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Des Widerspenstigen Zähmung - Einen Versuch ist er wert

von Rahja2
GeschichteHumor, Romance / P18 / Het
Dwalin OC (Own Character) Thorin Eichenschild
25.10.2020
04.05.2021
19
51.041
14
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Dieses Kapitel
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25.10.2020 2.579
 
Hallo, meine  lieben Leser,

nachdem meine Muse sang und klanglos verschwand und mich dazu brachte all  meine laufenden Geschichten in eine Kaffeepause zu schicken, kehrte sie nun zurück. Doch leider nicht mit neuen Ideen für Fortsetzungskapitel, sondern mit einem neuen Projekt im Gepäck, einer Kurzgeschichte, die ihr unter den Nägeln brennt.  

Ich hoffe auf reges Interesse, die eine oder andere Resonanz und wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

Liebe Grüße
Rahja

………………………………………

Ich konnte mich nicht daran erinnern wann ich das letzte Mal so aufgeregt war, wie in diesem Moment.                                                              
Mit feuchten Händen und klopfendem Herzen stand ich in der Schlange und wartete darauf, dass das Buch, welches ich soeben käuflich erworben hatte, vom Schriftsteller signiert werden würde.          

Aus der Times hatte ich erfahren, dass am heutigen Tag eine Lesung in meinem Lieblingsbuchladen stattfinden würde, abgehalten von meinem absoluten Lieblingsschriftsteller.
Bisher war es mir nicht vergönnt gewesen an solch öffentlichen Präsentationen teilhaben zu dürfen, da ich aus beruflichen Gründen nicht die Zeit dazu fand. Doch heute hatte ich frei und somit alle Zeit der Welt.      

Lange bevor der Buchladen seine Türen öffnete hatte ich mich in die Spur begeben, um einen möglichst guten Platz ergattern zu können. Dennoch hatte ich, nach meiner dortigen Ankunft, feststellen müssen, dass mein Vorhaben im Sande verlaufen wird, da eine vielzahl weiblicher Fans lange vor mir aufgestanden war und damit mein Begehr zunichte machen würde.      
Egal, wenn ich auch stehen musste, in hintersten Reihen, so würde ich dennoch meinen heimlichen Schwarm zu Gesicht bekommen, einschließlich Autogrammstunde nach der Lesung. Und nichts anderes wollte ich.    

Etwa eineinhalb Stunden später lauschte ich andächtig seiner Stimme, deren Timbre mir eine Gänsehaut verursachte und mein Herz erneut und vehement aus dem Takt brachte.
Früh aufzustehen, an einem freien Tag, seiner Lesung zu lauschen, einzutauchen in seinen neuen Roman, kam für mich einer Offenbarung gleich und sorgte dafür, dass sich meiner eine Euphorie bemächtigte, die einem heftigen Orgasmus gleich kam. Niemals hätte ich gedacht, dass sich ein fremder Mann, ein Mann, den ich wohl niemals persönlich kennen lernen würde, in mein Leben schleicht und dieses völlig auf den Kopf stellt. Dennoch war genau dies geschehen, völlig irrational und an jeglichem klaren Verstand vorbei.                                                                                            
Vor etwa fünf Jahren schlug dessen Kriminalroman „Ein Teufel in der Stadt der Engel“ ein wie eine Bombe. Und wurde quasi über Nacht zum Bestseller. Von diesem Zeitpunkt an erschienen zwei Mal im Jahr neue Krimis, die stetig Zuspruch fanden und weg gingen wie warme Semmeln, von der Kritik hoch gelobt.
Von jetzt auf gleich bekam New York einen neuen Prominenten und heiß begehrten, gut situierten Junggesellen.    
Kunststück, war doch Thorin Oakenshield nicht nur ein begnadeter Schriftsteller, sondern darüber hinaus auch ein Bild von einem Mann.    
Hochgewachsen, muskulös, mit charismatischem Aussehen, wundervollen blauen Augen und langem, fast schwarzem Haar, umgab ihn eine Aura des Mysteriösen und Verwegenen.  
Sein öffentliches Auftreten konnte man nur als charmant bezeichnen. Und seine Wortwahl, während Interviews und Konversationen mit Kritikern und Talk – Show – Moderatoren, nur als kultiviert, gehoben und im höchsten Maße eloquent. Von einem solchen Mann bemerkt und ehrlich wahr genommen zu werden, stellte ich mir wie ein Geschenk des Himmels vor.  

Natürlich erschienen hin und wieder Artikel und Fotos in einschlägigen Boulevardzeitungen, die Anlass zu Spekulationen gaben, dass die neben ihm abgebildete Frau es vermochte ihn einzufangen und aus einem Single einen Ehemann zu machen.  
Doch gab es nie Meldungen über eine Hochzeit.

Ich war ganz sicher nicht die Einzige, die sich im Stillen fragte warum solch ein Mann, gut aussehend, erfolgreich und mit bestimmt mehr als gut gefülltem Bankkonto, noch immer Single und nicht schon längst weg vom Markt war. Und genau wie wohl auch anderen Frauen in meiner Heimatstadt unterlag ich diesbezüglich der Vorstellung, dass ein Thorin Oakenshield keineswegs oberflächlich ist und nur darauf wartet der Einen zu begegnen, anstatt irgendein dahergelaufenes  IT – Girl zu ehelichen, um sich auch auf andere Art und Weise profilieren zu können und präsent und im Fokus der Medien zu bleiben. Denn, wer im Big Apple im Gespräch bleibt, kann so ziemlich alles verkaufen und fast unbegrenzt auf der Welle des Erfolgs reiten.

Mein Herz schlug wie eine gut geölte Nähmaschine gegen meine Brust, als ich endlich an der Reihe war.

„Wie lautet dein Name?“, wurde ich gefragt, während ich mein Buch auf den Tisch legte, um dieses signiert zu bekommen und nicht mal einen kurzen Blick des Schriftstellers zugeworfen bekam.  

„Tessa“, antwortete ich einsilbig.

Noch immer mehr als aufgeregt beobachtete ich wie die Finger des Schriftstellers über ein weißes Blatt glitten und mit einem billigen Kugelschreiber routiniert Worte zu Papier brachten, die ganz sicher die gleichen waren, die er all meinen Vorgängerinnen auch geschrieben hatte.
Und nur Sekunden später fand ich mich auf der Straße stehend wieder, mit einem Buch unterm Arm, in welches Thorin Oakenshield eigenhändig eine Widmung geschrieben hatte.

„Für Tessa. Ich hoffe dir gefällt was du zu lesen bekommst. Mit freundlichen Grüßen Thorin Oakenshield“, las ich wenig später, nachdem ich mir gestattet hatte den Band aufzuschlagen.

Noch in dieser Nacht las ich das neue Buch bis zum Ende durch.
`Auf den Kerl als Mörder wäre ich im Leben nicht gekommen´, ging es mir durch den Kopf, während ich die letzte Seite umblätterte und in früher Morgenstunde, mehr als versonnen, über das Konterfei des Schriftstellers strich, dessen Foto auf der rechten Innenseite des Einbandes abgebildet war.  

…………………………………

Zwei Jahre und vier Romane später…………..

Krankenschwester zu werden war zwar nie mein angestrebtes Ziel, doch fühlte ich mich dazu berufen, als meine Mutter schwer krank wurde und meiner Hilfe bedurfte, kurz nachdem ich meinen Highschool – Abschluss absolviert hatte.                        
Die Option ein College zu besuchen und zu studieren gab es ohnehin nie, denn dafür war einfach kein Geld da. Auch wenn meine Mutter jeden Cent, den sie entbehren konnte, verdient mit zwei Jobs, gespart hatte.                          
Meinen Vater hatte ich nie kennengelernt.  
Er war und blieb ein Mythos, den meine Mutter nie erwähnte und dessen Name und Identität im Verborgenen blieb, bis sie meine Herkunft schließlich mit ins Grab nahm.  
Zu diesem Zeitpunkt war ich Anfang zwanzig und mehr als froh aus dem Viertel, in welchem ich aufwuchs, herauszukommen, nachdem ich den Tod meiner Mutter gebührend betrauert hatte.  

Zwar war Hell's Kitchen offiziell ein Teil von Manhatten, nahe gelegen am legendären Broadway und nahe gelegen an allem was die Upperclass New Yorks als brodelnden Kessel bezeichnete, doch gleichzeitig auch ganz weit davon entfernt.

Es bereitete mir höchste Genugtuung von dort nach Queens, dem Nachbarbezirk, umsiedeln zu können, nachdem ich meine Schwesternprüfung, zuzüglich Zusatzausbildung in Intensivmedizin, bestanden hatte.  

Danach arbeitete ich eine Zeit lang im Presbyterian Hospitel, mit mehr als dürftigem Entgelt, was mich dazu brachte umzuschwenken und mich in diversen privaten Vermittlungen einschreiben und registrieren zu lassen, um lukrativere Angebote zu erhalten.

Wie sich herausstellte war das das Beste was ich tun konnte. Denn von diesem Zeitpunkt an bekam ich Aufträge, die wesentlich mehr einbrachten als eine Festanstellung in irgendeinem Krankenhaus.  
Von nun an betreute ich gut betuchte New Yorker, die es sich etwas kosten ließen eine private Krankenschwester mit Rund um die Uhr- Betreuung ordern zu können.  Und so wurde meine Wohnung in Queens nur noch eine Postadresse, da ich die meiste Zeit in schicken Appartements oder Privathäusern verbrachte.

Es war an einem Montagnachmittag, ich kam gerade von der Beerdigung meines letzten Patienten, den ich bis zu dessen Ableben aufopferungsvoll betreut hatte, als das Schicksal beschloss mich geradewegs in die Hölle zu schicken.

Ich hatte soeben meine Schuhe ausgezogen und mich auf die Couch geworfen, in Begriff den Fernseher einzuschalten, da klingelte mein Telefon.

„Harding“, meldete ich mich förmlich, nachdem ich feststellen durfte, dass der Anruf von einer meiner Vermittlungsagenturen kam.

„Neuer Auftrag, Harding“, wurde ich sofort angeblafft. „Pack ein paar Plünnen zusammen und begib dich sofort zur Upper East Side, Madison Ave Nummer zehn! Provision wie immer, versteht sich.“

Während vor meinem inneren Auge eine Frau erschien, die eher einer Bulldogge glich, als auch nur annähernd menschlich zu sein, fragte ich nur: „Name?“

„Oakenshield“, bekam ich zu hören, bevor, ohne weiteres Wort, aufgelegt wurde.

`Heiliges, was auch immer´, schoss mir durch den Kopf, während ich mich erhob und ins Schlafzimmer begab. `Ist dieser Nachname geläufig, oder………….?´

Keine zwei Stunden später stand ich vor einem hohen Gebäude, im feudalsten Viertel von New York, und strebte, einen Koffer hinter mir her zerrend, auf den Eingang zu.

Anderen hätte wahrscheinlich der Atem gestockt, nach Betreten des Hauses. Doch ich hatte schon viele solch pompöser Häuser zu Gesicht bekommen und war dementsprechend unbeeindruckt von Marmorwänden, dicken Teppichen und einem Portier in Uniform, der wissen wollte bei wem er mich anmelden darf.

„Oakenshield“, gab ich knapp von mir.

"Name?", wurde ich ebenso knapp gefragt.

"Tessa Harding."

„Penthouse“, bekam ich nun zu hören, während der Portier auf den Fahrstuhl zeigte und mir gleichzeitig einen kleinen Schlüssel übergab.  

„Danke“, sagte ich leise und fügte in Gedanken an: `Klar, etwas Anderes wäre wohl auch nicht in Frage gekommen. Werde ich wirklich in Kürze auf IHN treffen?´

Im Fahrstuhl verschaffte ich mir, mittels Schlüssel, die Berechtigung bis  zum Penthouse hinauffahren zu dürfen.  
Es kam mir wie eine Ewigkeit vor, bis die Fahrstuhltür sich öffnete und ich den feudalsten Wohnbereich des Hauses betreten konnte.

Die Einrichtung entsprach in allen Details meinen Erwartungen, von teuren, gediegenen Möbeln, bis hin zu wertvollen Kunstgegenständen und einer offenen Küche, in welcher chromblitzende Armaturen vorhanden waren  und Küchenhelfer standen, so blank geputzt, dass man sich darin spiegeln konnte.  
Und natürlich gab es einen überdimensionalen Kühlschrank mit Wasserspender und Eiswürfelmacher, der ganz sicher mehr als gut gefüllt war, mit Champagner und Snacks, die ein Vermögen gekostet hatten.                                    
Darüber hinaus durfte ich feststellen, dass ich mich in der Tat in der Behausung desjenigen befand, den ich seit einigen Jahren förmlich anhimmelte.
Auf einem Extraregal konnte ich Exemplare der Romane ausmachen, die ich in den letzten Jahren förmlich verschlungen hatte, nebst Trophäen, die dafür vom Schriftsteller eingeheimst wurden. Umgehend schlug mein Herz höher und kam nach jedem zweiten Schlag aus dem Tritt.

Ich wollte mich gerade bemerkbar machen, als von rechts laute Stimmen an mein Ohr drangen: „Ich weiß wirklich nicht warum du eine Krankenschwester engagierst, wenn doch ich dich pflegen könnte. Herrgott, Thorin, ich bin deine Mutter.“

„Und genau das ist das Problem, Mom. Vor fünfunddreißig Jahren hat es mich nicht gestört mir von dir den Arsch abwischen zu lassen. Doch jetzt, wo ich erwachsen bin, stört es mich unheimlich. Jetzt ………ach, verfickte Scheiße noch mal…..du weißt genau worauf ich hinaus will.“

„Musst du eigentlich immer so zotig daherreden, Junge?“

„Nee, muss ich nicht. Will ich aber, wenn meine Mutter mir anbietet mich zu betuddeln und mir nach dem Kacken den Arsch abzuwischen, weil ich selbst, für mehrere Wochen, dazu nicht in der Lage sein werde. Und jetzt würde ich es sehr begrüßen wenn du verschwindest und erst wieder hier auftauchst wenn ich meine Arme wieder benutzen und mich selbst versorgen kann!“

Sekunden später stürmte eine Frau an mir vorbei, ohne anzuhalten.      
Auf den Fahrstuhl zuhaltend zischte sie mir nur zu: „Ich hoffe du hast Nerven wie Drahtseile, Kindchen. Die wirst du brauchen, denn mein Sohn ist ein Arsch.“

Dass deren Aussage und Feststellung absolut der Wahrheit entsprach sollte ich nur wenige Minuten später selbst feststellen dürfen.

Mehr als devot betrat ich den Raum, der kurz vor mir von einer Frau verlassen und deren Hilfe schroff abgewiesen wurde, von deren eigenem Sohn.

Was ich nun zu sehen bekam erweckte zunächst mein Mitgefühl und die Bereitschaft als Krankenschwester alles dafür zu tun, dass mein Patient es so angenehm wie möglich hat, bis zu dessen vollständiger Genesung.                                                                                                            

Inmitten des Raumes, der eigentlich ein gut eingerichtetes Schlafzimmer war, prangte ein Pflegebett, in welchem ein Mann lag, dessen Gesichtsausdruck mehr als düster war.    
Den linken Arm zierte eine Orthese, die eine Handbreit unter der Schulter endete und so arretiert war, dass der Arm nicht ausgestreckt werden konnte. Und den rechten zierte eine externe Fixation, die einen komplizierten Knochenbruch wieder richten sollte, möglichst ohne nachfolgende Bewegungseinschränkung der Extremität.    
Nach Entfernung der Schrauben und der Fixateur würde mein neuer Patient also hoffentlich wieder mehr als funktionsfähig sein, wenn er auch derzeit aussah wie ein Cyborg, bei dessen Modifikation irgendetwas schief gelaufen war.

Ich kam gar nicht dazu mich vorzustellen, weil eine tiefe Stimme mich fragte: „Wie heißt du?“

„Tessa“, antwortete ich, insgeheim hoffend, dass er sich an mich erinnern würde.      
Doch geschah das mitnichten. Stattdessen bekam ich zu hören: „Was ist das denn für ein verschissener Name? Nicht Fisch nicht Fleisch. Sag, ist das die Verniedlichung von Theresa?“

„Nein“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Das ist der Name, den meine Mutter mir gab, Mister Oakenshield. Und, mit Verlaub gesagt, ist Thorin auch nicht gerade das Non plus Ultra. So heißt nur ein fiktiver Zwergenkönig aus Mittelerde, doch kein real existierender Mann.“

„Touche‘, Madame“, bekam ich zu hören, gefolgt von: „Lass gefälligst die verschissenen Höflichkeiten stecken und nenn mich Thorin! In Anbetracht dessen, dass du mir in den nächsten Wochen den Arsch abwischen musst, nach dem Kacken, ist ein Mister völlig unangebracht, Tessa.“

„Wenn es dir so unglaublich unangenehm ist dich von deiner Mutter versorgen zu lassen, wieso hast du dann keinen Pfleger geordert, sondern nach einen Krankenschwester verlangt?“, wollte ich wissen, ohne näher auf seine Ausführungen einzugehen.

„Weil ich nicht will, dass ein Kerl Hand an meinen Schwanz und meinen Arsch legt. Wenn ich auch in keiner Weise homophob bin, so wird mir dennoch niemals ein Kerl in den Schritt greifen dürfen. Ist das klar, Primadonna?“, bekam ich zur Antwort.

„Glasklar“, entfuhr es mir, während ich erst jetzt reflektierte, dass ich in den nächsten Wochen das unzweifelhafte oder auch zweifelhafte Vergnügen haben würde Thorin Oakenshield zu waschen, zu betten und diesem den Arsch abzuwischen, nach dem Kacken.

Einesteils bemächtigte sich meiner eine unglaubliche Euphorie, die mich schier in den siebten Himmel katapultierte, doch andererseits auch der Fürst der Unterwelt, der mir verhieß mich alsbald in der Hölle der Verdammnis begrüßen zu dürfen, nachdem ich einen Mord aus Leidenschaft beging.

Und während ich, mit geballten Fäusten, vorm Krankenbett von Thorin Oakenshield, dem begnadeten Schrifsteller  stand, erschien mir letzteres mehr als abwegig, wenn ich mir zu diesem Zeitpunkt auch das warum keineswegs erklären konnte, oder nur nicht wollte.
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