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Von Erinnerungen gejagt

von E-Angel
OneshotAllgemein / P12 Slash
OC (Own Character)
26.10.2020
01.11.2020
5
5.137
4
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Dieses Kapitel
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26.10.2020 1.460
 
Stumm blickt der kleine Junge seinen Gegenüber an. Er hatte die tägliche Befragung ob ihm ein neues Detail eingefallen ist satt, denn so wird er jeden Tag aufs neue an den schlimmsten Tag seines Lebens hingewiesen. Zudem will er einfach nicht glauben, dass seine Mutter eine Affäre hatte. Warum denn auch, sie liebte seinen Vater doch.

"Also gut, du kannst gehen." Murmelt der Soldat und blickt wie jedes mal einfach nur aus dem Fenster. Seit einem Jahr beschäftigt er sich damit, die passende Antwort aus dem kleinen Jungen zu bekommen, den Betrug ans Licht zu bringen und auf der Stufe des Erfolges weiter nach oben zu klettern. Doch jeden Tag wenn er das Zimmer des neunjährigen betritt taucht dieses seltsame Gefühl in seiner Magengegend auf. Er beginnt sich unwohl und schlecht zu fühlen, einen kleinen Jungen so zu quälen. Zu wissen, dass er vor einem Jahr sowohl seine Mutter und seine Schwester verloren hat und nun in einem solch jungem Alter in die Armee der Feuernation gesteckt wurde ist schon ein beängstigender Gedanken, und ein Erlebnis was man keinem Kind der Welt wünscht.

Als er hört wie sich der Stuhl etwas bewegt und anschließend Schritte ertönen blickt der Soldat wieder zu dem Jungen. Langsam geht er auf die alte Holztür zu, zieht seine schwarzen Stiefel an und verlässt den Raum. Kurz darauf erhebt auch der junge Mann sich und begibt sich auf das bereits gemachte Bett zu. Jeden Tag sitzt der Kleine dort und wartet auf ihn, das Bett ist dabei schon in einen ordentlichen Zustand.

Seufzend blickt er zu dem kleinen Nachttisch, auf welchem eine weiße Kerze und ein Bild positioniert sind. Tag für Tag kommt er nicht umher das Bild zu betrachtet, und auch heute scheint ihn das Bild wieder in den Bann zu nehmen. Langsam hebt er es hoch und blickt er zu dem Ehepaar. Der Vater des Jungen, war ein guter Offizier, der seine Familie schon vor längerer Zeit verlassen hat und im Kampf gegen den Wasserstamm sein Leben gab. Seitdem hatte sich die Mutter alleine um die Zwillinge gekümmert. Der Junge mit der Gabe des Feuers und das Mädchen mit dem Fluch des Wassers.
Wie immer läuft den Soldaten ein Schauer über den Rücken, sodass er das Bild schnell zurück an seinen Platz stellt und das Zimmer verlässt. Der Junge müsste jetzt beim Training sein.

Und genau damit hatte der Soldat recht. Taro befindet sich bereits am Trainingsplatz und macht jede Bewegung seines Lehrers nach. Feuerbändigertechnicken, alte und neue. Er lernt sich mit seinen Händen und Füßen zu verteidigen, aber auch das Angreifen lernt er. Seine braunen Haare, die ihn bei der aktuellen Länge nur stören würden hat er mit einem schwarzen Band zusammen gebunden, und seine leeren grauen Augen haben sich an den Körper des Älteren geheftet.

Nach einer Weile entschließt sich der Mann dazu, dass sein Schüler zu den Bewegungen sein Feuer mit benutzen soll. Dafür tritt er selber einen Schritt zur Seite und mustert den Jungen kritisch. Seit einem Jahr versucht es ihm die Kampftechnicken zu zeigen, doch immer dann wenn es zum Bendigen kommt scheint der Brünette wie blockiert.

"Na dann los." Ertönt die raue Stimme des Älteren. Kurz schließt Taro seine Augen und holt einmal tief Luft. Er muss sich zusammen reisen, egal was kommt, er muss bendigen. Schnell löst er sich aus seiner Position, geht mit dem linken Fuß einen Schritt nach vorne und ist schon dabei mit seiner rechten Faust auszuholen. Er spürt wie sein Körper immer wärmer wird und vorallem in seiner Faust bündelt. Ein lauter Schrei eintflieht seiner Kehle als er den Schlag setzt, doch wieder erscheint kein Feuer. Stattdessen steht der Brünette wie festgefroren da, seine Augen weit geöffnet und sein Körper zittert leicht. Sein Körper schmerzt von der Wärme die er nun krampfhaft versucht zurück zu halten, während seine grauen Augen von genau den selben Augen gefesselt werden.
Wie immer dann wenn er das Feuer bendigen will erscheint sie vor ihm und blickt ihn wütend an. "Es ist deine Schuld." Flüstert das Mädchen und automatisch bilden sich Tränen in Taros Augen. "Es ist deine Schuld." wiederholt die Brünette und drückt die kleine Stoffpuppe in ihrer Hand fester an sich.

Auch in ihren Augen bilden sich nun Tränen, als würde sie den Schmerz ihres Bruders spüren und öffnet wieder den Mund. "Es ist deine Schul!" Schreit sie nun so laut wie möglich, doch nur Taro ist es der sie hört und sieht. Ihm fließen die Tränen nun unaufhaltsam die Wangen runter, er sackt auf den Knien zusammen und hält sich die Ohren zu. "Es ist deine Schuld." Nun kniet sie sich direkt vor ihm hin und zwingt ihn dazu sie anzusehen. "Du hast Papa versprochen uns zu beschützen. Du hast Mama versprochen mich nie alleine zu lassen, und nun sind wir tot und du lebst." Ihre Worte sind nur noch ein Flüstern, welches in seinem Kopf wieder und wieder ertönt. "Es ist deine Schuld dass wir tot sind. Du hast nichts getan um uns zu schützen, sondern nur zugeschaut."
Schnell schüttelt Taro seinen Kopf, er will das nicht hören. Jedes mal wenn er Trainiert taucht sie auf und sagt ihm das was er bereits weiß, und jede Nacht quälen ihn ihre traurigen Augen.

Nach einer Weile gibt er jedoch nach, vergräbt sein Gesicht in seinen Händen und beginnt zu schluchzen. "Es ist meine Schuld. Bitte, Papa, Mama, Kaya vergebt mir. Es ist meine Schuld."
Immer wieder murmelt er diese Worte vor sich hin, bis er einen kräftigen Schlag gegen seinen Rücken spürt und mit einem Schrei endgültig nach vorne kippt.

Feste kneift der Junge seine Augen zusammen und versucht dann langsam wieder aufzustehen. Wenn er eines in seinem Jahr als Soldat gelernt hat, dass ist es niemals am Boden liegen zu bleiben. Dennoch trifft ihn schon der nächste Schlag gegen den Rücken bevor er überhaupt seinen festen Stand wieder gefunden hat. "Wie erbärmlich." Zischt sein Lehrer und holt wieder mit dem Holsstab aus, um ihn dann in die Seite zu schlagen. Nun reißt Taro seine Augen weit auf und keucht vor Schmerzen. Es ist genau die selbe Stelle an der er gestern schon getroffen wurde.

"Du bist erbärmlich und besitzt keinerlei Ehre." Wieder holt er aus und schlägt zu, während der Neunjährige langsam versucht aufzustehen. "Du bist nicht für den Verrat deiner Mutter zuständig und solltest über dieses Gör kein Wort mehr verlieren. Bemüh dich lieber darum, die Ehre deiner Familie wiederherzustellen." Nochmals trifft ihn der Stab schmerzhaft am Rücken und jagen ihm erneut Tränen in die Augen, aber er versucht trotzdem wieder aufzustehen.

"Er hat recht, du bist erbärmlich. Lässt dich von einem alten Mann verprügeln. Du bist eine Schande." Ertönt nun wieder die Stimme seiner Schwester und er ballt seine Hände zu Fäusten zusammen. "Seid Still!" Schreit der Junge und beginnt wild um sich zu schlagen. Bei jedem Schlag und Tritt entweichen seinen Händen und Füßen kleine, stechend heiße Flamme, welche sich an den verschiedensten Trainingsgeräten festsetzen und diese niederbrennen. "Lasst mich doch endlich alle in Ruhe!" Wieder holt er aus und erwischt dieses mal seinen Lehrer, der schützend seine linke Hand vor sein Gesicht hält und sich an den Flammen des Jungen verbrennt.
Ein breites Grinsen erscheint auf den Lippen des alten Mannes während er dem Jungen weiterhin zuschaut.

Erst am späten Abend beginnt Taro sich etwas zu beruhigen und sackt erschöpft auf seinen Knien zusammen. Er hat den ganzen Trainingsplatz verwüstet, aber das ist ihm egal. Stattdessen rappelt er sich langsam und mit Mühe wieder auf und begibt sich zurück in sein Zimmer.

Dort angekommen legt er sich sofort, mitsamt der Kleidung und den Schuhe in sein Bett und nimmt das Bild seiner Familie in die Hand. Eine Weile betrachtet er dieses Stumm ehe er das Bild aus seinen Rahmen nimmt und mit der anderen Hand eine kleine Flamme erzeugt. Lächelnd betrachtet er das Bild und wie die Flamme es langsam aber sicher vernichtet. Sein Körper schmerzt, seine Augen sind gerötet und das Stechen in seinem Herzen nimmt etwas ab. Er hat sich endlich von seinen Schuldgefühlen und dem unendlichen Schmerz gelöst, ab jetzt gibt es für Taro nur noch ein Ziel:  Die Ehre seiner Familie wiederherstellen.



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So, hier beginnt nun endlich mein Halloween Special. Leider habe ich nur von drei Personen eine Rückmeldung bekommen, dass sie ein Kapitel haben wollen.
Wie ihr sicherlich schon gemerkt habt, dass der erste OneShot hier um Taro geht, wobei ich selber mit diesem Kapitel sehr unzufrieden bin, aber die nächsten werden hoffentlich besser.  

Also viel Spaß bei unserer Halloween-Woche, lasst euch überraschen, wer als nächstes  dran kommt.

LG Eve
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