut vordringen und biss die Zähne zusammen. Es regte ihn auf, wie Kaeya sich hier als der rettende Heiland aufspielte, der gleich irgendwelche ungeahnten Wunder vollbringen würde. Dabei waren Kaeyas Kräfte ihm selbstverständlich kein Geheimnis.

Wortlos sah Diluc zu, wie Kaeya am Flussufer stehenblieb und seinen Arm nach vorne schnellen ließ, woraufhin die Fluten auf dieses Kommando hin klirrend erstarrten und einen begehbaren Steg zur anderen Seite bildeten. „Voilà!“, kommentierte Kayea sein Werk, drehte sich süffisant lächelnd um und deutete mit einer Verbeugung auf die Eisbrücke. „Bitte sehr. So dürfte der Herr keine nassen Füße bekommen.“

Diluc zischte verächtlich, während er sich den Mantel wieder anzog. „Geh du vor. Ich will sehen, ob das Eis dick genug ist.“

Kaeya setzte eine gekränkte Miene auf. „Vertraust du mir etwa nicht? Wie überaus verletzend! Aber gut, wenn der Herr das wünscht...“ Mit einem theatralischen Kopfschütteln wandte Kaeya sich um und spazierte über den vereisten Fluss.

Theatralisch, es passte. Manchmal glaubte Diluc wirklich, Kaeya wäre besser auf einer Theaterbühne aufgehoben, auf der er Menschen etwas vorgaukeln konnte, was gar nicht war, falsch und verlogen wie seine Worte und seine Farce und alles, was er verkörperte, doch waren. Die Rolle einer Witzfigur, eines Narren, eines Clowns stünde ihm gut zu Gesicht.

Genervt stieß Diluc die Luft aus. Einmal mehr wurde ihm bewusst, wie sehr er diesen Kerl nicht leiden konnte. Er war so kurz davor, aus Wut und Trotz die Eisbrücke einfach zu ignorieren und nun doch durch den Fluss zu schwimmen, aber letzten Endes hielt ihn seine Scheu vor dem Wasser davon ab. Und so folgte er Kaeya, wenn auch widerwillig, über den Steg.
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