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when it rains it pours

von East
GeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Akaashi Keiji Bokuto Koutarou Sawamura Daichi Sugawara Koushi
26.10.2020
20.01.2021
8
17.168
12
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
26.10.2020 1.632
 
00 . okay


»I can’t help but think I haven’t felt this way since I asked you to go steady«
[[ level of concerntwentyonepilots ]]


Akaashi Keiji seufzte als er spürte wie Daichis Finger unter seinen Pullover wanderten. Entgegen der Annahme seines Freundes war es kein Geräusch des Gefallens und es dauerte auch nicht lang bis er die wandernde Hand durch den grauen Stoff von sich schob.

Überrascht sah Daichi ihn an und öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Akaashi kam ihm eilig zuvor.

„Wir sollten Schluss machen.“

Das Gefühl, das Daichi ergriff, kannte er bisher nur vom Fliegen. Das flaue Gefühl im Magen. Der Druck, der sich auf seine Ohren legte.

○●○●○●○


Noch Stunden später hallten Akaashis Worte in Sawamura Daichis Gedanken wider.  

Er dachte daran, als er das Fahrrad aus dem Innenhof von Akaashis Wohnheim schob. Es war ein grauer Winter und seine Finger fühlten sich schon nach wenigen Minuten taub an.

Er dachte auch daran, als er seinem Mitbewohner und bestem Freund Bokuto nur kurz zunickte, nachdem er die Tür zu ihrer gemeinsamen Wohnung aufgeschlossen und seinen Rucksack im Flur fallen gelassen hatte.

Er dachte daran, als er nachts wach lag und sich über seine gereizten Augen rieb. Immer wieder aktivierte er sein Handydisplay, in der Hoffnung sein Freund … Ex-Freund hatte ihm vielleicht eine Nachricht geschrieben. Ein schlechter Scherz, nichts weiter, oder ein Irrtum. Akaashi war in letzter Zeit oft nicht gut drauf gewesen, vielleicht war es nur eine Laune …

Gequält stöhnte er. Was machte er sich vor? Er war abserviert worden.

Mit zittrigen Fingern griff er abermals nach seinem Handy, seine Sicht leicht verschwommen von den Tränen, die in seinen Augenwinkeln brannten. Er öffnete die Galerie-App und scrollte durch den Ordner mit den Bildern von Akaashi, bei deren Anblick sein Gehirn auf Hochdruck arbeitend die Erinnerungen abspielte.

Bokuto und er hatten Akaashi vor etwa einem Jahr kennen gelernt. Sie hatten sich auf Anhieb gut verstanden, auch wenn Akaashi schon immer eher der Passive in der Beziehung war und jegliche Annäherungen von Daichis Seite kamen. Aber das war in Ordnung, weil er sich sicher war, dass Akaashi seine Gefühle genauso stark erwiderte …

Am Anfang hatte Akaashi auch noch glücklich gewirkt. Nie besonders euphorisch, aber glücklich. In letzter Zeit hatten sie sich auch nicht oft gesehen, Akaashi war entweder in der Bibliothek gewesen oder hatte andere … Ausreden.

Mehrere Minuten überlegte Daichi, den Bilderordner einfach zu löschen, während seine Zähne seine Unterlippe malträtierten. Erst als er etwas zu fest zubiss und seine Lippe mit Bluten anfing, konnte er sich aus dem Gedankenkarussell befreien.

Er konnte diese Bilder nicht löschen. Er wusste gerade nicht einmal, ob er das wollte.

Zumindest sein Sperr- und Hintergrundbild änderte er zu einem Foto, das seine Mutter ihm neulich geschickt hatte. Es zeigte seinen Hund Dobrek, einen Schäferhundmischling, wie er in die Kamera blickte und den Kopf schieflegte. Zuletzt hatte er ihn vor ein paar Wochen gesehen, als er über die Weihnachtsfeiertage nach Hause gefahren war.

Er studierte seit circa zwei Jahren in der Großstadt und in ihrer Wohnung waren keine Hunde erlaubt. Abgesehen davon, dass er neben dem Studium, seinem Job, seinen Hobbies und seiner Beziehung kaum Zeit hatte …

Plötzlich vermisste er seinen Hund, seine Eltern und ihr kleines Haus in der Vorstadt ganz schrecklich und rollte sich frustriert auf die Seite.

Erwachsen werden war scheiße.

○●○●○●○


Nachdem Daichi spät in der Nacht endlich in einen gnadenvollen Schlaf gefallen war, wurde er am nächsten Morgen von einem lauten Knall aus der Küche geweckt.

Das Fluchen, das direkt danach zu hören war, kam eindeutig von Bokuto, was bei Daichi nach einem erschrockenen Auffahren für ein genervtes Seufzen sorgte.

„An dem einen Tag, an dem ich mal ausschlafen will“, murmelte er und rollte sich erschöpft aus dem Bett. Wenige Sekunden später vernahm er ein Klopfen an seiner Tür und kurz darauf schob Bokuto seinen Kopf ins Zimmer.

Er lächelte entschuldigend und musterte ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Sorry, ich hab‘ dich bestimmt geweckt.“

Daichi murrte bestätigend und fuhr sich durch die kurzen Haare. Ehrlich gesagt könnte er mal wieder zum Friseur gehen. Aber selbst darauf hatte er nicht wirklich Lust. Ziellos sah er sich in seinem Zimmer um. In erster Linie wollte er Bokutos prüfendem Blick entgehen, andererseits fragte sich ein Teil von ihm immer noch, ob er nicht nur schlecht geträumt hatte.

„Ich wollte Frühstück machen“, Bokuto öffnete die Tür nun komplett, da Daichi seine Anwesenheit zu dulden schien. „Da ist mir die Kaffeedose runtergefallen. Sag mal, hast du in deinen Klamotten von gestern geschlafen?“

Daichi antwortete nur mit einem Schulterzucken und grinste müde. „Du meintest, es gibt Kaffee?“

○●○●○●○


Bokuto Kōtarō betrachtete wie Daichi an seinem Kaffee nippte, der viel zu bitter schmeckte und müde in seinem Rührei stocherte, das viel zu trocken war. Er war kein guter Koch, aber er wollte seinem besten Freund das Gefühl vermitteln, dass er für ihn da war.

Unbeholfen lehnte er sich an die Küchenzeile und umklammerte seine eigene Kaffeetasse. Gedankenverloren fuhr er mit einem Finger über das kleine Schaf, was auf dieser abgebildet war und in einer Sprechblase ‘Guten Morgen!‘ verkündete. Er besaß die Tasse schon fast so lange, wie er Daichi kannte – also seit dem Kindergarten.

Es hatte immer etwas Nostalgisches, wenn sie zusammen frühstückten. Manchmal fühlte er sich noch wie der kleine Junge, der bei seinem Schulfreund übernachtet hatte und mit dem er sich aufgeregt über den Cartoon unterhielt, der im Fernsehen lief, während sie ihre Cornflakes aßen. Bei der Erinnerung huschte ein Lächeln über seine Lippen.

„Woran denkst du?“, fragte Daichi, der seit ein paar Minuten überlegte, wie er Bokuto mitteilte, dass das versalzene Rührei nicht essbar war. Er entschied sich für den Weg des geringsten Widerstands und legte einfach seine Gabel nieder.

„Ich musste an diese Serie denken, die wir früher immer gesehen haben. Mit den beiden Eichhörnchen“, Bokuto lachte. „Wir haben uns immer gestritten, wer der coole mit dem Hut sein darf.“ Daichi hatte am Ende immer gewonnen.

„Es waren Erdhörnchen“, Daichi konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als er vor seinem inneren Auge sah, wie ihre jüngeren Versionen über Sofas und Sessel tobten, sehr zum Unmut seiner Mutter, um ihre Nager-Helden nachzuahmen.

Bokuto grinste noch immer breit, als er einen großen Schluck aus seiner Tasse nahm. Angewidert verzog er das Gesicht. „Bitter“, antwortete er auf Daichis fragenden Blick und stellte seinen halb getrunkenen Kaffee auf der Küchenanrichte ab. „Also … was ist los bei dir?“

Daichis Mundwinkel wanderten nach unten und die Müdigkeit kehrte in seine Augen zurück. „Akaashi hat Schluss gemacht“, murrte er kaum hörbar und rieb sich über die Stirn. „Gestern Nachmittag, als ich bei ihm war.“

„Oh“, kam die wenig hilfreiche Reaktion von Bokuto.

Daichi blickte nicht auf, er wollte den betretenen Blick nicht sehen, den sein bester Freund ihm vermutlich zuwarf. Was sollte er auch groß sagen … Aber Oh? Das war schon ein wenig armselig, oder nicht?

Er wusste nicht, was er erwartete. Sicher kein klischeehaftes Du bist eh viel zu gut für ihn oder so etwas. Aber Oh?

Vermutlich war er müde und darum viel zu leicht zu irritieren. Er versuchte sich seine enttäuschte, ja fast schon wütende Reaktion nicht anmerken zu lassen. „Na ja, ich hau mich nochmal hin“, murmelte er und stand auf, ohne den Blick zu heben.

„Ich hab heute Spätschicht“, hörte er Bokuto noch rufen, bevor seine Zimmertür ins Schloss fiel. Sein Gesicht tat weh von der Grimasse, die er gezogen hatte, um seine Tränen zurückzuhalten, als diese ihn – unter dem Schutz seiner Bettdecke – endlich übermannten.

○●○●○●○


Das zweite Mal, das Daichi an diesem Tag geweckt wurde, war von der Haustür, die ins Schloss fiel. Vermutlich war Bokuto nun auf dem Weg zur Arbeit.

Daichi war irgendwann unter seiner Decke eingeschlafen. Abgesehen von seiner gereizten Nase und seiner nassen Wange fühlte er sich nun zumindest einigermaßen erholt. Während er sich aufsetzte und nach seinem Handy griff, rieb er sich den letzten Schlaf aus den Augen. Verärgert stellte er fest, dass sein Akku alle und sein Ladekabel noch in seinem Rucksack war.

Widerwillig schlurfte er in den Flur. Gegenüber seiner Tür klebte ein Zettel an der Wand, offensichtlich von Bokuto platziert, damit er ihn nicht übersehen konnte.

Wir haben noch TK-Pizza, wenn du Hunger bekommst :)


Daichi beachtete die Nachricht nicht weiter, sondern schnappte sich seinen Rucksack, um sich wieder in seinem Zimmer zu verbarrikadieren. Er wollte keine Pizza, er wollte die selbstgemachten Teigtaschen von seiner Mutter …

Ein Gedanke schlich sich in sein Bewusstsein. Er hatte sich die nächsten zwei Wochen frei genommen, weil Akaashi angekündigt hatte, dass er nach einer längeren Prüfungsphase endlich mehr Zeit hatte. Warum fuhr er nicht einfach für ein paar Tage nach Hause?

Eine Pause von seinem Leben hier würde ihm guttun. Eine Pause von Bokuto momentan auch.

○●○●○●○


A/N: Danke, erstmal an alle, die bis hierhin gelesen haben :)

Ich hab eine ewig lange Schreibpause gemacht und das hier ist nach längerer Zeit entstanden. Es wird ungefähr 6 oder 7 Kapitel geben von denen 5 schon geschrieben sind, also gibt es tatsächlich regelmäßige Updates (that’s a first for me!)

Ich möchte meiner liebsten lieblichen Betaleserin Laydyfacepalm danken, die wie immer ein Auge auf meine Schachtelsätze und Kommafehler hatte und fleißig mit mir am fangirlen war.

Auch danke nochmal an alle, die diese FF hier lesen, das freut mich wirklich unglaublich <3 Ich weiß es ist noch nicht sonderlich viel passiert, aber ich hoffe ihr gebt diesem kleinen Projekt eine Chance :)
- East

Zwei Kleinigkeiten noch!
- die "Zeitsprungtrenner" waren eigentlich kleine Piktogramme mit denen ich total coole Sachen vorhatte, aber die kann man hier ja leider nicht einfügen :(
- und die Songlyric am Anfang sind meistens Songs, die mich  zu irgendwas in dem Kapitel inspiriert haben oder die Stimmung ein bisschen wieder geben sollen, also wer mag, kann ja mal reinhören :)
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