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Höllenkreise

von xanonyme
MitmachgeschichteAbenteuer, Horror / P18 / Mix
26.10.2020
18.04.2021
46
180.143
10
Alle Kapitel
166 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
08.04.2021 3.039
 
Es tut mir echt leid, dass ich noch nicht zum Antworten gekommen bin. Aber ich werde das in Bälde nachholen - versprochen :D.
Ich hab Ende April eine große Prüfung, für die ich lernen muss, und dementsprechend neigt sich mein Kapitelvorrat  langsam dem Ende zu. Deshalb muss ich ein bisschen sparen und es gibt zumindest am vierten Arenatag voraussichtlich immer nur einen POV. Aber so kann ich zumindest trotzdem regelmäßig updaten. Jetzt viel Spaß - oder so.



Arena Tag 4 - Bekenntnisse I


Dara Hill (Distrikt 6)



Dara wachte am vierten Arenatag früh auf. Ariadne war die letzte gewesen, welche Wache gehalten hatte und obwohl Dara selbst nicht gut und nicht lange geschlafen hatte, wollte ihr Körper ihrem Kopf nicht mehr gehorchen, sodass sie noch eine Zeit lang Ruhe finden hätte können.
Sie stand auf und streckte sich einmal komplett durch. Am Vortag war es ruhig gewesen. Jonte und sie hatten Ariadne die Stadt gezeigt. Sie waren sogar etwas außerhalb gewesen, aber da befand sich wohl so etwas wie eine Sumpfgegend und aus diesen Sümpfen stiegen Dämpfe auf, die Dara lieber nicht eingeatmet hatte. Den anderen beiden war es ähnlich ergangen und so waren sie wieder umgekehrt.
Die Stadt hatte leider weder Nahrung noch Wasser geborgen, so sehr sie auch danach gesucht hatten. Aus den Wasserhähnen kam eine schwarze Flüssigkeit, welche niemand von ihnen hatte anrühren wollen. Es hätte Dara sehr geärgert, wenn das Kapitol einfach nur das Wasser gefärbt hätte, um die Tribute davon abzuschrecken, es zu trinken. Zugetraut hätte sie es den Spielemachern auf alle Fälle. Aber Dara würde sicherlich nicht das Versuchskaninchen sein, welches ausprobierte, ob die Flüssigkeit nicht doch trinkbar war. Jonte auch nicht, immerhin brauchte sie den noch. Und obwohl sie sich manchmal nicht ganz einig waren, war Dara seine Anwesenheit recht angenehm. Sie hätte es schlimmer treffen können. Zum Beispiel mit Jaysen.
Die Sechserin war nicht direkt froh, dass er tot war, nein. Sie hätte Jaysen von Herzen vergönnt, dass er leben würde, allerdings war man in den Spielen und da durfte man schon einmal etwas erleichtert sein, wenn gewisse Leute nicht mehr mitspielten. So liefen die Dinge hier. Wenn Dara überleben wollte, dann würden alle anderen außer Jonte sterben müssen.
Eine weitere Person, welche sterben musste, damit sie leben konnte, blickte sie gerade aus blauen Augen von der Ecke der Gebäudes, in welchem sie übernachtet hatten, an. Aber noch war nicht die Zeit hierfür. Wer wusste schon, wozu Ariadne noch gut sein würde. Auch wenn Dara zu Beginn nicht begeistert über das neue Bündnis gewesen war – sie war es immer noch nicht – musste man sich das im Hinterkopf behalten. Jonte hatte da schon recht. Aber es störte Dara gewissermaßen, dass sie sich, seit Ariadne hier war, nicht mehr alleine mit ihrem Teampartner unterhalten hatte können. Irgendwie fühlte sie sich nicht wohl dabei, in Ariadnes Gegenwart offen zu sprechen und so hatte sie die meisten ihrer Gedanken seit dem gestrigen Tag für sich behalten.
„Guten Morgen“, sagte Ariadne.
Dara nickte ihr zu. Dann wandte sie sich ab und weckte Jonte. Der schien zu schlafen wie ein Stein und es dauerte eine Weile, bis er kapierte, dass es Zeit war, aufzustehen. Als er schließlich doch die Augen aufschlug, setzte er sich auf, rieb sich kurz beide Schläfen, schüttelte energisch seinen Kopf und sah Dara freudig an.
„Was ist denn?“, fragte sie verwundert.
„Ich habe keine Kopfschmerzen mehr“, erwiderte er und sprang auf.
„Du hattest Kopfschmerzen?“, fragte Dara.
In den ganzen Tagen, in welchen sie nun bereits aufeinander klebten, hatte Jonte nie Kopfschmerzen erwähnt. Wenn, dann nur ganz am Rande.
„Ja, ich… ach vergiss es“, sagte er.
Er sprang zwei, drei Mal auf und ab. Der Siebener schien heute ja wirklich bester Laune zu sein.
Ariadne erhob sich aus der Ecke und gesellte sich zu ihnen.
„Kopfschmerzen?“, fragte sie interessiert, „Entzugserscheinungen?“
Jonte blickte Ariadne an und zog seine Augenbrauen zusammen.
„Äh, nein, wieso?“
„Ich habe dich im Kapitol manchmal rauchen gesehen.“
Jonte schien die Aussage nicht zu gefallen. Er antwortete nichts mehr, sondern schob sich stattdessen einen Cracker in den Mund.
Aber Dara dämmerte, dass Ariadne recht haben könnte. Tatsächlich waren Kopfschmerzen Nebenwirkungen von einem Nikotinentzug. Umso besser war es, wenn Jonte das Schlimmste überstanden hatte. Möglicherweise hatte er sich auch deshalb in den letzten Tagen etwas zickiger aufgeführt als noch in der Zeit vor der Arena.
„Was ist der Plan für heute?“, erkundigte sich Ariadne, als Jonte fertig gegessen hatte und die Packung herumreichte.
„Ja, was denn schon, ey?“, erwiderte er, „Wir suchen weiter nach Wasser und Nahrung. So schwer kann das ja nicht sein, ernsthaft, ey.“
„Hah, du bist aber lustig“, entgegnete Ariadne, „Also bisher haben wir nichts gefunden. Ich weiß auch nicht, wo du noch nachsehen willst.“
Jonte zuckte mit den Schultern.
„Dann müssen wir eben durch die Sümpfe, ey. Außerdem sind es Sümpfe. Da ist auch Wasser.“
„Das kann man sicherlich nicht trinken.“
„Ey, hast du eine bessere Idee?“
„Jonte hat recht, Ariadne“, schaltete Dara sich ein. Es würde ihnen wirklich nichts anderes übrig bleiben. Sofern ihr Mentor Ariadne nicht wieder Wasser und auch Nahrung schicken würde, müssten sie sich selbst darum kümmern. Und die Packung Cracker, welche Jonte gerade angebrochen hatte, war die letzte. Getrunken hatten sie seit dem Vortag nichts mehr und Dara hatte einen extrem trockenen Mund.
„Okay“, meinte Ariadne und stemmte ihre Hände in die Hüften, „Na dann. Hier hält uns ja nichts mehr, oder? Gehen wir los.“
Es gab wirklich nichts, was dagegen sprach, also nickte Dara. Sie warteten, bis Jonte den Rucksack gepackt hatte und dann marschierten sie los.
Außerhalb der Steinhütte war es noch recht kühl, das sprach dafür, dass es wirklich noch früh am Morgen war. Die Luft roch gut, zumindest besser als in den Bergen und zwischen den Steinen, was Dara verwunderte. Natürlich konnte es auch sein, dass ihr nur vorkam, als gäbe es hier eine gute Luft, weil sie die ganze Nacht Staub eingeatmet hatte. Ja, in der Tat war das die wahrscheinlichere Variante.
Jonte bog nach rechts ab und Dara folgte ihm. Ob Ariadne mitkommen würde oder nicht, war ihr egal. Allerdings hörte sie die Schritte hinter sich. Also war die Elferin wohl ohne zu Jammern dabei. Die Richtung, in welche sie gingen, führte von den Bergen weg und wieder hin zu den Sümpfen. Dara war nicht wohl dabei, dort jetzt hineinzugehen, oder sich auch nur in die Nähe zu bewegen, aber was hatten sie für eine Wahl? Richtig, keine.
Dara bemerkte nach einer Weile, dass Jonte seine Schritte immer weiter beschleunigte und sie hatte große Mühe, mit ihm mitzukommen. Ariadne ging es wohl nicht anders, allerdings hielt sie sich dran.
Irgendwann hielt Dara Jonte auf.
„Was hast du denn für einen Stress?“, fragte sie, „Wir kommen fast nicht mit.“
„Ich will nur aus der Stadt raus, ey“, gab Jonte zurück, während er sich umdrehte.
„Aha, und warum?“
Er seufzte.
„Mann, ich muss mal, okay?“
Dara sah das Problem nicht.
„Dann geh doch hier irgendwo.“
„Das find ich komisch“
„Wieso? Das ist keine normale Stadt, das ist die Arena. Besser, du gehst hier, als dass wir alle unsere Kräfte verbrauchen, nur, damit wir schnell hier raus sind. Eine halbe Stunde gehen wir sowieso locker noch.“
Jonte schien es tatsächlich einzusehen und drückte Dara seinen Rucksack in die Hand, nachdem er die Axt herunter genommen hatte.
„Sollen wir hier warten?“, fragte Ariadne.
„Nein, ey, ich brauch keinen Babysitter dafür“, blaffte Jonte, „Geht langsam vor.“
Weil Dara keine Lust darauf hatte, mit ihm zu diskutieren, nur weil er sich schon wieder so anstellte, kam sie seinem Vorschlag nach.
„Komm, Ariadne“, sagte sie, nachdem Jonte hinter einer Ecke verschwunden war. Er würde sie schon einholen, immerhin würden sie sich nun wirklich nicht mehr stressen. Daras Magen knurrte – der eine Cracker hielt jetzt schon nicht mehr an und das war auch nicht verwunderlich.
Eine ganze Weile lang gingen Dara und Ariadne nebeneinander her, schweigend. Dara fand es immer sehr unangenehm, wenn sie Konversation mit jemandem betreiben sollte, den sie nicht gut kannte. Sie war einfach nicht der Mensch für Smalltalk, fand auch keine Themen dafür. Worüber sollte sie denn auch reden? Über das Wetter? Sie lachte über ihren eigenen Gedanken.
„Was ist?“, fragte Ariadne, welcher das wohl nicht entgangen war.
Dara aber schüttelte nur den Kopf.
„Nichts“, gab sie zurück.
Als sie um die nächste Ecke bogen, blieb Dara kurz stehen und öffnete ihre Jacke. Sie richtete das Messer in der Innentasche. Diese Tasche war zwar wirklich dafür konstruiert, dass Waffen darin getragen werden konnten, ohne, dass sie kaputt wurde, aber es drückte unangenehm gegen ihre Rippen.
Gerade als sie wieder aufblickte und weitergehen wollte, hielt Ariadne sie zurück und zog sie schnell wieder hinter das Gebäude, hinter welchem sie gerade hervorgekommen waren.
Dara sah sie verwirrt fragend an, Ariadne legte sich einen Finger auf die Lippen, deutete in die Richtung, welche sie gerade zuvor eingeschlagen hatten, und flüsterte: „Distrikt Acht.“
Distrikt Acht. Liron war schon tot, also konnte das nur eines bedeuten. Ariadne hatte Twyla erblickt.
„Alleine?“, flüsterte Dara möglichst leise zurück.
Ariadne nickte.
Aber wo war dann Castor? Der war ja ihr Teampartner. Hatten sich die beiden auch hier in der Arena dermaßen zerstritten, dass sie gar nicht miteinander unterwegs waren? Möglich war es. Immerhin hatten sie vor der Arena keine Gelegenheit ausgelassen, sich gegenseitig anzukeifen. Es war also nicht nur möglich, sondern sogar ziemlich wahrscheinlich, dass sie gar nicht zusammenarbeiteten.
Alleine würde Twyla keine Gefahr sein. Das teilte Dara Ariadne mit.
Die Elferin legte ihren Kopf etwas schief und setzte einen mitleidvollen Blick auf. Bevor Dara fragen konnte, was der zu bedeuten hatte, redete Ariadne von sich aus.
„Wir müssen sie angreifen, Dara.“
„Was? Nein!“
Beinahe hätte Dara zu laut geredet, aber sie hatte sich noch zusammenreißen können. Aber das konnte Ariadne doch nicht ernst meinen. Sie würde Twyla nicht angreifen. Immerhin hatten sie sich im Training verstanden.
„Dara, es tut mir leid. Aber es sind nur noch vierzehn Tribute im Rennen. Wir können nicht mehr auf irgendwelche Befindlichkeiten achten. Du kannst nicht mit Twyla gewinnen, sondern nur mit Jonte. Akzeptiere das.“
Der Blick, mit welchem die Elferin Dara besah, war eindeutig. Entschlossen, kriegerisch. Ariadne würde kein Nein akzeptieren. Und Dara musste eingestehen, dass sie recht hatte. Innerlich widerstrebte es ihr. Aber musste sie nicht auch an sich denken? Würde sie so eine Gelegenheit noch einmal bekommen? Immerhin war Ariadne bei den Karrieros aufgenommen worden. Sie würden also klar im Vorteil sein.
Also nickte Dara und sah zu, wie Ariadne ein Messer zog. Sie tat es ihr gleich und gemeinsam schlichen sie um die Ecke.
Twyla saß mit dem Rücken zu ihnen vor einem Steinhaus und schien ihre eigene Hüfte zu inspizieren. War Twyla verletzt? Wie war das passiert?
Nein, Halt! So durfte Dara nicht denken. Das hier waren die Spiele und es war absolut kein Platz für so etwas. So leid es ihr tat, Twyla musste sterben, wenn sie leben wollte. Und Dara wollte leben.
Sie schlich Ariadne also weiterhin nach.
Diese näherte sich so weit an, bis es auffällig werden würde. Irgendwann würde Twyla etwas hören, das war ganz klar. Man konnte leise gehen, aber nicht so leise, dass man nahe genug herankommen würde, um ein Messer zu werfen, ohne bemerkt zu werden.
Ariadne blieb kurz stehen und Dara tat es ihr gleich. Die Elferin warf ihr einen Blick zu und bedeutete ihr dann mit den Fingern, dass sie hinlaufen würden müssen. Innerlich stimmte Dara zu und nickte. Man würde den Überraschungsmoment ausnutzen müssen, was klappen könnte, vor allem, wenn Twyla verletzt war. Vielleicht würde sie sich gar nicht so schnell bewegen können.
Als Ariadne lossprintete, drehte Twyla sich sofort um. Und Dara blieb wie angewurzelt stehen. Der Blick, den Twyla im Gesicht hatte, als sie Dara sah, schockierte sie. Sie konnte nicht mehr weiterrennen. Sie konnte nicht angreifen. Ariadne würde das selbst erledigen müssen. Aber Dara würde sie nicht davon abhalten.
Plötzlich hörte Dara hinter sich Schritte. Sie waren schnell, eindeutig lief da jemand auf sie zu. Dann ging alles ganz schnell. Sie drehte sich um, sah Jonte mit erhobener Axt auf sie zulaufen, offenbar hatte er eine andere Strecke gewählt.
Ariadne verringerte die Distanz zu Twyla, hob den Arm an. Twyla war aufgestanden und warf sich auf die Seite, als sie erkannte, dass Ariadne ein Messer werfen würde. Es verfehlte. Ariadne zog das nächste. Jonte flitzte an Dara vorbei, ignorierte sie komplett. Er sprang Ariadne mit Anlauf von hinten an, warf sie auf den Boden, bevor das nächste Messer ihre Hand verlassen konnte, befestigte sie mit dem Gesicht voraus mit seinen Knien auf dem Boden, holte aus und trieb ihr seine Axt mit aller Kraft, die er aufbringen konnte, in den Hinterkopf.
Die Kanone knallte durch die Arena und das Echo hallte zwischen den Straßen wider.
Dara stand immer noch auf dem gleichen Platz. Sie war unfähig, sich zu bewegen. Sie sah nur zu, wie Jonte sich aufrichtete und die Axt aus Ariadnes Hinterkopf entfernte.
Er keuchte.
„Twyla“, stieß er hervor, immer noch komplett außer Atem.
Die Achterin sah von Jonte zu Dara, wieder zu Jonte. Die Augen waren weit aufgerissen und Dara verspürte das Bedürfnis, etwas zu sagen, sich zu entschuldigen, aber dazu kam sie nicht.
„Scheiße, haut ab!“, rief Twyla.
Sie deutete ihnen auch mit den Händen, dass sie sich entfernen sollen.
„Twyla, ist alles…“, begann Jonte, aber er wurde sogleich wieder unterbrochen.
„Ich habe gesagt, ihr sollt abhauen. Castor ist in der Nähe. Wenn er euch sieht, macht er kurzen Prozess. Also…“
Das ließ Dara sich nicht zweimal sagen. Sollte Jonte doch hier bleiben, wenn er meinte. Sie würde sich ganz sicher nicht von Castor abstechen lassen. Sie machte am Absatz Kehrt und rannte, so schnell sie konnte. Irgendwann hörte sie hinter sich Schritte. Panisch drehte sie sich um. Aber es war nur Jonte, der ihr nachgekommen war.
Dennoch blieb Dara nicht stehen. Erst, als sie das Gefühl hatte, genug Straßen hinter sich gelassen zu haben und oft genug abgebogen zu sein, machte sie Halt und krümmte sich zusammen. Sie hatte Seitenstechen.
Dara hatte gehört, dass es half, wenn man sich die Faust in die Seite hineindrückte und sich nach unten beugte. Das tat sie, aber es wurde nicht besser, als sie sich wieder aufrichtete.
Neben ihr blieb Jonte stehen. Er keuchte auch. Dieses Mal war er langsamer gewesen als sie. Dara war zu sehr von ihrer Angst getrieben gewesen und außerdem hatte Jonte davor schon einen Sprint hingelegt. Gerade wollte sie ihm dazu gratulieren, Ariadne los geworden zu sein, da sah sie in sein Gesicht und verstummte.
Die Mimik ihres Teampartners hatte sich gewandelt. Vollkommen wütend und entgeistert gleichzeitig blickte Jonte Dara an.
„Was zum Teufel war das, Dara?“, rief er in einer derartigen Lautstärke, dass Dara Angst bekam, man könnte es in der gesamten Arena hören.
Zuerst wusste sie nicht, was er meinte.
„Was denn?“, fragte sie kleinlaut.
Irgendwie war Jonte ihr gerade nicht geheuer. Nicht, weil er Ariadne umgebracht hatte, nein. Dara war ebenso bereit dazu, jemanden umzubringen. Aber sie war schockiert, weil er sie gerade so angeschrien hatte.
„Was ist?“, zischte er, „Ey, hast du sie noch alle? Ihr habt Twyla angegriffen. Ich hab gedacht, du tickst normal. Aber du kannst doch nicht einfach mit Ariadne gemeinsame Sache machen und Twyla killen!“
Nun begann Dara zu verstehen. Jonte war noch nicht so weit wie sie. Er hatte nach wie vor Hemmungen, jemanden umzubringen, obwohl er es gerade selbst getan hatte. Aber offenbar unterschied er hierbei noch, um wen es sich dabei handelte.
„Jonte, du musst verstehen…“, begann sie, wurde aber unterbrochen.
„Was muss ich verstehen, hä?“
Und da kam Dara eine Eingebung. Sie musste es ihm nicht erklären. Dara war sich nicht einmal sicher, ob er es überhaupt verstehen würde und noch zu ihr halten würde, wenn er wüsste, was sie getan hatte. Beziehungsweise was sie nicht getan hatte. Also wechselte Dara die Taktik.
„Jonte, du musst verstehen“, sagte sie ruhig und etwas weinerlich, „dass ich nichts tun konnte. Ariadne ist einfach losgesprintet. Ich war so schockiert. Ich habe mein Messer in der Innentasche zurecht gerichtet und gar nicht auf die Umgebung geachtet. Und dann war sie weg. Und als ich es gemerkt habe, war ich so geschockt, ich konnte nichts tun.“
Sein Blick war immer noch kritisch, aber er ließ die Schultern etwas sinken.
„Es tut mir leid“, fügte Dara also noch hinzu, „Es tut mir sehr leid, Jonte. Ich wusste wirklich nicht, was ich tun sollte. Das hat mich einfach vollkommen überfordert. Weißt du, das Ganze hier ist für mich auch nicht einfach. Ich muss mir das auch eingestehen. Und dir auch, denn du bist mein Teampartner. Mir geht es hier drin wirklich nicht gut. Ich will einfach nur nach Hause.“
Der letzte Teil war nicht einmal gelogen gewesen. Dara wollte wirklich nach Hause. Ganz dringend. Und sie war bereit, viel dafür zu tun. Auch notwendig war dafür, dass die Jonte bei der Stange hielt. Und sie schaffte es bei dem Gedanken an zu Hause und ihre prekäre Situation gerade tatsächlich, eine Träne hervorzudrücken.
Jontes Miene wurde weicher, aber noch nicht weich genug. Er hatte nach wie vor eine Augenbraue hochgezogen. Also warf Dara sich in seine Arme und begann, zu schluchzen.
„Es tut mir wirklich leid.“
Als sie spürte, dass sich seine Arme um sie legten, sah sie die wenigen Zentimeter, die sie kleiner war als Jonte, hoch und fragte: „Glaubst du mir das?“
Und er nickte.
„Ja“, sagte er, „Ich glaub’s dir. Aber, ey, pass das nächste Mal besser auf.“
„Das mache ich“, beteuerte Dara und nickte in die Umarmung hinein.
Dann löste sie sich von ihm und lächelte.
Jonte tat es ihr zögerlich gleich.
Und Dara war erleichtert.
„Möchtest du über Ariadne reden?“, fragte sie in dem einfühlsamsten Ton, welchen sie zusammenbrachte.
„Nein“, sagte er tonlos.
Dara sah Jonte zu, wie er seine Axt provisorisch wieder an den Rucksack schnallte, so, dass sie ihn nicht allzu blutig machen würde. Abwischen konnte man die Axt hier nämlich an nichts außer an den Utensilien, welche sie noch brauchen würden. Und das würde dann verdammt unappetitlich werden.
Zu zweit setzten sie den Weg fort. Dara war froh, dass die gewohnte Situation nun wieder hergestellt war. Und wer wusste schon, ob Jonte für sie beide mit dieser Aktion gerade nicht sogar ein paar Sponsoren abgegriffen hatte.





† Ariadne Tivari (D11)
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